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Premium-Freitag

Januar 16th, 2017 | Tagged | 3 Kommentare | 690 mal gelesen

Ganz tolles Ding: Der Premium Friday

Ganz tolles Ding: Der Premium Friday

Überstunden bis der Arzt kommt. Oder wieder geht. Noch immer ist das leider Alltag in Japan – wider aller Bemühungen, Firmen und Ämtern zu erklären, dass (zu viele) Überstunden weder dem Arbeitgeber noch dem Arbeitnehmer gutes tun. Beide Seiten verlieren, wenn die Angestellten zu viel arbeiten. Und so gibt es immer mal wieder neue Ideen, wie man das Problem lösen könnte. Vor ein paar Jahren zum Beispiel tauchte das Wort ノー残業デー No zangyō day auf – der „überstundenfreie Tag“. Als in meiner Firma damals noch viele Japaner arbeiteten, führten wir auch einen überstundenfreien Tag ein – jeweils am Mittwoch sollte es Punkt 7 („定時“ – teiji, „zur regulären Zeit) nach Hause gehen. Die Angestellten schafften es exakt eine Woche lang, sich daran zu halten.

Nun geistern wieder diverse karōshi-Fälle durch die Presse, also wird es mal wieder Zeit, etwas Aktionismus zu zeigen. So tauchen zum Beispiel die ersten Firmen auf, die ihren Angestellten Geld bezahlen, wenn sie sich mit Überstunden zusammenreißen (in einem konkreten Fall war davon die Rede, Angestellten 10’000 Yen (rund 80 Euro) pro Monat zu bezahlen, wenn sie weniger als 30 Stunden Überarbeit pro Monat leisten). Immerhin besser als das, was manche Firmen machen: Für eine Pauschale von 10’000 Yen pro Monat 25 oder mehr Überstunden verlangen.

Ende vergangenen Jahres nun entwarf das Wirtschaftsministerium eine neue Kampagne: Man propagiert nun den プレミアムフライデー Premium Friday. Firmen sollen demzufolge ihre Angestellten am letzten Freitag des Monats um 15 Uhr nach Hause schicken. Die Idee: Die Angestellten sollen sich dann um ihre Familien kümmern können. Oder einkaufen gehen – um die Wirtschaft anzukurbeln. Oder was auch immer. Wie üblich hat man aus diesem Grunde auch eine nagelneue Webseite ins Leben gerufen. Wesentlicher Bestandteil dieser Webseite ist es, den Besuchern zu erklären, was sie tun müssen, um das tolle Logo benutzen zu dürfen. Sicher sind bei der Erstellung des Logos, der Webseite und der Erklärungen zum rechtmäßigen Benutzens des Logos zahllose Überstunden draufgegangen, weil man während der vielen Meetings zur Vorbereitung in der regelmäßigen Arbeitszeit nicht zu Potte kam.

Ob das was bringt? Ein paar Firmen werden da vielleicht mitmachen. Aber was würde es schon bringen, wenn sich zum Beispiel ein Drittel aller Firmen im Raum Tokyo daran halten würde? Alle Geschäfte, Kinos, Restaurants und dergleichen würden brechend voll sein. Schöne Erholung! Anstatt also solche albernen Aktionen ins Leben zu rufen, sollte man lieber die Energie darauf verwenden, striktere Regeln für Firmen in Sachen Überstunden einzuführen – beziehungsweise die eigentlich schon bestehenden Regeln durchzusetzen.

 

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Ein Tag im Müll

September 27th, 2016 | Tagged , | 5 Kommentare | 746 mal gelesen

Was macht man an einem (mal wieder) hoffnungslos verregnetem, freien Tag? Genau, man geht mit seinen Kindern zur örtlichen Müllanlage. Auf Wunsch der Kinder wohlgemerkt, denn als die Schulklasse dort zur Exkursion war, war Töchterchen lustig befleckt krank zu Hause.

Das örtliche ゴミ処理センター Müllzentrum besteht aus einer Mülltrennungsanlage nebst Müllverbrennungsanlage… und einem angeschlossenen, grösseren Schwimmbad mit dem eher italienisch anmutenden Namen Yonetti. Dieses seltsame Wort stammt vom japanischen Wort 余熱 yonetsu Restwärme ab und erklärt damit gleich, was mit der Abwärme der Müllverbrennungsanlage geschieht. Eine vernünftige Idee.

Müllrampe

Müllrampe

An einem verregneten Feiertag rufen wir also im Müllzentrum an und fragen, ob man sich die Anlage ansehen könne. Ja, hiess es – aber nur die Wiederaufbereitungsanlage. Für die Verbrennungsanlage muss man einen Tag im voraus reservieren. Wir spazieren also hin und betreten den blitzblanken Eingangsbereich im vierten Stock – der liegt auf Strassenhöhe, denn das Müllzentrum liegt am Hang eines kleinen Tals. In der dritten Etage befindet sich eine riesige Ausstellungsfläche und eine offensichtlich gelangweilte Empfangsdame, denn wir sind die einzigen Gäste. In der Ausstellung können sich die Kinder austoben: Sie können an Kurbeln drehen und dann erkennen, wieviel Strom sie gerade produzieren und welche Haushaltsgeräte man damit betreiben kann (die Kurbel war so klein – ich kam nur bis zum Fön; bis zur Mikrowelle reichte es nicht), mit dort angeschlossenen iPhones kann man über eine grosse Karte der Stadt fahren und sieht hier und ort animierte 3D-Abbildungen dessen, was da so kreucht und fleucht usw. Schliesslich kam noch eine Angestellte und führte uns 45 Minuten lang durch den Bau, zeigte uns die Müllrampe, den Kontrollbereich, den Sortierbereich usw. und beantwortete dazu alle Fragen der Kinder mit viel Geduld. Ein richtiges Erlebnis, quasi. Besagte Anlage ist übrigens für 450 Tonnen Müll pro Tag ausgelegt und produziert 7,500 kWh Strom.

Der Kontrollraum

Der Kontrollraum

In Kawasaki wurde 1990 der Müllnotstand ausgerufen. Die gute Millionen Bewohner produzierten einfach zu viel Müll, und man musste etwas machen. Die Einwohnerzahl wuchs nämlich ständig weiter, doch Deponien und Müllverbrennungsanlagen waren bereits am Limit. Interessanterweise setzte man jedoch nicht da an, wo man es zunächst vermuten würde – bei der Müllvermeidung. Man kennt eben seine Pappenheimer und weiss, dass der Verzicht auf all die kunstvollen Verpackungen nicht leicht in Japan durchzusetzen ist. Stattdessen setzte man alles auf Mülltrennung und somit der Wiederverwertung. Doch auch dort gibt es verschiedene Ansätze: Während in Deutschland das Pfandsystem bevorzugt wird (vor allem Ostdeutsche sind ja damit gross geworden), gibt es im Japan gar kein Pfandsystem. Stattdessen wird nach Leibeskräften getrennt – nach PET- und Plaste, verschiedenfarbigem Glas, Batterien, Papier, sonstigem brennbaren und nichtbrennbarem Müll. Nein, auch Biotonnen haben sich nicht durchgesetzt, und sie wären in dicht besiedelten Gebieten wie Tokyo auch keine gute Idee.

Yonetti-Schwimmbad, betrieben mit der Abwärme der benachbarten MVA

Yonetti-Schwimmbad, betrieben mit der Abwärme der benachbarten MVA

Bei der Müllverwertung gibt es in Japan noch sehr viel Potential – siehe zum Beispiel Müllvermeidung. Aber die bisherigen Maßnahmen greifen natürlich auch. Vor allem die Aufklärung begeistert mich zumindest: Die Idee, die Müllzentren zu einer Mischung aus Museum und Erlebnispark zu machen und mit der Schule Exkursionen dorthin zu gestalten ist prima. Als wir durch die Ausstellung gingen, kamen übrigens noch drei Besucher – Klassenkameraden meiner Tochter, die beschlossen hatten, sich dasganze noch mal in Ruhe anzusehen.

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Unbeliebtes China oder können 83% der Japaner irren?

Mai 20th, 2016 | Tagged , | 9 Kommentare | 991 mal gelesen

Alljährlich und beginnend mit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit der VR China vor 44 Jahren veranlasst das japanische Außenministerium eine Umfrage, in der unter anderem untersucht wird, was der Durchschnittstaro über eben jene Volksrepublik denkt¹. In diesem Jahr war das Ergebnis so schlecht wie nie: 83,2% der Befragten gaben an, der VR China und deren Bewohnern gegenüber „nicht wohlgesonnen“ oder „eher nicht wohlgesonnen“ zu sein. Das war früher anders: Bis zum Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 war es eher andersrum – bis zu 80% blickten dabei wohlwollend auf die Festlandschinesen. Logisch, könnte man hier einwerfen: In jener Zeit war es ja normalen Chinesen gar nicht möglich, nach Japan zu kommen – man konnte den Genossen gemütlich aus der Ferne zusehen und freute sich wahrscheinlich, dass sich das Riesenreich allmählich wirtschaftlich öffnete.

Veränderung der Unbeliebtheitsskala gegenüber China. Quelle: Aussenministerium

Veränderung der Unbeliebtheitsskala gegenüber China. Quelle: Aussenministerium

Mit dem Tian’anmen-Vorfall war das plötzlich vorbei: Der Anteil derer, der eher mißtrauisch auf das Treiben in China sah, war schlagartig in der Mehrheit. Und in den vergangenen Jahren kann man auch nicht gerade von einer Sonnenscheinpolitik Chinas gegenüber Japan sprechen: Die Gebietsansprüche sind enorm, auch gegenüber Japan (Senkaku-Inseln) und werden immer aggressiver vertreten. Doch das ist nicht das einzige Problem: Japanische Produkte sind in der explosionsartig entstandenen Mittelschicht Chinas aufgrund des Misstrauens in die heimischen Produkte enorm beliebt, doch da auch ein noch so gewiefter japanischer Windelhersteller mal nicht eben zusätzliche 100 oder mehr Millionen Chinesen mit Windeln versorgen kann, kommt die Produktion nicht hinterher, zumal es nach wie vor schwer ist, sich auf dem gut protektionierten chinesischen Markt niederzulassen. Aus diesem Grund begann vor ein paar Jahren ein regelrechter Einkaufstourismus gen Japan.

Geht weg wie warme Semmeln: Merries-Windeln.

Geht weg wie warme Semmeln: Merries-Windeln.

Mein Schwager, seines Zeichens jemand, der über mehrere Filialen einer Drogeriekette wacht, schildert dieses 爆買い bakugai (in etwa: Kaufrausch) genannte Verhalten so: Die Filiale hat noch nicht einmal geöffnet, aber schon parkt ein Bus voll mit Chinesen vor der Tür. Sobald die Filiale aufmacht, dauert es keine 2 Minuten, bis sämtliche Bestände eines gewissen Produkts (zum Beispiel Windeln der Marke Merries) restlos ausverkauft sind. Keiner spricht ein Wort Japanisch, aber das Personal wird mitunter unfreundlich angeraunzt, wenn die Menge nicht ausreichte. Mitunter klappen die Busgesellschaften etliche Filialen kurz hintereinander ab, und es wird gekauft, was in den Bus passt.

Das ist bzw. war aber nicht nur in Drogerien so – auch Luxusartikel sind sehr gefragt. Laut Untersuchung des Tourismusamtes² gibt angeblich ein Besucher aus China im Durchschnitt über 2,000 Euro in Japan aus – und das garantiert nicht nur für Hotel und Souvenirs. Es werden Waren gehamstert und schliesslich mit Gewinn in China weiterverkauft (deutsche Japanbesucher geben im Schnitt nur 1’200 Euro aus und Koreaner nur 500 Euro).

Ein positives Problem, möchte man meinen, denn ohne den für viele unheimlichen Besucherstrom würde es der ohnehin schon lange kränkelnden Wirtschaft noch schlechter gehen. 83,2% der Japaner geht das jedoch offensichtlich gegen den Strich. Man muss allerdings kein Psychologe oder Soziologe sein, um zu erahnen, dass es einfach Angst ist – Angst vor dem immer stärker werdenden Nachbarn, der mit Japan bald machen kann, was er will – denn Japan liegt an der Peripherie und ist wohl oder übel gezwungen, sich mit der Volksrepublik zu arrangieren. Das merkt man allein daran, dass wiederum 70% der Befragten angaben, gute Beziehungen zu China für sehr wichtig zu erachten.


¹ Die Umfrageergebnisse werden hier veröffentlicht. Gefragt wird auch nach Koreanern (64,7% sind jenen nicht wohlgesonnen).
² Ergebnisse siehe hier.

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Versandhandel mit Drohnen gestartet

April 26th, 2016 | Tagged , , | 2 Kommentare | 618 mal gelesen

Soraraku - Drohnenbringdienst von Rakuten

Soraraku – Drohnenbringdienst von Rakuten

Rakuten, der japanische Versandhandelgigant, hat heute mit grossem Trara sein そら楽 Soraraku-Pilotprojekt vorgestellt¹: Es geht um die bereits von Amazon propagierte Idee, Online bestellte Waren mittels Drohnen zum Endverbraucher zu bringen. Das hat man nun auch zum ersten Mal in Japan getestet – indem man Golfzubehör mittels Drohne zu einem Golfplatz in der Präfektur Chiba transportierte. Die eigens für Rakuten entworfene Drohne kann bis zu 2 Kilogramm transportieren; der Versand soll wohl kostenlos werden.

Das Wort Soraraku² setzt sich zusammen aus „sora“ (Himmel) und „raku“ (bequem, bzw. auch der erste Teil im Firmennamen). Ganz offiziell soll der Versand mit Drohnen allerdings erst im Jahr 2020 beginnen. Und man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass man damit in Japan sehr schnell ernst macht. Dann wird es im japanischen Luftraum vor den hässlich-rosanen Rakuten-Drohnen nur so wimmeln.

In der Grossstadt werden die Fluggeräte nicht viel ausrichten können, aber in ländlichen Regionen könnte der Einsatz von Drohnen durchaus sinnvoll sein und sogar umweltschonend: Anstatt einen Kleintransporter loszuschicken, setzt man einfach kleine Drohnen ein. Aber schon bei der Bekanntgabe der Amazon-Drohne habe ich mich ernsthaft gefragt, wie man das mit der Sicherheit bewerkstelligen möchte — vom Hacken der Drohnen selbst mal ganz abgesehen könnte ich mir gut vorstellen, dass ドローン狩り dorōn-gari Drohnenjagd schnell zu einem beliebten Hobby wird. Einen Rotor zerschiessen, mit einer Aludecke bewerfen und zum Absturz bringen, EMP — es gibt bestimmt zahlreiche Möglichkeiten, um an die Beute zu kommen, und es dürfte schwer werden, den Übeltäter zu finden.

Drohnen-Regeln laut MLIT

Drohnen-Regeln laut MLIT (Quelle: MLIT)

Auch in Japan wird natürlich mehr und mehr über Drohnen diskutiert – so fand man zum Beispiel im vergangenen Jahr eine Drohne auf dem Dach der Residenz des Ministerpräsidenten, und in einem Land, in dem vor gar nicht allzu langer Zeit Giftgasanschläge auf U-Bahnen verübt wurden, macht man sich zu Recht sorgen. Aus diesem Grund wurden im März 2016 vom MLIT (Ministry of Land, Infrastructure, Transport and Tourism) neue Richtlinien darüber erlassen, wann man eine Erlaubnis zum Drohnenflug braucht und wann nicht³.

¹ Siehe Pressemitteilung.
² Siehe Webseite des Soraraku-Services
³ Siehe hier

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Beginn der Liberalisierung des japanischen Strommarktes

April 5th, 2016 | Tagged , | 2 Kommentare | 632 mal gelesen

Alles neu macht der… April. Am 1. April beginnt das neue Schuljahr, am 1. April beginnen die „Neuen“ in den Firmen zu arbeiten, am 1. April beginnt für viele Firmen das Fiskaljahr. Dementsprechend treten am 1. April auch oftmals neue Gesetze in Kraft. Eine der größten Änderungen am 1. April des Jahres 2016 dürfte die schon seit langem angekündigte Liberalisierung des Strommarktes sein. Bisher nämlich gab es pro Region nur einen einzigen Versorger (ganz Japan wurde so unter exakt 10 Stromlieferanten aufgeteilt); im Falle Tokyos und Umgebung war dies die berühmt-berüchtigte Firma TEPCO. Ob man wollte oder nicht – man kam nicht um Tepco herum. Das ist nun also seit dem 1. April anders, und es ist amüsant zu sehen, wer da alles plötzlich auf den Markt drängt. Am lautesten sind unter anderem die großen Mobilfunkanbieter, aber auch Tokyo Gas zum Beispiel. Man lockt mit allerlei Tarifen und Ideen: Ein Betreiber zum Beispiel verspricht Preisnachlässe, je mehr der Stromabnehmer am Tag läuft. Dazu bekommt man einen Schrittzähler aufgebrummt, der die Schritte (und den damit verbundenen, obgleich sehr geringen) Preisnachlass in Echtzeit anzeigt.

Doch die Japaner sind vorsichtig, und das ist verständlich. Bis zum 23. März haben gerade mal 0,4% der Japaner beschlossen, den Anbieter zu wechseln¹. Die Strompreise kann man dabei schon seit Monaten vergleichen, doch wenn man genau hinschaut, wird der Strom als solcher nicht gerade billiger. Es sind maximal die zahlreichen kleinen Zugaben, Coupons zum Beispiel, mit denen man etwas hinzugewinnen kann, doch lohnt sich der Aufwand wirklich? Und – welcher der Anbieter wird überleben? Für wen soll man sich entscheiden – und wer garantiert, das man bei all dem Kleingedruckten letztendlich nicht übers Ohr gehauen wird? Und vor allem: Woher kommt plötzlich der ganze Strom her? Die Liberalisierung des Strommarktes bedeutet ja, dass quasi jeder Strom produzieren, kaufen, weiterleiten und verkaufen kann. Bei Anbietern wie au (einer der 3 Mobilfunkgiganten) zum Beispiel kann man davon ausgehen, dass es hier weniger um die Stromerzeugung als um den geschickten Handel mit der Elektrizität geht – verbunden mit der geschickten Förderung des eigentlichen Geschäftsfeldes, denn wer bei au telefoniert und Strom bezieht, bekommt natürlich einen Rabatt. Bei Tokyo Gas ist die Sache natürlich anders, denn die können natürlich sehr wohl ihren eigenen Strom produzieren (und mit der sogenannten „Enefarm“ produzieren lassen) – und Rabatte anbieten, so die Kunden auch ihr Gas von dort beziehen.

Liberalisierung des Strommarktes: Sonnige Zeiten für Solarenergie?

Liberalisierung des Strommarktes: Sonnige Zeiten für Solarenergie?

Ist die Liberalisierung des Strommarktes also eine gute Nachricht? Auf jeden Fall. Man hat in Fukushima gesehen, was geschehen kann, wenn eine Firma ein absolutes Monopol innehält. Denn, man kann es gar nicht oft genug wiederholen, die Reaktorkatastrophe war nur bedingt Folge des Tsunamis und Erdbebens – der Hauptschuldige war Tepco. Nun beginnt jedoch der Wettbewerb, und das kann natürlich im Endeffekt zu höherem Kostendruck und daraufhin zu Einsparungen in der Anlagensicherheit führen. Doch mit der Liberalisierung hat man endlich eine Wahl: Bisher musste man seinen Strom von Tepco und Co beziehen – oftmals widerwillig wohlgemerkt, denn bei der Idee, dass diese Giganten wider besseren Wissens die Atomkraftwerke wieder hochzufahren versuchen, behagt natürlich nicht. So jedoch kann man mit einem Wechsel des Anbieters ein Zeichen setzen und bewusst auf diverse Erzeugungsarten verzichten.

Momentan spielen dabei fossile Brennstoffe die eindeutige Hauptrolle: Gute 40% der Energie werden mit Erdgas produziert, 30% mit Kohle und knapp 15% mit Erdöl. Knapp 8% werden in Wasserkraftwerken produziert, und gerade mal knappe 3% mit anderen, regenerativen Energiequellen (allen voran Solarenergie)². Deshalb gibt es heute auch nur ganze 3 Anbieter, die ausschliesslich regenerative Energie anbieten – zu mehr reicht die Produktion noch nicht.

Es wäre freilich schön, wenn vor allem regenerative Energiegewinnungsformen von der Liberalisierung profitieren. Vielleicht findet sogar eine echte Dezentralisierung statt – das wäre im erdbebengeplagten Japan mit Sicherheit keine schlechte Sache. Ob sich der Markt wirklich in diese Richtung entwickelt, wird man allerdings erst in ein, zwei Jahren einschätzen können – wenn hoffentlich mehr Japaner Interesse an alternativen Anbietern entwickeln.

¹ Siehe unter anderem hier
² Siehe Weissbuch der Energie in Japan 2015

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Strafzinsen auch für Sparer?

Februar 5th, 2016 | Tagged | 1 Kommentar | 560 mal gelesen

In einem für viele Betrachter verzweifelten Akt ist es vor einer Woche also geschehen: 日銀 nichigin – BoJ (Bank of Japan) gab bekannt, dass sie die Zinsen für Einlagen bei der Nationalbank unter 0% drückt – und zwar auf -0.1%. Das bedeutet also, dass eine Bank, die dort 100 Millionen Yen für ein Jahr einlegen will, fortan 100,000 Yen Strafzinsen bezahlen muss, also dementsprechend nur 99,900,000 Yen zurückbekommt. Diese Massnahme wurde unter anderem getroffen, weil die Bank of Japan ihr erklärtes Ziel von 2% Inflation partout nicht erreichen kann. Man krepelt, wie schon seit vielen Jahren um die 0% herum, und die extrem niedrigen Ölpreise (99 yen pro Liter!) machen der Bank ihre Arbeit auch nicht leichter. Mit der Massnahme möchte man die Banken aucch dazu zwingen, mehr Geld an die Wirtschaft zu verleihen anstatt es bei der Zentralbank zu horten.
Wird man das erreichen? Experten vermelden unisono, dass das quasi die letzte Waffe sei – und dazu auch noch eine wirkungslose.

Doch nun geht die Diskussion darüber los, ob ein negativer Zinssatz nicht auch Privatpersonen einholen wird. Seit vielen Jahren schon bekommen Sparer nahezu keine Zinsen auf ihr Erspartes, und daran hat man sich schon gewöhnt – diese Situation befeuert auch schon lange den Aktienmarkt, da jede zweite Hausfrau heutzutage „in Aktien macht“. Doch wäre es theoretisch nicht auch möglich, dass Banken den Strafzins an ihre Kunden weitergeben? Noch wird das vehement verneint – zumindest von den grossen Banken wie Mizuho, MUFJ oder SMBC. Durchaus denkbar wäre jedoch, dass die Banken versuchen, die Kosten mittels Gebühren vom Kunden einzuholen, denn noch sind Konten für Privatkunden in der Regel gebührenfrei – sprich, es gibt keine Kontennutzungsgebühren (für Überweisungen und andere Dienstleistungen zahlt man natürlich).

Im Inneren der Bank of Japan. Stark verschwommen leider, da striktes Fotografierverbot

Im Inneren der Bank of Japan. Stark verschwommen leider, da striktes Fotografierverbot

Letztendlich ändert sich jedoch (noch) nicht viel: Japanische Banken waren noch nie die beste Adresse, um sein Geld zu vermehren. Und dennoch lagern immer noch viele Japaner ihr Geld auf der Bank: Im Schnitt über 5 Millionen Yen, also knapp 40,000 Euro pro Person. Im Schnitt, wohl gemerkt, denn in Japan gibt es rund 2,5 Millionen Dollarmillionäre (in Deutschland hingegen „nur“ 1,1 Millionen) – und zig Millionen Japaner, die sich wünschten, auch nur einen kleinen Teil des Durchschnitts ihr eigen nennen zu können.

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Steuern in Japan (Achtung: Packendes Thema!)

Januar 29th, 2016 | Tagged , | 6 Kommentare | 879 mal gelesen

Wichtig: Quellsteuernachweis (Muster)

Wichtig: Quellsteuernachweis (Muster)

​Vor vielen Jahren hatte ich schon einmal über die vorbildlich einfachen Steuererklärungen für Angestellte in Japan berichtet – aus aktuellem Anlass folgt dazu ein weiterer, kurzer Beitrag. Aktuell, weil gerade wieder der 年末調整 nenmatsu chōsei der Jahresend-Steuerausgleich, stattfand. Aktuell auch, weil ich neulich über eine Seite gestossen bin, auf der man schön einfach seine Steuern berechnen kann (Link siehe unten).

Wie in den meisten anderen Ländern auch gibt es direkte und indirekte Steuern – die indirekten Steuern (wie zum Beispiel Mehrwertsteuer, Tabaksteuer usw.) sollen uns hier nicht weiter interessieren. Es geht um die direkten Steuern, die man in zwei Arten unterteilen kann: Die Staatssteuer und die kommunalen Steuern. Die Staatssteuern (kokuzei) werden in Form einer Quellensteuer normalerweise durch die Firma direkt vom Gehalt abgezogen. Diese Steuer nennt sich 源泉所得税 gensen shotokuzei, also Quelleneinkommenssteuer, wird monatlich erhoben, von der Firma „aufbewahrt“ und dann an den Staat bezahlt. Die Steuer ist an die Höhe des Gehalts gekoppelt, und das progressiv. Für die ersten 1,95 Millionen Yen pro Jahr zahlt man 5%, für den Betrag darüber bis 3,3 Millionen 10%, darüber bis 6,95% 20% und so weiter – der Spitzensteuersatz liegt bei 40%, aber da muss man schon umgerechnet schon gut über 10,000 Euro pro Monat verdienen. Wer 扶養家族 fuyō kazoku – „abhängige Familienmitglieder“ – hat, kann zu seinem eigenen jährliche Freibetrag von 380,000 yen noch mal die gleiche Summe als Freibetrag verbuchen – pro Person. Da gibt es freilich einige Extraregeln: Wenn die Gattin (nein, kein geschlechterneutraler Begriff, denn wir reden hier von Japan) weniger als ca. 105,000 Yen pro Monat verdient, gilt sie ebenfalls als „abhängig“. Bis vor drei, vier Jahren gab es auch bei dieser Steuer Erleichterungen, wenn man Kinder hatte, aber das hat man mal eben gestrichen, so dass man jetzt nur noch Steuererleichterungen bei der Kommunalsteuer bekommt. Vom Gehalt werden vor Errechnung der Steuer übrigens auch noch die Beiträge für die Kranken- und Rentenkasse sowie Aufwendungen für Fahrtkosten abgezogen – diese werden zum Glück nicht besteuert.

Gegen Ende des Jahres wird dann abgerechnet. Hat man zu viel Steuern gezahlt? Oder hat man eine laufende Lebensversicherung? Oder eine Erdbebenversicherung? Oder gar vor kurzem ein Haus gekauft? Eventuell neue Familienmitglieder, die vom selben Gehalt ernährt werden wollen? Dann gibt es Geld zurück (allerdings nicht in der Jahresendabrechnung – siehe Kommunalsteuer unten). Für Versicherungen zum Beispiel maximal 50,000 Yen pro Jahr, für ein neugekauftes Haus 100 bis 200,000 Yen pro Jahr (10 Jahre lang) und so weiter. Als Ergebnis der Abrechnung bekommt man einen äusserst wichtigen, kleinen Zettel: den 源泉徴収票 gensen chōshūhyō – Quellsteuer- bzw. Einkommensnachweis. Die Zettel sollte man sich vorsichtshalber aufheben, da manche Ämter oder Banken diese verlangen.

Das war die Staatssteuer. Doch dann gibt es noch die Einwohner- oder auch Kommunalsteuer, genannt 住民税 juminzei, wobei diese in Großstadtvierteln als 区民税 kuminzei und in den meisten anderen Orten als 市民税 shiminzei bekannt ist. Eigentlich ist diese Steuer in Gemeinde- und Präfektursteuer (県民税 kenminzei) unterteilt, doch in vielen Präfekturen wird das als ein Betrag eingezogen, so dass man sich nicht darum kümmern muss, wer was bekommt. Die Kommunalsteuer variiert von Ort zu Ort leicht, aber im Schnitt liegt sie bei rund 10 Prozent – 4% davon gehen an die Präfektur. Erst hier machen sich Steuererleichterungen bemerkbar, wenn man Gamilienmitglieder miternährt: Die Steuer kann so bis auf rund 5% sinken (und die Familienmitglieder, so nicht erwerbstätig, siehe Obergrenze oben) zahlen nichts. Praktischerweise kann man auch diese Steuer online berechnen, damit man weiss, was auf einen zukommt. Viele grössere Firmen ziehen die Kommunalsteuer gleich vom Gehalt ab, aber für kleine Firmen ist das zu umständlich, da alles über die örtlichen Finanzbehörden der Mitarbeiter abgewickelt werden muss. In dem Fall meldet die Firma das Einkommen an das Finanzamt, und man bekommt im Frühjahr ein Heftchen mit 5 Zahlscheinen. Mit einem Schein kann man alles auf einmal bezahlen (leider gibt es da keinen Rabatt), die anderen sind jeweils gültig für ein Quartal. Das schöne daran: Mit diesen Scheinen kann man in der Regel auch bei den konbinis bezahlen.

Es gibt noch etliche andere Steuern, wie zum Beispiel die Erdbebenaufbauhilfesteuer, aber diese sind, von der Grundsteuer für Landbesitzer mal abgesehen, nur für Gewerbetreibende relevant. So gesehen hält sich die Kompliziertheit des japanischen Steuersystems halbwegs in Grenzen. Und das ist auch gut so.

Mehr zum Thema Steuern in Japan kann man zum Beispiel – auf Deutsch – bei JETRO lesen.

Einen Steuer/Gehaltsrechner für Japan gibt es hier (funktioniert leider nicht auf mobilen Geräten, wohlgemerkt!).

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Die Abe’sche Gehaltsformel oder politische Mathematik

Januar 13th, 2016 | Tagged , | 1 Kommentar | 555 mal gelesen

Ministerpräsident Abe offenbarte letzten Freitag einen interessanten Einblick in politische Mathematik, und zwar auf beängstigende Weise. Im Haushaltsausschuss des Unterhauses ging es am 8. Januar darum, dass die realen Einkommen in letzter Zeit sinken anstelle zu steigen. Diese Feststellung spielt eine wichtige Rolle, will man doch im nächsten Jahr die Mehrwertsteuer von 8 auf 10% erhöhen.

Eine Ursache für den sinkenden Einkommensschnitt ist die Zunahme von Teilzeitarbeitern, ein auch in Japan immer ernster werdendes Problem. Abe bemerkte dazu sinngemäß, dass aufgrund der guten Wirtschaftslage (0,5% Wachstum laut OECD-Schätzung! Alle Achtung!) mehr Menschen Teilzeit arbeiten – und ein Beispiel war auch schon parat: „Wenn ich also 500’000 yen pro Monat verdiene, und nun auch noch meine Frau wegen der guten Wirtschaftslage arbeiten geht und 250’000 yen pro Monat verdient, dann bedeutet das natürlich, dass der Einkommensdurchschnitt sinkt!“

Auf und ab: Japanisches Wirtschaftswachstum. Quelle: http://www.fxstreet.com/analysis/piponomics/2015/10/04/

Auf und ab: Japanisches Wirtschaftswachstum. Quelle: FX Street

So so. Es gab umgehend berechtigte Einwürfe der Opposition: 250,000 yen als Teilzeitarbeiter? Das wären dann ja 1’900 yen pro Stunde! Die Stelle soll er uns erstmal zeigen! Und in der Tat: so etwas gibt es wirklich sehr selten, es sei denn, man ist zum Beispiel Apotheker und kann nur Teilzeit arbeiten. Die Reaktion: Das ganze sei aus dem Zusammenhang gerissen – die 250’000 yen bezogen sich nicht auf Teilzeitarbeit. Um so schlimmer! War etwa Vollzeit gemeint? Mit halbem Gehalt?

Das Gezerre um die Mehrwertsteuererhöhung sowie angedachte Entlastungen für Geringverdiener nimmt sowieso immer groteskere Züge an. So überlegen die regierenden Liberaldemokraten laut, ob sie noch vor diesem Sommer 30’000 yen als Unterstützung – in Bargeld – an Rentner mit geringer Rente „verteilen“ sollten oder nicht. Wie praktisch, steht doch ungefähr im Juni (der genaue Termin steht noch nicht fest) die nächste grössere Wahl an. Bis dahin gibt es sicherlich noch viele andere lustige Ideen.

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Japans Start in die kommerzielle Raumfahrt | Syphilis im Kommen

November 25th, 2015 | Tagged , , | 2 Kommentare | 842 mal gelesen

Im Hafen von Tanegashima: Man ist stolz auf sein Raketenzentrum.

Im Hafen von Tanegashima: Man ist stolz auf sein Raketenzentrum.

Japan hat heute zum ersten Mal in seiner Geschichte einen ausländischen Satelliten ins All geschossen – und zwar einen kanadischen Kommunikationssatelliten. Und das auch noch erfolgreich. Damit meldet sich JAXA (Japan Aerospace Exploration Agency) erstmals auf der internationalen Bühne, denn man möchte langsam mit der Raumfahrt Geld verdienen und den Russen, Amerikanern und Europäern Konkurrenz machen. Erstaunlicherweise spielte ja Japan trotz all der Technikfreudigkeit international gesehen bisher eher eine untergeordnete Rolle. Der erfolgreiche Start heute war, wie es in Japan so Usus ist, die Nachricht des Tages und wurde in allen Medien gebührend gefeiert. Das geht wahrscheinlich so lange, bis die erste japanische Rakete beim Start explodiert.

Die Raketen werden übrigens von der Insel Tanegashima in der Präfektur Kagoshima abgefeuert – denn je näher man dem Äquator ist, desto weniger Energie braucht man, die Raketen ins All zu schiessen. Die Starts kann man auch von der nahegelegenen Insel Yakushima gut sehen, wo sich zu diesem Anlass jeweils die halbe Inselbevölkerung auf halber Strecke einer Bergstrasse einfindet. Man kann es verstehen – faszinierend ist der Anblick bestimmt.

Eine andere Nachricht des heutigen Tages war der Vormarsch der Syphilis in Japan: In diesem Jahr wurden bisher gut 2’000 Fälle der auch in Japan meldepflichtigen Geschlechtskrankheit registriert – im letzten Jahr waren es wohl nur 1’600 Fälle. Kein Wunder, möchte man meinen, wo doch Präser oder andere Vorsichtsnahmen in Japan nahezu unbekannt sind. Allerdings gab es im bevölkerungsärmeren Deutschland in den letzten Jahren rund 5’000 neue Fälle pro Jahr. Damit ist die Krankheit also weniger häufig anzutreffen. Interessanterweise nennt man die Krankheit auf Japanisch 梅毒 baidoku (wörtlich: Pflaumengift). Ein Schelm, wer da… aber die Wortgenese ist wohl anders. Die Furunkel auf der Haut im fortgeschrittenen Stadium ähneln in Grösse und Farbe den Bergpfirsichen, und in dem Wort kommt eben das Schriftzeichen „梅“ (BAI, ume – alleinstehend: Pflaume) vor. Ergo: Immer schön aufpassen.

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Partnervermittlungsbetrug auf Japanisch

Oktober 6th, 2015 | Tagged , | 2 Kommentare | 719 mal gelesen

Ehemalige Betrügerseite e-friends

Ehemalige Betrügerseite e-friends

​Es ist keine drei Monate her, dass die Datenbank der amerikanischen Seitensprungagentur AshleyMadison von Hackern geknackt und Millionen von Datensätzen seitensprungbereiter Männer und Frauen an die Öffentlichkeit gelangten. Das pikante daran waren die Motive der Hacker: Sie wollten AshleyMadison eins auswischen, denn bei vielen Profilen von Benutzerinnen handelte es sich wohl um bezahlte Mitarbeiter der Firma, die den registrierten Männern es vorgaukeln sollten.

Das kann man in Japan besser: Bereits im Juni diesen Jahres flog e-フレンズ (e-friends) auf¹: Ein Online-Partnervermittlungsservice, betrieben von einem 42-jährigen. Dort waren nach Schätzungen 2,7 Millionen Japaner registriert. Und zwar, grob geschätzt, 2,699,999 Männer – und – das ist nicht geschätzt – 1 (in Worten: eine) Frau. Das nennt man Konkurrenz! Das Geschäftsmodell war von Anfang an auf Betrug ausgelegt. Für die Benutzer war erst alles kostenlos. Die Benutzer sammelten Punkte und wurden schliesslich zu Premiummitgliedern. Und dann zu Platinmitgliedern. Spätestens dann wurden sie jedoch aufgefordert, hunderte Euro Gebühr zu bezahlen – und wenn sie dies nicht taten, wurde ihnen eine Strafe von 3 Millionen Yen (rund 24,000 Euro) angedroht. Die Seite wurde seit 2010 betrieben – und der Schaden lag bei geschätzten 50 Millionen Euro.

Wie konnte diese Betrugsmaschine so lange funktionieren? Ganz einfach: Sobald sich jemand beschwerte, gab der Betreiber sofort das Geld zurück. Doch die meisten beschwerten sich eben nicht. Und dass es keine echten Frauen gab, kann man als einzelner Benutzer nur schwer einschätzen. Letztendlich kam ans Licht, dass rund 30 Mitarbeiter auf Erfolgsbasis fleissig Emails schrieben – dafür bekamen sie 2 Yen pro Email. Immerhin gab es unter diesen Mitarbeitern ein paar Frauen. Die waren allerdings weniger Geschick: Eine ehemalige Angestellte klagte wohl, „… dass die Männer besser wussten, was die Männer hören wollen“. Nun ja.

Wären die Benutzer etwas vorsichtiger gewesen, hätte es nicht so weit kommen müssen. Der Verbraucherschutz des Ministerium des Inneren warnte schon 2012 in einem Communiqué² vor der Betreiberfirma K.K. Sol (株式会社ソル). Grund: Verstoss gegen das Emailgesetz. Und zwar bei zwei anderen Partnervermittlungsseiten, den Vorgängern der e-Friends-Seite. Auch die Höhe des Stammkapitals der Firma – öffentlich einsehbar – ist nicht vertrauenerweckend: 1 Yen.

Die Seite http://jukux2.jp ist natürlich mittlerweile vom Netz. Aber das Ausmass dieses Betruges ist schon beachtlich, wenn auch keine Seltenheit: Einsamkeit ist in Japan ein ganz, ganz grosses Geschäft. Auch für Betrüger.

¹ Siehe unter anderem hier
² Siehe hier.

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