Burg Nijo – eine eindrucksvolle Festung in Kyoto

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Die alte Kaiserstadt Kyoto ist reich an zahlreichen architektonischen Juwelen, darunter zahlreiche weltberühmte Tempel und Schreine. Sowie einer echten japanischen Burg – der 二条城 Nijō-jō (Burg Nijo). Diese fällt jedoch kaum auf, denn zum einen handelt es sich um eine 平城 hira-jiro (Flachlandsburg), zum anderen fehlt der markante, mehrgeschossige Donjon, Markenzeichen der japanischen Burgen. Man sieht die Burg erst, wenn man direkt davor steht. Oder wenn man auf einen Stadtplan schaut, denn der Grundriss offenbart eine recht häufige Burgform – den 輪郭式 Rinkakushiki (konzentrischen Burgtyp), siehe Burgtypen. In diesem konkreten Fall bedeutet dies, dass die Burg komplett von einem rechteckigen Wassergraben umgeben ist, gefolgt vom äußeren Hof (genannt 二の丸 ninomaru), sowie dem Innenhof 本丸 honmaru in der Mitte, welcher vom Außenhof durch einen weiteren Wassergraben und dicke Burgmauern abgegrenzt ist.

Ninomaru Goten - der Palast des äußeren Hofes der Burg Nijo
Ninomaru Goten – der Palast des äußeren Hofes der Burg Nijo

Die Burg Nijo hat eine besondere historische Bedeutung. Der Bau wurde 1601 von keinem geringeren als Tokugawa Ieyasu befohlen (siehe Edo-Zeit). 1626 war man mit dem Bau fertig, und dazu zählte auch der Transfer von Elementen der Burg Fushimi, die sich ebenfalls in Kyoto befindet, zur Burg Nijo. Das Ziel war, die Burg Nijo als Kyoto-Residenz der Tokugawa-Shogune, die bereits in Edo, dem heutigen Tokyo, residierten, zu benutzen. Edo war da bereits die neue Hauptstadt Japans, doch der kaiserliche Hof hatte noch immer seinen Sitz in Kyoto, der alten Hauptstadt des Landes.

Der Honmaru-Palast der Burg Nijo in Kyoto
Der Honmaru-Palast der Burg Nijo in Kyoto

Zur Burg Nijo zählte auch ein typischer donjon, also das Hauptgebäude der Burg. Dieser brannte allerdings 1750 während eines Gewitters nieder – und wurde nie wieder aufgebaut. Ende des 18. Jahrhunderts brannten auch die verbliebenen Bauten im Innenhof nieder – als sich ein verheerender Brand durch Kyoto fraß. Über 100 Jahre lang blieb der Innenhof der Burg leer, bis schließlich ein Prinz seine Residenz vom nahe gelegenen Kaiserlichen Hof in die Burg verlegte.

Burggraben und Mauer des Honmaru
Burggraben und Mauer des Honmaru

Zwar fehlt bei der Burg Nijo der charakteristische Hauptbau, doch die Burgmauern und Wassergräben erinnern deutlich an den Hauptzweck der Anlage. Und es gibt auch ohne Hauptbau genug zu bestaunen – so zum Beispiel den 二の丸御殿 Nimoaru-Gōten (gōten = Palast) oder das prächtige Haupttor, genannt 二の丸御殿唐門 Ninomaru Goten Karamon. Der Ninomaru-Palast wurde komplett aus Hinoki-Zypressenholz gebaut und beinhaltet eine prächtige Kassettendecke in der Haupthalle, verziert mit sehr viel Blattgold.

Das Karamon-Tor
Das Karamon-Tor

Der 本丸御殿 Honmaru-Gōten (zentrale Palast) ist ausnahmsweise weniger prachtvoll als der Ninomaru-Palast – dieser Bau stammt aus dem Ende des 19. Jahrhunderts und ist somit jünger als die meisten anderen Gebäude. Neben diesen beiden Gebäuden gibt es noch zahlreiche andere Tore, Gebäude sowie japanische Gärten zu besichtigen. In der 27 Hektar grossen Anlage kann man deshalb völlig problemlos ein paar Stunden zubringen, ohne sich zu langweiligen. Die Burg Nijo zählt zu den ingesamt 17 Weltkulturerbestätten in Kyoto.

Higashi-Otemon-Tor der Burg Nijo
Higashi-Otemon-Tor der Burg Nijo

Die Burganlage ist von 8:45 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 600 Yen pro Person. Die offizielle Webseite der Burg befindet sich hier (mit englischer Fassung).

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Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

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