Izu-Halbinsel – die vielseitigste Region Japans

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Lage von Shizuoka
Region: 中部 Chūbu
Präfektur: 静岡 Shizuoka

伊豆半島 Izu-Halbinsel

5 von 5 Sternen: Absolut empfehlenswert
Name:

Izu-Hantō. „-hantō“ bedeutet „Halbinsel“. Izu ist auch der Name der Inselkette südlich der Halbinsel sowie der gesamten umliegenden Region. Der Name stammt von „yu-izu“ (heisses Wasser tritt aus) ab.

Lage:

Ca. 180 km südwestlich von Tōkyō im Osten der Präfektur Shizuoka.

Ansehen:

Die Landschaft. Die Küste. Ein Besuch in einer der unzähligen heissen Quellen.

Izu-Halbinsel – Beschreibung

Panorama von Izu Die Izu-Halbinsel ist von Nord nach Süd ca. 50 km, von Ost nach West max. 35 km lang und beginnt nur 20 km südlich von Hakone. Deshalb wurden Teile der Halbinsel mit Hakone und dem Fuji-san im Fuji-Hakone-Izu Nationalpark 富士箱根伊豆国立公園 zusammengefasst. Die Izu-Halbinsel dürfte zu einer der weltweit tektonisch am aktivsten Regionen zu gehören, denn genau hier treffen sich zwei grosse Platten – die eurasische und die Philippinenmeer-Platte. Dazu kommt noch eine grosse Verwerfung, die Fossa Magna フォッサマグナ, die direkt bei der Halbinsel beginnt. Genauer gesagt ist die Izu-Halbinsel der einzige Teil der Insel Honshū, der nicht auf der Eurasischen Platte liegt. Kein Wunder also, dass gerade von hier extrem viele Erdbeben ausgehen. Die Vulkane der Halbinsel sind allerdings mittlerweile erloschen.

Panorama auf der Izu-Halbinsel. Links: Die Insel To-shima, rechts: das Amagi-Bergmassiv
Panorama auf der Izu-Halbinsel. Links: Die Insel To-shima, rechts: das Amagi-Bergmassiv

Izu ist aufgrund der unzähligen heissen Quellen, des relativ milden Klimas und der Nähe zur Hauptstadt eines der beliebtesten Urlaubsziele der Japaner im eigenen Land. Historisch gesehen ist die Halbinsel nur bedingt interessant – es ist eher eine Chance, etwas Natur in Grossstadtnähe zu erleben. Dazu empfiehlt sich einfach eine Bahnfahrt entlang der Ost- oder Westküste. Natürlich kann man auch mit dem Auto die Küsten entlangfahren, doch vor allem an Wochenenden und Feiertagen sollte man dafür viel Zeit einplanen, da die Zufahrtsstrassen zur Halbinsel dann häufig stark verstopft sind.

Der von unten eher unscheinbare Ōmuro-Yama
Der von unten eher unscheinbare Ōmuro-Yama

Wer sich ein Bild von der Umgebung machen und die Landschaft geniessen möchte, dem sei ein Abstecher nach 伊豆高原 Izu-Kōgen (Izu-Hochebene) anempfohlen. Der Ort liegt an der Ostküste und ist leicht mit dem Zug von 熱海 Atami erreichbar (Atami wiederum erreicht man von Tokyo mit dem Shinkansen – die Fahrt dauert rund eine halbe Stunde). Von Atami fährt man dann exakt 43 Minuten bis Izu-Kōgen auf der 伊豆急行線 Izu-Kyūkō-Linie. In Izu-Kōgen ist vor allem der 580 m hohe 大室山 Ōmuro-yama von Interesse: Ein kahler und sehr steiler Vulkan, genauer gesagt ein Schlacken- und Aschenkegel, der sich in der heutigen Form vor rund 4’000 Jahren gebildet hat. Der Krater ist selbst nach 4’000 Jahren noch sehr deutlich erkennbar, und man nutzt den Kraterboden heute als Übungsplatz für japanisches Bogenschiessen (Kyūdō). Wie praktisch: Selbst wenn man das Ziel um Weiten verfehlt, wird niemand gefährdet.

Izu-Halbinsel: Blick auf die Izu-Ogasawara-Inseln vom Ōmuro-Yama
Izu-Halbinsel: Blick auf die Izu-Ogasawara-Inseln vom Ōmuro-Yama

Vom Bahnhof zu Berg sind es ein paar Kilometer – mit dem Taxi kostet die Fahrt in etwa 2’100 Yen. Aufgrund der starken Hangneigung darf man den Berg leider nicht zu Fuß besteigen. Stattdessen muss man auf einen Sessellift zurückgreifen. Die Fahrt kostet hin und zurück 450 Yen. Oben angekommen findet man eine kleine Raststation, die Bogenschießanlage sowie einen exakt 1 Kilometer langen Rundweg um den Kraterrand. Betoniert, versteht sich. Bei schönem Wetter kann man vom Gipfel die Miura- und Bōsō-Halbinsel, die Izu-Inseln bis hin zur Miyake-jima, den Fuji-san, die Nord- und Südalpen usw. sehen. Teilweise verdankt man den famosen Rundblick auch der Tatsache, dass der Berg alljährlich im Februar „abgebrannt“ wird – die gesamte Vegetation wird dann niedergebrannt, so dass die gesamte Fauna maximal ein Jahr alt ist.

Fuji-Quelle im Kakidagawa-Park von Mishima
Fuji-Quelle im Kakidagawa-Park von Mishima

Für Bahnfahrer gibt es zwei Möglichkeiten, eine Reise auf die Izu-Halbinsel anzutreten: Zum einen wäre da 三島 Mishima, zum anderen 熱海 Atami. Die langsameren Shinkansen halten in beiden Orten. Von Mishima kann man direkt nach Izu in der Inselmitte fahren; von Atami bis nach Shimoda im Südosten der Halbinsel. Von Mishima ist es nicht weit bis Hakone und zum Fuji-san. Im Ort gibt es nicht allzu viel zu sehen, aber der 柿田川公園 Kakidagawa-Park ist einen Spaziergang wert. Innerhalb des Parks befinden sich ein paar Quellen, aus denen glasklares Wasser vom Fuji-san aus dem Boden sprudelt.

Blick von der Westküste zum Fuji-san
Blick von der Westküste zum Fuji-san

Die Westküste der Halbinsel, entlang der 駿河湾 Suruga-Bucht ist weniger erschlossen als die Ostküste. Die Bahn fährt nur bis Shūzenji in der nördlichen Inselmitte, und obwohl auf Karten in der Halbinselmitte der Stadtname Izu auftaucht, ist das keine richtige Stadt sondern eine weit verstreute Gemeinde. Die Westküste ist rauh und stark zerklüftet. Busse fahren nur wenige, so dass man ohne eigenes Gefährt viel Zeit braucht, voranzukommen. In der Gegend gibt es allerdings zahlreiche schöne heisse Quellen und einsame Strandabschnitte – die meistens sind jedoch nicht zum Baden geeignet, da sie zu schroff sind.

Küste bei Izu-Kōgen
Küste bei Izu-Kōgen

An der Ostküste findet man zwei grössere Städte – 伊東 Itō im Nordosten und 下田 Shimoda im Südosten. Die Gegend um Itō und dem etwas weiter südlich gelegenen 伊豆高原 Izu-Kōgen ist ein beliebtes Sommerdomizil für gestresste aber ziemlich reiche Tokyoter, wobei der Glanz der Gegend seit den 1990ern aufgrund der schwächelnden Wirtschaft stetig blasser wurde. Izu-Kōgen ist aufgrund seiner zahlreichen japanischen Kirschbäume vor allem Mitte März besonders schön. Von der Küste geht es dort sofort und stetig bergauf, mit zahllosen Villen, die da verstreut am Hang stehen. Unweit der Ortschaft befindet sich der oben erwähnte 大室山 Ōmuro-yama.

Im Zentrum vom Itō
Im Zentrum vom Itō

Eine der grösseren und sicherlich beliebtesten Städte auf der Halbinsel ist 下田 Shimoda im Südwesten. Die Stadt liegt an einer stark zerklüfteten Küste mit mehr oder weniger hohen Bergen im Hinterland und hat knapp 25,000 Einwohner. Obwohl die Stadt – gemessen am Landweg – etwas abseits liegt, ist sie dennoch von grosser historischer Bedeutung aufgrund des Hafens. Die Stadt war so bedeutend, dass sie zeitweise direkt von der Hauptstadt Edo (der alte Name Tokyos) aus regiert wurde. Es gab Zeiten, in denen alle Schiffe, die Richtung Edo unterwegs waren, erstmal in Shimoda festmachen mussten, damit die Ladung überprüft werden konnte. Zwar hat die Halbinsel Izu als ganzes nicht allzu viele historische Stätten aufzuweisen, aber Shimoda ist eine Ausnahme. Bis zum Auftauchen der sogenannten schwarzen Schiffe des Kommodore Perry im Jahr 1853 war Japan für rund 250 Jahre quasi in selbsterwählter Isolation und deshalb fast gar nicht mit dem Rest der Welt verbunden. Das sollte sich dank Perry ändern – nunmehr durften amerikanische Schiffe anlaufen, aber sie durften erstmal nicht direkt nach Edo, sondern mussten in Shimoda vor Anker gehen.

Panorama der Bucht von Shimoda
Panorama der Bucht von Shimoda

Die Stadt ist sehr überschaubar, und das kann man durchaus wörtlich nehmen: Nur ein paar Minuten zu Fuss vom Bahnhof in Shimoda entfernt befindet sich eine Seilbahn, mit der man auf den 156 m hohen 寝姿山 Nesugatayama (wörtlich: Schlafende Gestalt-Berg) fahren kann. Der Berg erhielt seinen Namen, weil er wohl an die Gestalt einer auf dem Rücken liegenden Frau erinnern soll. Oben angelangt, kann man wunderbar durch Gärten und Wälder spazieren und von einem Aussichtspunkt den Blick auf die Bucht von Shimoda geniessen. Dort erinnern auch Denkmäler und eine restaurierte Kanone an die Geschichte der Stadt. Der Blick von der anderen Seite des Berges auf das Hinterland ist ebenfalls lohnenswert – die Stadt in ihrem engen Tal sowie die nahezu perfekt runden, kleinen Berge in der Umgebung sehen von oben einzigartig aus

Auch die Stadt selbst ist einen ausgedehnten Spaziergang wert – so lange man kein geschlossenes Ensemble alter Gebäude erwartet. Wer Langeweile hat oder in Begleitung von Kindern ist, kann sich im 下田海中水族館 Shimoda Kaichū Suizokukan (Shimoda Meeres-Delphinarium) umschauen. Jenes befindet sich in einer kleinen Bucht gut 1 km südlich des Stadtzentrums.

Blick vom Nesugatayama auf Shimoda
Blick vom Nesugatayama auf Shimoda

Zur Besucherbelustigung kann man auch mit schwarzen, den historischen Vorgängern nachgebauten Booten durch den Hafen fahren. Wer einen ganzen Tag in Shimoda hat, dürfte mit dem erwähnten Programm gut beschäftigt sein. Für diesen Fall empfiehlt es sich, am Bahnhof ein Kombi-Ticket für die drei Sehenswürdigkeiten (Seilbahn, Schiff, Delphinarium) ein Kombi-Ticket zu kaufen: Das rechnet sich finanziell und erspart auch einiges an Anstehen.

Kleiner Kanal in Shimoda
Kleiner Kanal in Shimoda

Wer durch die Stadt stromert und nach etwas zu Essen oder einem Kaffee oder Tee sucht, dem sei das 福乃家 Fuku-no-ie (wörtlich: „Haus des Glücks“) empfohlen. Das Haus fällt auf – es sieht sehr alt aus, ist schwarz angestrichen und allerlei Schilder und Zierrat. Innen ist es sehr eng und kuschelig. Der Besitzer hatte einst seine Arbeit in Tokyo hingeworfen und das Haus in liebevoller Eigenarbeit zusammengeschustert. Das Essen ist in Ordnung und der Besitzer sehr freundlich – und interessant. Das Ziel ist offenbar nicht, viel Geld zu verdienen, da alles sehr preiswert ist. Bei den Einheimischen ist das Restaurant / Teehaus ebenfalls sehr beliebt, wie es scheint. Die Adresse: 11-31 Nichōme, Shimoda-shi, Shizuoka-ken.

Der Hatchō-Ike - ein flacher Kratersee in den Amagi-Bergen
Der Hatchō-Ike – ein flacher Kratersee in den Amagi-Bergen

Auf der Halbinsel kann man schön wandern – so zum Beispiel auf den 1’406 m hohen Manzaburō-dake 万三郎岳, dem höchsten Gipfel der Insel in den Amagi-Bergen (Himmelsschlossberge). Die Küstenorte wie Atami 熱海, Shimoda 下田 und Itō 伊東 sind richtig chic und ganz auf Tourismus eingestellt.

Anreise

Der schnellste Weg ist der Shinkansen. Wer die Ostküste sehen will, sollte damit von Tōkyō-eki nach Atami 熱海 fahren (50 Minuten). Von dort kann man entlang der Ostküste bis Shimoda 下田 fahren. Ein Schnellzug fährt auch direkt durch von Tokyo – dauert 2¼Stunden.
Wer in die Inselmitte will, fährt besser mit dem Shinkansen nach Mishima 三島 (1 Stunde) und von dort mit der Izu-Hakone-Tetsudō Sunzu-Linie 伊豆箱根鉄道駿豆線 (tetsudō = Eisenbahn) bis zur Stadt Shuzenji 修善寺. An der Westküste gibt es keine Eisenbahnlinie – man ist auf Busse angewiesen.

Der Odoriko-Express auf Izu
Der Odoriko-Express auf Izu

Übernachtung

Auf der Halbinsel gibt es unendlich viele Hotels, Ryokan und Minshuku. Am besten in einem übernachten, in dem es auch eine heisse Quelle gibt. Bei einer Tour zur Izu-Halbinsel kann es sich glatt lohnen, in einem japanischen Reisebüro zu buchen (z.B. H.I.S.) – dann wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit billiger. Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

Eine interessante Empfehlung trotzdem an dieser Stelle: In Kawazu 河津 an der Südostküste, unweit von Shimoda, steht die interessante Pension Gallery Court OFA ATU. Die gehört einem alten Seebären und Maler, der einst auf Tonga gelebt und dort auch seine Gemahlin kennengelernt hat. Halb Galerie, halb Pension, mit sehr frischem Fisch und einer Mischung aus Tonga- und Japanischem Essen ist diese Pension mal etwas anderes. Liegt knapp 10 Minuten zu Fuss vom Bahnhof von Kawazu entfernt. Die Adresse: 〒413-0515 静岡県河津町 谷津233-7 (zip 413-0515 Shizuoka Pref. Kawazu-machi Kamo-gun Yatsu 233-7), Telefon: +81-(0)558-32-3006.

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