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Und die 10 beliebtesten Reiseziele in Japan sind…

Juni 5th, 2017 | Tagged , , | 4 Kommentare | 863 mal gelesen

Vor einem guten Monat erfolgte auf diesem Blog eine Leserumfrage über die beliebtesten Reiseziele in Japan (die Umfrage und der Artikel befinden sich hier). Die Frage lautete:

WAS SOLLTE MAN IN JAPAN UNBEDINGT GESEHEN HABEN?

Rund 400 Stimmen wurden abgegeben. Natürlich muss man die Umfrage mit Vorsicht genießen – schließlich habe ich die Auswahl getroffen, und über die lässt sich natürlich streiten (zum Beispiel indem man Ise in der Präfektur Mie mit Shibuya in Tokyo austauscht). Interessant ist das Ergebnis trotzdem, wenn auch nicht unbedingt überraschend: Der schwimmende Torii von Miyajima bei Hiroshima landete mit großem Abstand auf Platz 1, vor Shinjuku in Tokyo. Die Antworten würden sicher auch anders aussehen, wenn man zum Beispiel nur Städte nennt (Tokyo, Kyoto, Kobe…).

Unschlagbar die Nummer 1 in der Beliebtheitsskala: Der schwimmende Torii von Miyajima

Unschlagbar die Nummer 1 in der Beliebtheitsskala: Der schwimmende Torii von Miyajima

Hat man Japan nicht richtig gesehen, wenn man diese 10 Sehenswürdigkeiten nicht abgeklappert hat? Klare Antwort: Nein, das kann man so nicht sagen. Ich habe es auch erst beim vierten oder fünften Japanaufenthalt nach Miyajima geschafft, war dafür aber zu der Zeit schon in Gegenden, die das Gegenteil von Touristenattraktionen darstellen (Yokkaichi zum Beispiel), unterwegs.

Da es die Möglichkeit gab, die Liste zu ergänzen, gab es auch über 25 andere Vorschläge, wie zum Beispiel Akihabara in Tokyo (ausgelassen wegen Shinjuku) oder Yakushima in der Präfektur Kagoshima (ausgelassen wegen zu weit weg).

Die gesamte Liste von 1 bis 10 findet man ab sofort auf dieser Seite.

Ich danke noch mal Allen für’s Mitmachen – und die zwei Bücher sind auch schon verlost (und auf dem Weg).

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Hokuriku- Shinkansen-Reise (3. & letzter Teil)

März 10th, 2016 | Tagged , , | 4 Kommentare | 638 mal gelesen

Der Hokuriku-Shinkansen verbindet Tokyo mit Toyama und Kanazawa an der Nordostküste Japans. Im März 2015 wurde das Teilstück zu beiden Städten als Erweiterung der Linie von Nagano aus fertiggestellt.

Der Hokuriku-Shinkansen erreicht die Station Omiya in der Präfektur Saitama vom Bahnhof Tokyo aus in gerade einmal 25 Minuten. Vom Bahnhof Ueno sind es sogar nur 19 Minuten.

Hokuriku-Shinkansen im Bahnhof Tokyo

Hokuriku-Shinkansen

Saitama – Omiya

Omiya war einst eine Poststation auf der alten Nakasendo-Route, die quer durch das zentrale Bergland Japans Kyoto mit Tokyo verband. Heute ist Omiya eine moderne, hochgewachsene Stadt, und die Gegend rund um den Bahnhof von Omiya wird von etlichen Hochhäusern dominiert.

Eisenbahn-Museum. Photo mit freundlicher Genehmigung des Eisenbahnmuseums

Eisenbahn-Museum. Photo mit freundlicher Genehmigung des Eisenbahnmuseums

Das Eisenbahnmuseum von Saitama war das erste seiner Art von heutzutage vielen exzellenten Eisenbahnmuseen in Japan. Das Museum konserviert zahlreiche Züge aus dem langen und reichhaltigen Erbe der japanischen Eisenbahnen, aber es bietet auch einen Einblick in die Zukunft der Bahnen in diesem Land. Besucher können sich an einer Mahlzeit in einem Restaurantwagen laben und mit einer Minieisenbahn im Eisenbahnpark außerhalb der Ausstellungshalle fahren.

Das Saitama Bonsai-Museum sowie das Bonsaidorf liegen nebeneinander zwischen den Bahnhöfen Toro und Omiya Koen und sorgen für ein besonderes Erlebnis für Liebhaber dieser stilvollen, eleganten kleinen Bäume.

Zwischen Tokyo und Takasaki, im bereits ländlichen Abschnitt der Präfektur Saitama, liegt der Shinrin-Park mit einer Fläche 65 mal so groß wie der Tokyo Dome. Dieser Park ist vor allem an Wochenenden und Feiertagen beliebt bei Paaren und jungen Familien. Der Shinrin-Park bietet eine interessante Mischung verschiedener Landschaftsformen inklusive Seen, Flüsse, Wälder und Sümpfe. Es gibt unzählige Gelegenheiten zum Spaß haben, darunter ein Abenteuerspielplatz für Kinder, ein Discgolfkurs, ein Wander- und ein Joggingweg, Fahrradwege (Fahrräder können im Park geliehen werden), eine Segway-Tour, ein Kräuter- und ein Wildblumengarten sowie zahlreiche Orte zum Einkaufen, Ausruhen und Essen. Es gibt sogar spezielle Hundetoiletten sowie Hundekekse für die Vierbeiner. Der nächstgelegene Bahnhof ist der Shinrin Koen-Bahnhof an der Tobu-Tojo-Bahnlinie.

Filmhaus  Fukaya

Filmhaus Fukaya

Kumagaya, eine weitere alte Poststation an der Nakasendo-Strasse, ist berühmt für das nahegelegene Filmhaus Fukuya. Das Minikino hat gerade einmal 57 Sitze und befindet sich in einer 300 Jahre alten Sake-Brauerei. Die Gegend wird gelegentlich bei Dreharbeiten benutzt und zieht Menschen vor allem wegen ihres Showa-Flairs (das ist die Epoche vor und nach des Zweiten Weltkrieges) in den Bann.

Das Museum für moderne Kunst, Saitama

Das Museum für moderne Kunst, Saitama

Das Museum für Moderne Kunst in Saitama (MOMAS) liegt im Kitaurawa-Park und wurde vom preisgekrönten Architekten Kisho Kurokawa gestaltet, der auch für das Stadtmuseum für Zeitgenössische Kunst in Hiroshima, das Nationale Kunstzentrum, Tokyo, sowie das Wissenschaftsmuseum der Präfektur Ehime federführend war. Das Museum befindet sich innerhalb eines beeindruckenden Gittermuster und stellt vornehmlich Werke von Künstlern aus, die eine Verbindung zur Präfektur Saitama haben oder Künstler der Region stark beeinflussten. So findet man hier unter anderem Werke von Paul Delvaux, Moise Kisling, Claude Monet und Pablo Picasso, um nur ein paar der bekanntesten Künstler zu nennen. Das Museum für Moderne Kunst von Saitama bemüht sich so, einen Ausstellungs- und Förderungsort für örtliche Künstler zu bieten. Ein besonderes, aufregendes Merkmal des Museums sind die zahlreichen künstlerisch gestalteten, stilistisch interessanten Stühle, die zur Ausstellung gehören und von den Besuchern auch benutzt werden dürfen.

 

Präfektur Gunma

Die Tomioka-Seidenmühle in der Stadt Tomioka, Präfektur Gunma, war der erste moderne Industriekomplex Japans und wurde 1872 in Betrieb genommen. Die Originalgebäude aus der Gründungszeit sind noch immer intakt und bieten eine eindrucksvolle architektonische Kulisse und historisch wertvolle Stätte. Im Jahr 2014 wurde die Tomioka-Seidenmühle zum UNESCO-Weltkulturerbe bestimmt und ist damit die erste Industrieanlage Japans, der diese Ehre zugutekommt.

Die Seidenmühle befindet sich mitten im Zentrum der Stadt Tomioka und hat selbige vollends geprägt. Mehr als ein Jahrhundert lang war die Seidenmühle die wichtigste Industrieanlage der Stadt, und es gab kaum einen Stadtbewohner, der nicht in irgendeiner Weise mit der Seidenmühle zu tun hatte. Das ist heute nicht anders – es ist eben jene Seidenmühle, die Besucher von außerhalb anzieht, und damit für einen guten Teil der jetzigen Einnahmen der Stadt und deren Bewohner sorgt.

Tomioka-Seidenmühle (Photo mit freundlicher Genehmigung der Tomioka-Seidenmühle)

Tomioka-Seidenmühle (Photo mit freundlicher Genehmigung der Tomioka-Seidenmühle)

Das Ziel der Seidenfabrik, als sie gegründet wurde, war nicht nur die Produktion von Seide – damals eines der am heißesten begehrten Produkte in Europa – sondern auch die Einführung westlicher Industrieproduktionsmethoden in Japan. Damit war die Mühle der Vorreiter für die Zukunft eines industrialisierten Japans.

Die meisten Gebäude im Industriekomplex der Tomioka Seidenmühle stammen aus den 1870ern, und sie wurden bis heute in der ursprünglichen Form belassen. Selbst die in Frankreich hergestellten Glasfenster stammen noch aus jener Zeit.

Tomioka-Seidenmühle (Photo mit freundlicher Genehmigung der Tomioka-Seidenmühle)

Tomioka-Seidenmühle (Photo mit freundlicher Genehmigung der Tomioka-Seidenmühle)

Zu den Originalgebäuden gehören das Östliche Kokon-Lagerhaus, die Kokontrocknungsanlage, die Seidenspulfabrik und das Brunat-Haus, in dem dereinst der Fabrikdirektor Paul Brunat residierte.

5 Kilometer südlich der Seidenmühle befindet sich der Gunma Safari-Park, in dem man sich eine unerwartete Prise des tropischen Afrikas mit seiner ehrfurchteinflössenden Tierwelt holen kann.

 

 

Präfektur Niigata

Takada-Burg

Takada-Burg

Joetsumyoko ist ein nagelneuer Bahnhof, der eigens für die Eröffnung dieses Teils der Hokuriku-Shinkansen-Trasse im März 2015 fertiggestellt wurde. Der Bahnhof liegt in der Stadt Joetsu im Südwesten der Präfektur Niigata. Nördlich des Bahnhofes Joetsumyoko erstreckt sich der Takada-Park mit der gleichnamigen Burg – ein moderner Nachbau basierend auf Originalbestandteile der einst viel grösseren Festung. Die Burg wurde ursprünglich im Jahr 1614 von einem Sohn des legendären Tokugawa Ieyasu errichtet, doch das Bauwerk wurde später während der Meiji-Zeit geschliffen.

Myoko-Kogen – Imori-Teich

Myoko-Kogen – Imori-Teich

Der Takada-Park ist berühmt für seine 4’000 Kirschbäume, die nachts angestrahlt werden und so für wundersame Spiegelungen in den alten Wassergräben der Burg sorgen. Zahlreiche Imbißstände im Park öffnen bis spät in die Nacht und sorgen so für Erfrischungen. Es gibt einige Nachtbustouren von den nahegelegenen Ski– und Onsengebieten von Myoko Kogen südwestlich der Stadt Joetsu. Die Gegend westlich vom Takada-Park bewahrt bis heute etwas von der Atmosphäre einer Burgstadt aus der Edo-Zeit mit seinen altertümlichen Holzhäusern und Sake-Brauereien.

Diese Region von Niigata war einst die Provinz Echigo und bekannt für seine furchtlosen Samuraikrieger, darunter die legendären Rivalen Kenshin Uesugi und Takeda Shingen. Kenshin Uesugi nannte die nahegelegene Burg von Kasugayama sein zu Hause.

Unweit des Bahnhofs Katamachi an der Shin’etsu-Hauptlinie und direkt an der Küste befindet sich Unohama, ein kleiner Kurort mit heißen Quellen. Dieser Ort liegt etwas abseits und ist ein Geheimtipp mit seinen zahlreichen Ryokan – traditionelle japanische Herbergen, in der man nach Herzenslust heiße Quellen und zwei Mal am Tag füllende Mahlzeiten mit vor Ort gefangenen Meerestieren genießen kann – vor allem die für diese Region besonders bekannten, allerdings nur zu bestimmten Jahreszeiten erhältlichen Schneekrabben.

Die Skigebiete der Myoko Kogen-Berge zählen nicht nur zu den besten Skigebieten Japans, sondern sogar von ganz Asien. Mitten im Joshin’etsu Nationalpark befinden sich übrigens die beiden höchsten Gipfel der Präfektur Niigata: Der Myoko und der Hiuchi, beide jeweils knapp über 2’450 Meter hoch.

Die Gegend ist besonders bekannt für ihren feinen Pulverschnee und hohe Schneewände. Seki Onsen und Akakura Onsen sind zurecht bei Skifahrern und Snowboardern beliebt – bieten sie doch eine wunderbare Kombination aus Pulverschnee und heißen Quellen. Akakura Onsen gibt es seit 1816, und der Ort ist noch immer der größten Onsen-Kurort in der Gegend. Seki Onsen ist hingegen der älteste Onsen-Kurort unter den Onsen in Myoko – der Ort mit seinen heilenden, heißen Quellen lockt bereits seit 1729 Besucher an.

Nur ein bisschen weiter südlich liegt der Ort Ikenotaira, ein weiterer alpiner Erholungsort mit der bezaubernden Kombination aus Pulverschnee und heißen Quellen. Es gibt drei verschiedene Skihänge verschiedener Schwierigkeitsgrade und eine ausgezeichnete Sicht auf den alles überragenden Berg Myoko. Etwas östlich eben dieses Berges liegt das abgelegene und friedvolle Tsubame Onsen, benannt nach den unzähligen Schwalben, die dort jeden Sommer in den Felsen nisten. Das Quellwasser dort ist milchig-weiß, und im Winter kann man mit heftigen Schneefällen rechnen.

Im Sommer kann man hier sogenannte „Waldtherapie“-Wanderungen auf dem Sasagamine-Hochland unternehmen. Die lieblichen alpinen Blumen sowie die Buchen, Kiefern, Wasserfälle und Sümpfe erinnern dabei stark an die europäischen Alpen. Dort findet man auch das Sasagamine-Gehöft, zu dem Weidegründe für die örtliche Rinderzucht gehören. Der Imori-See bietet ein Besucherzentrum sowie einen Pfad rund um den kleinen See, der vor allem im April besuchenswert ist, wenn an den Ufern plötzlich tausende weiße Scheinkalla (ein Aronstabgewächs) blühen. An klaren Tagen spiegelt sich zudem der Berg Myoko in dem glasklaren Gewässer.

 

Präfektur Toyama

Die am besten von Toyama Stadt erreichbare Tateyama-Kurobe-Alpenroute ist Teil des Chubu Sangaku-Nationalparks und ist ein herausragender Höhepunkt der Natursehenswürdigkeiten der Hokuriku-Region – vor allem während der Herbstlaubfärbung, wenn die Natur traumhafte Farben hervorzaubert. The Strecke kann man im Bus, in der Standseilbahn, der Schwebeseilbahn sowie im KEPCO-Trolleybus, aber auch zu Fuß zurücklegen.

 

Die Tateyama Kurobe Alpenroute

Die Tateyama Kurobe Alpenroute

Die Tateyama-Kurobe-Alpenroute beinhaltet auch eine Passage durch einen Schneekorridor mit bis zu 20 Meter hohen Schneewänden, die am Berg Tateyama vorbei durch die Hida-Bergkette führt. An der gleichen Strecke liegt auch der Kurobe-Staudamm, der mit 186 Meter höchste Staudamm des Landes. Die Stauermauer ist ganze 492 Meter lang und läßt im Schnitt 10 Tonnen Wasser pro Sekunde passieren.

Ein Teil der Alpenroute wurde während der Konstruktion des Staudamms gebaut. Jener wurde 1963 in Betrieb genommen, um in diesem entlegenen Teil des Landes durch Wasserkraft erzeugte Elektrizität zur Verfügung zu stellen.

Murado liegt 2,450 Meter über dem Meeresspiegel und bietet den imposantesten Anblick besagter Schneewände, vor allem zwischen April und Mai, wenn die Tateyama-Kurobe-Alpenroute für den Verkehr freigegeben wird. Dieser Abschnitt ist auch für Fußgänger geöffnet, damit man so in Ruhe die gewaltigen Schneemassen beiderseits der Straße genießen kann.

Kurobe-Staumauer

Kurobe-Staumauer

Es gibt noch weitere interessante Orte wie zum Beispiel den Mikurigaike (みくりが池) – den tiefsten Hochgebirgssee in den Japanischen Alpen, die bis in den Juni hinein schneebedeckt sind. Das tiefblaue Wasser des Sees reflektiert die schneebedeckten Gipfel des Tateyama-Gebirges, und am See findet man zahllose Vogel- und Pflanzenarten.

Nicht weit davon entfernt befindet sich Mikurigaike Onsen, eine Berghütte auf 2’410 Meter Höhe und nur einen Spaziergang vom Murado entfernt. Dieses Onsen rühmt sich dafür, die höchstgelegenen heißen Quellen des Landes zu haben. Das heilende Wasser strömt aus dem umliegenden Jigokudani (wörtlich: Höllental) herein. Das nahegelegene 4-Sterne-Hotel Tateyama ist Japans höchstgelegenes Hotel und bietet einen unvergesslichen Aufenthalt abseits der Menschenströme.

Das Tateyama-Museum von Toyama (立山博物館展示館) bietet Ausstellungen über die Flora und Fauna der Tateyama-Berge, über Shugendo – eine religiöse Tradition, die seit der Heian-Zeit in den Bergen der Region praktiziert wird, sowie über die komplexe Geologie und Ökologie dieses Hochlandes, welches einst von Pilgerern, die sich auf den so mühsamen wie gefährlichen Weg durch die Berge machten, als heilig betrachtet wurde.

Man benötigt ungefähr 5 Stunden, um die Tateyama-Kurobe-Alpenroute zurückzulegen, und dazu gehört sechsmaliges Umsteigen. Man beginnt am Bahnhof Dentetsu-Toyama, von wo es weiter bis zum Bahnhof Toyama geht, und dann nach Shinano-Omachi, von wo Züge Richtung Norden nach Nagano sowie Richtung Süden nach Matsumoto fahren. Die Strecke ist für den normalen Verkehr von Mitte April bis Ende November geöffnet – für den Rest des Jahres bleibt sie gesperrt. Man kann diese Route nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen, da der Abschnitt zwischen dem Bahnhof Tateyama und Ogizawa für Privatfahrzeuge gesperrt ist.

 

Präfektur Ishikawa

Der Name Kaga Onsen (Kagaonsenkyo) ist ein Sammelbegriff für die insgesamt vier größeren Onsenkurorte in Kaga und Komatsu in der Präfektur Ishikawa: Awazu Onsen, Katayamazu Onsen, Yamashiro Onsen und Yamanaka Onsen.

Die Geschichte dieser heißen Quellen geht über 1’300 Jahre zurück, als, so wird es jedenfalls berichtet, wandernde Shugendo-Ästheten auf ihrem Besuch des heiligen Berges Hakusan selbige entdeckten.

Einige der traditionellen Herbergen in Kaga Onsen können ebenfalls auf eine lange und besondere Geschichte zurückblicken. Das Hoshi Ryokan in Awasu Onsen eröffnete bereits im Jahr 718 und gilt als das zweitälteste, noch betriebene Hotel der Welt. Seit mehr als 45 Generationen wird das Hotel von der gleichen Familie betrieben (man nimmt an, dass das Nishiyama Onsen Keiunkan in der Präfektur Yamanashi das älteste Hotel ist – Tokugawa Ieyasu übernachtete dort zwei Mal).

Zu den berühmtesten Besuchern von Kaga Onsen in seiner langen Geschichte gehören der Priester Rennyo (1415–1499) und der berühmte Haiku-Dichter Basho (1644-1694), die den Ort aufgrund seines heilenden Wassers aufsuchten.

Awasu Onsen

Awasu Onsen

Awasu Onsen wurde angeblich vom gleichen Mönch entdeckt, der den nahegelegenen Natadera-Tempel gründete. Dem Wasser sagt man verschiedene Heilwirkungen nach, und man kann es in einer Herberge oder in dem modernen, öffentlichen Bad Soyu geniessen.

Katayamazu Onsen liegt an der Shibayamagata-Lagune. Entdeckt im Jahr 1653, wurde hier seit der Meiji-Zeit ein Kurort errichtet. Dieses Onsen zeichnet sich durch den spektakulären Anblick des Berges Hakusan in der Ferne aus, den man während eines Bades geniessen kann. Katayamazu war früher als „Vergnügungs-Onsen“ (歓楽温泉) bekannt, da es neben den heißen Bädern noch zahlreiche weitere Unterhaltsamkeiten bot und bietet, wie zum Beispiel das Eis- und Schneemuseum, das Kitamae-Schiffsmuseum oder einen künstlichen Geysir, der jede Stunde Wasser aus dem See speit.

Yamashiro Onsen wiederum ist vor allem für seine beiden großen und einzigartigen Badehäuser bekannt – das Soyu und das Ko-Soyu (das alte öffentliche Bad). Das Ko-Soyu wurde originalgetreu im Stil der Meiji-Zeit restauriert.

Yamashiro-Onsen

Yamashiro-Onsen

Yamashiro Onsen befindet sich nahe der Kakusenkei-Schlucht in den japanischen Alpen. Die Straße, die man auf jeden Fall gesehen haben sollte, wird Yuge-Kaido genannt und beginnt am Kino-no-yu. Dort findet man zahlreiche Handwerksläden, in denen lokale Kunstwerke wie Lack- und Holzprodukte verkauft werden, sowie zahlreiche japanische Retaurants und Bars, in denen man die verschiedensten Sachen probieren kann. Basho war einer der ersten Bewunderer des Ortes, und so adelte er Yamashiro-Onsen, zusammen mit Arima Onsen in Hyogo und Kusatsu Onsen in Gunma, zu den besten drei Onsen Japans.

Die elegante Stadt Kanazawa ist momentan die Endhaltestelle des Hokuriku-Shinkansens. Auch als „Klein-Kyoto“ bekannt, hat es Kanazawa geschafft, etwas von der Kultur und Atmosphäre des alten Japans zu bewahren.

Eine Fahrt mit dem Hokuriku-Shinkansen zwischen Tokyo und der Hokuriku-Region, zwischen Pazifik und Japanischem Meer, erschließt eine völlig neue und sehr photogene Seite Japans: Eine traditionell landwirtschaftlich geprägte Reisanbaugegend, die heute Heimat hochmoderner Industrien, aber auch uralter kultureller Bräuche und unzähliger Freizeitvergnügen ist. Von Skipisten bis zu Heißwasserbädern, von Reisfeldern bis zu Spitzenrestaurants – es gibt allerhand zu entdecken in dieser sehr vielfältigen Region im Nordosten der Insel Honshu.

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Sommer, Sonne, Sonnenschein…

Juli 28th, 2015 | Tagged , , | 14 Kommentare | 1535 mal gelesen

Strand kommt immer gut, Zumindest für die Kinder. Hier am Pazifik, bei Kamakura

Strand kommt immer gut, Zumindest für die Kinder. Hier am Pazifik, bei Kamakura

… und schon fällt man in das Sommerloch. Das geht noch einfacher mit zwei kleinen Kindern, die von Mitte Juli bis Ende August Ferien haben, und während dieser Ferien natürlich tagein, tagaus bespaßt werden wollen. Das ist leichter gesagt als getan, denn der Sommer hat sich kraftvoll zu Wort gemeldet mit Temperaturen, die in den letzten Tagen zumindest in Tokyo regelmäßig über 36 Grad liegen.
Was macht man also mit den lieben Kleinen? Freunde treffen ist eine Sache. Man kann sie auch in Museen oder Galerien schleifen, wo es etwas kühler ist, aber das ist auf Dauer nicht sehr unterhaltsam. Der Kindergarten unseres Jüngsten bietet ein Übernachtungsprogramm an, bei der Mütter mit ihren Kindern im Kindergarten übernachten können. Und nachts mit dem Kindergartengründer einen bechern können.
Neulich, im Okamoto Tarō-Museum

Neulich, im Okamoto Tarō-Museum


Nein, das ist dann erst später, wenn die Kinder schlafen. Wie das allerdings so vonstatten geht, kann ich mir nicht so recht vorstellen, denn der Kindergarten beherbergt rund 1,000 Kinder. Interessanterweise sind die Väter aber sowieso von vornherein von der Aktion ausgeschlossen. Das ist zwar schade, aber das ändert bei mir nichts, da ich sowieso zur Arbeit muss. Und das sieht im Sommer so aus:

8:45 – bei praller Sonne und 32 Grad mit dem Fahrrad 4,5 km zum Bahnhof fahren
9:00 – im vollbesetzten, auf 22 Grad heruntergekühlten Zug nach Shibuya fahren
9:25 – bei 32 Grad in Shibuya mit Tausenden anderen gleichzeitig ca. 200 Stufen Treppe steigen
9:30 – im vollbesetzten, auf 22 Grad heruntergekühlten Zug nach Ebisu fahren
9:32 – bei 33 Grad gut 10 Minuten und stets schattensuchend vom Bahnhof zum Büro laufen
9:45 bis 20:45 – im auf 26 Grad heruntergekühlten Büro staunen, wie heiss es draussen aussieht

und danach das gleiche wieder zurück. Währenddessen kann sich meine Frau ausdenken, was sie am besten am nächsten Tag mit den Kindern anstellt, die natürlich am nächsten Morgen wieder punkt 6:30 auf der Matte stehen und im Chor sagen: „Und was machen wir heute?“ Das sind die Momente, bei denen ich mir nicht sicher bin, wer mehr bezahlt werden sollte. 4 Wochen Ferien noch. Und während dieser Zeit habe ich sogar selbst eine Woche Urlaub. Allerdings werde ich ein paar Tage davon ganz allein auf einer einsamen Insel verbringen: Yakushima. Aus Recherchegründen, versteht sich.

Wer ein paar Geheimtipps abseits von Disneyland, Ueno-Zoo (um Gottes Willen…) und dergleichen hat — immer her damit!

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Lesestoff: Fünf neue Seiten

März 5th, 2014 | Tagged , | 3 Kommentare | 4078 mal gelesen

So, damit mir niemand Faulheit vorwirft: Fünf neue Seiten innerhalb des Japan-Almanachs sind jetzt fertig und reif, auf die Öffentlichkeit (beziehungsweise Suchmaschinen) losgelassen zu werden. Alle 5 Seiten sind Teil des mittlerweile 130 Orte umfassenden Japan-Reiseführers. Als da wären:

Ishigaki:
http://www.tabibito.de/japan/ishigaki.html
Ishigaki ist eine Insel in der Yaeyama-Inselgruppe im Südwesten der Präfektur Okinawa. Und während mich die Hauptinsel von Okinawa nur halbwegs begeisterte, war ich von Ishigaki sehr angetan. Sehr viel Natur, traumhaft schöne Korallenriffe und äußerst nette Eingeborene.

Taketomi:
http://www.tabibito.de/japan/taketomi.html
Die Insel Taketomi liegt nur 10 Bootsminuten von Ishigaki entfernt und ist wesentlich kleiner. Schön ist der Ort in der Mitte, und auch die Strände sind traumhaft schön – und das sagt jemand, der sich eher durch die Berge hangelt als an Stränden herumzulungern. Nur der versprochene Sternensand ist schwerer zu finden, als man glauben mag: Es gibt nicht mehr viel Sternensand am Sternensandstrand.

Iriomote:
http://www.tabibito.de/japan/iriomote.html
Noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts malariaverseucht, sind zahlreiche Versuche fehlgeschlagen, die größte der Yaeyama-Inseln umfassend zu besiedeln. Und so ist Iriomote auch heute noch ein Unikum in Japan: Eine sehr spärlich besiedelte Gegend mit sehr viel Natur. Dazu zählen auch die größten Mangroven Japans… und die sich rar machende Iriomote-Wildkatze.

Yubu:
http://www.tabibito.de/japan/yubu.html
Die Insel ist so klein, dass ich überlegen musste, ob ich ihr eine eigene Seite widme. Aber warum nicht. Schliesslich ist Yubu die wahrscheinlich einzige Insel in Japan, die man nur mit Wasserbüffelkarren erreichen kann.

Hamamatsu:
http://www.tabibito.de/japan/hamamatsu.html
Hamamatsu liegt zwischen Tokyo und Nagoya in der Präfektur und ist Japans „Little Brazil“ – hier gibt es die größte brasilianische Kommune in ganz Japan. Wer sein portugiesisch aufpolieren möchte, japanisch zubereiteten Aal liebt oder im Hamanoko-See durch Unmengen von Einsiedlerkrebsen waten will, ist hier richtig aufgehoben.

Und das war es auch schon. Einiges mehr ist bereits in Arbeit. Zu einigen Destinationen sei hier noch Zooming Japan anempfohlen: Die Autorin ist nicht faul und hat auch zu etlichen oder gar allen oben genannten Reisezielen etwas geschrieben (alles auf Englisch, wohlgemerkt).

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Skiurlaub

Februar 14th, 2014 | Tagged , | 3 Kommentare | 2561 mal gelesen

Skigebiet in der Präfektur Niigata

Skigebiet in der Präfektur Niigata

Da hat es mich doch nach gut 10 Jahren in Japan neulich zum ersten Mal in ein Skigebiet in Japan verschlagen. Das letzte Mal, dass ich auf zwei Brettern stand, war da ungefähr 28 Jahre her. Und wenn ich mich recht erinnere, war das damals eine wackelige Angelegenheit und sowieso sehr schnell vorüber, da einer der Mitschüler, es war Klassenfahrt, in einen Bach gefallen war. Dieses Mal ging es mit einem Großteil der Familie zum Skifahren. 11 Leute, mit 4 Kindern zwischen 1 und 7 Jahren. Letztendlich weiß ich nicht, was anstrengender war: Das ganze Equipment, alles geliehen, oder die Kinderschar zusammenzuhalten. Am liebsten wäre ich ja mal Snowboard gefahren, aber ich habe mich schliesslich der Mehrheit gefügt und Skier ausgeliehen. Als ich sah, wie ein paar Snowboardamateure mit ihren Brettern wie reife Trauben vom Lift plumpsten, hielt ich die Entscheidung im Nachhinein für richtig.

Eigentlich sollte man öfter mal Ski fahren. Ist ja schliesslich einfach hier. Zwar fällt in Tokyo direkt nur ganz selten viel Schnee (obwohl es morgen wohl wieder kräftig schneien soll), aber mit dem Shinkansen braucht man nur eine gute Stunde, und schon steht man im Tiefschnee. Mangels Vergleich weiss ich nun nicht, ob Skifahren in Japan anders läuft als anderswo. Wahrscheinlich nicht. Man braucht viel Geld (Ausrüstung, Übernachtung, Lifte, Schließfächer usw.) und viel Geduld, wenn man über die Feiertage verreist. Die Pisten, die wir gesehen haben, waren bestens präpariert. Helme scheinen weitgehend unbekannt zu sein – ich habe niemanden mit Helm gesehen. Und Snowboards sind genauso häufig anzutreffen wie Ski. Kein Wunder, dass Japan in Sotschi beim Snowboarden „abgeräumt“ hat, wenn man das bei einer Bronze- und Silbermedaille so sagen kann. Und – viele scheinen ihre Kinder gern auf die Piste zu schicken. Mehrfach haben mich zahlreiche Knirpse in ziemlich hohem Tempo überholt.

Fazit: Wenn man schon so nah an den Bergen wohnt, sollte man das wohl tatsächlich öfter machen. Waren zwar nur zwei Tage, aber Spass macht es allemal, und Pisten gibt es in allen möglichen Schwierigkeitsstufen reichlich. Also dann – Ski heil!

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Der Einsiedler

Januar 7th, 2014 | Tagged , | 7 Kommentare | 3290 mal gelesen

Lage der Insel (rot)

Lage der Insel (rot)

Japan besteht aus furchtbar vielen Inseln. Insgesamt sind es 6’852 – und diese Zahl musste erst im vergangenen Jahr korrigiert werden, als eine neue Insel durch einen Vulkanausbruch geboren wurde. 97% der Fläche entfallen auf die 4 Hauptinseln, und nur gut 430 Inseln sind auch bewohnt. Das bedeutet also, dass es in Japan insgesamt gut 6’420 無人島 mujintō – „menschenleere Inseln“ gibt. Wirklich? Nicht ganz.

Bei Recherchen vor und nach meiner Reise zu den Yaeyama-Inseln bin ich auf eine Insel namens 外離島 Sotobanari-jima (wörtlich: Äußere Entfernte Insel) gestoßen. Die halbmondförmige Insel ist einen knappen Kilometer lang, gut einen Quadratkilometer gross, und wenn man schnell zu Fuß ist, kann man die Insel binnen einer Stunde umrunden. Die Insel liegt nur ein paar Minuten mit dem Boot entfernt von der Westküste der wesentlich größeren Insel Iriomote. Und westlich von Iriomote gibt es … quasi nichts mehr. Dort ist vorläufig die Welt zu Ende.

Die Insel ist teilweise bewaldet, hat aber keine Süßwasserquellen. Offiziell ist sie unbewohnt, doch das stimmt nicht ganz: Seit rund 20 Jahren lebt dort ein Mann namens 長崎真砂弓 Masafumi Nagasaki, nunmehr 78 Jahre alt, in selbstgewählter Isolation. Die verlässt er höchstens ein Mal im Monat, um für die rund 70 Euro, die ihm seine Schwester schickt, das notwendigste einzukaufen. Ansonsten lebt er – in der Regel nackt – allein vor sich hin und ernährt sich von dem, was die Natur, vor allem das Meer, so bietet, und davon gibt es reichlich. Bekannt ist der Mann mittlerweilen als 裸のおじさん – der nackte Opa. Und über ihn hat VICE eine schöne Doku gedreht, und die hat, schau mal einer an, sogar englische Untertitel.

Photo der Umgebung: Links Uchibanari, rechter Rand: Sotobanari

Photo der Umgebung: Links Uchibanari, rechter Rand: Sotobanari

Interessant ist, dass der Mann für einen Einsiedler ziemlich gesprächig ist und viel Humor besitzt. Und – er scheint sehr mit sich im Reinen zu sein. Einige seiner Ansichten sind verblüffend. So antwortet er auf die Frage, was er denn macht, wenn er so allein mal krank wird, einfach: „Ich versuche ganz einfach, nicht krank zu werden“. Auch der Grund, warum er auf die Insel zog, ist recht interessant.

Obwohl das Leben im Video recht verlockend aussieht, so dürfte es doch recht hart sein: Wir waren im Dezember dort, und als wir in der Ecke waren, in der die Insel liegt, war es nur 12 Grad warm, sehr stürmisch und sehr regnerisch. Auch die Taifune im Sommer dürften es in sich haben: Vor 7 Jahren gab es einen besonders schweren Taifun mit Windgeschwindigkeiten über 250 Stundenkilometern. Wahrscheinlich sogar mehr, denn bei der Windgeschwindigkeit gingen wohl die Meßgeräte entzwei.

Hier nun also das Video. Photos und Text (in diesem Fall leider nur auf Japanisch) gibt es bei VICE.

So, dass tut mir jetzt wirklich leid. Im letzten Beitrag des vergangenen Jahres habe ich angedeutet, vielleicht mal über nackte Frauen zu schreiben. Stattdessen ist der erste Beitrag des neuen Jahres der über einen nackten Mann. Und dann auch noch ein alter Mann …

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Ausflug ins Grüne – Yatsugatake

Mai 7th, 2013 | Tagged , | 5 Kommentare | 1426 mal gelesen

Yatsugatake-Massiv, von Nobeyama aus gesehen

Yatsugatake-Massiv, von Nobeyama aus gesehen

Es ist Goldene Woche – Kind hat Ferien, es gibt vier freie Tage am Stück, und die möchte man dann doch nicht komplett zu Hause verbringen. So denken 130 Millionen Japaner alljährlich, und so zieht alles durchs Land, was genug Zeit und etwas Kleingeld übrig hat. So auch wir, und es war gleichzeitig ein guter Anlaß, gute Freunde wiederzusehen und gemeinsam durch die Gegend zu streifen. Das Ziel dieses Jahr war das 八ヶ岳 Yatsugatake-Massiv, das sich zwischen den Präfekturen Nagano und Yamanashi auf 30 km Länge hinzieht. Die Gipfel im Massiv sind bis zu 2’899 Meter groß.

Eigentlich ist Reisen in der Goldenen Woche ein Alptraum, denn alles ist hoffnungslos überfüllt. Erst recht, wenn man recht spontan entschieden hat und dadurch keine Fahrkarten reservieren konnte. Die Reise begann auch gleich gut am Herkunftsbahnhof beim Fahrkartenkauf. „Zwei Erwachsene, ein Schulkind, bis Kōfu bitte“ sagte ich der Schalterdame, und die schaute mich gleich mitleidig an: „Oh je – es gab einen Personenschaden in Shinjuku, deswegen stehen alle Linien in die Richtung, und wir wissen nicht, wann es weitergeht. Wollen Sie trotzdem…?“. Personenschaden – das kann ein Selbstmörder sein oder einfach zu viel Gedränge auf dem Bahnsteig, und letzteres ist beim mit 1.4 Milliarden Passagieren pro Jahr weltweit meistfrequentierten Bahnhof Shinjuku kein Kunststück. Mit 30 Minuten Verspätung und viel Herumsteherei unterwegs ging es dann jedoch trotzdem los. Wir trafen uns mit unseren Freunden in Hachiōji (Westen Tokyos), um von dort in den ebenfalls aus Shinjuku kommenden und verspäteten Expresszug umzusteigen. Platzkarten hatten wir nicht, und die Waggons mit den nicht reservierbaren Plätzen waren proppevoll. Aber immerhin dauerte die Fahrt nur eine Stunde, und schon waren wir dort. In Kōfu ging es erstmal zum Hōtō-Essen – das sind sehr breite, dicke Nudeln in einer sehr gesunden Suppe, mit halben Kürbissen, Kartoffeln, Mohrrüben, Tarō-Kartoffeln, Bohnen und was-weiß-ich. Sehr angenehm, wenn man sehr breite, dicke Nudeln mag, und eine der Spezialitäten der Präfektur.

'Ist das Ihr Kind auf dem Trekker?' - 'Öhm, wie kommen Sie darauf!?'

‚Ist das Ihr Kind auf dem Trekker?‘ – ‚Öhm, wie kommen Sie darauf!?‘

Shōsenkyō oder nicht, lautete die Entscheidung danach. Oder: Mit Bus und Seilbahn fahren, oder mit dem Zug. Die lange Schlange an der Bushaltestelle versprach nichts Gutes, und so ging es mit dem Expresszug weiter bis nach 小淵沢 Kobuchisawa und von dort mit einer Ferkeltaxe bis zum Bahnhof 清里 Kiyosato, einem Ortsteil der Stadt Hokuto, und immerhin schon auf über 1’200 Meter Höhe gelegen. Ohne eigenes Gefährt kommt man von dort allerdings nicht weg, und so gingen wir zum nahegelegenen Park 萌え木の村 Moegi-no-mura (wörtlich: Wachsender-Baum-Dorf) – ein liebevoll angelegter Park, in dem man versucht, die Landwirtschaft mit dem quengelnden Nachwuchs oder andersrum vertraut zu machen. Der Eintritt ist frei, es gibt viel in der Gegend produziertes Essen und alles in allem ist die Idee nett und für Kinder durchaus schön. Seit 1971 gibt es die Anlage, und sie ist unter anderem einem amerikanischen Priester namens Paul Rusch zu verdanken, der von 1925 bis zu seinem Tod 1979 in Japan lebte (mehr dazu siehe hier).

Nach ausreichender Bespaßung ging es zurück zum Bahnhof, nur um festzustellen, dass der vor unserer Nase abfahrende Zug der letzte für die folgenden 1.5 Stunden sein sollte. Wir beschlossen ein frühes Abendessen und liefen zu einem uns empfohlenen Restaurants, das sich wohl auf Aufläufe spezialisiert. 17:15 waren wir dort, und laut Schild sollte 17:30 geöffnet werden. Wir warteten, und 10 Minuten später warteten mit uns schon um die 10 Leute hinter uns. Ein gutes Zeichen! Kurz vor 17:30 steckte eine Frau den Kopf raus und sagte „Bitte warten Sie noch ein bisschen!“. Es wurde 17:30. Dann 17:40. Unser Zug sollte 18:30 fahren, das wird knapp. Um 17:45 macht man auf. Wir sind die ersten, werden in die hinterste Ecke platziert, und dann nimmt man die Bestellungen auf. Von allen anderen Gästen zuerst. Wir machen uns um die Zeit Sorgen, und als die Bedienung endlich zu unserem Tisch kommt, fragen wir vorsichtshalber: „Unser Zug fährt 18:30. Schaffen wir das?“ Die Antwort ist recht barsch: „Nein, das wird wohl nichts“. Also trollen wir uns hungrig. Entweder mag man in dem Restaurant keine Hektik, keine Ausländer, oder keine Kinder. Scheinbar war letzteres der Fall: Als wir das Restaurant verliessen, sahen wir einige kleine Aushänge: „Bitte im Restaurant keine Windeln wechseln“. „Bitte Kinder nicht frei herumlaufen lassen“ und noch ein paar andere Verbotsschilder. Geschenkt.

In diesem Restaurant bleibt wohk die Küche kalt

In diesem Restaurant bleibt wohk die Küche kalt

Also fahren wir einen Bahnhof weiter, denn dort übernachten wir. Wir rufen die Pension an, denn das sollen wir so tun, damit man uns abholen kann. Wir haben nun aber noch nichts gegessen. Die Frau am Telefon sagt: „Sie können beim Onsen (Anmerkung: Heiße Quelle) etwas essen. In dem Fall kommen wir einfach zum Bahnhof, geben Ihnen die Freikarten für die heiße Quelle, und wenn Sie dort fertig sind, rufen Sie uns nochmal an, und wir holen sie von der heißen Quelle ab“. Das ist in der Tat sehr zuvorkommend. Gesagt, getan. Ein älterer Mann holt uns mit dem Auto ab, gibt uns die Freikarten, und chauffiert uns zum 200 Meter vom Bahnhof entfernten Onsen. Dort ist scheinbar Himmel und Hölle in Bewegung – das Onsen ist hoffnungslos überfüllt, aber da wir schon mal dort sind… In der angrenzenden Speisehalle essen wir noch ein paar Kleinigkeiten, während sich mein 2-jähriger dazu entscheidet, alle anderen Anwesenden im Saal, und das sind nicht wenige, durch seine Gesänge in einer auch den Eltern völlig unbekannten Sprache, sein Gerenne und sonstiges Rowdytum zu unterhalten. Ich hätte ja gern behauptet, ich kenne das grölende Kind nicht, aber die Herkunft lässt sich schwer verleugnen, zumal ich der einzige Ausländer bin.

Gegen 9 Uhr spuckt uns das Riesen-Onsen aus in die Dunkelheit. Der Pensionsmensch hatte uns zuvor erklärt, dass es nur 200 Meter bis zur Pension seien, wir ihn aber trotzdem anrufen sollen, da es wegen der Dunkelheit schwer zu finden sei. Wir versuchen kurz unser Glück allein, aber es ist in der Tat dunkel wie im Bären*****, also rufen wir ihn an. Er fährt los – mehrere hundert Meter bis zu einer Brücke, dann links, rechts, links, hinein in den Wald und immer einen Waldweg entlang. Als der endete, fährt er einen noch schmaleren Weg entlang. Das waren die längsten 200 Meter, die ich je gesehen habe. Wir hätten es bis heute nicht gefunden. Das Zimmer ist nett eingerichtet. Eine Pension wohlgemerkt, also europäischer Stil, mit echten Betten. Und was passiert also, wenn man zwei an Futon gewöhnte Kids auf Betten losläßt? Heissa! Es dauert eine Stunde, bis sie sich endgültig beruhigen und schlafen legen. Der alte Mann, wohl der Herbergsbesitzer, meinte vorher zu mir: „Wenn Sie rauchen wollen oder ein Bier trinken wollen, kommen Sie einfach ins Wohnzimmer!“. Gesagt, getan, als alles schlief. Das Wohnzimmer sieht aus wie ein Museum. Der Pensionsbesitzer und seine agile Frau sitzen mit zwei Stammgästen (wie ich später erfahre) am Tisch und schauen fern, während sie abwechselnd einen ordentlich großen Labrador kraulen. Wie eine Familie sitzen sie da, und verwickeln mich sofort in ein Gespräch. Das angenehme ist, dass die Leute nicht aufdringlich sind und mich als Ausländer behandeln, sondern „ganz normal“ mit mir reden. Das ist relativ selten in Japan und sehr angenehm. Man ist wirklich „at home“, und der alte Mann nötigt mich noch zu Kartoffelchips (nicht willkommen) und einer Dose Japans besten Bieres (sehr willkommen) auf. Wer also mal zufällig in der Gegend weilt und nicht unbedingt auf Tatami und Futons aus ist – das Casa de Poco in Kai-Ōizumi (甲斐大泉駅) ist als Bed & Breakfast eine durchaus empfehlenswerte Option. Eine Nacht inklusive Frühstück kostet 6’000 Yen und ein großes Onsen und der Bahnhof sind in Laufweite. Einziger Nachteil: Man kann dort nicht zu Abend essen, und allzu viele Möglichkeiten dazu gibt es nicht in der Nähe.

Japans höchstgelegener Bahnhof: Nobeyama

Japans höchstgelegener Bahnhof: Nobeyama

Am nächsten Tag ging es nach einem mehr oder weniger englischen Frühstück los zu einem Spaziergang in der Gegend. Da der Ort so hoch liegt, beginnt hier der Frühling erst einen Monat später als in Tokyo. Sprich, alles was Blüten hat blühte. Mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund und rundherum. Nur der Fuji-san liess sich nicht blicken, denn dafür war es schon zu diesig. Der zweithöchste Berg Japans, der fast 3’200 Meter hohe Kita-dake, war jedoch schön zu sehen, und so auch ein großer Teil der anderen Gipfel der japanischen Südalpen. Wir fuhren mit der kleinen 小海線 Koumi-Linie zwei Stationen weiter bis zum Bahnhof 野辺山 Nobeyama – der liegt bereits in der Präfektur Nagano und ist mit 1’345 Meter Höhe (Schweizer werden darüber lächeln) der höchstgelegene Bahnhof Japans. Wie schön. Nach dem nördlichsten Bahnhof Japans (in Wakkanai) und dem Bahnhof mit dem längsten Namen (Chōjagahamashiosaihamanasukōenmae) ist nun also auch das abgehakt. Leider gibt es jedoch im Ort selbst nicht viel zu sehen. Es gibt eine Panoramaplattform in einem kleinen Park mit Blick auf das Yatsugatake-Massiv, doch der Ausblick wird wunderbar von schwer ignorierbaren Stromleitungen und einer Schnellstraße gestört. Nun müssen wir also zwei Stunden Zeit bis zum nächsten Zug totschlagen, aber das geht letztendlich ganz schnell: Wir suchen ein Restaurant, laufen dorthin, bestellen… und warten ewig auf das Essen. Man hat scheinbar alle Zeit der Welt, aber das ist mir schon seit langem aufgefallen: Der Zeitdruck und die Geschwindigkeit in japanischen Städten ist eine Sache – das Leben auf dem Land eine andere. Dort braucht man für alles etwas länger, und man merkt schnell, wie sehr man sich doch an das Leben in einer Großstadt gewöhnt hat: Kommt das Essen erst 10 Minuten oder später, wird man nervös. Aber das Warten sollte sich lohnen: Ich vergriff mich an ein Gericht namens 石焼薫タンラーメン – Ramen (Nudelsuppe) mit geräucherter Rinderzunge im Steintopf, und es war mal etwas Neues und sehr empfehlenswert.

Passabel: Geräucherte-Rinderzunge-Ramen

Passabel: Geräucherte-Rinderzunge-Ramen

Weiter ging es danach mit der gleichen Bahnlinie Richtung Norden, anderthalb Stunden lang quer durch … Landschaft, bis nach 佐久平 Saku-Daira – von dort kann man mit dem Shinkansen weiterfahren. Das taten wir auch, und die Kinder waren natürlich begeistert. Bis zum Einsteigen, denn natürlich war der Shinkansen hoffnungslos überfüllt, so dass wir die 75 Minuten bis Tokyo stehend verbrachten. Aber wer sich darauf einläßt, in der Goldenen Woche zu verreisen, muss immer damit rechnen. Es hat sich trotzdem gelohnt, und diese (oder eine ähnliche Tour) kann ich nur empfehlen. Das ganze ist auch als Tagesausflug von Tokyo machbar (und Railpass-Benutzer haben es gut, denn alle Bahnlinien sind JR und damit nutzbar), aber ein oder zwei Übernachtungen sind mehr als gerechtfertigt. Ich werde irgendwann wiederkommen, wenn es etwas wärmer ist: Die Berge im Yatsugatake-Massiv reizen mich.

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Grün. Wolken. Onsen. Hitze. Grün. Kyushu III

September 5th, 2012 | Tagged , | 6 Kommentare | 1366 mal gelesen

Fortsetzung von Teil I und Teil II

Ansehnlich: Die Takachiho-Schlucht

Nach einer zweiten Nacht im Kellerverlies des Hotels im Kumamoto ging es am nächsten Morgen mit dem Bus nach 高千穂 Takachiho in der Präfektur Miyazaki. Ahh, Miyazaki! Endlich! Meine letzte Präfektur. Der Ort liegt „hinter“ dem Aso-Massiv, mitten in den Bergen und ist sehr klein. Die letzte Zugverbindung wurde 2003 abgeschafft, und der Ort ist weit verstreut. Es gibt zwar regelmäßige Busse zwischen dem Busbahnhof und der Hauptsehenswürdigkeit, aber ansonsten muss man sehr weit laufen oder mit dem Taxi fahren. Wir gingen erstmal zum Fremdenverkehrsamt und liessen uns dort einiges erklären. Zum Mittagessen empfahl man uns das Cafe „Kalinka“ gleich nebenan, und es wurde zu einer Zeitreise: Retro. Japan in den 80ern! Die Ausstattung, die Fenster (aus der Zeit: immer gerundet!), die Karten an der Wand, die Manga in den Regalen, die Blütezeit der Angestellten – alles war aus den 1980ern. Die Bedienung war sehr, sehr nett und die Atmosphäre das, was man überall als „authentisch“ bezeichnen würde. Nicht im Sinne von „traditionell Japanisch“, sondern „neuzeitlich, leicht angestaubt Japanisch“. Das sollte uns recht sein. Zumal es „チキン南蛮 – (Chikin Nanban) – „Hühnchen auf Westliche Art“. Mariniertes und gebratenes Hühnerfleisch mit Tartarsauce. Was Fish & Chips für England ist „chikin nanban“ für Miyazaki. Sehr westlich.

Da es einfach nur brütend heiß war, nahmen wir ein Taxi zur berühmten Schlucht von Takachiho. Der Taxifahrer schaffte es, innerhalb von 10 Minuten ungefragt Vorträge über die Vorzüge der japanischen Okkupation der koreanischen Halbinsel, die misslungene Außenpolitik Nordkoreas, das Fremdenverkehrswesen in Takachiho sowie die Geologie des Aso-Vulkans zu halten. Leider war der Dialekt nicht stark genug, um ihn nicht zu verstehen. Aber egal. In der Schlucht angekommen, zahlten wir und waren von den Menschenmengen überwältigt, aber was hätten wir auch anderes erwarten sollen: Es war O-Bon-Zeit. Halb Japan hat Urlaub. Die Takachiho-Schlucht: Dort soll es schöne Wasserfälle geben, und man soll mit kleinen Booten an die Wasserfälle heranfahren können, was sich interessant anhörte. Der Taxifahrer nahm uns jedoch – zum Glück wohlbemerkt – die Vorfreude: „Also, dieses Jahr sind es ja viel weniger Touristen, da ja die Boote nicht mehr fahren“. „Die Boote – nicht – mehr – fahren?“ Wie jetzt? Nun, während der Sintflut im Juni schwoll wohl der kleine Fluss stark an, und ein Boot kenterte. Das passierte wohl auch vorher, weshalb Rettungswesten zur Pflicht wurden, aber im Juni war wohl das Maß voll: Die Bootstouren wurden verboten. Das war natürlich schade, aber andererseits konnte man so die Schlucht von oben ganz ohne Boote bewundern. Und der Anblick war phantastisch: Ein schmaler, smaragdgrüner Fluss, eingeengt durch vertikale Felswände, und ein Wasserfall, der sich in den Fluß ergiesst. Das alles war eingerahmt von Grün. Sehr viel Grün. Von den fantastischen Gesteinsformationen, die jeden Geologen in einen Rausch verfallen lassen würden, mal ganz zu schweigen – die Schlucht ist ein kleines Paradies.

Hier hat sie sich also versteckt...

Zu Fuß ging es zurück zum Ort, zu einem bekannten Schrein. Von dort ging es wieder weiter mit dem Taxi – zu einem rund 8 km entfernten Ort mit mystischer Bedeutung. Der hat mit der Entstehungslegende Japans zu tun – genauer gesagt mit der Sonnengöttin Amaterasu. Die wichtigste Göttin des Shintōismus, Göttin der Sonne und des Lichts und Ahnherrin der japanischen Kaiser, verkrümelte sich der Legende nach in einer Höhle bei Takachiho, da sie erbost über ihren ungezogenen Bruder Susanō war. Mit ihr verschwand das Licht, und die Welt stürzte in Finsternis. Die anderen Götter hießen das nicht gut und lockten sie aus der Höhle – unter anderem mit einem göttlichen Spiegel.
Unser Taxifahrer fragte uns, wie lange wir dort zu bleiben gedenken. Er sagte, dass man in weniger als einer halben Stunde mit dem Schrein „fertig“ sei – und falls wir danach wieder ein Taxi bräuchten, könne er warten. Das war uns ganz recht. Seine Beschreibung war allerdings nicht ganz eindeutig. Er erwähnte den Schrein, und dann noch ein Sanktuarium irgendwo weiter entfernt am Fluss, wobei es jedoch viel Zeit bräuchte und es mit den Kindern sowieso zu schwer sei, das auch noch zu sehen. Nun, eine Minute nach dem Verlassen des Taxis standen wir schon vor dem Schrein, doch alle Besucher zogen weiter – am Schrein vorbei. Wir folgten. In den Wald hinein. Wir folgten. Runter zu einem Fluß – wir liessen uns treiben. Wir liefen und liefen, und plötzlich standen wir vor diesem großen, schwarzen Loch am Fluß. Ja, das wollte ich sehen! Nicht nur Schrein #3642. Hier ist sie also, die Wiege Japans, der mystische Ort, der auf neu-japanisch als „Power Spot“ bezeichnete Ort. Ich fühlte mich zwar nicht sonderlich anders, aber der Ort als solcher ist in der Tat … mystisch. Das Wort passt schon. In dieser – zugegebenermaßen nicht sehr tiefen – 仰慕ケ窟 Gyōbo-ga-iwaya genannten Höhle versteckte sich also Amaterasu. Und vor der Höhlen beratschlagten sich der Legende zufolge Japans 8 Millionen Götter, wie man sie wieder hervorlocken könnte.

Wir machten uns langsam Sorgen um die Zeit. Ein Taxi zu chartern und warten zu lassen hat seine Vorteile. Normalerweise versuche ich das jedoch zu vermeiden, und wieder zeigte sich, warum: Wir standen unter Zeitdruck. Aber das ging schon in Ordnung, schließlich ist es kleinen Kindern ziemlich schnuppe, wo und warum sich irgendwelche Tanten mal versteckt hatten. Als wir wieder zurück an der Straße waren, gab es erstmal ein Mangoeis für die Kinder. Töchterchen beschloß, sich auf etwas aufzustützen, auf was man sich nicht aufstützen sollte, und somit 10 Sekunden nach Bezahlen des Mangoeises selbiges auf die Straße vor dem Kiosk zu verteilen. Das spontan einsetzende, steinerweichende Gesicht (erinnert sich jemand an den gestiefelten Kater in Shrek? Ja, genau so) von Töchterchen liess den Eisverkäufer sofort Ersatz anbieten. Zur gleichen Zeit rief uns ein Taxifahrer von der anderen Strassenseite an: „Hey, sind sie die, die mit Taxi zurückfahren wollten?“ Es war nicht unser Taxifahrer, sondern sein Kollege. Wir waren bereits seit gut 40 Minuten unterwegs, und entsprechend war unser Fahrer wahrscheinlich in der Bredouille – fuhr er ohne uns los, wäre das schlecht, doch wenn er nicht weiss, wann wir zurückkommen, verliert er potentielle Kunden. Sein Kollege gab entsprechend sofort per Funk durch, dass man uns gesichtet hat. Also ging es schleunigst zurück zum Gefährt. Der Fahrer war ein kleines bisschen angesäuert, aber er gab sich redlich Mühe, sich nichts anmerken zu lassen. Die Leute in Takachiho waren alle sehr nett und geduldig. Und mit unseren Kindern war es ein leichtes, die Geduld zu strapazieren.

Mit dem Titel dieses Beitrages habe ich jedenfalls nicht zu viel versprochen...

Wir sollten uns aber zumindest beim Taxifahrer revanchieren. Wir erwähnten, dass wir am nächsten Tag zum Flughafen von Kumamoto wollen. Mit dem Bus würden wir dafür knapp 7,000 Yen zahlen, und mit dem Taxi 14,000 Yen. Die Busse fuhren allerdings so ungünstig, dass wir am Flughafen fast 5 Stunden Zeit gehabt hätten, und das wollten wir uns und den Kindern nicht unbedingt antun. Also blieben wir am nächsten Morgen lieber ein paar Stunden mehr in Takachiho und riefen dann unseren Chauffeur. Der brauste dann auch tatsächlich in einer knappen Stunde zum Flughafen von Kumamoto. Die Schwiegereltern trudelten auch bald ein, und alle flogen zurück. Alle? Bis auf einen. Drei Tage hing ich schließlich noch ran – schließlich hatte ich ja noch ein Geschäftsessen in Miyazaki vor mir. Vom Flughafen ging es deshalb mit dem Bus weiter – Richtung Ostküste, nach Yufuin. Die Buslinie nennt sich 九州横断バス Kyūshū Ōdan Basu – Kyushu-Traverse-Bus, und das ist es, was der Bus macht. Er fährt quer durch Kyushu, durch den Krater von Aso, dann den Kraterrand hoch, über eine weite Hochebene, und schliesslich über die くじゅう連山 Kujū-Bergkette – eine Anreihung von zum Teil aktiven Vulkanen mit dem höchsten Berg von Kyushu (1,791 m) in der Mitte. Die Strasse nennt sich やまなみハイウェイ Yamanami Highway und führt über den 1,333 Meter hohen 牧ノ戸峠 Maki-no-to-Pass. Sicher ist die Schönheit dieser Route stark wetterabhängig, aber ich hatte großes Glück. Die Weitsicht war einfach fantastisch, und es wurde allmählich Abend. Ob mit eigenem Auto, Fahrrad oder zur Not auch mit dem Bus: Ich kann jedem diese Route nur empfehlen.

Auf Augenhöhe mit dem Aso - vom Kujū-Massiv aus gesehen

Als der Bus in Yufuin ankam, war es bereits stockdunkel. Ich hatte dort ein Zimmer in einem interessant aussehenden Hotel mit Onsen gebucht – und das kostete nur 4,000 Yen. Soweit, so gut. Als ich jedoch im Hotel anrief und fragte, wie man am besten hinkommt, gab es nur eine Antwort: Taxi. Check-in bis 21 Uhr bitte. Es war schon kurz vor 20 Uhr. Also wieder Taxi. Ich nannte die Adresse, und das Taxi fuhr los. Die ersten zwei Kilometer kosten in Japan normalerweise zwischen 640 und 720 Yen. Das Taxi fuhr. Und fuhr. 900 Yen. 1,300 Yen. Bei 1,800 Yen hielt es endlich. Da hatte ich mir ja ein schönes Plätzchen ausgesucht – weit weg von allem, mitten in der Landschaft. Natürlich hatte ich noch nichts gegessen, und in der Nähe gab es nichts. Also bat ich den Fahrer zu warten, checkte ein und fuhr schnurstracks zurück. Der Fahrer empfahl mir eine Yakitori-(am Spieß gebratener toter Vogel)-Kneipe. Vorher musste ich aber noch schauen, was im Zentrum los war, denn dort wurde gerade der Bon-Odori (O-bon-Tanz) zelebriert. Egal, wo ich im Sommer in Japan hinfahre – irgendwo gerate ich immer in ein Bon-Odori. Die Yakitori waren gut (die Gegend ist ja schließlich bekannt für Hühnerfleisch), und zurück ging es mit dem Taxi zur Herberge.

Nach dem Herumgefahre war ein Onsen genau das richtige. Und meine Strategie ging auch auf: Japaner, vor allem auf Reisen, schlafen sehr früh. Damit hatte ich abends um 10 das Außenbad der heißen Quelle komplett für mich allein. Fast zumindest, denn aus irgendwelchen Gründen rannte dort ein ansehnlicher Hirschkäfer um das Becken, den ich sicherheitshalber im Auge behielt. Man weiß ja nie.

Yufudake - und eine hier leicht messbare Wolkengrenze

Nun bin ich nicht der Onsen wegen nach Yufuin gefahren – obwohl das der Hauptgrund für die meisten Besucher ist. Ich hatte es auf den 由布岳 Yufudake abgesehen, einem 1’583 Meter hohen Vulkan mit markantem Doppelgipfel, der da über der Stadt thront. Da wollte ich rauf. Also ging es am nächsten Morgen mit dem Linienbus zum Start des Wanderweges. Bei 35 Grad im Schatten. Los ging es bei 816 Meter – ich hatte also über 750 Höhenmeter bei voller Hitze vor mir. Die ersten Kilometer verlaufen durch den Wald, aber dann kommt man in eine baumfreie Zone, und bei 35 Grad fing ich schnell an zu grübeln, was in drei Teufels Namen mich dazu veranlasst hatte, freiwillig, völlig ohne Zwang, auf diesen Berg zu krabbeln. Aber umkehren? Nein, geht auch nicht. Immerhin schien der Gipfel ab und an von Wolken bedeckt zu sein. Endlich kam ich am Sattel zwischen den Gipfel an. Von dort sind es jeweils gute 10 Minuten auf die beiden Gipfel, und zum Teil geht es nur mit Ketten voran. Aber es sollte sich auszahlen. Die Wolken und der Wind kühlten etwas, und ab und an erlaubte eine Wolkenlücke einen Blick nach unten. Der Anblick war so schön, dass ich sogar zum Pass zurückkehrte und auf den zweiten Gipfel kletterte. Dort sah man weiße Wolken auf den Berg zurasen und direkt, den Gipfel streifend, nach oben ziehen. Ein erhabener Anblick. Und dazu noch dieses Grollen. Grollen? Wie jetzt? Und wieso sind die Wolken am benachbarten Berg so düster? Ob das Gewitter näher kam oder nicht, war schwer zu sagen. Aber ich wollte nicht an einem kahlen Berghang vom Gewitter überrascht werden, also ging es schleunigst runter. Nach 4 Stunden waren die insgesamt rund 1’700 Höhenmeter und 10 Kilometer geschafft, und das Gewitter konnte kommen. In Wirklichkeit hatte es sich jedoch – leider? – verzogen.

Mit 95 Grad leider ein bißchen zu heiß zum Baden...

Kaum zurück in Yufuin und einem Fußbad in einem Fuß-Onsen (sehr entspannend nach einer Bergbesteigung) ging es mit dem nächsten Zug nach 別府 Beppu an der Küste. In Beppu war ich bereits vor rund 10 Jahren, auf meinem Weg von Shikoku nach Kumamoto, aber damals hatte ich keine Zeit für den Ort. Der nächste Tag war deshalb – zumindest teilweise – Beppu vorbehalten. Die Stadt ist vor allem bekannt für seine… genau, Onsen. Etwas entfernt vom Zentrum gibt es zahlreiche mehr oder weniger natürliche Onsen in allen möglichen Formaten – als Schlammvulkane, mit weißem Wasser, rotem Wasser, blauem Wasser (zumindest das blau ist allerdings künstlich), und eine Tour durch die verschiedenen Onsen ist bis zu einem gewissen Grade interessant. Hätte man etliche der Quellen nicht zu einer Art Disneyland ausgebaut.

Von Beppu ging es schließlich weiter mit dem Tsubame-Express nach 宮崎 Miyazaki– das dauert immerhin drei Stunden, aber die Fahrt zwischen Küste und dem Bergland macht die Bahnfahrt recht kurzeilig. Etwas geknickt war ich jedoch, als ich bemerkte, dass der Tsubame-Express nicht mehr das ist, was er mal war: Vor über 10 Jahren war der Zug ziemlich neu und hatte unter anderem ein Stehcafé. Und wenn ich eins liebe, dann ist es, bei einer gepflegten Tasse Kaffee in die vorbeifahrende Landschaft zu glotzen. Diese Zeiten sind vorbei – das Stehcafé wurde wegrationalisiert.

Des Teufels Waschbrett - Aoshima

Die Stadt Miyazaki war relativ unspektakulär. Wahrscheinlich ist es die einzige Präfekturhauptstadt Japans, in der es keine automatischen Fahrkartenschranken gibt, sondern noch alles per Hand entwertet wird. Interessanter war da schon eine kleine Insel namens 青島 Aoshima ein paar Kilometer südlich von Miyazaki. Das winzige, tropisch anmutende Eiland ist nur gute 4 Hektar groß, aber von einer interessanten Gesteinsformation umgeben: Dem Waschbrett des Teufels. Neogenes Sedimentgestein ist bei Aoshima an die Oberfläche gelangt und ist seitdem den Wellen und der Witterung ausgesetzt – das brachte interessante Formen hervor. Aber auch ein Gang in die Mitte der Insel – an einem kleinen Schrein vorbei – ist sehr beeindruckend: Man wähnt sich im Dschungel. Laut Schild am Eingang der Insel (es gibt eine Brücke zum Festland), ist Aoshima die nördlichste Region mit natürlicher subtropischer bis tropischer Flora.
Ach ja – die weitere Umgebung ist übrigens auch für schöne Strände und zum Surfen geeignete Wellen berühmt. Für jemanden wie mich, der sich nach 10 Minuten in der Sonne in ein Häufchen Asche verwandelt, ist das freilich nur bedingt relevant.

Und das war er auch schon – der Kyushu-Bericht. Zurück zum Alltag!

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Reiseplanung – Grausame Tatsachen

Dezember 20th, 2011 | Tagged , | 8 Kommentare | 1150 mal gelesen

Eigentlich wollte ich zwischen Weihnachten und Neujahr mal zur Abwechslung das Land verlassen – schliesslich ist der japanische Yen momentan ziemlich stark und die Gelegenheit von daher recht günstig. Ganz eigentlich dürstet es mich jedoch vor allem, mal wieder in ein neues Land zu fahren. Nach einigem Suchen habe ich dann doch aufgegeben. Es lohnt sich irgendwie nicht, für 4 Nächte stundenlang irgendwohin zu fliegen (ich lebe also doch noch nicht zu lange hier!).

Ex-Herberge in Miyako: Google Maps ist up to date...

Stattdessen mache ich mal wieder etwas, was einfach unlogisch ist: Ich fahre von Tokyo, wo es zu der Zeit kalt und die Tage sehr kurz sind, gen Norden, wo es noch kälter ist – und die Tage noch kürzer sind. Egal. Es gibt drei Präfekturen, die noch nicht in den zweifelhaften Genuss meines Aufenthalts gekommen sind. Dazu zählt Iwate im Nordosten. Für einen Tag soll es dabei auch nach Miyako an die Küste gehen. Der Ort ist für zwei Sachen berühmt: Für seine wilde, zerklüftete Küste. Und dafür, dass der Tsunami im März den halben Ort mitgerissen hat. Als Ex-(?)Geograph treibt mich natürlich auch eine gewisse Neugier: Was geschah da wirklich, und wie sieht es jetzt dort aus?

Also – Unterkunft suchen. Sehr positiv erwähnt wird dort eine kleine, feine Herberge (ein Ryokan, um genau zu sein). Schnell nachgeschaut, wo die Herberge liegt. Und auf Google Street View umgeschaltet. Weia. Da steht nichts mehr. Nur noch das Fundament. Und die Markierung von Google Maps: 浄土ヶ浜旅館 (Jōdo-ga-hama Ryokan). Immerhin hat es wohl die Betreiberin der Herberge samt Familie geschafft, rechtzeitig zu fliehen. Mittlerweilen konnte ich eine andere Unterkunft auftreiben – ein kleines Hotel. Bei denen wurde nur der erste Stock verwüstet.

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Kühe mit zwei Köppen / Urlaubssorgen / Dies und das

Juli 15th, 2011 | Tagged , , | 10 Kommentare | 7668 mal gelesen

Da tauchte also gestern und vorgestern über die Maßen radioaktiv verseuchtes Rindfleisch auf – und alle Welt scheint sich zu wundern. Die Viecher stammten aus der Nähe des Unglücksreaktors, so scheinbar das jetzt übliche Neusprech für Fukushima I, und gelangten ruckzuck in die Nahrungsmittelkette. Jetzt ist entsprechend in den Medien grosses Staunen angesagt: Nanu, wenn man verstrahltes Gras oben in eine Kuh reinsteckt, kommt kontaminiertes Fleisch raus? Wie kann das denn passieren? Dabei werden doch alle Kühe auf Verstrahlung gemessen… naja … zumindest aussen rum. Innen nicht so richtig. Man kann ja schliesslich vor dem Schlachten nicht in die Kuh reingucken, und wenn man sie einmal aufgeschnitten hat, muss man sie schon aufessen.
Nein, die Blauäugigkeit ist schon sehr beachtlich. Manchmal habe ich das Gefühl, dass 99.99% der Leute hier noch gar nicht begreifen, auf welche Spätfolgen man sich hier noch einlassen muss. Noch stehen radioaktiv belastete Nahrungsmittel am Anfang der Nahrungskette – man vermeidet einfach Grünzeug, Fleisch und Milchprodukte aus der Region. Aber das wird zunehmend schwerer – schon beim Joghurt weiss man nicht mehr, wo der herkommt, und bei Tiernahrungsmittel wird es ganz interessant. Wer kann schon sagen, welche Viecher womit gemästet wurden. Für eine Weile wird dann wohl Aussie-Beef herhalten müssen.

Im August steht – endlich – die übliche Woche Urlaub an. Und ich spiele mit dem Gedanken, während der Zeit irgendwo als Freiwilliger im Katastrophengebiet zu arbeiten. Das ist gar nicht so einfach, schliesslich schmollt meine Frau da zu recht: Immerhin gilt es auch, zwei Kinder zu bespassen. Mal sehen. Vielleicht lässt sich ja ein Kompromiss schliessen – zwei, drei Tage als Freiwilliger, der Rest Familienurlaub. Vorerst geht es jedenfalls morgen erstmal mit Familie für drei Tage nach Hamamatsu (liegt zwischen Tokyo und Nagoya) in ein Onsen. Das muss zur Entspannung und zum Akku aufladen erstmal reichen.

Für geringer werdende Blogeinträge muss ich auch gleich noch ein paar Ausreden bemühen: In den letzten Tagen habe ich endlich mein selbstgeschriebenes Bildarchivierungsprogramm fertiggeschrieben (Programm ist etwas zu viel gesagt – es ist eine Webapplikation, eine Art Flickr für den Hausgebrauch). Entsprechend galt es erstmal, mehrere tausend Bilder zu archivieren. Aber es erfüllt seinen Zweck: Ich tippe einfach „Fuji“ ein und schon erhalte ich alle Bilder des Fuji-san, die ich über die vielen Jahre so gemacht habe, schön aufgereiht. Sind doch schon 66 Bilder… immerhin.
Als ob das nicht reichen würde, bin ich nun auch noch „president“ (Geschäftsführer!?) einer Firma geworden. Einer Firma, die sich von meiner bisherigen Firma abgespalten hat. Nein, ich bin nicht der Inhaber, aber falls die Firma mal von jemandem übernommen werden sollte, wäre das… nun ja, vorteilhaft. Ansonsten ändert sich freilich nicht viel: Mehr Arbeit für das gleiche Geld :)

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