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Was bauen die da nur / Infrastrukturelles

Dezember 7th, 2012 | Tagged , | 9 Kommentare | 870 mal gelesen

Street Art mal ganz anders

Manchmal glaube ich, dass man in Japan nur baut und bastelt, um zu bauen und zu basteln. So in der Gegend meiner Firma. Da wurde letztes Jahr die Straße an allen Ecken und Enden aufgesägt. Das macht natürlich einen Heidenlärm. Hier ein Rechteck, da ein Rechteck. Das ging wochenlang so. Dann wurden die Stellen aufgerissen. Dann kamen andere Männer, steckten Kameras in die verrosteten Leitungen und schauten, was da in den Rohren so los ist. Alles wurde behelfsmäßig wieder verschlossen. Dann wurde wieder alles aufgesägt im Frühling. Und jetzt im Herbst beziehungsweise Winter schon wieder. Die Straßen sehen jetzt richtig bunt aus: Schwarze Asphaltflecken hier, Flicken da – das blanke Chaos, und alles sieht nur behelfsmäßig aus. Und das nicht irgendwo im Randgebiet, sondern in einem zwar ruhigen, aber sehr zentralen Viertel, das für seine feinen Boutiquen und Läden sehr bekannt ist (Ebisu/Daikan’yama).

Irgendwie fließt da irgendwohin Strom durch...

Bei den Bauarbeiten konnte ich es mir natürlich nicht verkneifen, ein Blick darauf zu werfen, was da im Boden so rumliegt. Und die Rohre sehen nicht sehr vertrauenserweckend aus. Aber sie sehen immer noch besser aus als die offen herumstehenden Trafomasten. Die faszinieren mich nach all den vielen Jahren immer noch. Wie kann man in einem Land, das permanent von Taifunen und Erdbeben usw. heimgesucht wird, die ganze Verkabelung einfach so behelfsmäßig herumstehen lassen? Ganz einfach: Japan, das Land mit dem High-Tech-Image, ist in Wahrheit ein Low-Tech-Land, wenn man sich im Alltag mal umschaut. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, aber das Tunnelunglück am Montag im Sasago-Tunnel bei Tokyo mit 9 Toten kann man durchaus als Warnzeichen betrachten. Im detailversessenen Japan ist auch ein ganz profaner Tunneleinsturz möglich (es war nicht der erste) – und zwar ganz ohne Erdbeben, und nur kurze Zeit nach einer Generalinspektion des Tunnels. Will heißen, Japan gibt sich reichlich Mühe, seine Infrastruktur in Schuß zu halten, aber etliches liegt im Argen, und es wird momentan nicht gerade besser sondern eher schlimmer, denn so schnell, wie zum Beispiel während des Booms in den 1980ern gebaut wurde, kommt man nach über 30 Jahren mit dem Instandhalten nur noch schwer hinterher.

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Soundtüfteleien in Japan / Taifun #17

September 29th, 2012 | Tagged , | 3 Kommentare | 1324 mal gelesen

Dieser Beitrag von Bloggerkollege Umij erinnerte mich gestern daran, dass ich mal einen kurzen Artikel über Geräusche in Japan schreiben wollte, und bevor ich es wieder vergesse, fange ich mal lieber gleich an.

Mein erster Eindruck, als ich in Japan landete – das war im April 1996 – war folgender: Mein Gott, hier spricht alles. Sogar die Türen. So geschehen in einem kleinen Shuttle-Zug, der zwischen den Terminals am Flughafen von Narita verkehrt. Eine süsse Stimme säuselte irgendwas, was ich damals noch absolut gar nicht verstand, und die Tür schloß sich mit zufriedenem Schmatzen. Gut, das letzte war von Douglas Adams geklaut.

In Japan arbeitet man, so scheint es, sehr gern mit akustischen Effekten. Sowie mit Stimmen von Band, die immer und überall die Gegend beschallen. Fahrstühle reden. Ampeln reden (manchmal). Rolltreppen reden. Bahnsteige und Züge sowieso. Türen. Getränkeautomaten. Alles quatscht vor sich hin. Parks werden beschallt. Interessant in Japan ist dabei, wieviel Bedeutung man den akustischen Effekten beimisst.

Beispiel Bahnhof: Sehr viele Bahnhöfe in Japan haben eine Erkennungsmelodie. Diese Melodie ist einzigartig für den jeweiligen Bahnhof – und prägt sich natürlich ein, wenn man oft dort aussteigt oder vorbeifährt. Das hat natürlich einen Riesenvorteil: Während man Bahnhofsdurchsagen oft überhört, bohrt sich die Melodie schon eher ins Gedächtnis und vermittelt dem dösenden ode quatschenden Passagier: Hier ist deine Station, steig aus. Bei grösseren Bahnhöfen gibt es dabei oft auch je nach Bahnlinie und/oder Bahnsteig variierende Melodien. So zum Beispiel am Bahnhof Ebisu (Tokyo, Yamanote-Ringlinie):

Erkannt? Genau, das ist die Filmmusik vom „Dritten Mann“. Und da es ein gleichnamiges, und durchaus trinkbares Bier in Japan gibt (welches früher tatsächlich in Ebisu hergestellt wurde), wird nämliche Musik auch bei der Bierwerbung verwendet. Aber das nur am Rande.

Die Tradition der 発車メロディ hassha merodii – „Abfahrtsmelodie“ begann 1971 bei einer privaten Bahnlinie (Keihan-Linie), die da zwischen Kyōto und Ōsaka verkehrt. Bei neuen Bahnlinien macht man sich richtig Mühe und lässt teilweise neue Stücke komponieren – an jedem Bahnhof hört man dann ein kleines Stück des Gesamtwerks.

Bleiben wir beim Bahnhof. Züge haben ja in der Regel ein Alarmsignal, das vor allem in japanischen Großstädten oft benutzt werden muss, wenn die Bahnsteige brechend voll sind. Vor ca. 3, 4 Jahren fiel mir dabei besonders ein Zug auf – ein Expresszug, der mit gut 100 km/h direkt am Bahnsteig meines Bahnhofs vorbeidonnert. Bei den üblichen Zugsirenen? Hupen? (wie heißen die eigentlich?) habe ich mich schon oft gewundert, ob sie nicht manchmal eher Schaden anrichten – sie sind so laut und schrill, dass man in der Regel erschrickt, und es würde mich nicht wundern, wenn schon mal jemand vor Schreck auf die Gleise gefallen ist. Bei jenem Zug ist das anders: Die Hupe ist sehr subtil, ein eher leises Heulen, bei dem man weniger erschrickt, aber umgehend das Gefühl bekommt, dass Gefahr im Verzug ist und sich etwas sehr, sehr schnell nähert. Ich bin nicht Experte genug, um das wirklich analysieren zu können, aber ich habe das Gefühl, diese Hupe imitiert den Doppler-Effekt (in diesem Mitschnitt gibt es mehrere Beispiele zu hören – ich meine die Sirene in den ersten 10 Sekunden):

Die Aufnahme wurde bei Abfahrt gemacht – bei Gelegenheit nehme ich das mal auf, wenn ein Zug wirklich vorbeirauscht.

Überhaupt Bahnhöfe: Bei einigen Bahnlinien verwendet man zum Beispiel auch unterschiedliche Sprecher für die Durchsagen vom Band: Beim folgenden Beispiel hört man zwei Durchsagen gleichzeitig: Die weibliche Stimme wird für die eine Richtung (von Tokyo weg) benutzt, die männliche Stimme hingegen für alle Züge Richtung Tokyo. Das ist sehr clever, denn selbst wenn beide Durchsagen gleichzeitig laufen, kann man halbwegs mühelos verstehen (so man Japanisch versteht…), was gerade passiert. Und – so man sich daran gewöhnt hat, ignoriert man einfach die weibliche Stimme (in meinem Fall, kann auch im Alltag nützlich sein :-), da man ja morgens immer Richtung Tokyo fährt:Zu guter letzt noch ein meiner Meinung nach sehr gelungenes Beispiel für Sounddesign: Das Erdbeben-Frühwarnsignal. Das haben wir ja 2011 zur genüge gehört. Sehr einfach, aber sehr markant. Mit Nebeneffekt: Zahlreiche Japaner haben 2011 eine regelrechte Allergie gegen dieses Geräusch entwickelt – mit akutem Stressausbruch, wenn sie das Geräusch hören. Da die Vervielfältigung verboten ist, hier nur als Link: Offizielles, vom Staatsfunk entwickeltes Erdbebenfrühwarnsignal.

Für den Fall, dass der eine oder andere Leser in Japan ist und noch nichts darüber gehört hat: Ein aussergewöhnlich kräfiger Taifun, Nr. 17, zieht momentan quer über Japan. Momentan ist der Taifun kurz vor Okinawa – am Sonntag wird er tagsüber mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit über die Kansai-Region ziehen und in der Nacht zwischen Sonntag und Montag über den Großraum Tokyo. Mit 925 hPa im Zentrum gehört er zu den großen, und behält der den Kurs bei, wird am Sonntag in Zentraljapan verkehrstechnisch nicht mehr viel laufen. Den neuesten Stand kann man hier erfahren.

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Neu und sicherlich nur in Japan: Handy mit Geigerzähler

August 30th, 2012 | Tagged , | 6 Kommentare | 1363 mal gelesen

Handy mit Geigerzähler von Sharp. Quelle: Softbank Webseite

Mit gut anderthalb Jahren Verspätung kommt es, aber trotzdem wird es nicht zu spät sein: Softbank, einer der drei Mobilfunkbetreiber in Japan, wirft ein neues Smartphone auf dem Markt – das PANTONE® 5 107SH von Sharp. Der Clou an dem Gerät: Es kann auch Geiger zählen. Ein Druck auf den Knopf, und schon geht es los. Es kann laut Hersteller γ-Strahlen messen und benutzt Cäsium 137 (137Cs) als Richtwert. Die Meßspanne liegt zwischen 0.05 und 9.99 Mikrosievert (siehe Produktbeschreibung bei Softbank). Da das Handy natürlich auch über GPS verfügt, kann man damit prima Feldmessungen durchführen. Es dauert allerdings rund 2 Minuten, bis man ein brauchbares Ergebnis erhält. Spritzwasserfest ist es auch, und unbestätigten Gerüchten zufolge soll man damit sogar telefonieren können.

Die Hauptereignisse um die Katastrophe im AKW Fukushima 1 liegen nun schon mehr als 17 Monate zurück. In der Gegend um Tokyo scheint die Radioaktivität in Bodennähe abgenommen zu haben, aber sie ist natürlich noch da und wird sich hauptsächlich entlang von Flüssen akkumulieren, um schliesslich in die Bucht von Tokyo zu gelangen. Für die Bewohner des Ostteils der Präfektur Fukushima ist dieses Handy jedoch nachwievor sinnvoll und wird sicherlich gut angenommen werden. Der Preis tut sein übriges – das Handy kostet gerade mal  23,520 Yen, also gute 200 Euro.

Mittlerweilen kann man sich übrigens sogar bei Tsutaya, der größten Videoverleihkette Japans, kostenlos (für einen Tag) Geigerzähler auswählen. Sicher nicht in jeder Filiale, aber immerhin.

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Tokyo Sky Tree eröffnet Pforten

Mai 24th, 2012 | Tagged , | 9 Kommentare | 1581 mal gelesen

Tokyo Sky Tree im September 2011

Gestern, am 22. Mai 2012, wurde der 634 Meter hohe Tokyo Sky Tree offiziell eingeweiht – leider unter recht ungünstigen Bedingungen, denn es regnete den ganzen Tag in Strömen. Das bedeutet, dass die Glücklichen, die Monate im Voraus Eintrittskarten für die Besucherplattformen auf 350 m und 451 m ergattert hatten, so ziemlich gar nichts sahen. Nach der Eröffnung der Tokyo Gate Bridgewurde damit ein zweites neues Wahrzeichen von Tokyo innerhalb von gut drei Monaten eingeweiht. Die Feuertaufe hatten beide Wahrzeichen ja schon beim schweren Erdbeben am 11. März 2011 bestanden. Zwar waren beide Bauwerke noch nicht fertig, aber soweit bekannt, steckten die Konstruktionen das Erdbeben problemlos weg.

Tokyo Sky Tree – das ist nicht nur der Turm selbst, sondern auch ein grosser, angeschlossener Gebäudekomplex namens 東京スカイツリータウン Tokyo Sky Tree Town mit insgesamt 230,000m² Gebäudefläche. Dort untergebracht sind ein Einkaufszentrum, ein Planetarium und das すみだ水族館 Sumida-Aquarium. Letzteres bildet in einem Riesenaquarium die Unterwasserwelt der Ogasawara-(auch: Bonin genannt)Inseln nach und soll wohl recht eindrucksvoll sein – einen Vorgeschmack bietet der Nachrichtenausschnitt unten. Neben dem Komplex befindet sich auch gleich noch ein anderes, neues Einkaufszentrum, genannt 東京ソラマチ Tokyo Solamachi.

Vom Tokyo Sky Tree verspricht man sich einen belebenden Effekt auf die Wirtschaft der weiteren Umgebung, und das dürfte auch eintreffen, denn unzählige Japaner lieben den Turm bereits. Natürlich brachte der Turm auch ein paar Probleme mit sich, aber davon hört man – auch das ist typisch für Japan – wenig:

Die Turmbaustelle September 2009

– die Umgebung ist eine alte, traditionelle Wohngegend (eine typische 下町 – shitamachi – Unterstadt, und der Turm wird diese Gegend unsanft aus dem Schlaf reissen. Das stimmt. Sicher werden die Grundstückspreise in die Höhe schnellen (bzw. wird das bereits geschehen sein) und langzeitig viele Einwohner verdrängen.

– Schneeklumpen, die vom Turm fallen (600 m sorgen da für eine ordentliche Geschwindigkeit) sind ein Problem für die Umgebung, zumal hier oft starke Winde herrschen

– der Turm stört die momentan noch vom alten Tokyo Tower ausgehenden Funkwellen, was sich in einigen Gebieten nördlich von Tokyo bereits bemerkbar macht

Anbei noch ein paar Trivia zum Thema Tokyo Sky Tree. Man beachte vor allem die Geschwindigkeit: Von der ersten Idee bis zur kompletten Fertigstellung brauchte man keine 10 Jahre, was für ein Bauvorhaben dieser Grösse mehr als beachtlich ist.

  1. Die Idee zum Turm entstand 2003
  2. Das Gelände wurde 10 Monate später auserkoren und weitere 5 Monate später beschlossen
  3. Im März 2008 stand der Bauplan fest, im Juni wurde die UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung) abgeschlossen
  4. Die Bauarbeiten begannen im Dezember 2008
  5. Der Turm ist unten dreieckig und oben rund
  6. Die obere Besucherplattform auf 451.2 m Höhe ist die zweithöchste der Welt (noch) – nach dem Weltfinanzzentrum in Shanghai
  7. Japaner können sich die Höhe gut merken, denn 634 kann man Mu-sa-shi (武蔵) lesen (der alte Name des Gebietes rund um Tokyo)
  8. Der Eintritt zur unteren Plattform auf 350 m kostet 2,500 Yen (rund 20 Euro)
  9. Der Eintritt zur oberen Plattform auf 450 m kostet zusätzlich noch mal 1,000 Yen (8 Euro)
  10. Vorerst kommt man nur mit Vorbestellung rauf. Bis Ende Juli ist der Turm bereits ausgebucht
  11. Ein findiger Chinese hat den Namen „Tokyo Sky Tree“ in China urheberrechtlich schützen lassen, was für den Gesellschafter zum Problem wurde: Man musste nachträglich den chinesischen Namen „東京天空樹“ (etwa: Tokyo Himmelsturm) in „東京晴空塔“ (etwa: Tokyo klarer Himmel-Turm) umändern – das gilt auch für den Bahnhofsnamen

Fertiggestellter Turm - aus exakt 10 km Entfernung

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Casio unterschätzt japanische Frauen

April 14th, 2012 | Tagged , | 5 Kommentare | 1070 mal gelesen

Casio EXILIM EX-TR150 - Pressefoto

Am 5. April gab Casio bekannt, dass es eine neue Kamera auf den Markt werfen wird: Eine futuristisch anmutende Digitalkamera mit dem wohlklingenden Namen „EXILIM EX-TR150“, die durch folgendes herausstechen soll: Mit einem Stylus kann man auf dem Bildschirm der Kamera Fotos nachträglich bearbeiten. Mit bearbeiten ist nicht nur schnödes ausschneiden, fokussieren oder sonstwas gemeint: Man kann allerlei niedliche Elemente hinzufügen (für Japan-Kenner: Im purikura-Stil) und, jetzt kommt es, man kann Personen auf dem Foto nachträglich Schminke anheften. Kein Scherz! Gemeint ist keine Kriegsbemalung, sondern dezente (?) Schminke eben.

Kurz wurde die Kamera im Fernsehen beworben. Nur kurz. Am 20. April sollte Verkaufsbeginn sein, und das gute Stück soll um die 30,000 yen kosten – also weniger als 300 Euro. Leider hat Casio den Markt bzw. japanische Frauen grob unterschätzt. Heute, also am 13. April, gab Casio bekannt, dass weit mehr Vorbestellungen vorliegen als Casio produzieren kann. Deshalb wurde der Verkaufsstop bekanntgegeben – bevor die Kamera überhaupt in irgendein Geschäft gelangt.

So werden Legenden geboren. Eine schöne Geschichte. Und typisch japanisch (obwohl das sicher auch in einigen anderen Ländern zutrifft), denn vor nichts fürchten sich Japanerinnen mehr, als 素っぴん (suppin – ungeschminkt) abgelichtet zu werden. Da bietet sich diese Kamera natürlich an.

 

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Tokyo Gate Bridge

April 1st, 2012 | Tagged , | 9 Kommentare | 1553 mal gelesen

Dieses Jahr ist das Jahr der großen Bauwerke in Tokyo: Zum einen wurde die 東京ゲートブリッジ Tokyo Gate Bridge am 12. Februar eröffnet, zum anderen wurde am 29. Februar der 634 Meter hohe 東京スカイツリー Tokyo Sky Tree fertiggestellt (die Eröffnung ist allerdings erst am 22. Mai).
Natürlich habe ich mal wieder keine Mühen gescheut, um etwas über die Tokyo Gate Bridge hier berichten zu können. Naja, eigentlich war es eher eine gute Entschuldigung, mal wieder eine kleine Tour mit dem Rad zu unternehmen. Die Brücke befindet sich in der Nähe des Bahnhofes 新木場 Shin-Kiba im Osten von Tokyo und eröffnet eine neue Verbindung zwischen Ost-Kantō bzw. Chiba und dem Flughafen Haneda bzw. Kawasaki und Yokohama.

Offensichtlich ist es nicht weit zum Flughafen

Irgendwo hatte ich gelesen, daß die Brücke auch für Fußgänger begehbar ist. Wer weiß, vielleicht dann auch mit dem Fahrrad? Dachte ich mir so optimistischerweise. Also ging es über drei andere Brücken und rund 10 km bis zum Beginn des Monstrums, wo ich dann erstmal feststellen musste, dass es zwar in beiden Richtungen zwei Spuren für Autos gibt, aber ansonsten kein Platz ist für andere Vehikel. Dafür gibt es dann auf halber Höhe aber einen Turm mit Treppen und Fahrstuhl: Mit dem kann man dann 8 Etagen hochfahren bis zur Brücke – und von dort laufen. Nix da mit Fahrrad. Und da die Brücke neu ist, gab es neben mir natürlich sehr viele andere Neugierige.

Die aktuelle Müllinsel der Stadt Tokyo

Für mich ist die Brücke besonders interessant, weil sie über die letzten beiden großen Neulandinseln von Tokyo führt bzw. einen guten Einblick in selbige gewährt: Beide Inseln waren bzw. sind eigentlich immer noch für Menschen gesperrt. Einen richtigen Namen hat man auch noch nicht, und so werden die Inseln provisorisch 中央防波堤外側埋立地 Chūō Bōhatei Sotogawa Umetatechi und 中央防波堤内側埋立地 Chūō Bōhatei Uchigawa Umetatechigenannt (in etwa: Neuland außerhalb/innerhalb des zentralen Wellenbrecherdamms). Man kann davon ausgehen, dass die Inseln richtige Namen erhalten, so sie fertig sind. Die 115 bzw. 76 Hektar großen Inseln werden teilweise als Müllkippe und teilweise als Frachthafen genutzt – die grössere der beiden Inseln soll ab diesem Jahr als Containerhafen dienen. Auf beiden Inseln sieht es zum grossen Teil noch recht wüst aus. Und: Beide Inseln gehörten zu meinen Forschungsobjekten, da ich während meines Studiums über die Nachhaltige Entwicklung in der Küstenrandplanung recherchierte.

Brückenwart bei der Arbeit

Der Plan heute war eigentlich, auf die andere Seite zu gelangen (und wieder zurückzulaufen, da es von der anderen Seite für Fußgänger nicht weitergeht. Das dauert natürlich eine Weile, denn die Brücke ist immerhin 2’618 Meter lang (und die Spannbreite zwischen den beiden mittleren Pfeilern immerhin 440 Meter). Aber nix da: Der Fahrstuhlturm auf der anderen Seite war schon in greifbarer Nähe, als
mir der Brückenwart in gelber Windjacke entgegenkam und alle zurückscheuchte: Die Türme machen um 17 Uhr zu, und da es auf der anderen Seite nicht weitergeht, müssen alle zurück.

Interessant war es trotzdem, hat man doch von da oben einen sehr schönen Ausblick über die ganze Stadt. Die Sicht war zwar nicht ideal, aber eine bessere Sicht hat man lediglich im Winter. Im Sommer dürfte sich ein Ausblick zur Brücke in der Regel kaum lohnen; es sei denn, man kommt unmittelbar nach einem Taifun zur Brücke.

Panorama von Tokyo - ganz rechts der Tokyo Sky Tree

Und zu guter Letzt noch ein Photo – dieses Mal von unten. Da der Flughafen sehr nah ist, kommen die Flugzeuge der knapp 90 Meter hohen Brücke auch ziemlich nah.

Die Brücke von unten nebst Flugzeug

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Vegetarier / Katzenjammer / Startrek

März 26th, 2012 | Tagged , , | 13 Kommentare | 1444 mal gelesen

Heute gibt es mal ein buntes Potpourri zur Abwechslung: Ein Stück Video, ein Stück Audio und ein Stück Photo. Nicht, dass wir hier noch zu textlastig werden. Fangen wir mal mit dem Photo an – mit versteckter Kamera aufgenommen und zu schön, um es nicht zu zeigen.

"Veggie" auf Japanisch

Neulich war ich mal wieder bei Firma X zu einem Meeting. Im Erdgeschoss des Wolkenkratzers gibt es ein Café – ein „Tully’s“ – das japanische Pendant zu Starbucks. Da ich noch etwas Zeit und bis dato keine Gelegenheit zum Mittag essen hatte, liess ich mich dort nieder und schaute, was es essbares gibt. Nun, es gab „Veggie Pizza“. Nun bedeutet ja „Veggie“ eigentlich „vegetarisch“ (gelegentlich auch „vegetable“). Da das Wort neu ist, steht es natürlich nirgendwo fest definiert, aber unter „Veggie“ versteht man nunmal Vegetarisch. Nicht in Japan: Ich konnte bei der Veggie-Pizza wählen zwischen Tomate+Schinken oder Chicken Gratin. Nun bin ich kein Vegetarier, aber Vegetarier sollten gewarnt sein: Zwar gibt es sehr viele vegetarische Gerichte in Japan, aber für voll nimmt man hier Vegetarier ganz bestimmt nicht.

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Ein Audio: Tja, da lebt man also in einer gewaltigen Metropole mit geschätzten 30 Millionen Einwohnern. Einer gewaltigen Großstadt. Aber das ist den Katzen egal. Diese Aufnahme habe ich vorgestern nachts um 3 Uhr gemacht. Hinweis: Ab ca. der Hälfte wird es richtig laut. Und wer gut hinhört, hört in der zweiten Hälfte auch einen fluchenden, genervten Anwohner. Ach ja: Gegenüber von uns wohnt ein Fischhändler. Kein Wunder, dass die Katzen sich da wohl fühlen.———————-

Zu guter letzt ein Video – aufgenommen heute morgen auf dem Shinkansenbahnsteig in Tokyo, bevor ich mich auf den Weg nach Sendai machte. Über diesen neuen Typ Getränkeautomat hatte ich hier schon einmal geschrieben, aber heute konnte ich zufällig zuschauen, wie der Automat bestückt wird. Sieht ein bisschen wie Raumschiff Enterprise aus. Original-Audio habe ich entfernt, da es schlicht zu laut war. Die Hintergrundmusik war ein Vorschlag von YouTube und entspricht nicht meinem Geschmack, also einfach ignorieren.

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Erdwärme aus Nationalparks?

März 23rd, 2012 | Tagged , , | 8 Kommentare | 841 mal gelesen

Bekanntermassen hat Japan ja seit der Dreifach-Katastrophe vom 11. März 2011 ein paar Energiesorgen mehr: Vor dem Ereignis deckte man ein gutes Drittel des Strombedarfs aus der Kernenergie und einen noch grösseren Anteil aus fossilen Brennstoffen. Doch nun stehen 51 der insgesamt 54 Reaktoren still, und der ursprüngliche Plan, den Anteil der Kernenergie noch weiter zu erhöhen, wird man nicht mehr ohne weiteres durchführen können (hoffen zumindest viele). Einen Ausgleich versuchte man nach Fukushima dadurch zu schaffen, alte Gas-, Öl- und Kohlekraftwerke zu reaktivieren bzw. alles, was in Reserve gehalten wurde, permanent zu betreiben. Thailand lieh Japan sogar ein komplettes Kraftwerk damals, um bei der Energieversorgung auszuhelfen.

Japan hat freilich das Problem, alle seine Energie vorerst selbst erzeugen zu müssen. Mal eben eine Leitung von Südkorea oder Taiwan zu legen geht natürlich nicht, und man kann ja noch nicht einmal Strom von Westjapan nach Ostjapan leiten. Das macht Japan natürlich momentan extrem abhängig von fossilen Energieträgern, und schaut man sich die Lage in und um Iran an, kann einem nur Böses schwanen, denn 10% des importierten Erdöls stammen von dort.

Geothermie in Japan: Bisher nur durch komplizierte Schrägbohrungen möglich (Quelle: Daily Yomiuri / Yahoo Japan)

Da hilft wohl nur der Ausbau erneuerbarer Energieformen – Greenpeace hatte ja bereits im September 2011 einen 43%igen Anteil bis 2020 vorgeschlagen. Seit jeher ist da vor allem Erdwärme ein im wahren Sinne des Wortes heisser Kandidat, denn davon hat man in Japan wahrhaftig genug, und Island macht vor vor, wie man davon leben kann (nun gut, die haben auch nur 1/400 der Einwohner Japans).

Am einfachsten sind Wärmekraftwerke in der Nähe aktiver Vulkane zu errichten – schliesslich liegen dort die Magmakammern näher an der Erdoberfläche als anderswo. Dumm ist nur, dass die meisten Vulkane in Japan von Nationalparks umgeben sind. Und dort darf bekanntlich kein Kraftwerk errichtet werden. Bisher jedenfalls nicht. Das Umweltministerium gab gestern bekannt, dass es diese Regelung kippen möchte – und den Bau von Erdwärmekraftwerken in Nationalparks und Quasi-Nationalparks fortan genehmigt. Natürlich nur nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung mit positivem Bescheid.

Man darf gespannt sein, ob das Auswirkungen haben wird. Momentan werden nur zur 540 Megawatt in Japan durch Erdwärme produziert. Die meisten Kraftwerke befinden sich dabei auf Kyūshū und in Tōhoku (Nordost-Honshū). Stefansson schätzte in seinem Bericht 2005 (World Geothermal Assessment – leider scheint Stanford Univ. das PDF vom Server genommen zu haben, aber ich hatte den Bericht damals schon einmal gelesen), dass man in Japan dauerhaft rund 20 Gigawatt produzieren könnte. In Japan ist man etwas vorsichtiger und schätzt, dass rund 5’200 Megawatt wirtschaftlich sinnvoll sind (Schätzung laut Bericht des Umweltministeriums zu regenerativen Energien 2011, siehe hier). Ein Vergleich ist allerdings ernüchternd: Die Gesamtleistung der sieben Reaktoren im AKW Kashiwazaki (柏崎, Präfektur Niigata) liegt bei 8’200 Megawatt. Geothermalenergie ist in Japan von daher auf Dauer kein Ersatz – sehr wohl aber eine ausbaufähige Energieform in bestimmten Gebieten des Landes: Etliche Kommunen könnten damit ihren eigenen Strom produzieren, ohne über weite Entfernungen Strom übertragen zu müssen.

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Getränkeautomat – the next generation

Februar 14th, 2011 | Tagged , | 12 Kommentare | 3791 mal gelesen

GetränkeautomatJedem Japan-Besucher fällt eines in Japan sofort auf: Die enorme Dichte von Automaten, an denen man so ziemlich alles kaufen kann. Am häufigsten findet man Getränkeautomaten: So gab es laut der JVMA (Japan Vending Machine Manufacturers Association) 2009 in Japan 2,1 Millionen Automaten für Erfrischungsgetränke. Will heissen, auf 60 Japaner kommt ein solcher Automat. Der Umsatz dieser Automaten lag im gleichen Jahr bei knapp 1,9 Billionen Yen. Getränke (ausser Alkohol) kosten an diesen Automaten meist zwischen 100 bis 150 Yen. Holen wir also mal den Taschenrechner raus und gehen von einem Durchschnittspreis pro Dose/Flasche von 120 Yen aus: An einem durchschnittlichen Automaten werden pro Tag 20 Getränke gekauft. Der Durchschnittsjapaner kauft entsprechend 130 nichtalkoholische Getränke im Jahr am Automaten – bzw. mindestens eins alle drei Tage. Randnotiz: Andere Automaten (Zigaretten, Reis, Eis, Eintrittskarten, Zeitungen, Batterien, Socken usw.) mit eingerechnet gibt es knapp 4 Millionen Automaten in Japan (Rohdaten siehe hier).

Logischerweise kenne und nutze auch ich solche Automaten relativ regelmässig. Und ich bin einiges an Service gewohnt: Automaten, die heisse und kalte Getränke anbieten. Automaten, in denen der Kaffee frisch gemahlen und gebrüht wird. Automaten, die einen anquatschen, wenn man vorbeiläuft (mit „Guten Morgen“ am Morgen usw). Automaten, die einem im örtlichen Dialekt ansprechen (so z.B. im Tsugaru-Dialekt in Hirosaki) usw.
In jüngster Zeit fielen mir jedoch vor allem die Automaten der neuesten Generation auf: Riesenmaschinen mit einem riesigen 47-Inch-grossen Touch-Screen – ohne jegliche Tasten. Einfach das gewünschte Getränk angrabschen und schon erscheinen Informationen dazu.

Getränkeautomat
Das ist aber noch nicht alles: Laut Hersteller erkennt eine Kamera im Automaten Geschlecht und Alter (und was weiss ich sonst noch) des Bedienenden und preist entsprechend Getränke an. In meinem Fall einen Dosenkaffee mit dem Namen „Boss“. Es hätte schlimmer sein können… Ebenfalls laut Betreiber werden die Daten nach der Getränkewahl gleich wieder gelöscht. Man geht also nicht den letzten Schritt: Ein Automat in Shinagawa weiss nicht, was ich Tage zuvor in Maihama gewählt habe. Ansonsten sind die Automaten schon vernetzt – ich nehme mal an, um sie fernzusteuern in Hinblick auf welches Produkt besonders beworben werden soll und was wo wie schnell aufgefüllt werden muss. Meine mit iPad etc. vertraute 4-jährige Tochter findet die Automaten natürlich auch grosse Klasse – es ist schwer, sie wieder davon wegzulocken.

Bemerkenswert finde ich an dieser Stelle doch immer wieder, wie sicher Japan ist: Selbst an dunkelsten Ecken findet man Automaten – und noch nie habe ich zerkratzte Scheiben, angekokelte Knöpfe, besprühte Automatenwände und ähnliches gesehen.

Wer sich mehr für diese Automaten interessiert – hier gibt es ein PDF zum herunterladen (nur Japanisch) mit zahlreichen Zusatzinformationen.

Das Wort des Tages: 次世代 jisedai – „nächste(r/s) Generation“. Neue Generation.

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Seikan-Tunnel bald nur noch Nr. 2

Oktober 16th, 2010 | Tagged , | 6 Kommentare | 859 mal gelesen

Meinen Glückwunsch an die Schweizer zum Durschlag im Gotthard-Basistunnel heute – einen Tunnel dieser Grössenordnung muss man erst mal planen und verwirklichen, und das sogar ganz mit ohne Proteste seitens der Bevölkerung! Die 57 km lange Verbindung wird damit auch den Titel des „längsten Tunnels der Erde“ zum ersten Mal seit über zwei Jahrzehnten nach Europa bringen.
Noch hält der 青函トンネル Seikan-Tunnel in Japan den Weltrekord: Das „sei“ steht für das erste Schriftzeichen im Stadtnamen 青森 Aomori und das „kan“ für das erste Zeichen der Stadt 函館 Hakodate. Jener ist immerhin knapp 54 km lang; darunter gute 23 Kilometer unter dem Meer.

Im neuen Gotthard-Tunnel soll es zwei Nothaltestellen für die Eisenbahnen geben – auch im Seikan-Tunnel gibt es zwei Bahnhöfe: 竜飛海底 (Tappi-Meeresgrund) und 吉岡海底 Yoshioka-Meeresgrund. Die waren eigentlich früher auch als Nothalt gedacht, aber jetzt halten sogar Züge dort und man kann durch ein paar Katakomben laufen (im Falle von Tappi kann man sogar bis nach oben gehen – nein, man kommt nicht am Meeresboden raus).

Eine Fahrt durch so lange Tunnel im Zug kann ich nur jedem mit Schlafstörungen empfehlen – ich bin bisher drei Mal durch den Seikan-Tunnel gefahren, immer am hellichten Tage, und jedes Mal hatte ich mir vorgenommen, wach zu bleiben, um zumindest einen der Bahnhöfe zu sehen: Vergeblich. Aber dafür gibt’s ja YouTube:

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