Tokyo: Nakano-ku – hier tobt das Leben

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Lage von Nakano
Region: 関東 Kantō
Präfektur: 東京 Tokyo

中野区 Nakano-ku

3 von 5 Sternen: Nur bedingt sehenswert
Name:

Der Name setzt sich aus „naka“ (Mitte, mitten) und „no“ (Feld) zusammen. Ein Allerweltsname in Japan. Nakano-ku besteht seit 1932 und wurde aus den Gemeinden Nakano-chō 中野町 und Nogata-chō 野方町 zusammengesetzt. Daher auch der Name (dass beide Namen das Zeichen „野 no“ enthalten ist natürlich praktisch).

Lage:

Der Bezirk Nakano-ku liegt im westlichen Teil des Zentrums von Tokyo und grenzt im Norden an Nerima-ku, im Osten an Toshima-ku und Shinjuku-ku, im Süden an Shibuya-ku und im Westen an Suginami-ku. Damit liegt der Bezirk zwar ausserhalb der Yamanote-Ringlinie, aber immer noch sehr zentral.

Nakano – Allgemeines

Nakano-ku ist knapp 16 Quadratkilometern gross und liegt damit auf Rang 14 der 23 zentralen Stadtbezirke von Tokyo (genannt -ku). In dem Bezirk leben gute 300’000 Einwohner – das ist ebenfalls Rang 14. Damit ist die Bevölkerungsdichte von guten 20’00 Einwohnern pro Quadratkilometer durchschnittlich in Tokyo.

Der Bezirk wird von der wichtigen, kerzengeraden 中央本線 Chūō-Hauptlinie in einen Nord- und einen Südteil getrennt. Im Zentrum des Bezirks liegt der grosse Bahnhof 中野 Nakano. Der Nordteil wird vom kleinen Flüsschen 妙正寺川 Myōshōji-gawa durchquert. Der ist allerdings grösstenteils in ein Betonbett gezwängt und nicht einmal 10 Kilometer lang. Im Norden reicht der Stadtteil bis zur Station 富士見台 Fujimi-dai, im Süden fast bis 笹塚 Sasazuka.

Das Zentrum

In den 1930ern lag diese Gegend noch ausserhalb von Tokyo und war von Reis- und anderen Feldern bestimmt. Die Stadt Nakano hatte Kleinstadtcharakter und hatte weniger als 30’000 Einwohner. Doch die Chuo-Bahnlinie gab es damals schon – sie fährt schnurstracks gen Westen Richtung Hachiōji und weiter. Der grosse Bauboom begann nach dem Krieg. Shinjuku wurde immer bedeutender, und da man von hier bis Shinjuku mit dem Zug gerade mal 5 Minuten braucht, liessen sich immer mehr Menschen nieder. Das geschah vor den 1970ern, also bevor man damit begann, überall gesichtslose Wohnsilos hochzuziehen.

Blick über den Bahnhof Nakano - links hinten im Bild: Shinjuku
Blick über den Bahnhof Nakano – links hinten im Bild: Shinjuku

Die Stadt und Umgebung wurden bald als Wohngebiet ausgewiesen, weshalb es auch heute noch kaum Industrie gibt, dafür aber viele kleine Firmen und Manufakturen. Da die eigentliche Entwicklung zu einem Stadtteil von Tokyo erst nach dem Krieg erfolgte, leben die meisten erst in der zweiten oder dritten Generation hier – es gibt jedoch auch viele Studenten, die sich hier ein Zimmerchen suchen, da es in der Gegend viele Universitäten gibt. Nakano ist dabei keine „Schlafstadt“ wie zum Beispiel die benachbarten Bezirke Nerima oder Suginami – laut einer Untersuchung seitens der Stadt Tokyo ist die Tagesbevölkerung mit über 280’000 Menschen fast genauso gross wie die Nachtbevölkerung. Sprich – hier ist tags- und nachtüber etwas los. Dabei ist der allgemeine Trend jedoch rückläufig: In den 1970ern lebten hier noch 380’000 Einwohner. Der Verlust ist der steigenden Grundstückspreise geschuldet, aber auch der Tatsache, dass sich mehr und mehr Firmen hier niederlassen, da der Ort nunmehr zentral genug liegt, um den Firmen als Hauptsitz zu genügen.

Sun Plaza im Zentrum
Sun Plaza im Zentrum

Da dieses Stadtviertel doch etwas zu neu ist – es gibt kaum Gebäude, die älter als 70 Jahre alt sind – steht es in keinem Reiseführer. Zu recht wohlgemerkt, aber mehr dazu siehe unten. Interessant ist es jedoch für Ausländer, die wegen des Studiums oder der Arbeit für längere Zeit in Tokyo weilen, denn hier kann man relativ gut wohnen (für Tokyoter Verhältnisse zumindest) und ist dennoch sehr dran am Stadtzentrum.

中野サンモール Sun Mall

Fährt man in japanische Provinzstädte, findet man fast überall überdachte Ladenstrassen, die ausschliesslich Fussgängern vorbehalten sind. Aufgrund der negativen Bevölkerungsentwicklung in der Provinz entwickeln sich jene jedoch leider immer mehr zu sogenannten シャッター通り Shutter-dōri – „Rollladenstrassen“. Rollladen deshalb, weil viele Geschäfte mangels Kundschaft (oder aufgrund zu starker Konkurrenz der neuen Shopping-Malls) dicht machen müssen und man deshalb fast nur noch für immer geschlossene Rollläden sieht. Wenn es jedoch ein gelungenes Beispiel für eine lebendige, quirlige Einkaufsstrasse japanischer Prägung gibt, dann ist dies die Sun Mall in Nakano. Diese beginnt direkt am Nordausgang des Bahnhofs von Nakano.

Typisch japanische Einkaufsstrasse - Sun Mall
Typisch japanische Einkaufsstrasse – Sun Mall

Man kann vom Bahnhof fast 400 Meter lang selbst bei Starkregen durchs Trockene laufen dank der überdachten Ladenstrasse – und das ist auch der Grundgedanke alter japanischer Ladenstrassen: So kann man vom Heimweg von der Heimat schnell noch mal hier und mal dort einkaufen gehen. Und es gibt alles – von Schuhgeschäften über Gemüseläden bis hin zu den obligatorischen Spielhöllen. Viele Läden sind sehr klein, und viele gibt es nur hier, so dass man sich schnell in der Strasse verlieren kann.

Hier gibt es Restaurants und Bars zuhauf
Hier gibt es Restaurants und Bars zuhauf

Läuft man die Sun Mall vom Bahnhof aus Richtung Norden entlang, sieht man in kleinen und kleinsten Gassen, die rechterhand von der Mall abgehen, unzählige Leuchtreklamen, die auf dort ansässige Restaurants und Bars verweisen. Richtig – diesen Teil sollte man sich am besten nachts ansehen, denn hier tümmeln sich unzählige kleine und kleinste Etablissements, in denen man gemütlich versacken kann. Aufgrund des Konkurrenzdrucks müssen die Betreiber hier natürlich besonders kreativ sein, so dass man hier wahre Meisterwerke gut eingerichteter Bars sehen kann. Und die meisten Geschäfte haben Stil – hier ist man nicht auf Laufkundschaft aus, sondern auf potentielle Stammgäste. Unter den ganzen Restaurants und Bars gibt es auch ein paar kulinarische Geheimtipps – die erkundet man aber am besten selbst.

Blick auf das Zentrum von Nakano - mit dem Fuji-san im Hintergrund
Blick auf das Zentrum von Nakano – mit dem Fuji-san im Hintergrund

Sonstiges

Es gibt noch mehr zu sehen – zum Beispiel den 哲学堂公園 Tetsugakudō Kōen – „Philosophentempelpark“. Jener wurde vom japanischen Philosophen Inoue Enryō gegründet. Inoue wurde 1858 geboren und beschäftigte sich ausgiebig mit westlicher, aber mehr noch mit fernöstlicher, genauer gesagt mit buddhistischer Philosophie. Ein kleiner Pavillon in dem Park ist deshalb den vier Philosophen Siddhartha Gautama (im Westen oft schlicht Buddha genannt), Konfuzius, Sokrates und Kant gewidmet. Inoue war zudem der Gründer der auch heute noch bekannten und grossen Tōyō-Universität. Der Park ist nicht allzu gross, aber schön angelegt und eine willkommene Abwechslung zum sonst dicht besiedelten Stadtviertel Nakano.

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