You are currently browsing posts tagged with Nachrichten

Alle Jahre wieder – Whiteout in Tokyo

Januar 22nd, 2018 | Tagged , | Kein Kommentar bisher | 59 mal gelesen

Ziemlich genau 4 Jahre ist es her, das Tokyo eingeschneit wurde. Heute war es wieder soweit: Während am Vortag noch bei 12 Grad die Sonne auf dem Pelz brannte, begann es heute vormittag an zu regnen und zu schneien. Ab Mittag war es selbst im Zentrum von Tokyo nur noch Schnee. Das Resultat zur Stunde, am Abend: Rund 20 cm Schnee in der Innenstadt – selbst die wichtigsten Strassen sind schneebedeckt.
Einige Autobahnabschnitte wurden gesperrt, einige Zuglinien fahren unregelmäßig oder gar nicht.

Da das Schneemalheur abzusehen war, haben fast alle Firmen ihre Mitarbeiter früh nach Hause geschickt, was natürlich zu chaotischen Zuständen führte. Meine Strategie, wie immer etwas länger im Büro zu bleiben und sich dann irgendwie durchzuschlagen scheint aufzugehen: Bus und Bahn fahren, wenn auch etwas langsamer, und ich kann in meiner sonst gut gefüllten Bahnlinie sogar sitzen – beim Anblick des Waggoninneren kamen mir fast die Tränen…

Teilen:  

Japans alternde Gesellschaft treibt ihre Blüten

Januar 4th, 2018 | Tagged | 3 Kommentare | 794 mal gelesen

Es war keine Meldung, die in die Weihnachtszeit passt — deshalb erscheint diese Meldung mit etwas Verspätung. Das ganze geschah bereits am 23. Dezember 2017: Morgens um 5 Uhr rief ein Bewohner der Stadt Fukaya in der Präfektur Saitama den Notruf an: „Mein Nachbar teilte mir soeben mit, dass er seinen Sohn mehrfach mit dem Hammer geschlagen habe“. Polizei und Krankenwagen wurden in Marsch gesetzt, doch es war zu spät: Der Sohn erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Das pikante an der Sache: Der Sohn war reife 65 Jahre alt, und der zornige Vater sage und schreibe 92 Jahre. Laut Schilderung des Vaters war er wütend über den Lebensstil des bei ihm wohnenden Sohnes. Als er ihn in besagter Nacht betrunken vor seiner Haustür liegen sah, griff er zum Hammer und schlug mehrfach auf seinen Sohn ein.

Japans Gesellschaft altert rapide — das merkt man immer deutlicher. Diese Tatsache bringt dabei wie im obigen Fall auch allerlei seltsame Begleiterscheinungen mit sich. Dazu zählt die rapide Zunahme der durch ältere Mitmenschen begangenen Verbrechen. In vielen Städten richten die Polizeistationen deshalb eigene Dezernate ein, um dem Phänomen Herr zu werden.

Was nun genau hinter dem obigen Fall steckt, erfährt man natürlich nicht aus den Medien. Vielleicht wurde der Vater ja jahrelang vom trunksüchtigen Sohn drangsaliert oder gar mißhandelt. Vielleicht war der Vater aber auch schon immer sehr, sehr streng und kam mit dem Verhalten des Sohnes nicht klar. Fest steht jedoch, dass der 92-jährige offensichtlich sehr rüstig ist, wenn er morgens um 5 einen Erwachsenen mit dem Hammer erschlägt.

Wie immer im japanischen Fernsehen wurde der Klarname des Täters genannt — nebst Alter und Beruf. Im Falle des 92-jährigen stand freilich, wie immer in solchen Fällen 無職 mushoku – „arbeitslos“ daneben. Mit dieser Praxis komme ich nachwievor nicht klar. „Arbeitslos“ ist ein negativer Begriff und im Falle von Rentnern, ob sie nun gerade ihren Sohn mit dem Hammer erschlagen haben oder nicht, ganz sicher unangebracht.

Teilen:  

Der Shinkansen-Schock: Eschede auch in Japan möglich?

Dezember 18th, 2017 | Tagged , | 1 Kommentar | 917 mal gelesen

Bisher ein Symbol für Sicherheit und Zuverlässigkeit: Shinkansen

Bisher ein Symbol für Sicherheit und Zuverlässigkeit: Shinkansen

Es ist zwar nun schon knapp 20 Jahre her, aber die Bilder haben sich ins Gedächtnis eingebrannt: Der schwere ICE-Unfall in Eschede, bei dem 101 Passagiere starben, geschah in 1998 – als ich gerade in Japan studierte. Ungläubig schaute ich damals auf das Photo auf der Titelseite der Japan Times, das die völlig zerstörten ICE-Waggons vor einer Brücke in Eschede zeigte. Wie kann so etwas in einem eigentlich hochtechnologisierten Land wie Deutschland passieren? Und ist so etwas etwa auch in Japan möglich? Bis vor einer Woche hätten zumindest Japaner diese Frage vehement verneint, doch seit dem 11. Dezember 2017 ist man sich da nicht mehr so sicher.

An jenem Tag beschloss man, einen Shinkansen, der auf dem Weg von Hakata nach Tokyo war, für eine genauere Untersuchung außer Betrieb zu setzen — die Passagiere mussten in einen anderen Zug umsteigen. Und diese Untersuchung („点検 tenken“) offenbarte sehr ernstzunehmende Mängel. Zum einen stellte man einen Riß im Gestellrahmen fest. Außerdem lief Öl im Getriebe aus. Außerdem hatte sich der Antriebsstrang auf ungewöhnliche Art und Weise verfärbt. Folgerichtig wurde der Zwischenfall als 重大インシデント jūdai inshidento – schwerer Zwischenfall eingestuft – und zwar als erster schwerer Zwischenfall in der 53-jährigen Geschichte der Shinkansen. Man muss da ganz sicher kein Bahnexperte sein, um sich auszumalen, dass ein Riß im Fahrwerk bei 300 oder mehr Stundenkilometern eine ernsthafte Gefahr darstellt.

Das problematische an diesem Zwischenfall ist, das es bereits kurz nach der Abfahrt, im Bahnhof Kogura auf Kyushu, erste ernstzunehmende Anzeichen gab. Dort stellte man einen ungewöhnlichen, brandähnlichen Geruch fest. Später, in Okayama, wurde ein seltsames Geräusch festgestellt. In der Nähe des Bahnhofs Kyotos nahm ein Schaffner ebenfalls einen seltsamen Geruch – dieses Mal im Wageninneren – wahr. Und trotzdem war der defekte Zug – mit Passagieren – 671 Kilometer auf der Hochgeschwindigkeitstrasse, bis sich jemand die Ursache genauer ansah.

Der ICE in Eschede war zum Zeitpunkt des Unglücks mit 200 km/h unterwegs – die Shinkansen auf der San’yo/Tokaido-Strecke sind mit 285 bis 320 km/h unterwegs. Es gibt zudem unzählige, zum Teil sehr lange Tunnel auf der Strecke. Man möchte sich nicht vorstellen, was passiert, wenn ein Shinkansen bei der Geschwindigkeit, womöglich noch in oder vor einem Tunnel verunglückt. Der schwere Zwischenfall deutet jedoch darauf hin, dass so etwas durchaus auch in Japan geschehen kann.

Was die Ursache anbelangt, so ist man sich noch nicht sicher – es könnte Materialermüdung gewesen sein, die erst den Riß verursachte und hernach das Getriebe beschädigte. Vielleicht ist der Waggon auch auf der Strecke mit etwas zusammengestoßen, was gleichzeitig das Gestell als auch das Getriebe beschädigte – man weiss es noch nicht genau.

Leider passend zum Thema ereignete sich ein paar Tage später ein weiterer Zwischenfall mit einem Shinkansen – ebenfalls im Bahnhof von Nagoya: Ein Shinkansen fuhr in den Bahnhof ein, und kurze Zeit später wieder aus – ohne die wartenden Passagiere hereinzulassen. Der Lokführer dachte, dass das hintere Zugpersonal die Türen geöffnet und die Passagiere hereingelassen hätte, aber dem war offensichtlich nicht so. Der Shinkansen wurde nach den ersten Metern „zurückgepfiffen“ und man liess die Fahrgäste einsteigen. Das ist auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke dann doch ein bisschen besorgniserregend…

Teilen:  

Bildung: Englisch-Sprechtest bald Pflicht in Tokyo?

Dezember 15th, 2017 | Tagged | 2 Kommentare | 711 mal gelesen

​Die Suche nach einer Lösung des Problems mangelnder Englischkenntnisse in Japan gewann in dieser Woche an Fahrt: Das Bildungskommitee von Tokyo beschloss nämlich, eine neue Regelung für Eintrittsprüfungen in die stadteigenen Oberstufen einzuführen: Einen Englischtest, der auch Sprechen beinhaltet¹.

Eingeweihte wissen es natürlich schon längst: Die in Japan so überaus beliebten Englischtests wie TOEIC oder Eiken sind viel zu einseitig – man kann mit ihnen nicht messen, wie gut oder schlecht jemand Englisch hört und spricht. Es gibt genug Beispiele von Menschen, die einen fabelhaften TOEIC-Score von 950 oder mehr Punkten haben; beim Hörverständnis oder freien Sprechen jedoch völlig versagen. Für die Personalabteilungen global ausgerichteter Unternehmen ist das eine Katastrophe. Schlimmer noch: Die einseitige Ausrichtung auf diese Tests bedeutet, dass die Menschen weniger die Sprache lernen, als Methoden, die Tests auszutricksen. So gibt es wirklich gefühlte Myriaden von Büchern, nicht wenige von ihnen Bestseller, auf dem Markt, in denen es einzig und allein um Strategien geht, den TOEIC zu meistern. Englisch kommt in diesen Büchern eher selten vor.

Das Zauberwort heisst 4技能 – 4 Skills, also das Lesen, Schreiben, Hören und Sprechen – und wie man das ganze messen kann (da erinnere ich mich noch gut an meine SKP – Sprachkundigenprüfungen – die immerhin aus sechs Teilen bestanden!). Tests dafür gibt es reichlich, und innovative Methoden schon lange, wie Versant zum Beispiel, bei dem man mit einem Telefonanruf seine Sprech- und Hörfähigkeiten messen kann, vollautomatisch, ohne Prüfer (Firmen wie Rakuten haben das sogar in ihr Mitarbeitertraining aufgenommen). Das Bildungskommitee von Tokyo überlegt nun auch, Oberschulkandidaten auf 4-Skills zu testen – wer nicht besteht, kann die Schule abhaken und muss auf andere, weniger „gute“ und/oder wesentlich teurere Schulen ausweichen.

Soweit, so gut. Eigentlich ist das löblich, denn im globalen Zeitalter reicht es oftmals wirklich nicht aus, gute Englischkenntnisse lediglich vortäuschen zu können. Der einzige Haken an der Sache ist jedoch: Wo sollen sich die Schüler die Englischkenntnisse aneignen, um die Tests zu bestehen? An gewöhnlichen Mittelstufenschulen? Das ist lächerlich, denn der Englischunterricht dort – es gibt freilich auch, wenngleich meistens sehr teure Ausnahmen – ist eine reine Farce. Die Lehrer können selbst kaum Englisch sprechen, und um die Schüler frei sprechen zu lassen reicht die Zeit einfach nicht. Man schielt zwar schon auf CLIL, also die Benutzung von Englisch auch im Bezug auf andere Fächer, doch es mangelt am Personal.

Wird Tokyo seine Vision wahr machen, werden viele Präfekturen schnell nachziehen. – doch die Leidtragenden, wenn man so will, werden die Eltern sein, die monatlich hunderte umgerechnete Euro ausgeben werden müssen, um die Kinder an Privatschulen nachholen zu lassen, was das öffentliche Bildungssystem strafhaft versäumte und auch noch auf lange Zeit versäumen wird. Denn schliesslich ist da auch noch das allmächtige Bildungsministerium (MEXT), und über jenes bleibt nur anzumerken, dass die Redewendung „einem alten Hund kann man keine neuen Kunststücke beibringen“ durchaus einen wahren Kern hat.

¹ Siehe unter anderem hier

Teilen:  

Was den Europäern das Mittelmeer…

Dezember 12th, 2017 | Tagged | 1 Kommentar | 839 mal gelesen

Nordkoreanisches Boot in Japan. Quelle: Mainichi Shimbun

Nordkoreanisches Boot in Japan. Quelle: Mainichi Shimbun

…ist den Japanern mehr und mehr das Japanische Meer. Oder das Ostmeer, je nachdem, von wo aus man die Sache betrachtet (Südkorea unternimmt momentan alles, um eine Umbenennung des Meeres von „Japanisches Meer“ in „Ostmeer“ zu erreichen – eine sehr alberne Angelegenheit, die ganz sicher nicht zur Verbesserung der koreanisch-japanischen Freundschaft beitragen wird). Während nun schon seit Jahren unzählige Flüchtlinge versuchen, meistens von Libyen aus das Mittelmeer zu überqueren, so sind es im hiesigen Fall nordkoreanische Schiffe, die vermehrt an japanischen Gestaden anlanden. Die Dimension der Tragödie im Mittelmeer ist zwar völlig anders, aber möglicherweise zeichnet sich hier ein Trend ab: Laut japanischer Küstenwache erreichten in den 5 Jahren von 2013 bis 2017 insgesamt 328 Boote aus Nordkorea Japan – doch im November diesen Jahres allein waren es 28 Boote. 47 Menschen überlebten die Überfahrt, 60 überlebten sie nicht. Das ist kein Wunder — die Boote legen mindestens 600 Kilometer, in den meisten Fällen jedoch gut 1’000 Kilometer zurück, und bei den Booten handelt es sich überwiegend um regelrechte Nußschalen – mühsam zusammengehaltene Holzboote ohne jegliche Sicherheitseinrichtungen und mit fragilem Aufbau.

Es sieht momentan auch nicht danach aus, dass die gestrandeten Nordkoreaner auf der Flucht sind — die meisten wurden aufs offene Meer getrieben und erreichten irgendwann ungewollt das verhasste, imperialistische Japan. Deshalb geschehen diese Anlandungen zum großen Teil zwischen November und Februar, wenn ein starker Westwind das Meer aufpeitscht und antriebslose Schiffe zwangsläufig Richtung Japan schickt. Der Umgang mit den Gestrandeten gestaltet sich kompliziert. So war man anfangs zögerlich, 10 Besatzungsmitglieder eines nordkoreanischen Bootes festzunehmen, obwohl es den Verdacht gab, dass sie von einer unbewohnten Insel einen Generator und anderes Gerät gestohlen haben könnten. Doch als die Besatzung, im Schlepptau der japanischen Küstenwache, plötzlich die Leinen kappte und versuchte, zu fliehen, nahm man die Mannschaft letztendlich fest, da nun offensichtlich akuter Fluchtversuch bestand. Wie gestrandete Nordkoreaner wieder in die Heimat überführt werden wird nicht bekanntgegeben. Sie in ihren Kuttern wieder auf die hohe See zu schicken wäre allerdings auf jeden Fall lebensgefährlich.

Die übermäßige Zunahme in diesem Jahr könnte verschiedene Gründe haben – möglicherweise liegt es am verhältnismäßig rauen Wetter in diesem Winter, vielleicht sind aber auch die küstennahen Gebiete in Nordkorea überfischt, so dass die Fischer weiter ins Meer fahren müssen, als ihnen womöglich lieb ist.

Teilen:  

„Furusato Nōzei“ – das hochinteressante Steuermodell

Dezember 7th, 2017 | Tagged , | 3 Kommentare | 660 mal gelesen

Zur Zeit ist in Japan ein ziemlich interessantes Steuermodell in aller Munde — der japanische Begriff dafür lautet ふるさと納税 furusato nōzei – „furusato“ steht für „Heimat“, „nōzei“ für das Steuerzahlen. Eine „Heimatsteuer“ quasi, und, das gibt es selten — diese Steuer geschieht auf freiwilliger Basis.

Das Ganze funktioniert so: Mit Hilfe einer einfachen Tabelle oder eines Simulators (beides befindet sich hier) rechnet man erstmal aus, wo die Grenze für die Steuer liegt. Verdient man ungefähr 5 Millionen Yen pro Jahr (also rund 38’000 Euro), sind das circa 60,000 yen; verdient man 9 Millionen, sind es 130,000 yen. Jetzt sucht man sich auf einer Seite wie dieser hier etwas aus, was man haben möchte: Das sind in der Regel Produkte aus der Region, aber auch Übernachtungsgutscheine und dergleichen. Man kann sich bis zu 5 verschiedene Sachen aussuchen, und diese dann in vielen Fällen mit der Kreditkarte bezahlen. Zum Beispiel: Man liebt Bier, und bestellt sich 6 Flaschen Craft-Beer aus der tiefsten Provinz, der Präfektur Akita. Dafür „spendet“ man dann 15,000 Yen (rund 120 Euro) und bekommt dafür als Dankeschön das Bier zugeschickt. Doch jetzt kommt der Clou: Mit der Jahresendsteuerabrechnung kann man den kompletten, gespendeten Betrag, so er unterhalb der Grenze liegt, minus 2,000 yen, zurückerstattet bekommen. Will heißen, letztendlich hat man, was auch immer man sich ausgewählt hat, nur 2,000 yen (also rund 15 Euro) bezahlt. Man kann auch mehr als 5 verschiedene Sachen „bestellen“, aber dann wird es etwas komplizierter – man muss dann eine eigene Steuererklärung einreichen. „120 Euro für 6 Flaschen Bier???“ wird sich der eine oder andere jetzt sicherlich fragen. Richtig. Der echte Preis liegt wahrscheinlich bei einem Drittel oder der Hälfte (Craft-Beer hat seinen Preis). Aber man kauft ja das Bier auch nicht – man bekommt es quasi als Dankeschön für eine Spende an die Region – eine Spende, die zum grössten Teil später wieder vom Staat an den Spender zurückfließt.

Eine der Furusato-Nozei-Seiten: Hier kann man sehen, was es alles gibt

Eine der Furusato-Nozei-Seiten: Hier kann man sehen, was es alles gibt

Ziel dieser „Heimatsteuer“ ist es, die lokale Wirtschaft anzukurbeln, und das soll wohl auch wirklich geschehen, denn die Steuer ist sehr beliebt geworden. Es gibt allerdings Gerüchte, dass nicht alle Bauern, Gastwirte und so weiter davon begeistert sind, da der Betrag, den die Erzeuger letztendlich bekommen, wohl ziemlich niedrig gehalten ist. Ob dem wirklich so ist, sei dahingestellt – schließlich werden die Erzeuger und Betreiber nicht dazu gezwungen, bei der Aktion mitzumachen. Obwohl ich selbst kein großer Freund solcher Spirenzchen (dieses Wort wollte ich schon immer mal in die Tastatur hacken!) bin, überlege ich selbst mittlerweile, ob es nicht einen Versuch wert ist. Vielleicht gibt es dazu deshalb später etwas mehr…

Teilen:  

Datum der Tenno-Abdankung steht fest | Steuern, Steuern, noch mehr Steuern

Dezember 4th, 2017 | Tagged , | 4 Kommentare | 752 mal gelesen

Internetbanking mit Kaiserjahren

Internetbanking mit Kaiserjahren

Vor drei Tagen, am 1. Dezember, wurde eine seit anderthalb Jahren geführte Diskussion zu Ende geführt: Es geht um die vom Kaiser selbst vorgeschlagene Abdankung zu Lebzeiten – zugunsten des Thronfolgers und aufgrund gesundheitlicher Sorgen. Laut Beschluss des 皇室会議 kōshitsu kaigi (Kaiserlicher Hofrat) wird der Kaiser also planmäßig am 30. April 2019 seine rund 31-jährige Amtszeit beenden. Damit endet dann auch die „Heisei“-Zeitrechnung, und eine neue Zeitrechnung muss her, die im Jahr 2019 ihr Jahr 1 („元旦“ gantan“) und im Jahr 2020 ihr Jahr 2 haben wird. Wie das neue Motto, beziehungsweise wie die neue Zeitrechnung heißen wird, weiß man noch nicht.

Die gute Nachricht lautet dabei: Wahrscheinlich hat man dank der lange im Voraus geplanten Abdankung, so etwas gab es immerhin seit rund 200 Jahren nicht mehr, etwas mehr Zeit als sonst, sich auf den Namen einzustellen, denn die japanische Zeitrechnung wird noch immer auf den meisten amtlichen Dokumenten verwendet. Die schlechte Nachricht lautet, dass die Umstellung der Zeitrechnung in der IT-Branche quasi den kleinen Bruder des Y2K-Problems darstellt – hunderttausende Systeme müssen umgestellt werden, um das neue Datum darstellen und in die westliche Zeitrechnung umrechnen zu können. Das letzte Mal geschah das 1989, doch seitdem gibt es natürlich viel mehr IT als sonst. Beispiel gefällig? Das Internetbanking der japanischen Postbank zeigt das Datum im Heisei-Format, also eine am heutigen Tag getätigte Transaktion hat den Zeitstempel 29-12-04 – das steht für den 4. Dezember (Heisei) 29 = 2017. Die Transaktionen kann man sich im CSV-Format herunterladen, und unzählige Firmen haben ihre eigenen Programme dafür, diese CSV-Dateien in ihr eigenes Buchhaltungssystem zu importieren – inklusive der Umrechnung in das westliche Kalenderjahr. Das muss natürlich alles 2019 umgestellt werden. Dem jetzigen Kaiser, Akihito, kann man indes nur wünschen, dass er und seine Gemahlin bis zur Abdankung und darüber hinaus gesund bleibt, damit er noch etwas von seinem verdienten Ruhestand hat, denn so viel steht fest: Kaiser von Japan zu sein ist aufgrund der Terminfülle ganz sicher kein Zuckerschlecken.


Vor zwei Tagen sprang mir ein Artikel in den japanischen Medien (und in der Japan Times, siehe hier) ins Auge: Im für 2018 geplanten Steuerreformpaket, jenes soll am 14. Dezember verabschiedet werden, befindet sich wohl auch eine „Ausreisesteuer“ von 1,000 yen, die jeder, der Japan auf dem Luft- oder Seeweg verlässt, entrichten soll. Die Steuereinnahmen sollen dazu dienen, den Tourismus in Japan zu fördern. Sicher, 7,50 Euro sind nicht viel Geld, aber Touristen dafür zu bestrafen, dass sie auf Tourismuswerbung reagieren und nach Japan kommen, halte ich für etwas merkwürdig. Den Großteil müssen natürlich Japaner aufbringen, die ins Ausland reisen, und dennoch: Es ist beinahe so, als ob man mit einem Werbeprospekt des Möbelhändlers zu selbigem geht – und dort beim Bezahlen dann ein paar Euro für den Werbeprospekt bezahlen soll. Dabei war ich eigentlich froh, dass die unsägliche Ausreisegebühr am Flughafen Narita kurz vor der Jahrtausendwende endlich wegfiel — damals musste man nämlich noch bei der Ausreise jedes Mal gute 2’000 Yen „departure tax“ zahlen – so etwas gab es damals fast nur in „Bananenrepubliken“, und eben in Japan… Was mich jedoch wirklich wurmt, ist die Tatsache, wofür das Geld dann ausgegeben wird: Größtenteils sehr wahrscheinlich für nationalistische Propaganda.

Teilen:  

Aufruhr in der Sumowelt

November 24th, 2017 | Tagged | Kein Kommentar bisher | 514 mal gelesen

Seit gut einer Woche erschüttert ein handfester und zugleich eigenartiger Skandal die Sumowelt in Japan: Hauptakteur ist der 33-jährige Mongole Davaanyamyn Byambadorj, besser bekannt unter seinem Ringnamen Harumafuji. Interessant für die Allgemeinheit wurde der Vorfall nur, weil es sich hier um den 70. Yokozuna, also einem Sumogroßmeister, handelt. Und vielleicht auch ein wenig deshalb, weil der pockennarbige Harumafuji auf den ersten Blick furchteinflößend wirkt – ganz anders als sein Landsmann Hakuho zum Beispiel.

Der eigentliche Vorfall liegt fast einen Monat zurück: Bei einem Trinkgelage in der Provinzstadt Tottori soll Harumafuji einen Landsmann, bekannt unter dem Ringnamen Takanoiwa, niedergestreckt haben – von Schlägen war die Rede, aber auch von einer Flasche, die er ihm über den Kopf gezogen haben soll. Das Problem an der Angelegenheit ist, dass Harumafuji zum Hause 伊勢ヶ濱部屋 Isegahama gehört und Takanoiwa zum Hause 貴乃花, Takanohana. Isegahama wird vom 63. Yokozuna Asahifuji geführt, und Takanohana von, nun ja, Takanohana, seines Zeichens 65. Yokozuna. Rivalisierende Sumohäuser, also.

Harumafuji gab den Vorfall zu – zumindest, dass es einen Vorfall gab – und Asahifuji begab sich deshalb zu Takanohana, um sich dort offiziell („謝罪 – shazai“) zu entschuldigen. Doch als er dort – unangemeldet wohlgemerkt – ankam, fuhr Takanohana einfach fort. In der Zwischenzeit veröffentlichte Takanohana ein ärztliches Attest, in dem von einem Schädelbruch und weiteren, schweren Verletzungen die Rede war – und dass Takanoiwa bescheinigte, für einige Wochen nicht kampftauglich zu sein. Andererseits tauchte ein Video vom Tag nach dem Zwischenfall auf, in dem Takanoiwa offensichtlich putzmunter an einem Showkampf beteiligt war.

Der Sumoverband lud schliesslich alle Beteiligten dazu ein, Stellung zu nehmen. Takanohana verweigerte jedoch seine Teilnahme und schwieg. Bleibt nur noch die Polizei, die sich nun ebenso für den Fall interessiert. Der Fall sieht ganz nach einer offenen Fehde zwischen Asahifuji und Takanohana aus – und schadet dem Sport natürlich. Die sumointeressierte Öffentlichkeit war ohnehin schon verunsicherheit, als sich 3 von 4 aktiven Yokozuna vom letzten Turnier einfach abmeldeten – ein ungewöhnlicher Vorfall, denn von einem Yokozuna erwartet man die Teilnahme an Tournieren, so lange sie als Ringer aktiv sind.

Teilen:  

Der Massenmord von Zama

November 14th, 2017 | Tagged | 1 Kommentar | 601 mal gelesen

​In den meisten japanischen Nachrichten wird tagtäglich von irgendwelchen Verbrechen berichtet, gerade so, als ob Japan ein absolut gefährliches Land sei. Doch der Fall, der momentan durch die Presse und die Köpfe der Menschen geistert, wird vielen noch lange in Erinnerung bleiben. Es geht um den Fall von Shiraishi, einem 27-jährigen, wohnhaft in einem Apartment in der Stadt Zama, Präfektur Kanagawa.

Aufmerksam wurde die Polizei auf Shiraishi am 31. Oktober, Halloween also, als sie Häuser durchsuchte, da es einige Vermißtenfälle gab und die Handyortung der Opfer jeweils in der gleichen Gegend schwächer wurden. In der Wohnung des mutmaßlichen Täters fanden die Beamten über 200 Körperteile von insgesamt 9 Menschen – verteilt auf Kühltruhen, Kübel und so weiter, nur hier und da mühsam mit Katzenstreu bedeckt. Es dauerte ein paar Tage, um die Opfer zu identifizieren: Es handelt sich um 8 junge Frauen zwischen 15 und 26 Jahren (darunter drei Oberschülerinnen) und einen jungen Mann, der, so fand man später heraus, auf der Suche nach seiner vermissten Freundin war.

Bei der ersten Vernehmung gab der junge Mann an, sich über Twitter und andere Netzwerke an Menschen gewandt zu haben, die Selbstmordabsichten geäussert hatten. Er bot ihnen an, mit ihnen zu reden, und ihnen unter Umständen zu helfen. Dabei gab er vor, ebenfalls mit Selbstmordgedanken zu spielen. Später widerrief er seine Aussage und gab zu, dass seine Opfer meistens nur reden wollten, und das er eigentlich nur auf das Geld der Opfer aus war.

Kaltblütige Mordserien wie diese gibt es überall irgendwann mal. Das wirklich Erschreckende an dem Fall ist, dass der Täter erst am 22. August diesen Jahres in die Wohnung eingezogen war. Und diese Wohnung befindet sich in einem dicht bebauten Wohngebiet. In jenem Wohngebiet also konnte der Mörder quasi innerhalb von rund zwei Monaten 9 Menschen ermorden – erst eine komplizierte Handyortung konnte die Polizei auf die richtige Fährte bringen.

Teilen:  

Die Schlagwörter des Jahres

November 10th, 2017 | Tagged , | Kein Kommentar bisher | 583 mal gelesen

Das Jahr hat noch ein paar Wochen übrig, doch Bildungsgigant U-can ist wie jedes Jahr wieder dabei, das beliebteste bzw. prägendste neue oder in Mode gekommene Wort des Jahres zu ermitteln – auf dieser Seite. Etliche Worte sind in der Tat neu, andere gibt es schon seit langem, aber sie tauchten nun in diesem Jahr verstärkt als Schlagwörter in den Nachrichten auf. In die engere Auswahl kamen erstmal 30 Begriffe, die einen schönen Eindruck davon liefern, was die Menschen in Japan in diesem Jahr soweit beschäftigte. Aus dieser Auswahl wird nun erstmal die Top 10 ermittelt. An dieser Stelle deshalb erstmal eine Liste der 30 bewegendsten Schlagwörter des Jahres 2017 – für alle, die Japanisch lernen oder lernen wollen. Interessanterweise ist dieses Jahr auch ein rein deutsches Wort dabei — allerdings unter einer nur Eingeweihten bekannten Bedeutung.

# Japanischer Begriff Aussprache Direkte Übersetzung Hintergrund / Bedeutung
1 アウフヘーベン aufuheeben (aufheben) Aufheben (im Hegelschen Sinne) Von Governeurin Koike benutzt – im Sinne von “eine Diskussion überwinden”
2 インスタ映え insutabae Instagram-Abbild Dinge zurechtrücken/manipulieren, damit sie auf Instagram einen guten Eindruck machen
3 うつヌケ utsunuke Depression überwinden Nach einem beliebten Mangatitel
4 うんこ漢字ドリル unko kanji doriru Fäkalien-Kanji-Drill Bei Kindern beliebtes Lernmaterial, bei dem ein Kothaufen den Lehrer mimt
5 炎上○○ enjō (marumaru) XYZ-Aufflackern Nach einem beliebten Comedy-Programm. Für Netizens bedeutet “Enjō” auch “Shitstorm” oder Netzdiskussion
6 AIスピーカー ei-ai-supiika- Künstliche-Intelligenz-Lautsprecher Amazon’s Alexa & Co.
7 9・98(10秒の壁) kyū ten kyūhachi 9,98 (die 10-Sekunden-Barriere) Bezieht sich darauf, ob die japanischen 100m-Sprinter die 10-Sekunden-Marke knacken können
8 共謀罪 kyōbōzai Konspirationsstraftat Siehe hier
9 GINZA SIX (Kaufhausname) Name eines neuen Kaufhauses an der Ginza, in dem 241 Markenläden vertreten sind (eröffnet im April 2017)
10 空前絶後の kūzen zetsugo no “früher nicht und später auch nicht” extrem selten
11 けものフレンズ kemono furenzu Biesterfreunde Populäres Anime/RPG
12 35億 sanjūgo oku 3.5 Milliarden Beliebter Slogan der Komödiantin “Bluson Chiemi with B” (bezieht sich auf Anzahl der Männer auf der Erde)
13 Jアラート jei araato J-Alarm Frühwarnsystem der japanischen Regierung für Raketenabschüsse in Nordkorea
14 人生100年時代 jinsei hyakunen jidai Zeitalter der 100-jährigen Diskussion über gesellschaftliche Veränderungen im Angesicht der gesteigerten Lebenserwartung
15 睡眠負債 suimin fusai Schlafschulden / Schlafdefizit Diskussion über mangelnden Schlaf in Japan und die gesundheitlichen Spätfolgen
16 線上降水帯 senjō kōsuitai Regenband Meteorologisches Phänomen, das in Japan 2017 zu einigen, lokal stark begrenzten Sturzfluten mit zahlreichen Toten sorgte
17 忖度 sontaku Vorauseilender Gehorsam / Wunsch von den Lippen ablesen Im Zusammenhang mit Korruptionsaffären benutzter Begriff – siehe auch hier: http://www.tabibito.de/japan/blog/2017/04/03/metis-patriotenporno/
18 ちーがーうーだーろー! chi-ga-u-da-ro-u Das ist doch völlig falsch! Verzweifelter Ausruf der Ex-Abgeordneten Toyoda, als sie ihren Sekretär nach Strich und Faden massregelte
19 刀剣乱舞 Tōken Ranbu “Schwerttanz” Beliebtes PC- und Mobilspiel von DMM Games
20 働き方改革 Hatarakikata Kaikaku Reform der Arbeitsweise Öffentliche Diskussion über die Art und Weise, wie in japanischen Firmen gearbeitet wird (Stichwort Überstunden)
21 ハンドスピナー handosupina- Handspinner Die auch in Japan beliebten Spielzeuge
22 ひふみん hifumin Zahnloser, älterer und sehr drolliger Shōgi-Experte
23 フェイクニュース feiku nyuusu Fake News
24 藤井フィーバー Fujii fiibaa Fujii-Fieber Fujii ist ein Mittelschüler, der in atemberaubender Geschwindigkeit zum Shōgi-Meister aufstieg
25 プレミアムフライデー puremiamu furaidee Premium Friday Initiative zum Abbau von Überstunden/Ankurbelung des Konsums – siehe hier: http://www.tabibito.de/japan/blog/2017/01/16/premium-freitag/
26 ポスト真実 posuto shinjitsu Postfaktisch
27 魔の2回生 ma no nikaisei “Teuflische Wiedergewählte” Eine Reihe von wiedergewählten Politikern, die sich in Sicherheit wähnten und sich grobe Fehltritte erlaubten
28 ○○ファースト (marumaru) faast XYZ-First Nach “America First”, “tomin fiirst” (siehe auch hier)
29 ユーチューバー yūchūbaa You-Tuber
30 ワンオペ育児 wanope ikuji “one operator”-Kindeserziehung Familien, bei denen aus diversen Gründen sich nur ein(e) Einzige(r) um die Kinder kümmern kann
Teilen:  

« Ältere Einträge