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Das Verschwörungsgesetz und was es bedeutet

Mai 25th, 2017 | Tagged , , | Kein Kommentar bisher | 162 mal gelesen

Es war abzusehen: Trotz unübersehbarer Proteste seitens der Opposition, aber auch durchaus in der Bevölkerung (inklusive Proteste vor dem Parlament) drückte Ministerpräsident Abe am Dienstag, dem 23. Mai 2017, seine Gesetzesvorlage zum 共謀罪 Kyōbōzai („Konspirationsstraftatbestand“) durch das Unterhaus. Mit einer bequemen Mehrheit aufgrund der erdrückenden Macht der Regierungskoalition.

Was bedeutet dies nun genau? Hauptsächlich geht es darum (besser gesagt: sollte es eigentlich darum gehen), der Polizei und dem Staatsschutz („公安“ kōan) bereits bei Verdacht auf eine anstehende Straftat weitreichende rechtliche Mittel in die Hand zu legen. Vor allem durch Überwachung der verdächtigen Subjekte. Erhärtet sich der Verdacht, kann die Staatsanwaltschaft dann bereits vor der eigentlichen Tat ans Werk gehen. Hauptsächlich sollen damit Terroraktionen verhindert und dem organisierten Verbrechen der Boden entzogen werden. Weltweit sind diese Bemühungen unter dem 2000 von der UNO ratifizierten völkerrechtlichen Vertrag „Übereinkommen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität“, auch „Palermo-Konvention“ genannt, geregelt – in erster Linie ging es dabei um die grenzüberschreitende Bekämpfung von Menschenhandel, aber auch Terror. Ein Verschwörungsgesetz braucht man dafür jedoch eigentlich nicht – im deutschsprachigen Raum kommt man zum Beispiel auch sehr gut ohne aus.

Japan möchte die Palermo-Bedingungen erfüllen – vor allem mit Blick auf die anstehenden Olympischen Spiele 2020 in Tokyo. So weit, so gut. Der im Gesetz gesteckte Rahmen für die Anwendung dieses Gesetzes hat es allerdings in sich: Insgesamt 277 Straftatbestände dürfen dank des Verschwörungsgesetzes (oder besser Antikonspirationsgesetzes?) bereits im Ansatz „untersucht“ werden. Dazu zählt zum Beispiel die Entnahme seltener Pflanzen aus japanischen Wäldern. Süffisant fragte ein Oppositionspolitiker bei der viel zu kurzen Gesetzeslesung im Unterhaus, ob man jetzt wohl auch als Terrorverdächtiger gilt, wenn man im Wald Pilze sammeln geht. Die glasklare und konochentrockene Antwort der Regierung: Ja.

Zurecht protestieren zahlreiche helle Köpfe dagegen. Man befürchtet, zu Recht, eine massive Beschneidung der Bürgerrechte, wenn der Staat schon bei solchen Lappalien massiv abhören und observieren darf. Allein die Aussage „Ich gehe morgen im Wald Pilze sammeln“ könnte da die Staatsschützer auf den Plan rufen und zum Beispiel den Internetanschluss und das Telefon anzapfen. Kritiker monieren zudem, dass es bereits genügend rechtliche Mittel gibt, Terrorgefahren, und darum sollte es ja eigentlich gehen in Japan, im Vorfeld zu erkennen und zu vereiteln.

Doch das Gesetz hat nun das Unterhaus passiert, und da Abe auch im Oberhaus eine Zweidrittelmehrheit hält, wird es wohl auch diese letzte Hürde problemlos meistern. Und das mit Sicherheit vor Ende dieser Legislaturperiode, also vor dem 18. Juni.

Das wirft in mir wieder mal die Frage auf, was das 最高裁 saikōsai, der Oberste Gerichtshof in Japan eigentlich macht. Während das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe munter ein Gesetz nach dem anderen kassiert, hat man den Eindruck, dass Abe nach Herzenswillen schalten und walten kann – ohne Angst vor dem Obersten Gericht zu haben, das auch in Japan durchaus die Macht hat, Politiker und deren Vorhaben zu stoppen.

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Pressefreiheit in Japan

April 27th, 2017 | Tagged , | 1 Kommentar | 455 mal gelesen

In letzter Zeit wird viel über die Pressefreiheit beziehungsweise über die Beschneidung selbiger berichtet – unterlegt vom aktuellen Report der Vereinigung „Reporter ohne Grenzen“, die eine prinzipielle Verschlechterung der Lage im diesjährigen Report beklagten¹. Mit besonderer Sorge werden da die Entwicklungen in den USA, der Türkei, Ungarn und einigen anderen Ländern gesehen. Doch wo steht da eigentlich Japan?

Nun, die gute Nachricht ist, dass Japan auf dem gleichen Platz steht wie im vergangenen Jahr. Die schlechte Nachricht: Es ist der 72. Platz. Damit steht Japan ziemlich weit im Mittelfeld – für eine Demokratie, die seit 72 Jahren Bestand hat, eigentlich eher traurig. Burkina Faso, Papua Neuguinea und Haiti können das offensichtlich wesentlich besser. Die Lage wird auch nicht besser – im Gegenteil. Seit 2012 bemüht sich die Regierung unter Abe, die Pressefreiheit zu beschneiden, indem man zum Beispiel ein Gesetz verabschiedete, das Geheimnisverrat mit bis zu 10 Jahren Gefängnis ahnden kann (siehe Beitrag Angriff auf die Meinungsfreiheit in Japan im Verzug) – selbst die UNO protestiert(e) gegen dieses Gesetz – erfolglos. Hinzu kommen Vorfälle wie dieser hier: Sendeunfall bei Asahi: Vergreift sich der Staat an den Medien?.

Standarte des prestigeträchtigen Foreign Correspondence Club of Japan

Standarte des prestigeträchtigen Foreign Correspondence Club of Japan

Doch nicht nur das: Reporter werden von Regierungsbeamten gegängelt und teilweise unverhohlen verbal angegriffen – so erst geschehen in der letzten Woche bei einem Pressetermin des Wiederaufbauministers Imamura. Ach ja: Imamura ist nun seit vorgestern weg vom Fenster, nachdem er noch einen vom Stapel gelassen hatte: Bei einem offiziellen Empfang verlautete er nämlich, dass man „…Glück hatte, dass die Erdbeben- und Tsunamikatastrophe die Tohoku-Region getroffen hatte“. Klar, er meinte damit, dass es auch stärker besiedelte Gegenden hätte treffen können, aber die Betroffenen waren verständlicherweise nicht begeistert von der Aussage ihres Wiederaufbauministers.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Gefahr, die Reportern durch die sehr starke und einflussreiche politische Rechte droht. Sofort wird dort auf allen Kanälen von Vaterlandsverrat und Nestbeschmutzung gesprochen und Zeter und Mordio geschrien. Morddrohungen gehören wie selbstverständlich zum Repertoire und gehen den Reportern schnell an die Nieren.

Ein anderes, älteres Problem sind die 記者クラブ Kisha kurabu – die „Reporterclubs“. Ein freier Reporter kann in Japan nicht einfach so in eine Pressekonferenz marschieren – er muss Mitglied im Club sein, und der Club entscheidet auf eigene Faust, wer rein darf und wer nicht. Oder wer fliegt.

Eine Verschlechterung der Pressefreiheit bringt zum Anfang auch immer ein besonders trauriges Phänomen mit sich – nämlich das der Selbstzensur. Und wenn man sich die Nachrichtensendungen in Japan so anschaut, dann sind so ziemlich alle Sender voll bei der Selbstzensur dabei (siehe Artikel zum Niedergang der japanischen Fernsehnachrichten). Nach Besserung sieht es leider nicht aus: Auf jeden Fall nicht unter der jetzigen Regierung.

Ach ja: Im Jahr 2010 rangierte Japan beim gleichen Index übrigens auf Platz 11².


¹ Siehe hier
² Siehe hier

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Schluss mit All-you-can-drink in Japan?

April 17th, 2017 | Tagged , , | 2 Kommentare | 589 mal gelesen

Die Gesetzesvorlage zur Einschränkung des Tabakkonsums liegt bereits vor – hernach soll zum Beispiel in Japan das Rauchen in öffentlichen Räumen, inklusive Gaststätten und Bars, bald gänzlich verboten werden. Die Begründung: Das macht man weltweit eben so, und da bald die Olympischen Spiele in Tokyo anstehen, wird es Zeit, ähnliche Regeln in Japan einzuführen. Wie genau das dann geregelt wird, ist zwar nicht ganz klar, da ja in Japan auch draussen oftmals bereits Rauchverbot besteht, aber dass das Gesetz verabschiedet wird, ist nur noch eine frage der Zeit.

Das Wohlfahrts- und Gesundheitsministerium scheint jedoch bereits einen Schritt weiter zu denken – demnächst soll nämlich nicht nur der nationale Tabak-, sondern auch der Alkoholkonsum gedrosselt werden¹ Eingeschränkte Werbung, höhere Steuern, regulierter Verkauf — die Maßnahmen sind denen der Tabakrichtlinie ähnlich. Angeblich wird da auch zusätzlich über ein Verbot DES japanischen Volkssports nachgedacht: dem 飲み放題 nomihōdai (=All You Can Drink). Dieser Volkssport hat in Japan eine lange Tradition, und das ganze ist mehr oder weniger direkt mit der Tatsache verbunden, dass nahezu alle Pendler und Studenten in den Großstädten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren – diese aber je nach Linie zwischen Mitternacht und 1 Uhr nachts komplett den Verkehr einstellen. Die Zeit zum geselligen Beisammensein ist damit zeitlich stark begrenzt, weshalb man auf das altbewährte Mittel der Druckbetankung zurückgreift: Man zahlt also zwischen 1’500 oder 2’000 Yen (rund 15 Euro also) – je nach Etablissement mal mehr, mal weniger – und kann dafür 2 Stunden (auch das variiert je nach Lokal, aber 2 Stunden ist das übliche Maß) lang soviel Alkohol trinken wie man möchte.

Nombee-Daigaku - "die Trinkeruniversität". Typisch Japan...

Nombee-Daigaku – „die Trinkeruniversität“. Typisch Japan…

Dass dieses Angebot die Menschen dazu verleitet, weniger verantwortungsbewusst zu trinken, dürfte klar sein. Unter Studenten ist das besonders extrem, da dort Trinkspiele sehr beliebt sind – und dank „All-you-can-drink“ läuft man nicht Gefahr, sein Budget zu sprengen. Für Ausländer ist das meistens gewöhnungsbedürftig – ich konnte mich mit dem nomihōdai noch nie so richtig anfreunden, da es beinahe wie ein Zwang wirkt, trinken zu müssen bis die Zeit rum ist („der Geiz treibt’s rein“). Von den All-you-can-drink-Zombies in den späteren Zügen mal ganz abgesehen. Hinzu kommt, dass viele Kneipen viel herumtricksen: Da werden die Getränke, selbst Bier, gestreckt bis es nicht mehr geht, und wer kurz vor Ende der Frist noch bestellen möchte, wartet plötzlich vergebens auf Angestellte im eigentlich sehr serviceorientierten Japan.

Sicher, echtes Bier ist in Japan vergleichsweise teuer. Whisky, Wein sowie vor allem dubiose Mixgetränke, die nur einen Zweck haben – den (Gelegenheits)trinker schnell und billig abzufüllen – sind in Japan billig, erst recht, wenn man die Preise ins Verhältnis mit anderen Preisen setzt. Japan war schon immer ein Paradies für Raucher und Trinker, doch wie es scheint, neigt sich diese Zeit auch in Japan dem Ende zu. Ob man das gut findet oder nicht, liegt natürlich im Auge des Betrachters. Verantwortungsvolleren Alkoholkonsum zu propagieren ist jedoch keine schlechte Idee. Überregulierung hingegen schon. Da dies alles mit den anstehenden Olympischen Spielen begründet wird, werden da sicher auch schon die ersten Japaner die Spiele verfluchen.

¹ Siehe unter anderem hier.

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Zeit der Unsicherheit: Nordkorea

April 13th, 2017 | Tagged , | 3 Kommentare | 663 mal gelesen

Das ewige Thema Nordkorea gewinnt in den letzten Tagen immer mehr Aufmerksamkeit in den Medien und der japanischen Bevölkerung. Zwar ist man in Japan die vielen Atom- und Raketentests sowie all die anderen Provokationen seit Jahren gewohnt, doch die Lage scheint sich immer mehr zuzuspitzen. Man bekommt allmählich Angst – auf mehreren Ebenen. Die erste Ebene hat man bereits erreicht: Nachdem Donald Trump vor ein paar Tagen verlauten lies, dass er nur zwei Möglichkeiten für Nordkorea sehe – entweder Druck aus der VR China oder eine von den Amerikanern angestossene militärische Lösung, begann die Börse in Tokyo bereits damit, langsam aber sicher eine Talfahrt anzzutreten. Die Anleger sind verunsichert, da man nicht weiss, was kommt. Zur seit Jahrzehnten berechenbaren Unberechenbarkeit Nordkoreas kommt nun auch noch die Unberechenbarkeit des wichtigsten militärischen Partners Japans, der USA, hinzu. Der halbherzige Angriff der USA mit Marschflugkörpern auf den Shayrat-Militärflughafen in Syrien trug da nicht zur Beruhigung bei. Ganz im Gegenteil. Es zeugt eher von der realen Gefahr, dass die USA in die Versuchung geraten, militärisch-chirurgische Operationen in Nordkorea zu planen. In Syrien mag das gehen – Assad und seine Armee sind genügend mit anderen Dingen beschäftigt und haben sehr wahrscheinlich nicht die Mittel, um über die Landesgrenzen hinaus zu reagieren. Nordkorea hingegen hat eine nicht näher bekannte Anzahl von Raketen, darunter auch Interkontinentalraketen, sowie ABC-Waffen, wobei sich die Experten nur über das „A“ in ABC einig sind (heute verlautete allerdings Ministerpräsident Abe, dass er befürchte, dass das Land durchaus auch mit Sarin bestückte Raketen im Arsenal haben könnte)¹ – sicher keine völlig abwegige Behauptung.

In Japan hat man eher Angst vor den Raketen – schliesslich hat Nordkorea in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass es in der Lage ist, ballistische Raketen bis nach Japan und weiter zu schicken. Das wurde auch im Weissbuch des japanischen Verteidigungsministeriums anhand der folgenden Graphik anschaulich gemacht²:

Reichweite nordkoreanischer Raketen. Quelle: Weissbuch des japanischen Verteidigungsministeriums 2016

Reichweite nordkoreanischer Raketen. Quelle: Weissbuch des japanischen Verteidigungsministeriums 2016

Anhand der Grafik kann man erkennen, das gleich mehrere Raketentypen für einen Angriff auf Japan in Frage kämen – selbst die relative einfachen Scud ER-Geschosse könnten in Westjapan und Kyushu Schaden anrichten; die größeren Typen Rodong, Nodong, Taepodong, Musudan und Taepodong 2 könnten überall in Japan einschlagen. Am 17. März diesen Jahres wurde entsprechend auch erstmals in Japan (seit dem zweiten Weltkrieg) eine „Katastrophenübung für den Fall eines Raketeneinschlages“ in der Präfektur Akita abgehalten³.

Verglichen mit den Gefahren, die Südkorea im Falle einer militärischen Auseinandersetzung drohen, ist die Lage in Japan freilich noch eher harmlos. Es dürfte relativ unwahrscheinlich sein, dass irgendwann mal ein nordkoreanischer Soldat seinen Fuss auf japanisches Territorium setzt. Seoul hingegen liegt nur unweit der nordkoreanischen Grenze und ist selbst mit herkömmlicher Artillerie vom Norden her zu erreichen. Und selbst wenn Nordkorea schnell die Waffen strecken würde: Die Wiedervereinigung Südkoreas und Nordkoreas wird Südkorea ökonomisch komplett aus der Bahn werfen – was nicht ohne Folgen für Japan bleiben würde, da die Handelsbeziehungen sehr eng sind. So gesehen sitzen Südkoreaner, aber auch Japaner gebannt wie das Kaninchen vor der Schlange. Ob die Lage eskaliert oder nicht, kann von beiden letztendlich nicht vollständig kontrolliert werden. Somit bleibt nur die Hoffnung auf… Frieden.

¹ Siehe hier: „North Korea may have sarin-tipped missiles, Abe says
² Quelle: Weissbuch des japanischen Verteidigungsministeriums 2016
³ Siehe unter anderem hier: 弾道ミサイル想定、初の避難訓練 秋田・男鹿

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BOOKOFF schreibt wieder rote Zahlen

April 10th, 2017 | Tagged , | 3 Kommentare | 523 mal gelesen

Bookoff - der japanische Riesenantiquariat

Bookoff – der japanische Riesenantiquariat

Sie sind aus dem Raum Tokyo nicht mehr wegzudenken – die „BOOK•OFF“-Filialen der gleichnamigen, 1990 in Sagamihara (Präfektur Kanagawa) gegründeten Firma. 843 Filialen gibt es nunmehr. Bookoff startete quasi als Antiquariat oder besser gesagt „Gebrauchtbuchhandel“, denn dort findet man weniger rare Kostbarkeiten für Bibliophile, sondern einfach nur Bücher, die jemand nicht mehr braucht. Dazu zählen vor allem die sehr billigen 文庫 bunkō-Bücher, Mangas und Kinderbücher. Seit geraumer Zeit gehören auch CDs, DVDs und Computerspiele zum Angebot.

Das Unternehmen lebt und stirbt mit seinen Algorithmen, nach denen die Preise berechnet werden. Für die meisten Bücher, die man zu Bookoff schleppt, bekommt man ein bisschen Geld – das dauert in der Regel weniger als eine Stunde, aber die Beträge sind oft minimal, zumindest bei CDs und Bücher. Das ist natürlich immer noch besser, als alles wegzuwerfen, und das weiss Bookoff natürlich auch – damit wird geworben.

Heute wurde allerdings bekannt, dass Bookoff zum zweiten Mal in Folge rote Zahlen in der Halbjahresabrechnung vorweisen muss. So machte das Unternehmen zwischen September 2016 und März 2017 rund 1,1 Milliarden Yen Verlust (also gute 8 Millionen Euro) – bei einem Umsatz von rund 300 Millionen Euro. Zwar stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8%, aber scheinbar machen dem Konzern die Expansionspläne zu schaffen, denn Bookoff hat nun auch begonnen, Second-Hand-Kleidung, -hardware und dergleichen zu verkaufen.

Bookoff ist deshalb interessant, weil es in Japan das Konsumverhalten aktiv verändert. Waren gebrauchte Sachen, egal ob Bücher, Kleidung oder Autos, früher bei vielen Japanern eher verpönt, so sind die Bookoff-Läden heute sehr beliebt und meistens gut gefüllt. Kein Wunder – die Geschäfte sind wahre Fundgruben sowohl für Bücherfans als auch für Musik- und Filmeliebhaber. Da sollte man eigentlich meinen, dass Bookoff den großen Verlagen in Japan ein Dorn im Auge sein sollte, aber dem ist nicht so: Schaut man sich die Aktieninhaber der Firma an, so ist Yahoo! Japan mit 15% der größte Aktieninhaber (anstelle von Ebay wird in Japan Yahoo Auction benutzt, und Bookoff vertreibt viele Sachen auch auf dieser Plattform), gefolgt von zahlreichen großen japanischen Verlagen mit jeweils 5%. Anstatt Bookoff zu bekämpfen, sichern sich die Verlage so eher ihren Anteil – oder sie versehen ihre teureren Bücher ganz einfach mit „consumables“, also Sachen, die den Wert der Bücher erhöhen, aber eine Weiterverkauf schwierig machen, da diese wertsteigernden Sachen (wie zum Beispiel Codes für Onlineausgaben etc) nur ein Mal benutzt werden können.

So gesehen ist es schwer vorstellbar, dass Bookoff letztendlich zugrunde geht – zu viel steht für die Anteilseigner auf dem Spiel. Es wäre auch schade, denn bei Bookoff kann man hin und wieder den einen oder anderen kleinen Schatz bergen, und es macht Leuten wie mir, die prinzipiell keine Bücher wegwerfen können, das Leben ein bisschen einfacher, da man kein allzu schlechtes Gewissen haben muss, wenn man die Lieblinge bei Bookoff „entsorgt“.

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Fukushima-Bazille oder Von geistig verarmten Lehrern

Dezember 5th, 2016 | Tagged , , | 2 Kommentare | 687 mal gelesen

Dass Kinder aus Fukushima, die 2011 nach der Erdbeben- / Tsunami- / AKW-Katastrophe in anderen Gegenden Japans zogen, um dem Strahlenrisiko zu entkommen, in manchen Schulen Probleme bekommen würden, war leider von vornherein klar. Zu groß ist in gewissen Teilen der japanischen Gesellschaft das Bedürfnis, andere Menschen zu stigmatisieren – egal ob Ausländer oder Japaner. Das war und ist bei den burakumin so, oder bei Koreanern, bei Opfern der Atombombenabwürfe oder bei Betroffenen der Minamata-Krankheit. Oder bei Kindern mit ausländischem Elternteil.

So kam in der vergangenen Woche ans Licht, dass ein Viertklässler in der Präfektur Niigata von seinen Mitschülern gehänselt wurde – indem sie an seinen Namen nicht das übliche „-kun“ (wird für Jungs verwendet) benutzten, sondern „-kin“ – mit dem Schriftzeichen „菌“ geschrieben. Und das steht für „Bazille“. Die Mitschüler spielten damit auf die Herkunft des Jungen an und das Gerücht, dass von der Reaktorkatastrophe Betroffene unrein sind und Krankheiten verbreiten könnte.

Dem Jungen war es irgendwann genug, und er beschloss, nicht mehr zur Schule zu gehen. Doch nachdem die Eltern nachbohrten, kam etwas besonders Abscheuliches ans Tageslicht. Der Junge hatte sich nämlich vorher bei seinem Lehrer darüber beklagt, „~kin“ genannt zu werden. Dem Lehrer war also die Problematik bewusst gewesen. Doch einige Zeit später nannte eben jener Lehrer vor anderen Schulkindern den Jungen ebenfalls „~kin“.

Die Eltern hörten davon und setzten sich mit der Schule in Verbindung. Der Lehrer stritt den Vorfall erst ab. Später verbesserte er sich und sagte aus, dass er „womöglich, aber unabsichtlich den allgemeinen Rufnamen“ benutzt haben könnte. Bei einer dritten Anfrage gab er letztendlich zu, den Jungen im Beisein anderer Schüler „~kin“ genannt zu haben.
Heute berief der Direktor der Schule eine außerordentliche Schulversammlung an und entschuldige sich öffentlich bei dem Jungen. Der Direktor, wohlgemerkt — nicht der besagte Lehrer.

Der Junge ist Viertklässler, genau wie meine Tochter. Wenn ich nur daran denke, dass ein Grundschullehrer (!!!) sich so benehmen kann, mache ich mir ernsthafte Sorgen. Auch in der Schule meiner Tochter gibt es einen „Spezi“ – ein Lehrer, dem jetzt endgültig der Führerschein abgenommen wurde, da er wiederholt ohne Führerschein (der ihn wegen diverser Delikte zuvor abgenommen wurde) erwischt wurde.

Schaut man sich Kommentare in den sozialen Netzwerken so an, findet man zahlreiche Japaner, die beklagen, dass das Niveau der Schullehrer stark gesunken sei. Man fühlt sich versucht, diesen Kommentaren Glauben zu schenken, aber ich bin mir da nicht ganz so sicher. Denn Vorfälle wie diese, insbesondere die Diskriminierung von Kindern vor anderen Schulkindern, gab es in Japan eigentlich schon immer – das ist nichts Neues. Man kann sich natürlich enttäuscht darüber zeigen, dass sich offensichtlich nicht viel geändert hat.

Fälle von Schikanierung von Fukushima-„Flüchtlingen“ sind keine Seltenheit, und die berichteten Fälle sind sicherlich nur die Spitze des Eisberges. Dass jedoch auch ein Lehrer daran beteiligt ist, macht diesen Fall besonders tragisch.

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Novum: Erstmals japanischer Twitter-Nutzer wegen Fehlinformation verurteilt

November 28th, 2016 | Tagged , , | Kommentare deaktiviert für Novum: Erstmals japanischer Twitter-Nutzer wegen Fehlinformation verurteilt | 606 mal gelesen

Es dauerte keine volle Stunde, als nach dem schweren Erdbeben von Kumamoto am 14. April 2016 plötzlich die Telefone im Zoo von Kumamoto zu klingeln begannen. Die besorgten Anrufer wollten alle das gleiche wissen: Ob es denn stimme, dass ein Löwe aus dem Gehege ausgebrochen sei und nun frei durch die Stadt spaziere. Die Zoowächter konnten das nicht bestätigen und waren berechtigterweise verdutzt: Woher kamen plötzlich all diese Anrufe?

Der Grund für die Panik der Anrufer war ein einziger Tweet. Dieser beinhaltete das Foto eines Löwen, der gemächlich durch eine Straße spaziert, und die kurze Mitteilung

Gerüchte-Tweet: Angeblich ausgebrochener Löwe in Kumamoto

Gerüchte-Tweet: Angeblich ausgebrochener Löwe in Kumamoto

Das kann doch nicht wahr sein – wegen des Erdbebens ist ein Löwe aus dem nahegelegenen Zoo ausgebrochen. — Kumamoto

In Windeseile verbreitete sich die Mitteilung über Twitter – in wenigen Stunden wurde die Nachricht von über 25’000 Nutzern geteilt und damit von hunderttausenden gelesen. Menschen, die wie im Falle eines schweren Erdbebens üblich sich draussen in Evakuierungszentren trafen (üblicherweise sind das Parks oder Schulhöfe, Sportstätten usw.) gingen aus Angst vor dem Löwen schnell wieder in ihre halb zerstörten Häuser zurück – verständlicherweise bekamen es nicht wenige mit der Angst zu tun.

Wenn man sich das Bild im nachhinein ansieht, erkennt man umgehend, dass dies nicht in Japan aufgenommen sein kann: Das Grün und die Form der Ampel links gibt es so nicht in Japan, auch die Strassenmarkierungen sehen anders aus, und dann steht da auch noch ein Straßenname auf Englisch am Bordstein rechts unten. Sicher werden das auch viele erkannt haben, aber wenn man das Photo auf einem winzigen Handy-Display sieht – bibbernd, draussen in der Kälte, nach einem schweren Erdbeben – achtet man natürlich weniger auf die Details.

Der Verursacher schien ganz aus dem Häuschen und postete noch Sachen wie „So viele Retweets – das macht Spass!“ und „Über 20’000 – vielen Dank!“. Am nächsten Tag wurde sein Twitter-Konto gesperrt, und die Polizei in Kumamoto nahm ihre Arbeit auf. Am 20. Juli schließlich wurde ein 20-jähriger Angestellter in der weit von Kumamoto entfernten Präfektur Kanagawa festgenommen. Der Mann hatte nicht das Geringste mit Kumamoto zu tun und gab an, den Tweet nur aus Jux geschrieben zu haben. Das Bild mit dem Löwen hatte er im Internet gefunden – es wurde im April 2016 in Südafrika aufgenommen und es handelte sich um einen zahmen Löwen, der für Filmaufnahmen durch die Strasse schlenderte.

Mit dem schalen Scherz beschäftigten sich nun die Gerichte und kamen zu dem Schluss, dass es sich um „Behinderung der Behördenarbeit durch falsche Informationen“ handelt – belegt mit gut 2 Jahren auf Bewährung und einer Geldstrafe von über 4’000 Euro. Dies ist somit der erste Fall von デマ dema (kurz für Demagogie), der in Japan ein juristisches Nachspiel hatte. Und das ist auch gut so. Denn Demagogie hat in Japan vor allem nach schweren Naturkatastrophen Tradition und kostete zahlreichen Koreaner nach dem Erdbeben von Tokyo im Jahr 1923 das Leben, da verbreitet wurde, dass die in der Hauptstadt lebenden Koreaner die Brunnen vergiften würden. Auch nach dem Erdbeben in Tohoku 2011 und in Kumamoto 2016 gab es antikoreanische Demagogie, zum Beispiel in Form der Behauptung, dass Koreaner plündernd durch die Straßen zögen.

Der juristische Tatbestand der absichtlichen Fehlinformation ist brisant, denn es gibt mit Sicherheit eine Grauzone, die zum Beispiel für Journalisten gefährlich werden könnte. Doch allgemein betrachtet ist die Festnahme und Verurteilung in diesem Fall nur begrüßenswert, denn im Falle einer Katastrophe – dazu noch aus sicherer Entfernung – gefährliche Gerüchte in die Welt zu setzen sollte nicht ungestraft bleiben.

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Buntes Allerlei: Erdbeben | Schnee | Abe’s Fehlgriff und Geschichtsstunde

November 24th, 2016 | Tagged , , , | Kommentare deaktiviert für Buntes Allerlei: Erdbeben | Schnee | Abe’s Fehlgriff und Geschichtsstunde | 922 mal gelesen

Unerhört: Schnee in Tokyo im November

Unerhört: Schnee in Tokyo im November

Irgendwann im vergangenen Jahr, im November oder Dezember, meldete das Wetteramt Schnee für Tokyo an. Das war recht ungewöhnlich, denn wenn es mal in Tokyo schneit (man erinnere sich – Tokyo liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Tunis!), dann eher um den Februar herum. Und siehe da – es schneite nicht, und die falsche Vorhersage wurde damit begründet, „dass es nicht kalt genug war“. Aha. Heute hat es jedoch gereicht. Zwar blieb der Schnee im Zentrum von Tokyo kaum liegen, wohl aber in den Randgebieten, inklusive meines Gärtchens. Und das ist schon etwas besonderes: Das letzte mal, dass es im Zentrum von Tokyo im November geschneit hat, war 1962 – also vor 54 Jahren. Das Verkehrschaos war da, aber es hielt sich einigermaßen in Grenzen.


A propos Natur: Am Dienstag, dem 22. November, morgens kurz vor 6 Uhr, rüttelte es spürbar im Raum Tokyo — Grund dafür war ein Erdbeben der Stärke 6.9¹ vor der Küste von Fukushima – also genau da, wo man in den Jahrzehnten lieber kein grösseres Erdbeben erwarten möchte. Es wurde sogar eine Tsunami-Warnung herausgegeben, aber der Tsunami war letztendlich maximal 1.5 Meter hoch und richtete keine größeren Schäden an.  Auch im havarierten AKW gab es wohl keine besonderen Vorkommnisse. In den deutschen Medien las sich das jedoch alles so furchtbar, dass zahlreiche Bekannte ganz erschrocken über Facebook und Co. fragten, ob alles in Ordnung sei. Das freut mich natürlich sehr, aber andererseits war es letztendlich ein relativ harmloses Beben.


Und da wäre noch Ministerpräsident Abe, der in dieser Woche nach New York eilte, um als erstes Staatsoberhaupt eines anderen Landes mit Donald Trump reden zu können. Das schien Abe wohl sehr wichtig, um die Gemüter zu Hause zu beschwichtigen, denn wie hier geschildert, macht man sich auch in Japan große Sorge darüber, was Trump außen- und wirtschaftspolitisch alles anrichten wird. Scheinbar ist man noch optimistisch – nach einem kurzen Sturzflug ist die Börse seit Tagen im Höhenflug, doch es fällt schwer zu glauben, dass sich die Lage mit Trump verbessern wird. Heute kam jedenfalls ans Licht, dass Abe ein besonderes Souvenir im Gepäck hatte: Einen goldfarbenen Golfschläger der Firma Honma Golf Co. Damit wollte er die Besonderheit und Qualität der Marke „Made in Japan“ unterstreichen. Das ganze hatte nur einen Schönheitsfehler, wie die chinesischen Medien in dieser Woche genüsslich feststellten²: Honma Golf ging schon vor 11 Jahren pleite und wurde danach von chinesischen Geschäftsleuten übernommen. Das einzige, was an dem Golfschläger noch japanisch ist, ist der alte Firmenname „Honma“.


Zu guter letzt noch eine Perle japanischer Wissensvermittlung. Beim Zappen fiel mir neulich ein Programm mit dem Namen 戦国鍋TV 〜なんとなく歴史が学べる映像〜 (Sengoku-nabe TV – ‚Videos, mit denen man irgendwie ein bisschen Geschichte lernen kann‘ auf. Eine Boygroup in Glitzergewändern sang da mit viel Humor und noch mehr Verrenkungen die Erbfolgen der verschiedenen japanischen Clans im 17. Jahrhundert herunter. Das war einfach zu göttlich anzuschauen. Leider scheint es das Programm nur 2 Jahre lang gegeben zu haben – produziert wurde es laut Wikipedia von 2010 bis 2012 vom lokalen Sender TV Kanagawa, aber zur Zeit gibt es manchmal Wiederholungen. Ob das unten folgende Video in Deutschland sichtbar ist und wenn ja wie lange, weiss ich leider nicht. Aber es versuche es trotzdem:

Fazit: Interessanter Ansatz. Könnte mir vorstellen, dass einige Leute wirklich dank dieser Sendung etwas gelernt haben.

¹ Siehe unter anderem hier
² Siehe unter anderem hier

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Das gewaltige Loch von Fukuoka – eine Beinahekatastrophe und Erfolgsgeschichte

November 16th, 2016 | Tagged , | 6 Kommentare | 1928 mal gelesen

Am 8. November 2016, um 5 Uhr morgens (zum Glück!) geschah es: In Rufweite des Shinkansen-Bahnhofs Hakata, mitten in der Millionenstadt Fukuoka, tat sich binnen Sekunden ein rund 30 Meter breites, fast kreisrundes und 15 Meter tiefes Loch auf. Einfach so. Die Strasse stürzte ein, die Fundamente der anliegenden Gebäude wurden freigelegt und zahlreiche Strom, Wasser, Daten- und andere Leitungen gekappt. Zu jeder anderen Stunde des Tages hätte es bei dem Unfall im sonst sehr verkehrsreichen Zentrum Tote und Verletzte gegeben, aber um 5 Uhr morgens schläft das Land zum Glück am tiefsten. Der plötzliche Einsturz wird mit dem Bau an einer U-Bahnlinie in Verbindung gebracht – und das kennt man ja bereits aus Köln, wo vor fast genau zwei Jahren etwas ähnliches geschah und dabei das Stadtarchiv verwüstete.

Der mit 42 Jahren recht junge Bürgermeister von Fukuoka, Sōichirō Takashima (jung zwar, aber immerhin schon 6 Jahre im Amt) erklärte die Behebung des Problems umgehend zur Chefsache, und machte daraus eine Erfolgsgeschichte: Heute, also genau eine Woche später, ist das Loch komplett verschwunden. Gerade so, als ob es nie dar war:

Gestern noch da, heute schon weg: Das gewaltige Lock von Fukuoka vor 6 Tagen und heute. Quelle: Kyodo

Gestern noch da, heute schon weg: Das gewaltige Lock von Fukuoka vor 6 Tagen und heute. Quelle: Kyodo

Die Aufgabe war nicht leicht, denn es strömte immer mehr Wasser nach, bis das Loch schliesslich zum Teich mutierte. Doch man benutzte eine Technik mit dem Namen 流動化処理土 ryūdōka shorido – „verflüssigte Erdbefestigung“, in Japan auch unter dem Markennamen Ecosoil bekannt. Diese Masse ist quasi wie Beton – nur dass sie auch unter Wasser erhärtet. Das Material wird ansonsten vor allem bei der Stilllegung alter Zechen benutzt.

Da kann man nur sagen: Hut ab. Ein Loch mitten in der Innenstadt, in dieser Grössenordnung, zu schliessen und dabei noch alle anderen Kabel, Rohre usw. wiederherzustellen ist eine reife Leistung. Vielleicht sollte man Takashima mal zum Flughafen BER abbestellen.

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Was passiert wenn… Trump gewinnt?

November 8th, 2016 | Tagged , | 5 Kommentare | 1971 mal gelesen

Wie wahrscheinlich in den meisten anderen Ländern auch ist man sich in Japan ziemlich einig in der Meinung über Ronald Trump. Bei der Umfrage von Yahoo! Japan, wen man am geeignetsten für den Posten des amerikanischen Präsidenten hält, lag Clinton mit 78,9% uneinholbar weit vorn¹. Beachtlich: Bisher haben fast eine Viertel Millionen Leser bei der Umfrage mitgemacht. Man verfolgt das Geschehen in den USA also auch in Japan, und — man hat regelrecht Angst davor, was kommen könnte, wenn Trump gewinnt. Einen sonderlich japanfreundlichen Eindruck hat der Kandidat nämlich soweit nicht gemacht, und das wird sich sicherlich auch nicht ändern. Eine Aussage lautete zum Beispiel

If somebody attacks Japan, we have to immediately go and start World War III, okay? If we get attacked, Japan doesn’t have to help us. Somehow, that doesn’t sound so fair.

(das Schöne an Trumps Reden ist, dass man sie nicht übersetzen muss – da reichen selbst rudimentäre Englischkenntnisse)
Das Zitat ist umso besorgniserregender, wenn man bedenkt, dass Trump eine besondere Vorliebe für Diktaturen hat. Wem wird er also eher vor den Kopf stossen – den Chinesen? Oder den Japanern? Was allerdings noch bei dem Zitat auffällt, ist seine Fähigkeit, ob nun gewollt oder ungewollt, den Zusammenhang zu ignorieren. Richtig – das Sicherheitsabkommen mit Japan ist in der Tat einseitig. Allerdings lassen sich die Amerikaner die Stationierung ihrer Soldaten in Japan auch ziemlich gut bezahlen. Ein anderes Zitat gibt ebenfalls Anlass zur Sorge:

I’m not angry at China and I’m not angry at Japan. They send us hundreds of thousands — millions of cars. We give them nothing. You look at a trade imbalance: we send them beef, and they don’t even want to take the beef. We send them wheat and they send us cars. The numbers are staggering.

Bereits vorher hatte Trump gedroht, dass man 38% Importzoll auf japanische Autos erlassen werde, wenn Japaner 38% Importzoll für amerikanisches Rindfleisch verlangen. Bekanntermassen ist Trump auch kein Freund des geplanten Transpazifischen Freihandelsabkommens, womit er allerdings ziemlich vielen Japanern einen Gefallen tun würde, denn das Abkommen hat auch in Japan viele Feinde.

Dementsprechend wurde heute die Nachricht, dass das FBI die Ermittlungen gegen Hillary Clinton wegen ihres unprofessionellen Umgangs mit dienstlichen Emails nicht wieder aufnehmen wird, positiv aufgenommen: Der Nikkei schoss in die Höhe, und auch der Dollar legte wieder etwas zu. Insgeheim hofft, nein, bangt Japan, dass der Trump-Spuk am 8. November vorbei ist.

Und nun zur allgemeinen Unterhaltung noch ein putziges Trump-Video aus Japan:

trump-video

¹ Siehe hier.

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