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Yakushima Teil 2

August 12th, 2015 | Tagged | 13 Kommentare | 573 mal gelesen

Mangels Alternativen am Abend kommt hier der zweite Teil des Inselberichts – live aus Yakushima. Geschrieben auf dem Handy, und mit freundlicher Unterstützung eines Glases Mitake neben mir – ein auf der Insel gebrauter shōchu. Oh, aus dem Glas sind gerade zwei geworden, da der Barbesitzer meinte, aufgrund seines Geburtstages einen ausgeben zu müssen. Und soeben sind zwei Ausländer aufgekreuzt und haben gefragt, ob es hier Sushi gibt. Natürlich nicht, denn das hier ist eine Bar, ferkrissake! Und weg sind sie. Hier ist was los…

Sugi (Sicheltannen) bis zum Abwinken

Sugi (Sicheltannen) bis zum Abwinken

 Yakushima. Der erste Ort in Japan, der zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt wurde. Oh, das ist aber eine fette Kakerlake, die da gerade neben mir unter dem Tisch hervorgekrochen kommt. Jetzt bloss nicht ablenken lassen. Das mit der UNESCO fanden die Holzfäller auf der Insel natürlich ganz toll – plötzlich wurde die Holzfällerei verboten und die Leute begannen, die Insel zu verlassen. Aber dafür kamen dann die Touristen, um sich die Wälder anzusehen. Und eins muss man anerkennend sagen: Die Mühe, die man sich hier gibt, all die Wanderwege und Berghütten anzulegen und in Schuß zu halten ist sagenhaft. Ich habe selten so schön angelegte Wanderwege gesehen – sehr intuitiv geplant und, wie man so schön sagt, im Einklang mit der Natur. Darauf legt man hier viel Wert. Wer in die Wälder geht, wird angehalten, tragbare Toiletten mit sich zu führen und auf gar keinen Fall irgendwelchen Müll zu hinterlassen. Mit Erfolg. Ich habe nicht ein Stück Müll bisher gesehen.

 

Blick auf Miyanoura - auf halber Strecke

Blick auf Miyanoura – auf halber Strecke

 Die Hauptattraktion der Insel sind die Sugi – japanische Zedern. Und die bekannteste ist die Jōmon-Sugi – benannt nach der Jõmon-Periode und damit – angeblich – rund 6’000 Jahre alt. So genau kann man das jedoch nicht sagen, da die Sugi mit einem gewissen Alter innen hohl werden. Da ist also nichts mit Ringe zählen. Die Jōmon-Sugi ist neueren Schätzungen wohl “nur” 3’000 nochwas Jahre alt, aber selbst das ist für einen Baum natürlich phänomenal. Die Wanderung bis zu besagter Sugi dauert übrigens hin- und zurück knapp 10 Stunden. Banause, der ich bin, habe ich jedoch heute beschlossen, den alten Baum einen alten Baum sein zu lassen. Hauptgrund: Alle, die nach Yakushima kommen, pilgern dort hin. Darauf habe ich keine Lust. Stattdessen hatte ich die grandiose Idee, mit dem Fahrrad eine 10 km lange, mit Haarnadelkurven gespickte Strasse bis zur 600 Meter hoch gelegenen Shiratani-Unsuikyō (“Weisses Tal-Wolkenwasserschlucht”) zu fahren. Bei Sonnenschein, 33 Grad und 70% Luftfeuchtigkeit. Die Pausen erfolgten entsprechend nach 3 km, 5 km, 6 km, 6,5 km, 7 km, 7,2 km, 7,4 km, 7,5 km… Wie gesagt, es war eine wirklich grandiose Idee. Immerhin applaudierten mir ein paar Autoinsassen, als sie vorbeifuhren. Wahrscheinlich der gleiche höfliche Applaus, dem man jemandem, der dabei ist, etwas völlig Idiotisches anzustellen, zukommen lässt. Oder der Jesus Christus-Applaus: Danke, dass Du diese Strapaze auf dich nimmst. Oben angekommen, stellte ich erneut fest, dass Yakushima anders ist: Während es überall in Japan definitiv einen Imbiß und/oder Getränkeautomaten gibt, findet man auf Yakushima in den Besucherzentren genau gar nichts. Aber – immerhin gibt es überall frische Bergquellen im Überfluß, an denen man sich sein Wasser abfüllen kann. 

 

Wasser, Moos und alte Bäume - was will man mehr

Wasser, Moos und alte Bäume – was will man mehr

 Ich entschied mich für den 3-Stunden-Kurs: Drei Stunden Wandern quer durch den Wald, berghoch, bergrunter. Auch hier gibt es sehr viele Sugi, aber während die Jōmon-Sugi einen Stammumfang von 16 Metern hat, haben diese hier nur einen Umfang von 8 Metern. Bei einigen Bäumen kann man dabei drunter durchlaufen. Und alles, aber auch wirklich alles ist mit Moos bewachsen. Hinzu kommt, dass die Bäume wohl sehr viel Harz enthalten und deshalb nur schwer vermodern. Baumstümpfe von während der Edo-Zeit geschlagenen Bäumen liegen noch immer herum wie damals – nur eben jetzt mit Moos und Flechten bewachsen. Die Wälder von Yakushima dienten übrigens als Vorlage für die Wälder in Miyazaki’s “Prinzessin Mononoke”, und das ist einwandfrei nachvollziehbar. Das ist kein Wald, sondern ein Waldwald.

Am frühen Nachmittag ging es wieder zurück in den Hauptort Miyanoura. Natürlich war die Rückfahrt angenehmer als die Hinfahrt: Was vorher anderthalb Stunden dauerte, war nun in 15 Minuten pausenloser Abfahrt vollbracht. 15 Minuten, in denen ich dachte, dass es vielleicht doch keine sooo schlechte Idee war.

Immerhin war ich rechtzeitig zurück, um die imposanten Gewitter aus der Herberge heraus zu betrachten.

Fazit des Tages: 600 Meter Berg hochfahren mit einem 21-Gänge-Crossbike bei 33 Grad will gut überlegt sein. Das mache ich ganz bestimmt nicht noch mal. In diesem Jahr.

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Inselreporter: Yakushima

August 11th, 2015 | Tagged | 5 Kommentare | 464 mal gelesen

Nach allen 47 Präfekturen bin ich nun also auf die vielen kleinen japanischen Inseln aus – der Stoff reicht dank der großen Anzahl auch locker bis ans Lebensende. Im letzten Sommer war es die Insel Sado – in diesem Jahr die Insel Yakushima, rund 60 km südlich von Kagoshima. Direkt kommt man dort von Tokyo nicht hin – am besten fliegt man nach Kagoshima und fährt von dort mit dem Boot weiter. Mit dem Schnellboot dauert das rund 2.5 Stunden.

Gesagt, getan. JAL jagte mir erstmal einen Schrecken ein, als sie bekanntgaben, dass der Flug eventuell nach Fukuoka umgeleitet – oder nach Tokyo zurückkehren muss. Der Grund: Nebel. Ist ja auch klar – der Flughafen befindet sich direkt am Kirishima-Bergmassiv, und Kirishima bedeutet “Nebelinsel”. Aus gutem Grund.

 

Ausblick vom Miyanoura-dake

 
Letztendlich lief aber doch alles wie geplant. 6:25 morgens Abflug in Tokyo/Haneda, punkt 13 Uhr Ankunft in Anbō auf Yakushima. Kurze Zeit später finde ich auch den vorbestellten Fahrradverleih. Eigentlich wollte ich mein eigenes Fahrrad schicken, aber das hätte mich über 10’000 Yen gekostet. Ein ähnliches Fahrrad, sogar in akzeptabler Größe, kann ich mir hier hindes für 4’000 Yen leihen. Und zwar für eine ganze Woche. Der einzige Haken: Vorder- und Hinterbremse sind andersrum.

Auf Yakushima regnet es oft, und das verdankt die Insel dem über 1’900 Meter aus dem Meer ragenden Gebirge. Rund 6’500 mm Regen im Jahr sind ordentlich – das ist die 12-fache Menge dessen, was in Berlin pro Jahr vom Himmel fällt. Gestern und heute schien jedoch die Sonne. Mein Herbergsvater ist rund 75 Jahre alt, war einst Taxifahrer in Kobe und hatte vor 5 Jahren eine schwere Gehirnoperation hinter sich. Und er bot mir an, mich morgens um 4 Uhr bis zur Inselmitte, zum Startpunkt der Strecke zum höchsten Gipfel zu fahren. Natürlich kostet das etwas, aber mit dem Taxi hätte es 3 Mal so viel gekostet. Und alle Achtung – mit seinem K-sha (Auto mit kleinem Motor) schneidet er die Kurven wie ein junger Gott. “Dauert über eine Stunde – Du kannst doch so lange etwas Schlaf nachholen” meinte er noch, aber das war ausgeschlossen. Also unterhielten wir uns so lange.
 

Rehe auf Yakushima

Rehe auf Yakushima

 Einer der Startpunkte zum Aufstieg auf den 宮之浦岳 Miya-no-ura dake liegt auf fast 1’300 Meter Höhe. Der Berg selbst, nicht nur der höchste Berg von Yakushima, sondern von ganz Kyushu, ist 1’936 Meter hoch. “Der Aufstieg dauert 5 Stunden, der Abstieg 4. Ich bin dann gegen 16 Uhr wieder hier” sagte mir der Schumacher von Yakushima noch, und ich zweifelte daran und sagte, dass es selbst mit viel Bummelei nicht so lange dauern wird. Und siehe da – um  9 Uhr morgens stand ich auf dem Gipfel. Dort also Reisbällchen gefrühstückt und fast eine Stunde die Aussicht genossen. Bis auf ein paar Minuten hatte ich den Gipfel ganz für mich allein. Auf- und Abstieg sind fast wie ein Spaziergang: Es geht durch moosbewachsene Japanische Zedern-Wälder, und überall sprudelt glasklares Wasser hervor. Unterwegs sieht man gelegentlich Rehe und Yakuzaru – die kleinere Inselvariante der japanischen Rotmakaken. Beide Arten haben ein gesundes Verhältnis zum Menschen hier: Sie bleiben auf Abstand, sind aber auch nicht scheu. Ganz klar: Hier wird weder gejagt noch verteilen die Besucher Futter.

 

 Steinformationen  in der Inselmitte

Steinformationen in der Inselmitte

Beim Abstieg lasse ich mir viel Zeit und steige zwischendurch noch auf den Kuromidake, ein 1’800 nochwas hoher Berg. Auch hier: Aussicht. Schumacher hat sogar Erbarmen mit mir und holt mich schon vor 3 Uhr ab, um mich dann – “das mache ich für umsonst und gern!” – zum bekanntesten Wasserfall der Insel sowie zu einem Onsen zu fahren. Ob er nicht auch in die heisse Quelle gehen möchte, fragte ich ihn, aber er meinte nur “Nee, ist mir viel zu heiss”. Ich wusste schnell, was er meinte: 49 Grad sind in der Tat verdammt heiss.  Und so endete Tag 1 auf Yakushima. Und ich verdiene jetzt einen Durchhalteorden dafür, dass ich diesen Bericht noch gegen 21 Uhr in mein Handy hacke.

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Geheimtipp für den Tokyo Sky Tree | Hakone gesperrt

Mai 7th, 2015 | Tagged , , | 4 Kommentare | 1818 mal gelesen

Goldene Woche — Reisezeit. Entweder man reist selbst, oder man hat Besuch aus der Heimat, denn während eine Reise ins Ausland innerhalb der Goldenen Woche fast unbezahlbar ist, ist eine Reise während der Goldenen Woche – zumindest flugpreistechnisch – recht günstig.

Mit dem Besuch ging es dieses Jahr zum Tokyo Sky Tree, dem neuen Wahrzeichen der Stadt. Eigentlich habe ich jenen seit meinem letzten Besuch vermieden. Zu viel Rummel, zu viele Menschen, zu viele Geschäfte, und die Kostüme der Tokyo-Sky-Tree-Hostessen finde ich einfach mal absolut abstossend. Es gibt also eigentlich keinen triftigen Grund für mich, wieder dorthin zu fahren. Nun ging es also doch wieder hin, und ich hatte meinen Besuch schon vorgewarnt: Da Goldene Woche, wird es sehr, sehr voll werden. Und nein, wir werden nicht auf den Turm fahren können, weil man einen geschlagenen halben Tag warten muss, bis man an der Reihe ist.

Spasseshalber fragte ich bei der Information gegen 11:30 morgens nach, wie lange es denn dauern würde, bis man hochkönne. “So cirka 18:30″ lautete die nicht überraschende Antwort. Doch dann: “Für Ausländer gibt es allerdings jetzt das Fast Sky Tree Ticket. Das kostet mit 2,820 Yen bis zur Plattform in 350 m Höhe zwar 760 Yen mehr als das normale Ticket, aber: “In 20 Minuten von jetzt an sind sie oben!”. Sieh mal einer an. Also zum speziellen Ticketverkauf in der 4. Etage gegangen, und siehe da — keine 10 Leute warteten in der Schlange. Tickets gekauft, und schon wurden wir von einer Hostess zum Fahrstuhl geführt und schon waren wir oben. Geht doch. Interessant ist dabei, dass auch in Japan lebende Ausländer sowie den Ausländer begleitende Japaner das Fast Ticket nutzen dürfen. Das ist ja fast schon eine Geschäftsidee…

  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree

Wo wir gerade beim Thema Tourismus sind — gestern, am 6. Mai 2015, hat die Meteorologie-Behörde die Warnstufe für den Vulkan in Hakone auf Stufe 2 (von 5) erhöht. Infolgedessen wurden etliche Strassen sowie, und jetzt kommt’s, die Seilbahn gesperrt. Wie lange die Sperrung andauert, kann man noch nicht vorhersagen. Man erwartet auch keinen grossen Ausbruch, aber da die Seilbahn direkt über den Krater fährt, geht man verständlicherweise auf Nummer Sicher. Soll heissen, die übliche Hakone-Tour (Zug von Tokyo, Zahnradbahn von Gōra, Seilbahn, Schiff) hat sich für unbestimmte Zeit erledigt, da an der Seilbahn Schluss ist. Mehr Informationen dazu siehe hier.

Nun gut — wir fahren dieses Jahr gottseidank nicht ins nahe Hakone, sondern, mal wieder, nach Izu. Mehr und häufiger dann wieder auf diesem Blog nach der Goldenen Woche!

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Hokuriku-Shinkansen: Der Countdown läuft

Februar 9th, 2015 | Tagged , | 2 Kommentare | 1594 mal gelesen

Aus aktuellem Anlass (nun ja, ich war heute mit dem Shinkansen unterwegs) wird es Zeit, der baldigen Eröffnung einer neuen Shinkansenstrecke ein paar Zeilen zu widmen. Alle paar Jahre wird in Japan eine neue Trasse eingeweiht – zuletzt im März 2011, als die Hauptachse des Kyushu-Shinkansens sowie die Erweiterung des Tohoku-Shinkansens bis Aomori eingeweiht wurden. Das ging leider etwas in den Nachrichten unter, denn 6 Tage nach Eröffnung des Aomori-Shinkansens gab es das schwere Erdbeben, und die Strecke musste erstmal für ein paar Wochen geschlossen werden. Die Eröffnung der kompletten Kyushu-Strecke fand am Tag nach dem Beben statt.

In 33 Tagen ist es dann wieder soweit: Das Netz wird am 14. März 2015 um einen neuen Abschnitt erweitert – die Rede ist vom 北陸新幹線 Hokuriku-Shinkansen. Bisher war in dieser Richtung, von Tokyo aus gesehen, immer in Nagano Schluss, doch die neue Strecke führt von Nagano weiter bis ans Japanische Meer – genauer gesagt geht es über Toyama bis nach Kanazawa. Landschaftlich sollte man von der Strecke nicht allzu viel erwarten – sicherlich, die Landschaft als solche ist eigentlich spektakulär, denn es geht erst die Südalpen und dann das Meer entlang, aber die neuen Shinkansenstrecken enthalten so viele und so lange Tunnel, das man meinen möchte, man sitzt in der U-Bahn. Zugegebenermassen einer verdammt schnellen U-Bahn.

Was hat man aber nun von dem neuen, knapp 230 Kilometer langen Teilstück? Wer heutzutage mit der Bahn von Tokyo bis Kanazawa fährt, braucht 4 Stunden und 15 Minuten – die einfache Fahrt kostet rund 16’000 Yen. Mit dem neuen Shinkansen braucht man nur 2½ Stunden – und bezahlt nur noch rund 14’000 Yen: Der Grund: Für die jetzige Strecke muss man einen weiten Umweg (über Nagoya) fahren. Will man heuer nach Toyama, braucht man momentan 3 Stunden und 45 Minuten und bezahlt rund 11’000 Yen – der neue Shinkansen ist da mit 12’730 Yen etwas teurer, dafür aber in 2 Stunden und 15 Minuten vor Ort. Fazit: Toyama und Kanazawa rücken näher an die Hauptstadt, und das ist gut: Vor allem Kanazawa ist ein unterschätztes Reiseziel in Japan.

Bei Kanazawa soll es übrigens nicht bleiben: Die Strecke wird letztendlich weitergehen – über Fukui bis Tsuruga und dann schliesslich weiter bis Osaka oder Kyoto, aber bis dahin wird noch eine Menge Wasser den Tone-Fluss herunterfliessen.

Kopfbahnhof von NihongiSchaut man sich die Haltestellen der neuen Strecke an, so findet man dort unter anderem den Namen 上越妙高 Jōetsu-Myōkō. Dieser Bahnhof befindet sich in der Präfektur Niigata – im Nichts. Rundherum gibt es rein gar nichts. Der Bahnhof kam mir etwas seltsam vor, als ich selbst im vergangenen Sommer in Richtung Myōkō-Kōgen unterwegs war – einem sehr malerischen Wintersportort auf über 1’000 Meter Höhe. Als ich mich dort schliesslich mit einem Bewohner über die Shinkansenanbindung unterhielt, war jener entsprechend etwas vergnatzt: Der Shinkansenbahnhof trägt zwar den Namen Myōkō, ist aber vom ziemlich bekannten Wintersportort so weit entfernt, dass die Trasse für Besucher des Ortes kaum einen Nutzen trägt.

Auf halbem Wege zwischen dem eigentlichen Bahnhof von Myōkō-Kōgen und dem neuen Shinkansenbahnhof befindet sich übrigens der etwas ungewöhnliche Bahnhof von 二本木 Nihongi (wörtlich: “Zwei Bäume” – im Gegensatz zu Roppongi in Tokyo: “Sechs Bäume): Züge können den Bahnhof nur in der Richtung verlassen, aus der sie gekommen sind. Will heissen, die Züge müssen einen kleinen Berg hochfahren, um nach Nihongi zu kommen – und fahren zumindest einen Teil der Strecke wieder zurück, bevor sie die Richtung ändern.

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Blade Runner oder: Landeanflug auf Haneda

Januar 4th, 2015 | Tagged , , | 5 Kommentare | 2430 mal gelesen

Wer am Flughafen Narita landet, sieht normalerweise erstmal ein Flickenteppich aus Reisfeldern, kleinen Wäldern und Golfplätzen. Wer am Flughafen von Haneda in der Bucht von Tokyo landet, fliegt meistens eine grosse Kurve über die Boso-Halbinsel, an Disneyland vorbei, um dann von Norden her in Haneda zu landen. Seltener ist da der Anflug vom Süden her – jener führt an den Neulandgebieten von Yokohama und Kawasaki vorbei. Das bedeutet, man sieht erstmal nur eins: Industrie. So weit das Auge reicht. Leider ist bei dem Video unten der Flügel im Weg. Aber das Video, aufgenommen am 28. Dezember 2014, weist eine Besonderheit auf: Absolute Windstille. Das hat entsprechend ein bisschen was von Blade Runner.

Sicher, es gibt romantischere Anflüge auf Flughäfen. Andererseits kann man sich nicht beschweren: Japan ist nun mal eine Industrienation, und das wird hier eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Vor der ganzen Industrie sieht man – in der richtigen Jahreszeit zumindest – natürlich noch mehr – so man von Süden kommt, die Insel Ohshima zum Beispiel, oder den häufig rauchenden Vulkan der Insel 三宅島 Miyake-Jima:

Miyake-jima aus 10 km Höhe

Miyake-jima aus 10 km Höhe

Und da wäre natürlich auch der gute alte Fuji-san:

Fuji-san vom Flugzeug aus

Fuji-san vom Flugzeug aus

Fuji-san aus der Luft

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Feldbericht: Präfektur Niigata

August 16th, 2014 | Tagged | 6 Kommentare | 4090 mal gelesen

Auf die Frage an die Leser, wohin sie mich denn schicken würden, wollten mich ein paar Leser zur Atomruine nach Fukushima schicken – andere hingegen nach Niigata. Da ich es mir schwer vorstelle, ohne eigenes Vehikel in Fukushima viel ausrichten zu können, zog ich nun also nach Niigata.
Die Präfektur hatte ich in der Tat bisher vernachlässigt. Vor über 10 Jahren, damals noch lediglich ein Kurzzeitbesucher und so mit dem Railpass bewaffnet, fuhr ich einmal mit den Shinkansen nach Niigata Stadt und am Abend wieder zurück. Zu Beginn dieses Jahres folgte dann ein Skiausflug nach Yuzawa.

Die jetzige Tour war sehr kurz – drei Nächte, drei Tage, und zeichnete sich vor allem durch mangelnde Vorbereitung aus. So folgte ich dem Tipp, mir mal 燕三条 Tsubame-Sanjō anzusehen, da die Gegend bekannt für die Produktion hochwertiger japanischer Messer und anderer Metallerzeugnisse ist. Das stimmt zwar, aber um es vorzunehmen, lohnt sich ein Besuch nur, wenn man viel Zeit mitbringt und sich ordentlich vorbereitet, sprich, weiss, welche Manufakturen man besichtigen will. Für mich konnte das nur scheitern, da ich erst abends um 7 Uhr ankam und am nächsten Tag die Fähre von Niigata um 12:55 erreichen musste. Denn merke – es ist Obon, und da ist alles ausgebucht.

Schnappschuss aus Tsubame

Schnappschuss aus Tsubame

Tsubame-Sanjō erwies sich als hervorragendes Beispiel misslungener Stadtplanung. Der Bindestrich lässt erahnen, dass es sich eigentlich um zwei Orte handelt: Tsubame im Norden, Sanjō im Süden. Zwischen den beiden Orten baute man irgendwann die Shinkansentrasse und eine Autobahn. Die Konsequenz: Rund um den Shinkansenbahnhof baute man grosse Einkaufszentren und Restaurants en masse, während die Innenstädte mehr und mehr herunterkamen – dort gibt es so gut wie keine Geschäfte mehr. Zumindest Tsubame ist nun offensichtlich klar überaltert, und das gilt für die Infrastruktur, die Häuser und vor allem für die Bewohner. Dass die Gegend so bekannt ist für die Messer- etc.-Produktion, lässt man sich übrigens nicht anmerken – normalerweise werden an den Bahnhöfen in Japan die lokalen Besonderheiten gepriesen, wenn nicht gar verkauft, aber der Bahnhof von Tsubame war einfach nur heruntergekommen.

Nun gut. Mit dem Bummelzug ging es nach einer Nacht in einem stinknormalen Businesshotel nach Yoshida und von dort mit einem anderen Bummelzug nach Niigata. Der dortige, zugebenermassen nicht sonderlich schöne, Bahnhof wird momentan umgebaut, was, ein schönes Chaos im und um den Bahnhof herum zur Folge hatte. Ein kurzes Mittagessen, und weiter ging es mit dem Bus zum Fährterminal. Aus Neugier hatte ich beschlossen, mit der schnellen Fähre hin (ca. eine Stunde, rund 6,500 yen) und der langsamen Fähre (2,720 yen, 2:40 Stunden) zurückzufahren. Die Fähren waren natürlich ausverkauft, aber das war vorher zu erwarten, weshalb ich telefonisch vorbestellt hatte.

Tragflächenboote sind zwar schön schnell, aber man kann natürlich nicht an Deck und sieht nicht viel. Eine Stunde später war ich schliesslich in 両津 Ryōtsu, dem Haupthafen der Insel Sado (佐渡島 Sado-ga-shima). Übersetzt bedeutet der Name “Beide Häfen” – das bezieht sich wahrscheinlich auf die Tatsache, dass der Ort eine schmale Landzunge zwischen Meer und einem See einnimmt. Allzu viel gibt es nicht zu sehen, und so ging es weiter mit dem Bus auf die andere Seite der Insel – nach 相川 Aikawa. Das dauert ebenfalls eine Stunde. Ein Blick aus dem Fenster in Ryōtsu offenbarte ein vertrautes Bild: Nahezu alle Geschäfte waren für immer geschlossen worden, der シャッター通り-Effekt (Rolläden-Strasse, bezeichnet das Geschäftssterben in Innenstädten, da man dort nur noch geschlossene Rolläden sieht) hätte ausgeprägter nicht sein können.

Erzhüttenruine aus der Vorkriegszeit

Erzhüttenruine aus der Vorkriegszeit

Die blitzförmige Insel Sado ist einfach aufgebaut: Gebirge entlang der beiden langen Enden, eine Ebene in der verbindenden Gerade. Dort fuhr der Bus entlang, bevor er gen Norden fuhr. Natürlich ist die Ebene auch am dichtesten besiedelt. Aikawa ist jedoch eher verschlafen, und als ich an der Endhaltestelle ausstieg, stand ich inmitten eines Fischerdörfchens mit nichts herum. Nun war es schon nach 3 Uhr nachmittags, aber mein erklärtes Ziel war es, die Gold-und Silbermine 金山 Kinzan nahe Aikawa zu sehen. Da es weder Busse noch Taxis in der Gegend gibt, lief ich erstmal los und stand nach wenigen hundert Metern bereits vor einer beeindruckenden Industrieruine: Verhüttungsanlagen aus der Zeit vor 1945. Mit Erklärungstafeln in Japanisch und Englisch, und in recht gepflegtem Zustand. Hier hat man sich richtig Mühe gegeben, und die ganze Anlage hat ihren morbiden Charme.

Diesen Berg hat man vor hunderten Jahren regelrecht gespalten

Diesen Berg hat man vor hunderten Jahren regelrecht gespalten

Wenn man von dort noch mal gut 1.5 km die Strasse entlang durch saftig-grüne Wälder bergauf läuft, kommt man zur eigentlichen Goldmine. Die hat man seit 1601 erschlossen, und zwar erst oberirdisch: Man hat, deutlich sichtbar, einen komplettem Berg quasi zweigeteilt. Dann ging es unter der Erde weiter, und einen Teil der Stollen hat man zum Museum ausgebaut. Das schöne daran: Draussen sind es im Sommer schwüle 30+ Grad – unter Tage hingegen 12 Grad. Sehr erfrischend. Die Mine und das drumherum sind alles in allem recht interessant: Heute liegt die Insel Sado zwar nicht am A**** der Welt, aber sehr, sehr nah dran (man muss schon eine Weile paddeln, bis man … In Nordkorea landet), aber vor hunderten Jahren tobte hier der Mob: Zehntausende Arbeiter und die komplette Industrie drumherum (Köche, Regierungsbeamte, Prostituierte…) waren hier zugange, denn so viele Goldquellen hatte Japan nun auch nicht).

Es war nun schon reichlich spät, das Hotel relativ weit weg und Busse Fehlanzeige, also rief ich ein Taxi. Das Hotel war ein typisch japanisches Ferienhotel – Vollpension, Onsen, japanische Zimmer. Sehr seltsam, dort allein zu übernachten. Das Abendessen war gewohntermassen üppig, und da die Gegend für den Fischfang bekannt ist, gab es natürlich auch sehr viel rohen Fisch. Wie auch am Vorabend. Und dem Abend davor. Und dem Abend vor jenem ebenso. Ich liebe rohen Fisch, und vor allem an den ersten beiden Abenden auf Izu war jener sehr erlesen, aber vier Tage in Folge ist herb. Aber mit einem feinen Sake von der Insel passt es schon. Noch ein kurzer Spaziergang am Strand vor Sonnenuntergang, ein ausgedehntes Bad in der heißen Quelle und schon war der Tag vorbei. Ach ja – nachts konnte man vom Hotel aus zwei Tintenfischfangtrawler sehen – zu erkennen am gleissenden Licht, das bis in die Wolken strahlt. Ein unheimlicher Anblick (die Tintenfischboote sieht man sogar aus dem Weltall – siehe hier).

Sonnenuntergang an der Westküste von Sado

Sonnenuntergang an der Westküste von Sado

Der folgende Tag sollte nicht minder vollgepackt sein. Erst ging es mit dem Bus immer die Küste entlang bis 佐和田 Sawata, der Inselhauptstadt. Die ist in etwa so aufregend wie Kleinmachnow (obwohl, das ist ungerecht: Kleinmachnow ist interessanter). Zum nächsten Bestimmungsort, 小木 Ogi, fahren nur drei Busse am Tag. Eigentlich wollte ich mir auch Ogi ansehen anstelle von Sawata. Ich frage einen Taxifahrer, wieviel er für die 30 Kilometer verlangen würde, und er sagte 10’000 Yen, also 75 Euro. Das überraschte mich etwas, denn in vielen Gegenden Japans kann man bei langen Strecken eigentlich verhandeln – nicht so in diesem Fall. Das ist selbst mir zu viel – der Bus kostet 820 Yen – also schreibe ich Ogi ab.

Blick im Morgengrauen auf den Nordteil der Insel

Blick im Morgengrauen auf den Nordteil der Insel

Die Busfahrt von Sawata nach Ogi sollte sich jedenfalls lohnen, denn die Aussicht ist, so man auf der rechten, meerzugewandten Seite sitzt, spektakulär. Saftig-grüne Reisfelder, dahinter das durch Klippen durchstossene Meer und dahinter wiederum über 1’000 m hohe Berge. Im Bus spielen wir derweilen Ringelpietz mit Anfassen: Ich sitze, da ich einer der ersten im Bus war. Und ich schaue ent- und gespannt aus dem Fenster. Dann bemerke ich eine sehr junge, schwangere Frau und biete ihr meinen Sitzplatz an. Bei der nächsten Bushaltestelle werden die beiden einzelnen Plätze vor ihr frei. Ein Pärchen vor mir bemerkt das natürlich auch. Die Frau deutet ihrem Mann an, dass er mir den Platz anbieten sollte, da ich ja meinen gerade geräumt habe. Selbstlos, wie viele japanische Männer halt sind (Hauptsache, ICH habe einen Platz), tut er das mit einem verächtlichen Nicken ab, und schon sitzen die beiden. Auch sie sind nicht von der Insel, und ich habe natürlich nichts dagegen, dass sie da nun sitzen, aber dann geht es los: Er schläft sofort ein, und sie spielt auf ihrem Handy Blubberblasen zerplatzen lassen. Ja, wunderbar! Wenigstens wissen sie ihren Urlaub zu nutzen. Kurze Zeit später wird wieder ein Platz frei, ich sitze wieder, und stehe wieder als einziger auf, als eine tattrige Dame im Schneckentempo den Bus besteigt.

Typisch Sado: Reisfelder, Meer und Berge

Typisch Sado: Reisfelder, Meer und Berge

Kaum in Ogi angekommen, heisst es auch schon, die Autofähre zu besteigen. Da passen gut 1’000 Menschen rein, und offensichtlich auch ein paar Yakuza, die dort schön tätowiert aber leider auch leicht unterbelichtet Sprüche von sich geben. Das sollte an der Stelle mal gesagt sein: Bisher habe ich in all den Jahren in Japan unter den jungen Yakuza noch keine allzu hellen Lichter erlebt, aber das liegt auf der Hand – schliesslich werden die Brüder nicht von den Unis rekrutiert sondern quasi auf, nun ja, speziellen “Bildungswegen”, eher praxisbezogen sozusagen, auf die Arbeit vorbereitet.

Gute 2.5 Stunden später sind wir in 直江津 Naoetsu, einer tristen Industriestadt in Niigata. Die spärlichen Zugverbindungen schenken mir auch hier wieder über eine Stunde Aufenthalt, und ich stromere durch die Innenstadt. Das einzig neue dort ist der Bahnhof, ein kleines Hotel davor und die hässlichste Stahlskulptur, die ich je gesehen habe. Ansonsten stirbt auch hier offensichtlich die Innenstadt – fast alles ist auf ewig geschlossen. Das kleine Viertel mit den dutzenden Snack-Kaschemmen scheint sich dem entgegenzustemmen, aber auch von denen haben etliche schon aufgegeben. Oh, Niigata!

Naoetsu: Waschmaschinen-Direkteinleitung. Das Meer ist ja nicht weit.

Naoetsu: Waschmaschinen-Direkteinleitung. Das Meer ist ja nicht weit.

Noch eine Stunde geht es dann weiter mit dem Zug, Richtung Nagano, aber der Zielbahnhof liegt auf halber Strecke. Er heisst 妙高高原 Myōkō-Kōgen (Kōgen = Plateau). Ein Wintersportort unterhalb des markanten, rund 2’500 Meter hohen Myōkō-Berges. Das ganze erinnert an ein Wintersportort in der Schweiz, nur etwas heruntergekommener, denn auch hier sind die Besucherzahlen ganz offensichtlich während der letzten Jahrzehnte erheblich gesunken. Mein Hotel ist klein und ein Familienbetrieb – die Besitzer sind sehr freundlich, und zum Abend gibt es unter anderem – wer hätte das gedacht – rohen Fisch.

Die Bergwelt  von Niigata

Die Bergwelt von Niigata

Und der Blick Richtung Nagano...

Und der Blick Richtung Nagano…

Am nächsten Tag sollte es eigentlich den ganzen Tag regnen, aber ich habe Glück. Ich laufe ein paar hundert Meter, denn ich will mit einer Seilbahn auf 1’200 Meter Höhe fahren. Plötzlich hält ein Auto – nicht aus der Gegend – an, und die Beifahrerin fragt mich, wo ich hinmöchte. Die Frage ist berechtigt, denn der Bahnhof ist rund 5 km entfernt. Ich bin gerührt und bedanke mich herzlichst, aber ich bin auch dickköpfig und will erst Seilbahn fahren. Danach werde ich dann erwartungsgemäß mit einem 5 km Fußmarsch belohnt, aber das war sehr gut zeitlich abgestimmt. Kaum hatte ich den Bahnhof erreicht, fing es an, in Strömen zu regnen.

Etwas kamerascheu: Der Myōkō-Berg

Etwas kamerascheu: Der Myōkō-Berg

Am Bahnhof spricht mich plötzlich ein sehr alter, adrett aussehender Mann an. Richtig, ihn hatte ich erst am Vortag im gleichen Hotel gesehen. Er spricht recht gut Englisch und sagt, er ist ursprünglich Chemiker, und er hatte im Hotel von der Angestellten (mit der ich mich lang und breit am Abend an der Hotelbar unterhalten hatte) gehört, dass ich Geograph sei, und er hätte da gern meine Meinung zu einem Thema. Es ging ihm um die ideale Endlagerstätte für atomaren Müll, denn er müsse bald darüber einen Vortrag halten. Die Unterhaltung sollte eine geschlagene Stunde – bis Nagano – dauern. Im Laufe der Fahrt stellte sich heraus, dass er emeritierter Professor der Tokyo University (kurz: Tōdai, DIE Eliteuniversität Japans) ist. Die Diskussion war recht interessant – ich war lediglich etwas enttäuscht, als er mir zum Ende erklärte, dass jetzt Obon-Ferien sind und deshalb die Züge so voll sind. Und das, nachdem ich ihm erzählte, dass ich nunmehr seit 10 Jahren in Japan lebe. Und ihm etliche geologische Sachverhalte auf Japanisch erklärte, da er die englischen Fachbegriffe nicht kannte. Das schien ihm vom Automatismus “Ausländer = über Japan vollkommen unaufgeklärtes Wesen” nicht abzuhalten.

So auch noch nicht gesehen: Goldfische (und Karpfen) zwischen den Bahngleisen

So auch noch nicht gesehen: Goldfische (und Karpfen) zwischen den Bahngleisen

Und das war sie auch schon – die dreitägige Kreuz-und-quer-Tour. Wie immer viel zu kurz, aber besser als gar nichts. Fazit über die Insel Sado: Ein sehr schönes, abgelegenes, wildes Reiseziel. Aber ohne eigenes Vehikel (die Insel ist ein Paradies für Rad-, Krad- und Autofahrer) ist es ziemlich schwer, herumzukommen.

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Lesestoff: Fünf neue Seiten

März 5th, 2014 | Tagged , | 3 Kommentare | 3966 mal gelesen

So, damit mir niemand Faulheit vorwirft: Fünf neue Seiten innerhalb des Japan-Almanachs sind jetzt fertig und reif, auf die Öffentlichkeit (beziehungsweise Suchmaschinen) losgelassen zu werden. Alle 5 Seiten sind Teil des mittlerweile 130 Orte umfassenden Japan-Reiseführers. Als da wären:

Ishigaki:
http://www.tabibito.de/japan/ishigaki.html
Ishigaki ist eine Insel in der Yaeyama-Inselgruppe im Südwesten der Präfektur Okinawa. Und während mich die Hauptinsel von Okinawa nur halbwegs begeisterte, war ich von Ishigaki sehr angetan. Sehr viel Natur, traumhaft schöne Korallenriffe und äußerst nette Eingeborene.

Taketomi:
http://www.tabibito.de/japan/taketomi.html
Die Insel Taketomi liegt nur 10 Bootsminuten von Ishigaki entfernt und ist wesentlich kleiner. Schön ist der Ort in der Mitte, und auch die Strände sind traumhaft schön – und das sagt jemand, der sich eher durch die Berge hangelt als an Stränden herumzulungern. Nur der versprochene Sternensand ist schwerer zu finden, als man glauben mag: Es gibt nicht mehr viel Sternensand am Sternensandstrand.

Iriomote:
http://www.tabibito.de/japan/iriomote.html
Noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts malariaverseucht, sind zahlreiche Versuche fehlgeschlagen, die größte der Yaeyama-Inseln umfassend zu besiedeln. Und so ist Iriomote auch heute noch ein Unikum in Japan: Eine sehr spärlich besiedelte Gegend mit sehr viel Natur. Dazu zählen auch die größten Mangroven Japans… und die sich rar machende Iriomote-Wildkatze.

Yubu:
http://www.tabibito.de/japan/yubu.html
Die Insel ist so klein, dass ich überlegen musste, ob ich ihr eine eigene Seite widme. Aber warum nicht. Schliesslich ist Yubu die wahrscheinlich einzige Insel in Japan, die man nur mit Wasserbüffelkarren erreichen kann.

Hamamatsu:
http://www.tabibito.de/japan/hamamatsu.html
Hamamatsu liegt zwischen Tokyo und Nagoya in der Präfektur und ist Japans “Little Brazil” – hier gibt es die größte brasilianische Kommune in ganz Japan. Wer sein portugiesisch aufpolieren möchte, japanisch zubereiteten Aal liebt oder im Hamanoko-See durch Unmengen von Einsiedlerkrebsen waten will, ist hier richtig aufgehoben.

Und das war es auch schon. Einiges mehr ist bereits in Arbeit. Zu einigen Destinationen sei hier noch Zooming Japan anempfohlen: Die Autorin ist nicht faul und hat auch zu etlichen oder gar allen oben genannten Reisezielen etwas geschrieben (alles auf Englisch, wohlgemerkt).

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Skiurlaub

Februar 14th, 2014 | Tagged , | 3 Kommentare | 2441 mal gelesen

Skigebiet in der Präfektur Niigata

Skigebiet in der Präfektur Niigata

Da hat es mich doch nach gut 10 Jahren in Japan neulich zum ersten Mal in ein Skigebiet in Japan verschlagen. Das letzte Mal, dass ich auf zwei Brettern stand, war da ungefähr 28 Jahre her. Und wenn ich mich recht erinnere, war das damals eine wackelige Angelegenheit und sowieso sehr schnell vorüber, da einer der Mitschüler, es war Klassenfahrt, in einen Bach gefallen war. Dieses Mal ging es mit einem Großteil der Familie zum Skifahren. 11 Leute, mit 4 Kindern zwischen 1 und 7 Jahren. Letztendlich weiß ich nicht, was anstrengender war: Das ganze Equipment, alles geliehen, oder die Kinderschar zusammenzuhalten. Am liebsten wäre ich ja mal Snowboard gefahren, aber ich habe mich schliesslich der Mehrheit gefügt und Skier ausgeliehen. Als ich sah, wie ein paar Snowboardamateure mit ihren Brettern wie reife Trauben vom Lift plumpsten, hielt ich die Entscheidung im Nachhinein für richtig.

Eigentlich sollte man öfter mal Ski fahren. Ist ja schliesslich einfach hier. Zwar fällt in Tokyo direkt nur ganz selten viel Schnee (obwohl es morgen wohl wieder kräftig schneien soll), aber mit dem Shinkansen braucht man nur eine gute Stunde, und schon steht man im Tiefschnee. Mangels Vergleich weiss ich nun nicht, ob Skifahren in Japan anders läuft als anderswo. Wahrscheinlich nicht. Man braucht viel Geld (Ausrüstung, Übernachtung, Lifte, Schließfächer usw.) und viel Geduld, wenn man über die Feiertage verreist. Die Pisten, die wir gesehen haben, waren bestens präpariert. Helme scheinen weitgehend unbekannt zu sein – ich habe niemanden mit Helm gesehen. Und Snowboards sind genauso häufig anzutreffen wie Ski. Kein Wunder, dass Japan in Sotschi beim Snowboarden “abgeräumt” hat, wenn man das bei einer Bronze- und Silbermedaille so sagen kann. Und – viele scheinen ihre Kinder gern auf die Piste zu schicken. Mehrfach haben mich zahlreiche Knirpse in ziemlich hohem Tempo überholt.

Fazit: Wenn man schon so nah an den Bergen wohnt, sollte man das wohl tatsächlich öfter machen. Waren zwar nur zwei Tage, aber Spass macht es allemal, und Pisten gibt es in allen möglichen Schwierigkeitsstufen reichlich. Also dann – Ski heil!

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2013 – Ein Abgesang / Gesundes Neues Jahr!

Dezember 31st, 2013 | Tagged , | 12 Kommentare | 3811 mal gelesen

Ich melde mich mit einem letzten Blogeintrag in diesem Jahr zurück von meinem Kurzurlaub auf den 八重山諸島 – Yaeyama-Inseln – die gehören zur Präfektur Okinawa und liegen zwischen der Insel Okinawa und Taiwan, wobei Taiwan wesentlich näher ist. Wie es war? Vom Wetter einmal abgesehen prächtig, aber mehr dazu mit Sicherheit in einem späteren Eintrag. Nur soviel: Während mich die Insel Okinawa zwar halbwegs begeistert, mich jedoch nicht unbedingt vom Hocker gerissen hat, war ich von den Inseln Ishigaki, Iriomote und Taketomi schwer begeistert. Dorthin fliege ich gerne wieder zurück. Hoffentlich zu einer anderen Jahreszeit, denn zu dieser Jahreszeit ist das Wetter gelinde gesagt suboptimal. Immerhin kamen wir, wie uns versichert wurde, in den einzigen Tag mit Sonnenschein im Dezember.

Kabira-Bucht auf der Insel Ishigaki

Kabira-Bucht auf der Insel Ishigaki

An dieser Stelle jedoch erstmal der obligatorische Jahresrückblick. Hier also ein kurzer Abriß des ablaufenden Jahres 2013:

Politik
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Erwartungsgemäß hatte man vom Rumgewurstel der Demokraten genug und wählte prompt die nach dem Krieg für Jahrzehnte das Land regierenden Liberaldemokraten zurück an die Macht. Der Ministerpräsident heißt seitdem wieder Abe, und er macht, was man erwartet hat: Er verfolgt eine unverblümt nationalistische Agenda, legt sich mit Südkorea und China an (so zum Beispiel durch den Besuch des Yasukuni-Schreins im Dezember) und findet dankbare Gegner: China lässt sich nicht lumpen und läßt die Lage um die Senkaku-Inseln mehr und mehr eskalieren. Das Ende ist offen und wird auch im neuen Jahr für manche Schlagzeile gut sein.
Die Liberaldemokraten nutzen ihre Mehrheit in beiden Kammern schonungslos – das zeigte sich bei der Verabschiedung des Gesetzes zum Schutz von Geheiminformationen im November, was nicht ohne starke Proteste vonstatten ging, doch das liess die Regierenden kalt.

Wirtschaft
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Das Stichwort des Jahrs lautet Abenomics: Ein gigantisches Konjunkturprogramm auf Kosten nachfolgender Generationen. Das Rezept schien soweit in diesem Jahr aufzugehen. Der Yen verlor endlich stark an Boden gegenüber dem Dollar, dem Euro und anderen Leitwährungen. Japanische Produkte werden dadurch billiger im Ausland, und der Außenhandel brummt. Die Börse befindet sich seit Monaten im Höhenflug, und man fragt sich (mal wieder), wie lange das noch gut gehen kann. Wegweisend für die folgenden Jahren waren zudem zwei Ereignisse: Der endgültige Beschluss, die Mehrwertsteuer am 1. April 2014 von 5 auf 8 Prozent zu erhöhen. Sowie die Entscheidung des IOC, die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokyo auszurichten. Davon verspricht man sich starke wirtschaftliche Impulse. Auch auf die Englischerziehung in Schulen, ein altes, leidliches Thema, soll die Entscheidung grossen Einfluss haben.

Beruf
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Status: Unverändert. Ich stecke in einer Sackgasse, aber es gibt schlimmere Sackgassen als die jetzige.

Familie
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Kinder gesund und munter. Töchterchen geht seit April zur Schule, und Sohnemann entpuppt sich als mindestens genauso gesprächig wie seine Schwester. Die Kinder machen nach wie vor viel Spass und ich geniesse jede Minute mit ihnen.

Reise
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Allzu viel neues stand dank mangelnden Urlaubs nicht auf dem Plan. Im Mai ging es für gerade mal zwei Tage nach Yamanashi und Nagano, genauer gesagt in die Gegend des Yatsugatake. Im August ging es nach über 2 Jahren mal wieder in die Heimat, und es war sehr erfrischend, dort viele gute alte Freunde (und Verwandte natürlich) zu treffen. Die Flugverbindung liess auch zwei sehr kurze Ausflüge (jeweils einen Tag) in den Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate zu. Land Nr. 52 und 53 also – es gibt noch so viel mehr zu entdecken.

Hinzu kam schliesslich noch die 5-Tages-Tour mit Frau und Kindern nach Ishigaki. Und das war, wenn auch reichlich anstrengend, Balsam für die Seele.

Blog +α
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Dieses Jahr gab es 77 neue Beiträge mit 752 Kommentaren. Das ist etwas weniger als 2012 (80 Beiträge, 812 Kommentare). Das gleiche gilt für die Besucherzahlen: 2013 verzeichnete der Blog allein ca. 145,000 Seitenaufrufe. Im Jahr 2012 waren es 152,000 Seitenaufrufe. Die durchschnittliche Verweildauer blieb gleich: 3,5 Minuten. Und das ist kein schlechter Schnitt. Bei den Suchbegriffen mit 81 Hits auf Platz 30: “Nackte Frauen”. Ich weiss nicht, was ich davon halten soll. Aber nicht überraschend fliehen 95% der Besucher, die über diesen Begriff auf den Blog gelangen, umgehend wieder. Vielleicht sollte ich mal einen längeren Beitrag nur über nackte Frauen schreiben!?

Aus Lust und Laune entstanden auch noch ein paar weitere Projekte in diesem Jahr – zum Beispiel der englischsprachige IT-Blog Tech Notes, die japanischsprachige Webseite URAYA.SU (in die ich im kommenden Jahr viel Energie investieren möchte) oder die komplette Überarbeitung der japanischen Webseite. Der Blog wird freilich weitergeführt. Beinahe 8 Jahre ist der Blog nun alt und 783 Einträge schwer – und an dieser Stelle möchte ich mich natürlich wieder herzlichst bei allen Lesern und Kommentatoren bedanken und hoffe, Ihr bleibt mir auch im kommenden Jahr treu!

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein gesundes Neues Jahr 2014, das Jahr des Pferdes! Bleibt tapfer!

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Ausflug ins Grüne – Yatsugatake

Mai 7th, 2013 | Tagged , | 5 Kommentare | 1171 mal gelesen

Yatsugatake-Massiv, von Nobeyama aus gesehen

Yatsugatake-Massiv, von Nobeyama aus gesehen

Es ist Goldene Woche – Kind hat Ferien, es gibt vier freie Tage am Stück, und die möchte man dann doch nicht komplett zu Hause verbringen. So denken 130 Millionen Japaner alljährlich, und so zieht alles durchs Land, was genug Zeit und etwas Kleingeld übrig hat. So auch wir, und es war gleichzeitig ein guter Anlaß, gute Freunde wiederzusehen und gemeinsam durch die Gegend zu streifen. Das Ziel dieses Jahr war das 八ヶ岳 Yatsugatake-Massiv, das sich zwischen den Präfekturen Nagano und Yamanashi auf 30 km Länge hinzieht. Die Gipfel im Massiv sind bis zu 2’899 Meter groß.

Eigentlich ist Reisen in der Goldenen Woche ein Alptraum, denn alles ist hoffnungslos überfüllt. Erst recht, wenn man recht spontan entschieden hat und dadurch keine Fahrkarten reservieren konnte. Die Reise begann auch gleich gut am Herkunftsbahnhof beim Fahrkartenkauf. “Zwei Erwachsene, ein Schulkind, bis Kōfu bitte” sagte ich der Schalterdame, und die schaute mich gleich mitleidig an: “Oh je – es gab einen Personenschaden in Shinjuku, deswegen stehen alle Linien in die Richtung, und wir wissen nicht, wann es weitergeht. Wollen Sie trotzdem…?”. Personenschaden – das kann ein Selbstmörder sein oder einfach zu viel Gedränge auf dem Bahnsteig, und letzteres ist beim mit 1.4 Milliarden Passagieren pro Jahr weltweit meistfrequentierten Bahnhof Shinjuku kein Kunststück. Mit 30 Minuten Verspätung und viel Herumsteherei unterwegs ging es dann jedoch trotzdem los. Wir trafen uns mit unseren Freunden in Hachiōji (Westen Tokyos), um von dort in den ebenfalls aus Shinjuku kommenden und verspäteten Expresszug umzusteigen. Platzkarten hatten wir nicht, und die Waggons mit den nicht reservierbaren Plätzen waren proppevoll. Aber immerhin dauerte die Fahrt nur eine Stunde, und schon waren wir dort. In Kōfu ging es erstmal zum Hōtō-Essen – das sind sehr breite, dicke Nudeln in einer sehr gesunden Suppe, mit halben Kürbissen, Kartoffeln, Mohrrüben, Tarō-Kartoffeln, Bohnen und was-weiß-ich. Sehr angenehm, wenn man sehr breite, dicke Nudeln mag, und eine der Spezialitäten der Präfektur.

'Ist das Ihr Kind auf dem Trekker?' - 'Öhm, wie kommen Sie darauf!?'

‘Ist das Ihr Kind auf dem Trekker?’ – ‘Öhm, wie kommen Sie darauf!?’

Shōsenkyō oder nicht, lautete die Entscheidung danach. Oder: Mit Bus und Seilbahn fahren, oder mit dem Zug. Die lange Schlange an der Bushaltestelle versprach nichts Gutes, und so ging es mit dem Expresszug weiter bis nach 小淵沢 Kobuchisawa und von dort mit einer Ferkeltaxe bis zum Bahnhof 清里 Kiyosato, einem Ortsteil der Stadt Hokuto, und immerhin schon auf über 1’200 Meter Höhe gelegen. Ohne eigenes Gefährt kommt man von dort allerdings nicht weg, und so gingen wir zum nahegelegenen Park 萌え木の村 Moegi-no-mura (wörtlich: Wachsender-Baum-Dorf) – ein liebevoll angelegter Park, in dem man versucht, die Landwirtschaft mit dem quengelnden Nachwuchs oder andersrum vertraut zu machen. Der Eintritt ist frei, es gibt viel in der Gegend produziertes Essen und alles in allem ist die Idee nett und für Kinder durchaus schön. Seit 1971 gibt es die Anlage, und sie ist unter anderem einem amerikanischen Priester namens Paul Rusch zu verdanken, der von 1925 bis zu seinem Tod 1979 in Japan lebte (mehr dazu siehe hier).

Nach ausreichender Bespaßung ging es zurück zum Bahnhof, nur um festzustellen, dass der vor unserer Nase abfahrende Zug der letzte für die folgenden 1.5 Stunden sein sollte. Wir beschlossen ein frühes Abendessen und liefen zu einem uns empfohlenen Restaurants, das sich wohl auf Aufläufe spezialisiert. 17:15 waren wir dort, und laut Schild sollte 17:30 geöffnet werden. Wir warteten, und 10 Minuten später warteten mit uns schon um die 10 Leute hinter uns. Ein gutes Zeichen! Kurz vor 17:30 steckte eine Frau den Kopf raus und sagte “Bitte warten Sie noch ein bisschen!”. Es wurde 17:30. Dann 17:40. Unser Zug sollte 18:30 fahren, das wird knapp. Um 17:45 macht man auf. Wir sind die ersten, werden in die hinterste Ecke platziert, und dann nimmt man die Bestellungen auf. Von allen anderen Gästen zuerst. Wir machen uns um die Zeit Sorgen, und als die Bedienung endlich zu unserem Tisch kommt, fragen wir vorsichtshalber: “Unser Zug fährt 18:30. Schaffen wir das?” Die Antwort ist recht barsch: “Nein, das wird wohl nichts”. Also trollen wir uns hungrig. Entweder mag man in dem Restaurant keine Hektik, keine Ausländer, oder keine Kinder. Scheinbar war letzteres der Fall: Als wir das Restaurant verliessen, sahen wir einige kleine Aushänge: “Bitte im Restaurant keine Windeln wechseln”. “Bitte Kinder nicht frei herumlaufen lassen” und noch ein paar andere Verbotsschilder. Geschenkt.

In diesem Restaurant bleibt wohk die Küche kalt

In diesem Restaurant bleibt wohk die Küche kalt

Also fahren wir einen Bahnhof weiter, denn dort übernachten wir. Wir rufen die Pension an, denn das sollen wir so tun, damit man uns abholen kann. Wir haben nun aber noch nichts gegessen. Die Frau am Telefon sagt: “Sie können beim Onsen (Anmerkung: Heiße Quelle) etwas essen. In dem Fall kommen wir einfach zum Bahnhof, geben Ihnen die Freikarten für die heiße Quelle, und wenn Sie dort fertig sind, rufen Sie uns nochmal an, und wir holen sie von der heißen Quelle ab”. Das ist in der Tat sehr zuvorkommend. Gesagt, getan. Ein älterer Mann holt uns mit dem Auto ab, gibt uns die Freikarten, und chauffiert uns zum 200 Meter vom Bahnhof entfernten Onsen. Dort ist scheinbar Himmel und Hölle in Bewegung – das Onsen ist hoffnungslos überfüllt, aber da wir schon mal dort sind… In der angrenzenden Speisehalle essen wir noch ein paar Kleinigkeiten, während sich mein 2-jähriger dazu entscheidet, alle anderen Anwesenden im Saal, und das sind nicht wenige, durch seine Gesänge in einer auch den Eltern völlig unbekannten Sprache, sein Gerenne und sonstiges Rowdytum zu unterhalten. Ich hätte ja gern behauptet, ich kenne das grölende Kind nicht, aber die Herkunft lässt sich schwer verleugnen, zumal ich der einzige Ausländer bin.

Gegen 9 Uhr spuckt uns das Riesen-Onsen aus in die Dunkelheit. Der Pensionsmensch hatte uns zuvor erklärt, dass es nur 200 Meter bis zur Pension seien, wir ihn aber trotzdem anrufen sollen, da es wegen der Dunkelheit schwer zu finden sei. Wir versuchen kurz unser Glück allein, aber es ist in der Tat dunkel wie im Bären*****, also rufen wir ihn an. Er fährt los – mehrere hundert Meter bis zu einer Brücke, dann links, rechts, links, hinein in den Wald und immer einen Waldweg entlang. Als der endete, fährt er einen noch schmaleren Weg entlang. Das waren die längsten 200 Meter, die ich je gesehen habe. Wir hätten es bis heute nicht gefunden. Das Zimmer ist nett eingerichtet. Eine Pension wohlgemerkt, also europäischer Stil, mit echten Betten. Und was passiert also, wenn man zwei an Futon gewöhnte Kids auf Betten losläßt? Heissa! Es dauert eine Stunde, bis sie sich endgültig beruhigen und schlafen legen. Der alte Mann, wohl der Herbergsbesitzer, meinte vorher zu mir: “Wenn Sie rauchen wollen oder ein Bier trinken wollen, kommen Sie einfach ins Wohnzimmer!”. Gesagt, getan, als alles schlief. Das Wohnzimmer sieht aus wie ein Museum. Der Pensionsbesitzer und seine agile Frau sitzen mit zwei Stammgästen (wie ich später erfahre) am Tisch und schauen fern, während sie abwechselnd einen ordentlich großen Labrador kraulen. Wie eine Familie sitzen sie da, und verwickeln mich sofort in ein Gespräch. Das angenehme ist, dass die Leute nicht aufdringlich sind und mich als Ausländer behandeln, sondern “ganz normal” mit mir reden. Das ist relativ selten in Japan und sehr angenehm. Man ist wirklich “at home”, und der alte Mann nötigt mich noch zu Kartoffelchips (nicht willkommen) und einer Dose Japans besten Bieres (sehr willkommen) auf. Wer also mal zufällig in der Gegend weilt und nicht unbedingt auf Tatami und Futons aus ist – das Casa de Poco in Kai-Ōizumi (甲斐大泉駅) ist als Bed & Breakfast eine durchaus empfehlenswerte Option. Eine Nacht inklusive Frühstück kostet 6’000 Yen und ein großes Onsen und der Bahnhof sind in Laufweite. Einziger Nachteil: Man kann dort nicht zu Abend essen, und allzu viele Möglichkeiten dazu gibt es nicht in der Nähe.

Japans höchstgelegener Bahnhof: Nobeyama

Japans höchstgelegener Bahnhof: Nobeyama

Am nächsten Tag ging es nach einem mehr oder weniger englischen Frühstück los zu einem Spaziergang in der Gegend. Da der Ort so hoch liegt, beginnt hier der Frühling erst einen Monat später als in Tokyo. Sprich, alles was Blüten hat blühte. Mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund und rundherum. Nur der Fuji-san liess sich nicht blicken, denn dafür war es schon zu diesig. Der zweithöchste Berg Japans, der fast 3’200 Meter hohe Kita-dake, war jedoch schön zu sehen, und so auch ein großer Teil der anderen Gipfel der japanischen Südalpen. Wir fuhren mit der kleinen 小海線 Koumi-Linie zwei Stationen weiter bis zum Bahnhof 野辺山 Nobeyama – der liegt bereits in der Präfektur Nagano und ist mit 1’345 Meter Höhe (Schweizer werden darüber lächeln) der höchstgelegene Bahnhof Japans. Wie schön. Nach dem nördlichsten Bahnhof Japans (in Wakkanai) und dem Bahnhof mit dem längsten Namen (Chōjagahamashiosaihamanasukōenmae) ist nun also auch das abgehakt. Leider gibt es jedoch im Ort selbst nicht viel zu sehen. Es gibt eine Panoramaplattform in einem kleinen Park mit Blick auf das Yatsugatake-Massiv, doch der Ausblick wird wunderbar von schwer ignorierbaren Stromleitungen und einer Schnellstraße gestört. Nun müssen wir also zwei Stunden Zeit bis zum nächsten Zug totschlagen, aber das geht letztendlich ganz schnell: Wir suchen ein Restaurant, laufen dorthin, bestellen… und warten ewig auf das Essen. Man hat scheinbar alle Zeit der Welt, aber das ist mir schon seit langem aufgefallen: Der Zeitdruck und die Geschwindigkeit in japanischen Städten ist eine Sache – das Leben auf dem Land eine andere. Dort braucht man für alles etwas länger, und man merkt schnell, wie sehr man sich doch an das Leben in einer Großstadt gewöhnt hat: Kommt das Essen erst 10 Minuten oder später, wird man nervös. Aber das Warten sollte sich lohnen: Ich vergriff mich an ein Gericht namens 石焼薫タンラーメン – Ramen (Nudelsuppe) mit geräucherter Rinderzunge im Steintopf, und es war mal etwas Neues und sehr empfehlenswert.

Passabel: Geräucherte-Rinderzunge-Ramen

Passabel: Geräucherte-Rinderzunge-Ramen

Weiter ging es danach mit der gleichen Bahnlinie Richtung Norden, anderthalb Stunden lang quer durch … Landschaft, bis nach 佐久平 Saku-Daira – von dort kann man mit dem Shinkansen weiterfahren. Das taten wir auch, und die Kinder waren natürlich begeistert. Bis zum Einsteigen, denn natürlich war der Shinkansen hoffnungslos überfüllt, so dass wir die 75 Minuten bis Tokyo stehend verbrachten. Aber wer sich darauf einläßt, in der Goldenen Woche zu verreisen, muss immer damit rechnen. Es hat sich trotzdem gelohnt, und diese (oder eine ähnliche Tour) kann ich nur empfehlen. Das ganze ist auch als Tagesausflug von Tokyo machbar (und Railpass-Benutzer haben es gut, denn alle Bahnlinien sind JR und damit nutzbar), aber ein oder zwei Übernachtungen sind mehr als gerechtfertigt. Ich werde irgendwann wiederkommen, wenn es etwas wärmer ist: Die Berge im Yatsugatake-Massiv reizen mich.

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