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Vergessen und dennoch da: Erhöhte Radioaktivität bei Tokyo

Juni 14th, 2017 | Tagged , | 2 Kommentare | 891 mal gelesen

Man hat in den letzten zwei, drei Jahren eigentlich kaum noch etwas darüber gehört oder gelesen, aber das bedeutet natürlich nicht, dass das Problem damit alleine verschwindet: Erhöhte Strahlenwerte, und zwar nicht nur in der unmittelbaren Umgebung des Reaktors in Fukushima, sondern auch in und um Tokyo. Nach dem Nuklearunfall gab es ja auch in Tokyo sehr unterschiedlich verteilte Strahlenwerte, wobei vor allem sogenannte „Hotspots“ in der Nachbarpräfektur Chiba auffielen, allen voran in den Städten Abiko, Kashiwa, aber auch in Urayasu.

Heute wurde bekanntgegeben, dass man an insgesamt 5 staatlichen Oberschulen im Stadtbereich von Kashiwa Strahlenwerte gemessen hat, die das gesetzlich erlaubte Limit von 0,23 Mikrosievert pro Stunde übersteigen. Und zwar teilweise deutlich – der höchste Wert lag bei über 0,7 μSv/h¹. Zwar wurde betont, dass die erhöhten Werte an Stellen gemessen wurden, wo normalerweise keiner hingeht (Abflußrinnen und dergleichen), aber gerade bei Schulen gibt es bekanntermaßen nur wenige Stellen, wo wirklich keiner hingeht.

Die Nachrichten kann man von einer positiven und einer negativen Seite sehen. Die negative Seite dürfte klar sein: Das Problem erhöhter Radioaktivität bleibt, allen Beteuerungen seitens der Politiker zum Trotz, bestehen. Und das wird noch sehr lange der Fall sein. Die positive Nachricht ist jedoch, dass das Monitoring zu funktionieren scheint – und das auf staatlicher und privater Seite. Die oben genannten Erkenntnisse stammen aus Messungen von staatlicher Seite. Aber in Kashiwa zum Beispiel gibt es auch Bürgermessungen, bei denen Freiwillige mit Geigerzählern vorgeschriebene Bereiche abgehen und dort – in einem Meter Höhe – mobile Messungen vornehmen. Diese werden dann auf einer Webseite veröffentlicht².

Dabei ist es interessant, zu sehen, wie sich die Lage verändert. Auf den folgenden Karten werden die Messergebnisse bei Begehungen der Bahnhofsgegend von Kashiwa dargestellt. Grüne Punkte bedeuten Werte von 0,1μSv/h und darunter; blau bedeutet 0,1 μSv/h bis 0,23 μSv/h (Quelle: Siehe ²):

Radioaktivität rund um den Bahnhof Kashiwa im Mai 2013

Radioaktivität rund um den Bahnhof Kashiwa im Mai 2014

Radioaktivität rund um den Bahnhof Kashiwa im Mai 204

Radioaktivität rund um den Bahnhof Kashiwa im Mai 2015

Radioaktivität rund um den Bahnhof Kashiwa im Mai 2015

Radioaktivität rund um den Bahnhof Kashiwa im Mai 2016

Radioaktivität rund um den Bahnhof Kashiwa im Mai 2016

Radioaktivität rund um den Bahnhof Kashiwa im Mai 2017

Radioaktivität rund um den Bahnhof Kashiwa im Mai 2017

Der Trend ist deutlich erkennbar — aber man darf nicht vergessen, dass hier in einem Meter Höhe, entlang gut befahrener (und gereinigter) Straßen gemessen wird. In direkter Bodenhöhe oder an Orten, wo sich Abwasser sammelt, sieht die Lage wieder ganz anders aus.

¹ Siehe Nachrichten von gestern und heute hier (Japanisch) und hier (Englisch).
² Siehe zum Beispiel hier.

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Minister wirft Reporter raus: Imamura’s Wutausbruch

April 6th, 2017 | Tagged , , | 10 Kommentare | 857 mal gelesen

Sperrzone in Fukushima. Kariert: Sperrung Ende März 2017 aufgehoben.

Sperrzone in Fukushima. Kariert: Sperrung Ende März 2017 aufgehoben.¹

Am 4. April kam es bei einer Pressekonferenz des Kabinetts zu einem handfesten Eklat: Masahiro Imamura, Minister für den Wiederaufbau von Katastrophengebieten, legte dort seine Ansicht zu den Fukushima-Flüchtlingen vor. Der Hintergrund: Die Regierung gibt immer mehr Gebiete rund um den verunglückten Atommeiler von Fukushima für die Bewohner frei, doch da gibt es massive Probleme. Sicher, man hat viel Energie in die Dekontamination der verstrahlten Gegend gesteckt, doch das bedeutet noch lange nicht, dass wirklich jede Ecke vollends dekontaminiert ist. Bewohner, die besagte Zonen nach der Nuklearkatastrophe verlassen mussten, da die Gebiete komplett gesperrt wurden, erhielten finanzielle und andere Unterstützung vom Staat, doch indem man die Bereiche wieder für bewohnbar erklärt, kann der Staat sich jetzt natürlich aus der Verantwortung zurückziehen und die Gelder streichen.
Die ehemaligen Bewohner lassen sich da in zwei größere Gruppen einteilen: Diejenigen, und das sind meist die älteren Semester, die einfach nur zurück wollen, und diejenigen, denen das ganze (zu recht, wohlgemerkt) nicht ganz geheuer ist. Zwar wollen sie zurück, aber das Risiko erscheint vielen dann doch für zu groß, zumal Messungen vor Ort ergeben, dass es an diversen Ecken und Enden doch noch ganz gehörig strahlt. Diese Bewohner werden in Japan als 自主避難者 jishu hinansha – freiwillig Evakuierte bezeichnet, und bis zum März erhielten sie zum Beispiel Mietzulagen. Momentan gibt es noch geschätzte 77’000 Fukushima-Evakuierte, und mehr als die Hälfte von ihnen will – momentan zumindest – nicht zurück¹.

Um eben jene Gruppe ging es bei der Pressekonferenz am Dienstag. Ein Reporter wollte wissen, ob die Bewohner, die nicht zurückkehren wollen, nun komplett auf sich allein gestellt sind. Die blumigen Antworten waren dem Reporter nicht genug – er tat das, was ein guter Reporter macht, und bohrte unentwegt nach. Bis irgendwann von Imamura die glasklare Antwort kam, dass er denke, dass besagte Bewohner von nun an komplett selbst für sich verantwortlich sein sollten. Schließlich sei es ja ihre Entscheidung, noch immer nicht zurückzukehren. Der resistente Reporter traf dabei jedoch einen Nerv: Letztendlich schrie der Minister ihn an, er solle die Klappe halten und den Raum verlassen (die kühle Antwort des Reporters: Das werde ich nicht tun).

Natürlich wurden nun Rufe nach der Entlassung des Ministers laut, aber Abe hält an ihm fest. Und Imamura bot sogar an, sich bei dem Reporter zu entschuldigen, „… falls es nötig sei“.

Das Verhalten des Ministers gegenüber der Presse hin oder her — die Strategie der Regierung, die Sperrzonen rund um Fukushima bereits jetzt aufzuheben, so zu tun als ob nichts gewesen wäre, und die Bewohner mit der finanziellen Daumenschraube quasi zur Heimkehr zu drängen, ist schon ein starkes Stück Tobak.

¹ Siehe unter anderem hier (offizielle Zahlen der Präfektur Fukushima)

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Fukushima – Stümperei Teil 4721

Februar 25th, 2014 | Tagged , | 13 Kommentare | 3746 mal gelesen

Man sollte meinen, dass die Menschen aus Schaden klug werden. Und Firmen mit ihren zahlreichen Stakeholdern sowieso. Dem ist leider nicht so, wie TEPCO beinahe täglich aufs Neue beweist. Heute ist bekannt geworden, dass am 19. Februar rund 100 Tonnen hoch radioaktiv verseuchtes Wasser in die Umwelt ausgetreten ist. Das ist, so traurig es ist, allein keine Nachricht mehr wert, denn das notdürftig zusammengezimmerte Gebilde vor Ort leckt an allen Ecken und Enden. Der Unfallhergang jedoch zeigt aufs Neue, was dort vor Ort passiert – beziehungsweise nicht passiert.

TEPCO hat am explodierten Kraftwerk ja hunderte große Wassertanks aufgestellt, die das zum Kühlen der teils freiliegenden Brennstäben benutzte Wasser speichern sollen, bis… ja bis wann eigentlich. Die Behälter haben immerhin Melder installiert, die anspringen, wenn das Fass voll ist. So auch am 19. Februar: Der Sensor meldete sich geräuschvoll, und der TEPCO-Mitarbeiter des Vertrauens lief zum Tank und schaute nach, ob etwas ausläuft. Lief aber nicht, denn der Tank war zu dem Zeitpunkt „nur“ zu 98,9% voll¹. Also ging der Mitarbeiter von einem Fehlalarm aus und trollte sich. Kurze Zeit später begann der Tank überzulaufen, und das merkte man erst viele Stunden später. Dem Unfall ging ein weiterer voraus: Normalerweise befüllen drei Leitungen einen Tank, wobei ein Ventil geschlossen sein soll. Durch menschliches Versagen waren in diesem Fall jedoch alle drei Ventile geöffnet.

Das ganze wirft mal wieder die üblichen Fragen auf, die man nun schon seit fast drei Jahren täglich stellen möchte:

  1. Wer arbeitet da eigentlich? Offensichtlich jedenfalls keine qualifizierten Mitarbeiter.
  2. Wer überwacht, was dort vonstatten geht? Offensichtlich fehlt es an Krisenmanagement.
  3. Begreifen die Verantwortlichen eigentlich den Ernst der Lage?
  4. Fühlt sich überhaupt jemand verantwortlich?
  5. Wieso denkt man, dass es eine gute Idee sein, Sensoren zu benutzen, die sich erst melden, wenn es zu spät ist?
  6. Was wäre passiert, wenn es geregnet hätte? Wie hätte man überprüft, ob der Tank überläuft?

und so weiter. Alles Fragen, die dem menschlichen Verstand eigentlich widersprechen. Es ist noch immer schwer begreifbar, was dort eigentlich geschieht. Das ist kein Grund, in Panik zu verfallen – aber es ist ein Grund, sich noch immer Sorgen zu machen. Fast drei Jahre – und man ist weit, sehr weit davon entfernt, dass Problem halbwegs im Griff zu haben.

¹Siehe unter anderem hier

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Neu und sicherlich nur in Japan: Handy mit Geigerzähler

August 30th, 2012 | Tagged , | 6 Kommentare | 1354 mal gelesen

Handy mit Geigerzähler von Sharp. Quelle: Softbank Webseite

Mit gut anderthalb Jahren Verspätung kommt es, aber trotzdem wird es nicht zu spät sein: Softbank, einer der drei Mobilfunkbetreiber in Japan, wirft ein neues Smartphone auf dem Markt – das PANTONE® 5 107SH von Sharp. Der Clou an dem Gerät: Es kann auch Geiger zählen. Ein Druck auf den Knopf, und schon geht es los. Es kann laut Hersteller γ-Strahlen messen und benutzt Cäsium 137 (137Cs) als Richtwert. Die Meßspanne liegt zwischen 0.05 und 9.99 Mikrosievert (siehe Produktbeschreibung bei Softbank). Da das Handy natürlich auch über GPS verfügt, kann man damit prima Feldmessungen durchführen. Es dauert allerdings rund 2 Minuten, bis man ein brauchbares Ergebnis erhält. Spritzwasserfest ist es auch, und unbestätigten Gerüchten zufolge soll man damit sogar telefonieren können.

Die Hauptereignisse um die Katastrophe im AKW Fukushima 1 liegen nun schon mehr als 17 Monate zurück. In der Gegend um Tokyo scheint die Radioaktivität in Bodennähe abgenommen zu haben, aber sie ist natürlich noch da und wird sich hauptsächlich entlang von Flüssen akkumulieren, um schliesslich in die Bucht von Tokyo zu gelangen. Für die Bewohner des Ostteils der Präfektur Fukushima ist dieses Handy jedoch nachwievor sinnvoll und wird sicherlich gut angenommen werden. Der Preis tut sein übriges – das Handy kostet gerade mal  23,520 Yen, also gute 200 Euro.

Mittlerweilen kann man sich übrigens sogar bei Tsutaya, der größten Videoverleihkette Japans, kostenlos (für einen Tag) Geigerzähler auswählen. Sicher nicht in jeder Filiale, aber immerhin.

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Geigergezähltes: Strahlungswerte selbst gemessen

Januar 10th, 2012 | Tagged , , | 12 Kommentare | 22461 mal gelesen

Geigerzähler in der Wohnung: Nochmal Glück gehabt?

Bloggerkollege Coolio erwähnte neulich in diesem Beitrag, dass es momentan recht günstig ist, an Geigerzähler heranzukommen: Findige Unternehmer haben grosse Mengen der Geräte nach Japan importiert, waren damit aber offensichtlich etwas spät dran: Die Nachfrage ist nicht mehr da. Und so werden zum Beispiel hier bei Amazon handliche Geigerzähler aus Rußland vertickt – für 13,800 Yen statt den ursprünglichen 69,800 Yen. Gute 100 Euro für einen Geigerzähler? Da konnte ich schlecht nein sagen. Gesagt, getan – zwei Tage später hielt ich das kleine, leichte Gerät in den Händen.

Will ich wirklich wissen, wie hoch die Strahlung bei uns ist? Jetzt, wo scheinbar alle Messen schon gesungen sind? Aber sicher doch. Ich will letzten Endes nicht wissen, was irgendwer irgendwann in der Nähe gemessen hat, sondern wie es direkt bei uns aussieht – in der Wohnung zum Beispiel, oder vor dem Haus. Zumal unsere Stadt ja auch als Hotspot bezeichnet wird – wenn auch mit geringeren Werten als anderswo in der Gegend.

Die Messergebnisse überraschen nicht – das ist die gute Nachricht. Je nachdem, in welche Richtung das Gerät zeigt und wo ich es hinlege, messe ich zwischen 0.07 und 0.14 Mikrosievert pro Stunde. Das ist relativ normal. In den Parks unserer Stadt messe ich im Schnitt 0.2 Mikrosievert – in manchen ca. 0.12, in anderen bis über 0.3 Mikrosievert, je nachdem, wo ich messe. Die Werte im bzw. beim Kindergarten unserer Tochter liegen um die 0.15 Mikrosievert in Bodennähe und etwas niedriger in 1 Meter Höhe. Wo ich auch messe – die Anzeige ist im grünen Bereich, das Gerät sagt „Normal Radiation Background“.

Nicht mehr im grünen Bereich: Strahlung im Park

Eine weitere Messung dann heute: Es ging zum 若潮公園 – Wakashio-Park, dem beliebtesten Park bei uns im Stadtzentrum. Dort gibt es einen Verkehrsgarten (seit dem Beben wegen Baufälligkeit gesperrt) und ein zweistöckiges Haus, darin zahlreiche Einrichtungen, wo sich die lieben kleinen austoben können. Vor ein paar Wochen war der Park kurz im Gespräch, da dort an einem defekten Fallrohr sehr hohe Strahlung gemessen wurde. Angeblich wurde das Fallrohr ausgetauscht und die kontaminierte Erde rundherum abgetragen. Kurzer Test heute – Gerät an eine der Regenrinnen in Bodenhöhe gehalten, und siehe da: Anzeige wird gelb: „High radiation background“, 0.51 Mikrosievert. Ohne gross zu suchen, wohlgemerkt: Ich habe nur dort gemessen.

Fazit: Die Ergebnisse, wie sie in den Medien hier kursieren, kann ich vorerst nur bestätigen: Leicht erhöhte (aber nach allgemeiner Meinung unbedenkliche) Strahlenwerte ausserhalb, aber hier und da Punkte mit erhöhter bis stark erhöhter Strahlung. Erfahrungsgemäß sind dies dummerweise die Punkte, die von kleinen Kindern bevorzugt werden. Es ist sicherlich nicht verkehrt, zu wissen, wo diese Punkte sind.

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Ist Tokyo nun verstrahlt? Oder nicht? Eine Bestandsanalyse

Oktober 17th, 2011 | Tagged , , , , | 10 Kommentare | 3239 mal gelesen

In der vergangenen Woche schreckte eine Meldung zahlreiche Hauptstädter – sowie zahlreiche deutsch- und englischsprachige Blogger und ausländische Medien auf: In 世田谷区 Setagaya-ku, einem relativ zentral gelegenen und vergleichsweise gehobenen Distrikt von Tokyo, wurde an einem alten, zerfallenen Holzhaus eine Strahlenbelastung gefunden, die über der von Iitate liegt. Iitate gilt als einer der verstrahltesten Orte Japans und liegt in der Präfektur Fukushima.

Genauer gesagt fanden Privatpersonen bei einer Messung in Setagaya-ku einen Wert von 2.7 Mikrosievert vor (offizielle Meldung hier, Japanisch). In Iitate misst man momentan (im Schnitt) 2 Mikrosievert. Das sind aufs Jahr gerechnet 23.6 Millisievert. Die Internationale Atomenergiebehörde und zahlreiche andere internationale Behörden empfehlen für Normalsterbliche eine jährliche Dosis von maximal 1 Millisievert (siehe unter anderem hier, Englisch); andere Behörden und Organisationen wiederum gehen von 20 Millisievert pro Jahr als absolut unbedenkliche Menge aus. In Japan gilt der Grenzwert 1 mSv, obwohl man den Wert auf 20 mSv für Teile der Präfektur Fukushima erhöhen wollte bzw. teilweise wohl hat.

Vielleicht mag sich der eine oder andere gewundert haben, warum mir die obige Schlagzeile keinen Beitrag wert war. Nun: Das Ganze roch etwas nach Fisch. Warum? Der Wert erschien mir doch etwas zu hoch. Denn: Seit Monaten misst nicht nur die Regierung. Gottseidank. Mehr und mehr Privatpersonen und Organisationen ziehen mit Geigerzählern durch die Hauptstadtregion und teilen gern ihre Messwerte dem interessierten und besorgten Mitmenschen mit. Das ist gut, lobenswert und sehr wichtig. Und gleichzeitig ein Novum – noch nie haben die Bürger ihrer Regierung so stark misstraut.

Wäre der in Setagaya gemessene Wert nun die Regel, wäre dies auf jeden Fall eher und aus mehreren Ecken publik geworden. Die Medien griffen den Ausreisser gern auf, zumal ein Schulweg an dem besagten Haus vorbeiführt. Die lokalen Behörden nahmen das Haus unter die Lupe – und fanden dort in einem schmalen geheimfach-ähnlichen Hohlraum eine Kiste mit Ampullen. Darin: Radium. Jenes wurde bis in die 1950er unter anderem in Japan häufig verwendet: Zum Beispiel, um die Zeiger in Uhren im Dunkeln leuchten zu lassen. Nun – die Ampullen schienen aus der Zeit zu stammen. Sie wurden entfernt, und jetzt misst man am gleichen Ort weniger als 0.01 Mikrosievert. Das entspricht anderen Messungen.

„Foul!“ erschallte es sodann aus allerlei Ecken. „Das riecht ja nach Vertuschung – das stinkt doch irgendwie!“. Nun gut. An dieser Stelle mal die notwendige „What if“- Frage: „Was, wenn dort wirklich jemand Flaschen mit Radium hortete – und die über Jahrzehnte dort lagerten und vergessen wurden?“ Ausgeschlossen? Nein. Es ist einfach logisch, dass solche Dinge jetzt ans Licht kommen: Wer ist vor März 2011 schon mit einem Geigerzähler durch Tokyo gerannt? Grund zur Panik oder zur sofortigen Bemühung althergebrachter Verschwörungstheorien? Nein.

Oder? Andere Messung: In der vergangenen Woche wurden in Yokohama an zwei Orten hohe (bzw. relativ hohe) Strontiumkonzentrationen gefunden. Brisant ist daran, dass Strontium zum ersten Mal soweit entfernt von Fukushima gemessen wurde. Und: Strontium ist besonders gefährlich, da es vom Körper anstelle von Kalzium aufgenommen und in Knochengewebe eingebaut wird, um dort später Knochen- und andere Krebsarten auszulösen. Nun lag die maximal gemessene Konzentration in Yokohama bei 195 Becquerel / Kilogramm (Originalmeldung siehe hier), aber es wurde auch noch nicht flächendeckend gemessen. Die Konzentration ist relativ gering, aber es ist nicht mehr zu leugnen: Strontium gibt es nun auch in der Hauptstadtregion.

Das allgemeine Verständnis lautet dieser Tage so:

  • Die Strahlenbelastung in der Luft liegt auf einem (nahezu) natürlichen bzw. vernachlässigbar erhöhten Level
  • Trinkwasser in der Hauptstadtregion ist sicher (unter Nachweisgrenze)
  • Gemüse, Fleisch, Fisch usw: Streckenweise belastet. Leider ist es schwer einzugrenzen – vor allem bei Fleisch und Milchprodukten, da man nicht weiss, wo was verfüttert wurde. Wer bei Meereserzeugnissen auf Nummer sicher gehen möchte, kauft nur, was in Westjapan (Japanisches Meer) oder im Ausland gefangen wurde (jedoch: norwegischer Lachs ist dank englischer AKW auch belastet usw.). Wer bei Gemüse auf Nummer sicher gehen möchte, vermeidet Gemüse aus Fukushima, Miyagi, Saitama, Ibaraki, Tokyo, Chiba, Shizuoka, Yamagata, Niigata und Nagano, wobei jedoch Chiba, Shizuoka, Nagano und Niigata mittlerweilen als unbelasted gelten
  • Wer Kinder hat und in der Hauptstadtregion lebt, vermeidet altes Laub, den Zwischenraum zwischen Häusern, die Gegend um Gullydeckel und eigentlich alle Stellen, an denen sich leicht Regenwasser sammelt.

Zum letzten Punkt muss jedoch folgendes gesagt werden: Die Werte sind bei weitem zu gering, um äussere Strahlenschäden zu bewirken. Es geht hier um die innere Strahlenbelastung ((体)内被曝 – (tai)naihibaku). Eltern sollten deswegen vorsichtshalber sichergehen, dass Kinder nicht auf irgendeine Art und Weise Schmutz aus diesen Bereichen aufnehmen – zum Beispiel, indem sie dort spielen und dann an ihren Fingern lecken usw. Kurzum: Nicht im Laub oder rund um Wassergräben, Gullydeckeln usw. spielen lassen.

Wie geht es weiter?
Es wird noch einiges ans Licht kommen. Die erhöhten Konzentrationen im Grossraum Tokyo werden mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit gegen Mitte 2012 nahezu verschwunden (ausgewaschen) sein – so war es auch in Bayern ein Jahr nach Tschernobyl. Das Auswaschen radioaktiver Partikel wird jedoch noch auf lange Sicht Probleme im Wasserkreislauf verursachen.

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Rettet Minami-Sōma

August 3rd, 2011 | Tagged , , | 13 Kommentare | 1754 mal gelesen

Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich einmal erwähnt, einen Teil meines einwöchigen Sommerurlaubs damit verbringen zu wollen, irgendwas Gutes im Nordosten von Japan zu tun. Egal was. Nun, ich habe etwas gefunden, und da ich die Aktion für sehr sinnvoll halte, möchte ich sie an dieser Stelle etwas näher vorstellen.

Lage von Minami-Sōma

Lage von Minami-Sōma

Bei dem ausschliesslich von Freiwilligen (Ausländern und Japanern) geführten Projekt geht es darum, den Bewohnern der Stadt Minami-Sōma zu helfen. Über die prekäre Lage dort hatte ich hier schon einmal kurz berichtet.
Die Stadt liegt an der Nordostküste der Präfektur Fukushima und ist eigentlich mehr ein Zusammenschluss zahlreicher Dörfer. Die Ortschaften entlang der Küste wurden vom Tsunami stark zerstört – zur Erinnerung: Der Tsunami war am etwas weiter südlich gelegenen AKW rund 14 m hoch. Womit wir beim zweiten Problem der Stadt sind: Fukushima I liegt nur rund 30 km entfernt. Der Südteil der Stadt liegt mittlerweilen in der Sperrzone und darf nicht betreten werden. Zwar scheint laut bisher bekanntgewordenen Messwerten die Verstrahlung nicht so hoch zu sein wie in der Ortschaft Iitate westlich von Minami-Sōma, aber die Werte sind freilich deutlich über normalen Verhältnissen.
Damit befindet sich die Gemeinde leider in einer Grauzone. Viele Einwohner harren aus, da kein Evakuierungsbefehl vorliegt und sie nicht wissen, wo sie hinsollen. Jedoch können bzw. sollen sich die Bewohner nicht selbst versorgen, da Obst, Gemüse und Fleisch usw. zu stark kontaminiert sind. Auf dem Markt dürfen die Leute natürlich auch nicht mehr verkaufen, doch bis auf Landwirtschaft gibt es nicht viel in der Gegend.
Die Idee dieser Hilfsorganisation ist es nun also, mit Spendengeldern unbelastete Lebensmittel, vor allem frische Esswaren, günstig aufzutreiben und anschliessend mit gemieteten und/oder privaten Fahrzeugen nach Minami-Sōma zu bringen und dort an Anwohner und Flüchtlinge (aus der Sperrzone) zu verteilen. Japanische freiwillige Helfer aus der Stadt helfen bei der Verteilung.
Die Touren finden momentan alle zwei Wochen statt (so genug Spenden gesammelt werden konnten) und sehen so aus: Ein Tross aus mehreren Fahrzeugen und ca. 10 Freiwilligen versammelt sich Freitag abends in Tokyo, lädt die Sachen auf und fährt in der Nacht nach Minami-Sōma – man muss wegen des AKW’s und der Sperrzone einen grossen Bogen machen und von Norden hereinfahren. Nach der Ankunft werden tagsüber die Güter verteilt. Am Nachmittag geht es schliesslich wieder zurück nach Tokyo.

Diese Aktion ist auf lange Zeit ausgelegt – zumindest solange, wie Minami-Sōma nicht doch gänzlich zur Sperrzone erklärt wird.
Ich habe erstmal zugesagt, bei der Tour am 12/13. August mitzuhelfen – quasi gleich nach der Arbeit.

Wer dieses Projekt in irgendeiner Art und Weise unterstützen möchte, kann das wie folgt tun
– als Freiwilliger mitfahren (bitte bei mir melden)
– Kontakte zu Bauern oder Händlern herstellen, die bereit sind, frische Lebensmittel zu gemeinnützigen Preisen abzutreten (bitte bei mir melden)
– Spenden. Das Geld wird für den Erwerb der Lebensmittel, Diesel usw. gebraucht. Wer an dieser Art der Unterstützung Interesse hat, kann Spenden an mein PayPal-Konto überweisen (als Überweisungszweck bitte „Minami-Soma“ angeben – die Spenden werden dann umgehend weitergeleitet):

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Wenn es auf den regnet, der schon nass ist

August 2nd, 2011 | Tagged , , , , | 13 Kommentare | 1480 mal gelesen

Wer momentan an der Beweisführung für den sogenannten Matthäus-Effekt arbeitet, kann mit Sicherheit in Japan fündig werden. Dieses Jahr wird wohl mit einigen Rekorden in die Annalen eingehen. Das schwere Erdbeben am 11. März mit dem nachfolgenden Tsunami war da erst der Anfang, aber Japan hat ja noch weit mehr als das zu bieten. Taifune und Starkregenereignisse zum Beispiel. Ein starker Taifun richtete erst in der vergangenen Woche grosse Schäden in Westjapan an. Vom 26. bis 30. Juli war dann die Präfektur Niigata und der Westen von Fukushima (das AKW Fukushima I steht im Osten) dran: Drei Tage regnete es dort ununterbrochen, an einigen Orten bis zu 400 mm pro Tag. Ganze Landstriche und Ortschaften standen und stehen unter Wasser, 4 Menschen kamen bisher ums Leben und ein Teil der Infrastruktur hat stark gelitten. Rund 400’000 Menschen wurde die Evakuierung angeordnet – darunter sind auch tausende Menschen, die bereits als Flüchtlinge behelfsmässig untergebracht waren.
Da vergisst man doch glatt die Erdbeben. Vorgestern nacht um 4 Uhr morgens gab es erst ein Beben der Stärke 6.4, quasi gleich in der Nähe des AKW, und in weiten Teilen Chibas und Tokyos mit der Stärke 3 nach der japanischen Skala deutlich spürbar. Vor einer Stunde bebte es dann westlich der Izu-Halbinsel, Stärke 6.1; auch das war in Tokyo und Chiba mit Stärke 3 stark spürbar.
Zum Glück gibt es noch andere Sprichwörter. Zum Beispiel „Es kann ja nicht immer regnen“. Oder?

Gestern gab es in der Sendung „Mr. サンデー“ (Mr. Sunday – in etwa vergleichbar mit Spiegel TV, so es das noch gibt) einen interessanten Beitrag über die Wahrnehmung von Radioaktivität in Japan. Man verglich dabei die heutigen Werte in den sogenannten Hotspots (also Orten, in denen die Radioaktivität nach dem AKW-Unglück von Fukushima 1 deutlich zunahm) und anderen Orten weltweit, wie etwa Rom. Da war zwar nicht allzu viel Neues dabei, aber die Hintergrundinformationen über die Strahlenbelastungsgrenze in Japan (zur Zeit 20 Millisievert pro Jahr) waren recht interessant: Dazu sprach unter anderem der Chef der Internationale Strahlenschutzkommission, der nur lapidar meinte, dass Japan den untersten Grenzwert gewählt hat und alles unter 100 Millisievert pro Jahr eine „blackbox“ ist – man weiss nicht, ob eine Belastung unter 100 Millisievert etwas ausmacht. Die Empfehlungen der Strahlenschutzkommission (PDF, deutsch) lesen sich nicht ganz so zuversichtlich, aber die Diskussion um die Werte zeigt eins: Nicht nur die Reaktoren sind überhitzt, sondern auch die Gemüter: Die Regierung meint, da ist doch noch Platz mit den Grenzwerten, während einige Verbände erbost einen Grenzwert von 1 Millisievert / Jahr fordern.

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Ist Japan sicher?

Juli 20th, 2011 | Tagged , , , | 17 Kommentare | 7989 mal gelesen

Als Reaktion auf den letzten Blogbeitrag, der unter anderem den Skandal um den Umlauf von radioaktiv belastetem Rindfleisch in Japan aufgriff, gab es ein paar Kommentare sowie persönliche Nachrichten besorgter Japan-Aspiranten, die sich Sorgen machen, ob Japan sicher ist oder nicht – vor allem in punkto Lebensmittel. Um weiteren Anfragen vorwegzugreifen, nun also ein eigener Eintrag dazu, den ich mehr als Denkanstoss denn als Ratgeber verstanden haben möchte – zur Erinnerung, der Verfasser dieses Blogs ist im Gegensatz zu vielen Millionen Deutschen kein Experte in Sachen Nuklearphysik und Ökotrophologie.
Ist Japan also sicher? Die Frage ist schlichtweg nicht mit ja oder nein beantwortbar. Also versuche ich mal, logische Schlüsse aus den vorhandenen Fakten zu ziehen.

Die Ausgangslage
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1. Vier Reaktoren im AKW Fukushima 1 wurden durch den Tsunami am 11. März 2011 stark zerstört. Dabei wurde eine erhebliche Menge radioaktiver Substanzen a) in die Luft und b) ins Meer freigesetzt.

2) Wie man bereits an Tschernobyl erkannt hat, breiten sich Strahlung sowie kontaminierte Substanzen nicht konzentrisch aus. Sprich, 1’000 km entfernt zu wohnen bedeutet nicht zwangsläufig, das man sicherer ist als jemand in 50 km Entfernung. Das Ausmass der Kontamination hängt stark von äußeren Faktoren wie Höhe der Explosionswolke, Windstärke und -richtung, Niederschlagssituation, Meeresströmung, Tidenhub, Länge und Konzentration der Einleitung kontaminierter Substanzen usw. usf. ab.

Folgen
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Kurz nach dem Beginn der Reaktorprobleme gab es einen deutlichen Anstieg der Konzentration radioaktiven Jods, später auch Cäsiums in der nahen bis weiteren, sowie einen Anstieg von Strontium und Plutonium (möglicherweise!?) in der näheren Umgebung. Diese Substanzen verdünnen sich an den einen Stellen und konzentrieren sich an anderen Stellen., mit teilweise schwer vorhersagbaren Verteilungsmustern.

Das Problem
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1) Information. Entweder man hat das Gefühl, die Informationen reichen nicht, oder sie werden zu spät weitergeleitet. Hinzu kommt ein grosses Misstrauen gegenüber öffentlichen Quellen sowie eine ganze Reihe von Fehlinformationen aus teilweise zweifelhaften Quellen.

2) Das Ausmass. Die Ausmasse der Reaktorkatastrophe, zudem noch gepaart mit einem gewaltigen Erdbeben und einem ebenfalls gewaltigem Tsunami, einhergehend mit massiven Strom- und anderen Versorgungsengpässen, verschärft die Lage zusätzlich.

3) Kapazitäten. Natürlich hat auch Japan Labore und mobile Messgeräte, doch das Ausmass der Katastrophe übertrifft die schlimmsten Befürchtungen. Es mangelt schlichtweg an Laborkapazität, um alle Lebensmittel und alle Winkel der betroffenen Regionen sofort und allumfassend zu überwachen.

4) Sturheit und Unwissenheit. Nein, das ist keine japanische Eigenart. Der Verkauf von belastetem Rindfleisch ist teilweise auf die Sturheit einiger Viehzüchter zurückzuführen (erwiesenermassen) – die falsche Angaben zum Futter machten, in der Hoffung, ihre Tiere trotzdem verkaufen zu können. Unwissenheit hingegen seitens der Behörden zum Beispiel, die scheinbar nicht ahnen, wie der Nahrungsmittelkreislauf funktioniert.

Die jetzige Lage
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Noch immer können nicht alle Lebensmittel getestet werden. Es werden nur Stichproben genommen. Gibt es eine erkennbare Häufung von Grenzwertüberschreitungen in einem eingrenzbaren Gebiet, wird eine Auslieferungsbeschränkung angeordnet (出荷制限 shukka seigen). Teilweise geschieht diese Beschränkung jedoch auf Freiwilligenbasis – die Landwirte werden in dem Fall lediglich „gebeten“, Lieferungen auszusetzen.

Kann ich mich in Japan schützen?
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Wer Japanisch kann, kann versuchen sich zu schützen, denn das Herkunftsgebiet bei Obst, Gemüse und Fleisch ist in der Regel ausgezeichnet. Jedoch nur auf Japanisch. Völlige Sicherheit kann auch diese Massnahme nicht bieten – vor allem bei bereits verarbeiteten Lebensmitteln ist es schwer, an Informationen zu kommen.
Bei Restaurants und dergleichen kann man sich nur sehr bedingt schützen – klar man nachfragen, woher die Zutaten stammen, und gerade bei feinem Rindfleisch ist die Herkunft wichtig und wird in der Regel dazugeschrieben, aber bei Meeresgetier und Gemüse wird es schon schwieriger.

Ist Japan unsicher in Punkto Lebensmittel?
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Nun, sicher unsicherer als vor der nuklearen Katastrophe, denn radioaktive Verseuchung kommt als potentielle Gefahr hinzu. Man sollte beim ganzen Bashing jedoch eins nicht vergessen: Die Tatsache, dass grenzwertüberschreitende Lebensmittel wichtige Themen in den Nachrichten sind, zeigt zumindest eins: Es gibt Leute, die sich Sorgen machen und versuchen, auf die Gefahren hinzuweisen. Oftmals wird man erst im Nachhinein informiert, was jedoch – logischerweise – auf die momentanen Wartezeiten bei den Labors zurückgeführt werden kann.

Was soll ich tun?
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Prinzipiell hat hier jeder 3 Möglichkeiten:

1. Augen zu und durch und einfach nicht drauf achten. Man erfährt ja sowieso nicht alles und oft erst zu spät.
Vorteil: Gesteigerte Lebensqualität aufgrund geringeren Sorgen- und Stresspegels.
Nachteil: Mit etwas Pech weniger lange Freude an der gesteigerten Lebensqualität da man doch zu oft das falsche zu sich genommen hat.

2. Panik schieben, alles und jedem misstrauen und sich weitestgehend einschränken
Vorteil: Weiss nicht. Gibt es einen?
Nachteil: Stark geschmälerte Lebensqualität und höherer Stressfaktor. Eventuelle Reue, wenn man kerngesund von einem Laster überfahren wird.

3. Augen offenhalten und versuchen, nachzudenken. Fragen stellen.
– Waren Lebensmittel vor Fukushima alle kosher?
– Sind radioaktiv verseuchte Lebensmittel die einzigen Lebensmittel, die Spätfolgen hervorrufen könnten (Stichwort Dioxin, EHEC, kanzerogene Zusatzstoffe, Schimmelsporen etc)?
– Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Rindfleisch da im Restaurant vor mir nicht aus Australien, Argentinien oder Kyūshū stammt, sondern ganz bestimmt von einem Tier aus einem stark verstrahlten Gebiet?

… usw. usf.

Ist Japan sicher?
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Für Kurzzeitbesucher? Ich denke schon. Für Dauerinsassen? Vielleicht weniger sicher als vorher, aber mit etwas Vorsicht sollte man in der Lage sein, das Risiko etwas zu senken. Es sei denn man zählt zum Typ 1, dann ist es egal.
Wer für sich Möglichkeit 1 oder 3 beansprucht, sollte nach Japan kommen. Wer Möglichkeit 2 wählt, sollte es sich überlegen – und zwar gut. Die Freude an Japan könnte durch die eigene Sorge stark geschmälert werden.
Ich habe Möglichkeit 3 gewählt.
Wie viel Sorge berechtigt war, wird sich womöglich erst in 30 Jahren zeigen. Und hoffentlich nicht bei unseren Kindern, sondern wenn schon nur bei uns selbst. Aber ich glaube, dass es selbst für Kinder sicher ist – solange sich die Eltern etwas Gedanken machen und mit Bedacht agieren.

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Kühe mit zwei Köppen / Urlaubssorgen / Dies und das

Juli 15th, 2011 | Tagged , , | 10 Kommentare | 7706 mal gelesen

Da tauchte also gestern und vorgestern über die Maßen radioaktiv verseuchtes Rindfleisch auf – und alle Welt scheint sich zu wundern. Die Viecher stammten aus der Nähe des Unglücksreaktors, so scheinbar das jetzt übliche Neusprech für Fukushima I, und gelangten ruckzuck in die Nahrungsmittelkette. Jetzt ist entsprechend in den Medien grosses Staunen angesagt: Nanu, wenn man verstrahltes Gras oben in eine Kuh reinsteckt, kommt kontaminiertes Fleisch raus? Wie kann das denn passieren? Dabei werden doch alle Kühe auf Verstrahlung gemessen… naja … zumindest aussen rum. Innen nicht so richtig. Man kann ja schliesslich vor dem Schlachten nicht in die Kuh reingucken, und wenn man sie einmal aufgeschnitten hat, muss man sie schon aufessen.
Nein, die Blauäugigkeit ist schon sehr beachtlich. Manchmal habe ich das Gefühl, dass 99.99% der Leute hier noch gar nicht begreifen, auf welche Spätfolgen man sich hier noch einlassen muss. Noch stehen radioaktiv belastete Nahrungsmittel am Anfang der Nahrungskette – man vermeidet einfach Grünzeug, Fleisch und Milchprodukte aus der Region. Aber das wird zunehmend schwerer – schon beim Joghurt weiss man nicht mehr, wo der herkommt, und bei Tiernahrungsmittel wird es ganz interessant. Wer kann schon sagen, welche Viecher womit gemästet wurden. Für eine Weile wird dann wohl Aussie-Beef herhalten müssen.

Im August steht – endlich – die übliche Woche Urlaub an. Und ich spiele mit dem Gedanken, während der Zeit irgendwo als Freiwilliger im Katastrophengebiet zu arbeiten. Das ist gar nicht so einfach, schliesslich schmollt meine Frau da zu recht: Immerhin gilt es auch, zwei Kinder zu bespassen. Mal sehen. Vielleicht lässt sich ja ein Kompromiss schliessen – zwei, drei Tage als Freiwilliger, der Rest Familienurlaub. Vorerst geht es jedenfalls morgen erstmal mit Familie für drei Tage nach Hamamatsu (liegt zwischen Tokyo und Nagoya) in ein Onsen. Das muss zur Entspannung und zum Akku aufladen erstmal reichen.

Für geringer werdende Blogeinträge muss ich auch gleich noch ein paar Ausreden bemühen: In den letzten Tagen habe ich endlich mein selbstgeschriebenes Bildarchivierungsprogramm fertiggeschrieben (Programm ist etwas zu viel gesagt – es ist eine Webapplikation, eine Art Flickr für den Hausgebrauch). Entsprechend galt es erstmal, mehrere tausend Bilder zu archivieren. Aber es erfüllt seinen Zweck: Ich tippe einfach „Fuji“ ein und schon erhalte ich alle Bilder des Fuji-san, die ich über die vielen Jahre so gemacht habe, schön aufgereiht. Sind doch schon 66 Bilder… immerhin.
Als ob das nicht reichen würde, bin ich nun auch noch „president“ (Geschäftsführer!?) einer Firma geworden. Einer Firma, die sich von meiner bisherigen Firma abgespalten hat. Nein, ich bin nicht der Inhaber, aber falls die Firma mal von jemandem übernommen werden sollte, wäre das… nun ja, vorteilhaft. Ansonsten ändert sich freilich nicht viel: Mehr Arbeit für das gleiche Geld :)

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