Burg Shuri auf Okinawa – Exot und Augenweide

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Eine Sonderstellung unter den japanischen Burgen hat 首里城 Shuri-jō – Burg Shuri, denn diese Burg bzw. dieser Palast hat so gut wie gar nichts mit den anderen japanischen Burgen gemein, und das hat historische Gründe. Doch erst einmal zum Namen: Die Burgen werden auf der Insel Okinawa wie auch in Japan mit dem Schriftzeichen geschrieben, doch während man dies im Japanischen -shiro liest, wird es auf Okinawa gusuku gelesen. Im Jahre 2000 wurden die bedeutendsten Burgen, bzw. was davon übrig blieb, als 琉球王国のグスク及び関連遺産群 – Die Gruppe der Gusuku und anderer, zusammenhängender Kulturerbestätten des Königreiches Ryūkyū zusammengefasst und als UNESCO-Weltkulturerbe registriert. 首里城 Shuri-jō, Okinawa: Sui-gusuku ist dabei die einzige Burg, die halbwegs wiederhergestellt wurde (und zwar erst 1992) – alle anderen Burgen auf der Insel wurden spätestens im Zweiten Weltkrieg zerstört, so sie nicht schon vorher verfallen waren.

Burg Shuri - das Hauptgebäude des Palastes
Shuri – das Hauptgebäude des Palastes

Die Burg Shuri unterscheidet sich grundsätzlich von den Burgen in Japan: Der typisch konzentrische Aufbau fehlt, die Steinwälle sind anders und auch das Hauptgebäude, genannt 正殿 seiden, sieht anders aus: Der rote Bau ist breiter (knapp 30 m) als hoch (18 m) und sieht nicht sonderlich wehrhaft aus. Bemerkenswert ist der grosse, weiss-rote 御庭 Innenhof: Hier wurden Zeremonien abgehalten und die Abordnungen von China empfangen – über Jahrhunderte hinweg war Ryūkyū ein Vasallenstaat des Chinesischen Kaiserreiches. Sowohl die Architektur als auch die Ornamente und Plastiken lassen eher an China denken als an Japan. Besonders schön an Shuri ist dabei jedoch die Farbmischung – das Lackrot (wobei der traditionelle japanische Lack verwendet wird) und das Weiss strahlen etwas Erhabenes aus.

Shuri - der grosse Innenhof
Shuri – der grosse Innenhof

Das Hauptgebäude sowie die anliegenden Gebäude kann man besichtigen – darin gibt es unter anderem Ausstellungen sowie traditionelle eingerichtete Räume. Hinter dem Gebäude auf der rechten Seite des Innenhofs (Südflügel) liegt das 書院・鎖之間 Shoin & Sasunoma mit einem winzig kleinen, aber feinen Garten hinter dem Bau. Das Hauptgebäude ist auch innen ganz in Rot gehalten. In der Mitte – im 2. Stock – steht der 御差床 Usasuka – eine Nachbildung des Königsthrons, der bei Empfängen und Audienzen benutzt wurde. Im Erdgeschoss kann man durch einen Glasfussboden auf die Originalgrundmauern schauen, was allerdings nicht sehr aufschlussreich ist.

Shuri - der Thron im Palast
Shuri – der Thron im Palast

Die Burg Shuri ist mit Abstand die bekannteste Sehenswürdigkeit der Insel – kaum ein Okinawabesucher besucht sie nicht. Das heisst, das gerade während der Wochenenden und japanischen Feiertage & Ferien dort die Hölle los ist – unzählige Reisegruppen und Schulklassen turnen dann durch die Anlage. Eintritt kostet übrigens 800 Yen pro Person oder 640 Yen, wenn man ein Tagesticket für die Monorail hat. Shuri ist mit der Monorail-Linie mit dem Stadtzentrum von Naha und dem Flughafen verbunden – Shuri ist dabei die Endhaltestelle. Vom Bahnhof braucht man knapp 15 Minuten zu Fuss; der Weg ist gut ausgeschildert.

Imposante Außenmauer der Burg Shuri
Imposante Außenmauer der Burg Shuri
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Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

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