Nikko

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Lage von Tochigi
Region: 関東 Kantō
Präfektur: 栃木 Tochigi

Nikkō 日光

5 von 5 Sternen: Unbedingt Sehenswert
Name:

Nikkō. Wörtlich „Sonnenstrahl“. Wurde allerdings früher mit anderen Schriftzeichen geschrieben.

Lage:

Gute 200 km nördlich von Tokyo in der Präfektur Tochigi 栃木. Bei Nikkō beginnt
der gleichnamige Nationalpark mit dem prächtigen Vulkan Nantai-san 男体山
im Mittelpunkt.

Ansehen:

Der Tōshō-gū (Schrein). Der Rinnō-ji (Tempel). Der Kegon-Wasserfall. Der Chūzenji-ko (ein See). Affen spazieren fahren in den Iroha-Kurven.

Nikkō – Beschreibung

Ein japanisches Sprichwort sagt: Nikkō o minu uchi wa kekkō to iu na 日光を見ぬうちは結構というな. Wörtlich – „Sage nicht, dass sei (herrlich) genug, bevor Du Nikkō gesehen hast!“. Und das möchte was heissen. Nikkō ist seit dem 8. Jhd. heilig, und zwar erst für den Buddhismus, später dann für den Shintōismus. Die Stadt selbst, welche man auch erstmal durchqueren muss, hat 18’800 Einwohner und ist nicht sonderlich schön. Wichtig ist, was am Rand und in der Umgebung liegt.

Blick Richtung Nantai-san von Nikkō
Blick Richtung Nantai-san von Nikkō

Gute zwei Kilometer entfernt vom Bahnhof, etwas im Wald versteckt, befindet sich der grosse Tōshō-gū 東照宮 – ein aus vielen Gebäuden bestehender Schrein. Das erste, was man sieht, ist eine prächtige, reich verzierte fünfstöckige Pagode mit einem freischwingenden Mittelpfosten – als Schutz gegen Erdbeben. Doch hier stutzt man schon: Pagode!? Am Schrein? Eher typisch für buddhistische Tempel. Rechts davon steht dann aber standesgemäss ein Torii 鳥居 – ein shintoistischer Torbogen.

Der Tōshō-gū ist sehr bekannt, da sich hier das Mausoleum von Tokugawa Ieyasu 徳川家康 befindet – selbiger leitete die Edo-Zeit ein und spielte eine tragende Rolle in der japanischen Geschichte. Es war Ieyasu’s Wunsch, hier seine letzte Ruhestätte zu finden, und so veranlasste sein Enkel den Bau der Anlage: Der begann 1636, dauerte neun Jahre und beschäftigte laut Annalen 4.5 Millionen (!) Menschen. Darunter 1.7 Mio Handwerker. Ein wirklich gigantisches Projekt. Viele Elemente sind den buddhistschen Tempeln entlehnt, und manchmal fragt man sich, ob man nicht in China ist oder wirklich in Japan.

Eines der kleineren Gebäude im Schrein
Eines der kleineren Gebäude im Schrein
Affen I: Mizaru-kikazaru-Iwazaru
Affen I: Mizaru-kikazaru-Iwazaru

In der Schreinanlage gibt es verschiedene Türme, Hallen und Tore. Alle so reich verziert, dass man irgendwann den Überblick verliert. Ieyasu’s Grab 徳川家康墓 allerdings liegt ausserhalb und ist relativ unspektakulär – man muss die Anlage durch das Sakashita-mon 坂下門 (mon = Tor) verlassen, läuft eine lange Treppe den Berg herauf und steht schliesslich davor. Kostet 430 Yen extra. In der Schreinanlage gibt es, als grösstes Gebäude, den Honden 本殿 (die Haupthalle) sowie davor (miteinander verbunden) den Haiden 拝殿 – die „Anbetungshalle“. Das Element „Honden“ ist sonst eher in Tempeln zu finden. Vor diesen beiden Hallen liegt das Yōmei-Tor 陽明門 – dahinter der Torii als Eingangsbereich. Ausserhalb des Torii und Hauptbereiches befinden sich des weiteren ein Trommelturm 鼓楼, die Honji-dō 本地堂 (dō = Halle), ein Granitbecken zur rituellen Reinigung von Gesicht und Händen sowie das Omote-Tor 表門, der eigentliche Eingang zum Schrein.
Links hinter dem Yōmei-Tor befindet sich ein kleineres Gebäude – der Jinyōsha 神輿舎, in dem die Mikoshi 神輿 gelagert werden. Mikoshi sind kleine Schreine, die bei Festen (matsuri 祭) auf den Schultern getragen werden. Auch am Jinōsha gibt es zahlreiche Holzschnitzereien – darunter die berühmten drei Affen (Nichts [böses] sehen, nichts hören und nichts sagen). Diese Schnitzerei wurde quasi zum Symbol Nikkō’s.

Nikko

Honbō (Haupthalle) des Rinnō-ji
Nikko

Affen II: Per Anhalter durch die Iroha-Kurven

Näher am Daiya-gawa 大谷川, noch vor dem Tōshō-gū, befindet sich der Rinnō-ji 輪王寺, ein buddhistischer Tempel. Lange bevor der Shintoismus in Nikko Einzug hielt, wurde dieser Tempel erbaut – nämlich im Jahre 848 von Shōdō Shōnin (Ennin 円仁). Interessant ist hier insbesondere die Sanbutsu-dō 三仏堂 – die Halle der drei Buddhas. Dies sind drei 5 m hohe, vergoldete Skulpturen des Amida Buddha. Die heute sichtbaren Gebäude stammen aus dem 17. Jhd.

Fährt man gen Chūzenji-ko 中禅寺湖 (See des Chūzen-Tempels), muss man hinauf in die Berge. Ein Weg, dorthin zu gelangen, ist die Iroha-zaka いろは坂 (Iroha-Steigung). Zur Erklärung: das japanische Alphabet (siehe Kana) hat 48 Zeichen, zwei davon sind allerdings veraltet. Es gibt ein buddhistisches Gedicht, in dem alle 48 Zeichen (diese 48 Zeichen sind 5 Vokale, ein Konsonant und 42 Silben) jeweils nur ein Mal verwendet werden. Dieses Gedicht beginnt mit Irohanihoheto…, kurz iroha. Die Strasse bei Nikkō hat exakt 48 Kurven, und so wurden diese alphabetisch benannt: Nummer 1 ist [i] usw. Auf dieser Strasse hat man gute Chancen, den japanischen Schneeaffen (nihon zaru 日本猿 – Rotgesichtsmakaken) zu begegnen. Die gar nicht scheu sind und um Futter betteln. Wenn man anhält, springen sie sogar aufs Auto. Und bleiben selbst dann sitzen, wenn man langsam weiterfährt. Im Ort Nikkō allerdings werden sie eher zur Plage, da sie Läden ausplündern und selbst Leute berauben. Auch bei diesen Affen gilt – besser nicht in die Augen schauen. Es sei denn, man ist im Auto und der Affe auf der Motorhaube. Wer badende Affen sehen möchte, sollte sich ins Jigoku-dani 地獄谷 begeben.

Der Kegon-Wasserfall
Der Kegon-Wasserfall
Futara-san jinja am Chūzenji-ko
Futara-san jinja am Chūzenji-ko

Wer ein bisschen Zeit hat, sollte sich die nehmen, die Iroha-Strasse hochzufahren zum Chūzenji-ko 中禅寺湖 ein 6.5 mal 1.8 km grosser See am Fusse des Vulkans Nantai-san 男体山. Der See liegt bereits auf 1269 m Höhe. Am Ostufer des Sees, also der Nikkō zugewandten Seite, befindet sich der fast 100 m hohe Kegon-no-taki 華厳の滝 (Kegon-Wasserfall), zu dessen Basis man mit einem in die Felsen gebauten Fahrstuhl (!) fahren kann. Ist hübsch anzusehen und kostet hin und zurück 520 Yen.

Direkt am Ostufer, unweit des Wasserfalls, liegt der Futara-san-jinja 二荒山神社 (Berg Futara-Schrein). Davon gibt es ebenfalls einen im Tōshō-gū und am Nantai-san. Ist also sozusagen ein Nebenschrein und schön ruhig – bis hierher kommen merklich weniger Touristen.

Anreise

Es ist relativ billig, nach Nikkō zu fahren. Züge der privaten Tōbu-Nikkō – Linie 東武日光線 fahren vom Bahnhof Asakusa 浅草 (Tokyo) direkt nach Nikkō. Der Expresszug (スペーシア Spacia, man braucht eine Reservierung!) braucht knapp zwei Stunden und kostet 2’690 Yen. Billiger ist der Rapid (kyūkō, ohne Reservierung). Er braucht nur eine Viertelstunde länger, kostet dafür aber nur die Hälfte.

Railpass-Besitzer haben es etwas schwerer: Sie müssen mit dem Shinkansen von Ueno nach Utsunomiya 宇都宮 (53 Minuten) und dort umsteigen. Von Utsunomiya dauert es 45 Minuten. Von Nikkō fährt auch ein Bummelzug Richtung Norden nach Aizu Wakamatsu 会津若松.

Wenn man ausserhalb der Saison, zum Beispiel im tiefen Winter, in Nikkō weilt, kann mit den gelangweilten Taxifahrern durchaus anständige Preise aushandeln und sich so zum Chūzenji-ko, zum Wasserfall und anderen mit dem Bus schlecht erreichbaren Zielen chauffieren lassen.

Auch wer nur sehr wenig Zeit in Japan hat, sollte sich Nikkō nicht entgehen lassen. Die Schreine und Tempel sowie die umliegende Gegend sind einfach sagenhaft.

Übernachtung

In der Stadt selbst gibt es zwei Jugendherbergen, viele Pensionen, Minshuku’s und Hotels. Man sollte aber im voraus buchen, denn Nikkō ist fast immer gut besucht.

Ansonsten keine speziellen Tipps (da in einem ausserhalb liegenden Ort übernachtet). Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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