Kanazawa - Beschreibung
Kanazawa zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Orten der Westküste Japans. Als Ausländer könnte man nun denken, dass es sich um ein kleines traditionelles Städtchen handelt, aber dem ist nicht so. Die Stadt hat fast eine halbe Millionen Einwohner und ist teilweise recht modern - vor allem der Bahnhof und die Umgebung lassen nichts von der Gschichte der Stadt erahnen.
Kanazawa verdankt seinen guten Ruf der Tatsache, dass es im Zweiten Weltkrieg von heftigen Bombenangriffen verschont blieb. Die Stadt entwickelte sich als Burgunterstadt (jōkamachi) 城下町 rund um das alte Kaga-Hyakumangoku- Schloss 加賀百万石城 (Kaga hiess die Provinz und der Klan früher; Hyakumangoku bedeutet eine-Million-Steine). Die Blütezeit erlebte die Stadt aber mit Beginn der Edo-Zeit , als dem mächtigen Maeda-Clan 前田氏 das Lehen überlassen wurde. Diese waren nämlich grosse Freunde der Künste.
Kanazawa - im ehemaligen Samuraiviertel
Das alte Geishaviertel hat seinen gewissen Charme
Und so gedieh die Stadt prächtig - mit Geishavierteln und Teestuben, Samuraivierteln und allem anderen was man sonst so vom alten Japan erwartet. So gelang die Stadt bald zum sehr ehrenwerten Titel Shō-Kyōto 小京都 (Klein-Kyoto). Und Kanazawa hat das gleiche Problem wie Kyoto - die schöne alte Stadt ist hoffnungslos durchsetzt von modernen und mehr oder weniger hässlichen Bauten. Die Perlen der Stadt sind trotzdem sehr sehenswert. Dazu zählt das ehemalige Samuraiviertel Nagamachi Buke Yashiki 長町武家屋敷 im südlichen Teil der Stadt (siehe Photo oben links) mit seinen grossartigen, gut erhaltenen Villen - das Viertel ist noch heute ein Wohnviertel, wobei die meisten Häuser seit sehr vielen Generationen in der gleichen Hand sind.
Ein weiterer Leckerbissern liegt wiederum im Norden der Stadt - das Higashi-Chayagai ひがし茶屋街 (Östliches Teehausviertel) (es gibt auch ein westliches, aber weniger spektakuläres Viertel). Geishas bzw. deren legitime Nachfolger, die Maiko, sieht man leider nicht mehr. Aber das Viertel mit seiner gut konservierten Struktur und Uniformität (siehe Photo rechts oben) ist definitiv einen Besuch wert. Heute gibt es in den alten Häusern hauptsächlich Souvenirgeschäfte und Restaurants. Ach ja, wer ein Photo ohne Touristen in dem Viertel aufnehmen möchte, muss sehr sehr früh aufstehen. Oder bei sehr schlechtem Wetter hingehen.
Möwenversammlung am Asano-Fluss mit Teehaus
Schneeschippen im Kenroku-Park
Aber auch das gegenüberliegende Ufer des Asano-Flusses wartet mit einigen alten Teehäusern auf, durchzogen von sehr engen Gassen. Dieser Bereich wird Shukei-Chayagai 主計茶屋街 (Shukei-Teehausviertel) genannt und ist kein Museum sondern wird nachwievor von ganz normalen Leuten bewohnt.
Eine der größten Attraktionen von Kanazawa ist allerdings mit Sicherheit der grosse Park in der Stadtmitte. Dieser nennt sich Kenroku-en 兼六園 (en=Park) und zählt zu den drei schönsten Parks Japans (die anderen findet man in Mito, Ibaraki-ken, und Okayama, Okayama-ken). Der Kenroku-Park orientiert sich teilweise an chinesischer Landschaftkunst und entstand zu Beginn der Edo-Zeit als Teil der Burganlage. Seine heutige Gestalt erhielt er hauptsächlich im 17. Jahrhundert. Es ist in der Tat ein schöner Park mit einer gelungenen Symbiose von Teichen, Hügelchen und Bogenbrücken, kleinen Hainen und Freiflächen sowie ansehnlichen Pavillons. Allerdings kann man das nicht in Ruhe betrachten, denn unzählige Reisegruppen turnen selbst im Winter durch den Park. Der Eintritt kostet 300 ¥.
Der Kenroku-Park ist zu jeder Jahreszeit schön
Replika der Burg von Kanazawa
Fakt ist, dass der Kenroku-Park der Burg von Kanazawa die Schau stiehlt, denn von letzterer sind nur noch wenige Originalbauten übrig. Der Donjon (zu Fachtermini siehe Aufbau japanischer Burgen) jedenfalls ist nicht mehr da, stattdessen ein weniger eindrucksvoller Nachbau. Die Burg war einst Sitz des Kaga-Clans und wird heute Kanazawa-jō kōen 金沢城 (Burg von Kanazawa-Park) genannt. Das Schloss fiel nicht im Krieg, sondern brannte mehrfach schlichtweg nieder. Scheinbar ein Mal zu oft - es wurde irgendwann nicht mehr wieder aufgebaut.
Erhalten geblieben sind heute "nur" noch das Ishikawa-mon (Ishikawa-Tor) 石川門, der Hishi-Yagura sowie, obwohl zugewuchert, das Kurogane-mon (Eisentor) 鉄門. Trotz allem eine schöne Parkanlage und dass auch gleich im Anschluss an den Kenroku-Park. Die Burganlage thront auf einem Plateau, von dem man einen schönen Blick auf die Stadt und die Umgebung hat.
Kanazawa ist auf jeden Fall eine Reise wert für diejenigen, die etwas länger sind. "Off the beaten track" ist die Stadt deshalb aber noch lange nicht, da die Stadt extrem von japanischen Besuchergruppen bevölkert wird.
Anreise
Da die Stadt nicht mit dem Shinkansen erreichbar ist, dauert es etwas länger, von Tokyo und anderen grossen Städten nach Kanazawa zu kommen. Der Thunderbird-Express jedoch fährt von Kyōto (gute 2 Stunden, 6'710 ¥) über Fukui (knappe Stunde, 2'010 ¥) nach Kanazawa und von dort weiter bis nachToyama (37', 2'610 ¥). Man kann auch mit Bummelzügen fahren - kostet dann nach Toyama zum Beispiel nur 950 ¥, nach Fukui 1'280 ¥ und nach Kyoto 3'780 ¥. Dauert dann allerdings auch etwas länger.
Übernachtung
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten - von Jugendherbergen bis zu Luxushotels. Es ist in Kanazawa eine gute Idee, im voraus zu reservieren. Prinzipiell kann ich in Kanazawa, wie auch anderswo, das Tōyoko-Inn 東横イン nur empfehlen. Kostet 8,190 ¥ pro Nacht für ein Doppelzimmer, inkl. Frühstück und kostenlosem Internet usw.
Adresse: 石川県金沢市昭和町13−23 Showa-cho 13-23, Tel: 076-224-1045. Liegt 5 Minuten zu Fuss entfernt vom Ostausgang des Bahnhofs und 10 Minuten vom Samuraiviertel entfernt. Ansonsten zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.


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