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20 Jahre Japan

Mai 27th, 2016 | Tagged , | 17 Kommentare | 652 mal gelesen

2. Mai 1996 - der Anfang

2. Mai 1996 – der Anfang

Da hätte ich doch beinahe ein weiteres Jubiläum vergessen: 20 Jahre Japan, zu begehen am 2. Mai 2016! Immer, wenn ich gefragt werde, wie lange ich eigentlich in Japan sei, ist die Frage nicht so einfach zu beantworten. Denn hergezogen bin ich zwar 2005, aber das ganze ging eigentlich schon 1996 los.

Damals hatte ich eine wilde Horde Japaner kennengelernt, und irgendwann beschlossen, dass es doch mal interessant wäre, seine Fühler in fernere Gefilde auszustrecken. Mit ungewisser Aufenthaltsdauer: Bis zu einem halben Jahr sollt doch drin sein, dachte ich mir mit meinem jugendlichen, 21-jährigen Leichtsinn so.
Gesagt, getan. In den Semesterferien ging ich, damals mangels Alternativen, auf Baustellen jobben, um ein paar Yen zusammenzukratzen. Interessanterweise war der damals billigste Flug einer mit Air India, mit kostenlos ausdehnbaren Stopovers in Mumbai und Delhi, und das liess ich mir natürlich nicht entgehen: Eine gute Woche Mumbai und ein Tag Delhi fielen so auch noch an. Dann ging es endlich nach Tokyo. Immerhin konnte ich ja schon die Hiragana vollständig und die Katakana stotternd lesen. Und wahrscheinlich so um die 50 Schriftzeichen, wenn es hochkommt.

Große Sprünge waren damals nicht möglich, das merkte ich ziemlich schnell. Tokyo, Izu, Nikko – das war es in etwa auch schon. Sowie ausgedehnte Spaziergänge durch Tokyo (von Nerima bis zum Meer usw). Die Idee, dort fast ein halbes Jahr zu bleiben, verwarf ich ziemlich schnell wieder als reichlich unvernünftig – hauptsächlich auch, weil ich meiner Gastgeberin und ihrer Familie nicht so lange auf die Nerven gehen wollte, und so wurde letztendlich gerade mal ein Monat daraus. Ohne Internet, ohne Telefon, ohne Computer… eigentlich eine sehr interessante Zeit.

Mit Air India nach Narita

Mit Air India nach Narita

In bleibender Erinnerung ist mir noch immer eine Taxifahrt: Nach einer Feier mit Freunden mit Omiya verpassten wir den letzten Zug und beschlossen so, ein Taxi zu nehmen. Meine Begleiterin war sturzbetrunken und unfähig zu reden. Der Taxifahrer wusste nicht, wo oben und unten ist (ich hatte natürlich keine Ahnung, dass das in Tokyo völlig normal ist), und konnte natürlich kein Wort Englisch. Und ich wusste nicht, was „links“ und „geradeaus“ auf Japanisch heisst, so dass ich ihn eine halbe Stunde lang mit „rechts!“, „nicht rechts!“ und wildem Gefuchtele durch die Gegend manövrierte. Immerhin: Wir kamen irgendwann an.

Was sich seitdem geändert hat, ist schwer zu sagen. Es ist definitiv leichter für Ausländer geworden. Und eine Lektion habe ich gelernt: Ohne Japanischkenntnisse ist dieses Land eigentlich nicht zu begreifen (das reichte dann auch als Motivation, danach jeden an der Uni angebotenen Japanischkurs mitzunehmen, obwohl das gar nicht zu meinem Lehrplan gehörte). Hin und wieder jedoch blitzen noch heute Erinnerungen auf: Besonders an Orte natürlich, die sich ins Gedächtnis eingeprägt hatten und heute völlig anders aussehen (Roppongi zum Beispiel, obwohl ich das damals schon nicht mochte).

Schade nur, dass ich damals der festen Überzeugung war, dass zu viel Fotografieren die eigentliche Reisefreude trübt. So entstanden in Indien gerade mal knappe 20 Bilder, und in Japan maximal ein 36-Aufnahmen-Film.

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Hokuriku- Shinkansen-Reise (3. & letzter Teil)

März 10th, 2016 | Tagged , , | 4 Kommentare | 515 mal gelesen

Der Hokuriku-Shinkansen verbindet Tokyo mit Toyama und Kanazawa an der Nordostküste Japans. Im März 2015 wurde das Teilstück zu beiden Städten als Erweiterung der Linie von Nagano aus fertiggestellt.

Der Hokuriku-Shinkansen erreicht die Station Omiya in der Präfektur Saitama vom Bahnhof Tokyo aus in gerade einmal 25 Minuten. Vom Bahnhof Ueno sind es sogar nur 19 Minuten.

Hokuriku-Shinkansen im Bahnhof Tokyo

Hokuriku-Shinkansen

Saitama – Omiya

Omiya war einst eine Poststation auf der alten Nakasendo-Route, die quer durch das zentrale Bergland Japans Kyoto mit Tokyo verband. Heute ist Omiya eine moderne, hochgewachsene Stadt, und die Gegend rund um den Bahnhof von Omiya wird von etlichen Hochhäusern dominiert.

Eisenbahn-Museum. Photo mit freundlicher Genehmigung des Eisenbahnmuseums

Eisenbahn-Museum. Photo mit freundlicher Genehmigung des Eisenbahnmuseums

Das Eisenbahnmuseum von Saitama war das erste seiner Art von heutzutage vielen exzellenten Eisenbahnmuseen in Japan. Das Museum konserviert zahlreiche Züge aus dem langen und reichhaltigen Erbe der japanischen Eisenbahnen, aber es bietet auch einen Einblick in die Zukunft der Bahnen in diesem Land. Besucher können sich an einer Mahlzeit in einem Restaurantwagen laben und mit einer Minieisenbahn im Eisenbahnpark außerhalb der Ausstellungshalle fahren.

Das Saitama Bonsai-Museum sowie das Bonsaidorf liegen nebeneinander zwischen den Bahnhöfen Toro und Omiya Koen und sorgen für ein besonderes Erlebnis für Liebhaber dieser stilvollen, eleganten kleinen Bäume.

Zwischen Tokyo und Takasaki, im bereits ländlichen Abschnitt der Präfektur Saitama, liegt der Shinrin-Park mit einer Fläche 65 mal so groß wie der Tokyo Dome. Dieser Park ist vor allem an Wochenenden und Feiertagen beliebt bei Paaren und jungen Familien. Der Shinrin-Park bietet eine interessante Mischung verschiedener Landschaftsformen inklusive Seen, Flüsse, Wälder und Sümpfe. Es gibt unzählige Gelegenheiten zum Spaß haben, darunter ein Abenteuerspielplatz für Kinder, ein Discgolfkurs, ein Wander- und ein Joggingweg, Fahrradwege (Fahrräder können im Park geliehen werden), eine Segway-Tour, ein Kräuter- und ein Wildblumengarten sowie zahlreiche Orte zum Einkaufen, Ausruhen und Essen. Es gibt sogar spezielle Hundetoiletten sowie Hundekekse für die Vierbeiner. Der nächstgelegene Bahnhof ist der Shinrin Koen-Bahnhof an der Tobu-Tojo-Bahnlinie.

Filmhaus  Fukaya

Filmhaus Fukaya

Kumagaya, eine weitere alte Poststation an der Nakasendo-Strasse, ist berühmt für das nahegelegene Filmhaus Fukuya. Das Minikino hat gerade einmal 57 Sitze und befindet sich in einer 300 Jahre alten Sake-Brauerei. Die Gegend wird gelegentlich bei Dreharbeiten benutzt und zieht Menschen vor allem wegen ihres Showa-Flairs (das ist die Epoche vor und nach des Zweiten Weltkrieges) in den Bann.

Das Museum für moderne Kunst, Saitama

Das Museum für moderne Kunst, Saitama

Das Museum für Moderne Kunst in Saitama (MOMAS) liegt im Kitaurawa-Park und wurde vom preisgekrönten Architekten Kisho Kurokawa gestaltet, der auch für das Stadtmuseum für Zeitgenössische Kunst in Hiroshima, das Nationale Kunstzentrum, Tokyo, sowie das Wissenschaftsmuseum der Präfektur Ehime federführend war. Das Museum befindet sich innerhalb eines beeindruckenden Gittermuster und stellt vornehmlich Werke von Künstlern aus, die eine Verbindung zur Präfektur Saitama haben oder Künstler der Region stark beeinflussten. So findet man hier unter anderem Werke von Paul Delvaux, Moise Kisling, Claude Monet und Pablo Picasso, um nur ein paar der bekanntesten Künstler zu nennen. Das Museum für Moderne Kunst von Saitama bemüht sich so, einen Ausstellungs- und Förderungsort für örtliche Künstler zu bieten. Ein besonderes, aufregendes Merkmal des Museums sind die zahlreichen künstlerisch gestalteten, stilistisch interessanten Stühle, die zur Ausstellung gehören und von den Besuchern auch benutzt werden dürfen.

 

Präfektur Gunma

Die Tomioka-Seidenmühle in der Stadt Tomioka, Präfektur Gunma, war der erste moderne Industriekomplex Japans und wurde 1872 in Betrieb genommen. Die Originalgebäude aus der Gründungszeit sind noch immer intakt und bieten eine eindrucksvolle architektonische Kulisse und historisch wertvolle Stätte. Im Jahr 2014 wurde die Tomioka-Seidenmühle zum UNESCO-Weltkulturerbe bestimmt und ist damit die erste Industrieanlage Japans, der diese Ehre zugutekommt.

Die Seidenmühle befindet sich mitten im Zentrum der Stadt Tomioka und hat selbige vollends geprägt. Mehr als ein Jahrhundert lang war die Seidenmühle die wichtigste Industrieanlage der Stadt, und es gab kaum einen Stadtbewohner, der nicht in irgendeiner Weise mit der Seidenmühle zu tun hatte. Das ist heute nicht anders – es ist eben jene Seidenmühle, die Besucher von außerhalb anzieht, und damit für einen guten Teil der jetzigen Einnahmen der Stadt und deren Bewohner sorgt.

Tomioka-Seidenmühle (Photo mit freundlicher Genehmigung der Tomioka-Seidenmühle)

Tomioka-Seidenmühle (Photo mit freundlicher Genehmigung der Tomioka-Seidenmühle)

Das Ziel der Seidenfabrik, als sie gegründet wurde, war nicht nur die Produktion von Seide – damals eines der am heißesten begehrten Produkte in Europa – sondern auch die Einführung westlicher Industrieproduktionsmethoden in Japan. Damit war die Mühle der Vorreiter für die Zukunft eines industrialisierten Japans.

Die meisten Gebäude im Industriekomplex der Tomioka Seidenmühle stammen aus den 1870ern, und sie wurden bis heute in der ursprünglichen Form belassen. Selbst die in Frankreich hergestellten Glasfenster stammen noch aus jener Zeit.

Tomioka-Seidenmühle (Photo mit freundlicher Genehmigung der Tomioka-Seidenmühle)

Tomioka-Seidenmühle (Photo mit freundlicher Genehmigung der Tomioka-Seidenmühle)

Zu den Originalgebäuden gehören das Östliche Kokon-Lagerhaus, die Kokontrocknungsanlage, die Seidenspulfabrik und das Brunat-Haus, in dem dereinst der Fabrikdirektor Paul Brunat residierte.

5 Kilometer südlich der Seidenmühle befindet sich der Gunma Safari-Park, in dem man sich eine unerwartete Prise des tropischen Afrikas mit seiner ehrfurchteinflössenden Tierwelt holen kann.

 

 

Präfektur Niigata

Takada-Burg

Takada-Burg

Joetsumyoko ist ein nagelneuer Bahnhof, der eigens für die Eröffnung dieses Teils der Hokuriku-Shinkansen-Trasse im März 2015 fertiggestellt wurde. Der Bahnhof liegt in der Stadt Joetsu im Südwesten der Präfektur Niigata. Nördlich des Bahnhofes Joetsumyoko erstreckt sich der Takada-Park mit der gleichnamigen Burg – ein moderner Nachbau basierend auf Originalbestandteile der einst viel grösseren Festung. Die Burg wurde ursprünglich im Jahr 1614 von einem Sohn des legendären Tokugawa Ieyasu errichtet, doch das Bauwerk wurde später während der Meiji-Zeit geschliffen.

Myoko-Kogen – Imori-Teich

Myoko-Kogen – Imori-Teich

Der Takada-Park ist berühmt für seine 4’000 Kirschbäume, die nachts angestrahlt werden und so für wundersame Spiegelungen in den alten Wassergräben der Burg sorgen. Zahlreiche Imbißstände im Park öffnen bis spät in die Nacht und sorgen so für Erfrischungen. Es gibt einige Nachtbustouren von den nahegelegenen Ski– und Onsengebieten von Myoko Kogen südwestlich der Stadt Joetsu. Die Gegend westlich vom Takada-Park bewahrt bis heute etwas von der Atmosphäre einer Burgstadt aus der Edo-Zeit mit seinen altertümlichen Holzhäusern und Sake-Brauereien.

Diese Region von Niigata war einst die Provinz Echigo und bekannt für seine furchtlosen Samuraikrieger, darunter die legendären Rivalen Kenshin Uesugi und Takeda Shingen. Kenshin Uesugi nannte die nahegelegene Burg von Kasugayama sein zu Hause.

Unweit des Bahnhofs Katamachi an der Shin’etsu-Hauptlinie und direkt an der Küste befindet sich Unohama, ein kleiner Kurort mit heißen Quellen. Dieser Ort liegt etwas abseits und ist ein Geheimtipp mit seinen zahlreichen Ryokan – traditionelle japanische Herbergen, in der man nach Herzenslust heiße Quellen und zwei Mal am Tag füllende Mahlzeiten mit vor Ort gefangenen Meerestieren genießen kann – vor allem die für diese Region besonders bekannten, allerdings nur zu bestimmten Jahreszeiten erhältlichen Schneekrabben.

Die Skigebiete der Myoko Kogen-Berge zählen nicht nur zu den besten Skigebieten Japans, sondern sogar von ganz Asien. Mitten im Joshin’etsu Nationalpark befinden sich übrigens die beiden höchsten Gipfel der Präfektur Niigata: Der Myoko und der Hiuchi, beide jeweils knapp über 2’450 Meter hoch.

Die Gegend ist besonders bekannt für ihren feinen Pulverschnee und hohe Schneewände. Seki Onsen und Akakura Onsen sind zurecht bei Skifahrern und Snowboardern beliebt – bieten sie doch eine wunderbare Kombination aus Pulverschnee und heißen Quellen. Akakura Onsen gibt es seit 1816, und der Ort ist noch immer der größten Onsen-Kurort in der Gegend. Seki Onsen ist hingegen der älteste Onsen-Kurort unter den Onsen in Myoko – der Ort mit seinen heilenden, heißen Quellen lockt bereits seit 1729 Besucher an.

Nur ein bisschen weiter südlich liegt der Ort Ikenotaira, ein weiterer alpiner Erholungsort mit der bezaubernden Kombination aus Pulverschnee und heißen Quellen. Es gibt drei verschiedene Skihänge verschiedener Schwierigkeitsgrade und eine ausgezeichnete Sicht auf den alles überragenden Berg Myoko. Etwas östlich eben dieses Berges liegt das abgelegene und friedvolle Tsubame Onsen, benannt nach den unzähligen Schwalben, die dort jeden Sommer in den Felsen nisten. Das Quellwasser dort ist milchig-weiß, und im Winter kann man mit heftigen Schneefällen rechnen.

Im Sommer kann man hier sogenannte „Waldtherapie“-Wanderungen auf dem Sasagamine-Hochland unternehmen. Die lieblichen alpinen Blumen sowie die Buchen, Kiefern, Wasserfälle und Sümpfe erinnern dabei stark an die europäischen Alpen. Dort findet man auch das Sasagamine-Gehöft, zu dem Weidegründe für die örtliche Rinderzucht gehören. Der Imori-See bietet ein Besucherzentrum sowie einen Pfad rund um den kleinen See, der vor allem im April besuchenswert ist, wenn an den Ufern plötzlich tausende weiße Scheinkalla (ein Aronstabgewächs) blühen. An klaren Tagen spiegelt sich zudem der Berg Myoko in dem glasklaren Gewässer.

 

Präfektur Toyama

Die am besten von Toyama Stadt erreichbare Tateyama-Kurobe-Alpenroute ist Teil des Chubu Sangaku-Nationalparks und ist ein herausragender Höhepunkt der Natursehenswürdigkeiten der Hokuriku-Region – vor allem während der Herbstlaubfärbung, wenn die Natur traumhafte Farben hervorzaubert. The Strecke kann man im Bus, in der Standseilbahn, der Schwebeseilbahn sowie im KEPCO-Trolleybus, aber auch zu Fuß zurücklegen.

 

Die Tateyama Kurobe Alpenroute

Die Tateyama Kurobe Alpenroute

Die Tateyama-Kurobe-Alpenroute beinhaltet auch eine Passage durch einen Schneekorridor mit bis zu 20 Meter hohen Schneewänden, die am Berg Tateyama vorbei durch die Hida-Bergkette führt. An der gleichen Strecke liegt auch der Kurobe-Staudamm, der mit 186 Meter höchste Staudamm des Landes. Die Stauermauer ist ganze 492 Meter lang und läßt im Schnitt 10 Tonnen Wasser pro Sekunde passieren.

Ein Teil der Alpenroute wurde während der Konstruktion des Staudamms gebaut. Jener wurde 1963 in Betrieb genommen, um in diesem entlegenen Teil des Landes durch Wasserkraft erzeugte Elektrizität zur Verfügung zu stellen.

Murado liegt 2,450 Meter über dem Meeresspiegel und bietet den imposantesten Anblick besagter Schneewände, vor allem zwischen April und Mai, wenn die Tateyama-Kurobe-Alpenroute für den Verkehr freigegeben wird. Dieser Abschnitt ist auch für Fußgänger geöffnet, damit man so in Ruhe die gewaltigen Schneemassen beiderseits der Straße genießen kann.

Kurobe-Staumauer

Kurobe-Staumauer

Es gibt noch weitere interessante Orte wie zum Beispiel den Mikurigaike (みくりが池) – den tiefsten Hochgebirgssee in den Japanischen Alpen, die bis in den Juni hinein schneebedeckt sind. Das tiefblaue Wasser des Sees reflektiert die schneebedeckten Gipfel des Tateyama-Gebirges, und am See findet man zahllose Vogel- und Pflanzenarten.

Nicht weit davon entfernt befindet sich Mikurigaike Onsen, eine Berghütte auf 2’410 Meter Höhe und nur einen Spaziergang vom Murado entfernt. Dieses Onsen rühmt sich dafür, die höchstgelegenen heißen Quellen des Landes zu haben. Das heilende Wasser strömt aus dem umliegenden Jigokudani (wörtlich: Höllental) herein. Das nahegelegene 4-Sterne-Hotel Tateyama ist Japans höchstgelegenes Hotel und bietet einen unvergesslichen Aufenthalt abseits der Menschenströme.

Das Tateyama-Museum von Toyama (立山博物館展示館) bietet Ausstellungen über die Flora und Fauna der Tateyama-Berge, über Shugendo – eine religiöse Tradition, die seit der Heian-Zeit in den Bergen der Region praktiziert wird, sowie über die komplexe Geologie und Ökologie dieses Hochlandes, welches einst von Pilgerern, die sich auf den so mühsamen wie gefährlichen Weg durch die Berge machten, als heilig betrachtet wurde.

Man benötigt ungefähr 5 Stunden, um die Tateyama-Kurobe-Alpenroute zurückzulegen, und dazu gehört sechsmaliges Umsteigen. Man beginnt am Bahnhof Dentetsu-Toyama, von wo es weiter bis zum Bahnhof Toyama geht, und dann nach Shinano-Omachi, von wo Züge Richtung Norden nach Nagano sowie Richtung Süden nach Matsumoto fahren. Die Strecke ist für den normalen Verkehr von Mitte April bis Ende November geöffnet – für den Rest des Jahres bleibt sie gesperrt. Man kann diese Route nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen, da der Abschnitt zwischen dem Bahnhof Tateyama und Ogizawa für Privatfahrzeuge gesperrt ist.

 

Präfektur Ishikawa

Der Name Kaga Onsen (Kagaonsenkyo) ist ein Sammelbegriff für die insgesamt vier größeren Onsenkurorte in Kaga und Komatsu in der Präfektur Ishikawa: Awazu Onsen, Katayamazu Onsen, Yamashiro Onsen und Yamanaka Onsen.

Die Geschichte dieser heißen Quellen geht über 1’300 Jahre zurück, als, so wird es jedenfalls berichtet, wandernde Shugendo-Ästheten auf ihrem Besuch des heiligen Berges Hakusan selbige entdeckten.

Einige der traditionellen Herbergen in Kaga Onsen können ebenfalls auf eine lange und besondere Geschichte zurückblicken. Das Hoshi Ryokan in Awasu Onsen eröffnete bereits im Jahr 718 und gilt als das zweitälteste, noch betriebene Hotel der Welt. Seit mehr als 45 Generationen wird das Hotel von der gleichen Familie betrieben (man nimmt an, dass das Nishiyama Onsen Keiunkan in der Präfektur Yamanashi das älteste Hotel ist – Tokugawa Ieyasu übernachtete dort zwei Mal).

Zu den berühmtesten Besuchern von Kaga Onsen in seiner langen Geschichte gehören der Priester Rennyo (1415–1499) und der berühmte Haiku-Dichter Basho (1644-1694), die den Ort aufgrund seines heilenden Wassers aufsuchten.

Awasu Onsen

Awasu Onsen

Awasu Onsen wurde angeblich vom gleichen Mönch entdeckt, der den nahegelegenen Natadera-Tempel gründete. Dem Wasser sagt man verschiedene Heilwirkungen nach, und man kann es in einer Herberge oder in dem modernen, öffentlichen Bad Soyu geniessen.

Katayamazu Onsen liegt an der Shibayamagata-Lagune. Entdeckt im Jahr 1653, wurde hier seit der Meiji-Zeit ein Kurort errichtet. Dieses Onsen zeichnet sich durch den spektakulären Anblick des Berges Hakusan in der Ferne aus, den man während eines Bades geniessen kann. Katayamazu war früher als „Vergnügungs-Onsen“ (歓楽温泉) bekannt, da es neben den heißen Bädern noch zahlreiche weitere Unterhaltsamkeiten bot und bietet, wie zum Beispiel das Eis- und Schneemuseum, das Kitamae-Schiffsmuseum oder einen künstlichen Geysir, der jede Stunde Wasser aus dem See speit.

Yamashiro Onsen wiederum ist vor allem für seine beiden großen und einzigartigen Badehäuser bekannt – das Soyu und das Ko-Soyu (das alte öffentliche Bad). Das Ko-Soyu wurde originalgetreu im Stil der Meiji-Zeit restauriert.

Yamashiro-Onsen

Yamashiro-Onsen

Yamashiro Onsen befindet sich nahe der Kakusenkei-Schlucht in den japanischen Alpen. Die Straße, die man auf jeden Fall gesehen haben sollte, wird Yuge-Kaido genannt und beginnt am Kino-no-yu. Dort findet man zahlreiche Handwerksläden, in denen lokale Kunstwerke wie Lack- und Holzprodukte verkauft werden, sowie zahlreiche japanische Retaurants und Bars, in denen man die verschiedensten Sachen probieren kann. Basho war einer der ersten Bewunderer des Ortes, und so adelte er Yamashiro-Onsen, zusammen mit Arima Onsen in Hyogo und Kusatsu Onsen in Gunma, zu den besten drei Onsen Japans.

Die elegante Stadt Kanazawa ist momentan die Endhaltestelle des Hokuriku-Shinkansens. Auch als „Klein-Kyoto“ bekannt, hat es Kanazawa geschafft, etwas von der Kultur und Atmosphäre des alten Japans zu bewahren.

Eine Fahrt mit dem Hokuriku-Shinkansen zwischen Tokyo und der Hokuriku-Region, zwischen Pazifik und Japanischem Meer, erschließt eine völlig neue und sehr photogene Seite Japans: Eine traditionell landwirtschaftlich geprägte Reisanbaugegend, die heute Heimat hochmoderner Industrien, aber auch uralter kultureller Bräuche und unzähliger Freizeitvergnügen ist. Von Skipisten bis zu Heißwasserbädern, von Reisfeldern bis zu Spitzenrestaurants – es gibt allerhand zu entdecken in dieser sehr vielfältigen Region im Nordosten der Insel Honshu.

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Die Schönheit Japans mit dem Hokuriku-Shinkansen entdecken

Januar 20th, 2016 | Tagged | 8 Kommentare | 954 mal gelesen

Der Hokuriku-Shinkansen ist eine Expresszugverbindung, die von JR East und JR West (JR=Japan Railways) gemeinsam betrieben wird und die Hauptstadt Tokyo an der Pazifikküste mit Kanazawa in der Präfektur Ishikawa an der Küste des Japanischen Meeres im Nordwesten verbindet.

Diese Gegend wird im Japanischen Hokuriku genannt und vereint die Präfekturen Niigata, Toyama, Ishikawa und Fukui. Der Literaturnobelpreisträger Yasunari Kawabata (1899–1972) verlieh dieser Region in seinem Roman Schneeland (Original: „Yukiguni“) unsterblichen Ruhm. Der Hokuriku-Shinkansen verbindet momentan Niigata, Toyama und Ishikawa miteinander, wobei die Strecke bis zum Jahr 2022 bis nach Fukui ausgebaut werden soll. Obwohl die Trasse auch durch Niigata verläuft, wird ein Großteil dieser Präfektur, inklusive der gleichnamigen Präfekturhauptstadt, allerdings vom Jōetsu-Shinkansen, einer weiteren Shinkansentrasse, die sich in Takasaki abspaltet, bedient.

Hokuriku-Shinkansen im Bahnhof Tokyo

Hokuriku-Shinkansen

Im März 2015 wurde ein neues Teilstück des Hokuriku-Shinkansens eröffnet – und zwar der Abschnitt von Nagano bis Kanazawa, womit die Fahrzeit zu den schönsten und am wenigstens besuchten Orten Zentraljapans deutlich verkürzt wird. Bis nach Kanazawa braucht man von Tokyo aus nunmehr lediglich 2,5 Stunden, so man mit den schnellsten Verbindungen auf der Route reist. Die gesamte Strecke wird durch den Japan Rail Pass gedeckt, womit eine Fahrt in die Region nördlich und westlich von Tokyo zu einer verlockenden Angelegenheit sowohl für Japanbeginner als auch für Japanveteranen wird.

Die Reise beginnt im Bahnhof Tokyo in einem nagelneuen, luxuriösen Zug, der im Großraum Tokyo in Ueno sowie in der Präfektur Saitama in Omiya hält. Von Omiya aus lohnt sich ein Abstecher mit der Tobu Urban Park-Linie nach Kasukabe zu einem Wunder moderner Architektur – den unterirdischen Flutschutzanlagen von Kasukabe. Die monströsen Kavernen dienen dazu, Tokyo vor potentiell katastrophalen Überschwemmungen zu schützen.

Saitama – Kawagoe

Auch die Häuser und Tempel aus der Edo-Zeit in Kawagoe sind nicht weit von Omiya entfernt. Kawagoe bietet eine historische Atmosphäre, die an alte japanische Städte erinnert. Strassen in der Altstadt werden von zahlreichen Holzhäusern gesäumt, die einst Handelsleuten gehörten, und der Kita-in Tempel mit seinen 500 Rakan-Statuen ist ebenfalls einen Besuch wert.

500 Rakan

500 Rakan

In Kawagoe, aufgrund des Wohlstandes seiner Bewohner damals gern als „Klein-Edo“ bezeichnet (Edo ist der alte Name für Tokyo), baute man über 200 kurazukuri genannte Lagerhäuser, in denen man Waren, die über die Handelsroute Kawagoe-kaido nach Edo geliefert wurden, zwischenlagerte. Der Bau dieser Lagerhäuser war kostspielig, da man sich mit dicken Lehmwänden gegen Brände und Diebe absichern musste.

Kawagoe Kura-Strasse

Kawagoe Kura-Strasse

Im Lagerhausviertel, genannt Kurazukuri no Machinami, findet man heute noch cirka 30 klassische Lagerhäuser sowie das weithin bekannte Wahrzeichen von Kawagoe, den Toki no Kane (Glockenturm), in dem auch heute noch vier Mal am Tag die Glocken erklingen.

Glockenturm von Kawagoe

Glockenturm von Kawagoe

Kita-in, Kawagoe

Kita-in, Kawagoe

Einige kurazukuri hat man in kleine Museen verwandelt, so auch das Kurazukuri Shiryokan, ein altes Lagerhaus für Tabak, welches 1893 nach einem verheerenden Brand wieder aufgebaut wurde. Bei jenem Großbrand wurde auch der ursprüngliche Glockenturm zerstört – man baute ihn schließlich 1894 wieder neu. In anderen Lagerhäusern findet man heute Souvenirläden oder Cafés.

Die Burg von Kawagoe wurde in den 1870ern geschliffen, doch der Honmaru Goten, die einstige Residenz der Feudalherren, blieb bestehen und ist auch heute noch einen Besuch wert.

Kawagoe hat auch einige interessante Tempel zu bieten, allen voran den Kita-in der bedeutenden Tendai-Sekte. Dieser Tempel beherbergt unter anderem die einzigen Originalbauten der damaligen Burg von Edo.

Von einem der reich dekorierten Räume wird vermutet, dass er die Geburtsstätte des dritten Shoguns, Iemitsu (1604-1651), sei. Die Anlagen des Kita-in beherbergen ausserdem über 500 Statuen von Buddhajüngern, rakan genannt, sowie einen Toshogu genannten Schrein, der dereinst zu Ehren Ieyasus, Begründer der Tokugawa-Dynastie, errichtet wurde. Im Kita-in Tempel begeht man zudem das beliebte Daruma-Fest im Januar jedes Jahres – dort können Besucher eine der glückbringenden Figuren erstehen.

In Kawagoe findet man ausserdem eine Reihe ausgezeichneter Geschäfte für traditionelle japanische Süßigkeiten, wobei sich die meisten in der Kashiya Yokocho (wörtlich: Süßigkeitenhändlerstrasse) aneinanderreihen. Rund 20 traditionelle Geschäfte verkaufen hier japanische Leckereien wie Reiscracker und Süsses aus Süßkartoffeln oder roter Bohnenpaste. Die besondere Atmosphäre dieser Strasse hat sich über die Jahrhunderte hinweg bis heute erhalten.

Kashiya Yokocho - die Süßigkeitenstrasse

Kashiya Yokocho – die Süßigkeitenstrasse

Kumagaya, der nächste Stopp auf der Route, liegt ebenfalls in der Präfektur Saitama und ist der Ausgangspunkt der Chichibu-Hauptlinie, mit der man in die idyllischen, ländlichen Gebiete von Nagatoro , Wadokuroya, Chichibu und Mitsumineguchi gelangt. Diese Gegenden sind allesamt von historischer Bedeutung, haben ihre ganz eigene Geschichte und sind ideal, um dem Trubel von Tokyo zu entkommen und in den Bergen zu wandern oder zu spazieren.

Der nächste Halt ist Takasaki in der Präfektur Gunma und weniger als eine Stunde vom Bahnhof Tokyo entfernt. Takasaki ist die Hauptproduktionsstätte für Daruma-Figuren in Japan. Diese possierlichen, buddhistischen Glücksbringer gibt es in allen erdenklichen Farben, Formen und Größen. Einfach einen Daruma im Jiganin-Tempel in Takasaki erstehen, und schon erfüllt sich ein Wunsch, wenn man wieder zurück in der Heimat ist. Ebenfalls in Takasaki befindet sich der Byakue-Kannon (eine weißgewandete, buddhistische Göttin) – eine riesengroße Buddhastatue im Kannon’yama-Bezirk südwestlich des Bahnhofs. Die Statue ist mit über 40 Metern eine der größten Buddhastatuen Japans und allein deshalb einen Besuch wert.

Gunma – Kusatsu

Kusatsu Onsen: Copyright: JapanVisitor.com

Kusatsu Onsen: ©JapanVisitor.com

Von Takasaki aus kann man leicht Kusatsu Onsen erreichen – ein sehr beliebter Kurort mit vielen heißen Quellen. Genauer gesagt ist Kusatsu Onsen eines der „Nihon Sanmeisen“ – die berühmtesten 3 japanischen Kurorte mit heißen Quellen. Die anderen beiden Kurorte sind Arima Onsen in der Präfektur Hyogo sowie Gero Onsen in der Präfektur Gifu.

Yumomi-Tanz

Yumomi-Tanz

In diesem Ort sollte man auf keinen Fall den Yumomi-Tanz, aufgeführt im Netsu-no-yu-Badehaus, verpassen. Bei diesen besonderen Aufführungen singen die Tänzerinnen japanische Volkslieder, während sie mit langen Holzbrettern um das heiße Quellenbad tanzen. Diese Prozedur dient dazu, mit Hilfe der Bretter das Wasser so zu rühren, dass es sich etwas abkühlt. Ausgewählte Besucher werden dabei zum Mitmachen animiert – man sollte also besser zum Tanzen gewappnet sein! Die Aufführungszeiten kann man einem Aushang am Eingang des Netsu-no-yu-Badehauses entnehmen.

Kusatsu Onsen Sainokawara

Kusatsu Onsen Sainokawara

Kusatsu Onsen hält den Landesrekord wenn es um den Ausstoß der heißen Quellen geht, und zog so schon seit der Edo-Zeit viele Besucher an. Es wird geschätzt, dass pro Stunde rund 32’000 Liter heißen Wassers aus dem Untergrund sprudeln – damit könnte man jeden Tag 18,5 olympische Schwimmbäder mit heißem Wasser füllen.

Das heiße Wasser in Kusatsu Onsen ist reich an Schwefel, Eisen, Alaunen, Aluminiumsulfaten, Chloriden und Arsen – alles natürlich in für Menschen unbedenklichen Konzentrationen (vom Trinken des Wassers sollte man jedoch trotzdem unter allen Umständen absehen!) Die Quellaustrittstemperatur liegt zwischen 60 und 67 Grad Celsius. Die mineralische Zusammensetzung sorgt für eine antibakterielle Wirkung, so dass das heiße Quellwasser eine Vielzahl von Beschwerden lindern helfen kann – allen voran Arthritis, Diabetes, Erschöpfung, Arteriosklerose, Bluthochdruck, Verbrennungen und Muskelstörungen.

Der „langsame“ Shinkansen auf der Route hält als nächstes in Iiyama (Nagano), Joetsumyoko (Niigata), Itoigawa (Niigata) und Kurobe-Unazukionsen (Toyama). Wir befinden uns jetzt im „Schneeland“, und von Iiyama aus kann man sehr bequem das Nozawa Onsen Ski-Gebiet erreichen.

Die Joetsumyoko-Gegend ist berühmt für viel Schnee, Sake und Lachs, und Itoigawa ist dafür berühmt, dass die Japanischen Alpen hier auf das Meer treffen. Der Itoigawa Global Geopark umfasst eine hervorragende Gegend mit sehr schöner Natur und ist vor allem für seine Kieselstrände sowie Jadevorkommen berühmt. Kurobe-Unazuki Onsen wiederum ist das ideale Sprungbrett zu einer der idyllischsten Landschaften Japans – dem Kurobe-Tal, einer tiefen Schlucht in den Nördlichen Japanischen Alpen – bekannt vor allem für die außergewöhnlichen Herbstfarben. Empfehlenswert ist in erster Linie eine Fahrt mit der 20 km langen Kurobe-Schlucht-Eisenbahn, die dereinst für den Bau des über dem Tal thronenden, gleichnamigen Staudamms (seines Zeichens mit 186 Meter der höchste Staudamm Japans) angelegt wurde. Die Strecke verläuft von Unazuki Onsen bis Keyakidaira und passiert dabei etliche Tunnel und Brücken, wobei letztere einen spektakulären Blick über die Schlucht offenbaren.

Niigata – Itoigawa

Der nächste Halt mit dem langsameren Hokuriku-Shinkansen ist Itoigawa, eine kleine Stadt am Japanischen Meer, die vor allem für ihren geologischen Fundus berühmt ist. Dank des geologischen Reichtums wurde Itoigawa das erste Mitglied des japanischen Geopark-Netzwerks sowie auch des weltweiten Geopark-Netzwerks.

Itoigawa-Onsen

Itoigawa-Onsen

Zu den geologischen Schätzen gehört der 1’188 Meter hohe Berg Myojo, der aus uralten Korallenriffen besteht und somit zahlreiche Fossilien enthält. Die 450 Meter hohe Kalksteinwand am selben Berg ist beliebt bei Felskletterern aus dem In- und Ausland. Vom nahegelegenen See Takanami-no-ike hat man einen schönen Blick auf den Myojo. Der Legende nach lebt in diesem 540 Meter hoch gelegenen See ein riesiger Fisch mit dem Namen Namitaro.

Takaname-no-ike Teich

Takaname-no-ike Teich

Die Gegend beginnt auf Meeresspiegelhöhe, entlang der Küste, und steigt schliesslich bis zum 2’766 Meter hohen Berg Korenge an. Im Ort Renge Onsen auf 1’475 Meter Höhe findet man zahlreiche heiße Quellenbäder im Freien, von denen man eine einmalige Sicht auf die umliegenden Berggipfel hat. Das aus dem Berg hervorquellende, kochend heiße Wasser wird dabei von Dampfwolken begleitet.

Itoigawa ist auch in ganz Japan für Jade bekannt. Vor allem die Kotakigawa-Schlucht am Fuße des Myojo enthält größere Vorkommen des wertvollen Gesteins. Neben Jade wurden noch weitere Bodenschätze abgebaut, so unter anderem Kohle in der Kotaki-Kohlegrube und Gold in der Hashidate-Goldmine. Während der Edo-Zeit markierte Itoigawa zudem den Beginn der „Salzstrasse“, auf der Meeressalz vom Japanischen Meer bis nach Edo, dem heutigen Tokyo, transportiert wurde.

Hisui-en-Garten

Hisui-en-Garten

Jade ist auch das bestimmende Thema im wunderschönen Hisui-en (wörtlich: Jadegarten), einem modernen japanischen Garten, der Jadeit-Felsen mit den umliegenden Bergen als „geborgte Landschaft“ paart. Hisui-en eröffnete im Jahr 1978, ist 1,7 Hektar groß und beinhaltet drei Wasserfälle, einen Pinienhain, einen Teich sowie unzählige Steine und Felsbrocken mit Jadeeinschlüssen. Besucher können sich hier bei einer leichten Mahlzeit an einem Jadetisch erholen und dabei den Anblick des Gartens sowie der umliegenden Berge geniessen.

Unweit des Jadegartens befindet sich der 1981 eröffnete Gyokusui-en, der ebenfalls zu einem schönen Parkspaziergang einlädt. Hier wird der Besucher am Eingang von einer 8 Meter großen Buddhastatue begrüßt.

Quasi gleich nebenan steht die eindrucksvolle Tanimura-Kunstgalerie, entworfen von Togo Murano, welche unter anderem 10 exquisite, von Sawada Seiko erschaffene Buddhastatuen zur Schau stellt.

Alle drei Sehenswürdigkeiten – Hisui-en, Gyokusui-en und die Tanimura-Kunstgalerie, können mit einer einzigen Kombi-Eingrittskarte besucht werden und sind nur einen kurzen Spaziergang vom Südausgang des Bahnhofs von Itoigawa entfernt.

Toyama- Gokayama

Zuiryuji-Tempel

Zuiryuji-Tempel

Die nächste Station nach Toyama auf der Hokuriku-Route ist Shin-Takaoka, von wo aus man sehr schnell den vorzüglichen Zuiryuji-Tempel erreichen kann – ein großer und sehr stattlicher Soto-Zen-Tempel aus der Edo-Zeit, der vor allem für seine langen Holzkorridore – ein Unikum in der japanischen Tempelarchitektur – bekannt ist. Takaoka wartet auch mit einem angenehmen Burgpark sowie dem symbolhaften Daibutsu, einer Buddha-Statue, die 1933 aus Kupfer gegossen wurde, auf. Sowohl von Shin-Takaoka als auch vom Bahnhof Takaoka fahren Busse direkt bis zum UNESCO-Weltkulturerbe Gokayama, welches vor allem für seine gassho-zukuri (“betende Hände”)-Häuser berühmt ist. Diese großen, schilfbedeckten Bauernhäuser mit A-förmigem Aufbau findet man vor allem in den Dörfern Suganuma und Ainokura, direkt am Fuße des Berges Gokayama.

Gokayama

Gokayama

Sowohl die Dörfer von Shirakawa-go in der Präfektur Gifu als auch die Dörfer von Gokayama in der Präfektur Toyama sind als UNESCO-Weltkulturerbe eingetragen. Beide Gegenden liegen im Einzugsbereich des Sho-Flusses in der Region Hietsu, doch während Shirakawa-go am Oberlauf liegt, befindet sich Gokayama am Mittellauf.

Suganuma liegt 15 km nördlich von Ogimachi in wunderschöner Lage in einer Schlaufe des Sho-Flusses, der hier durch die Hügellandschaft mäandert. Das Dorf besteht aus 14 gassho-zukuri-Bauernhäusern, wobei das älteste in der jetzigen Form bereits seit 1830, der späten Edo-Zeit, dort steht. Die neueren Bauernhäuser stammen aus den Jahren um 1925. Im Dorf findet man auch den Jishu-jinja, ein kleiner Shinto-Schrein.

Ainokura, 4 Kilometer nördlich von Kaminashi und 10 km nördlich von Suganuma, ist ein weiteres wunderschön gelegenes Dorf mit insgesamt 23 gassho-zukuri-Bauernhäusern, einem kleinen Schrein und einem Tempel. Durch das Dorf verlaufen Steinmauern und kleine Haine, die Gemüse- und andere Felder vor den schweren Schneefällen im Winter schützen sollen.

Die gassho-zukuri-Bauernhäuser rund um den Gokayama haben aus gutem Grund steilere Dächer als baugleiche Häuser in Shirakawa-go, denn hier sind die Schneefälle weitaus heftiger.

Die Gegend um den Gokayama ist auch für seine seit vielen Generationen mündlich überlieferten Volkslieder bekannt. Sowohl Suganuma als auch Ainokura sind besonders im Frühjahr, während der Kirschblüte, sowie im Herbst, während der Färbung Herbstlaubes empfehlenswert.

Kanazawa – Kenrokuen

Kenrokuen

Kenrokuen

Kanazawa in der Präfektur Ishikawa ist derzeit die Endstation des Tohoku-Shinkansen. Die Stadt steckt voller angenehmer Überraschungen, und die beginnen bereits direkt am Hauptbahnhof von Kanazawa, welcher durch seine einmalige Architektur besticht und damit nicht nur als einer der schönsten Bahnhöfe Japans, sondern sogar als einer der 10 schönsten Bahnhöfe der Welt betrachtet wird. Die Hauptsehenswürdigkeit von Kanazawa ist jedoch der Kenrokuen, einer der „drei berühmten Gärten“ (die anderen beiden sind der Korakuen in Okayama sowie der Kairakuen in Mito).

Wörtlich übersetzt bedeutet der Name Kenrokuen „Garten der sechs Erhabenheiten“ beziehungsweise „Garten, der die sechs Aspekte eines perfekten Gartens zusammenfasst“. Dies bezieht sich auf die sechs Eigenschaften, die Chinesen im Altertum als essentiell für einen idealen Garten hielten: Geräumigkeit und Abgeschiedenheit, Kunstfertigkeit und Altertümlichkeit, Wasserwege und Panoramas. Es gibt nur wenige Gärten, die all diese Eigenschaften miteinander vereinen, und so sind die Bewohner von Kanazawa besonders stolz auf ihren Garten.

Der Kenrokuen ist mit über 11 Hektar sehr groß, so dass man, obwohl der Garten einer der beliebtesten Ausflugsziele Japans ist, immer eine ruhige Ecke für sich selbst finden kann. Die besten Plätze im Garten, um sich etwas zurückzuziehen, sind zwei kleine Hügel. Ein Hügel heisst Yamazaki-yama und befindet sich im hinteren Teil des Kenrokuen. Um vom Eingang dorthin zu gelangen, läuft man einfach am Teich Kasumigaike vorbei und immer geradeaus.

Am Yamazaki-yama steht ein liebenswerter kleiner Unterstand nebst Bank (sehr nützlich, wenn es regnet), von wo aus man durch die Bäume hindurch nach unten schauen kann. Den zweiten Hügel, genannt Sazaeyama, erreicht man über einen gewundenen Pfad, der am Uchihashitei (Teehaus) vorbeiführt. Nur wenige Besucher machen sich die Mühe, den Pfad hochzuklettern, und so hat man in der Regel einen ungestörten Blick über den Teich, das Teehaus und die Kotoji-toro-Steinlaternen am äußersten Ende des Teiches. Im Winter, wenn die meisten Bäume vom Laub befreit sind, kann man bis zum Fluss und ins Zentrum der Stadt Kanazawa sehen. Die einzigen Menschen, die man in dieser Ecke des Gartens findet, sind normalerweise Maler oder Besucher, die einfach nur friedlich vor sich hin sinnieren wollen.

Kenrokuen Kanazawa-Festung

Kenrokuen Kanazawa-Festung

Gleich in der Nähe des Gartens steht die Burg von Kanazawa, ihres Zeichens einst der Machtsitz des örtlichen Maeda-Clans (die Maeda-Familie stellte die Daimyo, also die Erbherrscher, der hiesigen, einst Kaga genannten Provinz, seit 1583). Kanazawa ist ausserdem noch berühmt für seine Töpferwaren, Lackprodukte sowie Kimonofärberei.

Museum für Zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts

Museum für Zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts

Kanazawa ist jedoch nicht nur ein Ort für das Alte und Traditionelle. Das Museum für Zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts ist ein schöner, flacher, runder Glasbau, entworfen von den Architekten Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa, in dem zeitgenössische Kunst sowie Ausstellungen und Installationen aus aller Welt gezeigt werden. Allein das Bauwerk hat zahlreiche Preise im In- und Ausland für sein atemberaubendes, modernes Design gewonnen. Das Museum stellt nicht nur in- und ausländische Kunstwerke aus, sondern veranstaltet auch themenbezogene Ausstellungen aus den Bereichen Film, Musik und Performance.

Die Liste der Künstler, die im Museum für Zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts ausgestellt haben, ist lang und beinhaltet bedeutende Namen wie Kasuma Yayoi, Damien Hirst, Anish Kapoor und Runa Islam. Die Hausregel des Museums besagt, dass hauptsächlich Werke angeschafft werden sollen, die nach 1980 entstanden sind und „neue Werte vermitteln“.

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Museen in Japan [Gunma-Version]

September 2nd, 2015 | Tagged , , | 1 Kommentar | 2355 mal gelesen

Eisenbahnpark Usui-Pass

Eisenbahnpark Usui-Pass

Am Wochenende war ich mit 6 Verwandten (nebst 5 Kindern) in der Präfektur Gunma unterwegs. Dank ununterbrochenen Regens – dieses Jahr ist wirklich arg verregnet – haben wir es sogar in zwei Museen geschafft. Und dabei habe ich – mal wieder – festgestellt, dass viele japanische Museen wirklich hervorragend gestaltet sind. Das erste Museum nennt sich 碓氷峠鉄道文化むら – Usui-Pass Eisenbahn-Kulturpark. Ein Eisenbahnmuseum also, mit zahllosen alten Loks und Waggons, die ausnahmslos begehbar sind. Dabei hat man die alten Geräte nicht etwa neu angepinselt, sondern so belassen, wie sie waren, als sie aus dem Dienst genommen wurden. Trotzdem ist aber alles sehr sauber. Kinder können sich auf die Lokführersitze setzen, Knöpfe drücken, Hebel bewegen, Draisine fahren oder sich von einer echten Dampflokomotive eine Runde durch den Park fahren lassen. Quasi ein Museum, in dem man sich als Erwachsener ebenfalls recht wohl fühlen kann. Im Museum steht übrigens auch ein alter Waggon mit Tatami. Solche Spezialzüge fahren in manchen Gegenden immer noch herum, aber bisher habe ich es noch nicht geschafft, da mitzufahren. Kommt sicher noch. Dabei sei angemerkt, dass Tatami-Waggons weder damals noch heute typisch waren bzw. sind – es handelt sich um Spezialanfertigungen, die dann zum Beispiel für Feierlichkeiten angemietet werden können.

Mit Tatami ausgelegter, alter Waggon

Mit Tatami ausgelegter, alter Waggon

Das zweite Museum war das 群馬県立自然史博物館 Museum für Naturgeschichte der Präfektur Gunma (Webseite). In der Präfektur hatte man einst Saurierknochen entdeckt, und auch sonst hat Gunma in Sachen Natur etliches zu bieten: Der heißeste Ort Japans befindet sich hier, doch nur ein paar dutzend Kilometer entfernt gibt es subalpine Zonen. Und es gibt eine Reihe gefährlicher Vulkane wie den Asama-san, der in der Vergangenheit Asche bis Tokyo schickte – und wieder schicken wird, denn er bricht recht regelmäßig aus. Das Museum ist hervorragend eingerichtet – das beginnt schon bei der Fassade, die Saurierknochen enthaltende Sedimente nachbildet. Saurier in Lebensgrösse, die sich teilweise auch noch recht natürlich bewegen, sowie eine sehr gute Präsentation der lokalen Flora, Fauna, Geographie und Geologie sind nicht nur für Kinder sehenswert. Ich war dabei etwas überrascht ob der Grösse und Qualität des Museums: Da sind sehr, sehr viel Geld und Liebe eingeflossen.

Im Naturgeschichtlichen Museum von Gunma

Im Naturgeschichtlichen Museum von Gunma

Natürlich kann es auch sein, dass ich einfach zu lange nicht mehr in Museen unterwegs war. Ist diese Qualität mittlerweile normal?

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Yakushima Teil 2

August 12th, 2015 | Tagged | 14 Kommentare | 935 mal gelesen

Mangels Alternativen am Abend kommt hier der zweite Teil des Inselberichts – live aus Yakushima. Geschrieben auf dem Handy, und mit freundlicher Unterstützung eines Glases Mitake neben mir – ein auf der Insel gebrauter shōchu. Oh, aus dem Glas sind gerade zwei geworden, da der Barbesitzer meinte, aufgrund seines Geburtstages einen ausgeben zu müssen. Und soeben sind zwei Ausländer aufgekreuzt und haben gefragt, ob es hier Sushi gibt. Natürlich nicht, denn das hier ist eine Bar, ferkrissake! Und weg sind sie. Hier ist was los…

Sugi (Sicheltannen) bis zum Abwinken

Sugi (Sicheltannen) bis zum Abwinken

 Yakushima. Der erste Ort in Japan, der zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt wurde. Oh, das ist aber eine fette Kakerlake, die da gerade neben mir unter dem Tisch hervorgekrochen kommt. Jetzt bloss nicht ablenken lassen. Das mit der UNESCO fanden die Holzfäller auf der Insel natürlich ganz toll – plötzlich wurde die Holzfällerei verboten und die Leute begannen, die Insel zu verlassen. Aber dafür kamen dann die Touristen, um sich die Wälder anzusehen. Und eins muss man anerkennend sagen: Die Mühe, die man sich hier gibt, all die Wanderwege und Berghütten anzulegen und in Schuß zu halten ist sagenhaft. Ich habe selten so schön angelegte Wanderwege gesehen – sehr intuitiv geplant und, wie man so schön sagt, im Einklang mit der Natur. Darauf legt man hier viel Wert. Wer in die Wälder geht, wird angehalten, tragbare Toiletten mit sich zu führen und auf gar keinen Fall irgendwelchen Müll zu hinterlassen. Mit Erfolg. Ich habe nicht ein Stück Müll bisher gesehen.

 

Blick auf Miyanoura - auf halber Strecke

Blick auf Miyanoura – auf halber Strecke

 Die Hauptattraktion der Insel sind die Sugi – japanische Zedern. Und die bekannteste ist die Jōmon-Sugi – benannt nach der Jõmon-Periode und damit – angeblich – rund 6’000 Jahre alt. So genau kann man das jedoch nicht sagen, da die Sugi mit einem gewissen Alter innen hohl werden. Da ist also nichts mit Ringe zählen. Die Jōmon-Sugi ist neueren Schätzungen wohl „nur“ 3’000 nochwas Jahre alt, aber selbst das ist für einen Baum natürlich phänomenal. Die Wanderung bis zu besagter Sugi dauert übrigens hin- und zurück knapp 10 Stunden. Banause, der ich bin, habe ich jedoch heute beschlossen, den alten Baum einen alten Baum sein zu lassen. Hauptgrund: Alle, die nach Yakushima kommen, pilgern dort hin. Darauf habe ich keine Lust. Stattdessen hatte ich die grandiose Idee, mit dem Fahrrad eine 10 km lange, mit Haarnadelkurven gespickte Strasse bis zur 600 Meter hoch gelegenen Shiratani-Unsuikyō („Weisses Tal-Wolkenwasserschlucht“) zu fahren. Bei Sonnenschein, 33 Grad und 70% Luftfeuchtigkeit. Die Pausen erfolgten entsprechend nach 3 km, 5 km, 6 km, 6,5 km, 7 km, 7,2 km, 7,4 km, 7,5 km… Wie gesagt, es war eine wirklich grandiose Idee. Immerhin applaudierten mir ein paar Autoinsassen, als sie vorbeifuhren. Wahrscheinlich der gleiche höfliche Applaus, dem man jemandem, der dabei ist, etwas völlig Idiotisches anzustellen, zukommen lässt. Oder der Jesus Christus-Applaus: Danke, dass Du diese Strapaze auf dich nimmst. Oben angekommen, stellte ich erneut fest, dass Yakushima anders ist: Während es überall in Japan definitiv einen Imbiß und/oder Getränkeautomaten gibt, findet man auf Yakushima in den Besucherzentren genau gar nichts. Aber – immerhin gibt es überall frische Bergquellen im Überfluß, an denen man sich sein Wasser abfüllen kann. 

 

Wasser, Moos und alte Bäume - was will man mehr

Wasser, Moos und alte Bäume – was will man mehr

 Ich entschied mich für den 3-Stunden-Kurs: Drei Stunden Wandern quer durch den Wald, berghoch, bergrunter. Auch hier gibt es sehr viele Sugi, aber während die Jōmon-Sugi einen Stammumfang von 16 Metern hat, haben diese hier nur einen Umfang von 8 Metern. Bei einigen Bäumen kann man dabei drunter durchlaufen. Und alles, aber auch wirklich alles ist mit Moos bewachsen. Hinzu kommt, dass die Bäume wohl sehr viel Harz enthalten und deshalb nur schwer vermodern. Baumstümpfe von während der Edo-Zeit geschlagenen Bäumen liegen noch immer herum wie damals – nur eben jetzt mit Moos und Flechten bewachsen. Die Wälder von Yakushima dienten übrigens als Vorlage für die Wälder in Miyazaki’s „Prinzessin Mononoke“, und das ist einwandfrei nachvollziehbar. Das ist kein Wald, sondern ein Waldwald.

Am frühen Nachmittag ging es wieder zurück in den Hauptort Miyanoura. Natürlich war die Rückfahrt angenehmer als die Hinfahrt: Was vorher anderthalb Stunden dauerte, war nun in 15 Minuten pausenloser Abfahrt vollbracht. 15 Minuten, in denen ich dachte, dass es vielleicht doch keine sooo schlechte Idee war.

Immerhin war ich rechtzeitig zurück, um die imposanten Gewitter aus der Herberge heraus zu betrachten.

Fazit des Tages: 600 Meter Berg hochfahren mit einem 21-Gänge-Crossbike bei 33 Grad will gut überlegt sein. Das mache ich ganz bestimmt nicht noch mal. In diesem Jahr.

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Inselreporter: Yakushima

August 11th, 2015 | Tagged | 5 Kommentare | 818 mal gelesen

Nach allen 47 Präfekturen bin ich nun also auf die vielen kleinen japanischen Inseln aus – der Stoff reicht dank der großen Anzahl auch locker bis ans Lebensende. Im letzten Sommer war es die Insel Sado – in diesem Jahr die Insel Yakushima, rund 60 km südlich von Kagoshima. Direkt kommt man dort von Tokyo nicht hin – am besten fliegt man nach Kagoshima und fährt von dort mit dem Boot weiter. Mit dem Schnellboot dauert das rund 2.5 Stunden.

Gesagt, getan. JAL jagte mir erstmal einen Schrecken ein, als sie bekanntgaben, dass der Flug eventuell nach Fukuoka umgeleitet – oder nach Tokyo zurückkehren muss. Der Grund: Nebel. Ist ja auch klar – der Flughafen befindet sich direkt am Kirishima-Bergmassiv, und Kirishima bedeutet „Nebelinsel“. Aus gutem Grund.

 

Ausblick vom Miyanoura-dake

 
Letztendlich lief aber doch alles wie geplant. 6:25 morgens Abflug in Tokyo/Haneda, punkt 13 Uhr Ankunft in Anbō auf Yakushima. Kurze Zeit später finde ich auch den vorbestellten Fahrradverleih. Eigentlich wollte ich mein eigenes Fahrrad schicken, aber das hätte mich über 10’000 Yen gekostet. Ein ähnliches Fahrrad, sogar in akzeptabler Größe, kann ich mir hier hindes für 4’000 Yen leihen. Und zwar für eine ganze Woche. Der einzige Haken: Vorder- und Hinterbremse sind andersrum.

Auf Yakushima regnet es oft, und das verdankt die Insel dem über 1’900 Meter aus dem Meer ragenden Gebirge. Rund 6’500 mm Regen im Jahr sind ordentlich – das ist die 12-fache Menge dessen, was in Berlin pro Jahr vom Himmel fällt. Gestern und heute schien jedoch die Sonne. Mein Herbergsvater ist rund 75 Jahre alt, war einst Taxifahrer in Kobe und hatte vor 5 Jahren eine schwere Gehirnoperation hinter sich. Und er bot mir an, mich morgens um 4 Uhr bis zur Inselmitte, zum Startpunkt der Strecke zum höchsten Gipfel zu fahren. Natürlich kostet das etwas, aber mit dem Taxi hätte es 3 Mal so viel gekostet. Und alle Achtung – mit seinem K-sha (Auto mit kleinem Motor) schneidet er die Kurven wie ein junger Gott. „Dauert über eine Stunde – Du kannst doch so lange etwas Schlaf nachholen“ meinte er noch, aber das war ausgeschlossen. Also unterhielten wir uns so lange.
 

Rehe auf Yakushima

Rehe auf Yakushima

 Einer der Startpunkte zum Aufstieg auf den 宮之浦岳 Miya-no-ura dake liegt auf fast 1’300 Meter Höhe. Der Berg selbst, nicht nur der höchste Berg von Yakushima, sondern von ganz Kyushu, ist 1’936 Meter hoch. „Der Aufstieg dauert 5 Stunden, der Abstieg 4. Ich bin dann gegen 16 Uhr wieder hier“ sagte mir der Schumacher von Yakushima noch, und ich zweifelte daran und sagte, dass es selbst mit viel Bummelei nicht so lange dauern wird. Und siehe da – um  9 Uhr morgens stand ich auf dem Gipfel. Dort also Reisbällchen gefrühstückt und fast eine Stunde die Aussicht genossen. Bis auf ein paar Minuten hatte ich den Gipfel ganz für mich allein. Auf- und Abstieg sind fast wie ein Spaziergang: Es geht durch moosbewachsene Japanische Zedern-Wälder, und überall sprudelt glasklares Wasser hervor. Unterwegs sieht man gelegentlich Rehe und Yakuzaru – die kleinere Inselvariante der japanischen Rotmakaken. Beide Arten haben ein gesundes Verhältnis zum Menschen hier: Sie bleiben auf Abstand, sind aber auch nicht scheu. Ganz klar: Hier wird weder gejagt noch verteilen die Besucher Futter.

 

 Steinformationen  in der Inselmitte

Steinformationen in der Inselmitte

Beim Abstieg lasse ich mir viel Zeit und steige zwischendurch noch auf den Kuromidake, ein 1’800 nochwas hoher Berg. Auch hier: Aussicht. Schumacher hat sogar Erbarmen mit mir und holt mich schon vor 3 Uhr ab, um mich dann – „das mache ich für umsonst und gern!“ – zum bekanntesten Wasserfall der Insel sowie zu einem Onsen zu fahren. Ob er nicht auch in die heisse Quelle gehen möchte, fragte ich ihn, aber er meinte nur „Nee, ist mir viel zu heiss“. Ich wusste schnell, was er meinte: 49 Grad sind in der Tat verdammt heiss.  Und so endete Tag 1 auf Yakushima. Und ich verdiene jetzt einen Durchhalteorden dafür, dass ich diesen Bericht noch gegen 21 Uhr in mein Handy hacke.

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Geheimtipp für den Tokyo Sky Tree | Hakone gesperrt

Mai 7th, 2015 | Tagged , , | 4 Kommentare | 1999 mal gelesen

Goldene Woche — Reisezeit. Entweder man reist selbst, oder man hat Besuch aus der Heimat, denn während eine Reise ins Ausland innerhalb der Goldenen Woche fast unbezahlbar ist, ist eine Reise während der Goldenen Woche – zumindest flugpreistechnisch – recht günstig.

Mit dem Besuch ging es dieses Jahr zum Tokyo Sky Tree, dem neuen Wahrzeichen der Stadt. Eigentlich habe ich jenen seit meinem letzten Besuch vermieden. Zu viel Rummel, zu viele Menschen, zu viele Geschäfte, und die Kostüme der Tokyo-Sky-Tree-Hostessen finde ich einfach mal absolut abstossend. Es gibt also eigentlich keinen triftigen Grund für mich, wieder dorthin zu fahren. Nun ging es also doch wieder hin, und ich hatte meinen Besuch schon vorgewarnt: Da Goldene Woche, wird es sehr, sehr voll werden. Und nein, wir werden nicht auf den Turm fahren können, weil man einen geschlagenen halben Tag warten muss, bis man an der Reihe ist.

Spasseshalber fragte ich bei der Information gegen 11:30 morgens nach, wie lange es denn dauern würde, bis man hochkönne. „So cirka 18:30“ lautete die nicht überraschende Antwort. Doch dann: „Für Ausländer gibt es allerdings jetzt das Fast Sky Tree Ticket. Das kostet mit 2,820 Yen bis zur Plattform in 350 m Höhe zwar 760 Yen mehr als das normale Ticket, aber: „In 20 Minuten von jetzt an sind sie oben!“. Sieh mal einer an. Also zum speziellen Ticketverkauf in der 4. Etage gegangen, und siehe da — keine 10 Leute warteten in der Schlange. Tickets gekauft, und schon wurden wir von einer Hostess zum Fahrstuhl geführt und schon waren wir oben. Geht doch. Interessant ist dabei, dass auch in Japan lebende Ausländer sowie den Ausländer begleitende Japaner das Fast Ticket nutzen dürfen. Das ist ja fast schon eine Geschäftsidee…

  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree

Wo wir gerade beim Thema Tourismus sind — gestern, am 6. Mai 2015, hat die Meteorologie-Behörde die Warnstufe für den Vulkan in Hakone auf Stufe 2 (von 5) erhöht. Infolgedessen wurden etliche Strassen sowie, und jetzt kommt’s, die Seilbahn gesperrt. Wie lange die Sperrung andauert, kann man noch nicht vorhersagen. Man erwartet auch keinen grossen Ausbruch, aber da die Seilbahn direkt über den Krater fährt, geht man verständlicherweise auf Nummer Sicher. Soll heissen, die übliche Hakone-Tour (Zug von Tokyo, Zahnradbahn von Gōra, Seilbahn, Schiff) hat sich für unbestimmte Zeit erledigt, da an der Seilbahn Schluss ist. Mehr Informationen dazu siehe hier.

Nun gut — wir fahren dieses Jahr gottseidank nicht ins nahe Hakone, sondern, mal wieder, nach Izu. Mehr und häufiger dann wieder auf diesem Blog nach der Goldenen Woche!

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Hokuriku-Shinkansen: Der Countdown läuft

Februar 9th, 2015 | Tagged , | 2 Kommentare | 1713 mal gelesen

Aus aktuellem Anlass (nun ja, ich war heute mit dem Shinkansen unterwegs) wird es Zeit, der baldigen Eröffnung einer neuen Shinkansenstrecke ein paar Zeilen zu widmen. Alle paar Jahre wird in Japan eine neue Trasse eingeweiht – zuletzt im März 2011, als die Hauptachse des Kyushu-Shinkansens sowie die Erweiterung des Tohoku-Shinkansens bis Aomori eingeweiht wurden. Das ging leider etwas in den Nachrichten unter, denn 6 Tage nach Eröffnung des Aomori-Shinkansens gab es das schwere Erdbeben, und die Strecke musste erstmal für ein paar Wochen geschlossen werden. Die Eröffnung der kompletten Kyushu-Strecke fand am Tag nach dem Beben statt.

In 33 Tagen ist es dann wieder soweit: Das Netz wird am 14. März 2015 um einen neuen Abschnitt erweitert – die Rede ist vom 北陸新幹線 Hokuriku-Shinkansen. Bisher war in dieser Richtung, von Tokyo aus gesehen, immer in Nagano Schluss, doch die neue Strecke führt von Nagano weiter bis ans Japanische Meer – genauer gesagt geht es über Toyama bis nach Kanazawa. Landschaftlich sollte man von der Strecke nicht allzu viel erwarten – sicherlich, die Landschaft als solche ist eigentlich spektakulär, denn es geht erst die Südalpen und dann das Meer entlang, aber die neuen Shinkansenstrecken enthalten so viele und so lange Tunnel, das man meinen möchte, man sitzt in der U-Bahn. Zugegebenermassen einer verdammt schnellen U-Bahn.

Was hat man aber nun von dem neuen, knapp 230 Kilometer langen Teilstück? Wer heutzutage mit der Bahn von Tokyo bis Kanazawa fährt, braucht 4 Stunden und 15 Minuten – die einfache Fahrt kostet rund 16’000 Yen. Mit dem neuen Shinkansen braucht man nur 2½ Stunden – und bezahlt nur noch rund 14’000 Yen: Der Grund: Für die jetzige Strecke muss man einen weiten Umweg (über Nagoya) fahren. Will man heuer nach Toyama, braucht man momentan 3 Stunden und 45 Minuten und bezahlt rund 11’000 Yen – der neue Shinkansen ist da mit 12’730 Yen etwas teurer, dafür aber in 2 Stunden und 15 Minuten vor Ort. Fazit: Toyama und Kanazawa rücken näher an die Hauptstadt, und das ist gut: Vor allem Kanazawa ist ein unterschätztes Reiseziel in Japan.

Bei Kanazawa soll es übrigens nicht bleiben: Die Strecke wird letztendlich weitergehen – über Fukui bis Tsuruga und dann schliesslich weiter bis Osaka oder Kyoto, aber bis dahin wird noch eine Menge Wasser den Tone-Fluss herunterfliessen.

Kopfbahnhof von NihongiSchaut man sich die Haltestellen der neuen Strecke an, so findet man dort unter anderem den Namen 上越妙高 Jōetsu-Myōkō. Dieser Bahnhof befindet sich in der Präfektur Niigata – im Nichts. Rundherum gibt es rein gar nichts. Der Bahnhof kam mir etwas seltsam vor, als ich selbst im vergangenen Sommer in Richtung Myōkō-Kōgen unterwegs war – einem sehr malerischen Wintersportort auf über 1’000 Meter Höhe. Als ich mich dort schliesslich mit einem Bewohner über die Shinkansenanbindung unterhielt, war jener entsprechend etwas vergnatzt: Der Shinkansenbahnhof trägt zwar den Namen Myōkō, ist aber vom ziemlich bekannten Wintersportort so weit entfernt, dass die Trasse für Besucher des Ortes kaum einen Nutzen trägt.

Auf halbem Wege zwischen dem eigentlichen Bahnhof von Myōkō-Kōgen und dem neuen Shinkansenbahnhof befindet sich übrigens der etwas ungewöhnliche Bahnhof von 二本木 Nihongi (wörtlich: „Zwei Bäume“ – im Gegensatz zu Roppongi in Tokyo: „Sechs Bäume): Züge können den Bahnhof nur in der Richtung verlassen, aus der sie gekommen sind. Will heissen, die Züge müssen einen kleinen Berg hochfahren, um nach Nihongi zu kommen – und fahren zumindest einen Teil der Strecke wieder zurück, bevor sie die Richtung ändern.

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Blade Runner oder: Landeanflug auf Haneda

Januar 4th, 2015 | Tagged , , | 5 Kommentare | 2534 mal gelesen

Wer am Flughafen Narita landet, sieht normalerweise erstmal ein Flickenteppich aus Reisfeldern, kleinen Wäldern und Golfplätzen. Wer am Flughafen von Haneda in der Bucht von Tokyo landet, fliegt meistens eine grosse Kurve über die Boso-Halbinsel, an Disneyland vorbei, um dann von Norden her in Haneda zu landen. Seltener ist da der Anflug vom Süden her – jener führt an den Neulandgebieten von Yokohama und Kawasaki vorbei. Das bedeutet, man sieht erstmal nur eins: Industrie. So weit das Auge reicht. Leider ist bei dem Video unten der Flügel im Weg. Aber das Video, aufgenommen am 28. Dezember 2014, weist eine Besonderheit auf: Absolute Windstille. Das hat entsprechend ein bisschen was von Blade Runner.

Sicher, es gibt romantischere Anflüge auf Flughäfen. Andererseits kann man sich nicht beschweren: Japan ist nun mal eine Industrienation, und das wird hier eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Vor der ganzen Industrie sieht man – in der richtigen Jahreszeit zumindest – natürlich noch mehr – so man von Süden kommt, die Insel Ohshima zum Beispiel, oder den häufig rauchenden Vulkan der Insel 三宅島 Miyake-Jima:

Miyake-jima aus 10 km Höhe

Miyake-jima aus 10 km Höhe

Und da wäre natürlich auch der gute alte Fuji-san:

Fuji-san vom Flugzeug aus

Fuji-san vom Flugzeug aus

Fuji-san aus der Luft

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Feldbericht: Präfektur Niigata

August 16th, 2014 | Tagged | 6 Kommentare | 4167 mal gelesen

Auf die Frage an die Leser, wohin sie mich denn schicken würden, wollten mich ein paar Leser zur Atomruine nach Fukushima schicken – andere hingegen nach Niigata. Da ich es mir schwer vorstelle, ohne eigenes Vehikel in Fukushima viel ausrichten zu können, zog ich nun also nach Niigata.
Die Präfektur hatte ich in der Tat bisher vernachlässigt. Vor über 10 Jahren, damals noch lediglich ein Kurzzeitbesucher und so mit dem Railpass bewaffnet, fuhr ich einmal mit den Shinkansen nach Niigata Stadt und am Abend wieder zurück. Zu Beginn dieses Jahres folgte dann ein Skiausflug nach Yuzawa.

Die jetzige Tour war sehr kurz – drei Nächte, drei Tage, und zeichnete sich vor allem durch mangelnde Vorbereitung aus. So folgte ich dem Tipp, mir mal 燕三条 Tsubame-Sanjō anzusehen, da die Gegend bekannt für die Produktion hochwertiger japanischer Messer und anderer Metallerzeugnisse ist. Das stimmt zwar, aber um es vorzunehmen, lohnt sich ein Besuch nur, wenn man viel Zeit mitbringt und sich ordentlich vorbereitet, sprich, weiss, welche Manufakturen man besichtigen will. Für mich konnte das nur scheitern, da ich erst abends um 7 Uhr ankam und am nächsten Tag die Fähre von Niigata um 12:55 erreichen musste. Denn merke – es ist Obon, und da ist alles ausgebucht.

Schnappschuss aus Tsubame

Schnappschuss aus Tsubame

Tsubame-Sanjō erwies sich als hervorragendes Beispiel misslungener Stadtplanung. Der Bindestrich lässt erahnen, dass es sich eigentlich um zwei Orte handelt: Tsubame im Norden, Sanjō im Süden. Zwischen den beiden Orten baute man irgendwann die Shinkansentrasse und eine Autobahn. Die Konsequenz: Rund um den Shinkansenbahnhof baute man grosse Einkaufszentren und Restaurants en masse, während die Innenstädte mehr und mehr herunterkamen – dort gibt es so gut wie keine Geschäfte mehr. Zumindest Tsubame ist nun offensichtlich klar überaltert, und das gilt für die Infrastruktur, die Häuser und vor allem für die Bewohner. Dass die Gegend so bekannt ist für die Messer- etc.-Produktion, lässt man sich übrigens nicht anmerken – normalerweise werden an den Bahnhöfen in Japan die lokalen Besonderheiten gepriesen, wenn nicht gar verkauft, aber der Bahnhof von Tsubame war einfach nur heruntergekommen.

Nun gut. Mit dem Bummelzug ging es nach einer Nacht in einem stinknormalen Businesshotel nach Yoshida und von dort mit einem anderen Bummelzug nach Niigata. Der dortige, zugebenermassen nicht sonderlich schöne, Bahnhof wird momentan umgebaut, was, ein schönes Chaos im und um den Bahnhof herum zur Folge hatte. Ein kurzes Mittagessen, und weiter ging es mit dem Bus zum Fährterminal. Aus Neugier hatte ich beschlossen, mit der schnellen Fähre hin (ca. eine Stunde, rund 6,500 yen) und der langsamen Fähre (2,720 yen, 2:40 Stunden) zurückzufahren. Die Fähren waren natürlich ausverkauft, aber das war vorher zu erwarten, weshalb ich telefonisch vorbestellt hatte.

Tragflächenboote sind zwar schön schnell, aber man kann natürlich nicht an Deck und sieht nicht viel. Eine Stunde später war ich schliesslich in 両津 Ryōtsu, dem Haupthafen der Insel Sado (佐渡島 Sado-ga-shima). Übersetzt bedeutet der Name „Beide Häfen“ – das bezieht sich wahrscheinlich auf die Tatsache, dass der Ort eine schmale Landzunge zwischen Meer und einem See einnimmt. Allzu viel gibt es nicht zu sehen, und so ging es weiter mit dem Bus auf die andere Seite der Insel – nach 相川 Aikawa. Das dauert ebenfalls eine Stunde. Ein Blick aus dem Fenster in Ryōtsu offenbarte ein vertrautes Bild: Nahezu alle Geschäfte waren für immer geschlossen worden, der シャッター通り-Effekt (Rolläden-Strasse, bezeichnet das Geschäftssterben in Innenstädten, da man dort nur noch geschlossene Rolläden sieht) hätte ausgeprägter nicht sein können.

Erzhüttenruine aus der Vorkriegszeit

Erzhüttenruine aus der Vorkriegszeit

Die blitzförmige Insel Sado ist einfach aufgebaut: Gebirge entlang der beiden langen Enden, eine Ebene in der verbindenden Gerade. Dort fuhr der Bus entlang, bevor er gen Norden fuhr. Natürlich ist die Ebene auch am dichtesten besiedelt. Aikawa ist jedoch eher verschlafen, und als ich an der Endhaltestelle ausstieg, stand ich inmitten eines Fischerdörfchens mit nichts herum. Nun war es schon nach 3 Uhr nachmittags, aber mein erklärtes Ziel war es, die Gold-und Silbermine 金山 Kinzan nahe Aikawa zu sehen. Da es weder Busse noch Taxis in der Gegend gibt, lief ich erstmal los und stand nach wenigen hundert Metern bereits vor einer beeindruckenden Industrieruine: Verhüttungsanlagen aus der Zeit vor 1945. Mit Erklärungstafeln in Japanisch und Englisch, und in recht gepflegtem Zustand. Hier hat man sich richtig Mühe gegeben, und die ganze Anlage hat ihren morbiden Charme.

Diesen Berg hat man vor hunderten Jahren regelrecht gespalten

Diesen Berg hat man vor hunderten Jahren regelrecht gespalten

Wenn man von dort noch mal gut 1.5 km die Strasse entlang durch saftig-grüne Wälder bergauf läuft, kommt man zur eigentlichen Goldmine. Die hat man seit 1601 erschlossen, und zwar erst oberirdisch: Man hat, deutlich sichtbar, einen komplettem Berg quasi zweigeteilt. Dann ging es unter der Erde weiter, und einen Teil der Stollen hat man zum Museum ausgebaut. Das schöne daran: Draussen sind es im Sommer schwüle 30+ Grad – unter Tage hingegen 12 Grad. Sehr erfrischend. Die Mine und das drumherum sind alles in allem recht interessant: Heute liegt die Insel Sado zwar nicht am A**** der Welt, aber sehr, sehr nah dran (man muss schon eine Weile paddeln, bis man … In Nordkorea landet), aber vor hunderten Jahren tobte hier der Mob: Zehntausende Arbeiter und die komplette Industrie drumherum (Köche, Regierungsbeamte, Prostituierte…) waren hier zugange, denn so viele Goldquellen hatte Japan nun auch nicht).

Es war nun schon reichlich spät, das Hotel relativ weit weg und Busse Fehlanzeige, also rief ich ein Taxi. Das Hotel war ein typisch japanisches Ferienhotel – Vollpension, Onsen, japanische Zimmer. Sehr seltsam, dort allein zu übernachten. Das Abendessen war gewohntermassen üppig, und da die Gegend für den Fischfang bekannt ist, gab es natürlich auch sehr viel rohen Fisch. Wie auch am Vorabend. Und dem Abend davor. Und dem Abend vor jenem ebenso. Ich liebe rohen Fisch, und vor allem an den ersten beiden Abenden auf Izu war jener sehr erlesen, aber vier Tage in Folge ist herb. Aber mit einem feinen Sake von der Insel passt es schon. Noch ein kurzer Spaziergang am Strand vor Sonnenuntergang, ein ausgedehntes Bad in der heißen Quelle und schon war der Tag vorbei. Ach ja – nachts konnte man vom Hotel aus zwei Tintenfischfangtrawler sehen – zu erkennen am gleissenden Licht, das bis in die Wolken strahlt. Ein unheimlicher Anblick (die Tintenfischboote sieht man sogar aus dem Weltall – siehe hier).

Sonnenuntergang an der Westküste von Sado

Sonnenuntergang an der Westküste von Sado

Der folgende Tag sollte nicht minder vollgepackt sein. Erst ging es mit dem Bus immer die Küste entlang bis 佐和田 Sawata, der Inselhauptstadt. Die ist in etwa so aufregend wie Kleinmachnow (obwohl, das ist ungerecht: Kleinmachnow ist interessanter). Zum nächsten Bestimmungsort, 小木 Ogi, fahren nur drei Busse am Tag. Eigentlich wollte ich mir auch Ogi ansehen anstelle von Sawata. Ich frage einen Taxifahrer, wieviel er für die 30 Kilometer verlangen würde, und er sagte 10’000 Yen, also 75 Euro. Das überraschte mich etwas, denn in vielen Gegenden Japans kann man bei langen Strecken eigentlich verhandeln – nicht so in diesem Fall. Das ist selbst mir zu viel – der Bus kostet 820 Yen – also schreibe ich Ogi ab.

Blick im Morgengrauen auf den Nordteil der Insel

Blick im Morgengrauen auf den Nordteil der Insel

Die Busfahrt von Sawata nach Ogi sollte sich jedenfalls lohnen, denn die Aussicht ist, so man auf der rechten, meerzugewandten Seite sitzt, spektakulär. Saftig-grüne Reisfelder, dahinter das durch Klippen durchstossene Meer und dahinter wiederum über 1’000 m hohe Berge. Im Bus spielen wir derweilen Ringelpietz mit Anfassen: Ich sitze, da ich einer der ersten im Bus war. Und ich schaue ent- und gespannt aus dem Fenster. Dann bemerke ich eine sehr junge, schwangere Frau und biete ihr meinen Sitzplatz an. Bei der nächsten Bushaltestelle werden die beiden einzelnen Plätze vor ihr frei. Ein Pärchen vor mir bemerkt das natürlich auch. Die Frau deutet ihrem Mann an, dass er mir den Platz anbieten sollte, da ich ja meinen gerade geräumt habe. Selbstlos, wie viele japanische Männer halt sind (Hauptsache, ICH habe einen Platz), tut er das mit einem verächtlichen Nicken ab, und schon sitzen die beiden. Auch sie sind nicht von der Insel, und ich habe natürlich nichts dagegen, dass sie da nun sitzen, aber dann geht es los: Er schläft sofort ein, und sie spielt auf ihrem Handy Blubberblasen zerplatzen lassen. Ja, wunderbar! Wenigstens wissen sie ihren Urlaub zu nutzen. Kurze Zeit später wird wieder ein Platz frei, ich sitze wieder, und stehe wieder als einziger auf, als eine tattrige Dame im Schneckentempo den Bus besteigt.

Typisch Sado: Reisfelder, Meer und Berge

Typisch Sado: Reisfelder, Meer und Berge

Kaum in Ogi angekommen, heisst es auch schon, die Autofähre zu besteigen. Da passen gut 1’000 Menschen rein, und offensichtlich auch ein paar Yakuza, die dort schön tätowiert aber leider auch leicht unterbelichtet Sprüche von sich geben. Das sollte an der Stelle mal gesagt sein: Bisher habe ich in all den Jahren in Japan unter den jungen Yakuza noch keine allzu hellen Lichter erlebt, aber das liegt auf der Hand – schliesslich werden die Brüder nicht von den Unis rekrutiert sondern quasi auf, nun ja, speziellen „Bildungswegen“, eher praxisbezogen sozusagen, auf die Arbeit vorbereitet.

Gute 2.5 Stunden später sind wir in 直江津 Naoetsu, einer tristen Industriestadt in Niigata. Die spärlichen Zugverbindungen schenken mir auch hier wieder über eine Stunde Aufenthalt, und ich stromere durch die Innenstadt. Das einzig neue dort ist der Bahnhof, ein kleines Hotel davor und die hässlichste Stahlskulptur, die ich je gesehen habe. Ansonsten stirbt auch hier offensichtlich die Innenstadt – fast alles ist auf ewig geschlossen. Das kleine Viertel mit den dutzenden Snack-Kaschemmen scheint sich dem entgegenzustemmen, aber auch von denen haben etliche schon aufgegeben. Oh, Niigata!

Naoetsu: Waschmaschinen-Direkteinleitung. Das Meer ist ja nicht weit.

Naoetsu: Waschmaschinen-Direkteinleitung. Das Meer ist ja nicht weit.

Noch eine Stunde geht es dann weiter mit dem Zug, Richtung Nagano, aber der Zielbahnhof liegt auf halber Strecke. Er heisst 妙高高原 Myōkō-Kōgen (Kōgen = Plateau). Ein Wintersportort unterhalb des markanten, rund 2’500 Meter hohen Myōkō-Berges. Das ganze erinnert an ein Wintersportort in der Schweiz, nur etwas heruntergekommener, denn auch hier sind die Besucherzahlen ganz offensichtlich während der letzten Jahrzehnte erheblich gesunken. Mein Hotel ist klein und ein Familienbetrieb – die Besitzer sind sehr freundlich, und zum Abend gibt es unter anderem – wer hätte das gedacht – rohen Fisch.

Die Bergwelt  von Niigata

Die Bergwelt von Niigata

Und der Blick Richtung Nagano...

Und der Blick Richtung Nagano…

Am nächsten Tag sollte es eigentlich den ganzen Tag regnen, aber ich habe Glück. Ich laufe ein paar hundert Meter, denn ich will mit einer Seilbahn auf 1’200 Meter Höhe fahren. Plötzlich hält ein Auto – nicht aus der Gegend – an, und die Beifahrerin fragt mich, wo ich hinmöchte. Die Frage ist berechtigt, denn der Bahnhof ist rund 5 km entfernt. Ich bin gerührt und bedanke mich herzlichst, aber ich bin auch dickköpfig und will erst Seilbahn fahren. Danach werde ich dann erwartungsgemäß mit einem 5 km Fußmarsch belohnt, aber das war sehr gut zeitlich abgestimmt. Kaum hatte ich den Bahnhof erreicht, fing es an, in Strömen zu regnen.

Etwas kamerascheu: Der Myōkō-Berg

Etwas kamerascheu: Der Myōkō-Berg

Am Bahnhof spricht mich plötzlich ein sehr alter, adrett aussehender Mann an. Richtig, ihn hatte ich erst am Vortag im gleichen Hotel gesehen. Er spricht recht gut Englisch und sagt, er ist ursprünglich Chemiker, und er hatte im Hotel von der Angestellten (mit der ich mich lang und breit am Abend an der Hotelbar unterhalten hatte) gehört, dass ich Geograph sei, und er hätte da gern meine Meinung zu einem Thema. Es ging ihm um die ideale Endlagerstätte für atomaren Müll, denn er müsse bald darüber einen Vortrag halten. Die Unterhaltung sollte eine geschlagene Stunde – bis Nagano – dauern. Im Laufe der Fahrt stellte sich heraus, dass er emeritierter Professor der Tokyo University (kurz: Tōdai, DIE Eliteuniversität Japans) ist. Die Diskussion war recht interessant – ich war lediglich etwas enttäuscht, als er mir zum Ende erklärte, dass jetzt Obon-Ferien sind und deshalb die Züge so voll sind. Und das, nachdem ich ihm erzählte, dass ich nunmehr seit 10 Jahren in Japan lebe. Und ihm etliche geologische Sachverhalte auf Japanisch erklärte, da er die englischen Fachbegriffe nicht kannte. Das schien ihm vom Automatismus „Ausländer = über Japan vollkommen unaufgeklärtes Wesen“ nicht abzuhalten.

So auch noch nicht gesehen: Goldfische (und Karpfen) zwischen den Bahngleisen

So auch noch nicht gesehen: Goldfische (und Karpfen) zwischen den Bahngleisen

Und das war sie auch schon – die dreitägige Kreuz-und-quer-Tour. Wie immer viel zu kurz, aber besser als gar nichts. Fazit über die Insel Sado: Ein sehr schönes, abgelegenes, wildes Reiseziel. Aber ohne eigenes Vehikel (die Insel ist ein Paradies für Rad-, Krad- und Autofahrer) ist es ziemlich schwer, herumzukommen.

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