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Airbnb bekommt grünes Licht in Japan

März 13th, 2017 | Tagged , , , | 2 Kommentare | 1107 mal gelesen

Jetzt völlig legal: Airbnb in Japan

Jetzt völlig legal: Airbnb in Japan

Heute hat das japanische Parlament eine interessante Entscheidung getroffen: Airbnb ist demnach ganz offiziell legal in Japan. Allerdings nicht ganz ohne Einschränkungen. Einerseits dürfen Airbnb Anbieter ihre Wohnungen oder Häuser maximal an 180 Tagen im Jahr vermieten. Und: Man spricht den Kommunen das Recht zu, eigene Beschränkungen zu erlassen. Ob die Kommunen davon Gebrauch machen werden, bleibt abzuwarten.

Neuesten Zahlen zufolge besuchten im Jahr 2016 sage und schreibe 24 Millionen Ausländer Japan (ein Rekord – und in Tokyo ist es deutlich spürbar: es wimmelt nur so von ausländischen Besuchern!), und 3,7 Millionen dieser Besucher, also 15%, nutzten Airbnb. Analysten schätzen, dass diese Zahl im Jahr 2020 auf bis zu 35 Millionen steigen könnte. Leider ist nicht klar, ob damit die Zahl der Airbnb-Nutzer oder die Zahl der Airbnb-Übernachtungen gemeint ist (ich vermute, eher letzteres).

Bisher war Airbnb ein etwas riskantes Geschäft in Japan – nicht für die Kunden, sondern für die Anbieter – denn es war nicht klar, ob dieses auch für Japan neue Geschäftsmodell geduldet werden würde. Die Beschränkungen dürften allerdings einigen Anbietern die Freude vergällen. Andererseits kommt die offizielle Genehmigung zur rechten Zeit: Einerseits steigen die Besucherzahlen seit einigen Jahren kontinuierlich. Andererseits stehen in den kommenden Jahren grosse Ereignisse an, so zum Beispiel die Rugby-WM 2019 und die Olympischen Spiele in Tokyo im Jahr 2020.

Persönlich habe ich Airbnb bisher noch nie benutzt. Mein Schwiegervater zum Beispiel schon – bei seiner letzten Tour nach Okinawa. Wenn man sich die Qualität der japanischen Hotels in der unteren Preisklasse jedenfalls so anschaut, ist die Verbreitung von Airbnb jedenfalls begrüßenswert. Und notwendig: Es fehlt, vor allem bei grossen Veranstaltungen, oftmals schlichtweg an Unterkünften. Selbst in der Nähe des Flughafens Haneda, der ja immer mehr internationale Flüge aufweist, fehlt es an Unterkünften, was jedes Mal ein Ärgernis ist, da etliche Flüge so früh starten oder so spät landen, dass man auf eine Übernachtung angewiesen ist.

Airbnb’s Japan-Seite befindet sich übrigens hier.

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Geschichten aus der Mongolei – Teil 3

Januar 7th, 2017 | Tagged , | 5 Kommentare | 931 mal gelesen

Dies ist der dritte und gleichzeitig letzte Teil des Mongolei-Reiseberichtes. Ab dem nächsten Beitrag wird sich wieder alles um Japan drehen. Teil 1 dieses Berichtes befindet sich hier, der zweite Teil hier.

Verabredet war, dass mich der Guide um 8:30 vom Hotel abholt. Vorher musste ich allerdings auschecken, und da hatte ich wirklich Glück, denn ich hatte das Hotel vom 25. bis zum 29. Dezember gebucht – dabei bin ich jedoch bis zum 30. Dezember in der Stadt, und werde nun am 28. Dezember außerhalb übernachten. Das Umbuchen war für das Hotelpersonal überhaupt kein Problem, was allerdings auch daran liegen könnte, dass im Winter kaum Gäste im Hotel übernachten. Ein flüchtiger Blick auf die Frühstücksliste offenbarte, dass es neben mir rund 5 andere Hotelgäste gibt — und das Hotel hat mehrere dutzende Zimmer auf jeder der 5 Etagen.

Kaum habe ich ausgecheckt – so gegen 8:10 – tippt mir jemand auf die Schulter. Hinter mir steht eine rund 35-jährige Frau mit breitem Lächeln und voller Wintermontur und fragt mich, ob ich der bin der ich bin. Bin ich. Und das ist also der Guide. Eine zierliche Mongolin mit deutlich amerikanischem Akzent. Wir machen uns kurz bekannt, und dann geht es zum 6-sitzigen Off-Roader, der vor dem Hotel wartet. Der Fahrer ist ein verschmitzt dreinschauender, rund 50 Jahre alter Mongole, der offensichtlich nicht viel Englisch spricht. Und schon geht es los. Bayaraa, die Führerin, setzt sich neben mich in die zweite Reihe und erklärt munter drauf los. Sie macht das schon lange, aber normalerweise nur im Sommer, da sie im Winter eigentlich selbst auf Achse ist. Und ich merke schnell, dass ich in Sachen Ulan Bator dank des Fahrers vom Vortag schon relativ gut informiert bin. Aber so kann ich dank ihrer sehr guten Englischkenntnisse noch hier und da etwas nachhaken. In einem kurzen Moment der Stille wird mir erstmal bewusst, wie viel Luxus ich gerade im Begriff bin zu genießen. Ich habe Fahrer, Fahrzeug und Führer ganz für mich allein, für zwei volle Tage. Der Spaß kostet mich 450 US-Dollar (darin ist alles, aber auch wirklich alles für die kommenden zwei Tage enthalten – so gesehen ist das kein zu hoher Preis, wenn man den Aufwand bedenkt). Wäre ich mit noch jemandem unterwegs, hätte es mich 330 Dollar gekostet, zu dritt dann noch weniger und so weiter – logisch, denn man würde sich ja alles teilen.

Wir brausen erstmal gen Osten, entlang der transmongolischen Eisenbahntrasse, nach Налайх (Nalaich) – einer Kohlestadt und eines der 9 Distrikte der Hauptstadt. Das etwa 30’000-Einwohner-Städtchen wäre gern unabhängig von der Hauptstadt, um die Stadt selbst verwalten zu können, aber den Gefallen tut ihr die Stadtverwaltung von Ulan Bator nicht. Der Ort ist übrigens berühmt-berüchtigt für illegalen Kohleabbau – und damit einhergehend für eine enorm hohe Anzahl tödlicher Grubenunglücke — mehr dazu siehe hier.

Blick auf das Kohlestädtchen Nalaich

Blick auf das Kohlestädtchen Nalaich

In den Ort selbst fahren wir allerdings nicht – wir biegen kurz davor ab gen Norden. Und wir fahren an einem interessanten Friedhof vorbei – die Hälfte des Friedhofes ist ganz „dünn besiedelt“, die andere ganz dicht. Des Rätsels Lösung: In der dicht besiedelten Sektion liegen ethnische Kasachen – Muslime – begraben, und die bestatten eben anders. Die Nomaden in der Mongolei bevorzugen übrigens auch heute noch die sogenannte Himmelsbestattung: Der Leichnam wird nach einer Zeremonie unter freiem Himmel zurückgelassen. Kümmern sich Geier um den Kadaver (und in der Mongolei gibt es zum Beispiel beeindruckend große Mönchsgeier), dann fährt die Seele gen Himmel. Kümmern sich jedoch Wölfe oder Hunde um den toten Körper, geht es direkt in die Hölle. Das Leben nach dem Tod ist in der Mongolei ein Lotteriespiel.

Oboo am Eingang zum Nationalpark

Oboo am Eingang zum Nationalpark

Nur wenige Kilometer später geht die Straße bergauf und führt direkt in den Горхи-Тэрэлж БЦГ (Gorchi-Tereldsch-Nationalpark) – einem 1993 gegründeten Nationalpark, der im Norden an den Khan Khentii-Nationalpark grenzt – hinter jenem liegt dann bereits die russische Grenze. Am Eingang zum Nationalpark gibt es einen Pass, der zwar nicht sehr hoch liegt, aber es ist trotzdem wesentlich kälter hier. Wie kalt weiss ich leider nicht, denn das Thermometer des Autos für die Außentemperatur misst nur bis -30 Grad – darunter wird ein Fehler angezeigt. Direkt an dem Pass steigen wir aus und laufen zu dem Oboo am Wegesrand – einem großen Steinhaufen, wie es sie zum Beispiel auch in Tibet gibt. Wer auf eine Reise mit gutem Ausgang hofft, soll hier einen Stein ablegen und drei Mal um den Haufen laufen. Leicht gesagt, denn bei dem Schnee findet man nicht ohne weiteres Steine. Es gibt aber auch eine andere Geschichte zu den Oboo: Angeblich legten Soldaten auf dem Weg in den Krieg einen Stein nieder, und nahmen einen Stein mit, wenn sie zurückkehrten. An der Menge der zurückgebliebenen Steine konnte man damit erkennen, wie viele Menschen nicht aus dem Krieg zurückkamen. Schaurig. Auf dem Oboo am Eingang zum Nationalpark lagen außerdem ein paar Opfergaben sowie drei Hunde, die auf Almosen warteten – und von der Führerin, die sich hier natürlich auskennt, auch bekamen.

Der Schildkrötenfelsen im Terelj-Nationalpark

Der Schildkrötenfelsen im Terelj-Nationalpark

Wir steigen wieder ein und fahren talwärts. Nach nicht allzu langer Zeit taucht vor uns ein gewaltiges Granitgebilde auf – der Мэлхий хад (Schildkrötenfelsen), ein rund 15 Meter großes Granitmassiv, das in der Tat eindeutig an eine Schildkröte erinnert. Zumindest, wenn man aus dieser Richtung kommt. Man kann übrigens bis auf den Hals der Schildkröte klettern, aber wenn man den ganzen Weg gehen will, sollte man nicht zu üppig gefrühstückt haben, denn am Ende der Strecke gibt es eine sehr enge Passage, durch die normal große Personen nur unter akrobatischen Verrenkungen durchkriechen können.
Die kurze Kletterei tat jedenfalls gut – Bewegung ist immer gut gegen Kälte. Immerhin ist hier die Luft wesentlich klarer als in und um Ulan Bator, und der Frostnebel lüftet sich auch gerade, so dass man die Umgebung immer besser sehen kann.

Hin und wieder unterhalten sich die Führerin und der Fahrer auf mongolisch. Logisch. Mongolisch schreibt man (fast immer) mit kyrillischen Buchstaben – aber es gibt zwei Buchstaben, die man hinzufügen musste: „Ө“ (in etwa: „ö“) und „Y“ (in etwa: „ü“). Das bedeutet also, dass ich Mongolisch „lesen“ kann. Meine Russischkenntnisse sind zwar eingerostet, aber noch gut genug, um schnell bestätigen zu können, dass Mongolisch außer der Schrift so gut wie nichts mit dem Russischen gemein hat. Kein Wunder – Mongolisch gehört zu einer völlig anderen Sprachfamilie (und zwar zur Uralo-Altaischen – also der Sprachfamilie, zu der auch Koreanisch, Japanisch, Ungarisch, Finnisch usw. gehören). Aus historischen Gründen gibt es allerdings ein paar russische Lehnwörter, wobei man häufig im Mongolischen den letzten Buchstaben weglässt: „Apteka“ (Apotheke) ist also „Aptek“ im Mongolischen, „fabrika“ ist „fabrik“, „maschina“ (Auto) ist „maschin“ und dergleichen. Es sind allerdings nicht genug Lehnwörter, um mal eben so drauflos zu raten. Mongolisch klingt jedenfalls ziemlich „hart“ – mit vielen Frikativlauten (wie das phonetische [x], also das „ch“ in „Bach“).

Meditationstempel. Mit Hund.

Meditationstempel. Mit Hund.



Wir fahren ein bisschen weiter und kommen an einem sogenannten Meditationstempel an, den man nach 5 Minuten Treppen steigen und einer Hängebrücke erreicht. Das besondere an diesem Bauwerk: Es sieht sehr alt aus, ist es aber nicht – man hat den ganzen Tempel mit sehr viel Liebe zum Detail vor rund 15 Jahren wiederauferstehen lassen. Die Mongolei bis Ende der 1920er ein klerikaler Staat mit sehr engen Verbindungen zu Tibet. Buddhistische Mönche hatten das Sagen. Die klügsten und oder besten Männer wurden zu buddhistischen Mönchen ausgebildet und, da einem Zölibat unterliegend, quasi dem mongolischen Genpool entzogen. Medizinische Versorgung gab es nicht, und damit war die Kindersterblichkeit extrem hoch und die Lebenserwartung gering. Lag ein Kind im Sterben, sagten die Mönche ihre Sprüche auf, und wenn das Kind tot war, war es eben der Wille der Götter. Doch dann erstarkten die Kommunisten, und die Bolschewiken aus dem Norden verwandelten die Mongolei in den 1930ern in das zweite sozialistische Land auf der Welt. Auf der Strecke blieben zehntausende hingemetzelte Mönche und tausende zerstörte Tempel und Klöster. Doch der Sozialismus bescherte dem Land feste Straßen, eine Eisenbahnlinie, ein Schulwesen, ein Gesundheitswesen, moderne Fabriken, Elektrizität und so weiter. Das Fazit der Führerin: Wären die Russen nicht gewesen, wären die Mongolen wahrscheinlich schon ausgestorben. Und das habe ich bei allen Mongolen, die ich während der kurzen Reise feststellen können: Man liebt die Nachbarn im Norden. Und man hasst die Nachbarn im Süden. Basta. Die meisten Sachen werden zwar dennoch aus China importiert, aber nur deshalb, weil dort alles billiger zu haben ist.

Das mit dem Buddhismus, Schamanismus und dergleichen ist dabei eine spannende Angelegenheit. Ich frage die Führerin irgendwann, ob denn alle mongolische Namen eine Bedeutung hätten. Scheinbar ja, obwohl es durchaus auch etliche tibetanische, russische und andere Namen gibt. Eine alte Praxis scheint man jedoch allmählich einzustellen: Wenn zum Beispiel früher ein Kind sehr jung oder bei der Geburt verstorben war, gab man dem nächsten Kind einen sehr abstoßenden Namen (als Beispiel fiel das Wort „Schlampe“), um die bösen Geister von dem Kind abzulenken. Ob das denn nicht in der Schule für Probleme sorgte, wollte ich daraufhin wissen – und ja, natürlich hatten diese Kinder an solchen Namen schwer zu knabbern.

"Minimarkt" in Terelj

„Minimarkt“ in Terelj

Nach fast einer Stunde am Tempel geht es weiter. Überall sieht man Ger-Camps (die Bezeichnung „Jurten-Hotel“ passt da wohl am ehesten) sowie mehr oder weniger fertig gebaute Hotels. Terelj ist dank der Nähe zur Hauptstadt die touristischste Ecke weit und breit. Die Sommerfrische. Im Winter menschenleer. Wie sich all die neuen Bauten mit dem Nationalparkkonzept vertragen, weiss ich allerdings nicht. Bald kommen wir im Dörfchen Terelj selbst an – sehr malerisch gelegen an einem Flüsschen, nebst Luxushotel, Golfanlage und… einem blitzblanken Dorfladen nebst gelangweilter Verkäuferin. Den wir aber gleich wieder verlassen. Gleich am Dorf gibt es eine Furt, über die man im Sommer nur sehr schwer kommt, aber jetzt ist Winter und der Fluss ist vollkommen zugefroren. Danach geht es durch ein kleines Wäldchen – auf einem Weg, den man ohne Offroader auf gar keinen Fall passieren kann. Das mit den Bäumen hier ist ganz einfach: Prinzipiell gibt es in der Gegend nur sehr wenige, da es einfach zu wenig Niederschlag gibt. Auf einigen Bergen und entlang der Flüsse findet man jedoch welche. Wir verlassen aber bald den Fluss und fahren entlang einer durch den Schnee blendend weißen Hügelkette, bis wir irgendwann in ein kleines Tal einbiegen. Alle 500 Meter bis 1’000 Meter sieht man eins, zwei Jurten nebst Umzäunung. An der zweiten Jurte im Tal halten wir — unser Ziel. Ein Karree, mit drei Jurten auf der linken Seite und Bretterverschläge für das Viehzeug. Wir parken das Auto und betreten die rechte Jurte.

Die Gästejurte

Die Gästejurte

In der selbigen ist es bullig warm. Von einem mit Folie bespannten Loch in der Mitte dringt Tageslicht herein. In der Mitte stehen die beiden Hauptstreben der Jurte, und davor steht der Ofen, der gleichzeitig als Herd benutzt wird. Es gibt drei Betten, zwei kleine, farbenfrohe Schränke, einen Teppich an der Wand. Rechterhand sitzen drei kräftig genährte Frauen und schwatzen. Gegenüber der kleinen Eingangstür sitzt der Hausherr, ein hochgewachsener und sehr freundlich dreinschauender Mann. Wir werden einander vorgestellt und an den winzigen Tisch mit den Campingstühlen gebeten. Der Hausherr spricht sogar ein wenig Englisch. Erstmal gibt es eine Tasse des bereits bekannten сүүтэй цай (Suutei Tsai) – leicht gesalzener Milchtee, wobei die Milch eindeutig dominiert. DAS Getränk in der Mongolei. Die Frauen sind dabei, Бууз (Buuz) zu machen: Teigtaschen mit Fleischfüllung. Auch die habe ich schon in der Hauptstadt kennen- und schätzengelernt. Ich bin schon immer ein Riesenfan von chinesischen Xiǎolóngbāo gewesen, weshalb ich mich gerade im Paradies wähne: Mit einem kleinen Nudelholz werden runde Teigfladen gerollt, in die kommt dann ein Löffel frisches Fleisch, dann werden die Teigtaschen oben zusammengezwirbelt. Beim Dünsten bildet sich dann etwas Brühe in den Teigtaschen, die dann beim Essen langsam in den Mund strömt. Ein Gedicht.

Trinkwasservorrat (kommt vom Fluss)

Trinkwasservorrat (kommt vom Fluss)

Wir unterhalten uns ein wenig beim Essen. Irgendwann kommen wir auf das Thema Wölfe zu sprechen, da die in der Mongolei für die Nomaden eine rechte Plage sind. Ich frage, ob es hier auch Wölfe gibt (teilweise aus Eigeninteresse, denn die „Toilette“, ein Bretterverschlag mit Loch im Boden, halbem Dach und ohne Tür steht rund 50 Meter von den Jurten entfernt). Der Mann bejaht das, wird jedoch plötzlich ganz ernst und weist mich daraufhin, dass man beim Essen nicht über Wölfe spricht. Nun gut, dass muss man erstmal wissen. Nach dem Essen verabschiedet sich der Mann — er muss seine Tochter aus der 50 Kilometer entfernten Schule abholen, da ab morgen Ferien sind.

Die Führerin weist mir die mittlere, blitzsaubere Jurte zu. Da soll ich schlafen. Es gibt drei Betten, einen Ofen sowie eine Kiste der Reisefirma mit ein paar Büchern und anderen Sachen. Fahrer und Führerin werden in der linken Jurte übernachten. Die beiden benehmen sich dabei wie zu Hause, aber auch das werde ich noch merken: Das ist normal. Jurten werden nicht abgeschlossen, die Leute kommen und gehen – und alle benehmen sich wie zu Hause. Ganz normal.

Schnee und Eis. Unten: Gehöfte von vier Familien

Schnee und Eis. Unten: Gehöfte von vier Familien

Es ist jetzt 14 Uhr am Nachmittag. Ich hätte jetzt mit einem Pferd reiten können, aber das habe ich beim Gespräch mit der Reiseagentur abgewählt. Sicher, das macht auf jeden Fall Spaß. Aber meine Schuhe und Handschuhe sind definitiv nicht geeignet für einen längeren Ausritt bei diesen Temperaturen. Also gibt es nicht viel zu tun bis zum Abendessen. Bayaraa fragt, ob ich mich etwas ausruhen möchte. Oder ob ich einen Spaziergang machen möchte. Zum Ausruhen ist die Zeit zu schade. Also laufen wir den sanften Hügel hinter den Jurten hoch, durch herrlich knirschenden Schnee. Hinter dem Hügel lockt ein Berg – geschätzt rund 400 Meter hoch (wir befinden uns übrigens schon auf rund 1’500 Meter Höhe), und soweit sichtbar so gut wie baumfrei. Ich deute an, dass wir ja einfach weiterlaufen könnten. Und meine Begleiterin hat nichts dagegen. Ein mittelgroßer, schwarzer Hund mit Halsband läuft uns immer ein paar dutzend Meter voraus – er gehört zur Familie und scheint Spaß daran zu haben, uns zu führen. Und so geht es immer höher. Im Schnee etwas beschwerlich, wird es in den etwas steileren Passagen leichter, da dort der Schnee weggeweht wurde. Und so geht es rund anderthalb Stunden immer höher.

Oben stehen gleich zwei Oboo. Beide sind eine Mischung aus Steinhaufen mit grösseren Ästen darauf. In dem kleineren liegt ein bereits reichlich verwitterter Pferdeschädel, und auch der hat seine Bedeutung: Jemand hat den dort platziert, weil er sich wünscht, ein Rennpferd großziehen zu können. Auf dem Gipfel stehen ziemlich viele Bäume, aber man hat trotzdem – zumindest in drei Richtungen – eine famose Aussicht. Die Luft ist glasklar, und in den drei Richtungen gibt es weit und breit nichts Höheres. Ein erhabener Anblick, und ich bin Bayaraa dankbar, dass sie ohne Murren mitgelaufen ist, denn ich bin nicht sicher, ob ich hier, mitten in der Mongolei, allein hochgelaufen wäre, denn hier grasen auch Pferde und rennen Hunde herum. Und den Hundebesitzer hatten wir auch schon aus der Ferne gesehen. Der Hund, der uns von Anfang an begleitet, ist immer noch da und zeigt uns erstaunlich präzise den besten Weg durch den Schnee.

Oboo mit Pferdeschädel

Oboo mit Pferdeschädel

Doch es ist schon kurz vor vier, und kurz nach 5 Uhr wird es dunkel. Bis dahin sollten wir also besser zurück sein. Wir kommen an einer kleinen Herde Pferde vorbei, die am Hang nach Futter suchen. Kühe und Yaks sind klug genug, die kehren am Abend allein zur Behausung zurück. Schafe und Ziegen müssen heimgeführt werden. Pferde jedoch dürfen draussen bleiben, auch nachts. Wo sie allerdings gelegentlich, vor allem im Winter, Wölfen zum Opfer fallen. Und die Pferde sind recht agil. Erst vor ein paar Tagen, erzählte mir der Familienvater, war er drei Tage unterwegs, um seine Pferde zu suchen. Die hat er schließlich auch gefunden – und ist dann wieder nach Hause zurückgekehrt. Ohne Pferde. Er wollte nur wissen, wo sie ungefähr zu finden sind. Dieser Gedanke, zwei, drei oder mehr Tage draussen herumzureiten, um irgendwo seine Pferde zu suchen, ist betörend. Viele mongolische Nomaden ziehen übrigens nicht etwa kreuz und quer durch das Land, sondern bleiben in einem relativ überschaubaren Bereich. Auch meine Gastfamilie zieht jeden Sommer um – aber nur einen knappen Kilometer, zum nahegelegenen Fluss, denn dort ist es im Sommer rund 10 Grad kühler, und es gibt natürlich mehr Wasser und damit auch Futter. Ich frage meine Begleitung, wie mongolische Nomaden denn dann einen Partner zum Heiraten finden, wenn sie mehr oder weniger in der gleichen Gegend bleiben. Die Antwort ist logisch: Beim Pferdesuchen. Sie reiten tagelang ihren Pferden hinterher und müssen natürlich überall herumfragen, ob jemand die Pferde gesehen hat. Und so findet man sich eben. Irgendwie. Früher war es wohl auch dementsprechend verboten, jemanden aus der gleichen Gegend zu heiraten. Mongolische Pferde sind übrigens vergleichsweise klein, aber sehr robust und kräftig. Bayaraa warnt mich jedoch, dass es eine üble Beleidigung sei, die Pferde mit Ponys zu vergleichen. Also: Beim Essen nicht über Wölfe reden. Das Wort „Pony“ nicht in den Mund nehmen. Lässt sich einrichten. Und noch was: Weiße Pferde darf man nicht „weißes Pferd“ nennen, sonst werden die bösen Geister neidisch und raffen das Pferd dahin. Stattdessen muss man es „braunes Pferd“ oder irgendwie anders nennen.

Mongolische Pferde

Mongolische Pferde

Die Sonne geht langsam unter und taucht die Gegend in ein ganz besonderes Licht. Unsere langen Schatten laufen auf den Baumkronen eines kleinen Wäldchens entlang immer weiter Richtung Tal, und der Hund läuft treu vorneweg. Gegen 5 Uhr kommen wir an der ersten Jurte vorbei und machen einen weiten Bogen: Jurten werden generell von Hunden bewacht, und die sind auf Zack. Kommt man zu nahe und es ist niemand zu Hause (oder man kann kein Mongolisch…) kann es also brenzlig werden. Und in der Tat: Als wir in rund 50 Meter Entfernung vorbeilaufen, kommt ein mittelgroßer Hund raus, der uns zwar nicht anbellt, aber uns sehr genau beobachtet und stets zwischen Jurte und uns bleibt. Noch 300 Meter und es ist geschafft: Wir sind an Jurtenansammlung Nummer 2, unseren Jurten, angekommen. In der knappen halben Stunde seit die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist, wurde es spürbar kühler.

Jurten, Viehverschläge, kleine Hütten - und die Toilette (links)

Typisch: Jurten, Viehverschläge, kleine Hütten – und die Toilette (links)

„Zu hause“ angekommen gibt es von der Frau Gemahlin erstmal einen Milchtee. Und da noch viel Zeit ist bis zum Abendessen, holt jemand einen Packen Karten raus, und man erklärt mir die Regeln von хөзөр (Chösör), ein in der Mongolei beliebtes Kartenspiel. An die Reihenfolge (Ass – 2 – 3 – König – Dame etc.) muss man sich erstmal gewöhnen. Interessant ist auch das Ziel des Spieles: Jenes ist nämlich nicht, zu gewinnen, sondern nicht zu verlieren. Und der, der im Uhrzeigersinn vor dem Gewinner sitzt, hat verloren. Das klingt erstmal komisch, aber wenn man taktisch gut spielt, kann man hier auf zwei Ziele hinarbeiten: Entweder, selbst zu gewinnen (damit man nicht verliert), oder durch geschicktes Legen dafür sorgen, dass der Nachbar nicht gewinnt. Interessant. Immerhin weiss ich jetzt, dass „mä!“ auf Mongolisch „Nimm das!“ und „beriberi“ „Ich nehme das“ heißt (wer mehr wissen will – die Regeln gibt es hier auf Englisch).

Rindvieh mit rauchender Jurte

Rindvieh mit rauchender Jurte

Schnell sind fast zwei Stunden rum. Der Hausherr ist immer noch nicht zurück. Plötzlich geht die kleine Tür auf, und sechs oder mehr Kinder und ein paar Erwachsene strömen herein. Unangemeldet. Die Massen lassen sich nieder, wo es passt, und sind ziemlich laut. Man ignoriert mich völlig, und das ist ebenfalls interessant. Die Menschenmenge scheint eine Mischung aus Verwandtschaft und Nachbarn zu sein. Die Mutter überredet alle, zum Essen zu bleiben, denn „dann schmeckt es doch besser“. Auch der Gastvater ist inzwischen zurückgekehrt, mit seiner erstaunlich großen und pummeligen, sechs-jährigen Tochter. Jetzt ist Essenszeit, und jeder erhält eine dampfende Schale mit гурилтай шол (Guriltay Schol), einer Nudel-Fleisch-Suppe mit ohne Gemüse. Das ganze Fleisch ist übrigens immer von selbst gezüchteten Tieren, Nudeln und Teig immer handgemacht. Es scheint, dass die Menschen hier nur zwei Sachen einkaufen: Mehl und Salz. Basta.

Unser treuer Begleiter

Unser treuer Begleiter

Irgendwann werden die Kinder nach draußen gescheucht – junge und ältere – um die Kühe, die einfach so vor den Jurten herumlungern, ins Gehege zu scheuchen. Und so schnell wie alle gekommen sind, sind sie auch wieder verschwunden: Es wird plötzlich leise in der Jurte. Die Gemahlin kündigt noch an, dass sie schnell eins, zwei Kühe melken muss, und so gehen wir alle zusammen noch mal raus. Wo es jetzt richtig bitterkalt ist. Ich hatte mir vorgenommen, ein Foto vom Sternenhimmel zu machen. Es ist Neumond, doch die Sterne leuchten so hell, dass man draussen kein Licht braucht. Und die Mlchstraße ist sehr deutlich zu erkennen. So einen prachtvollen Sternenhimmel habe ich jedenfalls seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen – kein Wunder, bei der Kälte, der klaren Luft und der Tatsache, dass es weit und breit keinen Lichtsmog gibt. Aufnahmetechnisch stosse ich jedoch leider an die Grenzen der Ausrüstung: Lasse ich die Kamera in der Jurte, friert beim rausgehen sofort die Linse ein, und man sieht gar nichts. Lasse ich die Kamera nebst Tasche eine halbe Stunde draußen stehen, versagt die Batterie vollständig (und ist nach einer Weile in der Jurte wieder vollkommen erholt). Ausserdem liegt die maximale Belichtungszeit bei 30 Sekunden, was nicht vorne und nicht hinten reicht. Davon mal abgesehen muss ich allerdings sagen, dass meine Canon X8i die Kälte in der Mongolei ausgezeichnet weggesteckt hat.

Winterlandschaft

Winterlandschaft

Als wir wieder drin sind, sind Zehen und Finger gut durchgefroren. Man unterhält sich noch ein bisschen – über einen politischen Mordfall von vor 15 Jahren, der nun plötzlich auf mysteriöse Weise aufgeklärt wurde, und über eine von Nachbars Kühen, die schon so alt ist, dass sie keine Zähne mehr hat – und das der Nachbar sie doch langsam schlachten sollte. Mit Hilfe von Bayaraa unterhalte ich mich auch noch ein wenig mit der Tochter und frage sie, was sie denn in der ersten Klasse für Schulfächer hat. Darunter: Umwelt und Natur. Alle Achtung.

Gegen 9 Uhr ist Zapfenstreich. Draussen wird noch etwas herumgefuhrwerkt und an den Tieren gemacht, doch bald ist es zappenduster, bullig warm in der Jurte und still. Irgendwann in der Nacht werde ich wach, weil es doch etwas kälter geworden ist – aber nicht sehr kalt. Doch irgendjemand legt gegen 4 Uhr Holz nach.

Am nächsten Morgen gibt es wie immer Milchtee und dazu хайлмаг Chailmag – eine mongolische Spezialität aus Yakmilchrahm (selbst geschöpft), Zucker und Mehl. Das wird dann noch warm aufs Brot geschmiert – und es schmeckt. Kalorien? Bestimmt um die 10’000 pro Löffel. Aber eben auch lecker. Nach dem Frühstück heisst es dann auch schon Aufbruch – schliesslich hat die Familie auch noch einiges zu tun. Der Gastvater, Naraa ist sein Name, ist übrigens im Sommer häufig Anführer von Treckingtouren mit Pferden in der Gegend. Das macht sicher großen Spaß – Naraa ist sehr geduldig und hat seinen eigenen Sinn für Humor.

Chailmag - ganz frisch

Chailmag – ganz frisch

Wir brausen zurück, zum Dorf über den Pass, und dann fast in die gleiche Richtung zurück. Nur eine kleine Bergkette trennt uns nach weit mehr als einer Stunde Fahrt von der Familie. Wäre es normal kalt, hätten wir den ganzen Weg enorm abkürzen können, doch nach einiger Beratung mit den Nachbarn wurde klar, dass der Fluss vor der Bergkette an einigen Stellen eben noch nicht komplett zugefroren ist. Tagsüber sind es nur knapp -20 Grad, und das ist wärmer als üblich. Unser Ziel ist dieses Mal eine gigantische Dschingis-Khan-Statue mitten im Nirgendwo. Die ist keine zwanzig Jahre alt und wurde von einem Politiker und Wirtschaftsmagnaten initiiert. Der gilt zwar ebenfalls als korrupt, wie viele seiner Kollegen in der Mongolei, doch immerhin, erklärt die Führerin, tut er was für sein Land. Er hinterlässt zum Beispiel eine riesige, sichtbare Statue für den berühmtesten Sohn des Landes — der ja selbst so gut wie gar nichts Sichtbares hinterlassen hat. Die Statue ist beeindruckend, und das Museum im Sockel durchaus sehenswert. Wenige Fahrminuten entfernt essen wir schliesslich noch Mittag, bei einem Mongolen, der Flüge im Gyrokopter anbietet. Allerdings nicht im Winter. Schade eigentlich, denn die Preise sind sehr zivil.

Gigantische Dschingis-Khan-Statue

Gigantische Dschingis-Khan-Statue

Danach geht es langsam zurück in die laute, versmogte Hauptstadt. Da wir noch etwas Zeit haben und ich Souvenire für die Verwandschaft kaufen will, geht es in einen „Factory Store“ der Firma Gobi – die mongolische Marke für echte Kaschmirwollprodukte. Dort herrscht richtiger Trubel, denn es ist Jahresendschlussverkauf.

Nach einem Abend im sehr empfehlenswerten Beer House gleich hinter der riesigen russischen Botschaft bricht auch schon die letzte Nacht an. Am nächsten Tag wartet wieder, wie verabredet, der Taxifahrer vor dem Hotel und bringt mich zurück zum Flughafen. Er wird etwas wehmütig: Ab 2017 soll der neue Flughafen in Betrieb genommen werden – dieser liegt dann 50 Kilometer entfernt von der Hauptstadt – zu weit für ihn, um, wahrscheinlich oftmals vergeblich, dort auf Reisende hoffend jeden Tag im Flughafen auf einen der wenigen Flüge zu warten.

Und hier noch ein Alltagsgruß aus Ulan Bator, kurz "UB" genannt

Und hier noch ein Alltagsgruß aus Ulan Bator, kurz „UB“ genannt

Das waren sie also – 6 Tage in der Mongolei, mitten im Winter. Ich muss auf jeden Fall noch mal hierher – und so schön es im Winter auch ist, möchte ich das ganze dann doch auch mal gern im Sommer sehen. Etwas länger, wenn möglich. Sowohl der Fahrer als auch die Führerin gehören jetzt zu meinen Facebook-Kontakten, also ist doch schon mal ein Anfang gemacht…

Vielen Dank für’s Lesen, und beim nächsten Mal geht es wieder weiter mit Japan!

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20 Jahre Japan

Mai 27th, 2016 | Tagged , | 17 Kommentare | 842 mal gelesen

2. Mai 1996 - der Anfang

2. Mai 1996 – der Anfang

Da hätte ich doch beinahe ein weiteres Jubiläum vergessen: 20 Jahre Japan, zu begehen am 2. Mai 2016! Immer, wenn ich gefragt werde, wie lange ich eigentlich in Japan sei, ist die Frage nicht so einfach zu beantworten. Denn hergezogen bin ich zwar 2005, aber das ganze ging eigentlich schon 1996 los.

Damals hatte ich eine wilde Horde Japaner kennengelernt, und irgendwann beschlossen, dass es doch mal interessant wäre, seine Fühler in fernere Gefilde auszustrecken. Mit ungewisser Aufenthaltsdauer: Bis zu einem halben Jahr sollt doch drin sein, dachte ich mir mit meinem jugendlichen, 21-jährigen Leichtsinn so.
Gesagt, getan. In den Semesterferien ging ich, damals mangels Alternativen, auf Baustellen jobben, um ein paar Yen zusammenzukratzen. Interessanterweise war der damals billigste Flug einer mit Air India, mit kostenlos ausdehnbaren Stopovers in Mumbai und Delhi, und das liess ich mir natürlich nicht entgehen: Eine gute Woche Mumbai und ein Tag Delhi fielen so auch noch an. Dann ging es endlich nach Tokyo. Immerhin konnte ich ja schon die Hiragana vollständig und die Katakana stotternd lesen. Und wahrscheinlich so um die 50 Schriftzeichen, wenn es hochkommt.

Große Sprünge waren damals nicht möglich, das merkte ich ziemlich schnell. Tokyo, Izu, Nikko – das war es in etwa auch schon. Sowie ausgedehnte Spaziergänge durch Tokyo (von Nerima bis zum Meer usw). Die Idee, dort fast ein halbes Jahr zu bleiben, verwarf ich ziemlich schnell wieder als reichlich unvernünftig – hauptsächlich auch, weil ich meiner Gastgeberin und ihrer Familie nicht so lange auf die Nerven gehen wollte, und so wurde letztendlich gerade mal ein Monat daraus. Ohne Internet, ohne Telefon, ohne Computer… eigentlich eine sehr interessante Zeit.

Mit Air India nach Narita

Mit Air India nach Narita

In bleibender Erinnerung ist mir noch immer eine Taxifahrt: Nach einer Feier mit Freunden mit Omiya verpassten wir den letzten Zug und beschlossen so, ein Taxi zu nehmen. Meine Begleiterin war sturzbetrunken und unfähig zu reden. Der Taxifahrer wusste nicht, wo oben und unten ist (ich hatte natürlich keine Ahnung, dass das in Tokyo völlig normal ist), und konnte natürlich kein Wort Englisch. Und ich wusste nicht, was „links“ und „geradeaus“ auf Japanisch heisst, so dass ich ihn eine halbe Stunde lang mit „rechts!“, „nicht rechts!“ und wildem Gefuchtele durch die Gegend manövrierte. Immerhin: Wir kamen irgendwann an.

Was sich seitdem geändert hat, ist schwer zu sagen. Es ist definitiv leichter für Ausländer geworden. Und eine Lektion habe ich gelernt: Ohne Japanischkenntnisse ist dieses Land eigentlich nicht zu begreifen (das reichte dann auch als Motivation, danach jeden an der Uni angebotenen Japanischkurs mitzunehmen, obwohl das gar nicht zu meinem Lehrplan gehörte). Hin und wieder jedoch blitzen noch heute Erinnerungen auf: Besonders an Orte natürlich, die sich ins Gedächtnis eingeprägt hatten und heute völlig anders aussehen (Roppongi zum Beispiel, obwohl ich das damals schon nicht mochte).

Schade nur, dass ich damals der festen Überzeugung war, dass zu viel Fotografieren die eigentliche Reisefreude trübt. So entstanden in Indien gerade mal knappe 20 Bilder, und in Japan maximal ein 36-Aufnahmen-Film.

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Hokuriku- Shinkansen-Reise (3. & letzter Teil)

März 10th, 2016 | Tagged , , | 4 Kommentare | 669 mal gelesen

Der Hokuriku-Shinkansen verbindet Tokyo mit Toyama und Kanazawa an der Nordostküste Japans. Im März 2015 wurde das Teilstück zu beiden Städten als Erweiterung der Linie von Nagano aus fertiggestellt.

Der Hokuriku-Shinkansen erreicht die Station Omiya in der Präfektur Saitama vom Bahnhof Tokyo aus in gerade einmal 25 Minuten. Vom Bahnhof Ueno sind es sogar nur 19 Minuten.

Hokuriku-Shinkansen im Bahnhof Tokyo

Hokuriku-Shinkansen

Saitama – Omiya

Omiya war einst eine Poststation auf der alten Nakasendo-Route, die quer durch das zentrale Bergland Japans Kyoto mit Tokyo verband. Heute ist Omiya eine moderne, hochgewachsene Stadt, und die Gegend rund um den Bahnhof von Omiya wird von etlichen Hochhäusern dominiert.

Eisenbahn-Museum. Photo mit freundlicher Genehmigung des Eisenbahnmuseums

Eisenbahn-Museum. Photo mit freundlicher Genehmigung des Eisenbahnmuseums

Das Eisenbahnmuseum von Saitama war das erste seiner Art von heutzutage vielen exzellenten Eisenbahnmuseen in Japan. Das Museum konserviert zahlreiche Züge aus dem langen und reichhaltigen Erbe der japanischen Eisenbahnen, aber es bietet auch einen Einblick in die Zukunft der Bahnen in diesem Land. Besucher können sich an einer Mahlzeit in einem Restaurantwagen laben und mit einer Minieisenbahn im Eisenbahnpark außerhalb der Ausstellungshalle fahren.

Das Saitama Bonsai-Museum sowie das Bonsaidorf liegen nebeneinander zwischen den Bahnhöfen Toro und Omiya Koen und sorgen für ein besonderes Erlebnis für Liebhaber dieser stilvollen, eleganten kleinen Bäume.

Zwischen Tokyo und Takasaki, im bereits ländlichen Abschnitt der Präfektur Saitama, liegt der Shinrin-Park mit einer Fläche 65 mal so groß wie der Tokyo Dome. Dieser Park ist vor allem an Wochenenden und Feiertagen beliebt bei Paaren und jungen Familien. Der Shinrin-Park bietet eine interessante Mischung verschiedener Landschaftsformen inklusive Seen, Flüsse, Wälder und Sümpfe. Es gibt unzählige Gelegenheiten zum Spaß haben, darunter ein Abenteuerspielplatz für Kinder, ein Discgolfkurs, ein Wander- und ein Joggingweg, Fahrradwege (Fahrräder können im Park geliehen werden), eine Segway-Tour, ein Kräuter- und ein Wildblumengarten sowie zahlreiche Orte zum Einkaufen, Ausruhen und Essen. Es gibt sogar spezielle Hundetoiletten sowie Hundekekse für die Vierbeiner. Der nächstgelegene Bahnhof ist der Shinrin Koen-Bahnhof an der Tobu-Tojo-Bahnlinie.

Filmhaus  Fukaya

Filmhaus Fukaya

Kumagaya, eine weitere alte Poststation an der Nakasendo-Strasse, ist berühmt für das nahegelegene Filmhaus Fukuya. Das Minikino hat gerade einmal 57 Sitze und befindet sich in einer 300 Jahre alten Sake-Brauerei. Die Gegend wird gelegentlich bei Dreharbeiten benutzt und zieht Menschen vor allem wegen ihres Showa-Flairs (das ist die Epoche vor und nach des Zweiten Weltkrieges) in den Bann.

Das Museum für moderne Kunst, Saitama

Das Museum für moderne Kunst, Saitama

Das Museum für Moderne Kunst in Saitama (MOMAS) liegt im Kitaurawa-Park und wurde vom preisgekrönten Architekten Kisho Kurokawa gestaltet, der auch für das Stadtmuseum für Zeitgenössische Kunst in Hiroshima, das Nationale Kunstzentrum, Tokyo, sowie das Wissenschaftsmuseum der Präfektur Ehime federführend war. Das Museum befindet sich innerhalb eines beeindruckenden Gittermuster und stellt vornehmlich Werke von Künstlern aus, die eine Verbindung zur Präfektur Saitama haben oder Künstler der Region stark beeinflussten. So findet man hier unter anderem Werke von Paul Delvaux, Moise Kisling, Claude Monet und Pablo Picasso, um nur ein paar der bekanntesten Künstler zu nennen. Das Museum für Moderne Kunst von Saitama bemüht sich so, einen Ausstellungs- und Förderungsort für örtliche Künstler zu bieten. Ein besonderes, aufregendes Merkmal des Museums sind die zahlreichen künstlerisch gestalteten, stilistisch interessanten Stühle, die zur Ausstellung gehören und von den Besuchern auch benutzt werden dürfen.

 

Präfektur Gunma

Die Tomioka-Seidenmühle in der Stadt Tomioka, Präfektur Gunma, war der erste moderne Industriekomplex Japans und wurde 1872 in Betrieb genommen. Die Originalgebäude aus der Gründungszeit sind noch immer intakt und bieten eine eindrucksvolle architektonische Kulisse und historisch wertvolle Stätte. Im Jahr 2014 wurde die Tomioka-Seidenmühle zum UNESCO-Weltkulturerbe bestimmt und ist damit die erste Industrieanlage Japans, der diese Ehre zugutekommt.

Die Seidenmühle befindet sich mitten im Zentrum der Stadt Tomioka und hat selbige vollends geprägt. Mehr als ein Jahrhundert lang war die Seidenmühle die wichtigste Industrieanlage der Stadt, und es gab kaum einen Stadtbewohner, der nicht in irgendeiner Weise mit der Seidenmühle zu tun hatte. Das ist heute nicht anders – es ist eben jene Seidenmühle, die Besucher von außerhalb anzieht, und damit für einen guten Teil der jetzigen Einnahmen der Stadt und deren Bewohner sorgt.

Tomioka-Seidenmühle (Photo mit freundlicher Genehmigung der Tomioka-Seidenmühle)

Tomioka-Seidenmühle (Photo mit freundlicher Genehmigung der Tomioka-Seidenmühle)

Das Ziel der Seidenfabrik, als sie gegründet wurde, war nicht nur die Produktion von Seide – damals eines der am heißesten begehrten Produkte in Europa – sondern auch die Einführung westlicher Industrieproduktionsmethoden in Japan. Damit war die Mühle der Vorreiter für die Zukunft eines industrialisierten Japans.

Die meisten Gebäude im Industriekomplex der Tomioka Seidenmühle stammen aus den 1870ern, und sie wurden bis heute in der ursprünglichen Form belassen. Selbst die in Frankreich hergestellten Glasfenster stammen noch aus jener Zeit.

Tomioka-Seidenmühle (Photo mit freundlicher Genehmigung der Tomioka-Seidenmühle)

Tomioka-Seidenmühle (Photo mit freundlicher Genehmigung der Tomioka-Seidenmühle)

Zu den Originalgebäuden gehören das Östliche Kokon-Lagerhaus, die Kokontrocknungsanlage, die Seidenspulfabrik und das Brunat-Haus, in dem dereinst der Fabrikdirektor Paul Brunat residierte.

5 Kilometer südlich der Seidenmühle befindet sich der Gunma Safari-Park, in dem man sich eine unerwartete Prise des tropischen Afrikas mit seiner ehrfurchteinflössenden Tierwelt holen kann.

 

 

Präfektur Niigata

Takada-Burg

Takada-Burg

Joetsumyoko ist ein nagelneuer Bahnhof, der eigens für die Eröffnung dieses Teils der Hokuriku-Shinkansen-Trasse im März 2015 fertiggestellt wurde. Der Bahnhof liegt in der Stadt Joetsu im Südwesten der Präfektur Niigata. Nördlich des Bahnhofes Joetsumyoko erstreckt sich der Takada-Park mit der gleichnamigen Burg – ein moderner Nachbau basierend auf Originalbestandteile der einst viel grösseren Festung. Die Burg wurde ursprünglich im Jahr 1614 von einem Sohn des legendären Tokugawa Ieyasu errichtet, doch das Bauwerk wurde später während der Meiji-Zeit geschliffen.

Myoko-Kogen – Imori-Teich

Myoko-Kogen – Imori-Teich

Der Takada-Park ist berühmt für seine 4’000 Kirschbäume, die nachts angestrahlt werden und so für wundersame Spiegelungen in den alten Wassergräben der Burg sorgen. Zahlreiche Imbißstände im Park öffnen bis spät in die Nacht und sorgen so für Erfrischungen. Es gibt einige Nachtbustouren von den nahegelegenen Ski– und Onsengebieten von Myoko Kogen südwestlich der Stadt Joetsu. Die Gegend westlich vom Takada-Park bewahrt bis heute etwas von der Atmosphäre einer Burgstadt aus der Edo-Zeit mit seinen altertümlichen Holzhäusern und Sake-Brauereien.

Diese Region von Niigata war einst die Provinz Echigo und bekannt für seine furchtlosen Samuraikrieger, darunter die legendären Rivalen Kenshin Uesugi und Takeda Shingen. Kenshin Uesugi nannte die nahegelegene Burg von Kasugayama sein zu Hause.

Unweit des Bahnhofs Katamachi an der Shin’etsu-Hauptlinie und direkt an der Küste befindet sich Unohama, ein kleiner Kurort mit heißen Quellen. Dieser Ort liegt etwas abseits und ist ein Geheimtipp mit seinen zahlreichen Ryokan – traditionelle japanische Herbergen, in der man nach Herzenslust heiße Quellen und zwei Mal am Tag füllende Mahlzeiten mit vor Ort gefangenen Meerestieren genießen kann – vor allem die für diese Region besonders bekannten, allerdings nur zu bestimmten Jahreszeiten erhältlichen Schneekrabben.

Die Skigebiete der Myoko Kogen-Berge zählen nicht nur zu den besten Skigebieten Japans, sondern sogar von ganz Asien. Mitten im Joshin’etsu Nationalpark befinden sich übrigens die beiden höchsten Gipfel der Präfektur Niigata: Der Myoko und der Hiuchi, beide jeweils knapp über 2’450 Meter hoch.

Die Gegend ist besonders bekannt für ihren feinen Pulverschnee und hohe Schneewände. Seki Onsen und Akakura Onsen sind zurecht bei Skifahrern und Snowboardern beliebt – bieten sie doch eine wunderbare Kombination aus Pulverschnee und heißen Quellen. Akakura Onsen gibt es seit 1816, und der Ort ist noch immer der größten Onsen-Kurort in der Gegend. Seki Onsen ist hingegen der älteste Onsen-Kurort unter den Onsen in Myoko – der Ort mit seinen heilenden, heißen Quellen lockt bereits seit 1729 Besucher an.

Nur ein bisschen weiter südlich liegt der Ort Ikenotaira, ein weiterer alpiner Erholungsort mit der bezaubernden Kombination aus Pulverschnee und heißen Quellen. Es gibt drei verschiedene Skihänge verschiedener Schwierigkeitsgrade und eine ausgezeichnete Sicht auf den alles überragenden Berg Myoko. Etwas östlich eben dieses Berges liegt das abgelegene und friedvolle Tsubame Onsen, benannt nach den unzähligen Schwalben, die dort jeden Sommer in den Felsen nisten. Das Quellwasser dort ist milchig-weiß, und im Winter kann man mit heftigen Schneefällen rechnen.

Im Sommer kann man hier sogenannte „Waldtherapie“-Wanderungen auf dem Sasagamine-Hochland unternehmen. Die lieblichen alpinen Blumen sowie die Buchen, Kiefern, Wasserfälle und Sümpfe erinnern dabei stark an die europäischen Alpen. Dort findet man auch das Sasagamine-Gehöft, zu dem Weidegründe für die örtliche Rinderzucht gehören. Der Imori-See bietet ein Besucherzentrum sowie einen Pfad rund um den kleinen See, der vor allem im April besuchenswert ist, wenn an den Ufern plötzlich tausende weiße Scheinkalla (ein Aronstabgewächs) blühen. An klaren Tagen spiegelt sich zudem der Berg Myoko in dem glasklaren Gewässer.

 

Präfektur Toyama

Die am besten von Toyama Stadt erreichbare Tateyama-Kurobe-Alpenroute ist Teil des Chubu Sangaku-Nationalparks und ist ein herausragender Höhepunkt der Natursehenswürdigkeiten der Hokuriku-Region – vor allem während der Herbstlaubfärbung, wenn die Natur traumhafte Farben hervorzaubert. The Strecke kann man im Bus, in der Standseilbahn, der Schwebeseilbahn sowie im KEPCO-Trolleybus, aber auch zu Fuß zurücklegen.

 

Die Tateyama Kurobe Alpenroute

Die Tateyama Kurobe Alpenroute

Die Tateyama-Kurobe-Alpenroute beinhaltet auch eine Passage durch einen Schneekorridor mit bis zu 20 Meter hohen Schneewänden, die am Berg Tateyama vorbei durch die Hida-Bergkette führt. An der gleichen Strecke liegt auch der Kurobe-Staudamm, der mit 186 Meter höchste Staudamm des Landes. Die Stauermauer ist ganze 492 Meter lang und läßt im Schnitt 10 Tonnen Wasser pro Sekunde passieren.

Ein Teil der Alpenroute wurde während der Konstruktion des Staudamms gebaut. Jener wurde 1963 in Betrieb genommen, um in diesem entlegenen Teil des Landes durch Wasserkraft erzeugte Elektrizität zur Verfügung zu stellen.

Murado liegt 2,450 Meter über dem Meeresspiegel und bietet den imposantesten Anblick besagter Schneewände, vor allem zwischen April und Mai, wenn die Tateyama-Kurobe-Alpenroute für den Verkehr freigegeben wird. Dieser Abschnitt ist auch für Fußgänger geöffnet, damit man so in Ruhe die gewaltigen Schneemassen beiderseits der Straße genießen kann.

Kurobe-Staumauer

Kurobe-Staumauer

Es gibt noch weitere interessante Orte wie zum Beispiel den Mikurigaike (みくりが池) – den tiefsten Hochgebirgssee in den Japanischen Alpen, die bis in den Juni hinein schneebedeckt sind. Das tiefblaue Wasser des Sees reflektiert die schneebedeckten Gipfel des Tateyama-Gebirges, und am See findet man zahllose Vogel- und Pflanzenarten.

Nicht weit davon entfernt befindet sich Mikurigaike Onsen, eine Berghütte auf 2’410 Meter Höhe und nur einen Spaziergang vom Murado entfernt. Dieses Onsen rühmt sich dafür, die höchstgelegenen heißen Quellen des Landes zu haben. Das heilende Wasser strömt aus dem umliegenden Jigokudani (wörtlich: Höllental) herein. Das nahegelegene 4-Sterne-Hotel Tateyama ist Japans höchstgelegenes Hotel und bietet einen unvergesslichen Aufenthalt abseits der Menschenströme.

Das Tateyama-Museum von Toyama (立山博物館展示館) bietet Ausstellungen über die Flora und Fauna der Tateyama-Berge, über Shugendo – eine religiöse Tradition, die seit der Heian-Zeit in den Bergen der Region praktiziert wird, sowie über die komplexe Geologie und Ökologie dieses Hochlandes, welches einst von Pilgerern, die sich auf den so mühsamen wie gefährlichen Weg durch die Berge machten, als heilig betrachtet wurde.

Man benötigt ungefähr 5 Stunden, um die Tateyama-Kurobe-Alpenroute zurückzulegen, und dazu gehört sechsmaliges Umsteigen. Man beginnt am Bahnhof Dentetsu-Toyama, von wo es weiter bis zum Bahnhof Toyama geht, und dann nach Shinano-Omachi, von wo Züge Richtung Norden nach Nagano sowie Richtung Süden nach Matsumoto fahren. Die Strecke ist für den normalen Verkehr von Mitte April bis Ende November geöffnet – für den Rest des Jahres bleibt sie gesperrt. Man kann diese Route nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen, da der Abschnitt zwischen dem Bahnhof Tateyama und Ogizawa für Privatfahrzeuge gesperrt ist.

 

Präfektur Ishikawa

Der Name Kaga Onsen (Kagaonsenkyo) ist ein Sammelbegriff für die insgesamt vier größeren Onsenkurorte in Kaga und Komatsu in der Präfektur Ishikawa: Awazu Onsen, Katayamazu Onsen, Yamashiro Onsen und Yamanaka Onsen.

Die Geschichte dieser heißen Quellen geht über 1’300 Jahre zurück, als, so wird es jedenfalls berichtet, wandernde Shugendo-Ästheten auf ihrem Besuch des heiligen Berges Hakusan selbige entdeckten.

Einige der traditionellen Herbergen in Kaga Onsen können ebenfalls auf eine lange und besondere Geschichte zurückblicken. Das Hoshi Ryokan in Awasu Onsen eröffnete bereits im Jahr 718 und gilt als das zweitälteste, noch betriebene Hotel der Welt. Seit mehr als 45 Generationen wird das Hotel von der gleichen Familie betrieben (man nimmt an, dass das Nishiyama Onsen Keiunkan in der Präfektur Yamanashi das älteste Hotel ist – Tokugawa Ieyasu übernachtete dort zwei Mal).

Zu den berühmtesten Besuchern von Kaga Onsen in seiner langen Geschichte gehören der Priester Rennyo (1415–1499) und der berühmte Haiku-Dichter Basho (1644-1694), die den Ort aufgrund seines heilenden Wassers aufsuchten.

Awasu Onsen

Awasu Onsen

Awasu Onsen wurde angeblich vom gleichen Mönch entdeckt, der den nahegelegenen Natadera-Tempel gründete. Dem Wasser sagt man verschiedene Heilwirkungen nach, und man kann es in einer Herberge oder in dem modernen, öffentlichen Bad Soyu geniessen.

Katayamazu Onsen liegt an der Shibayamagata-Lagune. Entdeckt im Jahr 1653, wurde hier seit der Meiji-Zeit ein Kurort errichtet. Dieses Onsen zeichnet sich durch den spektakulären Anblick des Berges Hakusan in der Ferne aus, den man während eines Bades geniessen kann. Katayamazu war früher als „Vergnügungs-Onsen“ (歓楽温泉) bekannt, da es neben den heißen Bädern noch zahlreiche weitere Unterhaltsamkeiten bot und bietet, wie zum Beispiel das Eis- und Schneemuseum, das Kitamae-Schiffsmuseum oder einen künstlichen Geysir, der jede Stunde Wasser aus dem See speit.

Yamashiro Onsen wiederum ist vor allem für seine beiden großen und einzigartigen Badehäuser bekannt – das Soyu und das Ko-Soyu (das alte öffentliche Bad). Das Ko-Soyu wurde originalgetreu im Stil der Meiji-Zeit restauriert.

Yamashiro-Onsen

Yamashiro-Onsen

Yamashiro Onsen befindet sich nahe der Kakusenkei-Schlucht in den japanischen Alpen. Die Straße, die man auf jeden Fall gesehen haben sollte, wird Yuge-Kaido genannt und beginnt am Kino-no-yu. Dort findet man zahlreiche Handwerksläden, in denen lokale Kunstwerke wie Lack- und Holzprodukte verkauft werden, sowie zahlreiche japanische Retaurants und Bars, in denen man die verschiedensten Sachen probieren kann. Basho war einer der ersten Bewunderer des Ortes, und so adelte er Yamashiro-Onsen, zusammen mit Arima Onsen in Hyogo und Kusatsu Onsen in Gunma, zu den besten drei Onsen Japans.

Die elegante Stadt Kanazawa ist momentan die Endhaltestelle des Hokuriku-Shinkansens. Auch als „Klein-Kyoto“ bekannt, hat es Kanazawa geschafft, etwas von der Kultur und Atmosphäre des alten Japans zu bewahren.

Eine Fahrt mit dem Hokuriku-Shinkansen zwischen Tokyo und der Hokuriku-Region, zwischen Pazifik und Japanischem Meer, erschließt eine völlig neue und sehr photogene Seite Japans: Eine traditionell landwirtschaftlich geprägte Reisanbaugegend, die heute Heimat hochmoderner Industrien, aber auch uralter kultureller Bräuche und unzähliger Freizeitvergnügen ist. Von Skipisten bis zu Heißwasserbädern, von Reisfeldern bis zu Spitzenrestaurants – es gibt allerhand zu entdecken in dieser sehr vielfältigen Region im Nordosten der Insel Honshu.

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Die Schönheit Japans mit dem Hokuriku-Shinkansen entdecken

Januar 20th, 2016 | Tagged | 8 Kommentare | 1347 mal gelesen

Der Hokuriku-Shinkansen ist eine Expresszugverbindung, die von JR East und JR West (JR=Japan Railways) gemeinsam betrieben wird und die Hauptstadt Tokyo an der Pazifikküste mit Kanazawa in der Präfektur Ishikawa an der Küste des Japanischen Meeres im Nordwesten verbindet.

Diese Gegend wird im Japanischen Hokuriku genannt und vereint die Präfekturen Niigata, Toyama, Ishikawa und Fukui. Der Literaturnobelpreisträger Yasunari Kawabata (1899–1972) verlieh dieser Region in seinem Roman Schneeland (Original: „Yukiguni“) unsterblichen Ruhm. Der Hokuriku-Shinkansen verbindet momentan Niigata, Toyama und Ishikawa miteinander, wobei die Strecke bis zum Jahr 2022 bis nach Fukui ausgebaut werden soll. Obwohl die Trasse auch durch Niigata verläuft, wird ein Großteil dieser Präfektur, inklusive der gleichnamigen Präfekturhauptstadt, allerdings vom Jōetsu-Shinkansen, einer weiteren Shinkansentrasse, die sich in Takasaki abspaltet, bedient.

Hokuriku-Shinkansen im Bahnhof Tokyo

Hokuriku-Shinkansen

Im März 2015 wurde ein neues Teilstück des Hokuriku-Shinkansens eröffnet – und zwar der Abschnitt von Nagano bis Kanazawa, womit die Fahrzeit zu den schönsten und am wenigstens besuchten Orten Zentraljapans deutlich verkürzt wird. Bis nach Kanazawa braucht man von Tokyo aus nunmehr lediglich 2,5 Stunden, so man mit den schnellsten Verbindungen auf der Route reist. Die gesamte Strecke wird durch den Japan Rail Pass gedeckt, womit eine Fahrt in die Region nördlich und westlich von Tokyo zu einer verlockenden Angelegenheit sowohl für Japanbeginner als auch für Japanveteranen wird.

Die Reise beginnt im Bahnhof Tokyo in einem nagelneuen, luxuriösen Zug, der im Großraum Tokyo in Ueno sowie in der Präfektur Saitama in Omiya hält. Von Omiya aus lohnt sich ein Abstecher mit der Tobu Urban Park-Linie nach Kasukabe zu einem Wunder moderner Architektur – den unterirdischen Flutschutzanlagen von Kasukabe. Die monströsen Kavernen dienen dazu, Tokyo vor potentiell katastrophalen Überschwemmungen zu schützen.

Saitama – Kawagoe

Auch die Häuser und Tempel aus der Edo-Zeit in Kawagoe sind nicht weit von Omiya entfernt. Kawagoe bietet eine historische Atmosphäre, die an alte japanische Städte erinnert. Strassen in der Altstadt werden von zahlreichen Holzhäusern gesäumt, die einst Handelsleuten gehörten, und der Kita-in Tempel mit seinen 500 Rakan-Statuen ist ebenfalls einen Besuch wert.

500 Rakan

500 Rakan

In Kawagoe, aufgrund des Wohlstandes seiner Bewohner damals gern als „Klein-Edo“ bezeichnet (Edo ist der alte Name für Tokyo), baute man über 200 kurazukuri genannte Lagerhäuser, in denen man Waren, die über die Handelsroute Kawagoe-kaido nach Edo geliefert wurden, zwischenlagerte. Der Bau dieser Lagerhäuser war kostspielig, da man sich mit dicken Lehmwänden gegen Brände und Diebe absichern musste.

Kawagoe Kura-Strasse

Kawagoe Kura-Strasse

Im Lagerhausviertel, genannt Kurazukuri no Machinami, findet man heute noch cirka 30 klassische Lagerhäuser sowie das weithin bekannte Wahrzeichen von Kawagoe, den Toki no Kane (Glockenturm), in dem auch heute noch vier Mal am Tag die Glocken erklingen.

Glockenturm von Kawagoe

Glockenturm von Kawagoe

Kita-in, Kawagoe

Kita-in, Kawagoe

Einige kurazukuri hat man in kleine Museen verwandelt, so auch das Kurazukuri Shiryokan, ein altes Lagerhaus für Tabak, welches 1893 nach einem verheerenden Brand wieder aufgebaut wurde. Bei jenem Großbrand wurde auch der ursprüngliche Glockenturm zerstört – man baute ihn schließlich 1894 wieder neu. In anderen Lagerhäusern findet man heute Souvenirläden oder Cafés.

Die Burg von Kawagoe wurde in den 1870ern geschliffen, doch der Honmaru Goten, die einstige Residenz der Feudalherren, blieb bestehen und ist auch heute noch einen Besuch wert.

Kawagoe hat auch einige interessante Tempel zu bieten, allen voran den Kita-in der bedeutenden Tendai-Sekte. Dieser Tempel beherbergt unter anderem die einzigen Originalbauten der damaligen Burg von Edo.

Von einem der reich dekorierten Räume wird vermutet, dass er die Geburtsstätte des dritten Shoguns, Iemitsu (1604-1651), sei. Die Anlagen des Kita-in beherbergen ausserdem über 500 Statuen von Buddhajüngern, rakan genannt, sowie einen Toshogu genannten Schrein, der dereinst zu Ehren Ieyasus, Begründer der Tokugawa-Dynastie, errichtet wurde. Im Kita-in Tempel begeht man zudem das beliebte Daruma-Fest im Januar jedes Jahres – dort können Besucher eine der glückbringenden Figuren erstehen.

In Kawagoe findet man ausserdem eine Reihe ausgezeichneter Geschäfte für traditionelle japanische Süßigkeiten, wobei sich die meisten in der Kashiya Yokocho (wörtlich: Süßigkeitenhändlerstrasse) aneinanderreihen. Rund 20 traditionelle Geschäfte verkaufen hier japanische Leckereien wie Reiscracker und Süsses aus Süßkartoffeln oder roter Bohnenpaste. Die besondere Atmosphäre dieser Strasse hat sich über die Jahrhunderte hinweg bis heute erhalten.

Kashiya Yokocho - die Süßigkeitenstrasse

Kashiya Yokocho – die Süßigkeitenstrasse

Kumagaya, der nächste Stopp auf der Route, liegt ebenfalls in der Präfektur Saitama und ist der Ausgangspunkt der Chichibu-Hauptlinie, mit der man in die idyllischen, ländlichen Gebiete von Nagatoro , Wadokuroya, Chichibu und Mitsumineguchi gelangt. Diese Gegenden sind allesamt von historischer Bedeutung, haben ihre ganz eigene Geschichte und sind ideal, um dem Trubel von Tokyo zu entkommen und in den Bergen zu wandern oder zu spazieren.

Der nächste Halt ist Takasaki in der Präfektur Gunma und weniger als eine Stunde vom Bahnhof Tokyo entfernt. Takasaki ist die Hauptproduktionsstätte für Daruma-Figuren in Japan. Diese possierlichen, buddhistischen Glücksbringer gibt es in allen erdenklichen Farben, Formen und Größen. Einfach einen Daruma im Jiganin-Tempel in Takasaki erstehen, und schon erfüllt sich ein Wunsch, wenn man wieder zurück in der Heimat ist. Ebenfalls in Takasaki befindet sich der Byakue-Kannon (eine weißgewandete, buddhistische Göttin) – eine riesengroße Buddhastatue im Kannon’yama-Bezirk südwestlich des Bahnhofs. Die Statue ist mit über 40 Metern eine der größten Buddhastatuen Japans und allein deshalb einen Besuch wert.

Gunma – Kusatsu

Kusatsu Onsen: Copyright: JapanVisitor.com

Kusatsu Onsen: ©JapanVisitor.com

Von Takasaki aus kann man leicht Kusatsu Onsen erreichen – ein sehr beliebter Kurort mit vielen heißen Quellen. Genauer gesagt ist Kusatsu Onsen eines der „Nihon Sanmeisen“ – die berühmtesten 3 japanischen Kurorte mit heißen Quellen. Die anderen beiden Kurorte sind Arima Onsen in der Präfektur Hyogo sowie Gero Onsen in der Präfektur Gifu.

Yumomi-Tanz

Yumomi-Tanz

In diesem Ort sollte man auf keinen Fall den Yumomi-Tanz, aufgeführt im Netsu-no-yu-Badehaus, verpassen. Bei diesen besonderen Aufführungen singen die Tänzerinnen japanische Volkslieder, während sie mit langen Holzbrettern um das heiße Quellenbad tanzen. Diese Prozedur dient dazu, mit Hilfe der Bretter das Wasser so zu rühren, dass es sich etwas abkühlt. Ausgewählte Besucher werden dabei zum Mitmachen animiert – man sollte also besser zum Tanzen gewappnet sein! Die Aufführungszeiten kann man einem Aushang am Eingang des Netsu-no-yu-Badehauses entnehmen.

Kusatsu Onsen Sainokawara

Kusatsu Onsen Sainokawara

Kusatsu Onsen hält den Landesrekord wenn es um den Ausstoß der heißen Quellen geht, und zog so schon seit der Edo-Zeit viele Besucher an. Es wird geschätzt, dass pro Stunde rund 32’000 Liter heißen Wassers aus dem Untergrund sprudeln – damit könnte man jeden Tag 18,5 olympische Schwimmbäder mit heißem Wasser füllen.

Das heiße Wasser in Kusatsu Onsen ist reich an Schwefel, Eisen, Alaunen, Aluminiumsulfaten, Chloriden und Arsen – alles natürlich in für Menschen unbedenklichen Konzentrationen (vom Trinken des Wassers sollte man jedoch trotzdem unter allen Umständen absehen!) Die Quellaustrittstemperatur liegt zwischen 60 und 67 Grad Celsius. Die mineralische Zusammensetzung sorgt für eine antibakterielle Wirkung, so dass das heiße Quellwasser eine Vielzahl von Beschwerden lindern helfen kann – allen voran Arthritis, Diabetes, Erschöpfung, Arteriosklerose, Bluthochdruck, Verbrennungen und Muskelstörungen.

Der „langsame“ Shinkansen auf der Route hält als nächstes in Iiyama (Nagano), Joetsumyoko (Niigata), Itoigawa (Niigata) und Kurobe-Unazukionsen (Toyama). Wir befinden uns jetzt im „Schneeland“, und von Iiyama aus kann man sehr bequem das Nozawa Onsen Ski-Gebiet erreichen.

Die Joetsumyoko-Gegend ist berühmt für viel Schnee, Sake und Lachs, und Itoigawa ist dafür berühmt, dass die Japanischen Alpen hier auf das Meer treffen. Der Itoigawa Global Geopark umfasst eine hervorragende Gegend mit sehr schöner Natur und ist vor allem für seine Kieselstrände sowie Jadevorkommen berühmt. Kurobe-Unazuki Onsen wiederum ist das ideale Sprungbrett zu einer der idyllischsten Landschaften Japans – dem Kurobe-Tal, einer tiefen Schlucht in den Nördlichen Japanischen Alpen – bekannt vor allem für die außergewöhnlichen Herbstfarben. Empfehlenswert ist in erster Linie eine Fahrt mit der 20 km langen Kurobe-Schlucht-Eisenbahn, die dereinst für den Bau des über dem Tal thronenden, gleichnamigen Staudamms (seines Zeichens mit 186 Meter der höchste Staudamm Japans) angelegt wurde. Die Strecke verläuft von Unazuki Onsen bis Keyakidaira und passiert dabei etliche Tunnel und Brücken, wobei letztere einen spektakulären Blick über die Schlucht offenbaren.

Niigata – Itoigawa

Der nächste Halt mit dem langsameren Hokuriku-Shinkansen ist Itoigawa, eine kleine Stadt am Japanischen Meer, die vor allem für ihren geologischen Fundus berühmt ist. Dank des geologischen Reichtums wurde Itoigawa das erste Mitglied des japanischen Geopark-Netzwerks sowie auch des weltweiten Geopark-Netzwerks.

Itoigawa-Onsen

Itoigawa-Onsen

Zu den geologischen Schätzen gehört der 1’188 Meter hohe Berg Myojo, der aus uralten Korallenriffen besteht und somit zahlreiche Fossilien enthält. Die 450 Meter hohe Kalksteinwand am selben Berg ist beliebt bei Felskletterern aus dem In- und Ausland. Vom nahegelegenen See Takanami-no-ike hat man einen schönen Blick auf den Myojo. Der Legende nach lebt in diesem 540 Meter hoch gelegenen See ein riesiger Fisch mit dem Namen Namitaro.

Takaname-no-ike Teich

Takaname-no-ike Teich

Die Gegend beginnt auf Meeresspiegelhöhe, entlang der Küste, und steigt schliesslich bis zum 2’766 Meter hohen Berg Korenge an. Im Ort Renge Onsen auf 1’475 Meter Höhe findet man zahlreiche heiße Quellenbäder im Freien, von denen man eine einmalige Sicht auf die umliegenden Berggipfel hat. Das aus dem Berg hervorquellende, kochend heiße Wasser wird dabei von Dampfwolken begleitet.

Itoigawa ist auch in ganz Japan für Jade bekannt. Vor allem die Kotakigawa-Schlucht am Fuße des Myojo enthält größere Vorkommen des wertvollen Gesteins. Neben Jade wurden noch weitere Bodenschätze abgebaut, so unter anderem Kohle in der Kotaki-Kohlegrube und Gold in der Hashidate-Goldmine. Während der Edo-Zeit markierte Itoigawa zudem den Beginn der „Salzstrasse“, auf der Meeressalz vom Japanischen Meer bis nach Edo, dem heutigen Tokyo, transportiert wurde.

Hisui-en-Garten

Hisui-en-Garten

Jade ist auch das bestimmende Thema im wunderschönen Hisui-en (wörtlich: Jadegarten), einem modernen japanischen Garten, der Jadeit-Felsen mit den umliegenden Bergen als „geborgte Landschaft“ paart. Hisui-en eröffnete im Jahr 1978, ist 1,7 Hektar groß und beinhaltet drei Wasserfälle, einen Pinienhain, einen Teich sowie unzählige Steine und Felsbrocken mit Jadeeinschlüssen. Besucher können sich hier bei einer leichten Mahlzeit an einem Jadetisch erholen und dabei den Anblick des Gartens sowie der umliegenden Berge geniessen.

Unweit des Jadegartens befindet sich der 1981 eröffnete Gyokusui-en, der ebenfalls zu einem schönen Parkspaziergang einlädt. Hier wird der Besucher am Eingang von einer 8 Meter großen Buddhastatue begrüßt.

Quasi gleich nebenan steht die eindrucksvolle Tanimura-Kunstgalerie, entworfen von Togo Murano, welche unter anderem 10 exquisite, von Sawada Seiko erschaffene Buddhastatuen zur Schau stellt.

Alle drei Sehenswürdigkeiten – Hisui-en, Gyokusui-en und die Tanimura-Kunstgalerie, können mit einer einzigen Kombi-Eingrittskarte besucht werden und sind nur einen kurzen Spaziergang vom Südausgang des Bahnhofs von Itoigawa entfernt.

Toyama- Gokayama

Zuiryuji-Tempel

Zuiryuji-Tempel

Die nächste Station nach Toyama auf der Hokuriku-Route ist Shin-Takaoka, von wo aus man sehr schnell den vorzüglichen Zuiryuji-Tempel erreichen kann – ein großer und sehr stattlicher Soto-Zen-Tempel aus der Edo-Zeit, der vor allem für seine langen Holzkorridore – ein Unikum in der japanischen Tempelarchitektur – bekannt ist. Takaoka wartet auch mit einem angenehmen Burgpark sowie dem symbolhaften Daibutsu, einer Buddha-Statue, die 1933 aus Kupfer gegossen wurde, auf. Sowohl von Shin-Takaoka als auch vom Bahnhof Takaoka fahren Busse direkt bis zum UNESCO-Weltkulturerbe Gokayama, welches vor allem für seine gassho-zukuri (“betende Hände”)-Häuser berühmt ist. Diese großen, schilfbedeckten Bauernhäuser mit A-förmigem Aufbau findet man vor allem in den Dörfern Suganuma und Ainokura, direkt am Fuße des Berges Gokayama.

Gokayama

Gokayama

Sowohl die Dörfer von Shirakawa-go in der Präfektur Gifu als auch die Dörfer von Gokayama in der Präfektur Toyama sind als UNESCO-Weltkulturerbe eingetragen. Beide Gegenden liegen im Einzugsbereich des Sho-Flusses in der Region Hietsu, doch während Shirakawa-go am Oberlauf liegt, befindet sich Gokayama am Mittellauf.

Suganuma liegt 15 km nördlich von Ogimachi in wunderschöner Lage in einer Schlaufe des Sho-Flusses, der hier durch die Hügellandschaft mäandert. Das Dorf besteht aus 14 gassho-zukuri-Bauernhäusern, wobei das älteste in der jetzigen Form bereits seit 1830, der späten Edo-Zeit, dort steht. Die neueren Bauernhäuser stammen aus den Jahren um 1925. Im Dorf findet man auch den Jishu-jinja, ein kleiner Shinto-Schrein.

Ainokura, 4 Kilometer nördlich von Kaminashi und 10 km nördlich von Suganuma, ist ein weiteres wunderschön gelegenes Dorf mit insgesamt 23 gassho-zukuri-Bauernhäusern, einem kleinen Schrein und einem Tempel. Durch das Dorf verlaufen Steinmauern und kleine Haine, die Gemüse- und andere Felder vor den schweren Schneefällen im Winter schützen sollen.

Die gassho-zukuri-Bauernhäuser rund um den Gokayama haben aus gutem Grund steilere Dächer als baugleiche Häuser in Shirakawa-go, denn hier sind die Schneefälle weitaus heftiger.

Die Gegend um den Gokayama ist auch für seine seit vielen Generationen mündlich überlieferten Volkslieder bekannt. Sowohl Suganuma als auch Ainokura sind besonders im Frühjahr, während der Kirschblüte, sowie im Herbst, während der Färbung Herbstlaubes empfehlenswert.

Kanazawa – Kenrokuen

Kenrokuen

Kenrokuen

Kanazawa in der Präfektur Ishikawa ist derzeit die Endstation des Tohoku-Shinkansen. Die Stadt steckt voller angenehmer Überraschungen, und die beginnen bereits direkt am Hauptbahnhof von Kanazawa, welcher durch seine einmalige Architektur besticht und damit nicht nur als einer der schönsten Bahnhöfe Japans, sondern sogar als einer der 10 schönsten Bahnhöfe der Welt betrachtet wird. Die Hauptsehenswürdigkeit von Kanazawa ist jedoch der Kenrokuen, einer der „drei berühmten Gärten“ (die anderen beiden sind der Korakuen in Okayama sowie der Kairakuen in Mito).

Wörtlich übersetzt bedeutet der Name Kenrokuen „Garten der sechs Erhabenheiten“ beziehungsweise „Garten, der die sechs Aspekte eines perfekten Gartens zusammenfasst“. Dies bezieht sich auf die sechs Eigenschaften, die Chinesen im Altertum als essentiell für einen idealen Garten hielten: Geräumigkeit und Abgeschiedenheit, Kunstfertigkeit und Altertümlichkeit, Wasserwege und Panoramas. Es gibt nur wenige Gärten, die all diese Eigenschaften miteinander vereinen, und so sind die Bewohner von Kanazawa besonders stolz auf ihren Garten.

Der Kenrokuen ist mit über 11 Hektar sehr groß, so dass man, obwohl der Garten einer der beliebtesten Ausflugsziele Japans ist, immer eine ruhige Ecke für sich selbst finden kann. Die besten Plätze im Garten, um sich etwas zurückzuziehen, sind zwei kleine Hügel. Ein Hügel heisst Yamazaki-yama und befindet sich im hinteren Teil des Kenrokuen. Um vom Eingang dorthin zu gelangen, läuft man einfach am Teich Kasumigaike vorbei und immer geradeaus.

Am Yamazaki-yama steht ein liebenswerter kleiner Unterstand nebst Bank (sehr nützlich, wenn es regnet), von wo aus man durch die Bäume hindurch nach unten schauen kann. Den zweiten Hügel, genannt Sazaeyama, erreicht man über einen gewundenen Pfad, der am Uchihashitei (Teehaus) vorbeiführt. Nur wenige Besucher machen sich die Mühe, den Pfad hochzuklettern, und so hat man in der Regel einen ungestörten Blick über den Teich, das Teehaus und die Kotoji-toro-Steinlaternen am äußersten Ende des Teiches. Im Winter, wenn die meisten Bäume vom Laub befreit sind, kann man bis zum Fluss und ins Zentrum der Stadt Kanazawa sehen. Die einzigen Menschen, die man in dieser Ecke des Gartens findet, sind normalerweise Maler oder Besucher, die einfach nur friedlich vor sich hin sinnieren wollen.

Kenrokuen Kanazawa-Festung

Kenrokuen Kanazawa-Festung

Gleich in der Nähe des Gartens steht die Burg von Kanazawa, ihres Zeichens einst der Machtsitz des örtlichen Maeda-Clans (die Maeda-Familie stellte die Daimyo, also die Erbherrscher, der hiesigen, einst Kaga genannten Provinz, seit 1583). Kanazawa ist ausserdem noch berühmt für seine Töpferwaren, Lackprodukte sowie Kimonofärberei.

Museum für Zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts

Museum für Zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts

Kanazawa ist jedoch nicht nur ein Ort für das Alte und Traditionelle. Das Museum für Zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts ist ein schöner, flacher, runder Glasbau, entworfen von den Architekten Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa, in dem zeitgenössische Kunst sowie Ausstellungen und Installationen aus aller Welt gezeigt werden. Allein das Bauwerk hat zahlreiche Preise im In- und Ausland für sein atemberaubendes, modernes Design gewonnen. Das Museum stellt nicht nur in- und ausländische Kunstwerke aus, sondern veranstaltet auch themenbezogene Ausstellungen aus den Bereichen Film, Musik und Performance.

Die Liste der Künstler, die im Museum für Zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts ausgestellt haben, ist lang und beinhaltet bedeutende Namen wie Kasuma Yayoi, Damien Hirst, Anish Kapoor und Runa Islam. Die Hausregel des Museums besagt, dass hauptsächlich Werke angeschafft werden sollen, die nach 1980 entstanden sind und „neue Werte vermitteln“.

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Museen in Japan [Gunma-Version]

September 2nd, 2015 | Tagged , , | 1 Kommentar | 2479 mal gelesen

Eisenbahnpark Usui-Pass

Eisenbahnpark Usui-Pass

Am Wochenende war ich mit 6 Verwandten (nebst 5 Kindern) in der Präfektur Gunma unterwegs. Dank ununterbrochenen Regens – dieses Jahr ist wirklich arg verregnet – haben wir es sogar in zwei Museen geschafft. Und dabei habe ich – mal wieder – festgestellt, dass viele japanische Museen wirklich hervorragend gestaltet sind. Das erste Museum nennt sich 碓氷峠鉄道文化むら – Usui-Pass Eisenbahn-Kulturpark. Ein Eisenbahnmuseum also, mit zahllosen alten Loks und Waggons, die ausnahmslos begehbar sind. Dabei hat man die alten Geräte nicht etwa neu angepinselt, sondern so belassen, wie sie waren, als sie aus dem Dienst genommen wurden. Trotzdem ist aber alles sehr sauber. Kinder können sich auf die Lokführersitze setzen, Knöpfe drücken, Hebel bewegen, Draisine fahren oder sich von einer echten Dampflokomotive eine Runde durch den Park fahren lassen. Quasi ein Museum, in dem man sich als Erwachsener ebenfalls recht wohl fühlen kann. Im Museum steht übrigens auch ein alter Waggon mit Tatami. Solche Spezialzüge fahren in manchen Gegenden immer noch herum, aber bisher habe ich es noch nicht geschafft, da mitzufahren. Kommt sicher noch. Dabei sei angemerkt, dass Tatami-Waggons weder damals noch heute typisch waren bzw. sind – es handelt sich um Spezialanfertigungen, die dann zum Beispiel für Feierlichkeiten angemietet werden können.

Mit Tatami ausgelegter, alter Waggon

Mit Tatami ausgelegter, alter Waggon

Das zweite Museum war das 群馬県立自然史博物館 Museum für Naturgeschichte der Präfektur Gunma (Webseite). In der Präfektur hatte man einst Saurierknochen entdeckt, und auch sonst hat Gunma in Sachen Natur etliches zu bieten: Der heißeste Ort Japans befindet sich hier, doch nur ein paar dutzend Kilometer entfernt gibt es subalpine Zonen. Und es gibt eine Reihe gefährlicher Vulkane wie den Asama-san, der in der Vergangenheit Asche bis Tokyo schickte – und wieder schicken wird, denn er bricht recht regelmäßig aus. Das Museum ist hervorragend eingerichtet – das beginnt schon bei der Fassade, die Saurierknochen enthaltende Sedimente nachbildet. Saurier in Lebensgrösse, die sich teilweise auch noch recht natürlich bewegen, sowie eine sehr gute Präsentation der lokalen Flora, Fauna, Geographie und Geologie sind nicht nur für Kinder sehenswert. Ich war dabei etwas überrascht ob der Grösse und Qualität des Museums: Da sind sehr, sehr viel Geld und Liebe eingeflossen.

Im Naturgeschichtlichen Museum von Gunma

Im Naturgeschichtlichen Museum von Gunma

Natürlich kann es auch sein, dass ich einfach zu lange nicht mehr in Museen unterwegs war. Ist diese Qualität mittlerweile normal?

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Yakushima Teil 2

August 12th, 2015 | Tagged | 14 Kommentare | 1032 mal gelesen

Mangels Alternativen am Abend kommt hier der zweite Teil des Inselberichts – live aus Yakushima. Geschrieben auf dem Handy, und mit freundlicher Unterstützung eines Glases Mitake neben mir – ein auf der Insel gebrauter shōchu. Oh, aus dem Glas sind gerade zwei geworden, da der Barbesitzer meinte, aufgrund seines Geburtstages einen ausgeben zu müssen. Und soeben sind zwei Ausländer aufgekreuzt und haben gefragt, ob es hier Sushi gibt. Natürlich nicht, denn das hier ist eine Bar, ferkrissake! Und weg sind sie. Hier ist was los…

Sugi (Sicheltannen) bis zum Abwinken

Sugi (Sicheltannen) bis zum Abwinken

 Yakushima. Der erste Ort in Japan, der zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt wurde. Oh, das ist aber eine fette Kakerlake, die da gerade neben mir unter dem Tisch hervorgekrochen kommt. Jetzt bloss nicht ablenken lassen. Das mit der UNESCO fanden die Holzfäller auf der Insel natürlich ganz toll – plötzlich wurde die Holzfällerei verboten und die Leute begannen, die Insel zu verlassen. Aber dafür kamen dann die Touristen, um sich die Wälder anzusehen. Und eins muss man anerkennend sagen: Die Mühe, die man sich hier gibt, all die Wanderwege und Berghütten anzulegen und in Schuß zu halten ist sagenhaft. Ich habe selten so schön angelegte Wanderwege gesehen – sehr intuitiv geplant und, wie man so schön sagt, im Einklang mit der Natur. Darauf legt man hier viel Wert. Wer in die Wälder geht, wird angehalten, tragbare Toiletten mit sich zu führen und auf gar keinen Fall irgendwelchen Müll zu hinterlassen. Mit Erfolg. Ich habe nicht ein Stück Müll bisher gesehen.

 

Blick auf Miyanoura - auf halber Strecke

Blick auf Miyanoura – auf halber Strecke

 Die Hauptattraktion der Insel sind die Sugi – japanische Zedern. Und die bekannteste ist die Jōmon-Sugi – benannt nach der Jõmon-Periode und damit – angeblich – rund 6’000 Jahre alt. So genau kann man das jedoch nicht sagen, da die Sugi mit einem gewissen Alter innen hohl werden. Da ist also nichts mit Ringe zählen. Die Jōmon-Sugi ist neueren Schätzungen wohl „nur“ 3’000 nochwas Jahre alt, aber selbst das ist für einen Baum natürlich phänomenal. Die Wanderung bis zu besagter Sugi dauert übrigens hin- und zurück knapp 10 Stunden. Banause, der ich bin, habe ich jedoch heute beschlossen, den alten Baum einen alten Baum sein zu lassen. Hauptgrund: Alle, die nach Yakushima kommen, pilgern dort hin. Darauf habe ich keine Lust. Stattdessen hatte ich die grandiose Idee, mit dem Fahrrad eine 10 km lange, mit Haarnadelkurven gespickte Strasse bis zur 600 Meter hoch gelegenen Shiratani-Unsuikyō („Weisses Tal-Wolkenwasserschlucht“) zu fahren. Bei Sonnenschein, 33 Grad und 70% Luftfeuchtigkeit. Die Pausen erfolgten entsprechend nach 3 km, 5 km, 6 km, 6,5 km, 7 km, 7,2 km, 7,4 km, 7,5 km… Wie gesagt, es war eine wirklich grandiose Idee. Immerhin applaudierten mir ein paar Autoinsassen, als sie vorbeifuhren. Wahrscheinlich der gleiche höfliche Applaus, dem man jemandem, der dabei ist, etwas völlig Idiotisches anzustellen, zukommen lässt. Oder der Jesus Christus-Applaus: Danke, dass Du diese Strapaze auf dich nimmst. Oben angekommen, stellte ich erneut fest, dass Yakushima anders ist: Während es überall in Japan definitiv einen Imbiß und/oder Getränkeautomaten gibt, findet man auf Yakushima in den Besucherzentren genau gar nichts. Aber – immerhin gibt es überall frische Bergquellen im Überfluß, an denen man sich sein Wasser abfüllen kann. 

 

Wasser, Moos und alte Bäume - was will man mehr

Wasser, Moos und alte Bäume – was will man mehr

 Ich entschied mich für den 3-Stunden-Kurs: Drei Stunden Wandern quer durch den Wald, berghoch, bergrunter. Auch hier gibt es sehr viele Sugi, aber während die Jōmon-Sugi einen Stammumfang von 16 Metern hat, haben diese hier nur einen Umfang von 8 Metern. Bei einigen Bäumen kann man dabei drunter durchlaufen. Und alles, aber auch wirklich alles ist mit Moos bewachsen. Hinzu kommt, dass die Bäume wohl sehr viel Harz enthalten und deshalb nur schwer vermodern. Baumstümpfe von während der Edo-Zeit geschlagenen Bäumen liegen noch immer herum wie damals – nur eben jetzt mit Moos und Flechten bewachsen. Die Wälder von Yakushima dienten übrigens als Vorlage für die Wälder in Miyazaki’s „Prinzessin Mononoke“, und das ist einwandfrei nachvollziehbar. Das ist kein Wald, sondern ein Waldwald.

Am frühen Nachmittag ging es wieder zurück in den Hauptort Miyanoura. Natürlich war die Rückfahrt angenehmer als die Hinfahrt: Was vorher anderthalb Stunden dauerte, war nun in 15 Minuten pausenloser Abfahrt vollbracht. 15 Minuten, in denen ich dachte, dass es vielleicht doch keine sooo schlechte Idee war.

Immerhin war ich rechtzeitig zurück, um die imposanten Gewitter aus der Herberge heraus zu betrachten.

Fazit des Tages: 600 Meter Berg hochfahren mit einem 21-Gänge-Crossbike bei 33 Grad will gut überlegt sein. Das mache ich ganz bestimmt nicht noch mal. In diesem Jahr.

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Inselreporter: Yakushima

August 11th, 2015 | Tagged | 5 Kommentare | 1086 mal gelesen

Nach allen 47 Präfekturen bin ich nun also auf die vielen kleinen japanischen Inseln aus – der Stoff reicht dank der großen Anzahl auch locker bis ans Lebensende. Im letzten Sommer war es die Insel Sado – in diesem Jahr die Insel Yakushima, rund 60 km südlich von Kagoshima. Direkt kommt man dort von Tokyo nicht hin – am besten fliegt man nach Kagoshima und fährt von dort mit dem Boot weiter. Mit dem Schnellboot dauert das rund 2.5 Stunden.

Gesagt, getan. JAL jagte mir erstmal einen Schrecken ein, als sie bekanntgaben, dass der Flug eventuell nach Fukuoka umgeleitet – oder nach Tokyo zurückkehren muss. Der Grund: Nebel. Ist ja auch klar – der Flughafen befindet sich direkt am Kirishima-Bergmassiv, und Kirishima bedeutet „Nebelinsel“. Aus gutem Grund.

 

Ausblick vom Miyanoura-dake

 
Letztendlich lief aber doch alles wie geplant. 6:25 morgens Abflug in Tokyo/Haneda, punkt 13 Uhr Ankunft in Anbō auf Yakushima. Kurze Zeit später finde ich auch den vorbestellten Fahrradverleih. Eigentlich wollte ich mein eigenes Fahrrad schicken, aber das hätte mich über 10’000 Yen gekostet. Ein ähnliches Fahrrad, sogar in akzeptabler Größe, kann ich mir hier hindes für 4’000 Yen leihen. Und zwar für eine ganze Woche. Der einzige Haken: Vorder- und Hinterbremse sind andersrum.

Auf Yakushima regnet es oft, und das verdankt die Insel dem über 1’900 Meter aus dem Meer ragenden Gebirge. Rund 6’500 mm Regen im Jahr sind ordentlich – das ist die 12-fache Menge dessen, was in Berlin pro Jahr vom Himmel fällt. Gestern und heute schien jedoch die Sonne. Mein Herbergsvater ist rund 75 Jahre alt, war einst Taxifahrer in Kobe und hatte vor 5 Jahren eine schwere Gehirnoperation hinter sich. Und er bot mir an, mich morgens um 4 Uhr bis zur Inselmitte, zum Startpunkt der Strecke zum höchsten Gipfel zu fahren. Natürlich kostet das etwas, aber mit dem Taxi hätte es 3 Mal so viel gekostet. Und alle Achtung – mit seinem K-sha (Auto mit kleinem Motor) schneidet er die Kurven wie ein junger Gott. „Dauert über eine Stunde – Du kannst doch so lange etwas Schlaf nachholen“ meinte er noch, aber das war ausgeschlossen. Also unterhielten wir uns so lange.
 

Rehe auf Yakushima

Rehe auf Yakushima

 Einer der Startpunkte zum Aufstieg auf den 宮之浦岳 Miya-no-ura dake liegt auf fast 1’300 Meter Höhe. Der Berg selbst, nicht nur der höchste Berg von Yakushima, sondern von ganz Kyushu, ist 1’936 Meter hoch. „Der Aufstieg dauert 5 Stunden, der Abstieg 4. Ich bin dann gegen 16 Uhr wieder hier“ sagte mir der Schumacher von Yakushima noch, und ich zweifelte daran und sagte, dass es selbst mit viel Bummelei nicht so lange dauern wird. Und siehe da – um  9 Uhr morgens stand ich auf dem Gipfel. Dort also Reisbällchen gefrühstückt und fast eine Stunde die Aussicht genossen. Bis auf ein paar Minuten hatte ich den Gipfel ganz für mich allein. Auf- und Abstieg sind fast wie ein Spaziergang: Es geht durch moosbewachsene Japanische Zedern-Wälder, und überall sprudelt glasklares Wasser hervor. Unterwegs sieht man gelegentlich Rehe und Yakuzaru – die kleinere Inselvariante der japanischen Rotmakaken. Beide Arten haben ein gesundes Verhältnis zum Menschen hier: Sie bleiben auf Abstand, sind aber auch nicht scheu. Ganz klar: Hier wird weder gejagt noch verteilen die Besucher Futter.

 

 Steinformationen  in der Inselmitte

Steinformationen in der Inselmitte

Beim Abstieg lasse ich mir viel Zeit und steige zwischendurch noch auf den Kuromidake, ein 1’800 nochwas hoher Berg. Auch hier: Aussicht. Schumacher hat sogar Erbarmen mit mir und holt mich schon vor 3 Uhr ab, um mich dann – „das mache ich für umsonst und gern!“ – zum bekanntesten Wasserfall der Insel sowie zu einem Onsen zu fahren. Ob er nicht auch in die heisse Quelle gehen möchte, fragte ich ihn, aber er meinte nur „Nee, ist mir viel zu heiss“. Ich wusste schnell, was er meinte: 49 Grad sind in der Tat verdammt heiss.  Und so endete Tag 1 auf Yakushima. Und ich verdiene jetzt einen Durchhalteorden dafür, dass ich diesen Bericht noch gegen 21 Uhr in mein Handy hacke.

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Geheimtipp für den Tokyo Sky Tree | Hakone gesperrt

Mai 7th, 2015 | Tagged , , | 4 Kommentare | 2146 mal gelesen

Goldene Woche — Reisezeit. Entweder man reist selbst, oder man hat Besuch aus der Heimat, denn während eine Reise ins Ausland innerhalb der Goldenen Woche fast unbezahlbar ist, ist eine Reise während der Goldenen Woche – zumindest flugpreistechnisch – recht günstig.

Mit dem Besuch ging es dieses Jahr zum Tokyo Sky Tree, dem neuen Wahrzeichen der Stadt. Eigentlich habe ich jenen seit meinem letzten Besuch vermieden. Zu viel Rummel, zu viele Menschen, zu viele Geschäfte, und die Kostüme der Tokyo-Sky-Tree-Hostessen finde ich einfach mal absolut abstossend. Es gibt also eigentlich keinen triftigen Grund für mich, wieder dorthin zu fahren. Nun ging es also doch wieder hin, und ich hatte meinen Besuch schon vorgewarnt: Da Goldene Woche, wird es sehr, sehr voll werden. Und nein, wir werden nicht auf den Turm fahren können, weil man einen geschlagenen halben Tag warten muss, bis man an der Reihe ist.

Spasseshalber fragte ich bei der Information gegen 11:30 morgens nach, wie lange es denn dauern würde, bis man hochkönne. „So cirka 18:30“ lautete die nicht überraschende Antwort. Doch dann: „Für Ausländer gibt es allerdings jetzt das Fast Sky Tree Ticket. Das kostet mit 2,820 Yen bis zur Plattform in 350 m Höhe zwar 760 Yen mehr als das normale Ticket, aber: „In 20 Minuten von jetzt an sind sie oben!“. Sieh mal einer an. Also zum speziellen Ticketverkauf in der 4. Etage gegangen, und siehe da — keine 10 Leute warteten in der Schlange. Tickets gekauft, und schon wurden wir von einer Hostess zum Fahrstuhl geführt und schon waren wir oben. Geht doch. Interessant ist dabei, dass auch in Japan lebende Ausländer sowie den Ausländer begleitende Japaner das Fast Ticket nutzen dürfen. Das ist ja fast schon eine Geschäftsidee…

  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree

Wo wir gerade beim Thema Tourismus sind — gestern, am 6. Mai 2015, hat die Meteorologie-Behörde die Warnstufe für den Vulkan in Hakone auf Stufe 2 (von 5) erhöht. Infolgedessen wurden etliche Strassen sowie, und jetzt kommt’s, die Seilbahn gesperrt. Wie lange die Sperrung andauert, kann man noch nicht vorhersagen. Man erwartet auch keinen grossen Ausbruch, aber da die Seilbahn direkt über den Krater fährt, geht man verständlicherweise auf Nummer Sicher. Soll heissen, die übliche Hakone-Tour (Zug von Tokyo, Zahnradbahn von Gōra, Seilbahn, Schiff) hat sich für unbestimmte Zeit erledigt, da an der Seilbahn Schluss ist. Mehr Informationen dazu siehe hier.

Nun gut — wir fahren dieses Jahr gottseidank nicht ins nahe Hakone, sondern, mal wieder, nach Izu. Mehr und häufiger dann wieder auf diesem Blog nach der Goldenen Woche!

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Hokuriku-Shinkansen: Der Countdown läuft

Februar 9th, 2015 | Tagged , | 2 Kommentare | 1825 mal gelesen

Aus aktuellem Anlass (nun ja, ich war heute mit dem Shinkansen unterwegs) wird es Zeit, der baldigen Eröffnung einer neuen Shinkansenstrecke ein paar Zeilen zu widmen. Alle paar Jahre wird in Japan eine neue Trasse eingeweiht – zuletzt im März 2011, als die Hauptachse des Kyushu-Shinkansens sowie die Erweiterung des Tohoku-Shinkansens bis Aomori eingeweiht wurden. Das ging leider etwas in den Nachrichten unter, denn 6 Tage nach Eröffnung des Aomori-Shinkansens gab es das schwere Erdbeben, und die Strecke musste erstmal für ein paar Wochen geschlossen werden. Die Eröffnung der kompletten Kyushu-Strecke fand am Tag nach dem Beben statt.

In 33 Tagen ist es dann wieder soweit: Das Netz wird am 14. März 2015 um einen neuen Abschnitt erweitert – die Rede ist vom 北陸新幹線 Hokuriku-Shinkansen. Bisher war in dieser Richtung, von Tokyo aus gesehen, immer in Nagano Schluss, doch die neue Strecke führt von Nagano weiter bis ans Japanische Meer – genauer gesagt geht es über Toyama bis nach Kanazawa. Landschaftlich sollte man von der Strecke nicht allzu viel erwarten – sicherlich, die Landschaft als solche ist eigentlich spektakulär, denn es geht erst die Südalpen und dann das Meer entlang, aber die neuen Shinkansenstrecken enthalten so viele und so lange Tunnel, das man meinen möchte, man sitzt in der U-Bahn. Zugegebenermassen einer verdammt schnellen U-Bahn.

Was hat man aber nun von dem neuen, knapp 230 Kilometer langen Teilstück? Wer heutzutage mit der Bahn von Tokyo bis Kanazawa fährt, braucht 4 Stunden und 15 Minuten – die einfache Fahrt kostet rund 16’000 Yen. Mit dem neuen Shinkansen braucht man nur 2½ Stunden – und bezahlt nur noch rund 14’000 Yen: Der Grund: Für die jetzige Strecke muss man einen weiten Umweg (über Nagoya) fahren. Will man heuer nach Toyama, braucht man momentan 3 Stunden und 45 Minuten und bezahlt rund 11’000 Yen – der neue Shinkansen ist da mit 12’730 Yen etwas teurer, dafür aber in 2 Stunden und 15 Minuten vor Ort. Fazit: Toyama und Kanazawa rücken näher an die Hauptstadt, und das ist gut: Vor allem Kanazawa ist ein unterschätztes Reiseziel in Japan.

Bei Kanazawa soll es übrigens nicht bleiben: Die Strecke wird letztendlich weitergehen – über Fukui bis Tsuruga und dann schliesslich weiter bis Osaka oder Kyoto, aber bis dahin wird noch eine Menge Wasser den Tone-Fluss herunterfliessen.

Kopfbahnhof von NihongiSchaut man sich die Haltestellen der neuen Strecke an, so findet man dort unter anderem den Namen 上越妙高 Jōetsu-Myōkō. Dieser Bahnhof befindet sich in der Präfektur Niigata – im Nichts. Rundherum gibt es rein gar nichts. Der Bahnhof kam mir etwas seltsam vor, als ich selbst im vergangenen Sommer in Richtung Myōkō-Kōgen unterwegs war – einem sehr malerischen Wintersportort auf über 1’000 Meter Höhe. Als ich mich dort schliesslich mit einem Bewohner über die Shinkansenanbindung unterhielt, war jener entsprechend etwas vergnatzt: Der Shinkansenbahnhof trägt zwar den Namen Myōkō, ist aber vom ziemlich bekannten Wintersportort so weit entfernt, dass die Trasse für Besucher des Ortes kaum einen Nutzen trägt.

Auf halbem Wege zwischen dem eigentlichen Bahnhof von Myōkō-Kōgen und dem neuen Shinkansenbahnhof befindet sich übrigens der etwas ungewöhnliche Bahnhof von 二本木 Nihongi (wörtlich: „Zwei Bäume“ – im Gegensatz zu Roppongi in Tokyo: „Sechs Bäume): Züge können den Bahnhof nur in der Richtung verlassen, aus der sie gekommen sind. Will heissen, die Züge müssen einen kleinen Berg hochfahren, um nach Nihongi zu kommen – und fahren zumindest einen Teil der Strecke wieder zurück, bevor sie die Richtung ändern.

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