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Wirbelstürme verwüsten Ortschaften bei Tokyo

Mai 6th, 2012 | Tagged , | 3 Kommentare | 1045 mal gelesen

Sieht irgendwie bedrohlich aus: Sturmfront über Tokyo

Ja, es müssen nicht immer Erdbeben sein. Man kann auch anders: Heute verwüsteten mehrere ausgewachsene Tornado bewohnte Gebiete in den Präfekturen Ibaraki und Tochigi. Mindestens drei Tornados wurden gezählt – darunter in 真岡市 Mōka-shi (-shi = Stadt) rund 100 km nördlich von Tokyo und in つくば市 Tsukuba-shirund 50 km nördlich von Tokyo. Besonders in Tsukuba waren die Schäden verheerend, da der Tornado direkt durch ein Wohngebiet fegte. Über 50 Menschen wurden teils schwer verletzt, ein 14-jähriger kam ums Leben, als der Sturm sein Haus samt Betonfundament (!) aus der Verankerung riss und ein paar Meter daneben verkehrt herum fallen liess. Des weiteren gab es in anderen Präfekturen Hagelschäden und auf Hokkaido weitflächige Stromausfälle. Eine Bewohnerin filmte den Wirbelsturm aus der Nähe, und man kann ihr nur Respekt zollen für ihren Mut. Nun ja, eigentlich handelte es sich dabei eher um Naivität, denn an ihrer Stelle wäre ich mit Sicherheit geflüchtet:

Wirbelstürme kamen in Japan schon immer vor (auch in Deutschland – wenn auch in beiden Ländern eher selten), aber die heutige Wetterlage war schon aussergewöhnlich. Eine lange, aber schmale Regenfront fegte heute über das Land und schob bereits Stunden vor dem Erscheinen einen kräftigen Sturm vor sich her. Das sah von uns aus gesehen so aus wie auf dem Bild oben rechts. Die Wand und die Blitze am Horizont sahen so beeindruckend aus, dass ich sofort Töchterchen vom Roller riss, sie auf mein Fahrrad setzte (zwischen Lenker und Sattel, auf der Querstange – sowas sieht man in Japan interessanterweise überhaupt nicht) und nach Hause radelte. Wenig später flogen bei uns die Fahrräder nur so durch die Gegend.

Wie so oft ist natürlich die Ruhe und die klare Luft nach dem Sturm erfrischend – so zeigte sich heute abend der nagelneue Tokyo Sky Tree in beachtlicher Klarheit (der Turm ist genau 10 km von uns entfernt).

Tokyo Sky Tree in der Abenddämmerung

Hier mal wieder zum ersten Mal seit langem das Wort des Tages: 竜巻 tatsumaki – der Wirbelsturm. Setzt sich aus 竜 tatsu = „Drachen“ (das alte Zeichen dafür wird auch noch häufig benutzt: 龍) und 巻く maku = „drehen, wirbeln“ zusammen.

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Frühjahrssturm / Wetter für Japanbesucher

April 4th, 2012 | Tagged , , , | 5 Kommentare | 2271 mal gelesen

Verkehrsinfo-Display im Bahnhof: Rot bedeutet kompletter Stillstand, gelb bedeutet Verspätung

Das Sturmtief, das heute über fast ganz Japan zog, hatte es in sich. Es war kein Taifun, aber es stand einem Taifun in nichts nach: Es legte den Verkehr von Kyūshū bis nördlich von Tokyo lahm, es gab Überschwemmungen, zahlreiche umgekippte Bäume und LKW, mindestens 3 Tote und Hunderter Verletzte. Selbst im Stadtzentrum von Tokyo wurden Windgeschwindigkeiten bis 110 km pro Stunde gemessen. Alle Bahnen, die nicht unter der Erde fahren, standen still, etliche Flüge wurden gestrichen. In der Präfektur Fukui strandete ein grosser, unbemannter Frachter, der sich losgerissen hat.

Rekordverdächtig für diese Jahreszeit? Nicht ganz – ca. ein Mal in zehn Jahren passiert so etwas im Frühling. Dieses Mal waren die Leute recht gut gewarnt: Sehr viele Firmen, auch die unsere, schickten ihre Leute am Nachmittag nach Hause. Ich hatte um 15 Uhr leider ein wichtiges Meeting, und mein Gegenüber entschuldigte sich mehrmals, dass es keinen Tee geben werde, da die Leute alle schon auf dem Heimweg sind. Nun gut – nach dem Meeting war es voraussichtlich schon zu spät, und so ging es zurück zum Büro, Sturm aussitzen. Da ich ja nun schon zahlreiche Taifune hier erlebt habe, weiss ich ungefähr, wann und wo welche Züge ausfallen. Und ein bisschen Thrill zum Feierabend tut auch ganz gut. Also ging es abends kurz vor 8 Uhr zum Bahnhof Ebisu. Erwartungsgemäss fuhr meine Linie nicht, also ging es mit der Yamanote-Ringlinie nach Ōsaki. Die Linie von dort fuhr – erwartungsgemäss, da sie fast die ganze Strecke unterirdisch verläuft (nein, keine U-Bahn!).

In Shin-Kiba hiess es umsteigen, aber natürlich fuhr die Linie nicht, denn die Linie von dort verläuft auf Stelzen und immer an der Küste entlang. Ein leichter Luftzug, und die Linie steht. Seit 14 Uhr. Also raus aus dem Bahnhof und zum Taxistand. Erstaunlicherweise warteten dort nur 3 Leute. Der Vordermann, ein junger Japaner, fragt mich ganz selbstverständlich auf Japanisch, wo ich hinmöchte. „Nach Urayasu!“ antworte ich, und er sagt freudestrahlend „Ich auch! Wollen wir uns das Taxi teilen?“. Aber gern doch. 15 Minuten später teilen wir die Rechnung – 1,300 yen für jeden. Letztendlich dauerte die Heimfahrt damit sogar etwas kürzer als üblich. Geht doch. Vor 9 Uhr war ich zu Hause. Meine Linie nahm erst nach 23:30 wieder den Betrieb auf.

Jüngst fragte ein Japan-Besucher und Leser verständlicherweise, woher man als Japan-Besucher im Voraus von solchen Wetterlagen erfahren kann. Nun, die JMA (Japan Meteorological Agency) unterhält eine sehr umfangreiche englische Webseite zum Thema, und ein gelegentlicher Blick darauf kann bei der Reiseplanung sehr nützlich sein:

http://www.jma.go.jp/jma/indexe.html

Insbesondere sind folgende Seiten darin wichtig:

Aktuelle Unwetterwarnungen
Taifunwarnungen (Juni bis November)
Wettervorhersage
Für Fortgeschrittene: Regenradar (mit Vorhersage-Simulation)

Bei allen Karten kann man Gebiete anklicken.

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Schwerer Taifun im Anmarsch: Warnung für Nagoya, Großraum Tokyo etc.

September 21st, 2011 | Tagged , | 4 Kommentare | 2963 mal gelesen

Taifun Roke: Erwartete Route

Taifun Roke: Erwartete Route

Der Taifun, der just im Anmarsch ist, verdient es allemal, hier erwähnt zu werden: Taifun Nr. 15 (will heissen, der 15. in dieser Taifunsaison im Ostpazifik), von der Internationalen Taifunbehörde „Roke“ (gesprochen: Rookie) genannt, ist bereits jetzt dabei, schwere Verwüstungen anzurichten – und dabei hat er noch nicht mal Land betreten. Momentan zieht der Taifun östlich der Pazifikküste entlang und wird morgen, am 21. September, womöglich direkt über den Großraum Tokyo ziehen. Heute hat er bereits vor allem auf Shikoku und bei Nagoya seine Spuren hinterlassen: Allein in Nagoya gingen an 890,000 Einwohner Evakuierungswarnungen heraus, da aufgrund des schweren Regenfalls der 庄内川 (Shōnai-gawa, -gawa = Fluss) über das Ufer getreten ist.
Das Besondere an diesem Taifun ist die Tatsache, dass er seit seinem längeren Aufenthalt bei Okinawa nochmal an Kraft zugelegt hat. Momentan beträgt die Windstärke nahe des Zentrums rund 160 km/h, mit Spitzen von bis zu 200 km/h. Mittlerweilen wurde der Taifun deshalb zur höchsten Kategorie heraufgestuft. Im Großraum Tokyo rechnet man mit bis zu 400 mm Regen innerhalb der kommenden 24 Stunden (Berlin: 571 mm pro Jahr).
Wer noch nicht in den zweifelhaften Genuß eines Taifuns bzw. Zyklons bzw. Hurrikans kam: Das Ausmaß der Schäden hängt stark von der Topographie des betroffenen Gebietes ab. Im Falle Japans ist es meist weniger der Wind, der Schaden anrichtet, sondern die enormen Wassermengen: Da sich der Großteil über oder vor dem Gebirge im Landesinneren ergiesst, ist quasi jedes Gebiet in Flußnähe in Gefahr, erst recht, wenn es sich um ehemalige Auen handelt. Leider sind Taifunrouten nachwievor relativ schwer voraussagbar. Mit etwas Glück verschont dieser Taifun Tokyo, aber es sieht momentan nicht gut aus.

Unwetterwarnung am 21. Sep 2011

Taifun Nr. 15: Unwetterwarnung am 21. Sep 2011

Was tun, wenn man gerade in Tokyo ist? Nicht viel. Es sollte einfach jeder prinzipiell davon ausgehen, dass der Nahverkehr morgen abend zum erliegen kommt. Desweiteren empfiehlt es sich, das Auto stehenzulassen und tiefe, flussnahe Bereiche zu vermeiden.
Dieses Jahr ist übrigens wirklich beachtlich in Sachen Taifune: In den 1970ern gab es 4 schwere Taifune in Japan, in den 1980ern keinen nennenswerten Taifun, in den 1990ern und 2000ern jeweils wieder 4 – doch „Roke“ hat das Zeug dazu, der zweite schwere Taifun in diesem jungen Jahrzehnt zu werden: Nr. 12 in diesem Jahr, „Talas“, war etwas weniger stark, richtete aber im August/Septemver schwere Schäden vor allem in der Präfektur Wakayama an: 67 Menschen kamen ums Leben, 26 werden noch vermisst.
Tausend mal verlinkt, aber zur Sicherheit nochmal: Den aktuellen Taifunstatus auf Englisch gibt es hier.

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Wenn es auf den regnet, der schon nass ist

August 2nd, 2011 | Tagged , , , , | 13 Kommentare | 1488 mal gelesen

Wer momentan an der Beweisführung für den sogenannten Matthäus-Effekt arbeitet, kann mit Sicherheit in Japan fündig werden. Dieses Jahr wird wohl mit einigen Rekorden in die Annalen eingehen. Das schwere Erdbeben am 11. März mit dem nachfolgenden Tsunami war da erst der Anfang, aber Japan hat ja noch weit mehr als das zu bieten. Taifune und Starkregenereignisse zum Beispiel. Ein starker Taifun richtete erst in der vergangenen Woche grosse Schäden in Westjapan an. Vom 26. bis 30. Juli war dann die Präfektur Niigata und der Westen von Fukushima (das AKW Fukushima I steht im Osten) dran: Drei Tage regnete es dort ununterbrochen, an einigen Orten bis zu 400 mm pro Tag. Ganze Landstriche und Ortschaften standen und stehen unter Wasser, 4 Menschen kamen bisher ums Leben und ein Teil der Infrastruktur hat stark gelitten. Rund 400’000 Menschen wurde die Evakuierung angeordnet – darunter sind auch tausende Menschen, die bereits als Flüchtlinge behelfsmässig untergebracht waren.
Da vergisst man doch glatt die Erdbeben. Vorgestern nacht um 4 Uhr morgens gab es erst ein Beben der Stärke 6.4, quasi gleich in der Nähe des AKW, und in weiten Teilen Chibas und Tokyos mit der Stärke 3 nach der japanischen Skala deutlich spürbar. Vor einer Stunde bebte es dann westlich der Izu-Halbinsel, Stärke 6.1; auch das war in Tokyo und Chiba mit Stärke 3 stark spürbar.
Zum Glück gibt es noch andere Sprichwörter. Zum Beispiel „Es kann ja nicht immer regnen“. Oder?

Gestern gab es in der Sendung „Mr. サンデー“ (Mr. Sunday – in etwa vergleichbar mit Spiegel TV, so es das noch gibt) einen interessanten Beitrag über die Wahrnehmung von Radioaktivität in Japan. Man verglich dabei die heutigen Werte in den sogenannten Hotspots (also Orten, in denen die Radioaktivität nach dem AKW-Unglück von Fukushima 1 deutlich zunahm) und anderen Orten weltweit, wie etwa Rom. Da war zwar nicht allzu viel Neues dabei, aber die Hintergrundinformationen über die Strahlenbelastungsgrenze in Japan (zur Zeit 20 Millisievert pro Jahr) waren recht interessant: Dazu sprach unter anderem der Chef der Internationale Strahlenschutzkommission, der nur lapidar meinte, dass Japan den untersten Grenzwert gewählt hat und alles unter 100 Millisievert pro Jahr eine „blackbox“ ist – man weiss nicht, ob eine Belastung unter 100 Millisievert etwas ausmacht. Die Empfehlungen der Strahlenschutzkommission (PDF, deutsch) lesen sich nicht ganz so zuversichtlich, aber die Diskussion um die Werte zeigt eins: Nicht nur die Reaktoren sind überhitzt, sondern auch die Gemüter: Die Regierung meint, da ist doch noch Platz mit den Grenzwerten, während einige Verbände erbost einen Grenzwert von 1 Millisievert / Jahr fordern.

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