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Sommer, Sonne, Sonnenschein…

Juli 28th, 2015 | Tagged , , | 14 Kommentare | 1546 mal gelesen

Strand kommt immer gut, Zumindest für die Kinder. Hier am Pazifik, bei Kamakura

Strand kommt immer gut, Zumindest für die Kinder. Hier am Pazifik, bei Kamakura

… und schon fällt man in das Sommerloch. Das geht noch einfacher mit zwei kleinen Kindern, die von Mitte Juli bis Ende August Ferien haben, und während dieser Ferien natürlich tagein, tagaus bespaßt werden wollen. Das ist leichter gesagt als getan, denn der Sommer hat sich kraftvoll zu Wort gemeldet mit Temperaturen, die in den letzten Tagen zumindest in Tokyo regelmäßig über 36 Grad liegen.
Was macht man also mit den lieben Kleinen? Freunde treffen ist eine Sache. Man kann sie auch in Museen oder Galerien schleifen, wo es etwas kühler ist, aber das ist auf Dauer nicht sehr unterhaltsam. Der Kindergarten unseres Jüngsten bietet ein Übernachtungsprogramm an, bei der Mütter mit ihren Kindern im Kindergarten übernachten können. Und nachts mit dem Kindergartengründer einen bechern können.
Neulich, im Okamoto Tarō-Museum

Neulich, im Okamoto Tarō-Museum


Nein, das ist dann erst später, wenn die Kinder schlafen. Wie das allerdings so vonstatten geht, kann ich mir nicht so recht vorstellen, denn der Kindergarten beherbergt rund 1,000 Kinder. Interessanterweise sind die Väter aber sowieso von vornherein von der Aktion ausgeschlossen. Das ist zwar schade, aber das ändert bei mir nichts, da ich sowieso zur Arbeit muss. Und das sieht im Sommer so aus:

8:45 – bei praller Sonne und 32 Grad mit dem Fahrrad 4,5 km zum Bahnhof fahren
9:00 – im vollbesetzten, auf 22 Grad heruntergekühlten Zug nach Shibuya fahren
9:25 – bei 32 Grad in Shibuya mit Tausenden anderen gleichzeitig ca. 200 Stufen Treppe steigen
9:30 – im vollbesetzten, auf 22 Grad heruntergekühlten Zug nach Ebisu fahren
9:32 – bei 33 Grad gut 10 Minuten und stets schattensuchend vom Bahnhof zum Büro laufen
9:45 bis 20:45 – im auf 26 Grad heruntergekühlten Büro staunen, wie heiss es draussen aussieht

und danach das gleiche wieder zurück. Währenddessen kann sich meine Frau ausdenken, was sie am besten am nächsten Tag mit den Kindern anstellt, die natürlich am nächsten Morgen wieder punkt 6:30 auf der Matte stehen und im Chor sagen: „Und was machen wir heute?“ Das sind die Momente, bei denen ich mir nicht sicher bin, wer mehr bezahlt werden sollte. 4 Wochen Ferien noch. Und während dieser Zeit habe ich sogar selbst eine Woche Urlaub. Allerdings werde ich ein paar Tage davon ganz allein auf einer einsamen Insel verbringen: Yakushima. Aus Recherchegründen, versteht sich.

Wer ein paar Geheimtipps abseits von Disneyland, Ueno-Zoo (um Gottes Willen…) und dergleichen hat — immer her damit!

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For the records: Wie man aus dem Ausland eine Kreditkarte in Deutschland bestellt

März 4th, 2015 | Tagged , | 13 Kommentare | 3114 mal gelesen

Der Prozess war so holprig, dass ich mich dafür entschieden habe, eine kleine Anleitung für im Ausland lebende Deutsche zu hinterlassen. Das könnte mitunter sogar der Beginn einer losen Serie werden.

Aber erstmal zum Hintergrund: Obwohl ich im Ausland lebe, habe ich noch immer ein Konto in Deutschland. Das brauche ich einfach mal, denn es ist praktisch. Früher war das alles auch kein Problem: Ich hatte eine Maestro-Karte, und mit der konnte man – lange zumindest – auch in Japan und anderswo Geld abheben. Im Gegensatz zu Japan haben aber deutsche Bankkarten dummerweise eine begrenzte Gültigkeitsdauer (warum eigentlich!?). Und so sendete mir die Targobank, Nachfolgerin der Citibank, eine neue Karte zu: Ohne Maestro, sondern mit V-Pay. Und das ist nur in Europa brauchbar. Überweisungen nach Japan funktionierten auch nicht (Targobank sagt zwar, es geht – aber es funktionierte einfach nicht) – und selbst wenn sie funktionieren würden, hätte es bei jeder Überweisung elendig lange Kontrollanrufe von der japanischen Bank zur Folge. Paypal ginge theoretisch: Man hat ein Paypal-Konto in Deutschland, verbindet es mit seinem Konto in Deutschland, und dann noch ein Paypal-Konto in Japan (oder sonstwo), wo man es ebenfalls mit seinem Konto verbinden könnte. So kann man sich dann quasi selbst Geld überweisen. Jedoch: Paypal verlangt 3,4% Gebühren, und in Japan hat man dann immer noch das Problem, dass die Bank vor Ausführung der Überweisung von Paypal anruft und ein regelrechtes Verhör startet.

Die Targobank hatte wenigstens noch Abkommen mit der Citibank in anderen Ländern. So konnte man selbst mit der V-Pay-Karte bei der Citibank in Japan Geld abheben. Das ging bis Ende 2014 gut – denn danach wurde die Citibank von der SMBC geschluckt und das Abkommen wurde ungültig. Sprich, die Bankkarte ist in Japan nunmehr unbrauchbar.

Da stolperte ich über die Amazon.de-Kreditkarte der LBB. Soll wohl alles sehr einfach gehen – und siehe da, der Antrag ist in ein paar Minuten online erledigt. Am Ende kam dann aber doch – das war absehbar – der Stolperstein: Will man ein Konto eröffnen, muss man persönlich am Schalter erscheinen – oder PostIdent benutzen können. Und so ist es auch bei Kreditkarten: Sie werden mit PostIdent geliefert, es kann also nur der die Karte in Empfang nehmen, der sie bestellt hat. Vollmachten helfen nicht – man muss in Deutschland sein.

Gut ein Jahr forschte ich herum, wie man das umgehen kann. Im legalen Sinne, versteht sich. Bei drei Banken habe ich in Deutschland nachgefragt, und erstaunlicherweise lautete die Antwort immer gleich: Man muss nachweisen, dass man ist, wer man ist, und das kann wie folgt geschehen:

1) Man lässt sich die eigene Existenz von der Botschaft bestätigen
2) Man lässt sich die eigene Existenz von einer Bank vor Ort bestätigen
3) Man findet einen Notar, der dies erledigt

Meine weiteren Recherchen ergaben, dass 1) nicht (mehr!?) möglich ist. Bei der Recherche nach 2) erntete ich Stirnrunzeln bei den Banken in Japan, inklusive der eigentlich international ausgerichteten Citibank: Sowas habe man noch nie gehört, und das macht man einfach nicht. Auch das ist nicht ganz unerwartet: Warum sollte eine japanische Bank das auch machen? Und was für ein Formular soll dafür herhalten? So ein Formular gibt es einfach nicht.

Bleibt also 3). Ich soll also nachweisen, dass ich existiere – und wo ich wohne. Laut Information der Banken in Deutschland reicht dazu eine beglaubigte Übersetzung des Reisepasses. Das hielt ich allerdings ebenfalls für riskant, denn bekanntlich steht im Reisepass keine Adresse.

Meine Kreditkarte wurde derweilen wieder an die Bank zurückgesendet, und die Bank bat mich per Email, anzurufen. Und ich war recht perplex, denn a) beantwortete die LBB Emails schnell, und b) ging sofort immer jemand ans Telefon. Ich war zugegebenermassen beeindruckt. Ich hätte wohl ein paar Monate Zeit, meine Existenz zu bestätigen, wurde mir zugesichert.

Also suchte ich über DinJ einen Notar in Japan. So fand ich Karl Zucchi, ein in Gunma lebender öffentlich bestellter und beeidigter Übersetzer. Mit ihm kam ich schnell ins Geschäft. Ich schickte also einen Scan des japanischen Pendants eines Personalausweises zu ihm, klärte ein paar Details per Email und bekam ein paar Tage später per Post eine beglaubigte Übersetzung zugeschickt. Für Deutsche in Japan kann ich seine Dienst jedenfalls nur wärmstens empfehlen (nein, ich bekomme kein Geld für die Werbung).

Die beglaubigte Kopie schickte ich nebst Begleitschreiben dann zur Bank, mit der Bitte, entweder die Karte nach Japan zu schicken, oder falls das nicht ginge, an meine Eltern in Deutschland. Ohne PostIdent. Und siehe da: Eine gute Woche später kam die Karte wohlbehalten an. Mit einem Aufkleber, dass ich telefonisch den Erhalt bestätigen soll. Das tat ich dann auch – via Skype – und wieder: Das Telefon klingelte zwei Mal, und … ein echter Mensch! … beantwortete das Telefon. Die Bestätigung dauerte ein wenig länger, da ich ja „ein Sonderfall“ sei, aber letztendlich war alles in Ordnung.

Ein Jahr Recherche, viel Kopfschütteln und unzählige Fehlinformationen später halte ich also eine deutsche Kreditkarte in der Hand. Mit der ich Geld von meinem deutschen Konto in Japan abheben kann. Beziehungsweise könnte. Ich werde sie wohl nur sehr selten benutzen, aber jetzt weiss ich wenigstens, dass ich könnte, wenn ich wollte – vorher wäre das ganze schlichtweg nicht mehr möglich gewesen.

Ich hoffe, diese Information erspart irgendjemanden ein Jahr Recherche!

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Mal so ganz unter sich im Kinderland

Januar 14th, 2015 | Tagged , | 2 Kommentare | 1986 mal gelesen

Als wir noch in der Präfektur Chiba wohnten, zog es uns gelegentlich der lieben Kleinen wegen in den Andersen-Park – ein recht liebevoll eingerichtetes Refugium für den nach Unterhaltung gierenden Nachwuchs. Dieser Park ist nunmehr zu weit weg, also müssen wir uns nach Alternativen umschauen. Und siehe da, im Westen der Stadt Yokohama und nur 25 Minuten mit dem Zug von uns entfernt gibt es das こどもの国 – kodomo-no-kuni (Kinderland) – ein rund 100 Hektar grosser Park, der in den 1960ern auf dem ehemaligen Gelände eines Munitionslagers (!) gebaut wurde. Eintritt: 600 Yen pro Erwachsenen, 300 Yen pro Kind. Der strahlend blaue Himmel liess es erahnen: Wir würden wohl nicht allein dort sein. Letztendlich verlaufen sich die Massen in dem grossen Park, und es gibt sogar ein paar Pfade in den hinteren Ecken des Parks, auf denen man kaum einer Menschenseele begegnet. Einer der Hauptanziehungspunkte des Parks im Winter ist eine Schlittschuhhalle. Zum Glück haben wir nicht den Extra-Eintritt dafür bezahlt, denn in der Halle sah es wie folgt aus:

Schlittschuhlaufen im Kodomo-no-kuni

Schlittschuhlaufen im Kodomo-no-kuni

Wie jetzt, da ist ja gar kein Eis? Doch, doch! Da war welches! Irgendwo zwischen all den Menschenmassen. Hinzu kam die permanente Beschallung der Wächter des Eises: Bitte nicht da laufen! Bitte nicht so laufen! Bitte nicht zusammen laufen! Und so weiter. Von weitem sah es aus wie Freigang im Gefängnishof.
Nun gut. Schlittschuhlaufen also nicht, dann aber wenigstens zur 110 Meter langen Megarutsche:

Ein Mal rutschen bitte!

Ein Mal rutschen bitte!

Immerhin, es standen nur rund 100 Leute an, so dass wir uns nach nur knapp 30 Minuten auf der quälend langsamen Rutsche nach unten bewegen konnten. Geht doch. Aber von einem passablen Spaziergang abgesehen gab es dann doch noch ein kleines Highlight: In einem hinteren Teil des Parks konnte man Drachen selbst bemalen und zusammenbauen. Und dank Wind auch noch gleich austesten. Für nur 300 Yen pro Kind und Drachen.

Drachen bemalen

Drachen bemalen

Trotz all der Umstände werden wir auf jeden Fall wieder dorthin fahren. Schliesslich sind wir das obige schon mehr als gewohnt.

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2014 – Ein Abgesang / Gesundes Neues Jahr!

Dezember 31st, 2014 | Tagged , | 11 Kommentare | 2536 mal gelesen

An dieser Stelle, traditionsgemäss, der obligatorische Jahresrückblick. Hier also ein kurzer Abriß des ablaufenden Jahres 2014:

Politik
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Stabilität hat Einzug gehalten in Japan – das bedeutet aber leider nichts allzu Positives: Die Liberaldemokraten sitzen fester im Sattel denn je, denn die Opposition ist so kraftlos, dass in baldiger Zukunft keine grossen Änderungen in Sicht sind. Das wusste Ministerpräsident Abe freilich, als er ziemlich plötzlich Neuwahlen einberief und diese auch erwartungsgemäss gewann. Der einzige Silberstreif am Horizont ist die Tatsache, dass die neue, ziemlich rechte Partei 次世代の党 – The Party for Future Generations ordentlich Federn gelassen hat. Aussenpolitisch hat sich dieses Jahr nicht allzu viel getan: Die Beziehungen zu Südkorea und der VR China sind nachwievor eher schlecht, und auch das wird sich so schnell nicht ändern.

Wirtschaft
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Am 1. April wurde die Mehrwertsteuer plangemäß von 5% auf 8% erhöht – dies war ein Teil der Abenomics genannten Wirtschaftspolitik. Die Steuererhöhung zeigte auch prompt Wirkung: Der Binnenhandel brach ein und die japanische Wirtschaft schrumpfte mehrere Prozentpunkte im 2. Quartal sowie leicht im 3. Quartal. Zudem stürzte der Yen regelrecht ab: Zahlte man vor einem Jahr noch rund 90 Yen pro Dollar, sind es heuer schon 120 Yen. Zudem wurde im Dezember die Bonitätsnote auf A1 gesenkt – Ausblick negativ. 2015 dürfte die japanische Wirtschaft für ein paar weitere Schlagzeilen gut sein. Ich befürchte nur, dass diese Schlagzeilen nicht unbedingt positiv sein werden.

Beruf
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Status: Unverändert. Das Jahr begann mit dem Umzug in ein neues Büro, und das war recht hektisch. Doch obwohl die japanische Wirtschaft schrumpft, haben wir es geschafft, zu wachsen. Seit diesem Jahr bin ich zudem Aktieninhaber der Firma – das motiviert freilich.

Tabibito nebst Familie wünscht ein gesundes neues Jahr 2015!

Tabibito nebst Familie wünscht ein gesundes neues Jahr 2015!

Familie
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Weiterhin Miete zahlen? Oder Nägel mit Köpfen machen? Diese Frage stellte ich mir – erneut – anfang des Jahres. Und befand, dass es wahrscheinlich besser ist, sich für letzteres zu entscheiden. Aus diversen Gründen zogen wir also im März nach über 8 Jahren in Urayasu (Chiba) um – nach Kawasaki (siehe hier). Wir bezahlen seitdem also keine Miete mehr – dafür aber monatliche Ratenzahlungen an die Bank. Soweit haben wir es jedenfalls nicht bereut: Ein Einfamilienhaus ist einfach viel besser, wenn man Kinder hat. A propos Kinder: Beide gedeihen, sind gesund und munter und haben die Umstellung recht gut verkraftet.

Reise
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Aufgrund des Umzuges war nicht übermässig viel Zeit, aber immerhin ging es (mal wieder) auf die Izu-Halbinsel, nach Yuzawa zum Skifahren, endlich auf die Insel Sado, nach Tsubame-Sanjō und Myōkō-Kōgen. Sowie über Weihnachten in Land #53 – Vietnam. Und das war quasi auch der krönende Abschluss des Jahres.

Blog +α
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Dieses Jahr gab es 77 neue Beiträge mit 504 Kommentaren. Das sind genauso viele Beiträge wie 2013 – aber wesentlich weniger Kommentare (2013 waren es rund 750 Kommentare). Das sollte einem Blogger freilich zu denken geben. Sind die Themen nicht spannend genug? Werden Leser zu wenig einbezogen? Fehlt es an Interaktion mit den Lesern? Vor allem die letzten beiden Fragen sind eindeutig mit „ja“ zu beantworten, und leider muss hier Zeitmangel als Ausrede herhalten.

Insgesamt gab es rund 130,000 Seitenaufrufe dieses Jahr – das sind etwas weniger als 2013 (145,000). Die Verweildauer liegt bei 2.5 Minuten – weniger als im vergangenen Jahr (ebenfalls keine gute Nachricht). 2015 werde ich entsprechend versuchen, diesem Blog wieder etwas mehr Zuneigung zu geben. Der Japan-Blog ist übrigens nunmehr fast 9 Jahre alt und hat 860 Beiträge.

Erwähnenswert wäre vielleicht noch, dass ich mir mit dem Oktoberbeitrag Tag der Einheit – Aber bitte ohne Pöbel! eine Vorladung vom deutschen Botschafter einhandelte. Ach nein, keine Vorladung, sondern eine Einladung! So kam es dann Anfang Dezember zu einem tête-à-tête mit dem deutschen Botschafter in der Residenz des Selbigen in Tokyo – es war ein sehr interessantes Gespräch, von dem jedoch vieles nicht so ohne weiteres veröffentlicht werden kann, aber die Tatsache allein, dass sich der Botschafter persönlich mit Blogs als neues Nachrichtenmedium auseinandersetzt, gefiel mir persönlich.

Zum Abschluss bleibt mir nur, mich natürlich wieder herzlichst bei allen Lesern und Kommentatoren bedanken, und ich hoffe, Ihr bleibt mir auch im kommenden Jahr treu!

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein gesundes Neues Jahr 2015, das Jahr des Schafes! Tapfer bleiben!

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Benesseleaks | WM | Taifun „Neoguri“

Juli 11th, 2014 | Tagged , , | 4 Kommentare | 5223 mal gelesen

Zum Fortlaufen; Datenschutz bei Benesse

Zum Fortlaufen; Datenschutz bei Benesse

In dieser Woche ist mal wieder einiges los. Da wäre der Datenskandal um den Giganten unter den Bildungsanbietern – bekannt unter dem Namen Benesse – der scheinbar nur durch Zufall aufgedeckt wurde. Demzufolge wurden die Daten von mindestens 7.6 Millionen, maximal sogar bis 20.7 Millionen Kunden unrechtmässig an einen anderen Bildungsanbieter namens Justsystems weitergegeben¹. Skandale dieser Art sind eigentlich nichts Neues, aber die Dimensionen sind schon enorm: Bis zu 20.7 Millionen Kunden. Das ist also jeder sechste Japaner. Man vermutet, dass ein Insider die Daten kopiert und an einen Datenhändler verkauft hat. Jener hat diese dann an Justsystems verkauft, wobei Justsystems darauf besteht, von all dem nichts gewusst zu haben. Aber sicher doch! Da kauft man Millionen von Datensätzen von bekanntermassen bildungshungrigen Japanern, und fragt nicht, woher die Daten kommen bzw. – und das ist der Punkt, wo es strafbar wird – nicht nachfragt, ob denn die Kunden hinter den Daten wirklich der Datenweitergabe zugestimmt hätten. Haben wir zumindest nicht – ich kenne Benesse und deren aggressives Marketing aus meinem Beruf und hätte niemals meine Daten bei denen eingegeben, aber leider hatte ich das nicht meiner Frau mitgeteilt, und so werden wir womöglich auch bald Post von Justsystems bekommen.

Public Viewing in Roppongi am 5. Juli

Public Viewing in Roppongi am 5. Juli

Jaja, die WM. In der vergangenen Woche hatte ich mich dazu durchgerungen, nach einem 14-stündigen Meeting- und Programmiermarathon in die letzte Bahn nach Roppongi zu setzen (eine Station vom Büro entfernt), um dort einer von Doitsunet organisierten Public Viewing-Party beizuwohnen. Deutschland gegen Frankreich. Ich habe keine Ahnung, wie viele Menschen dort waren, aber es waren schätzungsweise weit über 100 – ungefähr die Hälfte davon Landsleute. So viele Deutsche hatte ich seit rund einem Jahr nicht mehr auf einem Haufen gesehen. Die Stimmung war dem Ergebnis entsprechend gut, auch wenn die Wirte das auszunutzen wussten: Fassbier und Flaschenbier für 500 Yen (knapp 4 Euro) war a) nur nach grossen Gedränge und b) nur für begrenzte Zeit erhältlich – danach gab es nur noch Flaschenbier für den doppelten Preis. Aber egal: Die Stimmung war gut. Das nächste Spiel gegen Brasilien habe ich mir dann dummerweise aufgrund eines anstrengenden, folgenden Tages erspart – schliesslich begann das Spiel ja erst um 4 Uhr morgens in Japan. Tja, Pech gehabt: Hätte ich mal die richtigen Prioritäten gesetzt…

Wer in Tokyo weilt und das Finale am Montag morgen nicht allein sehen möchte, dem sei das Public Viewing in Shibuya anempfohlen – Anmeldung und mehr Infos siehe hier. Ob ich es wohl schaffe?

Mitten in der Regenzeit sucht momentan Taifun Nr. 8, Rufname Neoguri, Japan heim, und er nimmt gleich das ganze Land mit – von Okinawa bis hoch nach Hokkaido. 7 Tote hat er hinterlassen und zahlreiche Verwüstungen in Okinawa und Kyushu. In ein paar Stunden soll er Tokyo erreichen – allerdings schon deutlich geschwächt, so dass in Kanto ausser schwerem Regen am frühen Morgen nicht allzu viel passieren sollte. Und wenn wir eines gewohnt sind in den letzten paar Wochen, dann ist es Regen: Die diesjährige Regenzeit macht ihrem Namen wirklich alle Ehren. Dummerweise könnte die Regenzeit mit dem Durchzug des Taifuns abrupt aufhören, und was folgt, ist bedrückend schwüle Hitze. Nun ja, jedes Jahr das Gleiche.

¹Siehe unter anderem Japan Times vom 10. Juli 2014: Justsystems accused of abusing customer data from Benesse.

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Mode auf Japanisch

Juni 2nd, 2014 | Tagged | 5 Kommentare | 13260 mal gelesen

pd-logoIch gebe es zu, und für die, die mich kennen, ist es keine Neuheit: Ich bin ein Modemuffel. Und mehr oder weniger stolz darauf. Hauptsache es passt, und wenn es dann noch bequem ist, umso besser. Und wenn man nicht weiss, was man anziehen soll, trägt man eben schwarz. Basta. Diesbezüglich fehlt mir immer ein bisschen der Gesprächsstoff, wenn ich mich mit einem meiner japanischen Freunde aus Urayasu unterhalte. Jener arbeitet für ein kleines Modelabel, das sich dem folgenden Motto unterworfen hat:

Our basic concept is Japanese+Western+Fun.
Our Motto is „Uncool is Cool“.

Und das beschreibt es auch schon ganz gut. Sie stellen Kindermode unter dem Namen „Ojisun“ her (ein Wortspiel – eigentlich „ojisan“ geschrieben, bedeutet dies „Onkel“, aber auch Strassenmode unter dem Namen „Punk Drunkers“. Und da ich seit vielen Jahren 20 Jahre alt bin, renne ich mit meiner Freizeit immernoch gerne in T-Shirts herum, und seit einiger Zeit gern auch in „Punk Drunkers“-T-Shirts, denn die sind mal was anderes. Unsere Kinder rennen seit geraumer Zeit auch aufgrund der Kindergarten-Grundschule-Connection (von daher kennen wir uns – die ältere Tochter des Freundes ging mit meiner Tochter in den gleichen Kindergarten und danach in die gleiche Schule) in „Ojisun“-Sachen herum.
punk-drunkersNeulich besuchten uns besagte Freunde, und eine Woche später kam plötzlich das neueste T-Shirt hier an: „Nekocats“. Neko bedeutet Katze, und über die Bedeutung kann man rätseln, aber der (im Dunkeln wohlfeil leuchtende) Katzenkopf auf der Vorderseite und eine lange Fischgräte auf der Rückseite machen was her. Zumal die Leute wirklich auf Qualität achten – man lässt zwar in China produzieren, aber die Qualität ist ausgezeichnet.

Nein, ich werde nicht für die Werbung bezahlt. Aber wer mal etwas ausgefallenes sucht – ob für sich oder für seine Kinder – dem kann ich das Modelabel nur empfehlen: Punk Drunkers und Oji-sun. Leider sind die Online-Shops nur auf Japanisch, aber man verschickt wohl auch ins Ausland.
So, das war wohl genug Werbung auf diesem Blog für dieses Jahr…

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Livebericht aus dem japanischen Gesundheitswesen

Mai 28th, 2014 | Tagged , | 13 Kommentare | 16439 mal gelesen

Richtig krank war ich schon lange nicht mehr, und selbst meine Zähne machten seit rund 10 Jahren keinen Ärger. Das ist verdächtig. Irgendwann kommt das bestimmt mal ganz dicke, dachte ich mir so. Und siehe da. Am Sonnabend sollte es los gehen. Irgendwie fühlte sich der Gaumen komisch an. Als ob ich mich verbrannt hätte. Die Schmerzen kamen in Wellen. Am Sonntag wurde es nicht besser, denn die Schmerzen begannen, sich auf die Zähne und den Kopf auszustrahlen. Will heissen, nicht ein Zahn tat weh, sondern gleich mal 10. Oder so. Plus Kopfschmerzen. Plus Gaumen, der in Flammen zu stehen schien. Ausgerechnet am Sonntag.
Aber wohin damit? Zahnarzt? HNO? Was war da los? Erstmal zum Zahnarzt. Nach einer Weile fand ich einen, der auch am Sonntag geöffnet hat. Also fahre ich mit dem Fahhrad hin – 2 km Berg und Tal, bei segender Sonne und explodierendem Kopf. Dort angekommen, merke ich, dass ich meine Krankenkassenversicherungskarte nicht dabei habe. Die habe ich sonst immer, wirklich immer dabei. Ausgerechnet heute aber nicht. Ob es ausreicht, wenn meine Frau ein Photo davon schickt? Das tat sie auch, aber der liebe Herr Doktor meinte, er brauche dann doch eher das Original. Also 2 km zurück. Und wieder 2 km hin. 10 Minuten später schaut man mir kurz ins Maul, immerhin mit Kamera, und sagt: „Man sieht nichts. Vielleicht leicht verbrannt?“ Ich verneine. Dann tastet er sich vor: Kalte Luft. Ach, hier tut’s weh, ja? Noch mal mit dem Instrument draufdrücken: Hier, ja? Haaaaaaaaaai! Ich muss mich arg zusammenreissen. Diagnose: Also das ist zu weit vom Zahn weg, das kommt bestimmt nicht vom Zahn. Ist bestimmt nur die Schleimhaut gereizt – das geht bestimmt von alleine wieder weg. Falls nicht, kommen sie in ein paar Tagen noch mal wieder, und ich gebe ihnen eine Überweisung zu einem Facharzt!“
Mit einem komischen Gefühl bezahle ich die 950 Yen Ins-Maul-schauen-Gebühr und trolle mich. Nicht die Zähne? Das ist gut. Ich hasse Zahnärzte. Aber was ist es dann? Dank des Abtastens und der Bestrahlung mit Luft haben sich die Schmerzen jedenfalls in etwas entwickelt, was nur schwer zu beschreiben ist. Ich habe jedenfalls keine Kraft mehr, noch einen anderen Arzt aufzusuchen.
Nun gut. Ich schleppe mich also am Montag zur Arbeit und gehe auf dem Weg dorthin zu einem Allgemeinarzt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Gaumen geschwollen ist, aber es liegt in der Natur des Gaumens, dass man sich jenen nur schwer selber ansehen kann. Ja, versucht es mal mit nur einem Spiegel! Also gehe ich zu einem Allgemeinarzt gleich neben unserem Büro. „Hmm, also man sieht nichts. Vielleicht haben Sie sich verbrannt? Ich verschreibe ihnen mal was zum Gurgeln. Geht bestimmt von allein wieder weg – wenn nicht, schreibe ich Ihnen eine Überweisung für den Facharzt“.

Prima! Zwei Ärzte, eine Meinung. Beide scheinen zu denken, dass da gerade ein Hypochonder vorbeigeschaut hat. Das hilft mir freilich wenig, und ein explodierender Kopf erschwert das Programmieren, Übersetzen, Buchführung und Meetings und alles ungemein. Ich rufe also das hiesige Krankenkaus in Hiroo an. Ob ich einen Termin beim Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen bekommen kann. „Also diese Woche wird das nichts… ach nein, warten sie! Freitag? Ginge das?“. Geht nicht. Also erstmal doch, aber ich bin mir sicher, nicht den Freitag zu erleben, wenn das so weiter geht. Falls es ein Notfall sei, könnte ich aber auch direkt dort anrufen und fragen, ob es eher geht.

Es war ein Notfall. Obwohl, mal davon abgesehen, dass Essen, Trinken, Schlucken und Schlafen beinahe unmöglich waren, ging es mir eigentlich blendend. Ich schilderte also meine Lage. Die Schwester am anderen Ende schien gestresst zu sein. Aber meine Beschreibung war offensichtlich plastisch genug. Sie bat mich, kurz zu warten, und sagte schliesslich: „Könnten Sie jetzt vorbeikommen? Der Arzt meinte, er könne sich das vor dem Mittag ansehen“. Ich konnte. Alles andere musste einfach warten.

10 Minuten später. Da ich zum ersten Mal dort bin, melde ich mich erstmal im Krankenhaus an. Dann werde ich zum Facharzt geführt. Noch mal Formular ausgefüllt (Allergien? Trinken sie Alkohol? …) – und keine 5 Minuten später ruft mich ein Arzt in eine von insgesamt 7 nur doch Vorhänge abgetrennte Boxen. Ich setze mich also hin, erkläre – so weit das eben mit geschwollenem Gaumen geht – meine Lage. Er schaut einmal rein, drückt kurz rauf und meint: „Ah ja. Das ist deftig! Das müssen wir sofort mit dem Skalpell aufschneiden“.

Das Gefühl, gleichzeitig geschockt und begeistert zu sein, kannte ich bis dahin nicht so ausgeprägt. Der Mann scheint zu wissen, was er macht! Er erklärte lang und ausgiebig, was da los war. Betäubung, aufschneiden usw. usf… und er schickte mich herauf sofort zum Röntgen, Zahn-CT und Blutbild. Ein Marathon, der letztendlich fast 3 Stunden dauern sollte. Aber immerhin mit Happy End: Die Besserung stellte sich nach ein paar Stunden ein. Sicher, das war es noch nicht ganz, und ich werde wohl auf geraume Zeit Stammgast beim Zahnarzt werden… bestimmt aber nicht bei dem oben genannten. 11,000 Yen (rund 80 Euro) ärmer, aber halbwegs glücklich konnte ich mich dann endlich zurück zum Büro trollen.

Nach all den schlechten Dingen, die ich so über japanische Krankenhäuser gehört habe, muss ich meine erste Erfahrung damit erstmal als positiv einstufen. So schnell möchte ich da allerdings nicht wieder hin….

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Umzug oder – back to the roots

März 16th, 2014 | Tagged | 19 Kommentare | 4611 mal gelesen

umzug-nach-kanagawa

Umzug von Urayasu nach Kawasaki

Nach neun Jahren in Urayasu in der Präfektur Chiba ist es am kommenden Donnerstag soweit: Umzug. Der letzte Umzug liegt 4 Jahre zurück, und die Entfernung betrug damals gerade mal 50 Meter. Dieses Mal ist es etwas weiter: Rund 40 km. Es zieht uns in die Präfektur Kanagawa, beziehungsweise in den Westen der Stadt Kawasaki. Je näher der Umzug, desto sentimentaler wird man: Wir haben hier viele Freunde und Bekannte. Andererseits – 40 km sind nicht die Welt, und wir werden uns schon einleben. Die neue Ortswahl ist kein gänzlicher Zufall: Von 1998 bis 1999 hatte ich in der neuen Heimat schon einmal gelebt (und damals für halbwegs wohnbar befunden).

Was ich vermissen werde: Unsere Nachbarn (Fischhändler mit 3 Generationen unter einem Dach), sehr viele Freunde und Bekannte, die Nähe zum Meer, die unzähligen Parks. Den Wahnsinn am Bahnhof Disneyland jeden Abend und jeden Morgen. Den Blick vom Balkon direkt zum Tokyo Sky Tree.

Was ich nicht vermissen werde: Die riesengrossen Strommasten vor unserem Haus. Die Tatsache, das alles, aber auch wirklich alles, neu ist. Das Fehlen selbst winzigster Erhebungen. Die jetzige Wohnung an sich, in der im Winter das Wasser an den Scheiben nur so runterläuft (innen, natürlich!). Und die Tatsache, dass die Stadt bei Erdbeben einfach mal keine guten Karten hat.

Der Umzug wird eine Umstellung: Schliesslich muss meine Tochter die Schule wechseln. Aber besser jetzt, nach dem ersten Schuljahr, als ein paar Jahre später.

Zum Thema vielleicht später etwas mehr, aber eine Lektion möchte ich noch an die Leser mitgeben: So möglich, zieht nicht Ende März um! Da die Schule in Japan im April beginnt (und in vielen Firmen auch das fiskale Jahr), siedeln sehr viele Firmen ihre Mitarbeiter (nebst Familien) Ende März um. Sprich: Umzüge sind in dieser Zeit des Jahres um ein vielfaches teurer als sonst.

Unter ferner liefen angemerkt: Dies ist mein zweiter Umzug dieses Jahr, da ich im Januar bereits die Firma umgesiedelt habe. Das reicht für die nächsten Jahrzehnte in Sachen Umzug…

Wegen des Umzuges sind bereits ein paar Tage draufgegangen. Der Sonntag wird nicht anders sein: Zur neuen Behausung fahren, Gas anschliessen lassen, Klimaanlage liefern und anschliessen lassen, Gardinenstangen und Gardinen anbringen usw.

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2013 – Ein Abgesang / Gesundes Neues Jahr!

Dezember 31st, 2013 | Tagged , | 12 Kommentare | 4042 mal gelesen

Ich melde mich mit einem letzten Blogeintrag in diesem Jahr zurück von meinem Kurzurlaub auf den 八重山諸島 – Yaeyama-Inseln – die gehören zur Präfektur Okinawa und liegen zwischen der Insel Okinawa und Taiwan, wobei Taiwan wesentlich näher ist. Wie es war? Vom Wetter einmal abgesehen prächtig, aber mehr dazu mit Sicherheit in einem späteren Eintrag. Nur soviel: Während mich die Insel Okinawa zwar halbwegs begeistert, mich jedoch nicht unbedingt vom Hocker gerissen hat, war ich von den Inseln Ishigaki, Iriomote und Taketomi schwer begeistert. Dorthin fliege ich gerne wieder zurück. Hoffentlich zu einer anderen Jahreszeit, denn zu dieser Jahreszeit ist das Wetter gelinde gesagt suboptimal. Immerhin kamen wir, wie uns versichert wurde, in den einzigen Tag mit Sonnenschein im Dezember.

Kabira-Bucht auf der Insel Ishigaki

Kabira-Bucht auf der Insel Ishigaki

An dieser Stelle jedoch erstmal der obligatorische Jahresrückblick. Hier also ein kurzer Abriß des ablaufenden Jahres 2013:

Politik
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Erwartungsgemäß hatte man vom Rumgewurstel der Demokraten genug und wählte prompt die nach dem Krieg für Jahrzehnte das Land regierenden Liberaldemokraten zurück an die Macht. Der Ministerpräsident heißt seitdem wieder Abe, und er macht, was man erwartet hat: Er verfolgt eine unverblümt nationalistische Agenda, legt sich mit Südkorea und China an (so zum Beispiel durch den Besuch des Yasukuni-Schreins im Dezember) und findet dankbare Gegner: China lässt sich nicht lumpen und läßt die Lage um die Senkaku-Inseln mehr und mehr eskalieren. Das Ende ist offen und wird auch im neuen Jahr für manche Schlagzeile gut sein.
Die Liberaldemokraten nutzen ihre Mehrheit in beiden Kammern schonungslos – das zeigte sich bei der Verabschiedung des Gesetzes zum Schutz von Geheiminformationen im November, was nicht ohne starke Proteste vonstatten ging, doch das liess die Regierenden kalt.

Wirtschaft
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Das Stichwort des Jahrs lautet Abenomics: Ein gigantisches Konjunkturprogramm auf Kosten nachfolgender Generationen. Das Rezept schien soweit in diesem Jahr aufzugehen. Der Yen verlor endlich stark an Boden gegenüber dem Dollar, dem Euro und anderen Leitwährungen. Japanische Produkte werden dadurch billiger im Ausland, und der Außenhandel brummt. Die Börse befindet sich seit Monaten im Höhenflug, und man fragt sich (mal wieder), wie lange das noch gut gehen kann. Wegweisend für die folgenden Jahren waren zudem zwei Ereignisse: Der endgültige Beschluss, die Mehrwertsteuer am 1. April 2014 von 5 auf 8 Prozent zu erhöhen. Sowie die Entscheidung des IOC, die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokyo auszurichten. Davon verspricht man sich starke wirtschaftliche Impulse. Auch auf die Englischerziehung in Schulen, ein altes, leidliches Thema, soll die Entscheidung grossen Einfluss haben.

Beruf
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Status: Unverändert. Ich stecke in einer Sackgasse, aber es gibt schlimmere Sackgassen als die jetzige.

Familie
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Kinder gesund und munter. Töchterchen geht seit April zur Schule, und Sohnemann entpuppt sich als mindestens genauso gesprächig wie seine Schwester. Die Kinder machen nach wie vor viel Spass und ich geniesse jede Minute mit ihnen.

Reise
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Allzu viel neues stand dank mangelnden Urlaubs nicht auf dem Plan. Im Mai ging es für gerade mal zwei Tage nach Yamanashi und Nagano, genauer gesagt in die Gegend des Yatsugatake. Im August ging es nach über 2 Jahren mal wieder in die Heimat, und es war sehr erfrischend, dort viele gute alte Freunde (und Verwandte natürlich) zu treffen. Die Flugverbindung liess auch zwei sehr kurze Ausflüge (jeweils einen Tag) in den Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate zu. Land Nr. 52 und 53 also – es gibt noch so viel mehr zu entdecken.

Hinzu kam schliesslich noch die 5-Tages-Tour mit Frau und Kindern nach Ishigaki. Und das war, wenn auch reichlich anstrengend, Balsam für die Seele.

Blog +α
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Dieses Jahr gab es 77 neue Beiträge mit 752 Kommentaren. Das ist etwas weniger als 2012 (80 Beiträge, 812 Kommentare). Das gleiche gilt für die Besucherzahlen: 2013 verzeichnete der Blog allein ca. 145,000 Seitenaufrufe. Im Jahr 2012 waren es 152,000 Seitenaufrufe. Die durchschnittliche Verweildauer blieb gleich: 3,5 Minuten. Und das ist kein schlechter Schnitt. Bei den Suchbegriffen mit 81 Hits auf Platz 30: „Nackte Frauen“. Ich weiss nicht, was ich davon halten soll. Aber nicht überraschend fliehen 95% der Besucher, die über diesen Begriff auf den Blog gelangen, umgehend wieder. Vielleicht sollte ich mal einen längeren Beitrag nur über nackte Frauen schreiben!?

Aus Lust und Laune entstanden auch noch ein paar weitere Projekte in diesem Jahr – zum Beispiel der englischsprachige IT-Blog Tech Notes, die japanischsprachige Webseite URAYA.SU (in die ich im kommenden Jahr viel Energie investieren möchte) oder die komplette Überarbeitung der japanischen Webseite. Der Blog wird freilich weitergeführt. Beinahe 8 Jahre ist der Blog nun alt und 783 Einträge schwer – und an dieser Stelle möchte ich mich natürlich wieder herzlichst bei allen Lesern und Kommentatoren bedanken und hoffe, Ihr bleibt mir auch im kommenden Jahr treu!

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein gesundes Neues Jahr 2014, das Jahr des Pferdes! Bleibt tapfer!

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Die japanische Seite bzw. eine Art Japanisch zu lernen

Dezember 12th, 2013 | Tagged , | 6 Kommentare | 7967 mal gelesen

Aus furchtbar alt...

Aus furchtbar alt…

Seit rund 12 Jahrene existiert sie – die japanische Seite meiner Webseite. Im Kern sind dies rund 150 verschiedene Seiten über Osteuropa. Ein recht ausführlich-willkürlicher Reiseführer, um genau zu sein, und diese Seiten gibt es auch auf Deutsch und Englisch. Seit vielen Jahren dümpelten die japanischen Seiten vor sich hin, eingefasst in einem Layout, das so schrecklich war, dass ich mich nicht wagte, jemanden auf die Seiten zu verweisen. Hinzu kommt, dass alle Seiten selbstgestrickt waren – wollte ich also eine Änderung hinzufügen, musste ich dies auf rund 150 Seiten machen, Vor zwei Jahren reifte der Entschluss, alles noch mal grundlegend zu überarbeiten. Das ging ein paar Nächte lang gut, dann gab es ein grosses Erdbeben, ein AKW ging in die Luft und andere Dinge liessen mich das Projekt auf localhost vergammeln. Im Oktober habe ich mich endlich wieder aufgerafft, und nach unzähligen Stunden ist die Arbeit endlich getan. Nun ja. Fast. Ein paar Seiten, die zwar auf Deutsch und Englisch existieren – hauptsächlich die über Montenegro und Albanien – müssen erst noch geschrieben werden.

...mach halbwegs neu

…mach halbwegs neu

Wozu das ganze, mag sich der eine oder andere fragen. Das Motiv war eigentlich ganz einfach: Ich wollte damit Japanisch lernen. Meine Odyssey durch die Eingeweide des Japanischen fusste letztendlich auf drei Säulen, und diese halfen mir enorm, die 4 wichtigsten Fähigkeiten beim Sprachenlernen anzueignen:

Lesen:
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Es ist ungewöhnlich, damit anzufangen. Es begann jedoch damit, dass mein Forschungsthema (Stadtplanung) mit Japan zu tun hatte, und die meisten Quellen nur auf Japanisch vorhanden waren. Nun lernt man gerade im Japanischen nicht gerade einfach mal so, zu lesen: Anfangs weiss man ja nicht mal, wo die Wörter aufhören und wo sie anfangen. Natürlich musste ich mich zu allererst mit den Schriftzeichen herumquälen: Woraus bestehen sie? Wie kann man sie nachschlagen? Wie erkennt man, welche Lesung richtig ist? Und das auch noch ohne Internet und (anfangs) elektronische Hilfsmittel! Es war eine Qual, aber ich war hoch motiviert, denn ich wollte ja wissen, was in den Texten steht. Und so viel steht fest: Wenn man mit entzündeten Augen nach zahllosen Stunden feststellt, dass man das Schriftzeichen, das man gerade mühsam nachschlägt, schon mindestens fünf Mal vorher nachgeschlagen hat, lernt man die Schriftzeichen ganz, ganz flink. Zu lesen. Schreiben ist etwas anderes.

Schreiben
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Denksport: Aus dem Gedächtnis alle Kanji mit einem bestimmten Radikal aufschreiben

Denksport: Aus dem Gedächtnis alle Kanji mit einem bestimmten Radikal aufschreiben

Im Japanischen, aber auch im Chinesischen, ist Schreiben natürlich etwas komplexer: Man muss ja nicht nur lernen, wie man verständliche Sätze zusammenbaut, sondern überhaupt erstmal, wie man nun an sich schreibt: Im Griechischen, Russischen usw. ist das noch dank der „geringen“ Zahl neuer Zeichen überschaubar. Auch Koreanisch geht noch, auch wenn es dort schon etwas kniffliger ist, da man sich ja dort die Silben aus Einzelbestandteilen erst zusammenbasteln muss. Im Japanischen und Chinesischen ist man jedoch anfangs ein blanker Analphabet.
Mir halfen beim Zeichen lernen letztendlich hauptsächlich zwei Sachen: Permanentes Üben sowie der Versuch, Logik ins System zu bringen. Das ist bei den chinesischen Schriftzeichen durchaus machbar, doch bei Katakana zum Beispiel schon schwerer. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich des öfteren kurz vor dem Verzweifeln war und mich fragte, wann ich denn endlich die Katakana fliessend (wohlgemerkt) lesen und schreiben könne. Es sollte eine ganze Weile dauern. Hiragana waren da etwas einfacher.
Um die Kanji nicht ganz zu vergessen, hatte ich es mir damals zur Angewohnheit gemacht, in jeder freien Minuten einen Zettel und einen Stift hervorzukramen und ein „Radikal“, also ein Schriftzeichenelement, zu bestimmen, und dann alle Schriftzeichen mit diesem Radikal, die mir einfielen, aufzuschreiben. Beispiel 人偏(Radikal „Mensch“): 人 全 会 儘 傑 仁 任 仕 使 便 usw. In guten Zeiten kam ich allein bei diesem Radikal auf über 130 Zeichen, aber da ich das lange nicht mehr gemacht habe und nur noch selten mit der Hand schreibe, werde ich da wohl nicht mehr herankommen.

Einst selbst erstelltes Kanji-Merkblatt

Einst selbst erstelltes Kanji-Merkblatt

Das „andere Schreiben“ ist in jeder Sprache mit Schrift erforderlich: Das Formulieren von Sätzen. Damals dachte ich mir entsprechend: Warum das ganze nicht mit etwas Sinnvollem verbinden, und auf Deutsch geschriebenes und auf der Webseite veröffentlichtes Material auf Japanisch zu übersetzen? Das allein wäre, vor allem in den ersten Jahren, natürlich zur Lachnummer geworden. Doch das ganze hatte ich damals mit „Tandem“ verbunden: Sprich, ich traf mich mit meinem Tandempartner (die wechselten natürlich im Laufe der Jahre), und legte dem armen Geschöpf dann meine „Machwerke“ hin und bat darum, das ganze mit mir durchzugehen. Und zwar nicht im Sinne von „korrigier mal“, sondern nur zusammen und mit Erklärung, warum was und wieso falsch ist und wie es besser gesagt werden könne. Jedoch: Das kann nicht jeder. Es gab Tandempartner, die quasi jeden Satz zerrissen haben und alles komplett neu umschreiben wollten – nach eigenem Geschmack. Mit einem Tandempartner hatte ich jedoch grosses Glück: Er beschränkte sich darauf, mir zu erklären, was falsch ist, und die Sätze so zu redigieren, dass sie war zwar lesbar (und unterhaltsam) sind – meinen eigenen Stil jedoch beibehielten. An dieser Stelle: Danke, Ken!

Die japanische Website ist dementsprechend eigentlich nur ein „Abfallprodukt“. Aber immerhin ein offensichtlich brauchbares: Ein Leser verlinkte zum Beispiel auf die Seite mit dem Kommentar:

Sehr umfangreicher Reiseführer über die Ukraine. Mit dem Lonely Planet und der ausgedruckten Webseite über die Ukraine von Tabibito ist man bestens ausgerüstet. Das Japanisch ist manchmal zwar etwas seltsam, aber durchgehend verständlich.

Nun gut, Kritik muss sein. Und das ist ja auch schon 10 Jahre her…

Hören & Sprechen
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Beides habe ich letztendlich an einem eher ungewöhnlichen Ort wirklich gelernt: In einem Irish Pub. Dort hatte ich während meines Studiums in Japan allabendlich gearbeitet. Und es gibt keinen besseren Ort, beides zu lernen. In einem rein japanischen Restaurant wäre es etwas schwieriger, da dort die Konversation in der Regel beschränkt ist auf ein paar Floskeln. Und den üblichem Frage-und-Antwort-Spiel (getreu dem Motto: Stimmt es, dass man in Deutschland fast nur Würstchen isst?). Im Pub konnte man, so es die Zeit erlaubte, lange und ausgiebig mit den Gästen sprechen.

Letztendlich wären da noch die ganzen Sprachkurse – in meinem Fall an einer Universität. Und obwohl diese Kurse sehr fruchtbar waren, so waren sie letztendlich doch der, zugegebenermassen sehr wichtige, Kitt, der alles anderweitig angeeignete zusammenhalten konnte.

Zugegeben, ein kurzer Beitrag für ein weites Thema. Zumal heutzutage ungleich mehr Mittel (Computer! Internet!! Smartphones!!!) zur Verfügung stehen. Doch der Schweiß bleibt natürlich. Nur ein empirischer Wert meinerseits, aber wer ernsthaft Japanisch lernen möchte, sollte meines Erachtens – zumindest in den ersten Jahren – 20 Stunden oder mehr pro Woche lernen. Das muss nicht nur stures Lernen sein (so etwas konnte ich selbst zum Beispiel nie), aber ein bewusstes, konzentriertes Beschäftigen mit der Sprache sollte es schon sein. Und wenn es das Übersetzen des Lieblingsmangas ist – da stimmt auf jeden Fall die Motivation (so man Manga mag).

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