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Tegel vs. Narita

Oktober 19th, 2017 | Tagged , | 6 Kommentare | 1119 mal gelesen

So sehr ich auch den Flughafen Tegel mag (er hat einfach Stil) — es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr das Ankommen nach einer Flugreise den ersten Eindruck prägt. Als ich letzte Woche in Tegel ankam (wie immer), standen wir (wie immer) auf dem Rollfeld, so dass es mit Bussen zum Terminal geht. Der Flieger war nahezu vollbesetzt, also schätzungsweise 300 Passagiere stiegen aus. Dem gegenüber gab es 4 Schalter bei der Grenzkontrolle und einen Empfangsbereich, der viel zu klein war: Die Schlangen bei der Einreise reichten bis nach draussen. Das dauert eine ganze Weile, aber das macht ja nichts: Es dauert ja sowieso eine gefühlte Ewigkeit, bis endlich das Gepäckband zu rollen beginnt. Und jenes ist schnell so voll, dass kein neues Gepäck raufgestellt werden kann, da ja die meisten noch bei der Einreise festhängen. Dass man seinen Koffer bereits vor dem Gebäude stehen sehen kann hilft da nicht – es kann trotzdem noch eine geschlagene Stunde dauern. Summa summarum dauert es mehr als eine Stunde, bis man endlich nach draussen gelangt. Es sei denn, der Zoll möchte auch noch ein Wörtchen mitreden.

Bald Geschichte? Air Berlin und der Flughafen Tegel

Bald Geschichte? Air Berlin und der Flughafen Tegel

Ankunft in Narita bei Tokyo (aber es könnte auch genauso gut Haneda sein): Das Flugzeug fährt nach der Landung erstmal solange herum, dass man meint, ins Stadtzentrum gefahren zu werden. Nach dem Verlassen des Flugzeuges läuft man dann erstmal rund einen halben Kilometer – es gibt natürlich Laufbänder – bis man zur Quarantäne gelangt, durch die man in der Regel nur durchläuft. Die Einreise hat man bei Ausländern nun aufgetrennt – in den biometrischen Teil und den eigentlichen Einreiseschalter. Es gibt viele Passagiere von vielen verschiedenen Flügen, aber auch sehr viele offene Schalter sowie Einweiser, die einem sagen, wie und wohin man gehen muss. Meistens dauert das Passieren deshalb nur 15 Minuten oder gar weniger. Dahinter liegt die grosse Halle mit den Gepäckbändern, und die sind oftmals schon mit Gepäckstücken belegt, wenn man dort ankommt. Wer Glück hat, hat nach weniger als 5 Minuten sein Gepäck – wenn nicht, dauert es eben bis zu 30 Minuten. Dann geht es noch vorbei am Zoll, der mal mehr und mal weniger neugierig ist (heute war er zum Beispiel erstaunlich desinteressiert – der Zöllner wollte lediglich den Startflughafen wissen). Und so ist man nicht selten nach 30 Minuten und ziemlich stressfrei draussen.

Aber der Flughafen Tegel ist sowieso ein Anachronismus – viel zu klein und viel zu alt, um mit den heutigen Standards im internationalen Flugverkehr mithalten zu können. Mich beschleicht allerdings die leise Ahnung, dass es am nagelneuen Flughafen BER, so er denn mal fertig wird – nicht wesentlich besser sein wird. Oder? Ich wäre ehrlich gesagt überrascht. Und einen Wermutstropfen gibt es ja beim Flughafen BER schon vor der Eröffnung: Einen Direktflug nach Japan wird es auch dort vorerst nicht geben.

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Licht an im Straßenverkehr | Neue Seiten über Kagawa

September 14th, 2017 | Tagged , , | 4 Kommentare | 718 mal gelesen

Heute gab die japanische Polizei einen Aufruf an die Presse durch, dass Autofahrer doch bitte etwas eher ihr Licht anschalten mögen¹. Grund für den Aufruf war die Erkenntnis, dass ein Sechstel aller Verkehrstoten in der Stunde vor Sonnenuntergang verunglückten – besonders im Herbst. In Zahlen: 2015 kamen in ganz Japan 4’113¹ Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, in Deutschland waren es im Vergleichszeitraum 3’459 Verkehrstote³. Das ist nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass Japan rund 50% mehr Einwohner hat als Deutschland. Aber es sind dennoch genau 4’113 Tote zu viel. Der Aufruf mit dem Licht ist durchaus berechtigt, und vielleicht löst es ja auch ein anderes Problem: In japanischen Städten sind auch reichlich viele Fahrer mitten in der Nacht gänzlich ohne Licht unterwegs, und die sind natürlich noch gefährlicher. Der Grund liegt in der fast überall reichlich vorhandenen Straßenbeleuchtung – viele Fahrer merken offensichtlich nicht, dass sie kein Licht anhaben, da es ohnehin ziemlich hell ist. Aus leidlicher, eigener Erfahrung weiss ich, dass es sich dabei fast immer um Frauen handelt, die ihre Männer vom Bahnhof abholen. So richtig schön mit Vorfahrt missachten, Bordstein überfahren und dergleichen.


Eine kurze Notiz noch in eigener Sache: Ich habe es jetzt endlich geschafft, einen Teil des Sommerurlaubs aufzuarbeiten. Das Ergebnis sind zwei nagelneue Seiten – eine über Naoshima und eine andere über die Stadt Kanonji. Aus gegebenem Anlass gibt es deshalb noch ein Foto der etwas anderen Art aus Kanonji – aufgenommen bei Ebbe am Seto-Binnenmeer.

Watt und Sonnenuntergang bei Kanonji, Shikoku

Watt und Sonnenuntergang bei Kanonji, Shikoku

¹ Siehe unter anderem hier (Japan Times, Englisch).
²Quelle: Siehe hier.
³Quelle: Siehe hier.

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Eulencafé

August 14th, 2017 | Tagged , | 5 Kommentare | 643 mal gelesen

Und noch ein „aus gegebenem Anlass“-Artikel. Dieses Mal dreht es sich um die vor allem in Tokyo sehr beliebt gewordenen „Zoo trifft Café“-Hybriden – dazu zählen vor allem Katzencafés, Eulencafés aber auch Igelcafés (die Liste scheint immer länger zu werden: Goldfische, Papageien, Hasen usw. usf…). Der gegebene Anlass war ein Bummel mit meinem Besuch durch Asakusa (ich war ziemlich überrascht, denn das letzte Mal war ich vor rund 10 Jahren dort – die Menge der Touristen hat seitdem, wie es scheint, um ein Mehrfaches zugenommen). Am Wegesrand stand eine junge Frau mit einer massiven Eule auf dem Arm: Werbung für das アウルの森 Auru no mori (Eulenwald)-Café, mit einer weiteren Niederlassung in Akihabara. Probieren geht über studieren, also beschlossen wir kurzerhand, den nächsten Koffeinnachschub unter unseren gefiederten Freunden, vom Wesen her ja eigentlich eher nachtaktiv, folgen zu lassen.

Werbung für das Eulencafe

Werbung für das Eulencafe

Das Etablissement liegt im zweiten Stock. Eine aufgedrehte, aber so freundliche wie ausländische Bedienung erklärte uns erst mal die Regeln: Vorsicht, es laufen auch Tiere frei rum. Eulen nur mit dem Handrücken streicheln, und nur auf der Rückseite. Nicht mit Blitz fotografieren. Und so weiter. Die Liste war überschaubar. Pro Person kostet der Spaß 850 Yen, also gute 6 Euro, und ein Getränk ist im Preis einbegriffen. Im Inneren sah es eher aus wie ein Minizoo mit schwacher, sprich eulenfreundlicher Beleuchtung. Keine Stühle – stattdessen schieben sich die Leute durch das maximal 100 Quadratmeter grosse Zimmer (schwer zu sagen bei der Dunkelheit und den vielen Sachen, die da so rumsitzen und rumstehen) und bleiben hier und da stehen, um die Kreaturen zu tätscheln und zu fotografieren. In der hintersten Ecke steht ein Getränkeautomat, für den man ausserhalb 100 Yen für einen Kaffee bezahlt. Aber deswegen ist man ja nicht hier.

Sympathisch und desinteressiert: Eulen am Tag

Sympathisch und desinteressiert: Eulen am Tag

Und überall sitzen sie rum – große Eulen und kleine Eulen, dicke und dünne, weisse und dunkle. Sie wirken sediert, aber wer kann das schon so genau sagen. Nachtaktive Tiere sind eben so am Tag, und ich kann es bestimmt nicht einschätzen, ob die Eulen von dem Rummel gestresst sind oder nicht. Doch es gibt nicht nur Eulen. Am abgedunkelten Fenster unterhalten sich zwei Flamingos. Daneben steht träge hinter einer Holztür ein Capybara, der größte Nager auf Erden (hausschweingroß und in der Regel sehr gutmütig). In Japan kennt jedes Kind dieses südamerikanische Monstermeerschwein, während sie zumindest in Deutschland nicht allzu bekannt sind. Der Kollege wird mir später noch einen Schrecken einjagen, als er mir irgendwann neben dem Kaffeeautomat plötzlich um die Beine streift. Selbst Erdmännchen gibt es (die allerdings nicht frei rumlaufen dürfen) sowie einen ziemlich zerzausten Kakadu, der eine ältere Besucherin eindeutig auffordert, ihm gefälligst den Kopf weiter zu kraulen.

Faszinierend, das alles. Besonders beeindruckt bin ich jedoch, als die (amerikanische?) Angestellte, die uns am Empfang begegnete, ohne jegliche Schutzhandschuhe eine ziemlich großgewachsene Eule, die langsam nervös wurde, einfach so vom Kaffeeautomaten klaubte, weil sie kurz davor war, sich zu verheddern.

Angestellte im Cafe nach der Rettung einer Eule vom Getränkeautomaten. Man beachte die Krallen. Also die der Eule, meine ich.

Angestellte im Cafe nach der Rettung einer Eule vom Getränkeautomaten. Man beachte die Krallen. Also die der Eule, meine ich.

Offensichtlich gibt man sich große Mühe, den Laden sauber zu halten. Es riecht weniger streng, als man erwarten würde, und es ist ziemlich sauber. Für die Tiere ist das ganze ziemlich wahrscheinlich weniger unterhaltsam (und ich wüsste nur zu gern, was da nachts im Laden so abgeht), aber wer weiss – vielleicht begeistern sich ja ein paar Besucher durch den engen Kontakt mehr für Tiere, man kann es nie wissen. Wer sich für den Ort interessiert – die Webseite befindet sich hier.

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Airbnb in Japan – ein Erfahrungsbericht

August 12th, 2017 | Tagged | 13 Kommentare | 1034 mal gelesen

Endlich bin ich dazu gekommen, Airbnb in Japan auszuprobieren. Grund dafür war Besuch aus Deutschland – wir waren damit zu sechst unterwegs, darunter zwei Kinder. Das Ziel nach langer Überlegung: Okayama oder Kagawa, denn wir wollten dieses Mal unbedingt nach Naoshima, der Kunstinsel in der Seto-Binnensee. In Okayama war leider nichts brauchbares zu finden, wie ich schnell feststellen musste. Schade eigentlich. Also habe ich die Suche auf Shikoku erweitert. Ein Haus sah besonders vielversprechend aus – das einzige Problem lag darin, dass das Objekt der Begierde weit ab vom Schuß liegt. Trotzdem siegte die Neugier. Die Anmeldung bei Airbnb war schnell getan und die Reservierung ging auch relativ schnell. 100% Vorkasse, aber gut. Wer nicht wagt… Der Vermieter meldete sich am folgenden Tag und schickte auch gleich ein paar nützliche Links.

Blick von der Terrasse auf die 2. Etage

Blick von der Terrasse auf die 2. Etage

Drei Tage vor der Abreise setzte ich noch eine Nachricht ab und fragte, wann und wo ich einchecken könne. Keine Antwort. Nanu? Kurz vor dem Abflug von Haneda, Tokyo, versuchte ich anzurufen, und Gott sei Dank meldete sich jetzt jemand. Eigentlich sollte man vor der Übernachtung im Laden des Besitzers vorbeischauen und dort den Schlüssel in Empfang nehmen, aber der Besitzer meinte, dass das ohne Auto ziemlich unpraktisch sei und wir deshalb direkt zum Haus fahren sollten – er werde Instruktionen schicken, wie wir dorthin gelangen und wie wir an den Schlüssel kommen.

Im Hausinneren

Im Hausinneren

Gesagt, getan. Eine gute Stunde später landeten wir am Flughafen von Takamatsu. Dann ging es rund 45 Minuten mit dem Bus zum Hauptbahnhof von Takamatsu. Dort kurze Stärkung, mit Udon versteht sich, und schon ging es weiter mit dem Zug gen Westen, Richtung Matsuyama. Gute 90 Minuten später kamen wir in Toyohama an, einem Ortsteil von Kannonji, einer kleinen Stadt im äußersten Westen von Kagawa. Und ich beschloss, dass wir ruhig zum Haus laufen könnten, um zu sehen, was es in der Umgebung so sah. Waren ja nur 2,8 Kilometer. Mit Gepäck zog sich der Weg hin, und ich stellte fest, dass das Haus wirklich weitab von allem lag. Zwischen Strand und Staatsstrasse, mit einem einzigen Restaurant (gemeinsam betrieben von einem Inder und einem Pakistani!) im Umkreis von zwei Kilometern, aber immerhin einem Convenience Store in rund einem Kilometer Entfernung. Hier sagen sich wirklich Fuchs und Hase gute Nacht.

Sonnenuntergang über der Seto-Binnensee

Sonnenuntergang über der Seto-Binnensee

Die Instruktionen waren recht deutlich. Wir hatten den Code zur Schlüsselbox und gingen erstmal ins Erdgeschoss und waren etwas verwirrt – war das alles? Wir kommen wir ins Obergeschoss? Aha, Außentreppe. Dort sah es dann interessant aus: Ein einziger großer, rund 100 Quadratmeter großer Bereich mit Kamin, zwei Seiten komplett verglast, einer amerikanischen Küche, einer grossen Sitzecke, dazu ein Extraraum für Kühlschrank und Müll, Toilette, Bad nebst grossem Vorraum und modernster Waschmaschine – und einem grossen Zwischenraum zwischen Dach und Bad, den man ebenfalls als Schlafstätte nutzen konnte. Aussen befand sich eine mindestens 50 Quadratmeter grosse Terrasse mit Tischen, Feuerholz, vielen Stühlen, etwas Kunstrasen usw.

Für die Kinder war das ein Paradies: Es gab viel zu entdecken. Für die Erwachsenen auch. Man steckte einfach sein Telefon in eine Dockingstation an der Wand, und schon erklang überall Musik, selbst im Bad. Geschirrspülmaschine, Ofen/Mikrowelle, viele Teller und Besteck – es mangelte einfach an nichts. Auf der Webseite stand auch, dass man eine Zapfanlage bestellen kann, und ich hatte mich zuvor darüber erkundigt: Die Antwort des Besitzers war, dass er das bereitstellen könne, und er auch das erste Faß kostenlos bereitstellen würde. Und da stand sie: Eine kleine, aber professionelle Zapfanlage, und unten eine Gasflasche sowie ein 10-Liter-Fass-Bier. Eis rein in die Zapfanlage und schon ging es los.

Mit der Abgeschiedenheit hatten wir uns schliesslich schnell arrangiert. Man konnte ja schnell Taxis rufen, die fuhren einen dann für rund 1,000 Yen zum nächsten Bahnhof. Da alles vorhanden war, konnten wir auch selbst problemlos kochen, falls wir nicht auswärts assen. Ansonsten war die Lage genial: Direkt an einem Minihafen, an dem man sehr gut Ebbe und Flut sah (der Tidenhub beträgt ein paar Meter). Der Deich war nur gute 100 Meter entfernt, und bei Ebbe begann dahinter ein schmales Watt. Und man konnte von der Terrasse die Sonnenuntergänge hinter der Seto-Binnensee sehen.

Wenn Himmel und Meer miteinander verschmelzen

Wenn Himmel und Meer miteinander verschmelzen

Die abgeschiedene Lage erwies sich als Vorteil: Es gab null Touristen. Wir hatten das Wattenmeer ganz für uns allein, kamen schnell mit vielen Einheimischen ins Gespräch und sahen eine Ecke, die man sonst nie sehen würde. Mit Taxis, Zügen und Fähren kamen wir überall problemlos hin. Und im Haus gab es alles, aber auch wirklich alles, was man braucht. Ein Treffen mit dem Besitzer scheiterte aus Zeitmangel letztendlich – schade eigentlich, denn er soll wohl sehr nett sein. Und vorausschauend: Wir mussten am letzten Tag das Haus vor 10 Uhr verlassen, und wir waren 9:30 fertig. Wir bemerkten ein Auto, das ein paar Meter weit vom Haus entfernt parkte – und ich dachte mir schon fast, dass das der Besitzer sein wird, der nach unserer Abreise alles kontrolliert. 15 Minuten später erhielt ich auch eine Nachricht von ihm nebst Bewertung, in der er sich für die makellose Nutzung und das Saubermachen bedankte. Vorausschauend deshalb, weil er sich nicht unangemeldet in die Abreise einmischte, denn das ist mit zwei Kindern immer ein bisschen chaotisch.

Fazit: Gerne wieder. In einem Hotel zu übernachten wäre erstens teurer und zweitens bei weitem nicht so entspannend gewesen. Die Unterkunft ist ideal für Gruppen von 4 oder 5 bis 11 Personen. Beim nächsten Mal werde ich sicherlich wieder auf Airbnb zurückgreifen.

Wer hat ebenfalls Airbnb in Japan benutzt und war zufrieden? Für weitere Tipps wäre ich sehr dankbar!

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Bizarr: Tod durch Massagegerät | Umfrage: Nützliche Apps für Japan-Besucher

August 2nd, 2017 | Tagged , | 7 Kommentare | 957 mal gelesen

Mäusekino an einem Massagestuhl

Mäusekino an einem Massagestuhl

Das ist doch mal ein richtiges Sommerlochthema: Heute vermeldeten die Nachrichten, dass auf Hokkaido eine 77-jährige Frau durch ein elektrisches Massagegerät ums Leben kam. Das klingt nach einem Darwin-Award-Kandidaten. Was ist passiert? Nun, die ältere Dame setzte sich mit einem langen Schal um den Hals gewickelt in ihren Sessel und stellte die Füße auf ein kleines, handliches, elektrisches Massagegerät. Dann nahm das Übel seinen Lauf: Der Schal geriet in die rotierende Walze und zog unerbittlich weiter – bis die Dame stranguliert war.

Das ganze wäre in der Tat nur ein Sommerlochfüller, aber an der Stelle möchte ich auch mal daran erinnern, dass Japaner die absoluten Massagefanatiker sind. Den Begriff „肩こり“ (katakori) – die Schultern bzw. der Rücken sind verspannt – hört man immer und überall – in den Büros, in Kneipen – und in der Werbung, wo man lustige Pillen anbietet, um dem Problem Herr zu werden. Man bekommt öfter zu hören, dass dieses „verspannte Schultern-Problem“ etwas typisch Japanisches sei, das Ausländer nicht verstehen können. Ob dem wirklich so ist… ich weiss es nicht. Mehr will ich mich dazu auch nicht auslassen, denn das habe ich vor Jahren in diesem Artikel schon getan.


Passend zur Sommer- und Reisezeit aber mal etwas ganz anderes: Gelegentlich werde ich gefragt, welche Apps ich Japan-Besuchern wärmstens empfehlen kann. Das muss ich leider immer mit einem selbstbewussten „Öhm… tja… also…“ beantworten – denn ich bin seit mindestens 12 Jahren kein Japan-BESUCHER mehr. Natürlich sind Apps wie Jorudan oder Tenki.jp usw. unabkömmlich, aber die sind nun mal alle Japanisch. Wer hat Tipps? Welche App ist brauchbar – und warum?

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Kyoto-Starbucks im traditionellen japanischen Stil / Tokyo-Tirade in der „Zeit“

Juni 28th, 2017 | Tagged , , , | 6 Kommentare | 723 mal gelesen

Heute stellte Starbucks Japan seine neueste Niederlassung in der alten Kaiserstadt Kyoto vor¹. Die Filiale öffnet am 30. Juni 2017 ihre Pforten und befindet sich an der altehrwürdigen 二寧坂 Ninen-zaka-Gasse unweit des Kiyomizu-Tempels. Das zweigeschossige Gebäude ist mehr als 100 Jahre alt und komplett im traditionellen Stil aus Holz gebaut. Im Inneren gibt es die obligatorischen Tatami (Reisstrohmatten).

Ein geschickter Schachzug von Starbucks, das muss man den Marketingleuten lassen. スタバ sutaba, wie die Läden in Japan abgekürzt werden, hat hierzulande über 1’000 Filialen und mehr als 3’000 Angestellte. Die erste Niederlassung wurde 1996 an der Ginza eröffnet. Doch die neueste Filiale in Kyoto sollte auch etwas nachdenklich stimmen. Sicher, man kann es nicht vermeiden, dass sich globale Ketten in historischen Gassen breit machen – das geschieht überall. Auch McDonalds hat schon vor Jahrzehnten in Kyoto Filialen eröffnet und war sogar kompromissbereit: Man verzichtete auf die übliche, in der Tat sehr aufdringliche rot-gelbe Farbmischung und einigte sich mit der Stadt auf einen Braunton. Doch man kann sich jetzt schon ausmalen, dass nicht wenige Touristen (die meisten davon werden wohl nicht aus Europa sein) einen Besuch in der traditionell japanischen Starbucks-Filiale als ein Highlight ihres Kyoto-Besuches empfinden werden. Und das ist etwas traurig, verliert man doch dabei den ursprünglichen Sinn des Reisens komplett aus den Augen.

Kyoto-Starbucks-Filiale

Quelle: Fashion-press.net ( https://www.fashion-press.net/news/31621)

Das erinnerte mich ein bisschen an den Artikel Im Land der aufgehenden Langeweile erschienen bei Die Zeit und verfasst von Ulf Lippitz. Dort bedauert der Autor auch die Tatsache, dass die Globalisierung auch die japanische Hauptstadt fest im Griff hat. Mehr aber noch erinnert mich der Artikel daran, dass manche Menschen scheinbar nicht mehr die Essenz des Reisens erkennen. Vollgepumpt mit Erwartungen hat sich da der Autor auf die Reise nach Tokyo gemacht und war ganz überrascht, an den absoluten Touristenfallen nicht den Kick zu bekommen, den er erwartet hat. Wie man ein Reiseziel so absolut oberflächlich „durchrennen“ kann, ist mir ein Rätsel (genau so ist es mir ein Rätsel, wie er in ein Restaurant mit „Cover Charge“ gelangte – danach muss man eigentlich heute fast suchen). Sicher, Tokyo muss man nicht mögen – an den meisten Ecken ist es nicht schön. Aber bevor man als bezahlter Korrespondent Sätze wie „Ein Helene-Fischer-Konzert hätte es auch getan“ in einer Beschreibung über Shibuya in der Nacht von sich gibt, hätte man sich ja wenigstens ein kleines bisschen Mühe geben können…

¹ Siehe unter anderem hier (Starbucks-Pressemitteilung, Japanisch) und hier (Japan Times, Englisch).

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Und die 10 beliebtesten Reiseziele in Japan sind…

Juni 5th, 2017 | Tagged , , | 4 Kommentare | 1074 mal gelesen

Vor einem guten Monat erfolgte auf diesem Blog eine Leserumfrage über die beliebtesten Reiseziele in Japan (die Umfrage und der Artikel befinden sich hier). Die Frage lautete:

WAS SOLLTE MAN IN JAPAN UNBEDINGT GESEHEN HABEN?

Rund 400 Stimmen wurden abgegeben. Natürlich muss man die Umfrage mit Vorsicht genießen – schließlich habe ich die Auswahl getroffen, und über die lässt sich natürlich streiten (zum Beispiel indem man Ise in der Präfektur Mie mit Shibuya in Tokyo austauscht). Interessant ist das Ergebnis trotzdem, wenn auch nicht unbedingt überraschend: Der schwimmende Torii von Miyajima bei Hiroshima landete mit großem Abstand auf Platz 1, vor Shinjuku in Tokyo. Die Antworten würden sicher auch anders aussehen, wenn man zum Beispiel nur Städte nennt (Tokyo, Kyoto, Kobe…).

Unschlagbar die Nummer 1 in der Beliebtheitsskala: Der schwimmende Torii von Miyajima

Unschlagbar die Nummer 1 in der Beliebtheitsskala: Der schwimmende Torii von Miyajima

Hat man Japan nicht richtig gesehen, wenn man diese 10 Sehenswürdigkeiten nicht abgeklappert hat? Klare Antwort: Nein, das kann man so nicht sagen. Ich habe es auch erst beim vierten oder fünften Japanaufenthalt nach Miyajima geschafft, war dafür aber zu der Zeit schon in Gegenden, die das Gegenteil von Touristenattraktionen darstellen (Yokkaichi zum Beispiel), unterwegs.

Da es die Möglichkeit gab, die Liste zu ergänzen, gab es auch über 25 andere Vorschläge, wie zum Beispiel Akihabara in Tokyo (ausgelassen wegen Shinjuku) oder Yakushima in der Präfektur Kagoshima (ausgelassen wegen zu weit weg).

Die gesamte Liste von 1 bis 10 findet man ab sofort auf dieser Seite.

Ich danke noch mal Allen für’s Mitmachen – und die zwei Bücher sind auch schon verlost (und auf dem Weg).

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Wo man Zugreisen noch ernst nimmt: Shiki-shima oder der 8’000 Euro-Fahrschein

Mai 8th, 2017 | Tagged , , | 3 Kommentare | 754 mal gelesen

Eisenbahnliebhaber gibt es überall – das ist in Japan nicht anders. Es gibt unzählige Eisenbahnliebhaber, und das Schöne an Japan ist, dass es auch in den Vorstandsetagen der zahllosen Eisenbahngesellschaften an wahren Enthusiasten nicht mangelt. Und da entwickelt sich ein interessanter Trend. Während Nachtzüge in Japan früher was für Leute war, die sich entweder kein Flugticket leisten konnten oder Angst vorm Fliegen hatten, so sind Nachtzüge mehr und mehr was für Eisenbahnfans mit praller Brieftasche. Während die regulären Nachtzüge, wegen der Farbe wurden diese ブルートレイン Blue Train genannt, nach und nach aus dem Fahrplan verschwinden (ich hatte damals noch das Glück, mit dem Hayabusa von Tokyo nach Kumamoto fahren zu können, aber auch diese Verbindung gibt es nicht mehr), denken sich die Eisenbahngesellschaften neue Verbindungen aus. Das Sahnehäubchen wurde am 1. Mai diesen Jahres von JR East (der ehemals staatlichen Eisenbahngesellschaft) feierlich eingeweiht: Der 四季島 Shiki-Shima. Wörtlich übersetzt: Insel der Vier Jahreszeiten (wie passend, waren wir doch neulich erst beim Thema). Der Zug fährt von jetzt an von Tokyo nach Tohoku, also in den Nordosten, und manchmal weiter nach Hokkaido – und zurück. Man kann zwischen einer 2-Tagesreise und einer 4-Tagesreise wählen. Der komplette Zug wurde eigens für diese Linie entworfen und wurde laut JR nur „aus besten Materialien“ zusammengesetzt. Und das ganze ist in der Tat sehr erlesen: Gerade mal 34 Passagiere können mitfahren und zwischen drei verschiedenen Suiten wählen. Zur Atzung gibt es nur das Feinste, gekocht von einem Sternekoch.

Shikishima-Luxuszug (Quelle: Mainichi Shimbun)

Shikishima-Luxuszug (Quelle: Mainichi Shimbun)

Die billigste Suite kostet pro Person ca. 2’000 Euro, die teuerste Suite, so man sie allein nutzen will, geschlagene 1’050’000 Yen, also rund 8’000 Euro. Wer jetzt denkt, dass sei doch ein Schnäppchen und gleich zugreifen möchte, hat jedoch Pech gehabt: Bis März 2018 ist bereits alles ausgebucht. Jiji-Press hat dazu ein nettes Werbevideo gedreht (siehe unten). Wer mehr darüber lesen möchte (und wissen will, wie es im Zug aussieht), dem sei dieser Artikel der BBC anempfohlen.

Purer Luxus, klar. Aber dahinter steckt viel Arbeit und ein 遊び心 asobigokoro – „Spielen – Herz“, also Freude am Spielen. Und das ist doch mal eine Nachricht wert.

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Tag am Meer. In der Goldenen Woche.

Mai 5th, 2017 | Tagged , , | 3 Kommentare | 832 mal gelesen

Nach mehr als einem Jahrzehnt in Japan weiss man es eigentlich besser. Entweder, man wirft viel Geld um sich und fährt oder fliegt ganz weit weg in der Goldenen Woche, oder man bleibt brav zu Hause oder in der unmittelbaren Umgebung. Goldene Woche = drei Feiertage in Folge, und da sich oft noch das Wochenende hinzugesellt, hat fast ganz Japan 5 Tage in Folge frei (siehe Feiertage in Japan). Dass mit dem brav zu Hause bleiben ist jedoch so eine Sache mit zwei sehr aufgeweckten Kindern, die mit einem „Wo fahren wir heute hin?“ auf den Lippen aufwachen.

Kamakura fällt aus, zu voll. Oyama ebenso. Enoshima sowieso. Freizeitparks oder Zoos? Reinster Wahnsinn. Ausserdem will man mal etwas Neues sehen. Und so ging es heute, bei Feiertagswetter, zur 三浦半島 Miura-Halbinsel. Hier beginnt die Bucht von Tokyo, und die Gegend ist für seine Fischerhäfen und den Thunfischfang (nebst zum Genuss verarbeiteten Thunfisch) bekannt. Nach fast zwei Stunden Fahrt mit Fahrrad und Zügen kamen wir also kurz nach elf Uhr in Misakikuchi an – genau im Zentrum der Halbinsel. Von hier sind es rund 5 Kilometer Richtung Osten, Westen und Süden zum Meer. Und wir fahren guter Dinge: Die Züge waren gar nicht mal so voll, und man konnte sogar sitzen. Der Schock kam, als wir aus dem Bahnhof traten. Ein verzweifelter Angestellter der Busfirma rief pausenlos „das Ende der Schlange ist dort hinten!“ Vor dem Bahnhof: Ein Riesengedränge. Wir folgen der Schlange an der Bushaltestelle – und sie ist rund 300 Meter lang (in der Schlange stehen wohlgemerkt 4 bis 5 Menschen nebeneinander). Die Schlange an der Taxihaltestelle ist nur 30 Meter lang, und es scheint langsam aber sicher voranzugehen. In der Touristeninfo direkt am Bahnhof macht man uns jedoch wenig Hoffnung: Wenige Meter vom Bahnhof entfernt beginnt bereits ein fürchterlicher Stau, der sich 5 Kilometer lang bis zum Ziel hinzieht. Vernünftigerweise sollte man einfach loslaufen, aber mit Kindern, entlang eines endlosen Staus, kommt das auch nicht in Frage. Und selbst wenn man sich mit viel Geduld durchschlägt: Man kann sich sicher sein, dass man dort egal wo Stunden auf ein Platz im Restaurant warten muss. Und an die Rückfahrt möchte man gar nicht erst denken.

Blick von Miura über die Bucht von Tokyo auf den Nokogiriyama in der Präfektur Chiba

Blick von Miura über die Bucht von Tokyo auf den Nokogiriyama in der Präfektur Chiba

Wir geben auf, und beschliessen, einen Bahnhof in die Richtung zu fahren, aus der wir gekommen sind. Dort gibt es unweit des Bahnhofs einen Sandstrand sowie angeblich ein gutes Restaurant, das frisch gefangene Meeresfrüchte anbietet. Gesagt, getan. 10 Minuten später sind wir dort, und das Restaurant finden wir dank des Menschenpulks vor der Tür auch sehr schnell. „Das geht aber noch“ denken wir beim Anblick der Schlange. Jedoch: Die Leute warten nicht darauf, ins Restaurant zu kommen, sondern eine Nummer am Reservierungsautomaten zu ziehen. Laut Automat wird es für uns 60 Minuten oder länger dauern, Wir haben die Nummer 115, die Nummern sind fortlaufend. Wir laufen also etwas durch die etwas trostlose Gegend, schlagen die Zeit irgendwie tot und gehen nach einer Stunde zurück. Ich frage eine Angestellte, welche Nummer gerade an der Reihe sei. „60!“ wird geantwortet. Wie lange es denn dann wohl noch bis zu unserer Nummer sei, wollen wir nun wissen. „1 bis 2 Stunden. Eher zwei“ heißt es. Wahnsinn.

Fehlen nie an japanischen Stränden: Tombi (Schwarzmilane)

Fehlen nie an japanischen Stränden: Tombi (Schwarzmilane)

Wir laufen also zum nahe gelegenen Strand und machen uns nicht weiter Sorgen. In den Automaten konnte man seine Telefonnummer eingeben – wenn man an der Reihe ist, wird man vom System angerufen. Und nach mehr als anderthalb Stunden ist es so weit. Wir sollten uns langsam auf den Weg machen, säuselt eine weibliche Roboterstimme in mein Telefon. 5 Minuten später sind wir da, und eine Angestellte erklärt uns, dass wir gerade aufgerufen worden wären, aber da wir nicht da waren, wurde jemand anders vorgezogen. Wir seien dann die nächsten, erklärte man uns. Dann tauchte aber die ebenfalls verspätete Familie 113 auf. Es gibt nur 5 Tische für Familien, und rund 15 Plätze am runden Tresen. Also dauerte es noch mal eine halbe Stunde.

Hauptgrund für die meisten Besucher: Sushi.

Hauptgrund für die meisten Besucher: Sushi.

Das Ende vom Lied: Wir bezahlen 9’300 Yen, also rund 75 Euro, für unser Sushi für 4. Das Sushi bei unserem Stammlokal zweihundert Meter von unserem Haus entfernt kostet um die 12’000 Yen. In der Qualität nehmen sich die beiden ketztendlich nciht viel. Noch ein kurzer Strandspaziergang bis zum nächsten Bahnhof, und kurz nach vier geht es zurück. Unterwegs sehen wir noch eine kleine Bäckerei mit dem Namen „Brot Baum“. Dort verkauft man, ich traue meinen Augen kaum, シュリッペン – Schrippen. Etwas, was man in Japan so nicht bekommt. Der Gesellenbrief im Fenster verrät den Grund (auch dessen, warum man hier Schrippen verlauft, und nicht etwa Brötchen, Semmeln, Wecken oder sonstwas): Der Bäckermeister hat seine Lehre in Rathenow gemacht. Das auf den Tüten gedruckte Motto der Bäckerei („Brot bereitete sich besonders vor“) lässt mich jedoch wundern, wie der Meister seine Prüfung mit diesem Deutschstand geschafft hat. Laut Meisterbrief wurde das ganze jedoch nur mit einem „Befriedigend“ bestanden, aber das versteht in Japan ja zum Glück kaum jemand…

Brot bereitete sich besonders vor. Aha.

Brot bereitete sich besonders vor. Aha.

Morgen ist Tag 3 der Goldenen Woche. Wir werden wohl brav und artig in der Gegend bleiben…

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Umfrage: Welche Orte sollte man in Japan gesehen haben?

Mai 1st, 2017 | Tagged , , | 21 Kommentare | 1488 mal gelesen

Aus reiner Neugier möchte ich hier mal eine kurze Umfrage starten: Es geht um die beliebtesten Reiseziele in Japans. Das können entweder Reiseziele sein, bei denen man denkt, dass sie auf gar keinen Fall ausgelassen werden sollten – oder Reiseziele, die man selbst auf jeden Fall sehen möchte. Bis zu drei Orte können ausgewählt werden – und eigene Vorschläge können zugefügt werden.

Bei der Gelegenheit möchte ich auch gleich noch zwei Exemplare meines letzten Buches verlosen: Was Sie dachten, NIEMALS über JAPAN wissen zu wollen: 55 erleuchtende Einblicke in ein ganz anderes Land

Bedingung: Eine Teilnahme an dieser Umfrage UND ein Like der Facebook-Seite des Japan-Almanach. Bei Interesse bitte einen Kommentar hinterlassen. Ende Mai werden die Gewinner bekanntgegeben!

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