About - Über diese Seiten
Impressum
Irgendwohin

Japan-Almanach

Schrift verkleinern Schrift vergrössern | Nachricht an den Author senden | Diese Seite drucken | RSS-Feed abonnieren! | Add this site to Delicious | Digg this

20TOKYO10 - Ideen gesucht

21.03.10 18:32:39 Kategorien: Kultur Umfang: 225 Wörter Gelesen: 110 mal

Heute abend habe ich Niko getroffen - ein Schweizer Typograf, Fotograf und Videokünstler, der momentan (mal wieder) in Tokyo weilt. Niko alias nubero hat bereits früher einen sehr kurzen Film über das Nachtleben gemacht - im timelapse-Verfahren. Der Film ist entsprechend eher eine Installation aus zahllosen Fotos mit passend eingebauter Geräuschkulisse. Lange Rede, kurzer Sinn - seht es Euch selbst an (ist kurz):

Momentan ist ein neues Werk in Planung unter dem Arbeitstitel 20Tokyo10: Die Idee ist, verschiedene Leute aus Tokyo zu Wort kommen zu lassen - eine Collage aus ungeschnittenen Interviews in verschiedenen Sprachen und passenden Fotos. Die Idee dahinter ist die Tatsache, dass es zwar sehr viele Dokumentationen über Japan gibt, viele dabei allerdings ziemlich alt sind.

Über die Qualität des Schnittes und der Umsetzung schlechthin mache ich mir bei Anblick des Erstlingswerkes keine Sorgen, aber der Film lebt und stirbt mit der Auswahl der Menschen, die zu Wort kommen. Deshalb an dieser Stelle ein kleiner Aufruf: Wer hat Ideen für die Auswahl der Menschen, die zu Wort kommen sollen? Wer kennt jemanden, der interessant und interessiert sein könnte? Es können Japaner sein und Ausländer - die Sprache kann Englisch, Deutsch oder Japanisch sein. Über jegliche Vorschläge würden sich nubero und meine Wenigkeit sehr freuen - das ganze könnte sehr interessant werden.




3 Stunden fahren, 3 Stunden laufen?

17.03.10 18:35:36 Kategorien: Kurioses Umfang: 253 Wörter Gelesen: 241 mal

Momentan stecke ich bereits in den Vorbereitungen für die Goldene Woche (eine knappe Woche Urlaub Ende April / Anfang Mai) - zumal dieses Mal Besuch aus Deutschland ansteht. Nach einigem Hin und Her habe ich mich für Kusatsu entschieden - ein bekannter Ausflugsort in dem Bergen von Gunma, umgeben von bildhaft schönen (wenn auch mitunter explosiven) Vulkanen. Aus Neugier habe ich deshalb schon mal nachgesehen, wie man denn dorthin am besten ohne eigenes Gefährt kommen kann.

Eine Bahnanbindung hat der Ort jedenfalls nicht - man fährt wohl am besten zu einem Bahnhof namens Naganohara Kusatsu-guchi und fährt von dort mit dem Bus weiter. Flugs also meinen Wohnort und besagten Bahnhof bei Jorudan eingegeben - dort kann man kostenlos Verbindungen (inkl. Flugzeug) heraussuchen. Fehlanzeige: Der Bahnhof ist nicht im System.

Aus Not bei Google Map vorbeigeschaut (aus Not, da ich weiss, dass das System noch alles andere als vollkommen ist) - die haben seit einigen Monaten auch eine Verbindungssuche im Programm. Ergebnis: Siehe rechts. Ich wunderte mich schon, warum alles über 6 Stunden dauern soll.

Ein zweiter Blick macht stutzig: Google Map empfiehlt für Nicht-Motorisierte erst eine Fahrt mit der Bahn und dann, siehe rotes Kästchen, einen strammen Fussmarsch bis zum Ziel: Laut Google dauert das "nur" ungefähr 3 Stunden und 13 Minuten. Das klingt ja schon fast nach einer Herausforderung!

Das Wort des Tages: 乗換案内 norikae annai. Norikae = Umsteigen, Annai - Die Auskunft, die Anleitung. In Japan ein Instrument, auf das ich bei dem Bahngeflecht keinesfalls verzichten möchte.




Gut versorgt: Kleine Statistik

15.03.10 16:17:10 Kategorien: Alltag Umfang: 159 Wörter Gelesen: 288 mal

In meiner Wahlheimatstadt erscheint alljährlich ein Katalog - eine Art Gelber Seiten, in denen alle Institutionen und Geschäfte aufgelistet werden. Deshalb mal an dieser Stelle eine kleine Statistik - wer möchte, kann das gern mit seinem Wohnort vergleichen:

Stadtname:		浦安 Urayasu, Präfektur Chiba
Stadtfläche:		17 km²
Einwohner:		164'000
davon Ausländer:	3,300 (2,0%) 
Einwohnerdichte:	9'480 pro km²
Neulandanteil (neu seit 1960):	¾ der Gesamtfläche
Bahnlinien:		1
U-Bahnlinien:		1
Buslinien:		26
Besucher pro Jahr:	> 20 Millionen (hauptsächlich Disneyland & Cirque du Soleil)
Hotels:			22
------------
Fast Food-Restaurants:	27
Restaurants - gemischt:	40
Restaurants - westlich: 40
Restaurants - ethnisch:	 8
Restaurants - japanisch:28
Sushibars		29
Japanische Esshallen:	12
Tonkatsu-Restaurants (jap.Kotelett)			12
Yakiniku (koreanisches Gegrilltes)-Restaurants:		19
Okonomiyaki-Restaurants:	14
Udon/Soba (jap. Nudeln):	26
Ramen-Shops (chin. Nudelsuppe)	25
Chinarestaurants:		27
Jap. Kneipen (Izakaya)		66
Bars				25

Convenience Stores:		54

Universitäten:		 3
Oberschulen:		 4
Mittelschulen:		 9
Unterschulen:		17
Kindergärten:		22

Bibliotheken:		 5
Bücher in Bibliotheken:	 2 Millionen

Schreine:		 4
Tempel:			12

Friseure:		91
Zahnärzte		79

Usw. usf. Erstaunlich, was man alles auf 17 km² unterbringen kann!

Das Wort des Tages: 統計 tōkei - Statistik.




Wahnsinn Religion

11.03.10 16:07:41 Kategorien: Kultur Umfang: 606 Wörter Gelesen: 356 mal

Mein kurzer Abstecher nach Shikoku vergangenes Wochenende war mal wieder eine Gelegenheit, ein kleines bisschen Buddhismus zu erleben - schliesslich haben wir ja auch im Tempel übernachtet und ausgiebig Zeit gehabt, uns jenigen genau anzusehen.

Buddhismus ist und bleibt für mich ein Buch mit sieben Siegeln - es gibt so viele Lehren und Sekten, dass mir das Christentum dagegen paradiesisch leicht verständlich vorkommt. Das ist freilich eine völlig unfundierte Aussage und sehr objektiv - wenn ich behaupten würde, das Christentum halbwegs zu verstehen, würde ich lügen.
Einen gewissen Reiz kann man dem Buddhismus nicht absprechen, und viele Asienreisende verfallen diesem Reiz: Die Religion hat etwas friedfertiges, es gibt scheinbar keine aufdringlichen Missionare, die Tatsache, dass der Mensch unvollkommen ist, wird als gegeben hingenommen und man muss nicht immer zur Beichte rennen, wenn man mal was ausgefressen hat. Zudem sehen die Tempel alle schön und exotisch aus, der Dalai Lama ist ein guter Mann, der immer lächelt, und von fanatischen, bombenlegenden Buddhisten, denen alles egal ist, da ja im Paradies 18, wenn nicht noch mehr, Jungfrauen auf einen warten, hat man auch noch nicht gehört.
Schaut man sich das scheinbar gelassene, farbenfrohe Leben in Tempeln in Indien, Thailand und sonst noch wo an, sieht Buddhismus wie eine vernünftige Lebenseinstellung aus, die man nicht unbedingt verstehen, aber doch zumindest bewundern kann.

Dachte ich mir früher so. Bis ich von einem buddhistischen Phänomen hörte, das mir eine ordentliche Gänsehaut bescherte: Das lebendige Mumifizieren. Das Konzept: Als Mensch in seiner sterblichen, unperfekten Hülle kann nicht die höchste Stufe erreichen - wie man sich auch anstrengt, man wird nicht zum Buddha. Zumindest eine Strömung im Buddhismus versucht dieser doch essentiellen Einschränkung zu entgehen. Sie schlägt vor, dass, wer sich lebendig mumifiziert (und - kleines, aber bedeutendes Detail - bis zum Ende in sitzender Position verbleibt), doch zum Buddha werden kann.

Die Prozedur ist schmerzvoll - und dauert lange: Der Regel nach 2'000 Tage, also über 5 Jahre. In den ersten tausend Tagen assen die Mönche nur noch gewisse Wurzeln und Nüsse und trieben viel Sport: Ziel war, jegliches Gramm Fett loszuwerden, denn jenes ist bei einer Mumifizierung nicht dienlich. In den folgenden tausend Tagen tranken die Mönche dann einen eigentlich giftigen Tee aus den Stoffen des Lackbaums - jener Tee hatte zur Folge, dass der Körper zu giftig wurde, um Würmer und dergleichen als Speise zu dienen. Danach ging es im Lotussitz in ein dunkles, enges Grab - mit einer Glocke und einem Schlauch zur Aussenwelt zum Luft holen. Jeden Tag klingelte der Mönch dann mit dem Glöckchen - so er noch lebte. 1'000 Tage nach dem letzten Klingeln schauten die Mönche schliesslich nach, ob die Mumifizierung gelungen war oder nicht: Bei den meisten wohl nicht, denn bisher sind nur um die 20 gelungene Beispiele bekannt. Die, die es geschafft hatten, wurden umgehend zu Buddhas erklärt.

Diese Praxis fand wohl vor allem in Nordjapan statt - aber nur bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts: Heute ist das ganze nicht mehr zeitgemäss und wird dementsprechend nicht mehr praktiziert. Sagt man.
Diese Praxis ist gelinde gesagt beeindruckend: Wie willens- und glaubensstark muss man sein, um dies 5 Jahre durchzustehen? Und welche Leichen hat der Buddhismus noch im Keller versteckt?

Diese kleine Geschichte soll keine Wertung sein - aber eine Warnung, fremde Religionen mit Respekt und EhrFURCHT zu behandeln: Als Fremder lernt man wirklich nur die Spitze des Eisberges kennen. Mit Religionen ist eben nicht zu spassen.

Das Wort des Tages: 即身仏 sokushinbutsu (sofort-Seele-Buddha) - der Name für die Prozedur.




Shikoku die Dritte: Viele Wolken, viel Buddhismus

08.03.10 17:38:27 Kategorien: Über diesen Blog Umfang: 757 Wörter Gelesen: 256 mal

An diesem Wochenende sollte es wieder nach Shikoku gehen - das ist die kleinste der vier Hauptinseln Japans. Für mich war es die dritte Reise durch Shikoku - an die ersten beiden Reisen denke ich sehr gerne zurück, denn diese Insel bietet alles, was micn interessiert: Berge, Meer, nette Menschen, viel Kultur - und die Tatsache, dass ein Grossteil der Insel sehr ländlich und ursprünglich ist.

Dieses Mal ging es allerdings nicht zum Vergnügen hin, sondern aus einem ernsteren Anlass: 法事 Hōji stand auf dem Programm - ein "Todesgedenktag", der den buddhistischen Regeln zur Folge zum Beispiel 33 Jahre nach dem Ableben von den Familienangehörigen gemeinsam begangen wird. Wie es der Zufall so will, war jenes Familienmitglied der Vorsteher eines buddhistischen Tempels, welcher heuer vom Sohn geleitet wird. Jener Tempel steht in der tiefsten Provinz in Shikoku: Der nächstgelegene Flughafen / die nächstgelegene Grossstadt liegt gute 2 Stunden mit dem Auto entfernt, und das auch nur, seit in den vergangenen Jahren neue Tunnel, Schnellstrassen usw. gebaut wurden.

Hinter den 7 Bergen...


Am Sonnabend ging es also erst zum Flughafen Haneda (Tokyo), dann mit dem Flieger um 7:20 (!) nach Matsuyama und von dort mit dem Auto gute 2 Stunden entlang der Küste gen Süden. Im "Familientempel" versammelten sich nach und nach die Familienmitglieder - die meisten hatte ich in den vergangenen Jahren schon getroffen, aber neue Gesichter waren auch dabei. Darunter auch insgesamt sechs Kinder.
Um 15 Uhr begann die Zeremonie, und ich kann mit Stolz (!?) sagen, dass meine gerade 3 Jahre alt gewordene Tochter zielstrebig wusste, wie sie die ganze Zeremonie, nun ja, wie soll ich sagen, interessanter als üblich gestaltete: "この人誰?" (kono hito dare? - "Wer ist das denn"? Sagte sie laut-fröhlich, als der Gehilfe des Priesters (genauer gesagt - sein Sohn) hereinkam. Als der Priester ein Opfer zum Schrein brachte, war sie drauf und dran, hinterherzurennen - in Erwartung, es gäbe etwas zu essen und aus Angst, sie würde nichts abbekommen.
Zum Ende trug eine Gruppe von gut 10 Frauen und Männern gemeinsam eine Sutre vor. Als sie fertig waren, kam von ihr der Zwischenruf: "皆逃げてるよ!" - "minna nigeteru yo" - "Schau mal, jetzt rennen alle weg". Aber es wurde ihr verziehen - die Gruppe, die meisten kannten den Verstorbenen und seine Familie, hatten sich schon vorher darauf gefreut, sie zu sehen.


Klein aber fein: Das Schloss von Uwajima


Die ganze Tokyo-Gesandschaft hatte beschlossen, dass es doch zu schade wäre, schon nach nur einer Nacht wieder abzureisen - also blieben wir eine weitere Nacht, also bis Montag abend. Damit war Sonntag und Montag noch Zeit, sich die Gegend ein bisschen anzusehen. Das Wetter war recht durchwachsen: Viel Regen, niedrige Wolken, aber wenigstens annehmbare Temperaturen von ca. 12 Grad. Aber das kann auch recht reizvoll sein: Tieffliegende Wolken zwischen hohen Bergen können durchaus eindrucksvoll sein.

An der Westküste der Insel machte man früher aus der Not eine Tugend: Die Rias-Küste von Westshikoku bietet eigentlich kaum Platz zum Leben, geschweige denn zur Landwirtschaft - die Berge gehen bis direkt ans Meer und sie sind fst ausnahmslos sehr steil. Also machten sich die Bewohner damals daran, die Hänge in Terassen umzuwandeln und landwirtschaftlich zu nutzen. Die Felder sind dabei gerade mal so breit wie ein Badehandtuch. Das ist prinzipiell gesehen natürlich clever: Von oben gesehen wird so aus einem steilen Berg eine einzige Ackerfläche. Von der Seite gesehen sieht man hingegen nur eines: Steine. Das Modell (durchaus auch in Europa, wenngleich dort aus anderen Gründen - nämlich um Weinstöcken so viel wie möglich Sonne angedeihen zu lassen - bekannt) ist sehr arbeitsintensiv und heutzutage mit Sicherheit ein Anachronismus, denn für die maschinelle Landwirtschaft ist schlichtweg kein Platz vorhanden.

Terassenfeldbau in Yusu

Aus diesem Grund verschwinden die sogenannten 段々畑 - dandanbatake - Terassenfelder nach und nach. Man sieht in der Region mehr überwucherte als intakte Terassen. Schade, möchte man da gerne sagen, aber das ist wohl eher der Standpunkt des temporären Besuchers.
Mehr zu Shikoku dann wieder demnächst auf diesen Seiten!

Nachtrag: Mehr Photos hier:

Get the flash player here: http://www.adobe.com/flashplayer



:: Nächste Seite >>


Japan Blogged

Tabibitos Japan Blog - Neues und alltägliches, verrücktes und normales aus Wirtschaft, Kultur und Politik von einem Wahljapaner.
> Hier begann alles
> Projekt unterstützen

Zeichen des Tages


拓



>Bisherige Zeichen

Kalendar

März 2010
Mo Di Mi Do Fr Sa So
 << <   > >>
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30 31      

Feed Radar
Letzte Kommentare

Tops & Flops


Kategorien

Nicht Japan, aber...

...gern mal vorbeigeschaut bei

Suchen & Finden

Verbloggt

Wer ist online?

  • Gäste: 16