Einmal richtig prassen
Einmal richtig prassen
Ministerpräsident Aso hat es also wirklich gegen den Widerstand der Opposition, zahlreicher gewichtiger Parteigenossen und so ziemlich der gesamten Bevölkerung geschafft: Er hat sein umstrittenes Stimulationsprogramm durch das Parlament gebracht, nach welchem jeder Bürger Bares bekommen soll - angekündigt in diesen beiden Artikeln.
So richtig mochte ich nicht daran glauben, bis wir gestern zwei dicke Briefe von der Stadt bekamen - wir mögen die darin enthaltenen Formulare ausfüllen und zum Rathaus schicken, dann bekommen wir Geld überwiesen: 12'000 Yen für meine Frau, 20'000 Yen für unsere Tochter (war ja klar - sie ist gerade mal 2 Jahre alt, hat aber jetzt schon das dickste Konto von uns allen ... Bildung ist eben teuer hier, da muss man vorsorgen) und 12'000 Yen für Papa - na schau mal einer an, selbst ohne permanente Aufenthaltsgenehmigung wurde meine Wenigkeit also bedacht.
Die meisten sind gegen das Programm, weil sie sich zum einen - zu Recht - um die jetzt schon besorgniserregende Staatsverschuldung Sorgen machen. Andere sind dagegen, weil ähnliche Programme kaum Wirkung zeigten. Andere wiederum sind dagegen, weil der Vorschlag von Aso kam. Und wiederum andere sind dagegen, weil sie dies in Anbetracht der anstehenden Wahlen für Massenbestechung des Wahlvolkes halten. Die Punkte 1, 2 und 4 sind auf jeden Fall nachvollziehbar.
Mit dem Gesetzesentwurf einher kam ein selten dummes Geeiere: Aso kündigte erst grossspurig an, er werde das Bargeld nicht annehmen - er habe es schliesslich nicht nötig (stimmt). Daraufhin hagelte es Kritik: Wo liege dann der Sinn in der Massnahme, wenn nicht alle mitmachen und das Geld hernach sofort wieder in den Kreislauf bringen? Dann ruderte Aso zurück: Er werde es nun doch annehmen. Und es gleich wieder ausgeben, um der Wirtschaft zu helfen. Ist klar.
Was werden wir wohl mit dem unverhofften Geldsegen machen? Da unsere Tochter noch nicht viel damit anfangen kann, kommt ihr Anteil - immerhin fast 160 Euro - dahin, wo ihr ganzes Kindergeld und die vielen Geldspenden zu Geburtstagen und weiteres fliessen: Ihr Konto. Meine Frau und ich werden wohl unsere Anteile dazu benutzen, eine neue Waschmaschine zu kaufen. Schliesslich hatte der Hersteller unserer alten Waschmaschine beschlossen, dass 3 Jahre und ein Monat Lebenserwartung für eine Waschmaschine genug sein (drei Mal darf geraten werden, wie lang die Garantiezeit war).
Übrigens hängt es von den Gemeinden ab, wann gezahlt wird: Wer also auf Dauer in Japan lebt und noch keinen Bescheid bekam, braucht nicht gleich in Panik zu verfallen.
Das Wort des Tages: 反抗 hankō - anti-, Widerstand. Der Widerstand. Welcher enorm gross war, Aso aber kein bisschen störte.
Kommentare, Pingbacks:
Zumindest hat man in Japan die gesamte Bevölkerung und Wirtschaft im Blick. Im Gegensatz zur BRD - Autohersteller und -händler freuen sich, dem Rest der Wirtschaft wird dann auch noch ein weiterer Teil Konsumenten weggenommen (mindestens neun Jahre alte Autos halten sich zumeist nicht gerade Geld gesegnete Haushalte). Aber ob 100 oder 150 EUR eine Wirtschaft ankurbeln würden?
Ich denke auch, dass Sinn und Zweck der Übung die Wahlen sein werden (wann finden denn diese statt?). Hier wurde ja auch der Seniorenbereich als breite Wählerschicht entdeckt. Mal sehen, was den tollen regierenden noch so einfällt (G20 feiert ja auch gerade in London die Krise ab).
Das mit der Waschmaschine... ist immer überall so, nennt sich Murphy's Law :)
1. Neues Blogdesign damit der Blog schöner aussieht (bis 200 Euro)
...
99. Neue Waschmaschine für die Frau, damit sie Abends nicht so schwielige Hände hat, wenn Sie mit den Hemden und Krawatten vom Fluss kommt (nur geschenkt)
Falsch! Waschmaschine ist auf Platz 36!
Weiss nicht... sag Du's mir :-)
PS: wie wäre es mit einem einfachem Chat auf deiner Seite?
Ich habe während meines Urlaubs in Japan zwar nur 2 Waschmaschinen kennengelernt, aber beide liefen nur mit kaltem Wasser. Ich kannte sowas garnicht und hab erst einmal nachgefragt, wo man die Temperatur und das Programm für Buntwäsche einstellt. Gibt's beides nicht. Soweit ich es eben in Foren nachlesen konnte, beschränkt sich die Aggressivität nicht nur auf Waschmittel, sondern existiert auch bei Shampoo, Zahnpasta usw.. Aber so körperbewusst scheinen die Japaner nicht zu sein. Vielleicht kann hier einer aus erster Hand was dazu schreiben?
Ersteres stimmt auf jeden Fall. Letzteres - vielleicht, bin nicht sicher. Ist jedenfalls nicht so offensichtlich.
@Marcus
Wie kommst Du darauf, dass Japaner weniger körperbewusst sind!? Wenn es um Hygiene geht, kenne ich keine grösseren Reinlichkeitsfanatiker als Japaner. Klar gibt es Ausnahmen, aber im Allgemeinen...
Auch das mit dem Shampoo und der Zahnpasta halte ich für seltsam - vielleicht fehlt mir das fehlende Chemiewissen dazu, aber ich wage arg zu bezweifeln, dass beide Sachen aggressiver sein sollen als anderswo. Du berufst Dich auf Foren - kannst Du Quellen posten?
Hier ist der Link, wo über das ganze aggressive Zeugs diskutiert wird.
[LINK]
Desweiteren hatte ich mal gelesen, dass die Japaner es mit der Zahnhygiene nicht so genau nehmen sollen und das man z.T. extrem starke Medikamente verschrieben bekommt. Dafür haben ich leider keine Quellen.
Ersteres trifft generell in Asien zu.
Das mit dem aggressiv kann ich allerdings nicht so recht glauben, ist doch meine Wäsche in Europa nach spätestens einer Saison bleich gewaschen, in Asien hingegen kann ich waschen wie besessen und die Farben und die Stoffstruktur bleiben gut erhalten. Liegt aber sicher auch am kalt waschen.
Wer unbedingt warm waschen will, die Waschmaschinen hängen an normalen Wasserhähnen und lassen sich auch an Mischhahnen anschliessen. Nur ist es eben nicht üblich. Hatte sowas mal in einer Wohnung, hatte dann aber doch immer kalt gewaschen weil's für's meiste genügte.
@Juergen
Nicht so körperbewusst??? Gerade die Japaner sind ja sowas von picky wenn's um noch feinere, noch sanftere Cremes, Shampoos, Körperlotionen etc. geht. binkan hada hier, binkan hada dort, die Werbung strotzt nur so davon. Nicht wenige Japanerinnen im Ausland lassen sich Produkte aus der Heimat schicken oder nehmen auf Besuch bergeweise mit, da europäische Kosmetik-/Hygieneprodukte oft weit weniger raffiniert sind, oder schon gar nicht existent.
Und was Hygiene angeht, da sind viele Japaner ja oberpingelig. Um ein Extrembeispiel zu nennen, eine Kollegin reist viel und sie nimmt aus Hygienegründen ihre eigenen Bettlaken mit ins Hotel...
Der WC Hersteller Toto liess zu seinem Jubiläum verlauten, dass sein Erfolg auch dem enormen Hygienebedürfnis der Japaner zu verdanken sei.
Wem es trotzdem supekt ist, Produkte von Frosch kriegt man fast überall in Japan, und alles ist auf Deutsch angeschrieben :-)
Ok, danke für die Info, lasse mich je gerne eines besseren belehren. Dann sind die Japaner wohl doch keien Barbaren ;-)
Danke Aso... Man sogar Leute die nur noch 3 Monate in Japan sind bekommen das Geld. Wie lange das wohl dauert?
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