Hamamatsu – die Nr. 2 in Shizuoka

1
301

Lage von Shizuoka
Region: 中部 Chūbu
Präfektur: 静岡 Shizuoka

浜松 Hamamatsu

3 von 5 Sternen: Abstecher wert
Name:

Hama- bedeutet „Strand“ und „matsu“ steht für „Kiefer“. Früher hieß der Ort wahrscheinlich „Hamatsu“ (-tsu bedeutet „Hafen“) und war ein Stadtteil der alten Stadt 曳馬 Hikuma.

Lage:

Hamamatsu liegt im Westen der Präfektur Shizuoka, zwischen Tōkyō (rund 250 km) im Osten und Nagoya (ca. 100 km) im Westen.

Ansehen:

Die Stadt selbst mit ihrer kleinen Burg – mehr aber noch der nahe Hamanako-See und die nähere Umgebung

Obwohl nicht Präfekturhauptstadt, ist Hamamatsu mit knapp 800’000 Einwohnern die größte Stadt der Präfektur Shizuoka – und die größte Stadt zwischen den Millionenstädten Yokohama und Nagoya. Die Lage ist von großer historischer Bedeutung: Der alte Handelsweg 東海道 Tōkaidō (wörtlich: Östlicher Meerweg), welcher die Kaiserstadt Kyōto mit Edo (dem heutigen Tokyo) verband, passierte bei Hamamatsu eine schmale Furt zwischen dem Pazifik und dem großen Hamanako-See. Über den See wurde 862 eine erste Brücke gebaut, um den Weg abzukürzen. Hamamatsu ist das Zentrum der historischen Region 遠州 Enshū. Die Stadt liegt eingeklemmt zwischen dem Pazifik und dem bergigen Inland und ist in einigen Bereichen stark tsunamigefährdet (die Region wurde bereits in der Vergangenheit mehrfach von starken Erdbeben und Tsunami heimgesucht wurden). Die Stadt und das Umland ist außerdem für den 遠州のからっ風 Enshū-Fön bekannt – im Winter weht gelegentlich ein sehr starker Fönwind von den Bergen her, der zwar verhältnismäßig warm ist, aufgrund der Windstärke jedoch eher kalt wirkt.

Das Stadtzentrum von Hamamatsu rund um den Hauptbahnhof
Das Stadtzentrum von Hamamatsu rund um den Hauptbahnhof

Die Stadt selbst ist eher unspektakulär, aber sie hat seit 1994 ein Wahrzeichen – die sogenannte ACT CITY – ein großer Komplex, bestehend aus Büros, Hotels, Wohnungen und Tagungsräumen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hauptbahnhof, an dem auch die Shinkansen halten. Prunkstück des Komplexes ist der 212 m hohe Act Tower, das höchste Gebäude der Präfektur. Damit das Gebäude nicht zu sehr vom Fönwind ins Schwanken gebracht wird, hat man ein eigens ein computergesteuertes System eingebaut, das zwei 90 Tonnen schwere Schlitten im 45. Stock in Bewegung setzt, um den Schwankungen entgegenzuwirken. Ganz oben gibt es auch eine Aussichtsplattform (kostenlos) – die ist jedoch manchmal geschlossen, da sie gern von Hochzeitsgesellschaften gebucht wird. Unweit von Act City, nördlich des Bahnhofs, befindet sich auch das „Vergnügunsgviertel“ der Stadt mit zahlreichen Restaurants und Bars.

Blick vom Act Tower auf die Stadt
Blick vom Act Tower auf die Stadt

Rund 1.5 km nordwestlich des Bahnhofs steht die 浜松城 Hamamatsu-jō genannte Burg mit Burgpark. Die Burg wurde 1871 geschliffen, aber man hat später den 模擬天守 – Attrappen-Donjon aus Stahlbeton wieder aufgebaut. Viel mehr ist auch nicht zu sehen – die Burgruine hat keinen besonderen historischen Nennwert, da fast alles im 19. Jahrhundert zerfiel oder zerstört wurde.

Blick auf den Südteil des Hamanako-Sees
Blick auf den Südteil des Hamanako-Sees

Westlich von Hamamatsu befindet sich der große See 浜名湖 Hamana-ko (ko = See). Wobei streng genommen von einem Ex-See gesprochen werden muss, denn der See war nur bis 1498 vom Meer getrennt. Das wurde in jenem Jahr jedoch durch einen schweren Tsunami geändert. Der See ist immerhin 65 km² gross und ist damit der zehntgrößte See Japans. Der Durchbruch am Meer ist sehr schmal, doch der See erstreckt sich weit in die Berge im Norden hinein und ist ziemlich verästelt. Da der See zwischen Meer und hohen Bergen liegt, versperrte er seit jeher den so wichtigen 東海道 Tōkaidō (mehr dazu siehe Hakone: Tokaido), der Kyōto mit Edo (heute: Tokyo) verband beziehungsweise noch immer verbindet. Aus diesem Grunde wurde bereits 862 eine Brücke über den Hamanako errichtet, um den Weg abzukürzen. Am Hamanoko gibt es einiges zu sehen. Im südlichen, dem Meer nahegelegen Teil gibt es einige sehr seichte Stellen, durch die man bei Ebbe mit nackten Füßen waten kann. Dabei muss man allerdings etwas aufpassen, denn dort wimmelt es nur so von Einsiedlerkrebsen in allen erdenklichen Größen und Farben. Da nunmehr eine Verbindung mit dem Meer besteht, gibt es auch Gezeiten am See, wobei die Flutscheitel im See mit bis zu dreistündiger Verspätung auftritt.

Der Hamanako in der Abenddämmerung
Der Hamanako in der Abenddämmerung. Vorne rechts: Aalaufzuchtbecken

Am nordöstlichen Ufer des Sees gibt es einen großen Vergnügungspark mit Schwimmbad, Seilbahn, Riesenrad und vielem mehr – das 浜名湖パルパル Hamanako Paruparu. Für Erwachsene ist das nicht besonders interessant, aber für Familien mit Kindern ist der Park durchaus einen Ausflug wert. Man kann dort locker mindestens einen vollen Tag verbringen. Der einfacher Eintritt kostet 1’000 Yen pro Erwachsenen, doch dann muss man für alle Attraktionen extra bezahlen. Es gibt auch Tagespässe, mit denen man (fast) alles benutzen kann – dieser kostet ab 4’900 Yen pro Erwachsenen.

Der nördliche Teil des Hamanako
Der nördliche Teil des Hamanako

Aufgrund der Gegebenheiten – vorher Süßwasser, heute Brackwasser – bildet der Hamanoko-See ein besonderes Biotop. Neben Einsiedlerkrebsen beherbergt der See auch Garnelen, Weichschildkröten, Austern und … 鰻 Unagi – Aale. Diese gelten als Delikatesse in Japan, und die Aale von Hamamatsu sind besonders berühmt, weshalb dort auch Aale gezüchtet werden. Die Züchtung sowie die Zubereitung von Aal auf japanische Art ist allerdings sehr aufwendig, weshalb Aal lokaler Herstellung ziemlich teuer ist. Nun wird Unagi als Delikatesse überall in Hamamatsu angeboten – oftmals stammt jener jedoch letztendlich aus China. Bei Zweifel einfach nach der Herkunft fragen. Hamamatsu ist übrigens auch die Stadt mit dem höchsten Gyōza-Verzehr (Gyōza = gefüllte Teigtaschen auf chinesische Art). Jahrzehntelang war Utsunomiya nördlich von Tokyo die Nummer 1, doch Hamamatsu überholte die Stadt. In der Stadt gibt es über 80 Restaurants, die sich allein auf die Teigtaschen spezialisiert haben.

Spassbad mit Seilbahn am Hamanako
Spassbad mit Seilbahn am Hamanako

Hamamatsu weist noch eine Besonderheit auf: Knapp 4% der Bewohner sind Ausländer. Das ist enorm hoch für Japan, wo die Rate bei unter 2% liegt. Rund 30’000 Ausländer wohnen in Hamamatsu, und rund 18’000 von ihnen kommen aus Brasilien. Der Grund: Vor ca. 100 Jahren, aber auch später, wanderten etliche Japaner nach Brasilien aus. Deren Kinder und Kindeskinder sind Brasilianer japanischer Abstimmung, und sie können leichter nach Japan kommen, um zu arbeiten, als „gewöhnliche“ Ausländer. Nicht wenige Brasilianer liessen sich in Hamamatsu nieder, denn in der Gegend gibt es viel produzierendes Gewerbe, und dort fanden die Menschen am leichtesten Arbeit. Aus diesem Grund sieht man in Hamamatsu viel Portugiesisch – man könnte meinen, mehr als Englisch. Dementsprechend gibt es auch einige brasilianische Restaurants und Bars.

Portugiesisch-Japanisches Schild
Portugiesisch-Japanisches Schild in Hamamatsu

Anreise

Hamamatsu liegt zwischen Tokyo und Nagoya und ist damit verkehrstechnisch sehr gut angebunden. Nördlich der Stadt verläuft die 東名高速道路 Tōmei-Autobahn (Tō- steht für Tokyo, -mei für das Na in Nagoya: das Zeichen ist das gleiche). Südlich beziehungsweise quer durch das Stadtzentrum verläuft wiederum die 東海道線 Tōkaidō-Bahnlinie – sowohl lokale Züge als auch die Shinkansen fahren hier entlang. Mit dem Shinkansen braucht man von Tokyo ziemlich genau 1½ Stunden, die einfache Fahrt kostet 7’870 Yen. Mit Bummelzügen kommt man auch dorthin – dann dauert die Fahrt über 4 Stunden und kostet 4’310 Yen.

Nach Nagoya braucht man mit einfachen Zügen rund 1 ½ Stunden, die Fahrt kostet 1’890 Yen. Mit dem Shinkansen braucht man nur eine halbe Stunde, aber die Fahrt kostet dann mit 4’610 Yen mehr als das Doppelte. Vorsicht bei den Shinkansen: Die schnellsten Shinkansen (Nozomi) halten in der Regel nicht in Hamamatsu, und die Nozomi halten nur gelegentlich dort. Kodama-Shinkansen halten überall und damit auch in Hamamatsu.

Hamamatsu ist der Startpunkt der 遠州鉄道 Enshū-Eisenbahn. Diese fährt Richtung Norden in die Berge hinein bis nach 西鹿島 Nishi-Kajima. Von dort fährt eine andere Linie quer durch den Norden der Präfektur.

Übernachtung

Am Hamanako-See, auf der der Stadt zugewandten Seite, steht das grosse Hotel 浜名湖ロイヤルホテル Hamanako Royal Hotel – ein großes, typisches japanisches Familienhotel. Das Hotel selbst ist nichts besonderes, aber es liegt direkt am See und hat auch ein paar Sachen für Kinder. Zum Essen gibt es ein riesiges Buffet, wobei die Qualität leider nicht gerade überzeugend war. Für eine Person in einem zugegebenermaßen recht grossen Zimmer mit schönem Seeblick zahlten wir 23’700 Yen (inklusive Frühstück und Abendessen), aber von der Lage abgesehen kann ich das Hotel nur bedingt empfehlen. Die Adresse: zip 431-0101, Shizuoka Pref. Hamamatsu-shi Nishi-ku Yūtō-chō Yamazaki 4396-1, Telefon: 053-592-2222. Hier die offizielle Webseite.

Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

1 KOMMENTAR

  1. Ich war kürzlich aus beruflichen Gründen in Hamamatsu. Die Stadt ist touristisch wirklich nicht sehr attraktiv.
    Am Schloss wird derzeit gebaut, innen gibt es eine nette kleine Ausstellung. Der Park davor ist recht hübsch. Ein paar Schritte weiter findet man das Kunstmuseum, welches an diesem Tag leider geschlossen war (Mittwoch).
    Schräg gegenüber vom Act Tower ist das Musical Instrument Museum (auch mittwochs geschlossen), das ich Interessierten SEHR empfehlen kann. Es gibt eine wunderbare Sammlung an teils äußerst ungewöhnlichen Instrumenten aus aller Welt, viel natürlich aus Asien. Über den Tag verteilt werden verschiedene Instrumente vorgeführt und erläutert. Allerdings sind fast alle Infos nur auf Japanisch.
    Auf der anderen Seite der Bahngleise befindet sich das Science Museum, welches eher für Familie mit Kids geeignet ist.
    Das Vergnügungsviertel in Bahnhofsnähe ist eher traurig, überall sehen die Verkäufer einen mit flehendlichen Augen an: „bitte komm rein und kauf was“. Im Zaza-Kaufhaus standen halbe Etagen leer und wurden teils Künstlern überlassen – ein sicheres Zeichen, dass da sobald nix besser wird.
    Unagi essen ist Pflicht, wobei es mich nicht unbedingt von den Socken gehauen hat.
    In Bahnhofsnähe gibt es eine Reihe günstiger Businesshotels (um die 4.000), für Alleinreisende eine gute Alternative.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT