Fuji-san – der majestätische Vulkan

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Der Fuji-san wird hierzulande fälschlicherweise oft als „Fujiyama“ bezeichnet – ein historischer Irrtum. Das Schriftzeichen „-san“ wird ebenfalls „yama“ gelesen, doch in Zusammensetzung mit dem Bergnamen liest man es „san“. Der Fujisan ist mit 3’776 Metern Höhe der grösste Berg Japan und aufgrund seiner Form weltberühmt. Er ist an klaren Wintertagen selbst vom gut 100 km entfernten Tokyo zu sehen. Der Fujisan ist ein Stratovulkan, dessen Geschichte vor schätzungsweise 100’000 Jahren begann. Der letzte Ausbruch fand 1707 statt und bedeckte ganz Edo (alter Name Tōkyō’s) mit einer gut 15 cm dicken Ascheschicht. Diese Vulkanasche ist äusserst fruchtbar und spielte deshalb eine enorm wichtige Rolle bei der Erschliessung der Kantō-Ebene.

Name des Gipfels: 富士山 Fujisan
Gipfelhöhe: 3’776 Meter
Schwierigkeitsgrad:
Erforderliche Kondition:
Besteigungsdauer: Zwei Tage
Vulkanstatus¹: B (relativ aktiver Vulkan)
Ausbruchswarnstufe²: 1 (Momentan kein Ausbruch zu erwarten)
Koordinaten: 35゜21’38.70″N 35゜21’38.70″O
Lage: 独立峰 (Inselberg)
Präfektur: 山梨県 静岡県 Yamanashi / Shizuoka
Naturschutzgebiet: 富士箱根伊豆国立公園 Fuji-Hakone-Izu-Nationalpark
Sonstige Anmerkungen: Höchster Gipfel Japans

¹ Vulkane werden wie folgt eingestuft:

A – Sehr aktiv, letzter Ausbruch liegt weniger als 100 Jahre zurück
B – Aktiv, letzter Ausbruch liegt mehr als 100 Jahre zurück
C – Weniger aktiv, letzter Ausbruch liegt mehr als 1’000 Jahre zurück
D – Dormant, letzter Ausbruch liegt mehr als 10’000 Jahre zurück
E – Erloschen, letzter Ausbruch liegt mehr als 100’000 Jahre zurück

² In Japan gibt es 5 Warnstufen:

  1. Momentan keine Gefahr
  2. Nicht dem Krater nähern
  3. Nicht dem Vulkan nähern
  4. Evakurierung vorbereiten
  5. Evakuierung durchführen
Der Fuji-san mit Fönhaube
Der Fuji-san mit Fönhaube

Der Fuji wird aufgrund seiner nahezu perfekten Form nicht nur von Naturliebhabern, sondern auch von religiösen Gruppen verehrt – er ist in vielerlei Hinsicht ein heiliger Berg. Einzig ein parasitärer Nebenkrater am Südosthang – der Hoei-san – unterbricht die konische Form. Der Berg befindet sich inmitten des Fuji-Hakone-Izu-Nationalparks. Besonders gut zu sehen ist er von den fünf Seen am Nordhang (fuji goko 富士五湖), der Industriestadt Fuji 富士 im Süden oder auch von Hakone. Die Chance, ihn im Frühjahr oder Sommer zu Gesicht zu bekommen, ist ziemlich klein.

Erster Schnee - Mitte November, aufgenommen vom Norden
Erster Schnee – Mitte November, aufgenommen vom Norden

Die besten Chancen auf eine gute Sicht auf den Fuji hat man im Winter. Dumm nur, dass man den Berg nur in der schneefreien Zeit vom 1. Juli bis 31. August besteigen darf. Zumal zu dieser Zeit schon die ersten Taifune anrücken. Jeder darf in dieser Zeit den Fuji-san besteigen – und jeder macht es: Rund 3’000 Menschen pro Nacht, also fast 200’000 Menschen pro Saison! Populär ist es, bis zu einer der vier Fünften Stationen (gogōme 五合目) zu fahren. Die liegen auf 1’400 bis 2’400 Meter Höhe. Die meisten besteigen ihn nachts, da früh am Morgen die Chancen am höchsten sind, überhaupt etwas zu sehen.

Der Gipfel, von Gotemba aus gesehen. Gut zu erkennen: Die Wanderrouten
Der Gipfel, von Gotemba aus gesehen. Gut zu erkennen: Die Wanderrouten

Von Fujinomiya Gogōme 富士宮五合目 geht’s am schnellsten – viereinhalb Stunden dauert der Aufstieg (und zweieinhalb Stunden der Abstieg). Man sollte viel, viel Kleidung mitbringen, denn auch im Sommer ist es oft frostig und sehr windig. Und viel Wasser sowie eventuell etwas zu Essen. Auch eine Taschenlampe ist angebracht. Zwar ist der Aufstieg wohl für jedermann zu schaffen, doch die Höhe reicht aus, einige Leute höhenkrank zu machen. Bei ersten Anzeichen der Höhenkrankheit (Schwindelgefühl, Schwächeanfall etc.) sollte man also lieber absteigen. Es gibt vier Routen mit jeweils 10 Stationen – in einigen von ihnen kann man auch übernachten und essen. Einen detaillierten Bericht meines Aufstiegs auf den Fuji-san gibt es hier.

Gipfel, vom Flugzeug aus aufgenommen
Gipfel, vom Flugzeug aus aufgenommen
Aussicht von der Präfektur Saitama im Osten
Aussicht von der Präfektur Saitama im Osten
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Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

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