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70%-Chance für ein Hauptstadtbeben in den nächsten vier Jahren?

January 24th, 2012 | Tagged , , | 15 Kommentare | 721 mal gelesen

Es ist mal wieder einer solcher Tage, an denen alles zusammenkommt. Nachrichten am Morgen durchgeschaut – und da fällt mir die folgende Nachricht ins Auge: Chance für ein schweres Hauptstadtbeben innerhalb der nächsten 4 Jahre steht bei 70 Prozent. Vor dem schweren Beben im letzten Jahr hiess es diesbezüglich: 70% innerhalb der nächsten 30 Jahre. Von diesen Berechnungen mag man halten, was man will, aber die Tatsache, dass die Plattengrenzen und Verwerfungen seit dem Beben am 11. März 2011 an Stabilität eingebüsst haben, ist nicht von der Hand zu weisen. In den vergangenen 10 Monaten gab es im Schnitt 1.5 Erdbeben der Stärke 3 bis 6 in der Hauptstadtregion – das sind 5 mal mehr als vor dem schweren Beben. Das allseits befürchtete 首都直下地震 shuto chokka jishin – Erdbeben direkt unter der Hauptstadt wird schon lange erwartet, denn auch in der Hauptstadt gibt es zahlreiche Verwerfungen – so zum Beispiel im Nordwesten von Chiba sowie bei Hachiōji. Bei einem Erdbeben rechnet man mit einer Stärke von 6.7 bis 7.2 und einer Opferzahl von ca. 11’000 Menschen – zum Teil verursacht durch Großbrände, die man mit Sicherheit erwarten kann in einem solchen Ballungsgebiet.

Nun gut. Abends kurz vor 9 – ich war gerade in einem Meeting – gab es auch gleich noch mal einen Denkzettel – das Büro fing etwas länger an, zu wackeln. Aber dieses Beben war nicht in Tokyo, sondern in Fukushima, und es war auch “nur” eine 5.1. Dafür ging es draussen jedoch allmählich zur Sache: Heftiger Schneefall, zum Teil begleitet von Blitz und Donner, setzte ein. Nein, langweilig wird es hier wirklich nicht.

Wird am 12. Februar 2012 eröffnet und ist hoffentlich erdbebensicher: Die 2'933 m lange Tokyo Gate Bridge

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Ist Tokyo nun verstrahlt? Oder nicht? Eine Bestandsanalyse

October 17th, 2011 | Tagged , , , , | 10 Kommentare | 1020 mal gelesen

In der vergangenen Woche schreckte eine Meldung zahlreiche Hauptstädter – sowie zahlreiche deutsch- und englischsprachige Blogger und ausländische Medien auf: In 世田谷区 Setagaya-ku, einem relativ zentral gelegenen und vergleichsweise gehobenen Distrikt von Tokyo, wurde an einem alten, zerfallenen Holzhaus eine Strahlenbelastung gefunden, die über der von Iitate liegt. Iitate gilt als einer der verstrahltesten Orte Japans und liegt in der Präfektur Fukushima.

Genauer gesagt fanden Privatpersonen bei einer Messung in Setagaya-ku einen Wert von 2.7 Mikrosievert vor (offizielle Meldung hier, Japanisch). In Iitate misst man momentan (im Schnitt) 2 Mikrosievert. Das sind aufs Jahr gerechnet 23.6 Millisievert. Die Internationale Atomenergiebehörde und zahlreiche andere internationale Behörden empfehlen für Normalsterbliche eine jährliche Dosis von maximal 1 Millisievert (siehe unter anderem hier, Englisch); andere Behörden und Organisationen wiederum gehen von 20 Millisievert pro Jahr als absolut unbedenkliche Menge aus. In Japan gilt der Grenzwert 1 mSv, obwohl man den Wert auf 20 mSv für Teile der Präfektur Fukushima erhöhen wollte bzw. teilweise wohl hat.

Vielleicht mag sich der eine oder andere gewundert haben, warum mir die obige Schlagzeile keinen Beitrag wert war. Nun: Das Ganze roch etwas nach Fisch. Warum? Der Wert erschien mir doch etwas zu hoch. Denn: Seit Monaten misst nicht nur die Regierung. Gottseidank. Mehr und mehr Privatpersonen und Organisationen ziehen mit Geigerzählern durch die Hauptstadtregion und teilen gern ihre Messwerte dem interessierten und besorgten Mitmenschen mit. Das ist gut, lobenswert und sehr wichtig. Und gleichzeitig ein Novum – noch nie haben die Bürger ihrer Regierung so stark misstraut.

Wäre der in Setagaya gemessene Wert nun die Regel, wäre dies auf jeden Fall eher und aus mehreren Ecken publik geworden. Die Medien griffen den Ausreisser gern auf, zumal ein Schulweg an dem besagten Haus vorbeiführt. Die lokalen Behörden nahmen das Haus unter die Lupe – und fanden dort in einem schmalen geheimfach-ähnlichen Hohlraum eine Kiste mit Ampullen. Darin: Radium. Jenes wurde bis in die 1950er unter anderem in Japan häufig verwendet: Zum Beispiel, um die Zeiger in Uhren im Dunkeln leuchten zu lassen. Nun – die Ampullen schienen aus der Zeit zu stammen. Sie wurden entfernt, und jetzt misst man am gleichen Ort weniger als 0.01 Mikrosievert. Das entspricht anderen Messungen.

“Foul!” erschallte es sodann aus allerlei Ecken. “Das riecht ja nach Vertuschung – das stinkt doch irgendwie!”. Nun gut. An dieser Stelle mal die notwendige “What if”- Frage: “Was, wenn dort wirklich jemand Flaschen mit Radium hortete – und die über Jahrzehnte dort lagerten und vergessen wurden?” Ausgeschlossen? Nein. Es ist einfach logisch, dass solche Dinge jetzt ans Licht kommen: Wer ist vor März 2011 schon mit einem Geigerzähler durch Tokyo gerannt? Grund zur Panik oder zur sofortigen Bemühung althergebrachter Verschwörungstheorien? Nein.

Oder? Andere Messung: In der vergangenen Woche wurden in Yokohama an zwei Orten hohe (bzw. relativ hohe) Strontiumkonzentrationen gefunden. Brisant ist daran, dass Strontium zum ersten Mal soweit entfernt von Fukushima gemessen wurde. Und: Strontium ist besonders gefährlich, da es vom Körper anstelle von Kalzium aufgenommen und in Knochengewebe eingebaut wird, um dort später Knochen- und andere Krebsarten auszulösen. Nun lag die maximal gemessene Konzentration in Yokohama bei 195 Becquerel / Kilogramm (Originalmeldung siehe hier), aber es wurde auch noch nicht flächendeckend gemessen. Die Konzentration ist relativ gering, aber es ist nicht mehr zu leugnen: Strontium gibt es nun auch in der Hauptstadtregion.

Das allgemeine Verständnis lautet dieser Tage so:

  • Die Strahlenbelastung in der Luft liegt auf einem (nahezu) natürlichen bzw. vernachlässigbar erhöhten Level
  • Trinkwasser in der Hauptstadtregion ist sicher (unter Nachweisgrenze)
  • Gemüse, Fleisch, Fisch usw: Streckenweise belastet. Leider ist es schwer einzugrenzen – vor allem bei Fleisch und Milchprodukten, da man nicht weiss, wo was verfüttert wurde. Wer bei Meereserzeugnissen auf Nummer sicher gehen möchte, kauft nur, was in Westjapan (Japanisches Meer) oder im Ausland gefangen wurde (jedoch: norwegischer Lachs ist dank englischer AKW auch belastet usw.). Wer bei Gemüse auf Nummer sicher gehen möchte, vermeidet Gemüse aus Fukushima, Miyagi, Saitama, Ibaraki, Tokyo, Chiba, Shizuoka, Yamagata, Niigata und Nagano, wobei jedoch Chiba, Shizuoka, Nagano und Niigata mittlerweilen als unbelasted gelten
  • Wer Kinder hat und in der Hauptstadtregion lebt, vermeidet altes Laub, den Zwischenraum zwischen Häusern, die Gegend um Gullydeckel und eigentlich alle Stellen, an denen sich leicht Regenwasser sammelt.

Zum letzten Punkt muss jedoch folgendes gesagt werden: Die Werte sind bei weitem zu gering, um äussere Strahlenschäden zu bewirken. Es geht hier um die innere Strahlenbelastung ((体)内被曝 – (tai)naihibaku). Eltern sollten deswegen vorsichtshalber sichergehen, dass Kinder nicht auf irgendeine Art und Weise Schmutz aus diesen Bereichen aufnehmen – zum Beispiel, indem sie dort spielen und dann an ihren Fingern lecken usw. Kurzum: Nicht im Laub oder rund um Wassergräben, Gullydeckeln usw. spielen lassen.

Wie geht es weiter?
Es wird noch einiges ans Licht kommen. Die erhöhten Konzentrationen im Grossraum Tokyo werden mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit gegen Mitte 2012 nahezu verschwunden (ausgewaschen) sein – so war es auch in Bayern ein Jahr nach Tschernobyl. Das Auswaschen radioaktiver Partikel wird jedoch noch auf lange Sicht Probleme im Wasserkreislauf verursachen.

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Wachstum

January 10th, 2011 | Tagged , | 9 Kommentare | 648 mal gelesen

Eigentlich ist dieser Blog nicht dazu gedacht, mir bekannte wie unbekannte Leser mit Familienfotos jeglicher Art zu beglücken, aber wer diesen Blog schon lange liest, weiss, dass es alle Jubeljahre mal Ausnahmen gibt.

Während Frau, heuer im 9. Monat schwanger, durch die Schuhgeschäfte zog (meinerseits hoffend, dass unser Sohn nicht in einem solchen geboren wird – aber ich muss dazu auch erwähnen, dass ich meine Frau beinahe dazu zwingen musste, mal ganz allein und für sich selbst auszugehen und Spass zu haben), beschloss ich zusammen mit Töchterchen, zum Tokyo Sky Tree zu fahren – dem neuen Fernsehturm von Tokyo, der insgesamt 634 m hoch werden soll. Nun sehe ich den Tokyo Sky Tree fast jeden Tag – und zwar von meinem Balkon. Fast nur, weil er genau 10 km entfernt liegt und an diesigen Tagen entsprechend nicht sichtbar ist.
Da stand ich also heute mit Tochter und machte es den anderen dutzenden Leuten nach: Ich machte ein Bild für’s Familienalbum. Und fand im Nachhinein das Wachstum der beiden – Tochter und Turm – interessant. Tochter: 1,10 m gross, gerade 4 Jahre alt geworden. Turm: 539 m gross, 3½ Jahre alt. Wie schnell die Zeit doch vergeht!

Nun muss ich meine Tochter nur noch bearbeiten, auf dass sie zusammen mit mir Ende April nach Deutschland fliegt. Bis gestern war sie noch Feuer und Flamme – doch dann machte ich gestern den Fehler, ihre Frage “Gibt es in Deutschland Hexen?” mit “Ja, doch! Sicher” zu beantworten. Danach war es aus mit der Reisevorfreude. Ich konnte einfach nicht lügen… meine Biologielehrerin ging mir nicht aus dem Kopf…

So, genug mit Familiengeschichten gelangweilt.

Das Wort des Tages: 成長 seichō. Werden-länge. Wachstum.

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Volksbelustigung Fischmarkt: Die Touristenplage

May 11th, 2010 | Tagged | 5 Kommentare | 476 mal gelesen

Es gibt kaum einen Reiseführer, der ihn nicht als absoluten Geheimtipp und must-see auflistet: Der 築地市場 Tsukiji-Markt, Tokyos und vielleicht sogar der Welt grösster Fischmarkt. Ein 23 Hektar grosses Gelände mit riesigen Lagerhallen, einem Geflecht unzähliger kleiner Läden, geschätzten 1,000 Zwischenhändlern, vielen kleinen Sushiläden, Kneipen usw. usf. Tsukiji ansich ist auf jeden Fall einen Abstecher wert, auch am Tage und am Abend, aber Reiseführer erwähnen den Ort vor allem wegen der Fischauktion im Allgemeinen und der Thunfischauktion im Speziellen. Der Grund dafür ist die Atmosphäre, das Geschrei, die grossen, gefrorenen Thunfischkadaver und all das andere Meeresgetier, das man höchstens mal bei Sielmann zu Gesicht bekam.

Aber was muss man da hören – die Touristen benehmen sich ganz unanständig, stören durch ihre blosse Anwesenheit das Treiben, fassen die Ware an, fotografieren trotz Verbotes mit Blitzlicht! Was also tun? Der Besucheransturm hat in den letzten Jahren eindeutig zugenommen, trotz der Tatsache, dass die Auktion um 4:30 morgens beginnt und vor um 6 zu Ende ist.
Aus Verzweiflung sperrte man neulich sogar die Auktion für Besucher, doch vergrellen möchte man die Touristen auch nicht – immerhin will man 10 Millionen Touristen pro Jahr nach Japan locken.

Mittlerweilen ist Tsukiji wieder für Besucher geöffnet, aber man hat nun eigens Ordnungspersonal angeheuert und den Zugang begrenzt – jetzt dürfen nur noch 140 Besucher zur Auktion (an manchen Tagen kamen wohl bis zu 500). Ausserdem müssen sich Besucher Warnwesten anziehen und dürfen nicht mehr frei in der Gegend zwischen all den Waren herumstehen.

Wie es nunmal so ist, war ich trotz zahlreicher Jahre in Japan noch nie bei der Auktion, obwohl sie bestimmt ganz interessant ist. Dabei ist Tsukiji von hier gerade mal 20 Minuten entfernt. Wenn ich mir allerdings Thunfisch ansehen möchte, gehe ich dann doch eher ins benachbarte Meeresmuseum (dort schwimmen lebende Exemplare herum) oder zum Sushiladen.

Das Wort des Tages: 魚市場 uo-ichiba. Uo = Fisch, ichiba = Markt.

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Goldene Woche 2010

May 9th, 2010 | Tagged , , | 2 Kommentare | 464 mal gelesen

Nun ist die goldene Woche vorbei und damit auch meine Internetpause – in den vergangenen 10 Tagen habe ich mal eine Auszeit vom Internet genommen und maximal meine Emails mit dem Handy aka Natel abgerufen. Muss auch mal sein. Dieses Jahr stand zur Goldenen Woche Besuch aus Deutschland an – meine Tochter hatte somit ihre Freude am Besuch von Oma und Opa aus Deutschland.
Unter anderem ging es dieses Mal in einen bekannten Erholungsort namens Kusatsu: Bloggerkollege Lori kennt sich dort bestens aus und hat der deutschsprachigen Leserschaft bereits einen ausführlichen Artikel in der Wikipedia hinterlassen (was mich freilich nicht dran hindern wird, selber dem Ort eine Seite innerhalb dieser Webseite zu widmen). Kusatsu (genauer gesagt Kusatsu-chō, denn es gibt noch mehr Orte gleichen Namens in Japan) liegt rund 150 km Luftlinie nordwestlich von Tokyo und ist ganz den heissen Quellen gewidmet. Die Stadt liegt gute 1,200 m über dem Meeresspiegel, nicht (mehr) ganz mit der Bahn erreichbar und von aktiven Vulkanen umgeben. Ende April/Anfang Mai ist dabei, gutes Wetter vorausgesetzt, eine günstige Jahreszeit: Während in Tokyo die Kirschblüte bereits vor drei Wochen zu Ende ging, stand die Kirsche rund um 1,000 Meter Höhe in voller Blüte – und in Kusatsu noch nicht. Stattdessen gab es hier und dort noch Schneereste. 800 Meter oberhalb lag dabei noch meterhoher Schnee.
Nahe Kusatsu gibt es zwei aktive Vulkane – den Asama-yama (2,568 m) sowie den 2,160 m hohen Kusatsu Shirane-san. Der wartet mit einer Besonderheit auf: In einem der drei Krater liegt der smaragdfarbene Yugama (=Heisswasserkessel), ein kleiner, fast runder und tödlicher See – mit einem pH-Wert von 1.2 ist das Seewasser saurer als Batteriewasser. Der Shirane-san und der See sind sehr gut mit Seilbahn/Bus/Auto erreichbar – während der Goldenen Woche tobt dort natürlich der Bär.


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Bemerkenswert war unsere Unterkunft – eine Pension, betrieben von einer Familie. Die Zimmer und die Einrichtung an sich waren eher unterer Standard (aber dem Preis angemessen). Interessant war jedoch das Ristorante im Erdgeschoss. Bei der Reservierung wurde ich gefragt, ob wir dort essen möchten. Ich war mir anfangs nicht sicher, ob wir das möchten, und fragte nach, ob man sich zu einem Besuch im Restaurant auch spontan entscheiden und à la carte bestellen kann. Die Antwort war “nein”. Man muss reservieren. Und eine Speisekarte gibt es nicht – es gibt nur ein Menü, es wird also gegessen, was auf den Tisch kommt. Preis pro Person: ab 50 Euro. Nun, wir (8-köpfige Familie) reservierten dann doch, und wir sollten es nicht bereuen. Das Essen bestand aus 6? 7? Gängen. In das Restaurant passen nur 10 Leute – dementsprechend wurde an dem Abend nur für uns gekocht. Der Sohn der Betreiberfamilie hatte sich der italienischen Küche verschrieben und jene drei Jahre vor Ort studiert. Die Zutaten waren erlesen: Alles Gemüse war selbst oder von Bekannten angebaut, der Speck und Fisch selbst geräuchert, der Pastateig selbst gemacht, das Brot (drei Sorten) und der Schmalz dazu selbst gemacht – ja, selbst der Digestif (Zitronenlikör) war selbst angesetzt. Die Darbietung und der Geschmack stimmten, und ebenso die Kreativität: Das ganze war eine mehr als gelungene Fusion aus traditionell italienischer Küche, verwirklicht mit besten Zutaten aus Japan. So gut Italienisch hatte ich seit Jahren nicht mehr gegessen. Da hat sich wirklich jemand mit Leib und Seele seinem Fach verschrieben (eine Eigenschaft, die ich an vielen Japanern schätze). Wer etwas neues in der italienischen Küche probieren möchte, sollte nach Japan kommen.

A propos gutes Essen: Heute hatte ich zum ersten Mal die Ehre, in einem 2-Sterne-Restaurant zu … speisen. Wie ja hier bereits erwähnt, ist Tokyo die Stadt mit der höchsten Anzahl von Michelin-besternten Restaurants. Allein 25 haben zwei Sterne. Jenes heute war der französischen Küche verschrieben. Die gesamte Einrichtung und der Service waren erwartungsgemäss tadellos – mit Liebe zum Detail (Beispiel: Ein Bastkorb auf den Toiletten mit kleinen, allesamt einheitlich gefalteten Stofftüchern zum Händetrocknen anstelle von Papiertüchern und/oder Heissluftgebläsen). Das Essen selbst war freilich auch erlesen – mit sehr interessanten Geschmackskombinationen, mitunter ungewöhnlicher Konsistenz und natürlich kleinen Portionen (was freilich durch den uneingeschränkten Nachschub von selbstgebackenem Brot kompensiert wird). Ginge es dabei allein um die Speisen an sich, muss ich dabei jedoch anmerken, dass besagtes italienisches Restaurant in Kusatsu dem heutigen Restaurant kaum in etwas nachstand.

Anbei möchte ich auch folgendes Foto, aufgenommen vor vier Tagen in Tokyo, nicht vorenthalten: Der Tokyo Tree Tower beim Stand von 368 Metern Höhe. Während der Goldenen Woche bin ich zum ersten Mal zur Baustelle und Umgebung in 押上 Oshiage gefahren. Die Gegend nahe des Turms sah sehr shitamachi-ähnlich aus – die Nachbarschaft besteht aus kleinen, sehr eng aneinander gebauten, zum Teil recht zerfallenen Wohnhäusern – eines der Viertel, in denen man nicht leben möchte, wenn einmal ein schweres Erdbeben die Hauptstadt trifft. Eines dürfte jedoch klar sein: Mit dem Riesenturm dürfte sich etliches dort ändern. Ob die Einwohner damit glücklich sind? Das darf bezweifelt werden….

Das Wort des Tages: 酸性 sansei – (chem.): sauer.

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20TOKYO10 – Ideen gesucht

March 21st, 2010 | Tagged , , | 7 Kommentare | 525 mal gelesen

Heute abend habe ich Niko getroffen – ein Schweizer Typograf, Fotograf und Videokünstler, der momentan (mal wieder) in Tokyo weilt. Niko alias nubero hat bereits früher einen sehr kurzen Film über das Nachtleben gemacht – im timelapse-Verfahren. Der Film ist entsprechend eher eine Installation aus zahllosen Fotos mit passend eingebauter Geräuschkulisse. Lange Rede, kurzer Sinn – seht es Euch selbst an (ist kurz):

Momentan ist ein neues Werk in Planung unter dem Arbeitstitel 20Tokyo10: Die Idee ist, verschiedene Leute aus Tokyo zu Wort kommen zu lassen – eine Collage aus ungeschnittenen Interviews in verschiedenen Sprachen und passenden Fotos. Die Idee dahinter ist die Tatsache, dass es zwar sehr viele Dokumentationen über Japan gibt, viele dabei allerdings ziemlich alt sind.

Über die Qualität des Schnittes und der Umsetzung schlechthin mache ich mir bei Anblick des Erstlingswerkes keine Sorgen, aber der Film lebt und stirbt mit der Auswahl der Menschen, die zu Wort kommen. Deshalb an dieser Stelle ein kleiner Aufruf: Wer hat Ideen für die Auswahl der Menschen, die zu Wort kommen sollen? Wer kennt jemanden, der interessant und interessiert sein könnte? Es können Japaner sein und Ausländer – die Sprache kann Englisch, Deutsch oder Japanisch sein. Über jegliche Vorschläge würden sich nubero und meine Wenigkeit sehr freuen – das ganze könnte sehr interessant werden.

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Von falschen Weihnachtsmärkten, Godzilla und Bettlern

December 12th, 2009 | Tagged , | 17 Kommentare | 851 mal gelesen

Auf der verzweifelten Suche nach einem Hauch Weihnachtsmarkt ging es heute zum Tokyo International Forum, denn dort findet momentan der Marché de Noël de Strasbourg a Tokyo – der “Strassburger Weihnachtsmarkt” – statt. Um meinen Mitlesern, die sich auch im Raum Tokyo aufhalten und krampfhaft versuchen, ihren Kindern oder sich selbst so etwas wie vorweihnachtliche Stimmung vorzugaukeln, einen unnützen Weg zu ersparen, hier ein paar Zeilen dazu:

Was es gibt: Ca. 10 kleine Holzbuden und ein winziges Kinderkarussell. Dazu viel zu viele Leute.
Was es nicht gibt: Glühwein, weihnachtliche Stimmung, genügend zu essen.

Offener Brief an die Veranstalter: Schon mal was von Angebot und Nachfrage gehört? Schon mal mit dem Gedanken gespielt, das ganze zwei Fressbuden für einen grossartig angekündigten Weihnachtsmarkt im Zentrum von Tokyo unter gewissen Umständen nicht ganz ausreichen könnte? Nein? Ein Indiz dafür könnten die jeweils ca. 100 m langen Schlangen von Menschen sein, die verzweifelt versuchen, etwas zu essen zu fassen…

Nach einem anschliessenden Spaziergang im nahen Hibiya habe ich mal wieder eins festgestellt: Ich kenne Tokyo nicht. Wahrscheinlich weiss so ziemlich jeder Tagesbesucher der Stadt aufgrund vorangegangener Lektüre von Reiseführern und anderen Quellen, dass es in Tokyo ein Godzilla-Denkmal gibt. Ich wusste es bis dato jeweils nicht:

Gut 50 Jahre alt und noch immer topfit – Godzilla

Das ganze ist freilich nur eine Sache der Perspektive: In Wahrheit ist der Godzilla eher – wie sagt man so schön – “knuffig”: Das dem Gorilla-Wal-Mutanten hier also ein Monument errichtet wurde, ist eine leichte Übertreibung, aber es ist schon ein schönes Denkmal.

Godzilla-Denkmal in Hibiya

Im nebenan liegenden Hibiya-Park gab es dann noch ein Novum: Ich wurde erstmals in Japan um Geld angebettelt. In Deutschland und anderswo ist das, zumindest in einigen Städten und Stadtvierteln, völlig normal, aber in Japan habe ich das in all den Jahren noch nie erlebt (und ehrlich gesagt auch nicht erwartet). Vor knapp einem Jahr gab es ja im Hibiya-Park eine temporäre Zeltstadt massenhaft entlassener Leiharbeiter, doch wie es aussieht, sind ein paar der Leute dort geblieben. In dieser Angelegenheit bin ich allerdings nachwievor stur: Ich spende zwar regelmässig für Organisationen (z.Z. “Ärzte ohne Grenzen”), aber nicht für einzelne Personen. Was mich im nachhinein jedoch interessieren würde ist die Antwort auf die Frage, ob besagter Mann (ich tippe mal auf ein Alter um die 50) mich “angehauen” hat, weil ich Ausländer bin, oder ob er auch seine Landsleute fragt. Obwohl “fragen” nicht ganz passend formuliert ist: Er brachte es gleich auf den Punkt: “ねぇねぇ、お金チョーダイ!” – Du da, gib mir Geld.

Das Wort des Tages: 物乞い – monogoi. – “um Sachen bitten”. Bettler, betteln.

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Design-Festa: Kunst, Kunst, Kunst

October 24th, 2009 | Tagged , , | 18 Kommentare | 545 mal gelesen

Seit 1994 findet sie statt, und das zwei Mal im Jahr – dementsprechend findet in diesem Jahr die 30. Auflage des Design-Festa statt. Das Konzept ist denkbar einfach: Es kann jeder teilnehmen, der irgendetwas originelles macht, und zwar umsonst. Dieses Jahr sind es insgesamt 8,500 Künstler. Besucher bezahlen hingegen Eintritt, aber der ist recht zivil: Ein Tagesticket kostet 800 Yen im Vorverkauf, ansonsten 1,000 Yen vor Ort. Das Fest dauert zwei Tage – wer beide Tage gehen möchte, zahlt 1,800 Yen.

Das Hauptquartier der Organisatoren inkl. zweier Galerien liegt etwas versteckt in Harajuku, der Modehochburg von Tokyo. Die Gebäude kann man, so man die Ecke gefunden hat, kaum verfehlen (siehe oben). Die ganze Ecke dort ist ein Künstlerviertel, sehr ruhig, mit vielen interessanten Boutiquen und Cafés (so zum Beispiel das genial gelegene Café bzw. Restaurant zwischen den beiden Design Festa-Galerien).

Im Mai fand das Design-Festa in Odaiba statt, dieses Wochenende ist es in Big Sight, eines der grössten Ausstellungsgelände der Stadt (Rinkaisen: Bahnhof 国際展示場 Kokusai Tenjijō und Yurikamome-sen, Bahnhof 有明 Ariake). Das sind riesige Hallen, in denen sich alle möglichen Künstler einfinden – Kleidungs- und Schmuckdesigner, Kalligraphen, Kleinkünstler usw. usf. Grosser Vorteil: So die Künstler etwas herstellen, kann man es dort meistens auch kaufen. Und da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Ansonsten ist die Atmosphäre natürlich fantastisch, da wirklich jeder mitmachen kann.

Oben eine Auswahl an “Dumme-Sprüche-T-shirts”, die es auch hier vereinzelt gibt. Praktisch: Das T-Shirt in der linken Mitte, dass da sagt “私はアメリカ人ではありません” – Ich bin kein Amerikaner. Kann in Japan mitunter praktisch sein, und wer das anzieht, kommt bestimmt schnell mit den Einheimischen ins Gespräch.

Ach ja, auch Kulinarisch gibt es ein paar kunstvolle Sachen. Und zu guter letzt dürfen bei Kunst auch die Musiker nicht fehlen – aussen wie innen gibt es jeweils eine Bühne, in der viele Bands ca. 30 Minuten Zeit haben, sich darzustellen.
Darunter war heute eine Band namens 白病 Shiroyamai (zu deutsch: Weisse Krankheit), eine interessante Metal-Band aus Japan in bester Zombie-Manier. Webseite gibt es hier. Aufgrund des Regens schauten sich nur sehr wenige das ganze von Nahem an, aber die Band gab trotzdem alles – und war allen Anschein nach gut angetrunken. Unten ein Video des Auftritts, das ich heute aufgenommen habe:

Das Design-Festa wird übrigens auch im Ausland immer bekannter – mittlerweilen reisen Künstler auch aus anderen Ländern Asiens, aus Amerika, Australien und Europa an. Die Hauptwebseite (mehrsprachig, sogar mit deutsch) findet man hier.

Wer also morgen in Tokyo weilt und eh nichts besseres vorhat (es soll ja regnen), sollte mal vorbeischauen – es lohnt sich.

Das Wort des Tages: 芸術 geijutsu. Die Kunst.

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Verschwinden Autobahnen von Tokyos Oberfläche?

July 30th, 2009 | Tagged , , | 16 Kommentare | 762 mal gelesen

Geht es nach dem Willen des Rotary Clubs, zahlreicher Politiker und Lobbyverbände, ja.
Wie Pulsadern durchziehen die Schnellstrassen die Hauptstadt – in den meisten Fällen auf Stelzen, über Flüssen (siehe hier, mehretagig übereinander usw. Diese Pulsadern sind nahezu täglich verstopft, und der Hauptstadtluft ist das ganze auch eher abträglich.
Allmählich nimmt aber ein interessanter Plan Gestalt an und begeistert mehr und mehr Politiker, darunter auch Ishihara, den Gouverneur von Tokyo.

Kernpunkt des Planes ist die Idee, alle Autobahnen unter die Erde zu verbannen – und zwar in Tiefen von 40 m und tiefer. Welche Vorteile hätte dies?

- Trassen könnten mit idealer Länge geplant werden – die jetzige Trassenführung ähnelt eher Schlangenlinien

- Tokyos Luft würde eindeutig besser werden: Die Abluft aus den Röhren kann gefiltert werden

- Mehr Erdbebensicherheit: Schwankungen unter der Erde sind deutlich geringer

- Mehr Sicherheit – durch intelligente Verkehrskonzepte

- Kürzere Fahrtzeiten – damit geringerer Spritverbrauch, geringere Emission, weniger Unfälle

- Bequeme Planung: Bei 40 m Tiefe hören die Grundstücksrechte auf – es ist egal, wer was darüber besitzt

- Bessere Lebensraumqualität

Natürlich stellt sich hier sofort die Frage nach der Finanzierung – wer soll die Milliarden dafür aufbringen? Aber auch hier stellen sich etliche Vorteile heraus:

- Die öffentliche Hand gibt momentan alljährlich 70 Milliarden Yen, also über eine halbe Milliarde Euro, für die Instandhaltung der Autobahnen aus: Dieser Betrag reicht jedoch nicht, die Substanz verfällt.

- Das Projekt könnte mit privaten Investoren angeschoben werden – und mittels Schuldbriefen mit extrem langer Laufzeit (40 Jahre und mehr) – finanziert werden (man schätzt die Kosten des Baus, der Entfernung jetziger Trassen und der Umwidmung jetziger Autobahnflächen auf ca. 4 Billionen Yen, also 30 Milliarden Euro (das sind 60 Berliner Stadtschlösser).

- Der Bau wäre gleichzeitig eine gigantische wirtschaftliche Hilfe für die Stadt – wenn nicht gar das Land – und würde zehntausende Arbeitsplätze schaffen.

Im Grossen und Ganzen kann man da nur zustimmen – also ich bin dafür! Man darf gespannt sein, wie sich das weiter entwickelt.

Hier ein interessantes PDF vom Ministerium für Land, Infrastruktur, Transport und Tourismus sowie ein kleines Filmchen vom 経営同友会 (ein Wirtschaftsinteressenverband).

Das Wort des Tages: 大深度高速道路 daishindo kōsoku dōro – “Grosse Tiefe – Schnellstrasse”. Der Name des gigantischen Projekts.

P.S. Aufgrund der unerwarteten Resonanz mehr zur Wahl und den Parteien später…

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Oktoberfest (!)

June 1st, 2009 | Tagged , | 7 Kommentare | 942 mal gelesen

Ja, richtig gelesen – Oktoberfest. Das fand vergangene Woche im Hibiya-Park (zwischen Ginza und dem Regierungsviertel, zentraler geht es nicht) statt. Vor vier Jahren war ich schon ein Mal dort, und es war ganz amüsant.
Oktoberfest bedeutet hier ein kleines Festzelt (ich tippe mal auf ca. 150 Personen, die da reinpassen) sowie viele Holztische und -bänke ausserhalb. Ein paar Wagen von Paulaner, HB usw. die Bier und Essen verkaufen. Sowie eine Kapelle, die hin und wieder vor sich hin blasmusiziert. Die meisten Gäste (es wird meistens ziemlich voll) sind natürlich Japaner; ansonsten trifft man auch zahlreiche Amerikaner, Australier und eine Handvoll Deutsche. Wie beim Münchner Vorbild sozusagen. Schön wäre es, wenn die Preise auch wie in München wären: Eine Mass Bier kostet geschlagene 3,000 Yen (ca. 24 Euro) und ein Schlag Würste um die 700 Yen (5.5 Euro).


Oktoberfest in Tokyo
Nächstes Mal im Oktober bitte: Ins Wasser gefallenes Oktoberfest im Mai, Tokyo
Das Wetter machte uns leider einen grossen Strich durch die Rechnung – es war ein Mix aus abwechselnd einer Minute seichtem Regen und 10 Minuten Starkregen. Tja, es wäre schon eine gute Idee, das Oktoberfest dann stattfinden zu lassen, wenn es normalerweise stattfindet: Im Oktober. Da herrscht in Tokyo nämlich bestes Biergartenwetter.
Saupreiss der ich bin, liessen mich natürlich Brezeln und Hefe kalt – ich entschied mich für Bitburger und Berliner Currywurst.

Hier noch der Link zur offiziellen Seite – das Oktoberfest findet hernach auch noch in Yokohama, Sendai, Fukuoka usw. statt.

Das Wort des Tages: 豪雨 gōu. prächtig-Regen. Zu Deutsch: Starkregen.

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