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Philippinen III

Januar 8th, 2013 | Tagged | 3 Kommentare | 1174 mal gelesen

Fortsetzung von Teil I und Teil II.

Der zweite, volle Tag bricht an. Und das Wetter sieht schlecht aus. Von der Stadt habe ich erstmal genug, und ich bin eigentlich auch nicht hier, um von einer Riesenstadt zur nächsten Riesenstadt zu reisen. Ich bin wegen der Vulkane hier. Und heute soll es der Taal-Vulkan sein. Das Konzept ist einfach: Großer See auf einer Insel (Luzon). Im See auf der Insel: Eine Insel. Der Taal-Vulkan. In der Insel auf dem See auf der Insel: Ein See. Auf dem See auf der Insel im See auf der Insel: Eine winzige Insel. Ganz einfach, eigentlich. Ich hatte mich in der Nacht zuvor beim Hotelpersonal dazu erkundigt: Wieviel würde es kosten, ein Auto nebst Fahrer zu mieten, der mich zum Vulkan bringt. 4,000 Pesos (also rund 80 Euro) war die Antwort, aber die relativ kurze Entfernung (70 km) und ein bisschen Abenteuerlust liessen mich zu dem Entschluß hinreißen, das ganze selbst in Angriff zu nehmen. Wenn man zum Taal-Vulkan will, muss man erstmal nach Tagaytay. Busse dorthin fahren vom Busbahnhof in Pasay (technisch gesehen nicht mehr Manila, sondern eine eigene Stadt).

Vorher heißt es Frühstück fassen. Dieses Mal habe ich „Würstchen“ und „Toastbrot“ angekreuzt. Die Würstchen sind mir sehr suspekt und das Toastbrot… nun ja. Dann schnappe ich mir ein Taxi, das mich zum Busbahnhof in Pasay bringen soll. „Hast Du ein Taxameter?“ frage ich den Fahrer. Er grinst und sagt ja. Kaum sitze ich, sehe ich auch das Taxameter – natürlich ausgeschaltet. Er will es auch nicht anschalten. Wir einigen uns auf 200 Peso. Er beginnt, mich auszufragen – woher, wohin, wieso, weshalb. Er erklärt mir leidenschaftlich, warum ich nicht mit dem Bus fahren soll. „Schläfst Du gern im Bus? Dann ist ruckzuck Dein Gepäck weg!“. Natürlich kennt er die Alternative: Für 2’000 Peso kann er mich zum Vulkan bringen. Der Verkehr wird derweilen immer zäher, und die Zeit sehe ich davonrinnen. Also lenke ich irgendwann ein und sage: „Wenn 1’500 Pesos ok sind, dann bring mich zum Vulkan“. Er sagt „1’800“. Ich sage „1’500“. Er sagt „Na gut.“

Also geht es mit dem Taxi am Busbahnhof vorbei durch ein hochmodernes Gewerbegebiet mit der nagelneuen „Mall of Asia“, an den Flughäfen vorbei, durch Slums und erneut an modernen Einkaufszentren vorbei immer weiter Richtung Süden. Der Verkehr ist streckenweise ein Alptraum – Himmel und Hölle sind in Bewegung. Auffällig sind zahlreiche kleine Kirchen, manche sehen eher aus wie ein umgewandelter Schuppen. Überall kann man lesen, wie lieb einen Gott hat und wie lieb die Menschen wiederum Jesus haben. Die nagelneuen Einkaufszentren und all die vielen, kleinen Händler, vor allem in den Slums, fallen ebenfalls auf. Ich mache mir so langsam Sorgen: Wird denn in diesem Land auch etwas produziert? Oder nur konsumiert? Jeder Zweite scheint irgendwie damit beschäftigt zu sein, irgendwas zu verkaufen. Davon wird man als Autofahrer oder Buspassagier nicht verschont, da an vielen Ampeln wahrhaftig fliegende Verkäufer ihre 10-Peso Snacks und was auch immer verkaufen.

Fliegender Händler beim Besteigen eines Busses

Nach mehr als zwei Stunden kommen wir endlich in Tagaytay an. Ein kleiner Ort, wie es scheint, und der Fahrer hält an der Rotunda, einem Verkehrskreisel mit einem deplatziert wirkenden Weihnachtsmann in der Mitte. Ach ja, es ist ja Weihnachten. Der Fahrer sagt „one thousand eight hundred pesos please“, aber ich erinnere ihn dezent an unser „agreement“ und gebe ihm 1’500 Pesos – und kein Trinkgeld, denn ich bin mir sehr sicher, dass ich weit mehr bezahle als üblich.

Mir bleiben nach dem Aussteigen nur eins, zwei Sekunden Zeit, mich über die angenehm kühle und überraschend klare Luft zu wundern, denn sofort werde ich von guides bestürmt, die mich mit ihrem Tricycle sonstwohin bringen wollen. Alles, was ich jedoch erstmal will, ist ein paar Minuten Ruhe und etwas zu trinken. Also sage ich den Leuten „not now“. Einer bleibt hartnäckig, aber ich erkläre ihm noch mal, dass ich erstmal meine Ruhe haben will. Nun wird er etwas unwirsch und ruft mir irgendwas hinterher, was ich bestimmt nicht übersetzt haben möchte. Sieh an. Das Gros der Filipinos, die ich bisher getroffen habe, war einfach nur nett, aber natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Erstmal kaufe ich also etwas zu trinken und gehe dann zu einer Ballustrade, von der man einen schönen Blick über den Vulkansee hat. Beziehungsweise hätte haben sollen, denn das Wetter ist sehr durchwachsen, Teile der Kraterwand sind wolkenverhangen (eigentlich ist der komplette See ein alter, gigantischer Krater). Dem Wetter entsprechend gibt es kaum Besucher ausser mir, und das erklärt auch die Ungeduld des Tricyclisten Minuten vorher. Wenn man den ganze Tag umsonst auf Beute, ähm, Kunden wartet und dann abgebürstet wird, ist das sicherlich frustrierend.

Gefangen im Tricycle-Beiwagen oder Dezentes Selbstportrait

Wie immer laufe ich erstmal los, aber mir kommen schnell Zweifel, denn ich habe keine Karte, das Seeufer scheint etliche Kilometer entfernt zu sein und es sieht nach Regen aus. Ein Tricycle fährt an mir vorbei, vorsichtig Blickkontakt suchend, und ich deute mit einem Nicken an, dass ich interessiert bin. Das ist fast wie bei der Balz. Ich sage ihm, dass ich zum Ufer möchte – dorthin, wo die Boote zur Insel abfahren. Tricycles haben keine Taxameter – man muss den Preis aushandeln. Er sagt 200 Pesos, und ich habe keinen Schimmer, ob das ehrlich ist oder nicht, aber der See ist wirklich etliche Kilometer entfernt und liegt weit unten, und 4 Euro sind nicht die Welt, also sage ich einfach ja. Und zwänge mich in das kleine Aluminiumgerüst, dass da selbstgebastelt und wie eine Seepocke an dem billigen chinesischen Kreidlerverschnitt klebt. Nein, einen Unfall möchte ich mit dem Ding nicht erleben – ein kleiner Zusammenstoß von der Seite, und es bleibt dem Bestatter nichts anderes übrig, das arme Opfer gleich in der Aluminiumverschalung zu beerdigen.

Mit einem Ferrari-Tricycle unterwegs

Wie es sich umgehend herausstellt, bin ich natürlich in die falsche Richtung gelaufen. Er fährt ein paar hundert Meter zurück, tankt erstmal gemächlich und dann geht es nur noch abwärts, immer die Serpentinen herunter. Vor jeder Kurve hupt er wie besessen, was zwar nach der 100sten Kurve nervt, aber mir immer noch lieber ist, als in einer Aluminiumdose beerdigt zu werden. Es müssen so um die 15 Kilometer sein, bis wir an einem beschaulichen Ort namens Talisay am Seeufer ankommen. Er fährt weiter zum Ufer – dort stehen Holzhütten herum und ein paar bunte Boote liegen im Wasser. Das ganze ist gleichzeitig ein Restaurant. Angestellte kommen auf mich zu, und schnell erklärt mir jemand, dass heute keine Boote fahren. Wetter schlecht – keine Boote. Die Polizei wacht darüber. Tja, dumm gelaufen, aber ob ich etwas essen möchte? Klar, warum nicht. Hunger habe ich reichlich.

Die Vulkaninsel. Mit Boot. Mal fahren sie, mal nicht...

Neben mir gibt es noch einen anderen Ausländer mit philippinischer Begleitung. Der Tricycle-Fahrer ist mittlerweilen nicht faul und deutet an, dass er mich auch zurückfahren kann – wann immer ich möchte. Er ist ein angenehmer Zeitgenosse, sehr freundlich und kein bisschen aufdringlich. Er erklärt mir ein paar Sachen über den See und den Vulkan und das Leben schlechthin. Ich stehe jedenfalls noch eine Weile dumm unter den Palmen am Wasser rum und schaue zum Vulkan herüber, der da, ziemlich klein und kompakt, aus dem See ragt. Also auf ein anderes Mal. Die Restaurantfachkräfte sind derweilen wieder verschwunden, aber irgendwann bekomme ich jemanden zu fassen, und frage, wo denn nun die Speisekarte sei, die man mir vorhin bringen wollte. Mir wird daraufhin kurz und knapp erklärt, dass die Köche nicht kochen wollen, da ja keine Gäste da sind. Aha. Weiter zu warten bringt nicht viel, zumal es leicht zu regnen anfängt. Der Tricycle-Fahrer meinte zuvor, dass er mich für ingesamt 500 Peso wieder hochfährt. Einfache Fahrt 200, Hin- und Rückfahrt 500? Das geht nicht so recht auf, aber was soll’s. Wahrscheinlich würde er das ganze damit begründen, dass es hinzu ja nur bergab fährt (währenddessen er tatsächlich gelegentlich den Motor abstellte). Immerhin wartete er ja auch geduldig. Also geht es wieder hoch. Zwischendurch hält er an einer Stelle mit sagenhafter Aussicht über den See an, und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Er versucht zudem, mich zu vertrösten: Komme einfach wieder, und hier ist meine Telefonnummer – ruf mich vorher an, und ich kann Dir sagen, ob die Boote fahren oder nicht. Soso. Dann hättest Du das ja womöglich heute auch vorher sagen können! Aber ich kann es ihm nicht verübeln.

Blick auf einen Teil des Vulkan-Sees mit Insel

Wieder oben angekommen, setze ich mich – recht hungrig nun – in ein Restaurant und wähle aus der zum Glück mit Bildern bestückten Speisekarte – ohne Preise, wohlgemerkt – etwas aus, dass gut aussieht. Was es genau ist, sieht man nicht so richtig, aber es wird ein gebackenes Schweinebein. Mit einer Tunke aus Sojasauce, Chili, Knoblauch, Essig… und einer großen Portion Reis. Der Kellner grinst mich an: „Might be quite a lot for one person“. Na schönen Dank auch! Ein ganzes Schweinebein mit einer Riesenportion trockenen Reis‘ – ja, das könnte in der Tat eng werden. Während ich esse, grübele ich: Soll ich mir den Rest einpacken lassen und mit nach Manila nehmen und jemanden dort auf der Straße geben? Ich verwerfe den Gedanken wieder. Wird bestimmt auch hier nicht weggeworfen.

Nach dem oppulenten Mahl – gerade mal die Hälfte war machbar – bin ich fest entschlossen, dieses Mal mit dem Bus zurückzufahren. Und siehe da, ich laufe nicht mal eine Minute, als ein Bus an mir vorbeifährt und der Fahrgastfänger mir zuruft: „Pasay! Manila!!!“. Ich steige ein und bezahle kurz nach dem Einsteigen – 80 Peso. Zum Vergleich – Taxi: 1’500 Peso. Und der Bus sollte nicht wesentlich langsamer sein. Ich stehe auch nur ein paar Minuten, bis ein Platz frei wird. Neben mir setzt sich kurz darauf eine bebrillte, ca. 50 Jahre alte Frau ein, die sofort ein Gespräch beginnt. Auch sie ist eine Frohnatur und plaudert munter vor sich hin. Auch sie ist ein durchaus angenehmer Gesprächspartner mit viel Humor. Und ich solle doch unbedingt mal ihren Neffen in Japan besuchen, der dort Gebrauchtwagen verkauft. Und hier ist mein Name, und finde mich doch auf Facebook! und und und.

Es ist schon fast 6 Uhr abends und dunkel, als wir im Busbahnhof von Pasay EDSA ankommen – ein brodelndes Gemenge aus tausenden Menschen, hunderten Imbissständen und unzähligen Bussen. Ein großes Areal, in dem es fast unmöglich erscheint, den richtigen Bus zu finden. Irgendwie kämpfe ich mich durch die Menschenmassen zur Hochbahn. Das ganze gleicht einem Ameisenhaufen, aber wenn man sich in der Menge treiben läßt, kommt man schon irgendwie durch. Mit der Hochbahn geht es schließlich in recht kurzer Zeit in Hotelnähe.

Merke: Schweinebein kann gut schmecken - ist aber etwas viel für eine Person

Und gleich geht es weiter – erst zu einem Café namens 1951, das vorher wohl als Penguin Café bekannt war. Ein sehr schön ausgestaltetes Café / Restaurant mit viel Kunst und gediegener Atmosphäre – vor allem, da kaum Gäste da sind. Ein Ort der Ruhe, wie man ihn in Downtown Manila wirklich suchen muss. Ich gönne der philippinischen Küche bei der Gelegenheit eine Pause und bestelle Quesadillas, und die sind gar nicht mal schlecht. Den Abend lasse ich in einer Musikbar namens Ka Freddie’s ausklingen. Auch dort ist es sehr ruhig – wahrscheinlich, weil man 100 Peso Eintritt zahlen muss und ein Bier 120 Peso kostet (in vielen anderen Kneipen in der Gegend kostet ein Bier hingegen nur knapp 40 Peso). Wie auch am Vortag in einer anderen Tränke treffe ich auf Deutsche – überhaupt soll ich in Manila schließlich weit mehr Deutsche als alles andere treffen. Soll mir recht sein – in Japan habe ich so gut wie gar nicht mit Landsleuten zu tun.

Den Weg zum Hotel finde ich nachts nun schon mit verbundenen Augen. Die Prostituierten auf dem Weg dorthin sind zum Glück auch nicht zu aufdringlich – als beste Waffe erscheint mir die folgende Unterhaltung:

„Sorry, not interested“ – „But why?“ – „Because I’m married“

Ha, als ob alle Freier unverheiratet wären! Aber der Satz klingt so schön treudoof, dass ich nie eine Widerrede gehört habe. Und die Begründung ist noch nicht mal gelogen. Auch wenn sie treudoof klingen mag.

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Philippinen II

Januar 6th, 2013 | Tagged | 2 Kommentare | 1347 mal gelesen

Fortsetzung von Philippinen I.

Da bricht er also an, mein erster Morgen auf den Philippinen. Der Morgen ist schwer als solcher erkennbar, da das Fenster im Hotelzimmer so klein ist, aber das hat seine Richtigkeit: Wäre es größer, wäre es heißer und lauter im Hotelzimmer. Ich schlurfe den Gang entlang und die Treppen herunter zum Hotelrestaurant. Unterwegs begegne ich einem halben Dutzend Hotelangestellten an allen Ecken und Enden, die mir alle lächelnd ein „G’morning, Sir!“ an den Kopf werfen. Wie schön – so fühlt man sich also als Neo-Kolonialist. Auf mein im Preis enthaltenes Frühstück muss ich nicht lange warten. Auf der am Vorabend eingereichten „Frühstückswunschliste“, auf der ich meine Preferenzen ankreuzen sollte, hatte ich „Gebratenes Rindfleisch“ und „Knoblauchreis“ angekreuzt, dazu Kaffee, denn wenn man schon mal hier ist, will man ja schließlich was einheimisches probieren.
Leider bin ich aufgrund meiner vielen Jahre in Japan in Sachen Reis sensibilisiert: Der Reis schmeckt kaum nach etwas und kann problemlos die dereinst in Deutschland so oft propagierte „Uncle Ben’s Gabelprobe“ bestehen, nach der Reiskorn für Reiskorn einzeln von der Gabel fällt. Dazu gebratene Rindfleischfetzen – ohne Sauce. Und die Reisportion war riesig. Körniger Reis ohne Sauce also. Ich werde wohl nach Alternativen Ausschau halten, auch wenn das Fleisch in Ordnung ist. Der Kaffee hingegen schmeckt wie Knüppel auf den Kopf, aber das ist nach ein paar Bissen Knoblauchfleisch sowieso irrelevant.

Rizal-Park

Es geht raus ins versmogte, heiße Manila. Nach zahllosen Reisen bin ich noch immer der festen Überzeugung, dass man einen Ort nur verstehen lernt, wenn man ihn sich erläuft. Sicher könnte ich mit Taxi oder Jeepney oder Tricycle (Motorradtaxi mit selbstgebasteltem Beiwagen) von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hechten – vor allem in Manila ist das preislich kaum der Rede wert – aber man würde nichts sehen ausser den ausgetrampelten Touristenpfaden.
Erstmal geht es zum großen Rizal-Park. Aha, ein großer Park – mit Teich, Springbrunnen, Denkmälern, Buden und was auch immer. Ich komme an einer Rizal-Gedenkstätte vorbei und werde von einem älteren Menschen, der sich als Paul vorstellt, angehalten. José Protacio Rizal Mercado y Alonso Realonda, kurz José Rizal ist DER philippinische Nationalheld. Geboren 1861, wurde er mit nur 35 Jahren von den damaligen Kolonialherren, den Spaniern, wegen vermeintlichen Landesverrats hingerichtet. Rizal war Dichter, Arzt, Künstler, Sprachgenie, Revolutionär und gilt als der erste philippinische Wissenschaftler. Was man halt so macht, bevor man mit 35 Jahren erschossen wird.

Ich begegne Paul mit Skepsis. Was will er? Will ich hier wirklich eine private Führung oder mir alles lieber selbst erschließen? Aber er ist zu liebenswürdig. Ich bezahle die 20 Peso (0.50 Euro) Eintrittsgeld, und Paul zeigt und erklärt die gesamte Gedenkstätte. Und verschwindet irgendwann von selbst. Nein, Paul ist offensichtlich nicht auf Pesos aus, sondern daran interessiert, Besucher wissen zu lassen, was hier wie und warum und seit wann gezeigt wird. Und er ist eine Quelle zahlreicher interessanter Informationen. Gedenkstätten wie diese brauchen Leute wie Paul.

Modernes Manila komplett mit Müll

Weiter geht’s. Ich will zum Ufer, aber der Weg ist versperrt. Ich komme an einem Vergnügungspark vorbei und an einer Paradestrecke. Alles ist schön gleichmäßig mit Müll übersät, und überall sind Menschen, die dort irgendwie im Freien übernachten. Die Philippinen sind überwiegend katholisch, sehr kinderreich, und der neue Reichtum hat sich noch nicht herumgesprochen. Eine Zusammenfassung des Landes in einem Satz.

Nach einer Weile komme ich an einem wunderschön gepflegten Golfplatz mitten im Zentrum vorbei – darin versteckt liegen Befestigungsanlagen. Das also ist Intramuros (wörtlich: Innerhalb der Mauern), die alte spanische Festung. Irgendwann komme ich sogar am Eingang an, wo mich sofort Reiseführer belagern, die mir ihre Dienste anbieten. Darauf habe ich allerdings keine Lust. Später vielleicht, jetzt nicht. Die Führer sind enttäuscht. Bald komme ich am Pasig-Fluss an und beschliesse, meine Beine weiterlaufen zu lassen. Über die Jones Bridge geht es nach China Town – erstmal zur alten Kirche St. Lorenzo Ruiz am gleichnamigen Platz. Der Verkehr auf dem langgestreckten Platz ist mörderisch. Ein völlig chaotisches Wirrwarr aus Autos und Jeepneys umkreist den Platz wie Schmeißfliegen einen Kuhfladen. Zur grünen Platzmitte zu kommen ist ein echtes Abenteuer, aber der Verkehr ist gottseidank zäh genug, um die Straße unbeschadet zu überqueren. Normalerweise kein Starbucks-Fan, bin ich doch froh, einen Starbucks-Laden zu sehen. Ahh, Kaffee! Der Cappucino kostet 120 Pesos, also gute 2 Euro – ein stolzer Preis, wenn man die Lage bedenkt. Ein Mann mit Pistole im Holster und lupenrein weißem Hemd öffnet mir die Tür. Überhaupt Security – alle Banken werden von freundlichen Männern mit martialisch aussehenden Second-Hand-Pump Guns bewacht.

Dies war mal ein Fluß

Mittlerweilen hat es zu regnen begonnen. Macht nichts, denke ich, denn gleich neben dem Platz ist ein quirliger Straßenmarkt, da wird es doch bestimmt auch Regenschirme geben. Dem ist allerdings nicht so – es gibt nirgendwo etwas, was man als Regenschirm verwenden könnte. Und tatsächlich, nur sehr wenige scheinen einen Regenschirm zu besitzen. Der Rest verkrümelt sich irgendwo unter Dächer oder beeilt sich, aus dem Regen zu kommen. Aber so stark regnet es zum Glück noch nicht. Also laufe ich weiter, zurück zur Kirche und ins Viertel Binondo. China-Town, zu erkennen an zahlreichen chinesischen Restaurants und Apotheken. Eine Kloake durchzieht das Viertel – das Wasser stinkt und ist voller Müll. Eine funktionierende Stadt kann man in der hiesigen Zeit an ihrer Infrastruktur und dem Zustand der Gewässer im Stadtgebiet messen. Demzufolge gibt es in Manila noch sehr, sehr viel zu tun. Die Straßen in der Gegend sind eng und sehr belebt. Bei einem der chinesischen Restaurants mache ich Halt und esse zu Mittag. An der Carriedo Fountain vorbei geht es weiter, bis ich plötzlich am Bahnhof Carriedostehe.

Markt in der Carriedo St.

Unter dem Bahnhof und in der am Bahnhof beginnenden, gleichnamigen Straße geht es wüst zu: Ein gigantischer Straßenmarkt mit mehr oder weniger fliegenden Händlern, die einfach alles verkaufen. Der blanke Wahnsinn spielt sich hier ab, und als Reisender fällt man auf wie ein bunter Hund. Der Trubel kulminiert vor der Quiapo-Kirche und der näheren Umgebung und geht auch im Fußgängertunnel hinter der Kirche weiter. Der Regen ist mittlerweilen recht stark, aber im Tunnel entdecke ich einen Verkäufer, der Regenschirme für 150 Peso verkauft. Die Verkäuferin fragt mich bei der Gelegenheit „Regnet es etwa draußen?“. Aber nicht doch.

Ich laufe noch etwas weiter, bis zur Goldenen Moschee, die der Stadt vor etlicher Zeit von Gaddafi gespendet wurde. Die Gegend um die Moschee sieht schon etwas, nun ja, anspruchsvoller aus, was das Herumstrolchen als Europäer anbelangt. Hier möchte man nicht auffällig werden, aber natürlich wird man von allen angestarrt. Die Frage „Was will denn der hier?“ steht allen ins Gesicht geschrieben. Im Moscheebereich scheinen Heerscharen von bettelnden Kindern zu wohnen. Denen ich kein Geld gebe, denn aus Prinzip gebe ich bettelnden Kindern nichts. Egal wo. Und das nicht, weil ich Kinder nicht mag, sondern weil ich sie mag. Ich beschliesse, mich von dieser Seite des Flusses zurückzuziehen und laufe zur McArthur Bridge. Plötzlich sind drei Kinder hinter mir, und der älteste von ihnen, vielleicht um die 12 Jahre alt, zieht von hinten an meiner Tasche. Allerdings so halbherzig, das ich nicht sicher bin, ob er versuchte, sie zu klauen oder einfach nur meine Aufmerksamkeit erregen wollte. Die drei sind schon etwas aggressiver, aber konzentrieren sich ziemlich schnell auf einen anderen Passanten.

Bald gelange ich wieder an den Außenmauern von Intramuros, dieses Mal auf der anderen Seite, an. Ein junger Mann heftet sich dort plötzlich an meine Fersen. Ich habe Durst vom vielen Laufen und trinke einen Schluck grünen Tee, den ich am Vortag noch in Japan gekauft hatte und seitdem mit mir rumschleppe. Er sieht das und fragt:

„Can you give me some water, Sir?“

Er sieht nicht so aus wie jemand, dem ich meine Wasserflasche geben – und danach zurückverlangen würde. Viel ist nicht mehr in der Flasche, aber ich sage:

„Sure. Just keep it. It’s green tea, though“.

Er trinkt etwas, sieht aber noch immer nicht ganz glücklich aus.

„Do you have some food?“

„Errh, no. Sorry, I don’t have anything with me.“

Ich deute dabei auf meine kleine Tasche, in die wirklich nicht viel reinpasst. Er sieht etwas unglücklich aus. Ich verabschiede mich freundlich und laufe weiter. Und merke, dass er mir folgt. Das gefällt mir nicht, und ich bleibe stehen, um so zu tun, als ob ich den Golfplatz bewundere. Er nähert sich wieder und sagt:

„I can give you blowjob“

Weia. Mit dieser Wendung habe ich nicht gerechnet. Ich lehne dankend ab und er läßt mich hernach auch in Ruhe. Aber irgendwie beschäftigt mich diese Begegnung noch eine Weile: Er hat nicht um Geld gebettelt – das war wahrscheinlich unter seiner Würde. Im Nachhinein bereue ich es schließlich, ihm nicht ein paar Pesos gegeben zu haben. Stattdessen war es nur grüner Tee, der ihm wahrscheinlich nicht sehr weit half.

Nach rund 20 Kilometer Fußmarsch gelange ich wieder am Hotel an, aber laufe gleich noch ein bißchen weiter. Nach einer Weile stehe ich plötzlich vor der Robinson’s Mall – ein riesiges, vierstöckiges Einkaufszentrum, das sich vor denen in Japan und den USA nicht verstecken braucht. An den Eingängen läuft man durch Metalldetektoren; das Gepäck wird halbherzig vom Wachpersonal untersucht – getrennt nach Männchen und Weibchen, versteht sich. Der Kontrast könnte kaum größer sein zum Manila, das ich vorher in der Nähe der Moschee sah. Das Einkaufszentrum durchquere ich schnell, aber es dauert eine ganze Weile.

Alles adobo: Fleisch mit sehr, sehr viel Reis

Am Abend beschließe ich, der philippinischen Küche auf den Grund zu gehen und gehe in ein laut Reiseführer „Gourmet-Restaurant“ für die hiesige Küche. Dort spielt eine kleine Combo Musik – die drei lustigen Musikanten gehen von Tisch zu Tisch und spielen Lieder, die der Nationalität der Speisenden angepasst sind: Simon & Garfunkel und was weiß ich für Amerikaner… und ein paar traditionelle japanische Lieder für die Japaner am Nebentisch. Sie sind gar nicht mal schlecht. Weil ich allein bin, werde ich ausgelassen, und das soll mir recht sein. Das Menü erschlägt mich regelrecht, also frage ich, was man mir empfiehlt. Das Ergebnis: Große Brocken Fleisch mit ein bisschen Sauce auf einem Bananenblatt – und eine ungehörig grosse Portion körnigen… Knoblauchreis. Das Verhältnis von Beilage und Reis ist einfach nur verkehrt. Wer kann so große Mengen Reis mit so wenig Beilage essen? Ich jedenfalls nicht. Das Fleisch ist adobo gekocht – also mit Knoblauch und Essig. Es schmeckt, aber allmählich verstehe ich, warum es keine philippinischen Restaurants in Japan gibt: Die Sachen sind essbar, aber nicht unbedingt spektakulär. Aber ich bin mir sicher, dass es viele versteckte, kulinarische Spezialitäten in diesem Land gibt – aber es wird wohl mehr als ein paar Tage und ein Besuch in der Hauptstadt brauchen, um diese zu finden. Zur Not bleiben dann eben die zahlreichen chinesischen, koreanischen und japanischen Restaurants, die es in Hülle und Fülle gibt. Aber all das bekomme ich in Japan auch, und wahrscheinlich besser.

Und so geht Tag 1 zu Ende. Insgesamt waren es wohl um die 30 Kilometer. Das sollte für den ersten Tag reichen.

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Philippinen I

Januar 4th, 2013 | Tagged | 4 Kommentare | 1005 mal gelesen

Es ist 17 Uhr abends am ersten Weihnachtsfeiertag, und ich warte auf mein Flugzeug. Das soll 18 Uhr abheben und mich ins 3’500 km entfernte Manila bringen. Mit mir warten hunderte Andere, und wie es scheint, sind die meisten Wartenden Pinoys1. Davon gibt es besonders viele in Japan. Vor mir sitzt ein Ehepaar – er ein Japaner älteren Semesters, schon etwas tatterig, und sie mindestens 30 Jahre jünger, mit Sonnenbrille im dunklen Wartebereich, und zwischen den beiden zwei Plätze Abstand.

„Was ist Deine Sitzplatznummer?“

monsterte sie ihn an.

„Häh?“
„Deine Sitzplatznummer! Da, auf dem Flugticket“

er kramt herum, findet aber die Nummer auf dem Ticket nicht.

„Na, Hauptsache, Du sitzt nicht neben mir, Du alter Sack!“

Das hat man also davon, wenn man die aus dem Katalog bestellte Ehefrau nicht altersgerecht hält. Das sollte auch nicht der letzte Dialog sein. Er hatte mittlerweilen eine Flasche Makgeolli2 geköpft und begonnen, sich die Brühe hinter die Binde zu gießen. Sofort geiferte sie los:

„Wo hast Du das her?“
„Vorhin irgendwo da gekauft“
„Wo ist meine Flasche? Los, geh mir auch eine kaufen!“

Ein paar Minuten später kam er wieder. Mit einer großen Flasche japanischen Reisweins, denn Makkori gab es in der näheren Umgebung offensichtlich nicht. Und natürlich fing er sich damit sofort wieder Schelte ein. Aber das war mit Makkori im Kopf nun wahrscheinlich erträglicher.

Rund 4 Stunden später schweben wir in Manila ein. Es ist sehr warm, es ist schwül, und die Luft ist irgendwie schlecht. Ich habe nur Handgepäck und stehe damit keine 15 Minuten nach dem Aussteigen bereits in der Hitze der Stadt. Ohne einen Peso, denn alles hat schon zu um diese Zeit. Nach ein bisschen Herumirren und Herumfragen finde ich doch noch eine Wechselstube und tausche meine hartverdienten Yen in bunte Peso-Scheine. Kurs 2:13 – das rechnet sich wenigstens einfach.

Immerhin hatte ich im Flugzeug schon damit begonnen, mich auf die Reise gründlich vorzubereiten. Fazit der Lektion: Ein vorbezahltes, „sicheres“ Taxi in die Innenstadt kostet wohl 550 Pesos, ein normales Taxi, sprich mit einem Fahrer, der einen oftmals einfach nur übers Ohr hauen möchte, im besten Fall 200 bis 300 Pesos.
Nun ist in einem Land wie den Philippinen der Internationale Flughafen einer der besten Orte, um von Taxifahrern nach Strich und Faden ausgenommen zu werden. Ich bin mir sicher, dass Taxifahrer, egal wo, Ortsunkundige bereits am Geruch erkennen. Wahrscheinlich haben manche sogar einen Radar im Auto, mit dem man den Adrenalinspiegel bleicher Touristen scannen kann. Je höher, desto Beute. Also tue ich das, was ich in solchen Fällen immer tue: Ich lasse mich nicht vom Taxi finden, sondern wähle mein Taxi selbst aus, indem ich ein paar Hundert Meter laufe und ein Taxi anhalte. Offensichtlich ging die Rechnung nicht ganz auf:

„To Ermita please“
„Ok“
„Where’s your meter? Can you switch it on, please?“
„Ehmm, it’s broken“
„Ok, how much then to Ermita?“

Taxifahrer antwortet wie aus der Pistole geschossen:

„1’400, Sir“4
„Wow, that’s way too much. Please let me out then“
„Why? How much do you want to pay then?“
„Around 300 is the standard fare, as far as I know“
„Ah. Well, it’s late already, so what about 400?“

Jeepney in Manila

Nun, es ist 11 Uhr nachts und 400 Pesos sind nicht die Welt, also stimme ich zu. So macht feilschen Spaß – von 1’400 auf 400 Pesos mit einem Satz. Ein bisschen Smalltalk, und keine 5 Minuten später stecken wir plötzlich in einem furchtbaren Verkehrsgewusel. Die Straße ist breit, sehr breit, aber es ist zwecklos, die Spuren zu zählen. Wahrscheinlich sind es 4. Praktisch sind es 6 bis 7, es wechselt von Sekunde zu Sekunde. Die Hälfte des Verkehrs scheint aus Jeepneys5 zu bestehen. Der Fahrer murmelt etwas von Fest und viel Verkehr. Aber kaum 15 Minuten später ist der Verkehr plötzlich verschwunden, und wir brausen nach Ermita im Zentrum von Manila. Anscheinend weiß der Fahrer nicht so recht, wo mein Hotel ist, aber irgendwie finden wir es doch. 400 Pesos wechseln ihren Besitzer (und später lese ich, dass man hier unbedingt Trinkgeld gibt – aber als Bewohner des trinkgeldlosen Archipels Japan muss ich mich erst wieder an dieses unlogische Konzept gewöhnen) und ich stehe vor dem Hotel.

Das Hotel trägt den klangvollen Namen Casa Bocobo, hat zwei Stockwerke und, wie es scheint, sehr kompetente Betreiber: Die Angestellten sind sehr freundlich, und alles ist blitzblank. Ich hatte – eigentlich unüblich – Flugticket und Übernachtung im Paket gebucht – ein Twin-Room mit Frühstück kostete mich so 4’000 Yen (also rund 40 Euro), und der Preis sollte sich als geechtfertigt erweisen.
Also die Sachen abgelegt und raus zu einem mitternächtlichen Bummel, um zu sehen, was in der näheren Umgebung so anliegt. In punkto Sicherheit sieht es eher bedenklich aus. Einige Ecken sind recht dunkel, und zwielichtige Gestalten irren durch die Nacht. Es ist schmutzig, und es wimmelt von Obdachlosen. In kürzester Zeit finde ich drei Convenience Stores und begebe mich so in einen 7-Eleven, um dort Getränke zu kaufen. Zum Beispiel Bier. Eine Flasche kostet 35 Pesos. Vor dem Schlafen verköstige ich zwei, drei der Getränke und werde plötzlich irgendwie schläfrig. Ich schaue mir das Etikett des Zaubertranks etwas genauer an: Red Horse heißt es, und hat sagenhafte 6.9 Prozent. Und so fallen die Augen…. langsam… zuuuuuuuuuu.

Fortsetzung folgt…

1 Umgangssprachliche Bezeichnung für im Ausland arbeitende / lebende Filipinos.

2 Trüber, naturbelassener Reiswein aus Korea. In Japan seit nicht allzu langer Zeit unter dem Namen マッコリ (Makkori) beliebt

3 Kurs zu dieser Zeit: 10’000 Yen = 4’760 Yen bzw. 1 Euro = 54 Pesos

4 Eine Anmerkung an dieser Stelle: Englisch ist aufgrund der babylonischen Sprachenvielfalt auf den Philippinen Amtssprache – neben Tagalog. Dementsprechend sprechen die meisten – mehr oder weniger gut – Englisch. Allerdings gibt es etliche Eigenarten. So werden Männer grundsätzlich mit „Sir“ und Frauen mit „Ma’am“ angesprochen.

5 Traditionelles Verkehrsmittel auf den Philippinen: Sieht von vorn aus wie ein Jeep, besteht meist aus zusammengehämmertem Aluminium, nicht selten mit Mercedes-Stern auf dem Grill und vielen bunten Zeichnungen an der Seite (von Superman bis zur Heiligen Jungfrau Maria) sowie einer überdachten „Ladefläche“ mit zwei Sitzbänken, auf denen bis zu 16 Personen Platz nehmen können – Jeepneys sind Sammeltaxis, die auf festgelegten Routen fahren, die man allerdings überall anhalten kann. Die Motoren sind sehr stark – ein plötzlich beschleunigendes Jeepney klingt in etwa wie ein Podracer aus Star Wars. Allerdings sind die Aggregate auch wahre Drecksschleudern.

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Hindernislauf in Südkorea – Teil 2

August 16th, 2010 | Tagged , , | 6 Kommentare | 1033 mal gelesen

Nach dem ersten Teil über die letzte kurze Tour nach Südkorea will ich den kurzen Reisebericht nicht unvollendet lassen.

Was vorher geschah: Anreise in Seoul, Hauptgrund Geschäftstreffen geplatzt. Brütende Hitze. Am nächsten Tag: Fahrt an die Ostküste bei strömendem Regen, vorbeiziehender Taifun verspricht, auch die nächsten Tage Bergwanderungen unmöglich zu machen – und das war eigentlich der Hauptgrund für den Abstecher an die Ostküste. Alternative: Fahrt an die nordkoreanische Grenze am nächsten Morgen. Ein zufällig am Abend kennengelernter Koreaner möchte mit – ich soll ihn am nächsten Tag um 10 Uhr anrufen.

Und so ging es weiter: Eigentlich will ich lieber allein los – erst recht, da besagter Koreaner nur ca. 100 Wörter Englisch kann, wobei er mir dabei um Längen voraus ist: Ich kann gerade mal Hallo, Tschüss, Danke und „Ein Bier bitte“ sagen. Obwohl ich (erneut) festgestellt habe, dass Japanischkenntnisse mitunter nützlich sind: Der „Intercity-Busterminal“ heisst „Shigai taaminaru“ auf Japanisch, und „Sige tominar“ (oder so) auf Koreanisch – ich brauche nur zu nuscheln und man versteht mich. Das ist aber eher eine Ausnahme. Andererseits das gleiche Phänomen wie auch in Japan: Man sagt etwas auf Koreanisch, wird aber nicht verstanden, da das Gegenüber die Kombination „grosser weisser Mann (mit Bart!)“ + Koreanischkenntnisse als invalide Eingabe abtut und auf stumm schaltet – so sage ich einer jungen Dame in einem abstrusen Cafe „Hat Koppi juseyo“ – „heissen Kaffee bitte“. Sie schaut mich an wie ein Alien, aber ein anderer Bediensteter hinter ihr sagt exakt die gleichen Wörter nochmal, mit der gleichen Intonation: „Hat!“ … „Koppi!“.

Südkorea
Diskriminierung mal anders rum: Schild an einer Toilettentür (westliche Toilette) im Busbahnhof von Sok’cho. Die Übersetzung ist nicht 100% korrekt, auf Koreanisch steht dort nämlich nur „Oeguk-in chon’yo“ – „Für Ausländer“, aber es impliziert in der Tat ein bisschen, dass Koreaner diese Toilette nicht nutzen sollen.

Ach ja – eigentlich will ich also nicht, aber da ich es versprochen hatte, rief ich doch den Koreaner an. Genauer gesagt zerrte ich eine Koreanerin im Hostel herbei, schilderte ihr die Lage und hielt ihr mein Handy ans Ohr. Antwort: „Teilnehmer vorübergehend nicht erreichbar“. Na sieh mal einer an, da hatte wohl noch einer kalte Füsse bekommen.

Also ging es allein los. Natürlich goss es in Strömen. Ich habe einen japanischen Reiseführer bei mir. Klar komme ich mir damit ein bisschen blöd vor, aber mein Lonely Planet von Korea ist über 10 Jahre alt, und wegen einer knappen Woche einen Neuen kaufen lohnt nicht. Zumal der japanische Reiseführer den Vorteil hat, dass Stadtpläne mit Schriftzeichen UND Hangul (koreanisches Alphabet) versehen sind – beides hilfreicher als lateinische Buchstaben.

Laut Reiseführer muss ich mit dem Bus knapp 50 km bis nach Daejin fahren, von dort „etwas“ laufen und dann auf Glück hoffen: Wer zur Grenze will, muss sich vor dem Sperrgebiet (ca. 12 km von der Grenze entfernt) registrieren – und sich dann irgendwie durchschlagen, denn ohne Auto darf man nicht rein. Ich hatte freilich gerade keins dabei. Klingt … interessant. Ich bin der einzige Fahrgast im Bus, und es geht immer weiter nach Norden entlang der Küste. Koreanische Busfahrer rasen wie die Wilden, und so bin ich gute 30 Minuten später an der Endhaltestelle – im Nirgendwo. Ich laufe erstmal los – erstaunlicherweise regnet es hier kaum. Nach ca. 2 km komme ich zum grossen Besucherzentrum. Ich gehe zur Anmeldung. „Ihr Auto?“ werde ich gefragt. „Halte ich später an“ antworte ich. Der Mann guckt etwas schräg, und deutet an, dass ich in der Ecke warten möge. Die nächsten melden sich an. Dann die Nächsten – ein junges Pärchen. Der Schaltermensch erklärt etwas, und zeigt in meine Richtung. Dann winkt er mich herüber: Er hatte die beiden gefragt, ob sie mich mitnehmen könnten, und die beiden hatten nichts dagegen.

Ich danke den beiden auf Koreanisch und bleibe erstmal stumm. Will sie ja schliesslich nicht sinnlos zutexten. Wir schauen zusammen einen kurzen Film zur Verhaltensweise im Sperrgebiet an. Dann gehen wir zum Auto. Er spricht mich dann schliesslich an – offenbar kann er ein bisschen Englisch. Madam scheint weniger begeistert.

Los geht es also mit dem Auto – durch zahllose Barrikaden und vorbei an einem hypermodernen Grenzübergang – hier wurde optimistischerweise schwer in die Infrastruktur im Falle einer plötzlichen Wiedervereinigung investiert. Wenig später erreichen wir das Ziel – das 고성통일전망대 Gonseng (Wieder)vereinigungsobservatorium. Immerhin geht es etwas leiser zu als vor 11 Jahren, als ich an einem anderen Punkt der Grenze war: Damals beschallte man sich noch lautstark von beiden Seiten.

Südkorea
Grenze zu Nordkorea: Die eigentliche Grenze liegt in etwa auf Höhe der kleinen Halbinsel

Die DMZ (entmilitarisierte Zone) ist an dieser Stelle Koreas besonders interessant: Dank der sogenannten „Sonnenscheinpolitik“ Südkoreas, die allerdings schon wieder beendet ist, war es an diesem Ort nämlich für zahlende Südkoreaner möglich, ein paar Kilometer weit nach Nordkorea hereinzufahren – zu einem besonders schönen Abschnitt der koreanischen Bergwelt. Bis eine Touristin quasi „aus Versehen“ von einem nordkoreanischen Soldaten erschossen wurde.

Und so hat man unter sich die kompletten Grenzanlagen mit allerneuester Strassen- und Eisenbahnanbindung vor sich, und keiner darf sie benutzen. Automatisch denkt man dabei an die Wiedervereinigung Deutschlands zurück – an all die Probleme die Kosten und die Tatsache, dass selbst nach 20 Jahren noch erhebliche Unterschiede bestehen. Dabei waren sich Ost- und Westdeutschland noch relativ nah: Der Unterschied zwischen Nordkorea und Südkorea sowie die Probleme bei einer potentiellen Wiedervereinigung dürften jeglicher Vorstellungskraft trotzen. Nur als Beispiel: Es gibt zahlreiche Berichte von Flüchtlingen und Hilfsorganisationen aus dem Norden, dass die Menschen dort aufgrund der desaströsen Nahrungsmittelknappheit entgegen dem allgemeinen Trend nicht immer größer, sondern immer kleiner werden: 1.4 m „grosse“ Soldaten sollen wohl keine Seltenheit sein.

Mit den beiden Koreanern komme ich mehr und mehr ins Gespräch. Sie spricht etwas Englisch, er etwas Japanisch. Zu einer Diskussion über Politik reicht es zwar nicht, aber wir unterhalten uns ganz gut. Danach geht es noch zusammen in ein hypermodernes Museum über die Grenze und die Teilung. Die beiden fragen, wohin ich nach der Grenze gehen möchte. Ich sage „nach Sok’cho“. Da wollen die
Beiden auch hin, und sie bieten an, mich bis dahin mitzunehmen. Unterwegs halten wir noch an einem See – dort steht die Villa des ersten südkoreanischen Präsidenten sowie – keinen Kilometer davon entfernt – das Wochenendhaus vom Kim Il Sung, dem nordkoreanischen Gottvater (die gesamte Region gehörte von 1945 bis 1950 zu Nordkorea).

Gegen 6 Uhr abends erreichen wir Sok’cho. Ob ich auch hungrig sei, fragt er – ja, sage ich, denn außer einer Scheibe Toastbrot am Morgen hatte ich noch nichts gegessen. Sie haben auch Hunger, sagt er – sie hatten ebenfalls kein Mittag. Toll. So hat keiner aus Rücksicht auf den Anderen was gegessen. Jedenfalls verabschieden wir uns dort – ich gebe ihnen meine Visitenkarte und sage ihnen, sie sollen sich unbedingt bei mir melden, falls sie mal nach Japan kommen – das kann durchaus passieren.

Am nächsten Tag hatte ich gerade mal den Vormittag zur Verfügung, denn am Nachmittag musste ich schon wieder zurück nach Seoul. Also früh aufgestanden, und raus mit dem Bus zum Nationalpark. Von den Bergen sieht man gerade mal die Füsse, und die Seilbahn fährt ins weiße Nichts. Aber man hofft ja. Aus purem Zeitmangel geht es also mit der Seilbahn in die Wolken und dann ein paar Hundert Meter durch zähen Nebel – sowie die letzten paar Meter am Seil entlang auf den Gipfel. Und wer hätte das gedacht: Die Wolken haben Löcher, und nach einer Weile kann man tatsächlich etwas sehen. Aber nur für kurze Zeit.

Südkorea
Glück gehabt: Die Wolken haben ein Loch

Am nächsten Tag ging es dann auch schon wieder zurück. bei strömendem Regen, versteht sich. Alles in allem gab es aber dank der Berge doch noch ein versöhnliches Ende.

Bei meiner ersten Tour nach Südkorea war ich nicht allein, bei dieser Tour jedoch schon. An der Stelle eine kleine Warnung an alle, die sich allein auf den Weg nach Südkorea machen: Ausserhalb der Grossstädte wie Seoul oder Pusan ist es sehr schwer für Einzelne, auswärts essen zu gehen – sehr viele koreanische Restaurants lassen Einzelpersonen gar nicht erst rein. Nein, das kann nicht nur an mir gelegen haben – ich sah eigentlich relativ gepflegt aus… Dachte ich so zumindest….

Mehr Fotos gibt es hier zu sehen:

Get the flash player here: http://www.adobe.com/flashplayer

So, nach dem kurzen Abstecher geht es ab dem nächsten Beitrag wieder um Japan….

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Hindernislauf in Südkorea

August 10th, 2010 | Tagged , , | 7 Kommentare | 1057 mal gelesen

Manchmal gibt es Reisen, bei denen man denkt, dass alles verflucht ist. Gestern kam ich nachmittags in Seoul an – und es war abgemacht, dass ich am Flughafen unseren koreanischen Geschäftspartner anrufe, um festzumachen, wann wir uns wo und warum treffen. Gesagt, getan. Eine Frauenstimme schimpfte auf mich umgehend am Telefon ein. Ich weiss nicht warum, aber für ungeübte Ohren klingt Koreanisch immer ein bisschen so, als ob man gerade was ausgefressen und nun dafür verbal bestraft wird. Eins war jedoch klar – es war eine Ansage vom Band. Versuchte mir wahrscheinlich beizubringen, dass der Teilnehmer momentan nicht erreichbar ist.

Nun gut. Also erstmal zum Hotel. Eine Stunde später halte ich der Rezeption das Telefon ans Ohr und bitte, zu übersetzen. Siehe da, Teilnehmer nicht erreichbar. Also rufe ich im Büro an. Lapidare Antwort dort: Ist nicht da. Erst als ich den Teilnehmer am anderen Ende der Leitung zur Schnecke mache – schliesslich bin ich gerade extra wegen des Meetings aus Tokyo angeflogen – erklärt er mir, dass die Mutter des Chefs am Vortag verstorben sei und er deshalb momentan nicht in Seoul ist. Oops. Mail gecheckt – siehe da, ein paar Stunden zuvor kamen zwei Emails von ihm und seinem Sekretär mit Lageschilderung. Soviel zum geschäftlichen Teil dieser Reise. Natürlich kann man ihm da keinerlei Vorwürfe machen.

Heute ging es schliesslich dann mit dem Bus nach Sok’cho an der Ostküste. Dort gibt es einen ganz famosen Nationalpark in den Bergen, und letztere riefen mich mit ganz lauter Stimme. Heute regnete es in Strömen, doch das sollte mir relativ egal sein – war die meiste Zeit sowieso im Bus. Dachte ich so. Meine Frau funkte mich derweilen an und sagte „Ach ja, da ist ein Taifun im Anmarsch. Sei vorsichtig“. Schnell im Internet nachgesehen – und schau an! Der Taifun zieht genau zwischen Korea und Japan lang und streift dabei die Gegend hier am Nachmittag. Wenn ein Taifun „vorbeistreift“ bedeutet dies in der Regel eins: Aushaltbare Windstärken, aber ungeheure Wassermengen. Klasse. Berge kann ich also getrost vergessen.

Dafür traf ich heute aber zufällig zwei nette Koreaner beim Abendessen, denen ich partout nicht ausreden konnte, mein Essen mitzubezahlen. Zwei Leute waren es – einer sprach gar kein Englisch, der andere ungefähr 100 Wörter. Als ich fragte, ob sie vielleicht Japanisch können (keineswegs abwegig hier) zeigten sie mir auch ohne Worte relativ deutlich, was sie von Japan halten. Als ich mit ihnen anhand einer Reisekarte in meinem (japanischen) Reiseführer etwas erklärte, erblickten sie die japanische Bezeichnung 日本海 Nihonkai, Japanisches Meer, worauf sich die Minen noch mehr verdüsterten. Aber egal – ich bin ja schliesslich Deutscher und kein Japaner. Weia.

Da die Berge wohl morgen ins Wasser fallen (bruhaha… was für ein Brüller), muss ich also nach Alternativen Ausschau halten. Eine wäre eine Fahrt an der Küste entlang bis zur Grenze nach Nordkorea. Dort gibt es ein Museum, eine Aussichtsplattform usw. Als Ostdeutscher ist man ja schliesslich nur den Blick von der anderen Seite der Mauer gewohnt :) Einer der beiden Koreaner möchte unbedingt mit – ich soll ihn deshalb morgens um 10 anrufen. Na, das wird bestimmt ein Gaudi.

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Zurück aus Macao – Casinos und Mittelalter

August 15th, 2009 | Tagged , , | 13 Kommentare | 1188 mal gelesen

So, da bin ich wieder – zurück von einer bunten Kurzreise durch die verschiedenen Chinas: ein Tag Taiwan, ein Tag Hongkong, ein Tag Festlandschina, ein paar Tage Macao. Soll ja keiner behaupten, ich wüsste nicht, wie ich meinen kargen Urlaub nutzen kann. Irgendwie gewann ich während der Woche auch den zugegebenermassen leicht vermessenen Eindruck, eine Art Heilsbringer zu sein: Kaum betrat ich taiwanesischen Boden, verliess ein äusserst zerstörerischer Taifun den selbigen (neueste Zahlen schätzen, dass er rund 500 Menschenleben forderte). Am Tag, nach dem ich Japan verliess, gab es ein halbwegs starkes Erdbeben in der Region Tokyo. Einen Tag später traf der erste Taifun des Jahres Tokyo. Und am folgenden Tag gab es ein doch schon recht heftiges Erdbeben. Also, macht Euch keine Sorgen: Ich bin wieder im Lande!

Aber nun stellen wir uns mal ganz dumm und fragen, wat is eijentlich een Macao? Macao ist die portugiesische Antwort auf Hongkong, nur viel, viel kleiner. Wie auch Hongkong, wurde es 1999 an China zurückgegeben. Macao ist nur eine Bootsstunde von Hongkong entfernt. Macao ist der einzige Ort in der grösseren chinesischen Wohlstandssphähre (man verzeihe mir den Ausdruck), an dem Glücksspiel erlaubt ist. Macao bezieht 70% seiner Einkünfte aus dem Glücksspiel.


Macao
Alt und neu: Hotel + Casion Grand Lisboa, vom Guia-Leuchtturm aus gesehen
Und – Macao hat die höchste Dichte an UNESCO-Weltkulturerbestätten – das Gebiet ist nur 28 km² gross, hat aber 41 als Weltkulturerbe eingetragene Stätten. Zusätzlich ist Macao für F 3 und Motorradrennen mitten durch die Innenstadt bekannt.

Faszinierend an Macao ist der Facettenreichtum: Eine historische, portugiesisch geprägte Altstadt hier, hypermoderne, glitzernde Casinos und Hotels da – nur 500 m entfernt. Wie eine Fata Morgana. Dabei bleibt sogar Platz für Natur und abgelegene Strände und kleine Dörfer, die man genauso gut am Mittelmeer vermuten kann.

Alle namhaften Hotels haben sich hier niedergelassen. Mit namhaften Hotels meine ich nicht so schnöde Absteigen wie das Hilton, sondern MGM, The Venetian (2,5 Milliarden Dollar teuer, mit Canale Grande Nachbildung), Wynn usw. Klientel: Hongkong-Chinesen und Chinesen, bei denen das Glücksspiel eben verboten ist.


Macao
Reichlich unchinesisch: Dorf Coloane
Nun könnte man vermuten, dass Macao ein reichlich teures Pflaster ist. Wer hier Geld lassen möchte, kann das leicht tun – die Preise sind im allgemeinen aber sehr niedrig – viel niedriger als in Hongkong zum Beispiel. Taxis, Restaurants, normale Hotels – alles sehr erschwinglich.

Mittlerweilen ist es sogar recht einfach, Macao zu verlassen: An der Grenze zur China kann man unkompliziert ein 3-Tage-Visum für China erhalten. Das ist allerdings nur gültig für die benachbarte Sonderwirtschaftszone Zhuhai.


Macao
Zhuhai nördlich von Macao
Ob sich der Aufwand jedoch lohnt, bleibt jedem selbst überlassen: Fakt ist, dass ein Unterschied zu Macao und Hongkong noch sehr spürbar ist, jedoch mehr und mehr schwindet.
Für das benachbarte Hongkong braucht man jedenfalls kein Visum, und es gibt dutzende Fären am Tag – die brauchen nur eine Stunde. Wahrscheinlich benutzen die meisten allerdings die umgekehrte Route: In Hongkong übernachten, mit Tagesausflug nach Macao.


Macao
Hongkong: Blick von Kowloon nach Hongkong Island
Fest steht jedoch: August ist wahrscheinlich nicht die beste Zeit für die Region – es regnet sehr oft und sehr ausgiebig. Mit Englisch kommt man ein bisschen voran, aber nicht überall. Portugiesisch kann man vergessen – nicht mal die portugiesischen Ortsnamen (obwohl alle Schilder zweisprachig sind) werden verstanden. Chinesisch hilft nur begrenzt weiter, es muss schon Kantonesisch sein.

Der Satz der Woche (und aus Faulheit gleich Wort des Tages) stammt von meiner 2½-jährigen Tochter. Für sie hatten wir Milch vom 7-Eleven gekauft: „Fresh Milk, 3,6% Fat“ stand auf Chinesisch und Englisch drauf. Haltbar bis zum 15. August 2009 (gekauft am 10.). Kaum dass ich meiner Tochter die Milch gab, sagte sie freudestrahlend ヨーグルトみたい (yōguruto mitai!) – yōguruto = Joghurt. mitai = wie. Wie Joghurt. Wenn frische Milch wie Joghurt schmeckt, stimmt was nicht. Erst recht, wenn sie wie bitterer Joghurt schmeckt – die Milch war eindeutig verdorben. Gottseidank war es nicht genug, um sich den Magen zu verderben.

Was hat das ganze nun mit Japan zu tun? Um eine gewisse Themenrelevanz an den Haaren herbeizuziehen: Die Portugiesen nutzten ab dem 16. Jahrhundert Macao als ihre Basis, um Ostasien zu missionieren. Auch Japan. Das scheiterte bekanntermasssen jedoch auf recht blutige Art und Weise.

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Palmen statt Schnee

März 30th, 2009 | Tagged | 8 Kommentare | 1034 mal gelesen

An dieser Stelle noch einen elektronischen Gruss an alle, die mich (mehr oder weniger gut) kennen. Die Konferenz in Denver ging gestern zu Ende und damit ist die Arbeit hier getan – heute ging es entsprechend weiter, von Denver nach L.A. Hier sitze ich nun in einem netten, kleinen Hotel direkt in Venice Beach – gegenüber das Meer, mit meiner Wahlheimat auf der anderen Seite des Pazifiks.

Los Angeles
Venice Beach / Los Angeles

Die Zeit reichte gerade so, Venice Beach und Santa Monica zu erkunden – für Beverly Hills, Hollywood usw. wird wohl keine Zeit mehr sein. Schade eigentlich.

So. Ab übermorgen folgt die übliche Berichterstattung aus Japan! Versprochen!!!

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Blizzard statt Kirschblüte

März 27th, 2009 | Tagged | 8 Kommentare | 723 mal gelesen

Das ich in diesem Winter noch in den Genuss eines ausgewachsenen Schneesturms komme, hätte ich auch nicht gedacht. Der Fussmarsch von meinem Hotel in Denver zum Convention Center dauert eigentlich nur 5 Minuten, aber schon nach wenigen Metern sah man wie ein Schneemann aus.

Denver/Colorado

Denver/Colorado

Ich hoffe, der nicht Japan-bezogene Artikel wird mir verziehen… Am Sonntag geht es nach L.A., da sollte es doch ein bisschen wärmer sein. Hoffentlich.

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