Kanazawa – die Perle an der Westküste Japans

0
324

Lage von Ishikawa
Region: 中部 Chūbu
Präfektur: 石川 Ishikawa

金沢 Kanazawa

4 von 5 Sternen: Durchaus sehenswert
Name:

Kanazawa. Kana- bedeutet Geld oder Gold, -zawa bedeutet Bach bzw. Bachtal. Eine Kurzform des Namens Kinjō Reitaku 金城霊沢(-kin ist das gleiche Zeichen wie Kana-, taku gleich wie -zawa. War der Name eines Teils des Kenroku-Parks (siehe unten) und bedeutet in etwa "Goldenes Schloss, Bach der Seelen".

Lage:

Im Süden der Präfektur Ishikawa an der Westküste der Hauptinsel Honshu. Die Stadt selbst liegt allerdings ein paar Kilometer abseits der Küste zwischen den kleinen Flüssen Asano-gawa 浅野川 und Saigawa 犀川.

Ansehen:

Der Kenroku-Garten und die Reste des Schlosses. Das ehemalige Samuraiviertel. Das ehemalige Geishaviertel Higashi-Chaya.

Kanazawa - im ehemaligen Samuraiviertel
Kanazawa – im ehemaligen Samuraiviertel

Kanazawa – Beschreibung

Kanazawa zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Orten der Westküste Japans. Als Ausländer könnte man nun denken, dass es sich um ein kleines traditionelles Städtchen handelt, aber dem ist nicht so. Die Stadt hat fast eine halbe Millionen Einwohner und ist teilweise recht modern – vor allem der Bahnhof und die Umgebung lassen nichts von der Gschichte der Stadt erahnen.

Kanazawa verdankt seinen guten Ruf der Tatsache, dass es im Zweiten Weltkrieg von heftigen Bombenangriffen verschont blieb. Die Stadt entwickelte sich als Burgunterstadt (jōkamachi) 城下町 rund um das alte Kaga-Hyakumangoku- Schloss 加賀百万石城 (Kaga hiess die Provinz und der Klan früher; Hyakumangoku bedeutet eine-Million-Steine). Die Blütezeit erlebte die Stadt aber mit Beginn der Edo-Zeit , als dem mächtigen Maeda-Clan 前田氏 das Lehen überlassen wurde. Diese waren nämlich grosse Freunde der Künste.

Das alte Geishaviertel hat seinen gewissen Charme
Das alte Geishaviertel hat seinen gewissen Charme

Und so gedieh die Stadt prächtig – mit Geishavierteln und Teestuben, Samuraivierteln und allem anderen was man sonst so vom alten Japan erwartet. So gelang die Stadt bald zum sehr ehrenwerten Titel Shō-Kyōto 小京都 (Klein-Kyoto). Und Kanazawa hat das gleiche Problem wie Kyoto – die schöne alte Stadt ist hoffnungslos durchsetzt von modernen und mehr oder weniger hässlichen Bauten. Die Perlen der Stadt sind trotzdem sehr sehenswert. Dazu zählt das ehemalige Samuraiviertel Nagamachi Buke Yashiki 長町武家屋敷 im südlichen Teil der Stadt (siehe Photo oben links) mit seinen grossartigen, gut erhaltenen Villen – das Viertel ist noch heute ein Wohnviertel, wobei die meisten Häuser seit sehr vielen Generationen in der gleichen Hand sind.

Möwenversammlung am Asano-Fluss mit Teehaus
Möwenversammlung am Asano-Fluss mit Teehaus

Ein weiterer Leckerbissern liegt wiederum im Norden der Stadt – das Higashi-Chayagai ひがし茶屋街 (Östliches Teehausviertel) (es gibt auch ein westliches, aber weniger spektakuläres Viertel). Geishas bzw. deren legitime Nachfolger, die Maiko, sieht man leider nicht mehr. Aber das Viertel mit seiner gut konservierten Struktur und Uniformität (siehe Photo rechts oben) ist definitiv einen Besuch wert. Heute gibt es in den alten Häusern hauptsächlich Souvenirgeschäfte und Restaurants. Ach ja, wer ein Photo ohne Touristen in dem Viertel aufnehmen möchte, muss sehr sehr früh aufstehen. Oder bei sehr schlechtem Wetter hingehen.

Schneeschippen im Kenroku-Park
Schneeschippen im Kenroku-Park

Aber auch das gegenüberliegende Ufer des Asano-Flusses wartet mit einigen alten Teehäusern auf, durchzogen von sehr engen Gassen. Dieser Bereich wird Shukei-Chayagai 主計茶屋街 (Shukei-Teehausviertel) genannt und ist kein Museum sondern wird nachwievor von ganz normalen Leuten bewohnt.

Eine der größten Attraktionen von Kanazawa ist allerdings mit Sicherheit der grosse Park in der Stadtmitte. Dieser nennt sich Kenroku-en 兼六園 (en=Park) und zählt zu den drei schönsten Parks Japans (die anderen findet man in Mito, Ibaraki-ken, und Okayama, Okayama-ken). Der Kenroku-Park orientiert sich teilweise an chinesischer Landschaftkunst und entstand zu Beginn der Edo-Zeit als Teil der Burganlage. Seine heutige Gestalt erhielt er hauptsächlich im 17. Jahrhundert. Es ist in der Tat ein schöner Park mit einer gelungenen Symbiose von Teichen, Hügelchen und Bogenbrücken, kleinen Hainen und Freiflächen sowie ansehnlichen Pavillons. Allerdings kann man das nicht in Ruhe betrachten, denn unzählige Reisegruppen turnen selbst im Winter durch den Park. Der Eintritt kostet 300 ¥.

Der Kenroku-Park ist zu jeder Jahreszeit schön
Der Kenroku-Park ist zu jeder Jahreszeit schön

Fakt ist, dass der Kenroku-Park der Burg von Kanazawa die Schau stiehlt, denn von letzterer sind nur noch wenige Originalbauten übrig. Der Donjon (zu Fachtermini siehe Aufbau japanischer Burgen) jedenfalls ist nicht mehr da, stattdessen ein weniger eindrucksvoller Nachbau. Die Burg war einst Sitz des Kaga-Clans und wird heute Kanazawa-jō kōen 金沢城 (Burg von Kanazawa-Park) genannt. Das Schloss fiel nicht im Krieg, sondern brannte mehrfach schlichtweg nieder. Scheinbar ein Mal zu oft – es wurde irgendwann nicht mehr wieder aufgebaut.

Erhalten geblieben sind heute "nur" noch das Ishikawa-mon (Ishikawa-Tor) 石川門, der Hishi-Yagura sowie, obwohl zugewuchert, das Kurogane-mon (Eisentor) 鉄門. Trotz allem eine schöne Parkanlage und dass auch gleich im Anschluss an den Kenroku-Park. Die Burganlage thront auf einem Plateau, von dem man einen schönen Blick auf die Stadt und die Umgebung hat.

Kanazawa ist auf jeden Fall eine Reise wert für diejenigen, die etwas länger sind. "Off the beaten track" ist die Stadt deshalb aber noch lange nicht, da die Stadt extrem von japanischen Besuchergruppen bevölkert wird.

Replika der Burg von Kanazawa
Replika der Burg von Kanazawa

Anreise

Im März 2015 wurde die Stadt an das Shinkansennetz angeschlossen – dank dessen ist Kanazawa von Tokyo aus plötzlich sehr leicht erreichbar geworden. Der Hokuriku-Shinkansen braucht von Tokyo bis Kanazawa gerade mal knapp 3 Stunden und kostet 14,120 Yen (für eine einfache Fahrt). Wie die meisten anderen Shinkansen auch kann dieser mit dem Japan Railpass genutzt werden. Ansonsten fährt zum Beispiel auch der Thunderbird-Express von Kyōto (gute 2 Stunden, 6’710 ¥) über Fukui (knappe Stunde, 2’010 ¥) nach Kanazawa und von dort weiter bis nach Toyama (37′, 2’610 ¥). Man kann auch mit Bummelzügen fahren – kostet dann nach Toyama zum Beispiel nur 950 ¥, nach Fukui 1’280 ¥ und nach Kyoto 3’780 ¥. Dauert dann allerdings auch etwas länger.

Übernachtung

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten – von Jugendherbergen bis zu Luxushotels. Es ist in Kanazawa eine gute Idee, im voraus zu reservieren. Prinzipiell kann ich in Kanazawa, wie auch anderswo, das Tōyoko-Inn 東横イン nur empfehlen. Kostet 8,190 ¥ pro Nacht für ein Doppelzimmer, inkl. Frühstück und kostenlosem Internet usw.

Adresse: 石川県金沢市昭和町13−23 Showa-cho 13-23, Tel: 076-224-1045. Liegt 5 Minuten zu Fuss entfernt vom Ostausgang des Bahnhofs und 10 Minuten vom Samuraiviertel entfernt. Ansonsten zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT