Yamaga – heisse Quellen und altes Kino

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Lage von Kumamoto
Region: 九州 Kyūshū
Präfektur: Kumamoto 熊本

Yamaga 山鹿

2 von 5 Sternen: Kann man sich mal ansehen
Name:

Yamaga. Bedeutet „Berg – Reh“. Ein seltener Ortsname in Japan. Die gleichen Zeichen (aber „sanroku“ gesprochen) werden für einen Spielstein im japanischen Schach (Shōgi) benutzt.

Lage:

Im Norden der Präfektur Kumamoto, ca. 30 km nördlich der Stadt Kumamoto. Die Stadt erstreckt sich in einem Tal entlang des kurzen, aber relativ breiten 菊池川 Kikuchi-gawa (-gawa=Fluss).

Ansehen:

(bzw. erleben:) Eine der vielen heissen Quellen in Yamaga. Das Yachiyo-za Kabuki-Theater – ein interessantes Theater mit viel Geschichte.

Yamaga – Beschreibung

Yamaga ist eigentlich der Name einer Region im Norden von Kumamoto bzw. in der historischen Provinz 肥後 Higo und tauchte in der heutigen Form zum ersten Mal im 8. Jahrhundert auf. Das Gebiet wurde aber bereits spätestens im 5. Jahrhundert besiedelt – davon zeugen die Überreste von alten Gräbern aus der Kofun-Zeit. Auf einem Berg nahe der heutigen Stadt stand sogar seit dem 8. Jahrhundert eine historische Festung – das 鞠智城 Kikuchi-Schloss. Den Namen verdankte die Feste dem über Jahrhunderte in der Region dominierenden Kikuchi-Clan. Die Stadt tauchte später oft in den Annalen auf – als Kriegsschauplatz, als Ort mit ausgezeichneten heissen Quellen sowie im 18. Jahrhundert als Ort, der für die Schirm- und Laternenherstellung berühmt ist.

Yamaga: Steintor des Kongōjō-ji
Steintor des Kongōjō-ji

Obwohl verhältnismässig abgelegen, war Yamaga vor allem seit Beginn des 20. Jahrhunderts wegen seiner heissen Quellen ein beliebter Ausflugsort. Darüber hinaus wuchs Yamaga aber nicht übermässig – es gab nie wirklich nennenswerte Industrien in der Gegend, weshalb der Ort auch völlig unbeschadet den Zweiten Weltkrieg überstand.

Ehemaliges Bankgebäude von 1925
Ehemaliges Bankgebäude von 1925

Der Ort hat heute ausser in der Tat sehr schönen heissen Quellen (siehe Onsen) auch noch ein paar andere Sehenswürdigkeiten – so zum Beispiel den 金剛乗寺 Kongōjō-ji, ein schöner Tempel der Shingon-Sekte, interessanterweise unter anderem von einem Engländer geleitet. Der Tempel befindet sich im Stadtzentrum quasi neben dem Rathaus der Stadt.

Wie eingangs erwähnt war und ist die Stadt bekannt für die Produktion traditioneller 灯籠 Tōrō – Laternen, die hier nur aus japanischem Papier und Leim hergestellt werden. Zur O-bon-Zeit, hier am 15. und 16. August, findet in Yamaga zu Ehren der Laternenmacher das über die Stadtgrenzen hinaus bekannte 山鹿灯籠まつり Yamaga-Laternenfest statt. Ca. 1’000 in Sommerkimonos gekleidete Frauen tanzen dort mit Laternen auf ihren Köpfen – laut Stadt kommen alljährlich um die 300’000 Besucher zu dem Fest.

Aussenansicht des Yachiyoza-Theaters
Aussenansicht des Yachiyoza-Theaters

Im Stadtzentrum gibt es zudem das 山鹿灯籠民芸館 – Yamaga-Laternen-Handwerksmuseum (siehe Photo oben rechts). Das Gebäude war einst eine Bank und ist ein schönes Beispiel für die der europäischen Architektur angelehnten Bauweise der Taishō-Zeit rund um 1920 – dieser Bau stammt von 1925 und befindet sich im Originalzustand.

Im Filmmuseum des Yachiyoza-Theaters
Im Filmmuseum des Yachiyoza-Theaters

Eine besondere Attraktion von Yamaga ist das 八千代座 Yachiyo-za – Kabuki-Theater. Das Gebäude stammt von 1910 und befindet sich ebenfalls nahezu im Originalzustand. Yamaga war damals sehr bekannt als Ort vorzüglicher heisser Quellen – Besucher kamen aus ganz Japan. Und den Urlaubern dürstete nach Unterhaltung. Ursprünglich wurden nur Kabuki-Stücke aufgeführt (Kabuki ist die unterhaltsamere Variante japanischer Theaterkunst, im Gegensatz zum schwer verdaulichen Nō), doch später wurden auch Stummfilme und dann normale Filme aufgeführt. Leider ging der Betreiber jedoch schliesslich Anfang der 1970er bankrott und das Theater begann zu zerfallen. In den 1980ern begannen jedoch die Stadtbewohner, für den Erhalt zu kämpfen. Mittlerweilen wurde das Theater als wichtiges Kulturerbe Japans anerkannt. Ganz gelegentlich gibt es Aufführungen; ansonsten kann man das teilweise zum Museum ausgebaute Theater auch besichtigen – Eintritt kostet 200 yen sowie 100 yen für den Museumsbereich. Die fortschrittliche Bühnentechnik in Verbindung mit traditioneller japanischer Theaterbauweise ist durchaus interessant. Das Theater befindet sich unweit des Rathauses.

Anreise

Die Stadt liegt etwas abseits der Eisenbahnen und Autobahnen. Ohne eigenes Gefährt ist man auf Busse angewiesen. Es gibt regelmässige Busse nach Kumamoto – dauert gute 70 Minuten und kostet 870 yen.

Übernachtung

Mangels Grösse gibt es kaum normale und Businesshotels – die meisten Herbergen sind Hotels mit angeschlossener heisser Quelle. Ich bin nicht mehr sicher, wo ich dort übernachtet habe, aber die meisten Hotels ähneln sich in Ausstattung und Angebot. Die Preise inkl. Abendessen und Frühstück liegen bei 10,000 yen aufwärts.

Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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