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Airbnb bekommt grünes Licht in Japan

März 13th, 2017 | Tagged , , , | 2 Kommentare | 870 mal gelesen

Jetzt völlig legal: Airbnb in Japan

Jetzt völlig legal: Airbnb in Japan

Heute hat das japanische Parlament eine interessante Entscheidung getroffen: Airbnb ist demnach ganz offiziell legal in Japan. Allerdings nicht ganz ohne Einschränkungen. Einerseits dürfen Airbnb Anbieter ihre Wohnungen oder Häuser maximal an 180 Tagen im Jahr vermieten. Und: Man spricht den Kommunen das Recht zu, eigene Beschränkungen zu erlassen. Ob die Kommunen davon Gebrauch machen werden, bleibt abzuwarten.

Neuesten Zahlen zufolge besuchten im Jahr 2016 sage und schreibe 24 Millionen Ausländer Japan (ein Rekord – und in Tokyo ist es deutlich spürbar: es wimmelt nur so von ausländischen Besuchern!), und 3,7 Millionen dieser Besucher, also 15%, nutzten Airbnb. Analysten schätzen, dass diese Zahl im Jahr 2020 auf bis zu 35 Millionen steigen könnte. Leider ist nicht klar, ob damit die Zahl der Airbnb-Nutzer oder die Zahl der Airbnb-Übernachtungen gemeint ist (ich vermute, eher letzteres).

Bisher war Airbnb ein etwas riskantes Geschäft in Japan – nicht für die Kunden, sondern für die Anbieter – denn es war nicht klar, ob dieses auch für Japan neue Geschäftsmodell geduldet werden würde. Die Beschränkungen dürften allerdings einigen Anbietern die Freude vergällen. Andererseits kommt die offizielle Genehmigung zur rechten Zeit: Einerseits steigen die Besucherzahlen seit einigen Jahren kontinuierlich. Andererseits stehen in den kommenden Jahren grosse Ereignisse an, so zum Beispiel die Rugby-WM 2019 und die Olympischen Spiele in Tokyo im Jahr 2020.

Persönlich habe ich Airbnb bisher noch nie benutzt. Mein Schwiegervater zum Beispiel schon – bei seiner letzten Tour nach Okinawa. Wenn man sich die Qualität der japanischen Hotels in der unteren Preisklasse jedenfalls so anschaut, ist die Verbreitung von Airbnb jedenfalls begrüßenswert. Und notwendig: Es fehlt, vor allem bei grossen Veranstaltungen, oftmals schlichtweg an Unterkünften. Selbst in der Nähe des Flughafens Haneda, der ja immer mehr internationale Flüge aufweist, fehlt es an Unterkünften, was jedes Mal ein Ärgernis ist, da etliche Flüge so früh starten oder so spät landen, dass man auf eine Übernachtung angewiesen ist.

Airbnb’s Japan-Seite befindet sich übrigens hier.

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Fundgrube Mandarake

Februar 24th, 2017 | Tagged | 1 Kommentar | 494 mal gelesen

Am vergangenen Wochenende habe ich es doch tatsächlich geschafft, eine DER Hauptattraktionen Tokyos (zumindest für viele Japanbesucher) zu sehen: Eine Filiale, genauer gesagt die Ur-Filiale des Unternehmens Mandarake Inc. Die Firma startete in den 1980ern als An- und Verkauf von Mangas, hat heute über 300 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von knapp unter 100 Millionen Dollar. Drei Filialen gibt es in Tokyo – in Akihabara, Shibuya und eben auch in Nakano.

Das Geschäftsmodell an sich ist eine Goldader, denn auch in Japan gilt die Buchpreisbindung (Bücher dürfen also nicht unter dem auf der Rückseite gedruckten Preis verkauft werden), und Japaner sind mangaversessen. Doch die Aufnahmekapazität der Wohnungen ist begrenzt, also werden Manga auch oft wieder verkauft, und dann gilt die Buchpreisbindung nicht mehr. Mandarake kaufte und kauft auch gern Restbestände auf und verkauft diese je nach Nachfrage mal billiger, mal teurer. Der Rekord liegt wohl bei 8’000 Euro (oder so) für ein Manga.

Mandarake in Nakano, Tokyo

Mandarake in Nakano, Tokyo

Das Geschäftsmodell wurde erweitert – heute bekommt man dort auch mehr oder weniger seltene Spielzeuge, Actionfiguren, Accessoires, Sammelkarten – einfach alles, was Sammelherzen höher schlagen läßt. Zumindest die Niederlassung in Nakano ist dabei sehr interessant (ich nehme mal an, die anderen auch), denn dort gibt es auf drei Etagen verteilt unzählige Läden, in denen man völlig problemlos einen ganzen Tag verbringen kann. Sagt jemand, der sich nicht besonders für Manga interessiert – für Mangaliebhaber ist bestimmt eine ganze Woche drin.

Besonders hat es mir der Lego-Todesstern angetan – 3’449 Teile – den ich am liebsten meinem Sohn gekauft hätte, aber der Preis von gut 300’000 Yen, also rund 2’500 Euro, war mir dann doch ein bisschen hoch. Hmm. Irgendwann muss ich wohl doch wieder dorthin…

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Willkommen in der Spielhölle

Dezember 12th, 2016 | Tagged , , | 4 Kommentare | 654 mal gelesen

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich in einem Cafe im 2. Stock am Fenster auf einen Gast aus Deutschland wartete. Ich sah, wie besagte Person aus dem Bahnhof kam und die Straße entlang ging. Dabei kam sie so nahe an einer Pachinko-Halle vorbei, dass sich die automatische Tür öffnete. Aus der Tür heraus drang umgehend ein mörderischer Lärm – und mörderischer Zigarettenqualm. Sie stolperte regelrecht und wäre fast auf den Bürgersteig gepurzelt. Dabei hatte sie die Halle noch nicht einmal betreten…

Gestern hatten wir uns mit guten Freunden aus unserem alten Wohnort verabredet – in der Mitte, in einem sehr bekannten Vergnügungs- und Einkaufsviertel (Odaiba). Nach ein paar Runden Bowling, Tischtennis und dergleichen zog es die lieben Kleinen in ein ゲームセンター Game Center. Einer der Orte, die ich in Japan versuche, zu vermeiden. Der ganz normale Wahnsinn eines Japanischen Game Centers kommt übrigens in der Komödie Wasabi ganz gut rüber. Das Game Center im Diver City in Odaiba gehört zu den größeren, und braucht nur ein paar wenige Schritte vom Empfang laufen, um mitten drin zu stehen. Das ganze sieht dann so aus, und um die Atmosphäre auch möglichst authentisch zu geniessen, sollte man beim Betrachten des Videos die Laustärke auf Maximal stellen:

gamecenter

Alle Achtung: 100 Dezibel im Game Center

Alle Achtung: 100 Dezibel im Game Center

Schnell mal eine App zur Geräuschpegelmessung heruntergeladen, und siehe da: Der Pegel liegt bei konstanten 99 Dezibeln. Da darf man mal ganz kurz raten, wo die gesetzliche Obergrenze für den Geräuschpegel in Game Centers in Japan liegt, in denen auch Kinder spielen dürfen. Immerhin ist das ein bisschen leiser als in Pachinko-Hallen, denn dort geht es bis 110 Dezibel hoch.

Als Vergleich einmal die Beschreibung der Laustärke in der Süddeutschen:

80 bis 100 dB (A) erreichen vorbeifahrende LKWs, Motorsägen oder Winkelschleifer. Hier droht bei Dauerlärm bereits der Gehörschaden.

beziehungsweise von 110 Dezibel:

Bei 110 dB (A) ist die Schmerzgrenze erreicht. Kreissägen und Presslufthämmer liegen in diesem Bereich, aber auch der Lärm in Diskotheken oder die Musik aus dem Walkman.

Kein Ort also, an dem man sich freiwillig länger aufhalten möchte. Bei Kindern ist jedoch etwas ganz erstaunliches festzustellen: Sonst überaus geräuschempfindlich, scheint ihnen dank Reizüberflutung die Lautstärke im Game Center völlig egal zu sein. Wieso sich jedoch so viele japanische Paare zum Date im Game Center treffen, ist mir persönlich etwas schleierhaft, denn eine Unterhaltung ist dort fast unmöglich. Aber vielleicht bin ich da auch nur zu altmodisch. Auf jeden Fall habe ich nach einer guten Stunde im Game Center die Stille der japanischen Schnellstraßen und Einkaufsviertel sehr genossen.

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Teure Olympische Spiele | Mercedes-Raamen

Dezember 1st, 2016 | Tagged , , | Kommentare deaktiviert für Teure Olympische Spiele | Mercedes-Raamen | 444 mal gelesen

Auch heute gibt es wieder zwei Nachrichten auf ein Mal.

Die erste betrifft die Olympischen Spiele in Tokyo 2020: Vorgestern, am 29. November 2016, kamen IOC-Mitglieder, das Tokyo-Komitee für die Olympischen Spiele, Vertreter der japanischen Regierung sowie Vertreter der Stadtverwaltung von Tokyo in einem Hotel der Stadt zusammen, um den Stand der Dinge zu diskutieren. Dabei ging es unter anderem um die anhaltende Diskussion über die Auslagerung einiger Wettkampftstätten nach Tohoku sowie um die Kosten der Spiele. Und dort gab es einen Offenbarungseid. Während der Präsentation über die Spiele im Jahr 2013 hieß es, dass der ganze Spaß cirka 734 Milliarden Yen, also rund 6 Milliarden Euro kosten wird. Bei der Versammlung am Dienstag hiess es jedoch nun, dass man versuchen werde, nicht mehr als 2 Billionen Yen, also 16,5 Milliarden Euro, für die Spiele auszugeben, aber die neue Ratsherrin von Tokyo, Yuriko Koike, brachte auch schon 25 Milliarden Euro als mögliche Kosten ins Gespräch. Ein Grund für die Kostenexplosion war auch schnell gefunden (nicht von Koike, wohlgemerkt): Der alte Voranschlag habe eben noch nicht Kosten für Transport, Sicherheit usw. enthalten. Nun ja.

Der Kostenexplosion wird vermutlich der Vorschlag zum Opfer fallen, die Ruderer in die hunderte Kilometer weiter nördlich gelegene Präfektur Miyagi zu schicken – zu einer Anlage in 長沼 Naganuma. Man argumentierte, dass dies einen belebenden Effekt auf die von der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe gebeutelte Region haben könnte, und dass der Ort zwar weit entfernt liegt, dies aber dank des Shinkansens kein Problem sein sollte, was soweit auch korrekt ist. So gesehen also keine so falsche Idee. Man darf jedoch gespannt sein, wie sich die Kosten weiter entwickeln werden. Und falls jemand beim Lesen dieser Zeilen gerade ein Déjà vu hatte — richtig, auch die Olympischen Sommerspiele 2012 in London wurden mit rund 6 Milliarden Euro veranschlagt, kosteten aber letzendlich fast 14 Milliarden. Dass man das in Tokyo für wesentlich weniger Geld hinbekommt, klang von vornherein relativ unwahrscheinlich.


Zur zweiten Nachricht: Wie jetzt bekannt wurde, wird Mercedes Benz in den nächsten Tagen und Wochen in seiner Hauptniederlassung in Roppongi, Tokyo, ラーメン Raamen verkaufen. Erklärtes Ziel ist es, Japaner zu überzeugen, dass Mercedes mehr als eine Luxusmarke für Gutbetuchte ist. Und so hat man sich die berühmte chinesisch-japanische Nudelsuppe als Kundenfänger ausgesucht, denn Raamen ist „Volksessen“, also quasi das, was dem Deutschen seine Curry- oder andere Wurst ist. Zwei Varianten wird es geben: 陸 riku (Land), mit Entenfleisch und Pilzen, sowie 海 Umi (Meer) auf Fischbrühenbasis. In letzerer Variante schwimmt dann auch Mochireis mit dem obligatorischen Stern eingebrannt. Eine Schüssel kostet wohl 1’200 Yen (10 Euro), also etwas mehr als üblich für Raamen, aber keinesfalls abschreckend teuer.

Mercedes Benz-Ramen. Quelle: WithNews

Mercedes Benz-Ramen. Quelle: WithNews

Ein veritabler Marketingtrick, denn erstens gibt es unzählige Raamenfanatiker in Japan, die man so in die Ausstellungsräume locken kann, und zum anderen gibt es genug Idioten wie mich, die sich darüber die Finger wund schreiben. Aber da ich selber Ramen-fan bin, war mir das ein paar Zeilen wert.

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Buntes Allerlei: Erdbeben | Schnee | Abe’s Fehlgriff und Geschichtsstunde

November 24th, 2016 | Tagged , , , | Kommentare deaktiviert für Buntes Allerlei: Erdbeben | Schnee | Abe’s Fehlgriff und Geschichtsstunde | 893 mal gelesen

Unerhört: Schnee in Tokyo im November

Unerhört: Schnee in Tokyo im November

Irgendwann im vergangenen Jahr, im November oder Dezember, meldete das Wetteramt Schnee für Tokyo an. Das war recht ungewöhnlich, denn wenn es mal in Tokyo schneit (man erinnere sich – Tokyo liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Tunis!), dann eher um den Februar herum. Und siehe da – es schneite nicht, und die falsche Vorhersage wurde damit begründet, „dass es nicht kalt genug war“. Aha. Heute hat es jedoch gereicht. Zwar blieb der Schnee im Zentrum von Tokyo kaum liegen, wohl aber in den Randgebieten, inklusive meines Gärtchens. Und das ist schon etwas besonderes: Das letzte mal, dass es im Zentrum von Tokyo im November geschneit hat, war 1962 – also vor 54 Jahren. Das Verkehrschaos war da, aber es hielt sich einigermaßen in Grenzen.


A propos Natur: Am Dienstag, dem 22. November, morgens kurz vor 6 Uhr, rüttelte es spürbar im Raum Tokyo — Grund dafür war ein Erdbeben der Stärke 6.9¹ vor der Küste von Fukushima – also genau da, wo man in den Jahrzehnten lieber kein grösseres Erdbeben erwarten möchte. Es wurde sogar eine Tsunami-Warnung herausgegeben, aber der Tsunami war letztendlich maximal 1.5 Meter hoch und richtete keine größeren Schäden an.  Auch im havarierten AKW gab es wohl keine besonderen Vorkommnisse. In den deutschen Medien las sich das jedoch alles so furchtbar, dass zahlreiche Bekannte ganz erschrocken über Facebook und Co. fragten, ob alles in Ordnung sei. Das freut mich natürlich sehr, aber andererseits war es letztendlich ein relativ harmloses Beben.


Und da wäre noch Ministerpräsident Abe, der in dieser Woche nach New York eilte, um als erstes Staatsoberhaupt eines anderen Landes mit Donald Trump reden zu können. Das schien Abe wohl sehr wichtig, um die Gemüter zu Hause zu beschwichtigen, denn wie hier geschildert, macht man sich auch in Japan große Sorge darüber, was Trump außen- und wirtschaftspolitisch alles anrichten wird. Scheinbar ist man noch optimistisch – nach einem kurzen Sturzflug ist die Börse seit Tagen im Höhenflug, doch es fällt schwer zu glauben, dass sich die Lage mit Trump verbessern wird. Heute kam jedenfalls ans Licht, dass Abe ein besonderes Souvenir im Gepäck hatte: Einen goldfarbenen Golfschläger der Firma Honma Golf Co. Damit wollte er die Besonderheit und Qualität der Marke „Made in Japan“ unterstreichen. Das ganze hatte nur einen Schönheitsfehler, wie die chinesischen Medien in dieser Woche genüsslich feststellten²: Honma Golf ging schon vor 11 Jahren pleite und wurde danach von chinesischen Geschäftsleuten übernommen. Das einzige, was an dem Golfschläger noch japanisch ist, ist der alte Firmenname „Honma“.


Zu guter letzt noch eine Perle japanischer Wissensvermittlung. Beim Zappen fiel mir neulich ein Programm mit dem Namen 戦国鍋TV 〜なんとなく歴史が学べる映像〜 (Sengoku-nabe TV – ‚Videos, mit denen man irgendwie ein bisschen Geschichte lernen kann‘ auf. Eine Boygroup in Glitzergewändern sang da mit viel Humor und noch mehr Verrenkungen die Erbfolgen der verschiedenen japanischen Clans im 17. Jahrhundert herunter. Das war einfach zu göttlich anzuschauen. Leider scheint es das Programm nur 2 Jahre lang gegeben zu haben – produziert wurde es laut Wikipedia von 2010 bis 2012 vom lokalen Sender TV Kanagawa, aber zur Zeit gibt es manchmal Wiederholungen. Ob das unten folgende Video in Deutschland sichtbar ist und wenn ja wie lange, weiss ich leider nicht. Aber es versuche es trotzdem:

Fazit: Interessanter Ansatz. Könnte mir vorstellen, dass einige Leute wirklich dank dieser Sendung etwas gelernt haben.

¹ Siehe unter anderem hier
² Siehe unter anderem hier

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Shibuhallo – wenn Fasching auf Japan trifft

November 1st, 2016 | Tagged , , | Kommentare deaktiviert für Shibuhallo – wenn Fasching auf Japan trifft | 2100 mal gelesen

Halloween ist in Japan seit ein paar Jahren schwer im Kommen — und das nicht nur bei den Kindern. 2012 kamen ein paar Clubs im Tokyoter Trendviertel auf die Idee, sich zusammenzuschliessen und regelrechte Kostümballe zu veranstalten. Und es gibt viele Clubs in Shibuya. Nach zwei Jahren lag die geschätzte Teilnehmerzahl bei über 50’000, doch diese Zahl hat sich 2015 und auch 2016 vervielfacht — wobei es schwer ist, genaue Zahlen zu schätzen, denn bei weitem nicht alle gehen wirklich in die Clubs. Stattdessen brodelt die ganze Gegend zwischen Bahnhof und dem oberen Ende der Dogenzaka. Und dieses Jahr dauert das ganze Spektakel auch noch 4 Tage – vom 28. Oktober bis zum 31. Oktober.

Da ich sowieso in Shibuya umsteigen muss, habe ich mir heute mal das Spektakel kurz selbst angesehen. Die Stimmung rund um den Bahnhof war ausgelassen, und es war extrem voll. Schätzungen gehen davon aus, dass die berühmte „Scramble-Crossing“ genannte Kreuzung pro Tag von einer halben Millionen Menschen überquert wird – während des mittlerweile liebevoll シブハロ shibuharo, von SHIBUya HALLOween genannten Events hingegen von einer Millionen Menschen. Die sind natürlich nicht alle gleichzeitig da, daher die ungenauen Teilnehmerzahlen.

Trotz der enormen Menschenmassen verlief das ganze bisher immer recht friedlich – mit Ausnahme einer Festnahme im Jahr 2015, als ein paar Vermummte einen Polizisten angriffen. Der Vorfall fand in den Medien viel Beachtung, da vielen diese neue Grossveranstaltung ohnehin suspekt ist. Die Polizei hingegen kann nur gelobt werden: Die auf ihren typisch japanischen Polizeiwagen stehenden Beamten mit ihren Mikrofonen sind bereits unter dem Namen „DJ Police“ berühmt geworden und versuchen nach Leibeskräften, die Kreuzung freizuhalten und für ein bisschen Ordnung zu sorgen, was nicht so einfach zu sein scheint. Anbei ein kurzes Video, heute gedreht (leider hatte ich nur mein Handy dabei):

Mir fielen jedenfalls viele Ausländer auf — überall hörte man koreanisch, chinesisch, aber auch Englisch und andere Sprachen. Ganz offensichtlich hat sich die Veranstaltung über die Landesgrenzen hinweg herumgesprochen. Und warum auch nicht: Shibuhallo ist Tokyos jüngste Attraktion und ich hoffe sehr, dass es nicht zu Zwischenfällen kommt, denn dann könnte die Veranstaltung sehr schnell verboten werden. Übrigens sieht das ganze weniger wie Halloween sondern mehr wie Fasching aus: Gruselkostüme sieht man zwar oft, aber noch häufiger sind harmlosere Verkleidungen.

Bei der Recherche zu aktuellen Zahlen bin ich auf diese Seite hier gestossen, wo auch auf die negativen Begleiterscheinungen aufmerksam gemacht wird. Dazu zählen die enormen Müllberge, aber auch die potentielle Terrorgefahr. Ungefährer Wortlaut: „Da die Menschen verkleidet sind, sieht man nicht, ob sie Ausländer sind oder nicht, oder ob sie gefährliche Waffen dabei haben“. Dieser Satz macht mich wirklich sprachlos. Scheinbar ist das Gedächtnis hier sehr kurz, denn der schlimmste (und eigentlich einzig nennenswerte) Terrorangriff wurde eben nicht von Ausländern verübt, sondern von *reinrassigen* Japanern – den Verrückten der Aum-Sekte.

Anbei noch ein paar Fotos:

  • Shibuhallo 2016
  • Shibuhallo 2016 - Bahnhofsvorplatz
  • Shibuhallo 2016
  • Shibuhallo 2016
  • Shibuhallo 2016
  • Shibuhallo 2016
  • Shibuhallo 2016
  • Diese Polizisten sind echt
  • Diese auch: DJ Police bei der Arbeit
  • Shibuhallo 2016
  • Diese Polizistinnen sind jedenfalls nicht echt
  • DJ Police
  • Mitgehangen, mitgefangen
  • Shibuhallo 2016
  • Armeeeinheiten sind auch dabei
  • Mehr Fasching als Halloween
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Tokyos Antwort auf den Berliner Flughafen BER

September 19th, 2016 | Tagged , | 5 Kommentare | 961 mal gelesen

Mit Grausen verfolge ich seit Jahren das jämmerliche Gezerre um den neuen Berliner Grossflughafen BER. Die geballte Inkompetenz und die grandios unterschätzten Baukosten eignen sich wunderbar zum, wie heisst es doch in letzter Zeit so schön, „Fremdschämen“. Aber zum Glück ist Berlin nicht ganz allein, schafft man doch so etwas auch in Hamburg… und wie es aussieht, auch in Tokyo. Zwar hat man dort vor ein paar Jahren in rekordverdächtig kurzer Zeit den Tokyo Sky Tree mitten ins Stadtzentrum gepflanzt, doch ein anderes Grossprojekt nimmt ähnlich groteske Züge an wie der BERühmte Möchtegernflughafen: Es handelt sich um den neuen Standort für den berühmten Tokyoter Fischmarkt 築地Tsukiji. Das jetzige Gelände ist seit 1935 in Betrieb, nicht ausbaufähig mangels Raum und ziemlich in die Jahre gekommen. So kam man auf die Idee, die Markthallen zu verlegen – und zwar nach 豊洲 Toyosu, einer Neulandinsel im Distrikt Koto und keine zwei Kilometer Luftlinie vom jetzigen Standpunkt entfernt.

Die Baustelle des neuen Marktes auf Toyosu (aufgenommen im November 2014)

Die Baustelle des neuen Marktes auf Toyosu (aufgenommen im November 2014)

Eigentlich sollte der gesamte Grossmarkt – in dem pro Jahr cirka eine Millionen Tonnen Waren umgeschlagen werden (zwei Drittel Fisch, ein Drittel Obst und Gemüse) im Februar 2017 in die neuen Hallen auf der Insel Toyosu umziehen. Von Anfang an gab es dagegen Protest, denn auf dem neuen Gelände befand sich früher ein gewaltiges Gaswerk von Tokyo Gas, und – zu recht – befürchtete man Grundwasser- und Bodenverschmutzung. Diese Befürchtungen wurden durch eine Untersuchung untermauert: Die Grenzwerte für Benzen, Blausäure, Blei und Arsen wurden zum Teil sehr deutlich überschritten. Schaut man sich allerdings die Geschichte des jetzigen Standortes Tsukiji an, wird einem ebenfalls Angst und Bange, denn hier stand nicht nur ein Giftgaslabor der kaiserlichen Marine – hier verbuddelte man auch mehrere Tonnen Thunfisch, die ein japanischer Trawler aus den Wasserstoffbombentestgebieten aus der Südsee heimbrachte. Besagtes Boot namens 第五福竜丸 Daigofukuryū-Maru geriet damals unbewusst in ein Testgebiet – 23 Besatzungsmitglieder wurden zum Teil stark verstrahlt.

Bei einer Begehung der fast fertigen, neuen Hallen in der vergangenen Woche stiess man auf eine unangenehme Überraschung: Im Untergeschoss der Hallen stand eine enorme Menge Wasser, und man konnte noch nicht einmal sagen, wo es herkommt – ob vom Regen oder vom Untergrund. Der pH-Wert war zudem enorm hoch, was allerdings vom Beton stammen könnte. Ausserdem stellte man fest, dass die gesamte Fläche scheinbar nicht, wie ursprünglich geplant, komplett versiegelt und asphaltiert war, sondern aus Kies bestand, auf den man eine dünne Schicht Beton gegossen hat. Gleichzeitig tauchten erste Ungereimtheiten bei den Verträgen auf. Obwohl die Stadtregierung ursprünglich das Projekt mehrfach ablehnte, wurde trotzdem irgendwann ein Vertrag aufgesetzt – mit Auflagen, die ganz offensichtlich nicht eingehalten wurden. Der damalige Governeur von Tokyo, Ishihara, gab bei einer ersten Befragung an, sich an nichts mehr zu erinnern.

Der Umzug im Februar nächsten Jahres wird damit wohl ins Wasser fallen, und möglicherweise werden sich die in Tsukiji ansässigen rund 1’000 Handelsfirmen jetzt gänzlich gegen den Umzug wehren. Die Hallen hätte man dann quasi ganz umsonst gebaut. Man darf gespannt sein, wie man das Problem bis zu den Olympischen Spielen im Jahr 2020 lösen wird, denn Toyosu befindet sich quasi direkt neben dem geplanten Olympischen Dorf und zahlreichen Wettkampstätten. Da muss ich die Stadtregierung ins Zeug legen, sonst hat man bald eine japanische Variante des BER mitten in Tokyo.

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Schlechtes Omen? Japan von Taifunen regelrecht überrannt

August 25th, 2016 | Tagged , | 4 Kommentare | 1232 mal gelesen

Taifune im Dreierpack (22. August 2016)

Taifune im Dreierpack (22. August 2016)

Normalerweise erlebt man im Raum Tokyo ein bis zwei Mal, manchmal auch überhaupt nicht, einen Taifun. Freunde dieser beeindruckenden Naturphänomene kommen allerdings dieses Jahr vermehrt auf ihre Kosten, und die Fakten sind besorgniserregend. So beginnt die Hauptsaison für Taifune eigentlich im September, doch dieses Jahr geht es schon seit Anfang August hoch her. Normalerweise liegt die Kinderstube der Taifune sehr weit südlich, in der Nähe der Marianen, doch dieses Jahr hat sich das Entstehungsgebiet sehr stark nach Norden verschoben und lag bei einigen Taifunen (10 sind es insgesamt bisher) sogar in japanischem Hoheitsgebiet, ein paar hundert Kilometer südlich von Honshu und Shikoku. Und normalerweise hat man es mit nur einem Taifun auf ein Mal zu tun – in sehr wenigen Jahren manchmal auch mit zweien kurz hintereinander. Doch in der vergangenen Woche bewegten sich gleich drei Taifune auf ein Mal durch Japan. Einer davon ist am Montag direkt bei Tokyo an Land gegangen, aber er verlief recht glimpflich – rund 100 mm Regen (ein Fünftel der Jahresmenge in Berlin) fielen innerhalb von drei Stunden, aber der Sturm hielt sich in Grenzen. Der dritte Taifun im Bunde, Taifun Numero 10 mit dem Namen Lionrock, wird jedoch womöglich noch für viel Aufsehen sorgen: Dieser entstand ebenfalls nur wenige hundert Kilometer südlich von Shikoku und bewegte sich eine Woche lang fast nicht von der Stelle – das bekamen auch die Bewohner einiger Inseln in der Präfektur Okinawa zu spüren. Doch jetzt nimmt er plötzlich Fahrt auf und entwickelt sich zu einem Supertaifun mit Windspitzen von bis zu 270 Stundenkilometern. Noch ist die genaue Bahn schwer vorherzusagen, aber sollte dieser Taifun in rund drei Tagen nach Norden drehen, und das ist durchaus wahrscheinlich, wird Tokyo von einem Monstersturm heimgesucht werden (sollte dies der Fall sein, wird dies um den 30. August herum geschehen). Meteorologen bezeichnen ihn schon jetzt als den schwersten Taifun in der Geschichte, der Tokyo direkt bedroht.

Ja, die Taifune haben zugenommen. Aber in diesem Jahr häufen sich sehr bedenkliche, so noch nicht dagewesene Wetterphänomene, die nur eines bedeuten können: Das Meer südlich von Japan muss wesentlich wärmer sein als sonst.

Taifun Lionrock und die berechnete (befürchtete) Route

Ob die Taifune nun direkt einschlagen oder nicht – seit zwei Wochen sorgen sie nun schon im Raum Tokyo für extrem schwüle Luft und urplötzliche, heftige Wolkenbrüche. Wie es aussieht, wird sich das so schnell nicht ändern. Wer also momentan in Japan weilt und womöglich in den Bergen nach etwas kühlerer Luft sucht, sollte sich auf jeden Fall täglich kundig machen, denn in den Bergen werden Taifune und deren Ausläufer zu einer echten Gefahr.

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Olympische Spiele: Freudige Erregung und ein Mario-Abe

August 23rd, 2016 | Tagged , | Kommentare deaktiviert für Olympische Spiele: Freudige Erregung und ein Mario-Abe | 738 mal gelesen

Unkenrufen zum Trotz fanden die Olympischen Spiele nun doch statt, und vor allem in Japan schaute man dieses Mal besonders aufmerksam hin – schliesslich ist Japan als nächstes dran (und es gibt noch viel zu tun – man weiss zum Beispiel noch nicht einmal, wie viel der Spass eigentlich kosten wird). Und Japan hat in den vergangenen Jahren scheinbar einiges richtig gemacht bei der Sportförderung, denn mit 41 Medaillen gab es so viel Edelmetall wie nie zuvor. Darunter gab es auch echte Überraschungen, denn niemand hätte zum Beispiel den japanischen Sprinter bei der 4×100-Meter-Staffel der Herren zugetraut, aufs Podest zu gelangen – doch ein nahezu perfektes Zusammenspiel der als Einzelläufer weniger erfolgreichen vier sorgte für eine sensationelle Silbermedaille. Einer der vier ist zudem ein „half“, also ein Halbjapaner, mit dem ganz klar unjapanischen Namen Cambridge – und der sorgte wahrscheinlich gleichzeitig mit dafür, dass sich noch mehr Japaner mit dem Gedanken anfreundeten, dass „half“ nicht unbedingt halbe Menschen sind sondern mitunter Japaner wie Du und … nein, nicht ich.

Abe-Mario bei der Abschlusszeremonie

Abe-Mario bei der Abschlusszeremonie

Ministerpräsident Abes Auftritt als Super Mario während der Schlusszeremonie sorgte nun für zahlreiche Reaktionen in den japanischen sozialen Netzwerken. Wie zu erwarten ist alles dabei: Von der Häme bis zur Bewunderung. Der Auftritt deutete auch an, mit welchem Pfund Japan bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokyo wuchern wird. Selbst hochbetagte Funktionäre sind sich einig, dass aus dem Geek-Image Japans viel Kapital zu schlagen ist, und warum auch nicht: Eine Nation, die für ihre Videospiele und ausgefallenen Ideen bekannt ist? Es gäbe schlimmeres. In dem Sinne darf man schon mal auf die Eröffnungszeremonie in Tokyo gespannt sein. Das sind zwar noch vier Jahre hin, aber wie sich bei allen Olympischen Spielen herausstellt, ist das eine sehr kurze Zeit, um alles fertigzustellen. Fast so wie Weihnachten, dass ja auch jedes Jahr ganz plötzlich und unverhofft vor der Tür steht.

Unter dem Hashtag #安倍マリオ tauchte übrigens das untere Bild heute auf – mit dem Titel „首相、よく間違えなかったな。“ – „Ministerpräsident, Glück gehabt dass Du Dich nicht verlaufen hast!“ (zur Auswahl stehen die Ministerpräsidentenresidenz, Rio und der Yasukuni-Schrein):

Abe-Mario: Zum Glück nicht verlaufen!

Abe-Mario: Zum Glück nicht verlaufen!

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Einmal als Mario im Go-kart durch Tokyo fahren

August 16th, 2016 | Tagged , | 2 Kommentare | 649 mal gelesen

​Heute nachmittag habe ich an einer grossen Kreuzung in Shibuya einen triftigen Grund gesehen, endlich mal die Fahrerlaubnis zu machen: An der Ampel warteten vier Go-karts, mit als Mario und Konsorten kostümierten Fahrern, die offensichtlich sehr viel Spass an der Sache hatten. Deutsch, wie ich bin, war ich natürlich erstmal perplex, dass man mit den Dingern ganz normal im Strassenverkehr mitmischen darf, denn die Vehikel liegen so tief, dass schnell mal ein Bus- oder LKW-Fahrer die Dinger übersieht, und das Ergebnis dürfte klar sein. Erstmal dachte ich auch an den Batman-Fahrer in Chiba, aber ein genauer Blick auf die Karren machte deutlich, dass sich jedermann die Dinger ausleihen kann. Vorausgesetzt natürlich, man hat einen japanischen oder einen in Japan anerkannten Führerschein.

Im Go-kart durch Tokyo

Im Go-kart durch Tokyo

Ich bin zwar kein Mariospieler, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass es ein Riesengaudi sein muss, mit den Dingern durch Tokyo zu flitzen. Das geht entweder im Pulk und mit Führung oder auch allein. Die auf der Webseite inserierten Preise klingen jedenfalls vernünftig: 8,000 yen für 2 Stunden, inkl. Benzin, klingen zivil. Wer sich einen Mariobart dazu ausleihen möchte, muss noch 250 yen pro Stunde draufzahlen, aber der Spass ist es sicherlich wert. Man konnte auch sehen, dass die meisten Menschen, die die Gefährte bemerkten, schnell ein Lächln auf den Lippen hatten. Und für 8,000 yen Tausenden Menschen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern klingt nach einer guten Idee. Das funktioniert übrigens auch mit dem Fahrradhelm vom Sohnemann:

Fahhradhelm mit Iro

Fahhradhelm mit Iro

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