Galapagos
Galapagos
Liest man englische Artikel über Japan, trifft man gelegentlich auf das Kunstwort "Galapagosnization" . Galapagos? Genau, die Inseln draussen im nichts mit den berühmten Darwinfinken, die sich von Insel zu Insel unterschiedlich entwickelt haben.
Japan mit Galapagos gleichzusetzen ist dabei in der Regel der Versuch, bildlich darzustellen, dass in Japan die Uhren anders ticken. Ein Paradebeispiel in der Wirtschaft: Der Mobilfunkmarkt. Er ist einfach anders. Leute benutzen hier ihre Mobiltelefone anders - zum Beispiel ausgiebigst zum Fernsehen, Shoppen (auf Seiten, die man nur auf Mobilfunktelefonen aufrufen kann) und zum bargeldlosen Bezahlen. Aus diesem Grund wurden dem iPhone und Google Android in Japan schlechte Chancen eingeräumt (was allerdings im Falle des iPhones widerlegt werden konnte - beim Android muss man abwarten; der Verkauf begann erst diesen Herbst).
Anderes Beispiel: KitKat. Oder Fanta. In so ziemlich allen Ländern dieser Welt ist KitKat ein geschichteter Keksriegel mit Schokolade drumherum. Der nach Keks und Schokolade schmeckt. Nur (?) in Japan lässt man sich nicht lumpen: Da gibt es auch die Geschmacksrichtungen grüner Tee, Sojasauce, Erdbeerkäsekuchen, Süsskartoffel, Kinako usw. usf. Auch Fanta wartet mit vielen lustigen Sorten auf. Selbst McDonalds, KFC usw. lassen sich was für Japan einfallen.
Warum ich ausgerechnet auf dieses Thema komme? Ich habe gerade durch Zufall zum ersten Mal seit langem Countdown TV auf TBS gesehen - dort werden die aktuellen Charts gezeigt. Als ehemaliger Formel 1 (Sendung)-Fan mochte ich sowas schon immer. Als ich bei meinem ersten Japanbesuch 96 die gleiche Sendung sah, dachte ich damals: "Gut, das waren die einheimischen Bands. Mal schauen, wie die allgemeinen Charts aussehen". Pustekuchen! Das waren die Charts! Und daran hat sich nichts geändert: Man findet in den japanischen Charts in der Regel nur japanische Bands (und einige sind dort seit Jahrzehnten zu finden - wie z.B. Mr. Children oder Shiina Ringo usw.).
Dann wiederum gibt es Bands aus dem Ausland, die im Ausland kein Schwein mehr hören mag - die jedoch nachwievor in Japan hohes Ansehen geniessen. Beispiel: Mr. Big. Aber das ist ja kein japanisches Phänomen - Anne Clark oder Sisters of Mercy waren ja auch in Deutschland vielen Leuten ein Begriff, aber in ihrer Heimat kannte sie so ziemlich keiner.
Darwin hätte jedenfalls an Japan seine Freude gehabt.
Das Wort des Tages: ガラパゴス化 Galapagosu-ka. Galapagos und der Suffix -ung, also in etwas "Galapagosierung". Von vielen Japanern auch selbst gern benutzt, um mal wieder darauf hinzuweisen, dass Japan etwas ganz, ganz besonderes ist.
Kommentare, Pingbacks:
Nur für Auswanderer wie dich macht es die Sache vielleicht ein bisschen schwieriger - aber eben auch spannender.
Ich hab auch vor ein paar Wochen in Düsseldorf nach diversen Kitkat-Sorten vergeblich gesucht :-)
Jo, unter den Mitbringseln meiner letzten Reise befanden sich auch KitKat しょうゆ (Sojasauce, sehr lecker), KitKat とちおとめ (Erdbeer - dachte immer, das hieße イチゴ, jedenfalls die volle Chemie-Dröhnung) und KitKat grüner Tee ... :D
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Wenn man mal bedenkt, dass Japan im Ranking der Industrienationen auf Platz 2 liegt, dann ist dieser einzigartige Binnenmarkt schon ein kleines Wunder.
Das ist nichts Schlechtes. Es gibt allerdings auch (bzw. gerade hier) in Japan Menschen, die das Ganze für die irrsinnige Theorie, ihr Volk sei besser als jedes Andere, zu missbrauchen suchen.
@Marcus
Keine Sorge - Erdbeere ist und bleibt いちご! Es gibt in Japan aber zwei berühmte Erdbeermarken: (Tochi)otomo aus der Präf. Tochigi und Amaou (steht für Amai=süss, MArui (rund), Ookii (gross) und Umai (lecker)) aus Fukuoka. Die Otome sind aber mit Abstand am bekanntesten.
1. Japan ist eine Insel ("Galapagos-Syndrom").
2. Tokyo ist das größte Dorf der Welt.
Warum haben sich die Japaner eigentlich Galapagos ausgesucht? Ein "näherliegendes" Beispiel war nicht verfügbar? :-)
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