About - Über diese Seiten
Impressum
Irgendwohin

Japan-Almanach

Schrift verkleinern Schrift vergrössern | Nachricht an den Author senden | Diese Seite drucken | RSS-Feed abonnieren! | Add this site to Delicious | Digg this

Einmal richtig prassen


Einmal richtig prassen

02.04.09 23:12:00 Kategorien: Neues aus Nippon Umfang: 436 Wörter Gelesen: 445 mal

Ministerpräsident Aso hat es also wirklich gegen den Widerstand der Opposition, zahlreicher gewichtiger Parteigenossen und so ziemlich der gesamten Bevölkerung geschafft: Er hat sein umstrittenes Stimulationsprogramm durch das Parlament gebracht, nach welchem jeder Bürger Bares bekommen soll - angekündigt in diesen beiden Artikeln.

So richtig mochte ich nicht daran glauben, bis wir gestern zwei dicke Briefe von der Stadt bekamen - wir mögen die darin enthaltenen Formulare ausfüllen und zum Rathaus schicken, dann bekommen wir Geld überwiesen: 12'000 Yen für meine Frau, 20'000 Yen für unsere Tochter (war ja klar - sie ist gerade mal 2 Jahre alt, hat aber jetzt schon das dickste Konto von uns allen ... Bildung ist eben teuer hier, da muss man vorsorgen) und 12'000 Yen für Papa - na schau mal einer an, selbst ohne permanente Aufenthaltsgenehmigung wurde meine Wenigkeit also bedacht.

Die meisten sind gegen das Programm, weil sie sich zum einen - zu Recht - um die jetzt schon besorgniserregende Staatsverschuldung Sorgen machen. Andere sind dagegen, weil ähnliche Programme kaum Wirkung zeigten. Andere wiederum sind dagegen, weil der Vorschlag von Aso kam. Und wiederum andere sind dagegen, weil sie dies in Anbetracht der anstehenden Wahlen für Massenbestechung des Wahlvolkes halten. Die Punkte 1, 2 und 4 sind auf jeden Fall nachvollziehbar.
Mit dem Gesetzesentwurf einher kam ein selten dummes Geeiere: Aso kündigte erst grossspurig an, er werde das Bargeld nicht annehmen - er habe es schliesslich nicht nötig (stimmt). Daraufhin hagelte es Kritik: Wo liege dann der Sinn in der Massnahme, wenn nicht alle mitmachen und das Geld hernach sofort wieder in den Kreislauf bringen? Dann ruderte Aso zurück: Er werde es nun doch annehmen. Und es gleich wieder ausgeben, um der Wirtschaft zu helfen. Ist klar.

Was werden wir wohl mit dem unverhofften Geldsegen machen? Da unsere Tochter noch nicht viel damit anfangen kann, kommt ihr Anteil - immerhin fast 160 Euro - dahin, wo ihr ganzes Kindergeld und die vielen Geldspenden zu Geburtstagen und weiteres fliessen: Ihr Konto. Meine Frau und ich werden wohl unsere Anteile dazu benutzen, eine neue Waschmaschine zu kaufen. Schliesslich hatte der Hersteller unserer alten Waschmaschine beschlossen, dass 3 Jahre und ein Monat Lebenserwartung für eine Waschmaschine genug sein (drei Mal darf geraten werden, wie lang die Garantiezeit war).

Übrigens hängt es von den Gemeinden ab, wann gezahlt wird: Wer also auf Dauer in Japan lebt und noch keinen Bescheid bekam, braucht nicht gleich in Panik zu verfallen.

Das Wort des Tages: 反抗 hankō - anti-, Widerstand. Der Widerstand. Welcher enorm gross war, Aso aber kein bisschen störte.

Kommentare, Pingbacks:

Kommentar von: Terry [Besucher] Email
Herr Ackermann (der Peacemaker von er Deutschen Bank AG) war auch so frei, niemals Geld vom Staat nehmen zu wollen (würde sich angeblich schämen). Allerdings hatte er zuvor selbst das Konzept des schönen Schutzschirms für Banken entworfen. Da staunt der Leihe und der Fachmann wundert sich.

Zumindest hat man in Japan die gesamte Bevölkerung und Wirtschaft im Blick. Im Gegensatz zur BRD - Autohersteller und -händler freuen sich, dem Rest der Wirtschaft wird dann auch noch ein weiterer Teil Konsumenten weggenommen (mindestens neun Jahre alte Autos halten sich zumeist nicht gerade Geld gesegnete Haushalte). Aber ob 100 oder 150 EUR eine Wirtschaft ankurbeln würden?

Ich denke auch, dass Sinn und Zweck der Übung die Wahlen sein werden (wann finden denn diese statt?). Hier wurde ja auch der Seniorenbereich als breite Wählerschicht entdeckt. Mal sehen, was den tollen regierenden noch so einfällt (G20 feiert ja auch gerade in London die Krise ab).
PermalinkPermalink 03.04.09 @ 02:23
Kommentar von: Michael Hess [Besucher] Email · http://www.michael-hess.net/japan-blog/
Jaa den Brief habe ich auch vor 3 Wochen oder so bekomen von der Stadt wo ich jetzt neu gemeldet bin.... werde damit auch mal tierisch die Wirtschaft ankurbeln.
Das mit der Waschmaschine... ist immer überall so, nennt sich Murphy's Law :)
PermalinkPermalink 03.04.09 @ 06:52
Kommentar von: Michael Hess [Besucher] Email · http://www.michael-hess.net/japan-blog/
Apropro Aso... der soll laut japanischer Zeitung Fräulein Merkle wohl beim G20 Meeting tierisch auf die Zehen getreten sein und sie ist jetzt wohl sauer auf Ihn... naja wem störts denkt er sich wohl Korea will Krieg und keiner kann mich leiden.
PermalinkPermalink 03.04.09 @ 06:55
Kommentar von: Jakub Piwowarski [Besucher] Email · http://jaycup.wordpress.com
schon beeindruckend. alle sind dagegen - er macht es trotzdem. für jemanden der scheinbar null unterstützung im volk hat, hat der herr doch ordentlich durchsetzungskraft.
PermalinkPermalink 03.04.09 @ 08:08
Kommentar von: Juergen [Besucher] Email
hihi, lass mich mal dein Einkaufsliste zusammenfassen:

1. Neues Blogdesign damit der Blog schöner aussieht (bis 200 Euro)
...
99. Neue Waschmaschine für die Frau, damit sie Abends nicht so schwielige Hände hat, wenn Sie mit den Hemden und Krawatten vom Fluss kommt (nur geschenkt)
PermalinkPermalink 03.04.09 @ 19:35
Kommentar von: tabibito [Mitglied] Email · http://www.tabibito.de
@Juergen
Falsch! Waschmaschine ist auf Platz 36!
PermalinkPermalink 03.04.09 @ 22:19
Kommentar von: BigAl [Besucher] Email · http://www.bigalsjlog.blogspot.com
Hm, wo diese krumme Summe wohl herkommt. Ist doch in etwa der Preis für einmal Kyabakura oder?
PermalinkPermalink 04.04.09 @ 11:15
Kommentar von: tabibito [Mitglied] Email · http://www.tabibito.de
@BigAl
Weiss nicht... sag Du's mir :-)
PermalinkPermalink 04.04.09 @ 11:19
Kommentar von: Hamu-Sumo [Besucher] Email · http://hamu-sumo.blogspot.com/
Ich frage mich gerade, warum ein Kleinkind ohne direkte Kaufkraft mehr bekommt als ein Erwachsener mit voller Kaufkraft.
PermalinkPermalink 04.04.09 @ 16:47
Kommentar von: Heydal [Besucher] Email
Verstehe Waschmaschine auf Platz 36, Ehafrau auf Platz 1 was wiederum dazu führt das besagte Waschmaschine doch den Zuschlag erhält. So funktioniert im realen (Ehe) Leben der Konsumbedarf. Dafür wirst Du sicher auf der Prioritätenliste deiner Frau die unangefochtenen Nummer Eins sein. Obwohl so ein neues Dampfbügeleisen....... Vielleicht legst Du noch ein Bügeleisen obendrauf, sicher ist sicher (.D Heydal
PermalinkPermalink 04.04.09 @ 17:31
Kommentar von: Felix [Besucher] Email
ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Programm auch nur die kleinste Wirkung zeigen wird. Die meisten Japaner werden das Geld eh auf die hohe Kante legen.

PS: wie wäre es mit einem einfachem Chat auf deiner Seite?
PermalinkPermalink 06.04.09 @ 15:18
Kommentar von: Marcus [Besucher] Email
Apropos Waschmaschinen: Stimmt es eigentlich, dass die in Japan nur mit kaltem Wasser waschen und man deshalb entsprechend aggressivere Waschmittel nimmt?
PermalinkPermalink 07.04.09 @ 20:24
Kommentar von: Juergen [Besucher] Email
@Marcus
Ich habe während meines Urlaubs in Japan zwar nur 2 Waschmaschinen kennengelernt, aber beide liefen nur mit kaltem Wasser. Ich kannte sowas garnicht und hab erst einmal nachgefragt, wo man die Temperatur und das Programm für Buntwäsche einstellt. Gibt's beides nicht. Soweit ich es eben in Foren nachlesen konnte, beschränkt sich die Aggressivität nicht nur auf Waschmittel, sondern existiert auch bei Shampoo, Zahnpasta usw.. Aber so körperbewusst scheinen die Japaner nicht zu sein. Vielleicht kann hier einer aus erster Hand was dazu schreiben?
PermalinkPermalink 09.04.09 @ 04:29
Kommentar von: tabibito [Mitglied] Email · http://www.tabibito.de
@Marcus
Ersteres stimmt auf jeden Fall. Letzteres - vielleicht, bin nicht sicher. Ist jedenfalls nicht so offensichtlich.

@Marcus
Wie kommst Du darauf, dass Japaner weniger körperbewusst sind!? Wenn es um Hygiene geht, kenne ich keine grösseren Reinlichkeitsfanatiker als Japaner. Klar gibt es Ausnahmen, aber im Allgemeinen...
Auch das mit dem Shampoo und der Zahnpasta halte ich für seltsam - vielleicht fehlt mir das fehlende Chemiewissen dazu, aber ich wage arg zu bezweifeln, dass beide Sachen aggressiver sein sollen als anderswo. Du berufst Dich auf Foren - kannst Du Quellen posten?
PermalinkPermalink 09.04.09 @ 22:32
Kommentar von: Juergen [Besucher] Email
@tabibito

Hier ist der Link, wo über das ganze aggressive Zeugs diskutiert wird.

[LINK]
Desweiteren hatte ich mal gelesen, dass die Japaner es mit der Zahnhygiene nicht so genau nehmen sollen und das man z.T. extrem starke Medikamente verschrieben bekommt. Dafür haben ich leider keine Quellen.
PermalinkPermalink 10.04.09 @ 01:32
Kommentar von: ディーン [Besucher] Email
@Marcus
Ersteres trifft generell in Asien zu.
Das mit dem aggressiv kann ich allerdings nicht so recht glauben, ist doch meine Wäsche in Europa nach spätestens einer Saison bleich gewaschen, in Asien hingegen kann ich waschen wie besessen und die Farben und die Stoffstruktur bleiben gut erhalten. Liegt aber sicher auch am kalt waschen.
Wer unbedingt warm waschen will, die Waschmaschinen hängen an normalen Wasserhähnen und lassen sich auch an Mischhahnen anschliessen. Nur ist es eben nicht üblich. Hatte sowas mal in einer Wohnung, hatte dann aber doch immer kalt gewaschen weil's für's meiste genügte.

@Juergen
Nicht so körperbewusst??? Gerade die Japaner sind ja sowas von picky wenn's um noch feinere, noch sanftere Cremes, Shampoos, Körperlotionen etc. geht. binkan hada hier, binkan hada dort, die Werbung strotzt nur so davon. Nicht wenige Japanerinnen im Ausland lassen sich Produkte aus der Heimat schicken oder nehmen auf Besuch bergeweise mit, da europäische Kosmetik-/Hygieneprodukte oft weit weniger raffiniert sind, oder schon gar nicht existent.
Und was Hygiene angeht, da sind viele Japaner ja oberpingelig. Um ein Extrembeispiel zu nennen, eine Kollegin reist viel und sie nimmt aus Hygienegründen ihre eigenen Bettlaken mit ins Hotel...
Der WC Hersteller Toto liess zu seinem Jubiläum verlauten, dass sein Erfolg auch dem enormen Hygienebedürfnis der Japaner zu verdanken sei.

Wem es trotzdem supekt ist, Produkte von Frosch kriegt man fast überall in Japan, und alles ist auf Deutsch angeschrieben :-)
PermalinkPermalink 14.04.09 @ 00:33
Kommentar von: Juergen [Besucher] Email
@tabibito

Ok, danke für die Info, lasse mich je gerne eines besseren belehren. Dann sind die Japaner wohl doch keien Barbaren ;-)
PermalinkPermalink 14.04.09 @ 00:54
Kommentar von: Herm [Besucher] Email · http://myrrdin.wordpress.com
Hab heute auch nen Brief und damit 12 000 Yen bekommen.
Danke Aso... Man sogar Leute die nur noch 3 Monate in Japan sind bekommen das Geld. Wie lange das wohl dauert?
PermalinkPermalink 08.05.09 @ 22:21

Hinterlasse einen Kommentar:

Deine E-Mail Adresse wird nicht angezeigt.
Deine URL wird angezeigt.

Erlaubte XHTML Tags: <p, ul, ol, li, dl, dt, dd, address, blockquote, ins, del, span, bdo, br, em, strong, dfn, code, samp, kdb, var, cite, abbr, acronym, q, sub, sup, tt, i, b, big, small>
(Zeilenumbrüche werden zu <br />)
(Setze Cookies für Name, E-Mail und URL)
(Erlaube Benutzern, Dich über ein Nachrichten-Formular zu kontaktieren (Deine E-Mail Adresse wird NICHT angezeigt).)



Voriger Eintrag: Palmen statt Schnee

Nächster Eintrag: Kirschblütenwahnsinn / Nerds in action


Japan Blogged

Tabibitos Japan Blog - Neues und alltägliches, verrücktes und normales aus Wirtschaft, Kultur und Politik von einem Wahljapaner.
> Hier begann alles
> Projekt unterstützen

Zeichen des Tages


閲



>Bisherige Zeichen

Kalendar

September 2010
Mo Di Mi Do Fr Sa So
 << <   > >>
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30      

Feed Radar
Letzte Kommentare

Tabibito Friends

Tops & Flops


Kategorien

Nicht Japan, aber...

...gern mal vorbeigeschaut bei

Suchen & Finden

Verbloggt

Wer ist online?

  • Gäste: 28