Tsubame und Sanjō – die Stadt der Messermacher

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Lage von Niigata
Region: 中部 Chūbu
Präfektur: 新潟 Niigata

燕 Tsubame

2 von 5 Sternen: Kann man sehen, muss man aber nicht
Name:

Tsubame. Das Schriftzeichen und die Lesung bedeuten beides „Schwalbe“.

Lage:

Tsubame liegt ca. 35 km südlich der Präfekturhauptstadt Niigata zwischen dem Japanischen Meer und den Bergen im Inselinneren. Durch die Stadt fliesst der 中ノ口川 Nakanokuchi-gawa (gawa = Fluss).

Ansehen:

Eine der zahlreichen Messermanufakturen in der Stadt

Tsubame – Beschreibung

Blick über den Nakanokuchi-Fluss Richtung Berge
Blick über den Nakanokuchi-Fluss Richtung Berge

Fährt man mit dem Shinkansen oder dem Auto von Tokyo nach Niigata, so fährt man erstmal dutzende Kilometer durch die wilde Bergwelt der Inselmitte. Rund 50 km von Niigata entfernt verlässt man wieder die Berge und fährt in ein langes, immer breiter werdendes Tal – die Echigo-Ebene – mit saftigen Reisfeldern und der einen oder anderen Ortschaft. Dort befinden sich auch die beiden kleinen Städte 燕 Tsubame und 三条 Sanjō. Die Gemeinde Sanjō ist ziemlich gross (430 km²) und hat knapp 100,000 Einwohner. Tsubame hingegen ist nur 110 km² gross und hat gut 80’000 Einwohner – damit ist der Ort nach Niigata Stadt der am zweitdichtesten besiedelte Ort der Präfektur Niigata. Das hat nicht viel zu sagen, denn die Stadt hat eher dörflichen Charakter. Die Tendenz in Tsubame geht zudem Richtung Bevölkerungsrückgang: Im Jahr 2000 gab es über 84,000 Einwohner, und 10 Jahre später nur noch knapp 82’000.

Bahnhof und Bahnhofsvorplatz von Tsubame
Bahnhof und Bahnhofsvorplatz von Tsubame

Die Stadt Tsubame ist, wie die Nachbarstadt Sanjō, ein trauriges Beispiel dafür, wie wenig Wert man in Japan auf eine gesunde Innenstadt legt. Die Stadtzentren liegen rund 10 km voneinander entfernt. Dazwischen gab es vor allem Reisfelder. Dann baute man die Autobahn und Shinkansentrasse – diese verlaufen, sinnvollerweise, zwischen den beiden Ortschaften hindurch. Dadurch hat sich der gesamte Kommerz in die Gegend um den Shinkansenbahnhof und die Autobahnabfahrt verschoben. Dort stehen nun, auf grüner Weise, ein grosses Einkaufszentrum, eine Handvoll Hotels und dutzende Restaurants. Dadurch starben die Innenstädte komplett aus – dort verfallen die Häuser, schliessen die kleinen Läden, und man findet dort fast nur noch alte Leute, die, so sie kein eigenes Auto haben, es ziemlich schwer haben, ihre tagtäglichen Verrichtungen durchzuführen.

Eine der zahlreichen Messermanufakturen
Eine der zahlreichen Messermanufakturen

Die Gegend von Tsubame und Sanjō hat in Japan sowie teilweise sogar über die Inseln hinaus einen guten Ruf – die Gegend gilt als das Solingen Japans: Hier gibt es zahlreiche kleine Manufakturen, die Messer und andere Küchenutensilien und Metallwerkzeuge herstellen. Vor rund 400 Jahren begann man in Tsubame und Sanjo damit, Nägel herzustellen – später erweiterte man die Produktpalette und wurde im ganzen Land bekannt für Messer und andere Bestecke sowie Werkzeuge.

Zerfallen - Kämpft mit Bevölkerungsschwund: Tsubame
Zerfallen – Kämpft mit Bevölkerungsschwund: Tsubame

Die Manufakturen sind allerdings weit verstreut, und da es sich im Prinzip um ganz normale Firmen handelt, kann man dort natürlich nicht ungefragt hereinplatzen um sich umzuschauen. Es ist allerdings möglich, sich im Voraus telefonisch anzumelden und dann auch einen Einblick in die Produktion zu bekommen, aber das erfordert etwas Planung. Ansonsten gibt es in im Ort leider rein gar nichts zu sehen: Die Innenstadt, zwischen lokaler Bahnlinie und dem Fluss, ist alt und verfällt an einigen Stellen. Es gibt nur noch wenige Geschäfte, die sich gerade so, wenn überhaupt, gegen all die grossen Einkaufszentren auf der grünen Wiese noch behaupten können.

Anreise

Die Haltestelle 燕三条 Tsubame-Sanjō liegt an der 上越新幹線 Jōetsu-Shinkansen-Trasse. Mit den schnellsten Shinkansen („Max“) braucht man vom Bahnhof Tōkyō ziemlich genau 2 Stunden, die einfache Fahrt kostet 9,080 yen. Nicht alle Max-Shinkansen halten hier – je nach Verbindung muss man auf halber Strecke in einen langsameren Shinkansen („Tanigawa“) Umsteigen.

In die andere Richtung geht es nach Niigata – das dauert mit dem Shinkansen nur 13 Minuten und kostet 2,920 Yen.

Durch den Ort fährt auch die lokale JR 弥彦線 – Yahiko-Linie. Die Linie ist gerade mal 17 Kilometer lang und fährt von Sanjō über die Shinkansenhaltestelle und Tsubame bis an die Küste. Von Tsubame bis 吉田 Yoshida an der wichtigen 越後線 Echigo-Linie braucht man nur 13 Minuten, von dort kann man dann mit einem normalen Zug ebenfalls bis nach Niigata fahren. Das dauert dann insgesamt fast 1½ Stunden, kostet aber nur 756 yen. Züge der Yahiko-Linie fahren allerdings recht selten.

Übernachtung

Es gibt einige Business-Hotels in der Umgebung der Shinkansenhaltestelle – darunter das APAホテル燕三条駅前店 APA Villa Hotel Tsubamesanjo-Ekimae. APA Villa Hotels gibt es zahlreiche in Japan, und der Standard ist überall gleich. Ein Einzelzimmer kostet dort ab ca. 5’000 Yen. Zumindest in Tsubame Stadt selbst habe ich keine weiteren Ūbernachtungsmöglichkeiten gesehen.

Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

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