Tolle Erinnerung – Weiße Pest im Studio

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    Ich bin nicht sicher, inwieweit der Begriff “Weiße Pest” geläufig ist – gemeint ist Tuberkulose. Und da ist vor kurzem etwas “witziges” passiert. Eine der bekannteren Komikertruppen in Japan nennt sich “Harisenbon” – das ist eine ungelenke, Dicke und eine extrem Dürre mit genialem Überbiss. Um die beiden mit einem Wort zu beschreiben: Sie sind, nun ja, schlichtweg häßlich. Nun soll man das nicht unbedingt über Menschen schreiben, aber die beiden verkaufen sich mit exakt diesem Image recht gut in Japan.

    In dieser Woche gab es dann plötzlich die Eilmeldung eines Fernsehsenders, dass sich doch bitte Gäste einer neulich gedrehten Show beim Arzt melden sollen. Grund: Bei Minowa Haruka, der Dürren, wurde Tuberkulose diagnostiziert. Und die ist bekanntlich sehr ansteckend. Hunderte besorgte Bürger riefen daraufhin bei einer Hotline in Tokyo an.

    Das Wort Tuberkulose hat ja seinen Schrecken verloren – man assoziiert das Wort eher mit Not, Krieg, Mittelalter, vielleicht auch Osteuropa, Gefängnis, Drogenabhängige. Immerhin sind die gängigen Tuberkuloseformen auch schnell heilbar. Laut Japanischer Anti-Tuberkulose-Vereinigung gab es 2007 trotzdem 25’311 neue TBC-Fälle in Japan, mit 2’188 Todesopfern (meist ältere Menschen). Die Zahl hat mich zumindest trotzdem überrascht – laut Robert-Koch-Institut lag die Zahl der Neuerkrankungen in Deutschland bei 4’916. Das sind 3.3 mal mehr TBC-Kranke in Japan als in Deutschland. Trotz Pflichtimpfung.

    Damit sich übrigens jeder ein Bild machen kann von den Beiden, noch ein kleines Video:

    Das Wort des Tages: 結核 kekkaku “Binden – Kern”. Das japanische Wort für Tuberkulose – bezieht sich bestimmt auf die Symptome (behaupte ich mal so einfach – weiss es jemand besser?)

    5 COMMENTS

    1. Noch ein Nachtrag, laut besagter “Frau” (ihr Vater ist Arzt) besteht keine Impfpflicht mehr und die aktuell steigende Zahl an TBC ist wohl hauptsächlich unter jungen Leuten und da wohl besonders Junge Frauen festzustellen.
      Es wird an den geänderten Lebensumständen festgemacht, viel außer Haus mit vielen Leuten zusammen auf kleinem Raum feiern (Hört sich so verdammt nach Izakaya an :D).

      In Deutschland wurde vor Jahren auch ein Anstieg an TBC Fällen notiert, interessanterweise wohl in Korrelation mit der Öffnung nach Osten.

      TBC ist übrigens schon semi gefährlich, weil es etliche Stämme gibt, die mittlerweile Immun gegen die üblichen Breitbandantibiotika sind.
      (Wurde mit Sorge bemerkt als der Anstieg in Deutschland festgestellt wurde.)

    2. Wundert mich schon das TBC in Japan soviel stärker anzutreffen ist als hier in Deutschland. Interessant bei TBC ist ja, das wohl fast jeder dritte Mensch auf der Welt damit infiziert ist, allerdings bricht die Krankheit nur bei einem Bruchteil der Menschen wirklich aus. Bedingt ist das dann meistens durch Unterernährung oder anderen Schwächungen des Körpers. Ein fittes Immunsystem kann den Erreger unter Kontrolle halten, da die Bakterien in sogenannten Tuberkelen in der Lunge eingeschloßen werden. Die Frage ist jetzt warum in Japan so eine signifikant höhere Krankheitsrate zu finden ist. Ein Grund wird sicher das enge Zusammenleben auf der Insel sein, vielleicht ist auch ein weiterer Grund dass die jungen Leute zunehmend unter Streß leiden, was wohl bestimmt einen Ausbruch der Krankheit unterstützt. Da sieht mans mal wieder, Studenten habens nicht leicht…ständiges Feiern ist aber auch anstrengend ;).

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