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Wenn Marketingleute Amok laufen

Mai 31st, 2012 | Tagged , | 17 Kommentare | 1764 mal gelesen

Markant: Asahi-Hauptquartier (Foto: Wikipedia, CC-Lizenz)

Ein Mal, nur ein Mal, möchte ich bei einer Sitzung der Marketingfuzzis von アサヒビール株式会社 Asahi Breweries Ltd. dabei sein. Die Leute müssen doch vor Lachen nicht in den Schlaf kommen! Das fängt schon beim Hauptquartier der Firma (bei Asakusa/Tokyo) an. Da hatte jemand den grandiosen Vorschlag, den Büroturm so zu gestalten, dass er wie ein Bierglas aussieht. Das ist durchaus sinnvoll. Jemand anderes hatte jedoch noch einen viel besseren Vorschlag: Warum baut man daneben nicht eine Halle, und bezahlt einen superteuren Stardesigner, nämlich den Franzosen Philippe Starck, um der Halle noch eins draufzusetzen? Ein goldenes Stück … Scheiße? Aber nicht doch, sieht man doch sofort, dass das eine goldene Flamme sein soll! Ist ja auch klar, Bier – goldene Flammme… hhmmm. Ein paar verwirrte Japaner (um nicht zu sagen fast alle) sagen aus irgendwelchen Gründen trotzdem うんこビル (unko biru – Kackhaufen-Gebäude) dazu. Kunstbanausen.

Mal was ganz neues: Frisches Dosenbier!

Aber das war nur der Prolog. Die Kampagnen sind es, die mich dort gern mal Mäuschen spielen lassen wollen. Seit geraumer Zeit läuft die 鮮度実感パック Sendo Jikkan Pakku – „Fühle die Frische“-Packung-Kampagne. Der Kern: Asahi verspricht, innerhalb von drei Tagen nach Abschluss des Brauprozesses die Dosen auszuliefern und in speziellen Packungen zu verkaufen. Spezielle Packung = die üblichen silbernen Aludosen im stinknormalen Sixpack. Dosenbier? Innerhalb von drei Tagen ausliefern? Alle Achtung, liebe Marketingherren! Ob die Plörre in Dosenform innerhalb von 12 Stunden oder zwei Wochen ausgeliefert wird, dürfte ziemlich Rille sein. Aber nein – man macht einen grossen Zirkus draus, mit unendlich vielen, nervenden Werbespots und einer Webseite, auf der grossartig mit Kalendar und allem pipapo bekanntgemacht wird, wann „die nächste frische Ware“ erhältlich ist.
Was müssen sich die Marketingfuzzis dabei gedacht haben? „Mal sehen, ob uns die Leute den Mist abkaufen!“ – „Na, aber hallo!“.

Für den ungeduldigen Alkoholgourmet: Dose mit extragrosser Öffnung

Heute sah ich im Zug Asahi’s jüngsten Streich. Schon der Kampagnenname ist göttlich: „Direct Shot“. Der Clou: Die Trinköffnung in der Dose ist grösser als üblich. Und zwar am grössten in der Welt! Joho! Soll ja nicht an der Dosenöffnung liegen, dass man nicht schnell genug betrunken wird! Und da der deutsche Volkssport Dosenstechen ja noch nicht Eingang in die japanische Alltagskultur gefunden hat, muss man es eben anders, und zwar kultivierter, angehen lassen! Und so kann man sich den nächsten Verkaufsknüller schon ausmalen: Asahi’s Zaubertrunk Strong Off (7%-iges, kalorienreduziertes Bier) mit extragrosser Dosenöffnung! Wie sonst soll Mann die permanent überfüllten Züge und die zahllosen Überstunden – und die Frauen ebenjene Männer – ohne bleibenden Schaden ertragen können? Asahi, übrigens der Marktführer in Sachen Bier in Japan, hilft gern!

Aber halt – haben die Marketingfuzzis nicht etwa doch gewonnen? Immerhin schreibe ich hier gerade einen längeren Blogeintrag über den Verein! Nun, nicht ganz. Ich muss hier mal anmerken, dass ich Asahi’s beliebtestes Produkt, genannt Asahi Super Dry, überhaupt nicht schätze. Ein absolut furchtbares Gebräu. Asahi weist immer wieder darauf hin, wie man das Bier geniessen soll: Richtig kalt, so bei 0 Grad, mit eisgekühlten Gläsern. Das wiederum ergibt durchaus einen Sinn, denn bei normaler Bier-Trinktemperatur dürfte Asahi erst richtig schlecht schmecken.

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Neulich, im Kühlschrank

Mai 17th, 2012 | Tagged , | 5 Kommentare | 1244 mal gelesen

Dick wie ein Unterarm: Oktopustentakel

Dank familiärer Beziehungen kam neulich wieder eine Ladung Tiefgekühltes ins Haus. Fischiges. Und ich bin immer wieder fasziniert, wie gross die Unterschiede sind zwischen Meeresgetier im Supermarkt und Meeresgetier direkt vom Produzenten: Die meisten Sachen sind einfach mal wesentlich grösser. Nun habe ich schon etliches gesehen, aber als ich neulich den Kühlschrank aufmachte und mich eine ganze Batterie mehr als daumengrosser Saugnäpfe anschaute, war ich etwas überrascht: Dieser Oktopus hatte verdammt dicke und lange Tektakel! Alle Achtung!

Wo wir beim Thema Essen sind: Neulich bin ich mal auf eine interessante Liste gestossen: Durchschnittliche Kalorienaufnahme pro Tag und Land, erstellt von der FAO. Nicht überraschend liegen die USA auf Platz 1 mit 3’770 Kalorien, gefolgt von Österreich (schau an!) mit 3’760 Kalorien. Deutschland (3,530 Kalorien) liegt auf Platz 12 und die Schweiz mit 3,420 Kalorien auf Platz 21. So weit, so gut. Allerdings war ich von Japan etwas überrascht: So weit hinten, auf Platz 82 (2,810 Kalorien) hätte ich es nicht erwartet. Jamaika, Iran, Mauretanien – alle vor Japan.

Nun könnte man einfwerfen: Die sind doch alle so dünn, ist doch kein Wunder! Sicher, aber das gleiche gilt für Chinesen (Rang 65). Wer aber die Liebe der Japaner zum Essen kennt, ist doch – angenehm – überrascht. Gottseidank lässt sich noch immer behaupten: Japaner lieben Essen. Und die Betonung liegt auf Qualität, nicht Quantität. Natürlich gibt es auch Ausnahmen.

Die Liste kann kann man in Excel-Format von der FAO (hier klicken) herunterladen.

Das Wort des Tages: タコ tako. Mit Schriftzeichen (eher selten): 蛸. Der Oktopus. Bitte nicht mit Tintenfisch (イカ ika) verwechseln!

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Dinge, die einfach nur nerven: Sinnlose Nahrung und obszöne Sprachkonstrukte

April 26th, 2012 | Tagged , | 10 Kommentare | 2511 mal gelesen

I wanna... not see this anymore!

In letzter Zeit hängen in allen Zügen diese Poster mit Werbung für Umeshu (wer es nicht kennt: Pflaumenwein) ohne Alkohol. Werbeslogan: You wanna 酔わないウメッシュ (you wanna yowanai umesshu). „yowanai“ ist die Verneinungsform von you, zu deutsch „betrinken“. Ergo: „You wanna not get drunk„. Wow! Welcher Pinsel hat sich denn dieses schwachsinnige Sprachkonstrukt ausgedacht? Wortwörtlich ist zwar nichts dran auszusetzen – „Du möchtest Dich nicht betrinken“, aber das liegt auch nur daran, dass sich das Konstrukt nicht perfekt übersetzen lässt. Sorry, aber englische und japanische Grammatik passen einfach nicht zusammen. Ein ganz lautes 違和感! (iwakan = Unbehagen) von mir. Auch wenn man versteht, was die Herren und Damen Marketingexperten da sagen wollen.

Und los geht’s. Natürlich macht sich die durch und durch kommerzialisierte Bloggerszene in Japan ans Werk. Da wäre Herr Matsuoka, seinerseits Sprachdozent an einer Universität, der sich des Slogans annimmt in seiner „Die heutige Englischlektion“-Kolumne – und dem Wortungetüm auch noch Beifall zollt. Um Gottes Willen. Auf 2channel, dem Onlineforum, in dem jeder mal richtig die Sau rauslassen kann, zerreisst man sich natürlich die Münder, wie zum Beispiel hier oder hier. Immerhin bemerken da viele, dass der Spruch irgendwie nicht passt. Natürlich wird noch mehr darüber gemosert, was dem Kunden da angedreht werden soll: Umeshu ohne Alkohol. Ume = Pflaume, –shu = Alkohol. Alkoholloser Schnapps? Glückwunsch! Anderswo nennt man das Pflaumensprudel. Oder ume soda meinetwegen auf Japanisch.

Und hier kommt das Rezept für eine erfolgreiche Werbekampagne: Man nimmt ein paar junge, strahlende Frauen in den 20ern. Eine davon muss berühmt sein wegen irgendetwas (und ich meine keine Ferkelfilme). Den Frauen zieht man pastellfarbene Kleidchen an. Man stellt sie dann in eine durch und durch pastellfarbene Kulisse. Dann singen die Frauenzimmer ein stumpfsinniges Lied und garnieren das mit konvulsischen Zuckungen, neumodischer Tanz gedacht. Und fertig ist die Show! Und siehe da: Das Zeug verkauft sich wie blöde. Hätte man es als Pflaumenbrause verkauft, wäre wohl nichts draus geworden.

Wer sich das erfolgreiche Rezept anschauen will – bitte schön! Ich habe Euch gewarnt (da das Video bald wieder verschwunden sein könnte, hier nur als Link).

Überhaupt nervt die Lebensmittelindustrie hier (bzw. die Konsumenten) in letzter Zeit über alle Massen mit OFF-Getränken. Es muss nunmehr alles off sein: Cocktails ohne Alkohol, Bier ohne Allolllol, Bier mit weniger Purine (so kein Chemiker ist Wikipedia Dein Freund), Sprudel ohne Kalorien, Gelee und sonstiges Essen ohne Kalorien. Ich will den Nutzen alkoholfreier Getränke und kalorienreduzierter Nahrung ja nicht in Frage stellen, aber wenn ich Joghurt für die Kinder kaufen will und es gibt KEINEN EINZIGEN normalen Joghurt, sondern nur kalorienreduziertes Magermilchzeugs mit ohne Zucker, frage ich mich, wo das noch hinführt. Ähnliche Gedanken hege ich, wenn ich Mütter sehe, die ihren Kindern nach dem Spielen Coca Cola Light zu trinken geben. Ja, wunderbar. Früh übt sich!

So. Dieser Eintrag wurde gesponsert von zwei Bier, mit allem drum und dran drin! Ausserdem werde ich mich mit diesem Artikel in die Goldene Woche verabschieden. Nein, es geht nicht weg. Aber Besuch aus Deutschland von zwei liebenswerten Whiskyräubern ist angesagt, und da wird nicht viel Zeit bleiben zum schreiben. In diesem Sinne wünsche ich allen in Japan weilenden eine schöne Goldene Woche!

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Geschmacksverirrungen

Februar 11th, 2012 | Tagged , , | 12 Kommentare | 1208 mal gelesen

So schnell nicht wieder: Tiefkühlpasta

Ein krankes Kind mit hohem Fieber, eine erschöpfte Gemahlin und der übliche Stress auf Arbeit liessen mich heute abend, bzw. eigentlich nachts, zum ersten Mal seit langem zur Tiefkühlfrost greifen, denn Lust zum kochen hatte keiner mehr. Kurze Suche – ich hatte 5 Minuten Zeit, bis der Supermarkt punkt 21:45 dicht macht – und schon hatte ich zwei Packen „Pasta Genovese“ in der Hand. Pasta Due porzioni quasi, das klingt nicht so verfressen. Auf dem Bild: Grüne Spaghetti, darauf schwarze Oliven, ein paar verirrte grüne Böhnchen und ein Hauch von Parmesan. Und irgendwas Weisses.

Irgendwas Weisses? Das war mir vorher gar nicht aufgefallen. Vor dem Beschicken der Mikrowelle – mein Gott, was für ein Freitag abend – schaue ich noch mal genauer hin. Was Weisses. Gut, der Kontrast stimmt: Grün, dann schwarze Oliven, und eben weisse Würfel. Das sind doch nicht etwa… oh doch, ein Blick auf die Verpackung bestätigt meine Befürchtung: Kartoffelstückchen! Auch noch frittiert! Na klasse. Wer kommt eigentlich auf die aberwitzige Idee, Kartoffeln in die Nudeln zu tun? Kartoffeln? Gerne, her damit! Nudeln? Aber Hallo! Ohne Nudeln hätte die Menschheit gar keine Daseinsberechtigung. Gnocchi? Auch gut! Liebend gern! Aber Nudeln mit Kartoffeln drauf? Ich kann mir so etwas partout nicht vorstellen: „Du, Schatz! Danke für den tollen Abend! Und für das Essen! Also die Pasta mit den Kartoffelstückchen drauf, die haben mich echt zum Schmelzen gebracht!“ Gibt es auch nur eine Person auf diesem Planeten, die so etwas sagt!?

Nun gut, ganz abwegig ist das nicht. In Ägypten schieben die Leute pausenlos kuschari in sich rein – ein wilder, hilflos wirkender Mix aus Linsen, Reis und Nudeln (zugegebenermassen kann das sogar schmecken – zumindest wenn man grossen Hunger hat. Liebe Ägypter – jetzt bitte nicht mit der Blutwurst zurückwinken). Aber diese Unsitte, Kartoffeln auf Nudeln und Pizza zu kippen, ist einfach abartig. Eigentlich ein Wunder, daß auf der Packung nicht „German Pasta Genovese“ stand, denn eigentlich wird Essen mit unansehnlichen Kartoffelbrocken drin oder drauf gern das Prädikat „German“ zugestanden. Genauso wie man in Deutschland ja gern Pizza mit Mais drauf als „American“ deklariert. Die Unsitte mit dem Mais kennt man freilich auch hier: In Convenience Stores kippt man gern Mais auf Pasta Aglio e Olio. Das passt genauso gut zusammen wie Bier mit Tomatensaft. Jaja, ich weiss, das gibt es wirklich und nennt sich „Red Eye“. Immer, wenn das jemand bei mir im Pub bestellt hatte (zu meiner Studentenzeit in Japan), hätte ich am liebsten entgegnet: „Gern. Darf ich mich vorher kurz übergeben?“ Aber ansonsten bin ich wirklich sehr tolerant. Ganz ehrlich!

Ach ja: Die Kartoffelstückchen habe ich natürlich vor dem Verzehr entfernt. Nein, ich habe sie nicht meinen Kindern gegeben. Ich bin nicht so gemein wie meine Tochter, die die Erdbeeren aus dem Kuchen entfernt und dann sagt: „Hier, darfst auch mal probieren!“

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Break on the desk…

Januar 31st, 2012 | Tagged , | 6 Kommentare | 1390 mal gelesen

Schöner Vorschlag: Break on the desk

…and bang your head against the wall? Hmm, ich weiss nicht warum, aber irgend etwas tief in mir drin rät mir, dieses Getränk nicht zu kaufen. Ich bin ja einiges gewohnt an Engrish (falsches Englisch in Japan), aber gelegentlich verschlägt es mir noch immer die Sprache. Wie kann Kirin, immerhin einer, wenn nicht der grösste Getränkehersteller Japans, so einen Mist mit so viel Selbstbewusstsein auf Packungen drucken? Break on the desk!? Und darüber steht der gleiche Schund auch noch in Katakana: ブレイク オン ザ デスク (bureiku on za desuku). Damit auch ja jeder denkt, dass sei richtig wichtiges Englisch.

Standardausrede vieler, in der Regel sehr detailversessener Japaner, wenn man mal dieses haarsträubende Englisch anspricht, ist übrigens meistens „Liest doch sowieso keiner, ist doch egal“. Alles klar! Ist ja auch nicht die eigene Sprache.

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Selbstgebrautes Teil 2 – Heute: Karin-Schnaps

November 11th, 2011 | Tagged , , | 6 Kommentare | 1319 mal gelesen

Am vergangenen Sonntag ging es auf Wunsch einer einzelnen Tochter in einen ziemlich grossen Park im Osten von Tokyo. Wunsch der Begierde waren sogenante クヌギ Kunugi. Im Deutschen unter dem Namen „Japanische Kastanieneiche“ bekannt, bzw. wahrscheinlich eher unbekannt. Die Kastanieneicheln sind eher so groß wie Eicheln, nur rund, und während man Eicheln hier so ziemlich überall findet, gibt es Kunigi eher selten. Damit werden die Kunigis bei 4-jährigen zu einer beliebten Währung.

Gesagt, getan. Papa weiß natürlich, in welchem Park Kunigi-Bäume an welcher Stelle stehen. Dumm nur, daß wir etwas zu spät dran waren – nahezu alle Kunigi waren bereits von anderen Kindern aufgesammelt worden. Verdammt. Man sollte mehr Kunigi-Bäume pflanzen. Oder die Anzahl von Kindern in Parks einschränken. Ein anderer Baum weckte jedoch die Aufmerksamkeit einiger Kinder. Jener trug Früchte, die in Form, Farbe und Größe am ehesten Zitronen ähneln. Scheinbar war gerade Wurfzeit, denn der Baum war dabei, seine Früchte abzuwerfen. Die Teile waren extrem hart, rochen dafür aber sehr ansprechend. Das erste, was mir beim Geruch einfiel, war reife Birne. Mit einer leichten Zitronennote, aber da habe ich mich vielleicht einfach nur durch Farbe und Form beeinflussen lassen.

Warte noch 2 Jährchen: Karin-Schnaps

Berechtigte und wohlplatzierte Frage meiner Tochter, bevor sie sich anschickte, herzhaft hineinzubeissen: „Kann man die essen?“ Botaniker, der ich bin („ist grün, wird wohl ’ne Pflanze sein“), antwortete ich natürlich sofort „öhhhmmmm“. Aber Halt. In Tokyo haben zwar Straßen keine Namensschilder, Bäume hingegen häufig schon. Mal schauen. 花梨 (karin) steht da drauf. Wörtlich übersetzt „Duftbirne“. Na sowas! Wäre der Name „Duftbirne mit einem leichten Anflug von Zitrone“, hätte ich mich wahrscheinlich an Ort und Stelle selber gefeiert.

Was macht also der geübte Großstadtmensch? Funke rausgeholt und erstmal gegoogelt. Und siehe da, der erste Suchvorschlag lautet „花梨酒“. Auf deutsch „DuftbirnenSchnaps“. Na bitte. Wär‘ doch gelacht, wenn man aus den Dingern nicht was machen könnte. Kind schaute daraufhin nur noch verblüfft zu, wie Papa sich bemühte, mit gezielten Würfen dem Baum noch mehr Früchte abzuringen.

Mit drei Karin in der Tasche ging es also nach Hause. Dort wurde natürlich erstmal recherchiert. Und erfreut festgestellt, daß die Dinger richtig gesund sind. Sie werden wohl auch in der traditionellen chinesischen Medizin (漢方) angewendet, vor allem um Erkältungen vorzubeugen bzw. kurieren, aber auch gegen Entzündungen jeglicher Art. Der englische Name bedeutet übersetzt „Chinesische Quitte“, und für die Lateiner unter uns: Pseudocydonia sinensis. Zyankali ist auch drin bzw. entsteht, wenn man sie zu sich nimmt, weshalb wohl vor übermässigem Genuß gewarnt wird.

Einfach so essen kann man die Karin nicht – sie sind viel zu hart. Laut Rezept nimmt man also ein Kilo Karin (wie das klingt!), knapp 400 Gramm Kandiszucker und 1.8 Liter weißen Schnaps. Früchte waschen, in ca. 2 cm breite Streifen schneiden und so wie sie sind, samt Kerne und ungeschält, zum Rest hinzufügen. Nach 6 Monaten unter Verschluß soll das Ganze wohl trinkbar sein. Nach einem Jahr soll man die Früchte entfernen. Nach 2 Jahren soll das Gebräu dann sogar richtig gut schmecken.

Nun gut, dann weiss ich, worüber ich im November 2013 bloggen kann. Vielleicht unter Karineinfluss.

Nur für’s Protokoll: „Selbstgebrautes Teil 1“ befindet sich hier: Bergpfirsich-Shōchū.

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Zwei Stunden Anstehen für ’ne Wurst / The Meat Guy

Oktober 25th, 2011 | Tagged , , | 17 Kommentare | 1894 mal gelesen

Würstchenbude in Tokyo: 2 von 4 Sorten ausverkauft, zwei Stunden Wartezeit

Nein, die Rede ist nicht von einer Suppenküche oder einem Flüchtlingslager, sondern vom Deutschlandfest, welches gestern in und um die deutsche Botschaft herum stattfand. 150 Jahre Deutsch-Japanische Freundschaft sollten da gefeiert werden – Höhepunkt des Jahres der Deutsch-Japanischen Freundschaft. Hoch die Tassen.

An der Außenmauer genau jener Botschaft, die sich kurz nach dem Erdbeben erstmal selbst in Sicherheit gebracht hatte, ohne die bei Ihr registrierten Bundesbürger irgendwie zu informieren, klebten riesengrosse Plakate, auf denen die Heldentaten gefeiert wurden, die Deutschland für das leidgeprüfte Japan nach der Katastrophe volbrachte – mit Photos von Cargomaschinen, Hochdruckreinigern, Räumgerät und dergleichen. Ich glaube, ein Photo vom THW, das zwar schnell vor Ort, aber noch schneller wieder verschwunden war, war glaube ich nicht dabei.

Das soll aber unser aller Freude nicht trüben. Ich war dann doch zu neugierig, und bin also mit meiner Tochter nach Hiroo gefahren. Schliesslich sollte ja sogar der Bundespräsident auftreten. Das tat er wohl auch, aber dafür waren wir zu spät, und meine Tochter wäre sicherlich auch nicht so sehr an einer Rede interessiert gewesen. Schon am Bahnhof von Hiroo ging es los: Menschenmassen, soweit das Auge reichte. Irgendwie Kind an den Cafes vorbei bis zum Park gezerrt – Menschenmassen überall. Hin zum Teich im Park, dann ein paar wenige Stufen hoch – dort begann eine Schlange, die bis zum oberen Teil des Parks reichte. Die Wurstschlange! Ein Zurechtweiser mit Schild „Hier Ende der Schlange“ beantwortet gutmütig die Frage nach der Wartezeit: 2 Stunden. Um Gottes Willen.

Es war viel Trubel. Unzählige Menschen, unzählige Kinder. Schnell was zum essen kaufen? Ausgeschlossen. Nun ja, hier etwas gespielt, da etwas gespielt, kurzer Heulkrampf, weil der gerade erkämpfte Heliumluftballon gen Himmel flog… nach anderthalb Stunden wurde es eh schon langsam dunkel, und so traten wir wieder den Rückweg an. So gesehen muss das Fest ein voller Erfolg gewesen sein.

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The Meat Guy

A propos Wurst: Heute bin ich über eine Webseite gestolpert, die ich vorher noch nie bemerkt habe: „The Meat Guy“. Der Name an sich ist schon herrlich. Und Programm. Der Laden wird von einem in Nagoya lebenden Ausländer betrieben – und das Angebot sieht fantastisch aus. Es gibt sogar (Fanfarenton!) ganze Enten – mit 6,600 yen, also guten 60 Euro, pro Tier (wenn auch klein) sogar relativ preiswert. Sogar Speck hat er. Naja, im Moment ausverkauft… Ich war so begeistert, dass ich hier doch prompt umsonst Werbung für den Laden mache.
Die Seite ist übrigens zweisprachig (Englisch & Japanisch) – und gut gemacht. Sprich, die Artikelbeschreibungen sind regelrecht amüsant. Hier geht’s zum Meat Guy.

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Ist Tokyo nun verstrahlt? Oder nicht? Eine Bestandsanalyse

Oktober 17th, 2011 | Tagged , , , , | 10 Kommentare | 3244 mal gelesen

In der vergangenen Woche schreckte eine Meldung zahlreiche Hauptstädter – sowie zahlreiche deutsch- und englischsprachige Blogger und ausländische Medien auf: In 世田谷区 Setagaya-ku, einem relativ zentral gelegenen und vergleichsweise gehobenen Distrikt von Tokyo, wurde an einem alten, zerfallenen Holzhaus eine Strahlenbelastung gefunden, die über der von Iitate liegt. Iitate gilt als einer der verstrahltesten Orte Japans und liegt in der Präfektur Fukushima.

Genauer gesagt fanden Privatpersonen bei einer Messung in Setagaya-ku einen Wert von 2.7 Mikrosievert vor (offizielle Meldung hier, Japanisch). In Iitate misst man momentan (im Schnitt) 2 Mikrosievert. Das sind aufs Jahr gerechnet 23.6 Millisievert. Die Internationale Atomenergiebehörde und zahlreiche andere internationale Behörden empfehlen für Normalsterbliche eine jährliche Dosis von maximal 1 Millisievert (siehe unter anderem hier, Englisch); andere Behörden und Organisationen wiederum gehen von 20 Millisievert pro Jahr als absolut unbedenkliche Menge aus. In Japan gilt der Grenzwert 1 mSv, obwohl man den Wert auf 20 mSv für Teile der Präfektur Fukushima erhöhen wollte bzw. teilweise wohl hat.

Vielleicht mag sich der eine oder andere gewundert haben, warum mir die obige Schlagzeile keinen Beitrag wert war. Nun: Das Ganze roch etwas nach Fisch. Warum? Der Wert erschien mir doch etwas zu hoch. Denn: Seit Monaten misst nicht nur die Regierung. Gottseidank. Mehr und mehr Privatpersonen und Organisationen ziehen mit Geigerzählern durch die Hauptstadtregion und teilen gern ihre Messwerte dem interessierten und besorgten Mitmenschen mit. Das ist gut, lobenswert und sehr wichtig. Und gleichzeitig ein Novum – noch nie haben die Bürger ihrer Regierung so stark misstraut.

Wäre der in Setagaya gemessene Wert nun die Regel, wäre dies auf jeden Fall eher und aus mehreren Ecken publik geworden. Die Medien griffen den Ausreisser gern auf, zumal ein Schulweg an dem besagten Haus vorbeiführt. Die lokalen Behörden nahmen das Haus unter die Lupe – und fanden dort in einem schmalen geheimfach-ähnlichen Hohlraum eine Kiste mit Ampullen. Darin: Radium. Jenes wurde bis in die 1950er unter anderem in Japan häufig verwendet: Zum Beispiel, um die Zeiger in Uhren im Dunkeln leuchten zu lassen. Nun – die Ampullen schienen aus der Zeit zu stammen. Sie wurden entfernt, und jetzt misst man am gleichen Ort weniger als 0.01 Mikrosievert. Das entspricht anderen Messungen.

„Foul!“ erschallte es sodann aus allerlei Ecken. „Das riecht ja nach Vertuschung – das stinkt doch irgendwie!“. Nun gut. An dieser Stelle mal die notwendige „What if“- Frage: „Was, wenn dort wirklich jemand Flaschen mit Radium hortete – und die über Jahrzehnte dort lagerten und vergessen wurden?“ Ausgeschlossen? Nein. Es ist einfach logisch, dass solche Dinge jetzt ans Licht kommen: Wer ist vor März 2011 schon mit einem Geigerzähler durch Tokyo gerannt? Grund zur Panik oder zur sofortigen Bemühung althergebrachter Verschwörungstheorien? Nein.

Oder? Andere Messung: In der vergangenen Woche wurden in Yokohama an zwei Orten hohe (bzw. relativ hohe) Strontiumkonzentrationen gefunden. Brisant ist daran, dass Strontium zum ersten Mal soweit entfernt von Fukushima gemessen wurde. Und: Strontium ist besonders gefährlich, da es vom Körper anstelle von Kalzium aufgenommen und in Knochengewebe eingebaut wird, um dort später Knochen- und andere Krebsarten auszulösen. Nun lag die maximal gemessene Konzentration in Yokohama bei 195 Becquerel / Kilogramm (Originalmeldung siehe hier), aber es wurde auch noch nicht flächendeckend gemessen. Die Konzentration ist relativ gering, aber es ist nicht mehr zu leugnen: Strontium gibt es nun auch in der Hauptstadtregion.

Das allgemeine Verständnis lautet dieser Tage so:

  • Die Strahlenbelastung in der Luft liegt auf einem (nahezu) natürlichen bzw. vernachlässigbar erhöhten Level
  • Trinkwasser in der Hauptstadtregion ist sicher (unter Nachweisgrenze)
  • Gemüse, Fleisch, Fisch usw: Streckenweise belastet. Leider ist es schwer einzugrenzen – vor allem bei Fleisch und Milchprodukten, da man nicht weiss, wo was verfüttert wurde. Wer bei Meereserzeugnissen auf Nummer sicher gehen möchte, kauft nur, was in Westjapan (Japanisches Meer) oder im Ausland gefangen wurde (jedoch: norwegischer Lachs ist dank englischer AKW auch belastet usw.). Wer bei Gemüse auf Nummer sicher gehen möchte, vermeidet Gemüse aus Fukushima, Miyagi, Saitama, Ibaraki, Tokyo, Chiba, Shizuoka, Yamagata, Niigata und Nagano, wobei jedoch Chiba, Shizuoka, Nagano und Niigata mittlerweilen als unbelasted gelten
  • Wer Kinder hat und in der Hauptstadtregion lebt, vermeidet altes Laub, den Zwischenraum zwischen Häusern, die Gegend um Gullydeckel und eigentlich alle Stellen, an denen sich leicht Regenwasser sammelt.

Zum letzten Punkt muss jedoch folgendes gesagt werden: Die Werte sind bei weitem zu gering, um äussere Strahlenschäden zu bewirken. Es geht hier um die innere Strahlenbelastung ((体)内被曝 – (tai)naihibaku). Eltern sollten deswegen vorsichtshalber sichergehen, dass Kinder nicht auf irgendeine Art und Weise Schmutz aus diesen Bereichen aufnehmen – zum Beispiel, indem sie dort spielen und dann an ihren Fingern lecken usw. Kurzum: Nicht im Laub oder rund um Wassergräben, Gullydeckeln usw. spielen lassen.

Wie geht es weiter?
Es wird noch einiges ans Licht kommen. Die erhöhten Konzentrationen im Grossraum Tokyo werden mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit gegen Mitte 2012 nahezu verschwunden (ausgewaschen) sein – so war es auch in Bayern ein Jahr nach Tschernobyl. Das Auswaschen radioaktiver Partikel wird jedoch noch auf lange Sicht Probleme im Wasserkreislauf verursachen.

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Ist Japan sicher?

Juli 20th, 2011 | Tagged , , , | 17 Kommentare | 7995 mal gelesen

Als Reaktion auf den letzten Blogbeitrag, der unter anderem den Skandal um den Umlauf von radioaktiv belastetem Rindfleisch in Japan aufgriff, gab es ein paar Kommentare sowie persönliche Nachrichten besorgter Japan-Aspiranten, die sich Sorgen machen, ob Japan sicher ist oder nicht – vor allem in punkto Lebensmittel. Um weiteren Anfragen vorwegzugreifen, nun also ein eigener Eintrag dazu, den ich mehr als Denkanstoss denn als Ratgeber verstanden haben möchte – zur Erinnerung, der Verfasser dieses Blogs ist im Gegensatz zu vielen Millionen Deutschen kein Experte in Sachen Nuklearphysik und Ökotrophologie.
Ist Japan also sicher? Die Frage ist schlichtweg nicht mit ja oder nein beantwortbar. Also versuche ich mal, logische Schlüsse aus den vorhandenen Fakten zu ziehen.

Die Ausgangslage
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1. Vier Reaktoren im AKW Fukushima 1 wurden durch den Tsunami am 11. März 2011 stark zerstört. Dabei wurde eine erhebliche Menge radioaktiver Substanzen a) in die Luft und b) ins Meer freigesetzt.

2) Wie man bereits an Tschernobyl erkannt hat, breiten sich Strahlung sowie kontaminierte Substanzen nicht konzentrisch aus. Sprich, 1’000 km entfernt zu wohnen bedeutet nicht zwangsläufig, das man sicherer ist als jemand in 50 km Entfernung. Das Ausmass der Kontamination hängt stark von äußeren Faktoren wie Höhe der Explosionswolke, Windstärke und -richtung, Niederschlagssituation, Meeresströmung, Tidenhub, Länge und Konzentration der Einleitung kontaminierter Substanzen usw. usf. ab.

Folgen
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Kurz nach dem Beginn der Reaktorprobleme gab es einen deutlichen Anstieg der Konzentration radioaktiven Jods, später auch Cäsiums in der nahen bis weiteren, sowie einen Anstieg von Strontium und Plutonium (möglicherweise!?) in der näheren Umgebung. Diese Substanzen verdünnen sich an den einen Stellen und konzentrieren sich an anderen Stellen., mit teilweise schwer vorhersagbaren Verteilungsmustern.

Das Problem
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1) Information. Entweder man hat das Gefühl, die Informationen reichen nicht, oder sie werden zu spät weitergeleitet. Hinzu kommt ein grosses Misstrauen gegenüber öffentlichen Quellen sowie eine ganze Reihe von Fehlinformationen aus teilweise zweifelhaften Quellen.

2) Das Ausmass. Die Ausmasse der Reaktorkatastrophe, zudem noch gepaart mit einem gewaltigen Erdbeben und einem ebenfalls gewaltigem Tsunami, einhergehend mit massiven Strom- und anderen Versorgungsengpässen, verschärft die Lage zusätzlich.

3) Kapazitäten. Natürlich hat auch Japan Labore und mobile Messgeräte, doch das Ausmass der Katastrophe übertrifft die schlimmsten Befürchtungen. Es mangelt schlichtweg an Laborkapazität, um alle Lebensmittel und alle Winkel der betroffenen Regionen sofort und allumfassend zu überwachen.

4) Sturheit und Unwissenheit. Nein, das ist keine japanische Eigenart. Der Verkauf von belastetem Rindfleisch ist teilweise auf die Sturheit einiger Viehzüchter zurückzuführen (erwiesenermassen) – die falsche Angaben zum Futter machten, in der Hoffung, ihre Tiere trotzdem verkaufen zu können. Unwissenheit hingegen seitens der Behörden zum Beispiel, die scheinbar nicht ahnen, wie der Nahrungsmittelkreislauf funktioniert.

Die jetzige Lage
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Noch immer können nicht alle Lebensmittel getestet werden. Es werden nur Stichproben genommen. Gibt es eine erkennbare Häufung von Grenzwertüberschreitungen in einem eingrenzbaren Gebiet, wird eine Auslieferungsbeschränkung angeordnet (出荷制限 shukka seigen). Teilweise geschieht diese Beschränkung jedoch auf Freiwilligenbasis – die Landwirte werden in dem Fall lediglich „gebeten“, Lieferungen auszusetzen.

Kann ich mich in Japan schützen?
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Wer Japanisch kann, kann versuchen sich zu schützen, denn das Herkunftsgebiet bei Obst, Gemüse und Fleisch ist in der Regel ausgezeichnet. Jedoch nur auf Japanisch. Völlige Sicherheit kann auch diese Massnahme nicht bieten – vor allem bei bereits verarbeiteten Lebensmitteln ist es schwer, an Informationen zu kommen.
Bei Restaurants und dergleichen kann man sich nur sehr bedingt schützen – klar man nachfragen, woher die Zutaten stammen, und gerade bei feinem Rindfleisch ist die Herkunft wichtig und wird in der Regel dazugeschrieben, aber bei Meeresgetier und Gemüse wird es schon schwieriger.

Ist Japan unsicher in Punkto Lebensmittel?
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Nun, sicher unsicherer als vor der nuklearen Katastrophe, denn radioaktive Verseuchung kommt als potentielle Gefahr hinzu. Man sollte beim ganzen Bashing jedoch eins nicht vergessen: Die Tatsache, dass grenzwertüberschreitende Lebensmittel wichtige Themen in den Nachrichten sind, zeigt zumindest eins: Es gibt Leute, die sich Sorgen machen und versuchen, auf die Gefahren hinzuweisen. Oftmals wird man erst im Nachhinein informiert, was jedoch – logischerweise – auf die momentanen Wartezeiten bei den Labors zurückgeführt werden kann.

Was soll ich tun?
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Prinzipiell hat hier jeder 3 Möglichkeiten:

1. Augen zu und durch und einfach nicht drauf achten. Man erfährt ja sowieso nicht alles und oft erst zu spät.
Vorteil: Gesteigerte Lebensqualität aufgrund geringeren Sorgen- und Stresspegels.
Nachteil: Mit etwas Pech weniger lange Freude an der gesteigerten Lebensqualität da man doch zu oft das falsche zu sich genommen hat.

2. Panik schieben, alles und jedem misstrauen und sich weitestgehend einschränken
Vorteil: Weiss nicht. Gibt es einen?
Nachteil: Stark geschmälerte Lebensqualität und höherer Stressfaktor. Eventuelle Reue, wenn man kerngesund von einem Laster überfahren wird.

3. Augen offenhalten und versuchen, nachzudenken. Fragen stellen.
– Waren Lebensmittel vor Fukushima alle kosher?
– Sind radioaktiv verseuchte Lebensmittel die einzigen Lebensmittel, die Spätfolgen hervorrufen könnten (Stichwort Dioxin, EHEC, kanzerogene Zusatzstoffe, Schimmelsporen etc)?
– Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Rindfleisch da im Restaurant vor mir nicht aus Australien, Argentinien oder Kyūshū stammt, sondern ganz bestimmt von einem Tier aus einem stark verstrahlten Gebiet?

… usw. usf.

Ist Japan sicher?
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Für Kurzzeitbesucher? Ich denke schon. Für Dauerinsassen? Vielleicht weniger sicher als vorher, aber mit etwas Vorsicht sollte man in der Lage sein, das Risiko etwas zu senken. Es sei denn man zählt zum Typ 1, dann ist es egal.
Wer für sich Möglichkeit 1 oder 3 beansprucht, sollte nach Japan kommen. Wer Möglichkeit 2 wählt, sollte es sich überlegen – und zwar gut. Die Freude an Japan könnte durch die eigene Sorge stark geschmälert werden.
Ich habe Möglichkeit 3 gewählt.
Wie viel Sorge berechtigt war, wird sich womöglich erst in 30 Jahren zeigen. Und hoffentlich nicht bei unseren Kindern, sondern wenn schon nur bei uns selbst. Aber ich glaube, dass es selbst für Kinder sicher ist – solange sich die Eltern etwas Gedanken machen und mit Bedacht agieren.

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Kühe mit zwei Köppen / Urlaubssorgen / Dies und das

Juli 15th, 2011 | Tagged , , | 10 Kommentare | 7713 mal gelesen

Da tauchte also gestern und vorgestern über die Maßen radioaktiv verseuchtes Rindfleisch auf – und alle Welt scheint sich zu wundern. Die Viecher stammten aus der Nähe des Unglücksreaktors, so scheinbar das jetzt übliche Neusprech für Fukushima I, und gelangten ruckzuck in die Nahrungsmittelkette. Jetzt ist entsprechend in den Medien grosses Staunen angesagt: Nanu, wenn man verstrahltes Gras oben in eine Kuh reinsteckt, kommt kontaminiertes Fleisch raus? Wie kann das denn passieren? Dabei werden doch alle Kühe auf Verstrahlung gemessen… naja … zumindest aussen rum. Innen nicht so richtig. Man kann ja schliesslich vor dem Schlachten nicht in die Kuh reingucken, und wenn man sie einmal aufgeschnitten hat, muss man sie schon aufessen.
Nein, die Blauäugigkeit ist schon sehr beachtlich. Manchmal habe ich das Gefühl, dass 99.99% der Leute hier noch gar nicht begreifen, auf welche Spätfolgen man sich hier noch einlassen muss. Noch stehen radioaktiv belastete Nahrungsmittel am Anfang der Nahrungskette – man vermeidet einfach Grünzeug, Fleisch und Milchprodukte aus der Region. Aber das wird zunehmend schwerer – schon beim Joghurt weiss man nicht mehr, wo der herkommt, und bei Tiernahrungsmittel wird es ganz interessant. Wer kann schon sagen, welche Viecher womit gemästet wurden. Für eine Weile wird dann wohl Aussie-Beef herhalten müssen.

Im August steht – endlich – die übliche Woche Urlaub an. Und ich spiele mit dem Gedanken, während der Zeit irgendwo als Freiwilliger im Katastrophengebiet zu arbeiten. Das ist gar nicht so einfach, schliesslich schmollt meine Frau da zu recht: Immerhin gilt es auch, zwei Kinder zu bespassen. Mal sehen. Vielleicht lässt sich ja ein Kompromiss schliessen – zwei, drei Tage als Freiwilliger, der Rest Familienurlaub. Vorerst geht es jedenfalls morgen erstmal mit Familie für drei Tage nach Hamamatsu (liegt zwischen Tokyo und Nagoya) in ein Onsen. Das muss zur Entspannung und zum Akku aufladen erstmal reichen.

Für geringer werdende Blogeinträge muss ich auch gleich noch ein paar Ausreden bemühen: In den letzten Tagen habe ich endlich mein selbstgeschriebenes Bildarchivierungsprogramm fertiggeschrieben (Programm ist etwas zu viel gesagt – es ist eine Webapplikation, eine Art Flickr für den Hausgebrauch). Entsprechend galt es erstmal, mehrere tausend Bilder zu archivieren. Aber es erfüllt seinen Zweck: Ich tippe einfach „Fuji“ ein und schon erhalte ich alle Bilder des Fuji-san, die ich über die vielen Jahre so gemacht habe, schön aufgereiht. Sind doch schon 66 Bilder… immerhin.
Als ob das nicht reichen würde, bin ich nun auch noch „president“ (Geschäftsführer!?) einer Firma geworden. Einer Firma, die sich von meiner bisherigen Firma abgespalten hat. Nein, ich bin nicht der Inhaber, aber falls die Firma mal von jemandem übernommen werden sollte, wäre das… nun ja, vorteilhaft. Ansonsten ändert sich freilich nicht viel: Mehr Arbeit für das gleiche Geld :)

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