Taketomi – die Sternensandinsel

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Lage von Okinawa
Präfektur: 沖縄 Okinawa

Insel Taketomi 竹富島

4 von 5 Sternen: Sehr sehenswert
Name:

Taketomi. Wörtlich: Reichlich Bambus. Der Name wurde bis ins 19. Jahrhundert anders geschrieben: 武富. Regional wird die Insel auch „Takidun“ oder „Teedun“ genannt.

Lage:

Taketomi ist Teil der 八重山諸島 Yaeyama-Inselkette. Die Insel liegt zwischen Ishigaki im Osten (5 km) und Iriomote im Westen (20 km).

Ansehen:

Der Ort in der Inselmitte. Die Strände – vor allem der Kondoi-Strand.

 

Taketomi – Beschreibung

Die fast eiförmige Insel Takeshima ist lediglich gute 5 km² groß und hat nur 158 Häuser mit insgesamt 358 Einwohnern – Stand 2013. Die Einwohner verteilen sich auf drei kleine Gemeinden: Ainota, Innnota und Naaji. Früher gab es mehr Orte und zeitweise (zum Beispiel nach dem 2. Weltkrieg) mehr als 2’000 Einwohner, doch einige andere Orte, zum Beispiel im Norden, sind heute verlassen. Der Handvoll Einwohner stehen ganze Besucherscharen entgegen – bis zu 400’000 Besucher kommen pro Jahr auf die Insel, wobei die meisten allerdings am gleichen Tag die Insel wieder verlassen.

Panorama der Kondoi-Bucht. Im Hintergrund schwach zu erkennen: Die Insel Iriomote.
Panorama der Kondoi-Bucht. Im Hintergrund schwach zu erkennen: Die Insel Iriomote.

Der Name Taketomi steht nicht nur für die Insel selbst, sondern auch für eine Verwaltungseinheit beziehungsweise Gemeinde, welche alle Inseln westlich von Ishigaki (mit Ausnahme von Yonaguni) umfasst. Die Gemeinde heißt 竹富町 Taketomi-chō, und das Gemeindeamt befindet sich… ausserhalb der Gemeinde, auf der Nachbarinsel Ishigaki. Spuren von Muschelhaufen deuten daraufhin, dass die Insel seit mindestens 3’000 Jahren besiedelt ist. Zu den ältesten historischen Spuren auf Taketomi zählen unter anderem eigens angelegte Brunnen – die Insel selbst besteht hauptsächlich aus abgestorbenen Korallen und ist zu klein, um nennenswerte Trinkwasservorhaben zu bilden. Da es im Sommer, von Taifunen abgesehen, oft monatelang nicht regnet, mussten sich die Bewohner früh etwas einfallen lassen, um an Trinkwasser zu kommen. Deshalb wurden überall auf Taketomo kaa genannte Brunnen angelegt, wobei die Bezeichnung „Wasserspeicher“ treffender ist. Selbst das reichte jedoch manchmal nicht, so dass die Bewohner gelegentlich Trinkwasser von den benachbarten Inseln Ishigaki oder Iriomote mit dem Boot heranholen mussten. 1976 wurde die Insel schliesslich mittels einer mehr als 4 km langen Wasserleitung an das Wassernetz der Nachbarinsel Ishigaki angeschlossen.

Karte von Taketomi (rot) und umliegenden Inseln
Karte von Taketomi (rot) und umliegenden Inseln

Taketomi ist bekannt für seine Vielzahl an traditionellen heiligen Stätten – die werden auf Okinawa 御嶽 Utaki (beziehungsweise auf Taketomi auch „on“) genannt. Auf der kleinen Insel Taketomi gibt es immerhin 28 davon. Die bekannteste Kultstätte auf Taketomi ist die 国仲御嶽 kuninaka-utaki – im hiesigen Dialekt auch Fuinaa-on genannt. Die meisten Utaki, nämlich sechs davon, findet man am 六山 Muuyama (wörtlich: Sechserberg), wobei Berg etwas übertrieben ist. Utaki sind allerdings verglichen mit Tempeln und Schreinen eher unprätentiös und für Nichtkenner nicht unbedingt der Höhepunkt eines Besuches der Insel. Dafür kann man sich jedoch an den alten Häusern und Gehöften satt sehen.

幸本御嶽 - Kontu-Utaki im Süden des Ortes
幸本御嶽 – Kontu-Utaki im Süden des Ortes

Die meisten Häuser sind ziemlich klein, aus Korallenstein gebaut, von rund einen Meter hohen Mauern umgeben und mit roten, flachen Dächern bedeckt. Da Taketomi nie durch Kriege oder andere Katastrophen zerstört wurde, sind viele der Häuser ziemlich alt und ursprünglich. Das würdigte man damit, die Insel 1987 zum „Wichtigen Sonderschutzgebiet für traditionelle Häuserensemble“ zu erklären.

Typische Strasse auf Taketomi
Typische Strasse auf Taketomi

Die Insel ist recht übersichtlich und leicht erschliessbar. Der Fährhafen befindet sich im Nordosten der Insel. Von dort führt eine Strasse zur Inselmitte. Nach weniger als 15 Minuten Fußmarsch befindet man sich schon in den Ortschaften. Auch im Norden gab es Ortschaften, aber diese sind aufgrund des Bevölkerungsrückgangs mittlerweilen Wüstungen. Der Norden wird vornehmlich zum Zuckerrohranbau und zur Viehzucht genutzt.

Wettergegerbtes Haus
Wettergegerbtes Haus

Das südliche Drittel der Insel ist hingegen nicht ohne weiteres zugänglich. Dort befinden sich unter anderem größere Garnelenfarmen sowie die luxuriöse Ferienanlage 星のや – Hoshinoya. Eine kleinere Ringstraße führt um die Orte in der Inselmitte herum, aber ansonsten kann man nur von Wegen sprechen und nicht von Straßen. Zwar gibt es kleinere Busse und ein paar Autos, aber motorisierter Verkehr ist eher selten und lädt dazu ein, die Insel zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erkunden.

Baum vor einer der Utaki
Baum vor einer der Utaki

Ziemlich genau in der Inselmitte befindet sich die höchste Erhebung der Insel – ein 33 m hoher Berg. Auf dem steht eine winzige Beobachtungsplattform Marke Eigenbau – für 100 Yen (Büchse steht unten an der Treppe) kann man dort hinaufklettern und sich die Insel von oben anschauen. Etwas malerischer ist jedoch die Aussicht vom なごみの塔 Nagomi-Turm mitten im Ort. Der 4.5 m hohe Turm steht auf einem 10 m hohen Hügel – man kann damit schön über die Dächer schauen. Viel Zeit hat man dazu jedoch nicht, denn viele Leute wollen dort rauf, aber nur eine Person kann gleichzeitig hinauf- beziehungsweise heruntergehen. Der Nagomi-Turm dürfte einer der kleinsten Aussichtstürme der Welt sein…

Selbstgezimmerter Aussichtsturm
Selbstgezimmerter Aussichtsturm

Auf Taketomi gibt es sogar eine Schule – diese umfasst die Grund- und Mittelstufe. Das bedeutet, Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren lernen hier. Wer länger zur Schule gehen möchte, muss zur Nachbarinsel und dort im Internat leben. Die Schule umfasst insgesamt 9 Altersklassen und hat gerade mal 40 Schüler – das ist in Japan, in der bis zu 35 Schüler pro Klasse und mehrere Klassen pro Jahrgang die Norm sind – rekordverdächtig.

Grundschule auf Taketomi
Grundschule auf Taketomi

Taketomi ist in Japan vor allem für eines berühmt – den sogenannten 星砂 hoshizuna Sternensand. Die Bezeichnung trifft dabei die Form, nicht jedoch, worum es sich um Wirklichkeit handelt. Die sternenförmigen, meistens nur einen Millimeter oder noch kleineren „Körner“ sind natürlich kein Sand, sondern Lebewesen, genauer gesagt eine Foraminiferenart, oder um ganz genau zu sein: Ein maritimer Einzeller namens Baculogypsina. Da es sich bei Taketomi um ein Riff handelt, findet man am Strand von Taketomi (und den Stränden der benachbarten Inseln ebenso) zudem viele Korallenteile sowie Muscheln. Da der Sternensand berühmt ist, kann man vor allem am eigens so benannten Sternensandstrand beobachten, wie ausnahmslos jeder Besucher im Sand buddelt, um die sternenförmigen Kalkgebilde zu finden. Für die Suche braucht man Geduld: Zum einen sind die Sterne wirklich anfangs sehr unscheinbar. Zum anderen haben die Inselbewohner den Sternensand schon seit langem als Einnahmequelle entdeckt: Sternensandsammler durchkämmen den Strand professionell und verkaufen hernach kleine Ampullen mit Sternensand an die zahlreichen Touristen. Laut eines Taxifahrers auf Ishigaki findet man deshalb auf Taketomi kaum noch Sternensand – besser sieht es wohl auf Hatoma aus (siehe Karte oben, nördlich von Iriomote), aber selbst da wird wohl fleißig von den Einheimischen gesucht…

Der berühmte Sternensandstrand
Der berühmte Sternensandstrand

Während der Sternensandstrand als solches nicht sonderlich zum Baden einlädt, sieht es zum Beispiel am コンドイビーチ Kondoi Beach schon anders aus: Die Bucht am gleichnamigen Kap wartet mit glasklarem und sehr seichtem Wasser auf, und ein Sandstrand rundet die Sache ab. Der Strand hat auch die passende Infrastruktur – es gibt Tische zum Grillen, Duschen usw. Der besagte Strand eignet sich von daher hervorragend zum Baden. Zum Tauchen reicht die Tiefe jedoch nicht aus – wer tauchen will, muss sich bis zum Rand des Riffes wagen, doch Tauchen gilt hier als sehr gefährlich, da die Strömung zwischen den Inseln enorm ist.

Denkmal mit Glocke im Dorf
Denkmal mit Glocke im Dorf

Ein Spaziergang durch die Orte in der Inselmitte ist auf jedem Fall empfehlenswert. Es gibt kleinere Ateliers, in denen zum Beispiel selbst hergestellte Keramik und einiges mehr verkauft wird. Der Ort als solches ist, wie oben bereits angemerkt, sehr malerisch. Hier und dort kann man auch Wasserbüffel sehen – eine weitere Besonderheit der Insel beziehungsweise der gesamten Yaeyama-Inselgruppe. Da die Insel Taketomi sehr klein ist, kann man sich alles innerhalb eines Tages erlaufen, und mit dem Fahrrad geht es natürlich noch schneller. Natürlich ist es bei all der Schönheit ein leichtes, länger auf der Insel zu verweilen.

Anreise

Taketomi ist zu klein und zu nah an der Insel Ishigaki um einen Flughafen zu rechtfertigen – man kann deshalb nur mit der Fähre anreisen. Fähren von und nach Ishigaki fahren alle halbe Stunde; die Fahrt dauert keine 15 Minuten. Die einfache Fahrt kostet 670 Yen, die Hin- und Rückfahrt ist mit 1’280 Yen etwas günstiger. Wer nicht laufen möchte, kann sich mit einem kleinen Shuttlebus zum Ortszentrum bringen lassen – Fahrradverleiher auf der Insel bieten dies als kostenlosen Service an. Sich ein Fahrrad zu leihen ist keine schlechte Idee, wenn man zu den Stränden möchte. Bei der Erkundung des Ortes ist ein Fahrrad jedoch schnell hinderlich. Aufgrund der Tatsache, dass dies eine so kleine Insel ist, werden Fahrräder hier prinzipiell nicht abgeschlossen.

Übernachtung + Verpflegung

Nicht auf Taketomi übernachtet, aber es gibt mindestens ein kleines Hotel sowie eine weitgehend abgeschottete, luxuriöse Ferienanlage.
Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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