Iriomote – pure Wildnis in Okinawa

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Lage von Okinawa
Region: 沖縄 Okinawa
Präfektur: 沖縄 Okinawa

Iriomote 西表

5 von 5 Sternen: Uneingeschränkt sehenswert
Name:

Iriomote. „Iri“ ist eine für diese Region typische Lesung – das Zeichen wird sonst meist „Nishi“ gelesen und bedeutet „Westen“. Wahrscheinlich deutet der Name darauf hin, dass von Ishigaki aus gesehen bei Iriomote die Sonne untergeht. Ein lokaler Name der Insel ist „Iriumti“.

Lage:

Iriomote ist die größte Insel der 八重山諸島 Yaeyama-Inselkette und liegt im Westen der Inselkette. Bis zur Hauptinsel Ishigaki im Osten sind es rund 20 km.

Ansehen:

Die Mangroven. Die Wasserfälle. Natur so weit das Auge reicht.

Iriomote – Beschreibung

Mit 289 km² steht die Insel Iriomote in der Rangliste der tausenden japanischen Inseln auf Rang 14 (nach der japanischen Statistik allerdings auf Rang 16, doch zwei der größeren Inseln gehören seit dem Zweiten Weltkrieg zu Russland). Damit ist Iriomote die größte Insel der Yaeyama-Inseln sowie die zweitgrößte Insel in der Präfektur Okinawa. Iriomote hat eine Küstenlänge von 130 Kilometern und ist alles in allem eine ziemliche große Insel – und doch leben hier nur rund 2’300 Menschen. Das sind weniger als 10 Einwohner pro Quadratkilometer – der Landesdurchschnitt liegt bei 337 Einwohnern pro Quadratkilometer. Iriomote ist damit in Japan etwas ganze Besonderes: Eine grosse Insel mit wenigen Menschen.

Karte von Iriomote (rot) und umliegenden Inseln
Karte von Iriomote (rot) und umliegenden Inseln

Aktive Vulkane sind nicht der Grund für die spärliche Besiedlung. Es ist eher das Terrain als solches: Es gibt kaum Ebenen auf der Insel. Stattdessen ist die Küste stark zergliedert und das Landesinnere recht bergig. Es gibt mehrere über 400 Meter hohe Berge, wobei der 古見岳 Komi-dake mit 469 Metern der größte Berg auf der Insel ist. Über 80% der Insel besteht aus immergrünen Wäldern, die dem Staat gehören. Landwirtschaft, zumindest Agrarwirtschaft, ist auf der Insel aufgrund der Topographie reichlich problematisch. Kurz gesagt ist Iriomote eine grüne, feuchte, subtropische Hölle, die regelmäßig von verheerenden Taifunen heimgesucht wird. Für die geringe Bevölkerung gibt es einen gewichtigen Grund: Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein war die Insel malariaverseucht. Die Mangroven und Wälder sowie das Klima natürlich boten ideale Bedingungen für die malariaübertragenden Anopheles-Mücken. Die Malaria raffte viele Bewohner dahin und verhinderte so eine stetige Besiedlung. Während des Zweiten Weltkrieges kam es zu zahlreichen Zwangsumsiedlungen von Bewohnern kleinerer Inseln in der näheren Umgebung auf Iriomote, doch viele der Zwangsumgesiedelten starben kurze Zeit später an der Malaria – diese wurde in der Gegend deshalb bald 戦争マラリア Kriegsmalaria genannt. Andere Inseln in der Yaeyama-Inselgruppe sind wesentlich trockener als Iriomote und hatten deshalb dieses Problem nicht. Die malariaübertragenden Mücken auf Iriomote wurden in den 1950ern ausgerottet. Trotzdem wird die Bevölkerung nicht wesentlich wachsen – die Insel ist zu abgelegen und unwirtlich, um wirklich attraktiv zu werden.

Sternensandstrand "Hoshizuna-no-hama" an der Nordspitze von Iriomote
Sternensandstrand „Hoshizuna-no-hama“ an der Nordspitze von Iriomote

Iriomote ist heuer vor allem für zwei Besonderheiten berühmt: Für seine Mangroven und die Iriomote-Wildkatzen. Die Yaeyama-Inseln sind eigentlich eher trocken, aber die starke Bewaldung und die Topographie von Iriomote bilden eine Ausnahme: Wenn es an etwas nicht mangelt auf Iriomote, dann ist es Wasser. Es gibt insgesamt 41 Flüsse auf der Insel, und einer der größeren Flüsse ist der 仲間川 Nakama-gawa im Südosten der Insel. Jener ist rund 15 km lang. Bei Flut strömt Salzwasser weit flußaufwärts. Der durchschnittliche Tidenhub beträgt bei Iriomote nur rund einen Meter und ist zudem windabhängig, da der Wind stärker ist als der Gezeitendruck. Das Wasser ist wie überall in der Gegend sehr klar. Aufgrund der besonderen Lage und des Klimas konnte sich hier eine echte Mangrove bilden. Die Mangrove auf Iriomote am Nakama-Fluss ist die größte Japans, wobei anzumerken ist, dass es in Japan so gut wie keine Mangroven gibt.

Hafen von Ōhara im Südosten der Insel
Hafen von Ōhara im Südosten der Insel
Der Nakama-Fluss im Südwesten
Der Nakama-Fluss im Südwesten

Auf nur wenigen Kilometern findet man dabei verschiedene Mangrovenarten, die vom Terrain und der Fauna bestimmt werden. Ein schwerer Taifun im Jahr 2006 richtete allerdings sehr schwere Schäden an. Bei jenem Taifun wurden Windgeschwindigkeiten bis 71 m pro Sekunde, also über 250 Kilometer pro Stunde, gemessen. Die wahre Spitzengeschwindigkeit ist unbekannt, da bei jener Geschwindigkeit das Meßgerät entzwei ging. Die Schäden des Taifuns sind viele Jahre später noch erkennbar, da sich Mangroven nur sehr schwer erholen. In den Mangroven von Iriomote gibt es unter anderem 蜆 Shijimi (Körbchenmuscheln), die in der japanischen Küche oft verwendet werden. Diese sind normalerweise nur fingernagelgroß, doch in den Mangroven von Iriomote werden sie teilweise faustgroß. Auf der Bootsfahrt wurde dabei angemerkt, dass es Tage dauert, diese grossen Muscheln vom Sand zu reinigen (bei der normalen Version dauert es in der Regel eine Stunde – man legt die lebenden Muscheln in Salzwasser und stellt sie zugedeckt an einen kalten, dunklen Ort), und dass die grosse Version leider nicht besonders nahrhaft ist. Die Schiffe fahren ein paar wenige Kilometer flußauf, bis sie nicht mehr weiterkommen, aber wer will, kann bei Bedarf auch mit dem Kanu flußaufwärts fahren.

Die Mangroven am Nakama-Fluss
Die Mangroven am Nakama-Fluss

Iriomote hat keinen eigenen Flughafen und wird mehrfach im Jahr von Taifunen getroffen, Nicht selten fällt dabei der Strom aus, und bei schweren Taifunen kann es Tage dauern, bis der Strom wieder da ist. Da die Taifune sehr kräftig sein können, bevorzugen die meisten Bewohner heutzutage mit Stahlbeton zu bauen. Interessanterweise wächst die Inselbevölkerung leicht – was allerdings nicht mit der Geburtenrate zusammenhängt, sondern mit Zuzügen. Das ist beachtlich, da es zum Beispiel nur eine Krankenstation gibt, aber keinen Facharzt: Wer ernsthaft krank wird, muss mit dem Hubschrauber nach Ishigaki gebracht werden. Es gibt ein paar Grundschulen auf der Insel und zwei Mittelschulen, aber keine Oberschule. Wer zur Oberschule möchte, muss nach Ishigaki oder noch weiter weg und dort im Internat wohnen.

Ausflugsboot in den Mangroven
Ausflugsboot in den Mangroven

Auf Iriomote gibt es zwei Häfen und einige kleine Ortschaften. Bemerkenswerte Ansammlungen von Häusern findet man eigentlich nur im Südosten der Insel rund um den Hafen von 大原 Ōhara und im Nordwesten rund um den Hafen von 上原 Uehara. Die Hauptstrasse der Insel verläuft vom Hafen von Ōhara immer die Ostküste entlang Richtung Norden und dann die Nordküste entlang gen Westen. Im Westen führt sie schliesslich noch ein paar wenige Kilometer Richtung Süden bis zum Hafen von 白浜 Shirahama. Weiter südlich beziehungsweise an der Südküste schlechthin gibt es keine einzige Strasse, und auch zur Inselmitte gibt es keine Strassen. Südlich von Shirahama befindet sich jedoch sogar noch eine winzige Ortschaft: 船浮 Funauki. Das einzige Verkehrsmittel dorthin sind gelegentlich fahrende Schiffe – es gibt keine Strasse in den Ort. Die Einwohnerzahl: 40. Doch es geht noch abgelegener: Vor der Westküste gibt es, in unmittelbarer Nachbarschaft, zwei weitere größere Inseln: Die 2,1 km² grosse Insel 内離島 Uchibanari-jima und die 1,3 km⊃ grosse Insel 外離島 Sotobanari-jima. Beide liegen in Sichtweite von Shirahama und sind de facto unbewohnt, doch seit Jahrzehnten wohnt auf Sotobanari-jima ein alter, nackter Mann – und zwar ganz allein. Mehr dazu siehe Tabibito’s Japan-Blog: Der Einsiedler.

123°45'56789'' - Meridian-Denkmal
123°45’56789“ – Meridian-Denkmal

Auf Uchibanari-jima, nahe Shirahama, gibt es Braunkohlevorkommen. Ende des 19. Jahrhunderts versuchte eine japanische Firma, die Braunkohle abzubauen. 200 Gefangene wurden dazu auf die Insel entsandt, doch wenige Jahre später war mehr als die Hälfte verstorben. Viele der überlebenden Gefangenen wurden später von der Malaria dahingerafft, so dass man den Abbau nach wenigen Jahren erstmal aufgab. Später gab es erneute Versuche, und man setzte wie zuvor Gefangene, darunter auch Ausländer, zur Strafarbeit ein.

Im Westen der Insel: Nothafen bei Taifunen
Im Westen der Insel: Nothafen bei Taifunen

Die meisten Besucher von Iriomote kommen dieser Tage zur Insel, um die Mangroven zu sehen und die Wasserfälle. Es gibt auch ein paar nennenswerte Strände – darunter den besonders schönen 星砂の浜 Hoshizuna-no-hama – den „Sternensandstrand“ (siehe Foto ganz oben) im Nordwesten der Insel. Mehr zum Thema Sternensand siehe Taketomi. Auf der Insel kann man auch Kajak fahren sowie wandern, doch viele Wanderwege gibt es nicht – ein großer Teil der Insel ist mehr oder weniger unberührt und ein Vorankommen aufgrund der dichten Vegetation eher schwierig.

Wasserfall im Inselinneren
Wasserfall im Inselinneren

Iriomote ist landesweit auch bekannt für die 西表山猫 Iriomote-Yamaneko – eine vom Aussterben bedrohte Wildkatzenart. Die Katzen sind gestreift und/oder gepunktet und etwa so groß wie Hauskatzen. Auf Iriomote gibt es ungefähr 100 Wildkatzen, von denen man weiss – jedoch gab es 2013 einen traurigen Rekord von 6 an- beziehungsweise totgefahrenen Katzen. Die Tiere sind nicht sonderlich groß, nachtaktiv und werden deshalb selten gesichtet. Man müht sich stark, die Art zu retten. So errichtete man 100 jeweils rund 80’000 Euro teure Tunnel für die Katzen, damit sie nicht überfahren werden. An den Tunnelenden sind selbstauslösende Kameras angebracht. Überall stehen Warnschilder, und streckenweise wurden sanfte Buckel in den Asphalt angebracht, die Geräusche verursachen und damit die Katzen vor den Fahrzeugen warnen sollen. Man braucht sehr, sehr viel Glück, um die Katze vor Gesicht zu bekommen, und nicht selten weiß man dann immernoch nicht, ob man eine Wildkatze oder eine streunende Katze gesehen hat.

Straßen: Der größte Feind der Iriomote-Katzen
Straßen: Der größte Feind der Iriomote-Katzen

Iriomote ist etwas besonderes in Japan: Ein großer Flecken unberührten Landes mit wenigen Einwohnern. Es gibt nur zwei Inseln auf der ganzen Insel, und die gibt es auch nur, damit die Kinder auf der Insel lernen, was eine Ampel ist. Ein Abstecher auf Iriomote ist auf jeden Fall empfehlenswert, auch wenn die Infrastruktur es nicht einfach macht, sich fortzubewegen. Iriomote Tours und andere Veranstalter bieten allerdings gut organisierte Touren an – zum Beispiel im Fährhafen von Ishigaki. Für Einsteiger lohnt sich das als Anfang auf jeden Fall.

Anreise

Einen Flughafen gibt es nicht, also bleibt die Anreise mit dem Boot. Von Ishigaki fahren rund 10 Fähren pro Tag nach Ōhara – die Fahrt dauert rund 40 Minuten und kostet 1,770 Yen einfach oder 3,190 Yen hin und zurück. Ebenfalls von Ishigaki fahren rund 7 Fähren nach Uehara – das dauert dann 45 Minuten und kostet 2,300 Yen hin oder 4,400 Yen hin und zurück. Einige Fähren halten unterwegs auf der Insel Taketomi. Alternativ kann man auch Tagestouren am Fährhafen von Ishigaki buchen – die kosten rund 12,500 Yen pro Erwachsenen (8,300 Yen für Kinder ab 6 Jahre) oder mehr und beinhalten die An- und Abreise, die Fahrten in die Mangroven, den Transport auf der Insel und Mittagessen und so weiter: Der Preis ist damit durchaus in Ordnung, zumal sich um nichts weiter kümmern muss.

Übernachtung + Verpflegung

Nicht auf der Insel übernachtet. Es gibt ein paar kleinere Unterkünfte, aber die meisten Besucher bleiben nicht über Nacht auf der Insel.
Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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