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Luxusgut Gemüse

Oktober 18th, 2016 | Tagged , | 9 Kommentare | 1929 mal gelesen

In der japanischen Haushaltskost spielen nicht etwa Fleisch oder Fisch die grösste Rolle, sondern Gemüse. Ohne geht’s hier einfach nicht. Und da in Japan fast nur in Japan angebautes Gemüse ver- und gekauft wird, sind die Preise – verglichen mit Deutschland zum Beispiel – relativ teuer. Der Preisanstieg, den man momentan jedoch sieht, macht selbst Restaurant- und Supermarktbesitzer sprachlos. Denn der September war ziemlich verregnet, aufgrund von verschiedenen Taifunen gab es vielerorts schwere Unwetter, und es mangelte an Sonnenschein. Das Resultat: Eine beispiellos schlechte Ernte in vielen Gebieten nördlich von Tokyo. Damit steigen die Gemüsepreise ordentlich an – für viele Sorten bezahlt man zur Zeit nicht selten das Doppelte. Neulich postete ein Bekannter passend zum Thema ein Photo aus einem Supermarkt in Sendai, in dem ein Salatkohlkopf mal eben stolze 8,50 Euro kostete.

 

Herkunft Preis 2016* Preis 2015** Steigerung
Rettich Hokkaido 1,89 € 1,70 € 11 %
Mohrrüben Hokkaido 3,41 € 1,61 € 111 %
Blattspinat Gunma 14,2 € 8,07 € 76 %
Gurken Saitama 7,20 € 4,17 € 73 %
Paprika Ibaraki 8,18 € 6,32 € 30 %
Kartoffeln Hokkaido 2,37 € 1,90 € 25 %

* Höchstpreis beim Großhandel in Tsukiji pro Kilogramm in der zweiten Oktoberwoche
** Preise im gleichen Zeitraum im Vorjahr

Nach Tageskurs vom 17. Oktober 2016 (114 Yen = 1 Euro)

Möhrchen gefällig? 1 Euro 50 bitte!

Möhrchen gefällig? 1 Euro 50 bitte!

Angeblich soll aber alles bald wieder besser werden, da das Wetter sich ja auch zum Oktober hin verbesserte. Fakt ist aber, dass diese Preise für einkommensschwache Familien mit Kindern, aber auch für Restaurantbesitzer, ein ordentliches Problem darstellen.

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​Das liebe Salz oder wie gesund ist die japanische Küche?

Dezember 15th, 2015 | Tagged , | 3 Kommentare | 2074 mal gelesen

Dem Kampf gegen zu viel Zucker und Fette folgt nun also der globale Kampf gegen das Salz, das man mehr und mehr mit Bluthochdruck und Gefäßkrankheiten in Verbindung bringt. Den Anfang macht mal wieder New York, das seit Beginn dieses Monats Restaurants dazu verpflichtet, besonders salzhaltige Gerichte mit einem Warnzeichen zu versehen¹.

Wenn man sich mit Japanern zum Beispiel über die deutsche Küche unterhält, hört man einen Kommentar besonders oft: Die deutsche Küche sei しょっぱい shoppai – salzig. Wenn man es oft genug hört, beginnt man allmählich auch selbst daran zu glauben, doch bei genauerer Betrachtung sind Mitteleuropäer, ja selbst Amerikaner, beim Salzverbrauch im Vergleich zu Japanern Waisenknaben. Sicher, das hängt stark von der Person ab – man nehme nur Salzstangen oder Kassler oder auch Fritten – doch es ist mir in Japan schon öfter passiert, dass ich ein Gericht einfach als völlig versalzen empfand. Meine beiden Negativ-Favoriten sind da 辛塩シャケ Karashio Shake – mit sehr viel Salz haltbar gemachter Lachs – und このわた Konowata – gesalzene Seegurkeninnereien. Die Zubereitung letzterer ist recht einfach: Man nehme 100 Gramm Eingeweide, 30 Gramm Salz und dann noch etwas Kōji genannter Reismalz, damit die Masse schön fermentieren kann. Auch Tintenfisch & Co werden gern so zubereitet und enthalten dann gern mal über 5% Salz.

Stockfisch in Tohoku: Mögen sie ihren Fisch leicht oder stark versalzen?

Stockfisch in Tohoku: Mögen sie ihren Fisch leicht oder stark versalzen?

Über den Pro-Kopfverbrauch von Salz gibt es verschiedene Angaben, aber Japan taucht bei allen Statistiken an der Spitze auf: Während man in Deutschland im Schnitt wohl weniger als 5 Gramm zu sich nimmt, sind es in Japan mehr als 10 Gramm. Dabei ist das Nord-Süd-Gefälle interessant: So liebt man es vor allem in Tohoku (=Nordosten) gern salzig und nimmt dort im Schnitt 27 Gramm pro Tag zu sich². Das ist… eine sehr grosse Menge. Aus verschiedenen Quellen: Eine würzige Miso-Suppe ist recht salzig, ebenso gegrillter Fisch, eingelegtes Gemüse sowie natürlich Sojasauce (7%) – alles eine Sebstverständlichkeit beim Essen in der Tohoku-Region. Von der WHO empfohlen werden übrigens 2 Gramm pro Tag.

So gesehen kann man hier getrost mit dem Vorurteil aufräumen, die deutsche Küche sei salzig. Das kann man in Japan besser. Und zwar viel besser.

¹ Siehe unter anderem hier (Englisch)
² Siehe hier: WHO – Sodium Intakes Around The World (Englisch)

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Bierrevolution im Anzug

Mai 12th, 2015 | Tagged | 9 Kommentare | 2163 mal gelesen

Seit Dezember 2014 ist es schon im Gespräch: Die Abschaffung der lächerlichen Regeln zur Besteuerung von Bier, beziehungsweise das jahrelang anhaltende Katz- und Mausspiel der Getränkehersteller mit dem Staat zu Lasten der Verbraucher.

Hernach werden 350 Milliliter Bier mit 77 Yen, also rund 55 Cent, besteuert. Das ist viel, und so erfanden die Getränkehersteller den sogenannten Happōshu – ein Getränk mit Biergeschmack, das aufgrund der Nähe zum Bier mit 47 Yen ebenfalls recht hoch besteuert wird. Als nächstes folgte 第3のビール – „Bier dritter Klasse“, das noch weiter davon entfernt ist, den Namen Bier zu verdienen. Jenes wird mit 28 Yen besteuert. Aufgrund dieser albernen Situation griffen also immer mehr Leute zum Bier dritter Klasse, denn bei der Besteuerung ist Bier wirklich ziemlich teuer. Das will man nun ändern, indem man die Steuer für Bier zweiter und dritter Klasse anhebt und – hört, hört! – die Steuer für „echtes“ Bier (wobei selbst jenes häufig drittklassig schmeckt) senken will. Im Gespräch sind momentan 55 Yen pro 350 Milliliter. Die Folgen dürften klar sein: Warum soll dann noch jemand zweit- oder drittklassiges Bier trinken? Viele Marken werden entsprechend verschwinden.

Heute stellten die Politiker jedoch fest, dass es da ja auch noch die sogenannten チューハイ Chūhai gibt – billiger Fusel mit Sprudel und irgendwelchen Aromazusatzstoffen mit 1 bis 9% Alkoholgehalt. Auch diese werden mit 28 Yen besteuert. Entsprechend wichen viele Verbraucher auf die Ersatzdröhnung aus. Warum 2 Euro für eine Dose Bier mit nur 5% berappen, wenn man sich schon für einen Euro die gleiche Menge mit 7 oder 9% Alkoholgehalt die Kollegen schön saufen kann?

Das Ende vom Lied wird sein, dass ab 2016 Bier eine kleine Renaissance erleben dürfte. Doch letztendlich handelt es sich nur um eine ganz profane Methode, Steuern zu erhöhen. Sicher, Bier selbst wird etwas billiger. Aber es bleibt für nicht wenige Menschen zu teuer. Und der Rest wird eben einfach mal teurer. Wahrscheinlich werden dann noch mehr zu härteren Sorten greifen, die noch recht milde besteuert werden. Aber vielleicht steigt ja somit wenigstens die Qualität der angebotenen Getränke.

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Edelbäcker

Juni 17th, 2014 | Tagged , , | 5 Kommentare | 11746 mal gelesen

Bäckerei Tokutarō

Bäckerei Tokutarō

Man könnte meinen, es sei ein neuer Trend – aber dem ist nicht ganz so: Bäckereien, viele davon regelrechte Edelbäckereien, gibt es schon lange in Japan, denn man weiss auch hier gutes Brot zu schätzen. Oder sagen wir mal so: Gutes Backwerk. Denn dass es zahlreiche Bäcker gibt, heisst noch lange nicht, dass es auch gutes Brot gibt. Von Brötchen mal ganz zu schweigen, denn die gibt es wirklich so gut wie gar nicht.

In meinem vorherigen Wohnort gab es in einem nahegelegenen Villenviertel ein älteres Ehepaar, dass aus Zeitvertreib eine Bäckerei betrieb. Mit winziger Terasse, auf die ein kleiner Tisch und zwei Stühle passten. Der Verkaufsraum war höchstens 5 m² gross, und da an allen Seiten Regale standen, passten maximal drei Leute gleichzeitig rein. Trotz allem schafften es die beiden, dort ca. 10 Brotsorten und rund 20 Sorten mit kuchenähnlichen Sachen herzustellen. Und wer zu spät kam, schaute ins Leere. Die Bäckerei war dabei richtig gut: Manchmal gab es Roggenbrot, und die mit Frischkäse und getrockneten Tomaten gefüllten, stets ofenfrischen Brote waren auch sehr empfehlenswert.

In meiner jetzigen Gegend habe ich soweit drei akzeptable Bäcker ausmachen können. Einer tat es mir dabei schon vom Namen her an: „Bäckerei (sic!) Tokutarō“. Leider konnte das Backwerk nicht vollständig mit dem illustren Namen mithalten – sicher, alles war geniessbar, aber nicht unbedingt umwerfend.

Dabei sollte erwähnt werden, dass die meisten Japaner bei Brot nicht an Deutschland denken, sondern eher an Frankreich, Italien oder England. Und bei Konditoreiwaren – vom Stollen mal abgesehen – ist Deutschland gleich völlig ausgeschlossen. Es gibt alle möglichen, je nach Konditorei auch sehr erlesene Sachen, aber einen schnöden Butterstreuselkuchen, Bienenstich oder Napfkuchen usw. sucht man hier vergeblich. In Deutschland wurde mir früher dabei klar, warum dem so ist: Die meisten Japaner kann man mit deutschem Kuchen und deutschen Torten nicht so recht hinter dem kotatsu hervorlocken. Will heissen: Als Deutscher kann man sich natürlich schnell darüber mokieren, dass eine als deutsche „Bäckerei“ aufgemachte Bäckerei nichts so recht Deutsches anbieten will, es sei denn, es ist kurz vor Weihnachten. Aber die Lösung ist nunmal einfach. Es würde sich nicht verkaufen.

Und so bleiben Dinge wie Mohnkuchen, Rhabarber- und Stachelbeerkuchen usw. in weiter Ferne (Mohn habe ich hier schon mal gesehen, aber frischen Rhabarber oder gar Stachelbeeren bisher noch nie). Aber wie sagt man so schön: Irgendwas ist ja immer.

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Japan im internationalen Lebensmittelvergleich. Mit Stichprobe.

Januar 19th, 2014 | Tagged | 8 Kommentare | 2489 mal gelesen

Oxfam, die bekannte gemeinnützige Organisation aus England, die sich unabhängiger Nothilfe und Entwicklung widmet, veröffentlichte in der vergangenen Woche eine interessante Studie. In dieser wurde untersucht, wie es für die Bewohner von insgesamt 125 Ländern in puncto Zugang zu gutem (sprich angemessenen) Essen aussieht. Untersucht wurden in erster Linie die folgenden Faktoren:

  1. Bezahlbarkeit
  2. Ausreichend Nahrungsmittel
  3. Fettleibigkeit und Diabetes
  4. Nahrungsmittelqualität

Auf Platz 1 landete die Niederlande, gefolgt von frankreich und der Schweiz. Interessanterweise sind fast alle Länder der Top 20 europäisch. Japan landete hingegen abgeschlagen auf Platz 21, und den Platz teilt man sich mit den USA. Das ist auf den ersten Blick erstaunlich. Schauen wir uns also die einzelnen Faktoren an (siehe hier): Sicher, genug zu essen gibt es sowohl in Europa als auch in Japan und den USA – höchste Punktzahl also für alle. Bei der Bezahlbarkeit sieht es schon differenzierter aus: Deutschland ist in der zweiten Gruppe – das Essen ist in den USA, den Niederlanden, Frankreich usw. „bezahlbarer“. Noch eine Gruppe tiefer befindet sich Japan – in einer Gruppe mit Nepal, Russland oder Südafrika. Geht es um die Qualität, liegen die meisten europäischen Länder in der obersten Gruppe – und so auch die USA. Japan jedoch, und das ist interessant (wenn auch nicht wirklich überraschend), liegt nur in der zweiten Gruppe. In Sachen Fettleibigkeit und Diabetes punktet Japan hingegen: In den obersten beiden Gruppen (sprich: geringe Fettleibigkeit) befinden sich fast nur afrikanische und südasiatische Länder. Ausnahmen in der zweiten Gruppe sind lediglich die Niederlande, Frankreich und Japan. Deutschland liegt abgeschlagen in der vierten Gruppe und die USA in der fünften.

Mayonnaise - Yakisoba

Mayonnaise – Yakisoba

Die Ergebnisse kann ich mit meinem geringen Erfahrungsschatz durchaus so bestätigen. Sicher, die japanische Küche ist ziemlich gesund. Jedoch sind Nahrunsmittel in Japan wirklich teuer (erst recht gute Nahrungsmittel), und die Qualität läßt in vielen Fällen zu wünschen übrig: Die Lebensmittelgesetze sind relativ lasch, und es wird gemanscht und mit Zusatzstoffen gearbeitet wo es nur geht. Dazu passt ein Fundstück aus dem hiesigen Convenience Store, das ich erst gestern entdeckt habe: Yakisoba (eigentlich: gebratene Nudeln. In diesem Fall jedoch einfach nur Instant-Nudeln mit Yakisoba-Geschmack). Davon gibt, beziehungsweise gab es bisher, hunderte Sorten. Diese hier nennt sich 鬼マヨ焼きそば – „Teufelsmayonnaise-Yakisoba“, mit dem Untertitel „Wenn man zu viel Mayonnaise auf die Instant-Nudeln gekippt hat“. Englischer Slogan: „Too much surprise“. Die Packung wiegt 136 Gramm (man gibt kochendes Wasser dazu und giesst das später wieder ab). Kalorien: 721. Das ist eine ganze Menge, um nicht zu sagen „too much surprise“. Kostenpunkt: 1.50 Euro. Bezahlbarkeit: Gegeben. Ausreichend? Bestimmt. Nahrungsmittelqualität: Lausig (hunderte Zusatzstoffe und ganz bestimmt furchtbar ungesund). Fettleibigkeit? Bei täglichem Verzehr garantiert. Nur Deppen kaufen sowas. Und Yakisoba-Fans. Natürlich rein aus Forschungszwecken habe ich mir sofort eine Packung gekauft – das wird wohl mein Mittagessen am Montag werden. Aber ehrlich: Mehr als ein Mal pro Woche würde ich mir das nicht antun wollen.

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Alles Käse

November 12th, 2013 | Tagged | 21 Kommentare | 16286 mal gelesen

Neulich erschien auf Rocketnews24, zwar kein Quell belastbaren Wissens, jedoch mitunter recht unterhaltsam, eine Liste namens 10 things Japan gets horribly wrong. Auf Platz Nummer 3, und zurecht, wie ich finde, Käse. Ja, Käse. Jeder, der Käse liebt, und längere Zeit in Japan lebt, weiss, was ich meine. Wenn ich die Käseregale in den hiesigen Supermärkten sehe, möchte ich jedes Mal am liebsten mein permanent residence visa aus dem Pass reissen und zum Flughafen fahren. Die Käseregale sind nicht unbedingt klein, aber was da drin gelagert ist, ist nur Mist: Japanischer Mozzarella zum Beispiel, mit „der Konsistenz von Tofu. Sie werden gar nicht merken, dass es Käse ist!“ (Eigenwerbung). Ja, klasse, warum dann der Terz? Da kann man sich doch genauso gut Tofu kaufen – der ist um einiges billiger. Oder „Smart Cheese“ (Eigenname), der nicht nur Käse ist, sondern gleichzeitig auch gesund. Smart Cheese? Wäre ja noch schöner, wenn mein Käse schlauer ist als ich! Und vernünftiger Käse, wohl dosiert, ist schliesslich auch nicht ungesund… Oder? Über 90% dessen, was hier an Käse vertrieben wird, ist in irgendeiner Art verschandelter Mist, der nach nichts schmeckt und noch nicht mal bemüht ist, die passende Konsistenz zu imitieren. Hartkäse? Da sieht es schon mal ganz schlecht aus. Mit etwas Glück gibt es 60-Gramm-Bröckchen zum Preis von 2 Euro. Oder, wenn man es mal richtig krachen lassen möchte, Assortments mit winzigen Bröckchen von dies und das für gute 10 Euro. Wenn man richtig Glück hat, gibt es sogar mal 160-Gramm-Päckchen mit hochwertigem Gouda, Mozzarella oder Cheddar… aus Australien. Ist klar! Geht es um japanischen Käse, kommt so gut wie alles von Meiji, Koiwa, Takanashi. In letzter Zeit gibt es allerdings mehr und mehr kleine Molkereien, vor allem auf Hokkaido, die ihre eigenen Produkte möglichst exklusiv vermarkten. Und ich weiss nicht, warum, aber besonders der flaschenkürbisförmige Caciocavallo scheint es den Japanern angetan zu haben. Zumindest sieht der Käse so aus – der Geschmack ist freilich leider meistens sehr, sehr mild. Das gleiche gilt für Raclette-Käse: Es gibt mittlerweile einige japanische Sorten, aber die sind meistens leider nur fad. Andersrum gesagt: Dies hier ist das Käse-Disneyland.

Immerhin sieht es besser aus mit Käse als vor 15 Jahren – damals war es wirklich schwer, an guten Käse zu kommen. Heute ist es etwas leichter, zumal man Käse ja nun auch online bestellen kann. Wer allerdings wirklich guten Käse haben möchte, sollte mit Preisen um die 8 Euro pro 100 Gramm rechnen. Und: Harzer Roller habe ich hier noch nicht gesehen. Das wird seine Gründe haben. Wenn Japaner feststellen, dass Deutsche so einen Käse herstellen, wäre es bestimmt schnell aus mit der Freundschaft.

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Was man so in sich reinstopft

Februar 4th, 2013 | Tagged | 9 Kommentare | 1002 mal gelesen

Lecker Schinken. Oder?

Lecker Schinken. Oder?

In punkto Nahrungsmittelindustrie dürften sich Japan und Deutschland (und Amerika usw.) nicht viel nehmen: Es ist einfach nur unglaublich, die Zutatenliste auf so einfachen Produkten wie Schinken oder Brot zu lesen. Klar, man kann in Japan für 250 Yen eine 200-Gramm-Packung Schinken von einem der großen Hersteller kaufen. Interessant ist aber, wenn man zum Beispiel den Schinken in Streifenform kauft und dann brät: Es bleibt nicht viel übrig, und das, was übrig bleibt, schmeckt… irgendwie seltsam. Ein kurzer Blick auf die Inhaltsstoffe verrät dann folgendes: Der Schinken enthält:

Rippenfleisch,Mizuame (japanischer Flüssigzucker aus Reis und Malz), pflanzliche Eiweiße, Salz, Eiereiweiß, Traubenzucker,Tierische Fette, Fermentationsextrakt, Natriumphosphat, Aminosäuren, Antioxidant (Vitamin C), Farbstoff (Nitritpökelsalz), Karminrot (einige Zutaten beinhalten Milch und Sojabohnen).

Alle Achtung! Man hätte vielleicht noch hinzuschreiben sollen, wie viel Fleisch eigentlich enthalten ist. 70% ? 50%? 30%? Wahrscheinlich ist das gar nicht mehr so einfach zu sagen.

Eindrucksvolle Zutatenliste: Brot

Eindrucksvolle Zutatenliste: Brot

Nun schmeckt Schinken ja zum Beispiel gut mit Brot. Mal flink aufs Brot geschaut: In vielen Supermärkten kann man wählen, ob man vor Ort gebackenes Brot (eine Packung kostet dann gute 2 Euro) oder „Standardbrot“ für die Hälfte kaufen möchte. Inhaltsliste des vor Ort gebackenen Brotes: Sehr kurz. In der Regel zwei, drei Zutaten. Inhaltsliste bei „Standardbrot“ (fast alles vom Backgiganten Yamazaki):

Weizenmehl, Monosaccharide, Pflanzliche Fette, Brothefe, Margarine, Salz, Milch, Hefearten, Magermilchpulver, Käse, Molkepulver, Emulsionsverstärker, Säureregulator (Natriumacetat), Xanthan, Hefebeiprodukte, Süßungsmittel, Geschmacksverstärker, Vitamin C (einige Zutaten enthalten Milchprodukte, Weizen und Sojabohnen)

Auch nicht schlecht, für schnödes Brot! Man beachte die drei Sorten Zucker! Na dann, Mahlzeit!

Das erinnert mich an eine ehemalige Englisch-Schülerin – eine Lebensmittelkontrolleurin, die vor allem Unternehmen in Osteuropa zertifiziert hatte, damit diese in die EU importieren können. Sie war eine echte Kapazität in ihrem Gebiet und kam viel herum. Irgendwann schaute sie mich mal ganz ernst an und erklärte mir: „Kaufe bloss nichts in Dosen. Auch nicht, wenn es nur passionierte Tomaten sind. Ich möchte nicht ins Detail gehen – vertrau mir einfach“.

Der Vollständigkeit halber die Inhaltslisten auf japanisch:

Schinken:

豚バラ肉、還元水あめ、植物性たん白食塩、卵たん白、ブドウ糖、食用動物油脂、発酵エキス、リン酸塩(Na)、調味料(アミノ酸等)、酸化防止剤(ビタミンC)、発色剤(亜硝酸Na)、カルミン酸色素、(原材料の一部に乳、大豆を含む)

Brot:

小麦粉、糖類、植物油脂、パン発酵、ファットスプレッド、食塩、牛乳、発酵種、脱脂粉乳、ナチュラルチーズ、乳清ミネラル、乳化剤、酢酸Na、糊料(キサンタン)、イーストフード、甘味料、香料、V.C、(原材料の一部に乳成分、小麦、大豆を含む)

 

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Für den ganz besonderen Japaner

Januar 30th, 2013 | Tagged , , | 13 Kommentare | 1268 mal gelesen

Raizin - der Energy Drink nur für Japaner!

Raizin – der Energy Drink nur für Japaner!

An den meisten Tagen verschwende ich nicht den geringsten Gedanken daran, dass ich hier ein Ausländer bin. Japanisch klingt mittlerweilen wie eine Muttersprache, und das alles auf Japanisch geschrieben ist und alle um mich herum Japaner sind – normal. Logisch, nach etlichen Jahren im Land. Und doch gibt es hin und wieder diese Momente, wo mir hier einiges einfach nur absurd vorkommt. Dazu zählt seit heute der grossangelegte Werbeauftritt eines neuen Energy Drinks mit dem nahezu lächerlichen Namen „Raizin“. Jenes Gebräu scheint in Zusammenarbeit von Natural Lawson und Newdays, zwei Convenience Store-Ketten, entstanden zu sein.

Die Werbesprüche in den Bahnen sind knackig:

あなたをアゲることが、いちばんの景気対策だ。
Das beste Mittel, die Wirtschaft anzukurbeln, ist dich auf Vordermann zu bringen.

Nun ja, die seit gefühlter Ewigkeit anhaltende, schlechte Wirtschaftslage entschuldigt diese Aussage allemal. Aber man hat höhere Ziele:

この国をアゲる、エナジードリンク。
Der Energy Drink, der dieses Land auf Trab bringt.

Oho, das ganze Land soll es sein! Warum auch nicht. Aber halt, gab’s da nicht schon dieses Gummibärchensprudelwasser aus Australien? Ach nein, Österreich natürlich! Die tingeln doch auch schon seit Jahren durchs ferne Japanistan. Könnten die das nicht auch?

欧米と同じエナジードリンクで、日本は本当にアガるのか?
(Glaubt ihr wirklich, dass) ein westlicher Energy Drink Japan aufpeppeln kann?

Ach so! Ja, nein, so hatte ich das noch gar nicht… Die besondere Physiognomie der Japaner (9 Finger, schwarze Haare und so) und die ganz besondere, ganz bestimmt 40- oder mehr-strängige DNA der Japaner ist ganz sicher immun gegen Zaubergetränke, die von irgendwelchen zänkischen Bergvölkern im fernen Europa gebraut werden. Wäre ja sonst zu einfach. Da könnte ja quasi jeder kommen! Was, das Red Bull-Rezept stammt eigentlich von einem Thailänder und die sehen doch den Japanern irgendwie… Aber auf keinen Fall! Schon mal thailändischen Reis gegessen? Der ist ja sowas von schlechter als japanischer Reis, also die beiden Völker kann man doch nun wirklich nicht  vergleichen!

Man hat natürlich auch andere Argumente, und die braucht man auch, um Red Bull nicht namentlich erwähnen zu müssen:

甘いエナジードリンクで、アガれるなんて、甘い考えは捨ててしまえ。
Mit einem süßen Energy-Drink in Fahrt kommen? Diesen leichtsinnigen Gedanken kannst Du gleich verwerfen!

(Achtung Wortspiel – „amai“ heißt süß und gleichzeitig auch „leichtsinnig“.)

Womit mal wieder bewiesen wäre: Japaner sind etwas ganz besonderes! Auch die Shampoohersteller wissen das seit langem und werben für Shampoo, das wie gemacht sei für die delikaten Haare japanischer Frauen. Und so weiter. Es gibt zahlreiche Beispiele.

So, und jetzt einfach mal  „japanisch“ oder „Japan“ in den obigen Sätzen mit „deutsch“ oder „schweizerisch“ oder „österreichisch“ ersetzen und noch mal durchlesen. Klingt irgendwie irre, oder? Willkommen im Land von 120 Millionen ganz besonderen Menschen!

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Eurohops

November 13th, 2012 | Tagged , | 7 Kommentare | 1271 mal gelesen

Nomen est omen? Eurohops. Nur in Japan!

Der Name klingt schon verdächtig. Euro. Hops. Erst recht für ein Getränk, dass es so nur in Japan geben kann oder darf: Ein „Bier“ dritter Klasse. Zur Erinnerung: Japan’s seltsame Biersteuer sorgt dafür, dass eben jener Zaubertrank unverhältnismäßig teuer ist. Für eine kleine Dose (330 ml) trinkbaren Bieres zahlt man im Laden in der Regel 200 Yen und mehr (also gute 2 Euro). Für ein „Bier“ zweiter Klasse, 発泡酒 Happōshu – wörtlich: Sprudelalkohol zahlt man „nur“ noch um die 150 Yen. Der Grund für die niedrigere Steuer ist die Verwendung „anderer“ Zutaten, die das Bier zum „Unbier“ werden lassen. Das geschieht seit den 1990ern. Der Staat war freilich nicht faul und erfand eine andere Steuer, um auch dieses Unbier 2. Klasse extra zu besteuern. Also dachten sich die Brauereien etwas Neues aus (seit ca. 2007): 第三のビール „Dritt(klassig)es Bier“. Das darf nicht auf Malzbasis hergestellt sein, und es muss „andere Spirituosen“ enthalten um den Alkoholgehalt zu erreichen. Der Preis: um die 100 Yen pro Dose. Und Kopfschmerzen, wenn man zuviel davon trinkt (noch nicht ausprobiert).

Diese ganze Geschichte ist natürlich völlig unsinnig: Es ist ein Katz- und Mausspiel, bei dem nur einer den kürzeren zieht: Der Alkoholgourmet aka Endverbraucher. Aber so ist es nun mal. Und da tauchte also plötzlich der Name „Eurohops“ auf. Ein „drittklassiges Bier“ – für ca. 75 Yen die Dose. „Gebraut im Heimatland des Bieres (ähem, räusper!!!) Belgien“. So steht es jedenfalls auf der Dose. Ohne den Namen der Brauerei in Belgien zu nennen. Die schämt sich wohl für das Gebräu? Also einfach mal ein bisschen recherchiert, und siehe da: Eurohops kommt von Brouwerij Palm (Palm Breweries), einer großen belgischen Brauerei. Und es ist mal wieder interessant zu sehen, wie Kapitalismus funktioniert: Obwohl importiert und ganz offensichtlich nur für Japan entwickelt, ist Eurohops sogar noch billiger, ich meine natürlich preisgünstiger, als die japanischen Artgenossen.

Ob es schmeckt? Nun ja, es ist genießbar. Was man aber auf gar keinen Fall machen sollte, ist folgendes: Ein richtiges Bier trinken (zum Beispiel Suntory Premium Malts, meiner Meinung nach das beste Bier Japans, von Microbreweries freilich abgesehen, oder Ebisu) und danach ein Eurohops trinken. Schlechte Idee. Ganz schlechte Idee!

Immerhin hat sich ein Besuch auf der Webseite von Palm Breweries etwas gelohnt. Das dürfte die witzigste Altersfreigabe im weltweiten Netz sein: palm.be/en.

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Der Ansch*** lauert überall

Juni 26th, 2012 | Tagged | 7 Kommentare | 884 mal gelesen

Nun gut, Marketing hatten wir neulich erst, aber einer muss doch noch sein.

In meinem Bahnhof stehen an allen Ecken und Enden Getränkeautomaten herum: große und kleine, alte und moderne und mittelalte. Die Startrek-Automaten hatten wir schon mal, aber heute geht es um die mittelalten. Die sind auch ziemlich klobig und laufen unter Windows XP. Woher ich das weiss? Einmal schien das System abgestürzt zu sein. Normalerweise zeigt der Bildschirm irgendwelche albernen, grinsenden Kaffeebecher, aber an jenem Tag war nur die Standard-Oberfläche von Windows XP zu sehen. Leider hatte ich kein Keyboard dabei…
Der Automat bietet alles, was man sich vorstellen kann: kalten und heissen Kaffee, Maissuppe, Zitrone-Ingwer-Brause, Cappuccino und was weiss ich alles. In grossen Bechern. In kleinen Bechern. Man kann einstellen, wie viel Zucker in den Kaffee soll und wie viel Kaffee. Ob ein Deckel auf den Becher soll oder nicht. Ob man es lieber lauwarm mag. Das alles wird auf dem Bildschirm bildreich illustriert. Bestellt man einen heissen Kaffee, dauert die Prozedur 45 Sekunden (wird auf einem separaten Display heruntergezählt). Währenddessen läuft ein Video, das zeigen soll, was gerade im Inneren passiert: Bohnen rein, mahlen, ein Pulver rein, noch ein Pulver rein, heisses Wasser drauf, quirlen – piep, piep, piep! Fertig! Für 150 Yen hält man ein heisses, frisch gemahlenes und trotzdem irgendwie nach Instantkaffee schmeckendes Getränk in den Händen.

Erdbeermilch mit Spurenelementen: Spuren von Erdbeeren!

Für die lieben Kleinen gibt es sogar „Ichigo au lait“. Was, es hapert mit dem Japanischen und/oder Französischen? Ichigo = Erdbeere. au lait – mit Milch. Erdbeermilch. Wirklich? Man schaut genauer hin. Aha, das Getränk wird mit Amaou®-Erdbeeren hergestellt! Amaou® ist eine Erfindung fleissiger Marketingexperten und steht für Akai (rot), MArui (rund), Ookii (groß) und Umai = lecker. Um auf Nummer sicher zu gehen, steht auch noch deutlich da: Amaou® ist ein geschütztes Warenzeichen, und wer das ® vergisst, wird auf ewig in der Hölle schmoren oder den gesamten Agrarverband Japans an den Hacken haben, jawohl! Amaou®-Erdbeeren (weia, beinahe das ® vergessen) kommen aus Fukuoka, sind rot, sehen wie normale Erdbeeren aus und schmecken nach, haltet Euch fest!, Erdbeeren! Im Supermarkt kosten sie genauso viel wie… genau, Erdbeeren!
Noch mal genauer auf das Schild am Automaten geschaut und fast den Kaffee fallengelassen: In der Erdbeermilch, so steht es da ganz deutlich, befinden sich 0.3% Fruchtsaft! NULL-KOMMA-DREI Prozent! Da hat man sich richtig ins Zeug gelegt!
Natürlich sehe ich sofort den Prozess vor meinem geistigen Auge: Der Lehrling mischt in einem Riesenzuber Wasser mit ein bisschen Milch (aus Fukushima vielleicht!?) zusammen und ruft dann den Chemiker aus seiner Raucherecke: „Zaubermeister, die letzte Ingredienz!“. Und da kommt er auch schon, mit der Pipette, und tropft Tropfen für Tropfen der Amaou®-Suppe in den Zuber. Schnell noch E120 (Karminrot, aus echten Kermes-Schildläusen™ versteht sich) dazu, und fertig ist die Erdbeermilch für die lieben Kleinen!
Mir wäre es lieber gewesen, wenn da „enthält keinen Fruchtsaft“ gestanden hätte. 0.3%. Das sind ja sage und schreibe 3 Gramm auf einen Liter! Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Hersteller den Amaou®-Namen für lediglich 0.3% benutzen dürfen. Bestimmt ist da noch eine Extragebühr für das Benutzen des Warenzeichens geflossen. Aber was solls – wer ist schon so blöd und liest das Kleingedruckte!

Und die Moral von der Geschicht‘: Die Lebensmittelindustrie ist natürlich auch in Japan nicht ohne. Nur ist man hier noch viel weniger sensibilisiert als in Deutschland – den meisten Leuten ist egal, was da wirklich passiert. Und das ist wahrscheinlich auch besser so…

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