Takayama – Zentrum der Region Hida

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Lage von Gifu
Region: 中部 Chūbu
Präfektur: 岐阜 Gifu

高山 Takayama

4 von 5 Sternen: Sehr sehenswert!
Name:

Takayama. Zu deutsch „Hoch – berg“. Zum Namen gibt es zwei Theorien – die eine besagt, dass der Ort so heisst, weil er nun mal von hohen Bergen umgeben ist. Andere schreiben den Namen einem General des 16. Jahrhunderts zu, der da wohl Takayama Geki hiess.

Lage:

Im Nordosten der Präfektur und im Zentrum des 飛騨山脈 Hida-Gebirges, welches auch häufig 北アルプス Nordalpen genannt wird. Takayama liegt dort in einem Talkessel am 宮川 Miyagawa (-gawa=Fluss).

Ansehen:

Die historischen Stadtviertel im Zentrum. Das alte Bezirksverwaltungsamt Takayama-Jin’ya. Die Umgebung.

Takayama – Beschreibung

Takayama ist das Verwaltungs- und kulturelle Zentrum der Hida-Region – jene liegt zwar quasi in der Mitte Japans, aber weit weg von den Grossstädten und der Küste. Die Stadt hat rund 65’000 Einwohner – im Zuge einer Verwaltungsreform im Jahr 2005 wurden zahlreiche umliegende Gemeinden der Stadt zugeschlagen. Seitdem ist Takayama-Stadt mit 2’177 km² so gross wie Tokyo, hat aber, da die Region spärlich besiedelt ist, trotzdem nur 93’000 Einwohner. Takayama besitzt seit 1936 das Stadtrecht und liegt 560 bis 600 m über dem Meeresspiegel. Aufgrund der Lage der Stadt ist das Klima etwas anders als in anderen Landesteilen – im August wird es oft über 30 Grad warm, aber von Dezember bis März kann es knackig kalt werden (der Rekord liegt bei minus 25 Grad). Das ganze Jahr hindurch sind die Niederschlagsmengen relativ hoch – das gilt auch für den in der Regel schneesicheren Winter.

Der erste Eindruck täuscht: Bahnhof von Takayama
Der erste Eindruck täuscht: Bahnhof von Takayama

Takayama ist das traditionelle Zentrum der 飛騨地方 Hida-Region – jenes Gebiet war im 19. Jahrhundert noch als 飛騨国 Hida-no-kuni (Land Hida) bekannt. Hida – das ist eine Gebirgsregion in den Nordalpen bzw. im Hida-Gebirge mit einigen bis über 3’000 m hohen Bergen und sehr viel Schnee im Winter. Aus diesem Grund war die Region nie sehr dicht besiedelt und Takayama erlangte nie überregionale Bedeutung. Während der Edo-Zeit entwickelte sich der Ort jedoch zu einer netten Burgunterstadt mit lebhaftem Handelswesen. Nach dem Ende der Edo-Zeit wurde die Stadt Hauptort der Präfektur Takayama, welche jedoch später Teil der Präfektur Gifu wurde.

Takayama: Blick vom Burghügel auf die Stadt
Takayama: Blick vom Burghügel auf die Stadt

Da sich aufgrund der Lage nie Industrie im grossen Stil in der Stadt niederliess, blieb die Stadt von den zahllosen Bombenangriffen während des Zweiten Weltkrieges verschont. Dadurch konnte sich die Stadt über Jahrhunderte hinweg – von vereinzelten kleineren Aufständen abgesehen, natürlich entwickeln. Dank dessen gibt es auch zahlreiche alte Stadtviertel, wie man sie in grösseren japanischen Städten seit Ende des Krieges kaum noch findet.

Traditionelle Strasse nahe der Nakabashi-Brücke
Traditionelle Strasse nahe der Nakabashi-Brücke
Etliche Häuser haben auch nachts ihren Reiz
Etliche Häuser haben auch nachts ihren Reiz

Die Stadt hat zwar nicht viele Einwohner, aber von einigen Hotels abgesehen gibt es kaum grössere Häuser. Dadurch ist das eigentliche Zentrum relativ gross. Im Westen der Stadt befindet sich der Bahnhof der Stadt. Unweit des unspektakulären Bahnhofs beginnt die 国分寺通り Kokubunji-Strasse – die Haupstrasse des Ortes. Läuft man diese rund 10 Minuten Richtung Westen, gelangt man zu einer der Brücken über den 宮川 Miyagawa (gawa = Fluss). Diese Brücke heisst 鍛冶橋 Kaji-bashi (Schmiede-Brücke). Teile der Bürgersteige der Kokubunji-Strasse sind als überdachte Ladenpassagen angelegt. Hinter dem Fluss ändert sich der Name der Strasse in 安川通り Yasugawa-Strasse. Die meisten historischen Strassenzüge befinden sich linkerhand und rechterhand der Yasugawa-Strasse.

Jin’ya – Das alte Verwaltungszentrum der Region
Jin’ya – Das alte Verwaltungszentrum der Region

Wer vom Bahnhof aus gesehen an der Ampel vor der Kaji-bashi nach rechts abbiegt und bis zur zweiten Ampel weiterläuft (dauert keine 10 Minuten), gelangt zum 高山陣屋 Takayama-Jin’ya, dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Hida-Region. 1629 brachte das Shogunat in Edo (heute Tokyo) die Hida-Region unter direkte Kontrolle – zum Teil möglicherweise aufgrund der Bodenschätze (dazu zählen auch Gold, Silber und Kupfer) der Region. Seit dieser Zeit wurde der Jin’ya genannte Komplex als Verwaltungszentrum genutzt. Der Komplex besteht aus zahlreichen grösseren Gebäuden. Die meisten stammen zwar nicht mehr aus dem 17. Jahrhundert, sind aber allesamt im traditionellen Stil der Region, das heisst z.B. nahezu vollständig aus Holz, gebaut. Das Hauptgebäude, genannt 母屋 (Omoya) – „Mutterhaus“, ist ein Nachbau aus dem Jahr 1816 und komplett erhalten. Im Inneren findet man zahlreiche kleinere und grössere Empfangshallen, die Zimmer für die Mägde, den Vorsteher, eine kleine Folterkammer, die Küche usw.

Hier befand sich bis in die 1960er die Verwaltung
Hier befand sich bis in die 1960er die Verwaltung

Zum Bereich zählen auch grössere Lagerhäuser, in denen damals die Abgaben der Bauern der Region – zumeist in Form von Reis – gelagert wurden. Heute beherbergen die Lagerhallen Ausstellungen über den Komplex selbst sowie über die Geschichte der Region. Der Jin’ya ist ein eindrucksvolles Ensemble alter japanischer Architektur und erlaubt einen originalgetreuen Einblick in die Geschichte – dies ist in Japan relativ selten, da die meisten historischen Gebäude in Japan entweder Tempel, Schreine oder Burgen sind. Beim Jin’ya hingegen handelt es sich um etwas Profaneres, eher den Alltag darstellendes Artefakt. Eintritt in den Jin’ya kostet 600 Yen. Wer auch nur milde an Geschichte interessiert ist, sollte ca. 2 Stunden einplanen, denn es gibt viel zu sehen. Beim Rundgang sollte man auch bedenken, dass der Bau immerhin bis zum Jahr 1969 aktiv als Verwaltungszentrum genutzt wurde (ob das auch die Folterecke betrifft, bleibt leider offen…)

Von der Burg ist leider nicht mehr viel übrig
Von der Burg ist leider nicht mehr viel übrig

In Takayama gab es auch mal eine Burg – diese wurde 1588 auf einem Hügel nahe des Stadtzentrums gebaut. Die Freude an der Burg hielt allerdings nicht lange: Da wie oben erwähnt die Stadt bzw. das gesamte Land unter direkte Kontrolle der Regierung in Edo gestellt wurde, liess man die Burg 1695 schleifen. Heute sind von der Burg nur noch Teile des Walls erhalten (siehe Photos oben). Vom Burghügel kann man sich jedoch zumindest halbwegs ein Bild von der Stadt und der Umgebung machen.

Burggraben unterhalb des Burghügels
Burggraben unterhalb des Burghügels

Läuft man vom Burghügel Richtung Osten, also weg vom Stadtzentrum, gelangt man nach ca. 10 Minuten zum alten Tempelbezirk der Stadt. In vielen japanischen Städten liegen buddhistische Tempel (und damit meist auch Friedhöfe) dicht beieinander in einem bestimmten Stadtteil. Das ist in Takayama nicht anders – hinter dem 江名子川 Enako-gawa – nicht mehr als ein kleiner Bach – reihen sich 11 Tempel sowie drei Schreine aneinander. Einige der Tempel sind schön anzuschauen, stellen aber (zumindest für Japan) keine grosse Besonderheit dar.

Im Tempeldistrikt nördlich des Zentrums
Im Tempeldistrikt nördlich des Zentrums

Takayama hat noch einiges mehr zu bieten – zum Beispiel unzählige Gallerien (mit Verkaufsraum – in Takayama und Umgebung wird aufgrund der Beliebtheit bei Touristen sehr viel Schmuck und Handwerkskunst hergestellt) aber auch Museen. Ein durchaus sehenswertes Museum ist das 昭和館 Shōwa-kan zwischen Bahnhof und Tempelbezirk und nur ein paar Meter von der Hauptstrasse entfernt. Shōwa war das Motto des Kaisers Hirohito und kennzeichnet die Epoche von 1926-1989. Das Shōwa-kan versucht mit sehr viel Liebe zum Detail, vor allem das Japan der Nachkriegszeit bis zu den 1970ern anhand von zahllosen Originalgegenständen aus der Zeit darzustellen. Der Eintritt kostet 500 Yen und ein Besuch ist sehr empfehlenswert.

Zeitreise in die 1950er/60er: Shōwa-Museum
Zeitreise in die 1950er/60er: Shōwa-Museum

Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten zählen die andernorts in Japan nur noch schwer zu findenden 朝市 Asaichi (Morgenmarkt), bei denen Händler aus der Umgebung Lebensmittel und allerlei Krimskrams verkaufen. Es gibt mehrere davon – einer davon befindet sich direkt vor dem Jin’ya. Wie der Name schon andeutet, finden die Märkte nur morgens statt. Weiterhin erwähnenswert ist der 飛騨国分寺 Hida-Kokubunji – ein grösserer Tempel unweit der Hauptstrasse und nur wenige Minuten zu Fuss vom Bahnhof entfernt.

Takayama ist zurecht auch bei ausländischen Besuchern sehr beliebt – hier kann man ein weniger hektisches und zum Teil noch intaktes, historisches Japan abseits der grossen Touristenströme erleben. Und das ganze liegt eingebettet in einer wunderschönen Bergwelt. Takayama wurde früher oft 小京都 (Shō-kyōto) Klein-Kyōto genannt – zurecht. Dass Takayama dabei keine wirkliche historische Bedeutung hatte, spielt keine Rolle.

Kleine Anmerkung am Rande: Aufgrund der relativ grossen Besucherdichte – auch von ausländischen Besuchern – gemessen an der Einwohnerzahl, hatte ich persönlich den Eindruck, dass Takayama beinahe internationaler als Tokyo ist: Es wird an viel mehr Orten Englisch gesprochen und verstanden als in Tokyo. In dieser Stadt kommt man auch ohne Japanischkenntnisse sehr gut voran – besser als in Tokyo wahrscheinlich.

Anreise

Es gibt nur eine Bahnlinie von und nach Takayama – die JR 高山本線 JR-Takayama-Hauptlinie. Jene beginnt in Gifu (nahe Nagoya und fährt bis Toyama an der Westküste. Da dies eine JR-Linie ist, können Railpass-Besitzer die Linie benutzen (mehr dazu siehe Japan-Railpass). Von Gifu bis Takayama kommt man am schnellsten mit dem ひだ特急 Hida-Express – jener braucht ziemlich genau 2 Stunden und kostet 4’810 Yen. Wer mit dem Bummelzug fährt, muss meistens unterwegs umsteigen – die Fahrt kostet dann zwar nur 2’520 Yen, aber man braucht rund 3½ Stunden. Bis Toyama braucht der Express knapp 1½ Stunden (3’280 Yen) und der Bummelzug 2½ Stunden (1’620 Yen). Die gesamte Strecke ist landschaftlich sehr schön, weshalb es auch im Bummelzug nicht langweilig wird.

Wer unbedingt mit der Bahn fahren möchte und von Tokyo kommt, muss einen grossen Bogen machen – der schnellste Weg führt über Nagoya, also gen Westen, und von dort über Gifu nach Takayama im Nordosten. Das dauert lange und kostet ohne Railpass viel Geld. In diesem Fall ist der Expressbus eine günstige Alternative: Statt 14’500 Yen kostet der Bus nur 6’500 Yen. Mit 5½ Stunden und ohne Umsteigen ist der Bus sogar ein bisschen schneller – und der Bus muss die Nordalpen überqueren, was die Strecke sehr interessant macht. Der Busbahnhof in Takayama liegt direkt neben dem Bahnhof. Der Bus fährt zum Busbahnhof von Shinjuku in der Mitte von Tokyo.

Übernachtung

Takayama ist ein beliebtes Ausflugsziel für Japaner – und für Ausländer. Von einer Hotelangestellten erfuhr ich, dass allein in ihrem Hotel rund 800 Deutsche Urlauber pro Jahr einkehren. Will heissen, in Takayama und näherer Umgebung gibt es etliche grosse Hotels. Eine persönliche Empfehlung ist jedoch das kleine 力車イン Rickshaw Inn. Jenes liegt unweit der Kokubunji-Strasse (siehe oben) und gute 5 Minuten zu Fuss vom Bahnhof und den historischen Gassen entfernt. Das Hotel liegt in einem kleinen Haus in einer Seitengasse und ist von den Zimmern bis zum grossen Aufenthaltsraum sehr liebevoll eingerichtet. Eine Übernachtung ist mit 4’200 Yen pro Person auch erstaunlich preiswert. Die Adresse: zip 506-0016, Gifu-ken, Takayama-shi Suehiro-chō 54, Tel: 0577-32-2890. Webseite: rickshawinn.com.

Sehr schön eingerichtet: Riksha-Hotel
Sehr schön eingerichtet: Riksha-Hotel

Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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