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Japanisches Essen in Deutschland – Coco Genki

August 8th, 2016 | Tagged , | 3 Kommentare | 495 mal gelesen

Morgen geht es nach fast drei Wochen Europa wieder zurück nach Japanistan — und eine Erkenntnis, die ich dieses Mal aus Deutschland mitnehme, ist die, dass sich die japanische Küche in Deutschland rasend schnell auszubreiten scheint. Plötzlich sehe ich überall Sushi, aber auch Udon und Co. scheinen sich mehr und mehr auszubreiten. Das ist schön, denn es kann nicht schaden, die japanische Küche zu kennen. Heute hatte ich zudem bei einem Berlinbummel die Gelegenheit, das Restaurant einer guten Freundin zu besuchen: Das Coco Genki in Berlin Mitte. Die Co-Betreiberin Noriko kenne ich seit 1995, und ich habe sie seit wahrscheinlich 10 Jahren (oder so) nicht mehr gesehen. Nun, heute stand ich ungefragt und unangemeldet vor dem Restaurant, und siehe da — es war geschlossen. Wie es sich aber für einen gewissenhaften Restaurantbetreiber gehört, war sie trotzdem da.

Coco Genki in Berlin Mitte

Coco Genki in Berlin Mitte

Im Coco Genki (ein etwas verwortspielter Name – „coco“ (bzw. im Japanischen koko) kann „hier“ bedeuten, „genki“ bedeutet gesund. Es geht weniger um Sushi sondern um gesunde, und nur zu einem gewissen Teil japanische Küche. Auf jeden Fall ein schönes Lokal in schöner Umgebung, direkt an der U-Bahn-Station Märkisches Museum (Linie U2). Die genauen Koordinaten:

Bistro Cafe COCO GENKI
Wallstr.36 10179 Berlin
Tel: 030-548272-73
URL: facebook.com/cocogenki.berlin

Und wo wir gerade beim Thema asiatisches Essen sind: Erfreut habe ich auch zwei Mal feststellen dürfen, dass es nun auch hervorragendes vietnamesisches Essen in Deutschland gibt. Bzw. in Berlin und Umgebung. Zum Beispiel das Cowei (James-Simon-Park 152, 10178 Berlin) – das mit vietnamesischen und japanischen Spezialitäten aufwartet. Ich hatte keine Lust, dort japanisches Essen zu probieren, aber das vietnamesische Essen dort war reichlich schmackhaft – und nicht mal allzu teuer.

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​Das liebe Salz oder wie gesund ist die japanische Küche?

Dezember 15th, 2015 | Tagged , | 3 Kommentare | 1761 mal gelesen

Dem Kampf gegen zu viel Zucker und Fette folgt nun also der globale Kampf gegen das Salz, das man mehr und mehr mit Bluthochdruck und Gefäßkrankheiten in Verbindung bringt. Den Anfang macht mal wieder New York, das seit Beginn dieses Monats Restaurants dazu verpflichtet, besonders salzhaltige Gerichte mit einem Warnzeichen zu versehen¹.

Wenn man sich mit Japanern zum Beispiel über die deutsche Küche unterhält, hört man einen Kommentar besonders oft: Die deutsche Küche sei しょっぱい shoppai – salzig. Wenn man es oft genug hört, beginnt man allmählich auch selbst daran zu glauben, doch bei genauerer Betrachtung sind Mitteleuropäer, ja selbst Amerikaner, beim Salzverbrauch im Vergleich zu Japanern Waisenknaben. Sicher, das hängt stark von der Person ab – man nehme nur Salzstangen oder Kassler oder auch Fritten – doch es ist mir in Japan schon öfter passiert, dass ich ein Gericht einfach als völlig versalzen empfand. Meine beiden Negativ-Favoriten sind da 辛塩シャケ Karashio Shake – mit sehr viel Salz haltbar gemachter Lachs – und このわた Konowata – gesalzene Seegurkeninnereien. Die Zubereitung letzterer ist recht einfach: Man nehme 100 Gramm Eingeweide, 30 Gramm Salz und dann noch etwas Kōji genannter Reismalz, damit die Masse schön fermentieren kann. Auch Tintenfisch & Co werden gern so zubereitet und enthalten dann gern mal über 5% Salz.

Stockfisch in Tohoku: Mögen sie ihren Fisch leicht oder stark versalzen?

Stockfisch in Tohoku: Mögen sie ihren Fisch leicht oder stark versalzen?

Über den Pro-Kopfverbrauch von Salz gibt es verschiedene Angaben, aber Japan taucht bei allen Statistiken an der Spitze auf: Während man in Deutschland im Schnitt wohl weniger als 5 Gramm zu sich nimmt, sind es in Japan mehr als 10 Gramm. Dabei ist das Nord-Süd-Gefälle interessant: So liebt man es vor allem in Tohoku (=Nordosten) gern salzig und nimmt dort im Schnitt 27 Gramm pro Tag zu sich². Das ist… eine sehr grosse Menge. Aus verschiedenen Quellen: Eine würzige Miso-Suppe ist recht salzig, ebenso gegrillter Fisch, eingelegtes Gemüse sowie natürlich Sojasauce (7%) – alles eine Sebstverständlichkeit beim Essen in der Tohoku-Region. Von der WHO empfohlen werden übrigens 2 Gramm pro Tag.

So gesehen kann man hier getrost mit dem Vorurteil aufräumen, die deutsche Küche sei salzig. Das kann man in Japan besser. Und zwar viel besser.

¹ Siehe unter anderem hier (Englisch)
² Siehe hier: WHO – Sodium Intakes Around The World (Englisch)

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Erste Ramen-Bude mit Michelin- Star: Und nun?

Dezember 8th, 2015 | Tagged , | 6 Kommentare | 692 mal gelesen

​Nun ist es also geschehen: Der berühmte Michelin-Guide hat erstmals einen ganz ordinären Ramen-Laden in seinem neuesten Gourmetführer mit einem Stern beglückt¹. Für die meisten Japan-Reisenden wahrscheinlich keine so grosse Überraschung, denn diese ursprünglich chinesische Nudelsuppe kommt in Japan in so vielen Varianten und teilweise sehr komplexen Geschmacksvarianten daher, dass dort doch auf jeden Fall auch etwas Michelinstar-würdiges dabei sein muss.

Durch wie viele Ramen-Läden sich die Jury durchgefressen hat ist unbekannt. Und ganz sicher auch nicht immer ein Vergnügen, denn wie es nun mal mit einem ausgesprochenen Volksessen ist, gibt es sehr viel Spreu unter dem Weizen. Auserkoren hat man unter den zehntausenden, meist wirklich nur Ramen servierenden Geschäften 蔦 Tsuta, ein Minirestaurant (typisch) mit gerade mal 9 Plätzen. Die Menge der Mahlzeiten ist auf 150 pro Tag begrenzt, und das wird sich wohl auch so schnell nicht ändern, denn einige der Zutaten (Sojasauce zum Beispiel) lagert angeblich zwei Jahre bis zur Reife.

Meiner Meinung nach stark sterneverdächtig: Echte Kumamoto-Tonkotsu-Ramen

Meiner Meinung nach stark sterneverdächtig: Echte Kumamoto-Tonkotsu-Ramen

Das schöne an der Nachricht ist, das man eigentlich ein ganz normales Lokal gewählt hat – mit ganz normalen Preisen, sprich weniger als 8 Euro bzw. unter 1’000 yen für die Terrine. Das seltsame an der Wahl ist jedoch, dass man einen Laden gewählt hat, der zum Beispiel die Chashu genannte Fleischeinlage mit Rotwein behandelt und nach Wunsch die Nudelsuppe mit Trüffelöl verfeinert. Was soll das nun eigentlich bedeuten? Heisst das, ich sollte in Kawasaki wirklich langsam eine Bulettenbude – Japaner stehen doch so auf Fleischklopse – aufmachen und dann einfach ein bisschen Trüffelöl rüberkleckern, um so die Michelin-Gourmets anzuziehen? Vielleicht. Kann ich ja machen, wenn ich erwachsen geworden bin.

Auch nicht zu verachten: Ramen mit geräucherter Rinderzunge

Auch nicht zu verachten: Ramen mit geräucherter Rinderzunge

Wie es nun mal so ist, wenn man berühmt wird, hatte der Ramenbudenbesitzer natürlich sofort sehr viel unbekannte Kundschaft. So viel, dass er sich einen Essensmarkenautomaten zulegte (sehr typisch!), nunmehr morgens um 6 für 10 Minuten sein Restaurant aufmacht – denn länger braucht er nicht, um 150 Mahlzeiten an die bereits Wartenden Hobbygourmets zu verkaufen – und danach ein Schild raushängt, dass für heute alles ausverkauft sei. Wahrscheinlich wird er irgendwann das Recht, seinen Namen benutzen zu dürfen, an Nissin oder irgendeinen anderen Trockennudelfabrikanten verkaufen und damit gut Geld verdienen, oder gleich eine ganze Kette aufmachen. Gegönnt sei es ihm.

Ob mich der ganze Rummel interessiert? Eher kaum. Ob ich dort auch mal Ramen essen wollen würde? Sicher, sicher!!!

¹Siehe unter anderem hier (Englisch).

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Auch das noch: Bester Käse kommt aus Japan!

Juni 9th, 2015 | Tagged | 6 Kommentare | 1993 mal gelesen

Vor nichts machen sie halt – erst müssen sie der Welt besten Whisky herstellen, und jetzt auch noch den besten Käse! Sagte zumindest die Jury des Concours Mondial du Meilleur Fromager 2015, der gestern in Frankreich stattfand. Immerhin ist der Sieger selbst zwar Franzose, aber das stört die japanischen Medien nicht, da Fabien Degoulet (31), ohne seines Wissens ergo mein neuer bester virtueller Freund, in Japan residiert. Und ich hoffe doch, dass er in Zukunft den Käse, den er hier produziert, auch bald verkaufen wird! Und wieso sitze ich eigentlich nicht in der Jury?

Ganz wichtig: Immer eine Handbreit Käse unterm Kiel

Ganz wichtig: Immer eine Handbreit Käse unterm Kiel

Meines Erachtens nach sollte ein gut sortierter Haushalt auf jeden Fall einen ordentlichen Vorrat Käse im Hause haben. Das mutiert allerdings zunehmend zu einem recht teuren Hobby, denn der Yen ist momentan reichlich schwach auf der Brust, was Käse- und andere Importe natürlich verteuert. Von Butter mal ganz zu schweigen, denn der Butterengpass ist noch immer nicht behoben und feiert bald seinen ersten Jahrestag. Den Rekord stellte dabei neulich mein örtlicher Supermarkt auf: Der verkauft zur Zeit „Butter Mini Cubes“ – 8 Würfelchen einzeln verpackter Butter mit jeweils 8 Gramm Butter drin – für runde 269 Yen, also gute 2 Euro. Das bedeutet also über 30 Euro für ein Kilogramm Butter. Nein, keine Trüffelbutter. Auch nicht mit Goldfolie – sondern die schnöde japanische Butter. Wahnsinn.

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Geschafft: Japan ist Whiskyweltmeister

November 5th, 2014 | Tagged | 3 Kommentare | 3954 mal gelesen

Yamazaki Sherry Casket - ein anderer Jahrgang, wohlgemerkt

Yamazaki Sherry Casket – ein anderer Jahrgang, wohlgemerkt

Schon seit den 1920ern versuchten sich vereinzelte Brauereien in Japan an der Whiskybrennerei – und dies sollte sich in diesem Jahr erstmals richtig auszahlen: In der neuesten Ausgabe der Jim Murray’s Whisky Bible wurde doch tatsächlich ein japanischer Whisky als bester Whisky des Jahres gekürt. Es ist auch keine kleine, geheime Brennerei, sondern ein Gigant unter den Getränkeherstellern: Suntory schaffte die Überraschung mit seinem Yamazaki Single Malt Sherry Cask 2013. So weit, so gut – doch leider wurden „nur“ 18,000 Flaschen hergestellt, und die sind mittlerweile, zumindest in Japan, bereits restlos ausverkauft. Schade eigentlich, denn mit einem Preis von rund 17,000 yen ist der Gewinner noch nicht einmal so teuer.

Suntory stellt ja mehrere Whiskysortimente her – am bekanntesten wären da der oben genannte 山崎 Yamazaki, 響 Hibiki und 白州 Hakushū. 響 Hibiki galt dabei anfangs als das Flaggschiff, und wenn ich mich recht erinnere, kam Hakushū erst später dazu. Yamazaki habe ich, wenn ich mich recht erinnere, nur ein Mal probiert, und das ist lange her. Hakushū hat es mir persönlich angetan, da der selbige mit ziemlich viel Charakter daherkommt – einige Sorten gehen beinahe in Richtung Laphroaig, nur mit etwas weniger Knüppel auf den Kopf.

Vielleicht sollte ich mich dann doch wohl etwas mehr auf dem heimischen Whiskymarkt umschauen. Zeit wird es – mein heissgeliebter 18 Jahre alter Glendronach neigt sich dem Ende zu und ist in Japan nicht mehr erhältlich. Dem Triple Cask Balvenie 16 yrs droht ein ähnliches Schicksal. Fehlt nur noch jemand in Japan, der meine Liebe zum gelegentlichen Whisky teilt – da fällt mir doch sage und schreibe nur eine einzige Person ein.

Mehr zum Hauptgewinn des Yamazaki siehe unter anderem beim Spiegel und Time Magazine.

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Edelbäcker

Juni 17th, 2014 | Tagged , , | 5 Kommentare | 11603 mal gelesen

Bäckerei Tokutarō

Bäckerei Tokutarō

Man könnte meinen, es sei ein neuer Trend – aber dem ist nicht ganz so: Bäckereien, viele davon regelrechte Edelbäckereien, gibt es schon lange in Japan, denn man weiss auch hier gutes Brot zu schätzen. Oder sagen wir mal so: Gutes Backwerk. Denn dass es zahlreiche Bäcker gibt, heisst noch lange nicht, dass es auch gutes Brot gibt. Von Brötchen mal ganz zu schweigen, denn die gibt es wirklich so gut wie gar nicht.

In meinem vorherigen Wohnort gab es in einem nahegelegenen Villenviertel ein älteres Ehepaar, dass aus Zeitvertreib eine Bäckerei betrieb. Mit winziger Terasse, auf die ein kleiner Tisch und zwei Stühle passten. Der Verkaufsraum war höchstens 5 m² gross, und da an allen Seiten Regale standen, passten maximal drei Leute gleichzeitig rein. Trotz allem schafften es die beiden, dort ca. 10 Brotsorten und rund 20 Sorten mit kuchenähnlichen Sachen herzustellen. Und wer zu spät kam, schaute ins Leere. Die Bäckerei war dabei richtig gut: Manchmal gab es Roggenbrot, und die mit Frischkäse und getrockneten Tomaten gefüllten, stets ofenfrischen Brote waren auch sehr empfehlenswert.

In meiner jetzigen Gegend habe ich soweit drei akzeptable Bäcker ausmachen können. Einer tat es mir dabei schon vom Namen her an: „Bäckerei (sic!) Tokutarō“. Leider konnte das Backwerk nicht vollständig mit dem illustren Namen mithalten – sicher, alles war geniessbar, aber nicht unbedingt umwerfend.

Dabei sollte erwähnt werden, dass die meisten Japaner bei Brot nicht an Deutschland denken, sondern eher an Frankreich, Italien oder England. Und bei Konditoreiwaren – vom Stollen mal abgesehen – ist Deutschland gleich völlig ausgeschlossen. Es gibt alle möglichen, je nach Konditorei auch sehr erlesene Sachen, aber einen schnöden Butterstreuselkuchen, Bienenstich oder Napfkuchen usw. sucht man hier vergeblich. In Deutschland wurde mir früher dabei klar, warum dem so ist: Die meisten Japaner kann man mit deutschem Kuchen und deutschen Torten nicht so recht hinter dem kotatsu hervorlocken. Will heissen: Als Deutscher kann man sich natürlich schnell darüber mokieren, dass eine als deutsche „Bäckerei“ aufgemachte Bäckerei nichts so recht Deutsches anbieten will, es sei denn, es ist kurz vor Weihnachten. Aber die Lösung ist nunmal einfach. Es würde sich nicht verkaufen.

Und so bleiben Dinge wie Mohnkuchen, Rhabarber- und Stachelbeerkuchen usw. in weiter Ferne (Mohn habe ich hier schon mal gesehen, aber frischen Rhabarber oder gar Stachelbeeren bisher noch nie). Aber wie sagt man so schön: Irgendwas ist ja immer.

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Japanische Küche auf dem Weg zum UNESCO-Weltkulturerbe

Oktober 25th, 2013 | Tagged , | 8 Kommentare | 9932 mal gelesen

Sushi Sushi Sushi!

Sushi Sushi Sushi!

Nach dem Fuji-san nun also das: Heute wurde 和食 – washoku – die Japanische Küche zur Aufnahme in die UNESCO-Liste Immaterielles Kulturerbe vorgeschlagen. Sushi (mein Mittagessen gestern), Okonomiyaki (oh, mein heutiges Abendessen) und Co. wurden aufgrund der Einzigartigkeit und der Utensilien, die zur Herstellung verwendet werden, ausgewählt. Die Japanische Küche ist dabei nicht die erste landestypische Küche: Die französische, mediterrane und mexikanische Küche sind bereits aufgenommen wurden.

Nun ist diese Liste sehr speziell und schwer als solche zu begreifen, da es sich ja, wie der Name schon sagt, um ein „immaterielles Erbe“ handelt. Die aktuelle Liste kann hier bei der UNESCO eingesehen werden, und sie ist ziemlich interessant: China, Südosteuropa, der Nahe und Mittlere Osten sowie Südamerika haben zahlreiche immaterielle Kulturgüter aufzuweisen, während es in Skandinavien, der USA, aber auch in Deutschland und in der Schweiz mau aussieht: Nada. Null. Nichts. Vielleicht sollte man das ja als Tatsache ansich in die Liste aufnehmen. Was könnte man in Deutschland in die Liste eigentlich aufnehmen? Das sorbische Osterreiten? Die Rottweiler Fasnet? Oder vielleicht Stuttgart 21 (ist ja immerhin lange genug immateriell) – oder der Berliner Großflughafen? Es gäbe sicher viele Kandidaten.

Der Gedanke, dass die Küche eines Landes Kulturgut wird, die eines anderen Landes hingegen nicht, mag seltsam erscheinen. Den Strich möchte ich persönlich nicht ziehen wollen. Aber verständlich ist der Gedanke schon. Zwar hat sich die japanische Küche viel von anderen Kulturen abgesehen, aber Essen und Zubereitung werden in Japan in so breitem Umfang zelebriert, dass dies in der Tat eine Würdigung wert ist. Leider schaffen es jedoch wie immer einige Politiker, solchen Meldungen einen Nachgeschmack zu verpassen. In diesem Fall war es Yoshihide Suga, der jetzige Chefkabinettssekretär. Er kommentierte die Meldung in etwa so: Er freue sich sehr über die Ehre und er will sich bemühen, diese Auszeichnung auch dazu zu nutzen, den Imageschaden von Agrar- und Fischereiprodukten aus der Präfektur Fukushima zu beheben¹. Sicher! Warum nicht – wo das AKW doch jetzt völlig unter Kontrolle ist.

Anbei noch zwei Lesetipps:

¹ Siehe Jiji Agentur

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Roboter, halbnackte Frauen und Business

Oktober 3rd, 2013 | Tagged , , | 3 Kommentare | 9738 mal gelesen

Roboter + α: Robot Restaurant in Shinjuku/Tokyo

Roboter + α: Robot Restaurant in Shinjuku/Tokyo

Gestern war ein Treffen mit zwei Geschäftspartnern vereinbart – beide gestandene Japankenner aus dem englischen Sprachraum. Einer der beiden hatte auch lange vorher bereits einen angemessenen Ort für das Treffen arrangiert: Das Robot Restaurant in Shinjuku, genauer gesagt im berühmt-berüchtigten Viertel Kabukichō. Aus eigener Erfahrung schlug der Gastgeber vor, sich vorher zum Abendessen zu treffen, da das Robot Restaurant zwar ein Restaurant ist, die Betonung jedoch hauptsächlich auf dem ersten Wort liegt.
Gesagt, getan. Ah, Shinjuku! Vor 15 Jahren war ich quasi jeden Abend in Shinjuku – entweder zum Arbeiten (wochentags) oder zum Vergnügen (Rest). Shinjuku war mein Spielplatz, und dieser Spielplatz war mir von Anfang an lieber als Roppongi. In den letzten Jahren mangelte es allerdings an Gelegenheiten, und so erkannte ich Shinjuku kaum wieder. Wie sehr sich doch alles in ein paar Jahren ändert. Als erstes viel mir eine chinesische Reisegruppe auf, die einem fähnchenschwingenden Reiseleiter hinterherliefen. Na wenigstens sehen sie so das echte. Japan. Räusper.

Das Robot Restaurant liegt mitten in Kabukichō inmitten all der mehr oder weniger zwiespältigen Etablissements, die da Gruppentarife im Massagesalon anbieten und… nein, das wird zu lang. Selbst im gleißenden Kabukichō fällt das noch gleißendere Robot Restaurant sofort auf. Die Preisstruktur ist einfach: 5,000 Yen pro Person (also rund 40 Euro), ohne wenn und aber. Einfach so hingehen ist nicht – man muss vorher reservieren. Dann wartet man im Eingangsbereich, in dem sofort dank des Dekors Tränen in die Augen schiesen. Es glitzert und funkelt, die Sinne überschlagen sich. Und – nach Japanern muss man beinahe suchen. Fast alle Besucher kommen aus dem Ausland. Irgendwann wird man unter die
Erde geführt – drei Stockwerke tief. Dort: Eine kleine Arena, mit drei gestaffelten Sitzreihen auf beiden Seiten und einem breiten Gang in der Mitte. Dort stehen zwei Angestellte und verkaufen Bier aus Plastebechern. Am Eingang bekommt man zudem eine Pappbox mit Essen drin. Ich musste sie nicht erst öffnen, um zu ahnen, warum wir vorher essen sollten. Nein, hier kommt man ganz sicher nicht des Essens wegen hin.

Farbige Panzer und nackte Frauen. Nun ja.

Farbige Panzer und nackte Frauen. Nun ja.

Irgendwann ging es los. Viele aufgetüterte, halbnackte junge Frauen mit Körbchengrössen, die sich nicht mit den ersten drei Buchstaben des Alphabets beschreiben lassen, sprangen grölend, kreischend, schwerter- und fahnenschwingend durch den Raum. Naja, die ganz normale Durchschnittsfrau eben. Dazu gab es Videoinstallationen, einen Kung-Fu-Panda-Abklatsch, der gegen Bösewichter kämpft (die dann quer durch den Raum fliegen) usw. Besonders bemerkenswert: Die Schlagzeugerin mit einem sehr sportlichen, bunten Drachentattoo, welches den halben Körper bedeckte. Alle Achtung. Irgendwann wurden schliesslich noch. Leuchtknüppel verteilt, mit denen man im Rhythmus winken sollte, Und die meisten haben auch ordentlich mitgemacht.

Was vergessen? Ach so, ja, Roboter! Die gab es natürlich auch, in rauhen Mengen und den verschiedensten Formen, bemannt und unbemannt. Dazu seltsame Fahrzeuge und einiges mehr. Nach anderthalb Stunden war die Show zu Ende, und alle verliessen entweder glücklich oder irritiert das Lokal.

Nun, da habe ich mich zum ersten Mal seit langem in eine andere Welt begeben. Und bei allem Kitsch: Wenn man einfach alles um sich vergisst und sich einfach der Sache ergibt, macht das durchaus Spass. Prädikat: Sehr nerdig, aber gut gemacht und, wenn auch nicht immer, so doch größtenteils, sehr unterhaltsam.
Ach ja: Vom Essen würde ich die Finger lassen. Das können die Convenience Stores besser.

Hier noch der Link zur offiziellen Webseite.

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Dramatisch: Letzter Häagen-Dazs-Laden verschwindet aus Japan

April 26th, 2013 | Tagged | 9 Kommentare | 1591 mal gelesen

Lange Schlangen vor Häagen-Dasz in Urayasu

Lange Schlangen vor Häagen-Dasz in Urayasu

Ist es ein Menetekel? Verlassen die Ratten das sinkende Schiff? Man weiß es nicht. Da bin ich also fast jedes Wochenende an der Eiscremebude von Häagen-Dazs bei uns im örtlichen Einkaufszentrum vorbeigelaufen – ohne zu wissen, dass dies die einzige Niederlassung in ganz Japan ist! Wie konnte ich das nur verschlafen. Und diese Niederlassung hat heute dicht gemacht, was seit Bekanntgabe vor einigen Tagen zu langen Schlangen vor dem Laden führte.

Wer es nicht kennt: Häagen-Dazs ist ein amerikanischer Eisproduzent. Und der alberne Umlaut im seltsamen Namen hat rein gar nichts zu bedeuten. Der ist nur da drin, weil man in den USA so sehr auf diakritische Zeichen steht, da man sie ja selbst im Alphabet vermisst. Soll man der Wikipedia glauben schenken, stammt „Häagen“ von „Kopenhagen“ ab und „Dazs“ wurde nur angeheftet, damit es besser klingt. Fertig ist die Marketingmasche.

Die Masche scheint zu ziehen, denn die Marke gibt es (fast) weltweit, und sie fehlt in keinem japanischen Supermarkt. Das Eis zeichnet sich durch zwei Sachen aus: Es ist schweinesüß und sauteuer. Ein Minibecher kostet um die 200 Yen – und das ist ordentlich, denn es gibt auch zahlreiche Eissorten für 80 Yen und weniger. Aber das ist natürlich das Kalkül der Marke, und es geht gut auf: In Japan mag man es gern etwas luxuriöser, und Luxus muss natürlich seinen Preis haben.

Der 4-Euro-Becher. Quelle: Herstellerseite

Der 4-Euro-Becher. Quelle: Herstellerseite

Dazu zählen geschickte Aktionen wie ein Tie-up mit 7-Eleven, der großen Convenience-Store-Kette: Ein Eisbecher, der nur in den Filialen von 7-Eleven verkauft wird, und nirgendwo anders. Stolzer Preis der Sorten „Opera“ und „Chocolat Rouge“: 420 Yen, also rund 4 Euro. Inklusive Goldstaub obendrauf. Wie’s schmeckt? Opera schmeckt nicht. Chocolat Rouge ist in Ordnung…

Aber es verschwindet ja auch nur die letzte Filiale. Natürlich bleibt das Eis erhalten, und ich bin mir ziemlich sicher, dass Japan einer der wichtigsten Märkte der Inhaber General Mills und Nestlé ist. Mich dünkt, am Bahnhof Zoo in Berlin auch mal eine Niederlassung gesehen zu haben… aber im Supermarkt hatte ich sie früher zumindest nie bemerkt. Dazu sollte ich vielleicht auch erwähnen, dass ich Deutschland in Sachen Eis vermisse. Von Matcha-Eis (Grüner Tee) einmal abgesehen halte ich Japan eiscremetechnisch für ein Entwicklungsland.

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Le Erdbeere

März 26th, 2013 | Tagged , | 9 Kommentare | 1178 mal gelesen

Einzeln verpackte Erdbeeren

Einzeln verpackte Erdbeeren

Mit den Verpackungen ist das so eine Sache in Japan. Alles muß schön verpackt sein, wenn möglich mehrfach, denn nur so taugt das ganze auch als Mitbringsel. Das war so, bevor das Wort Umweltschutz auftauchte, und das ist noch immer so. Einzig bei den Plastikeinkaufstüten hat es sich mittlerweilen eingeschlichen, dass man oft nicht mehr ungefragt mit den Tüten nach den Kunden wirft, sondern erst fragt, ob wirklich eine gebraucht wird. Wenn man auf eine Tüte verzichtet, bekommt man sogar vielerorts 2 Yen Rabatt auf seinen Einkauf – ob der eine Artikel nun 20 Yen kostet oder 2’000 Yen. Das ganze ist freilich, wie kann es anders sein, durchaus skurril: Damit man nicht mit dem gemeinen Volk, das da Registrierkasse bedient, kommunizieren muss, hängen kleine Karten an der Kasse, auf denen steht: „Ich brauche keine Tüte“. Die legt man dann in seinen Korb, und schon muss man nicht mit dem Kassenknecht kommunizieren. Natürlich läuft das Ganze dabei natürlich genau nach Kundenhandhabungshandhabe ab. Wer kein „Ich-brauch-echt-keine-Tüte“-Schild im Korb liegen hat, wird vorsichtshalber nochmal verhört: „Brauchen Sie eine Tüte?“ Da steht man dann also, der Korb randvoll, und rein gar nichts am Mann, was darauf hindeuten könnte, dass man die Sachen irgendwo verstauen könnte. „Wenn ich den Einkaufskorb mit nach Hause nehmen kann, nicht!“, möchte man da gerne antworten.

Aber es geht ja um Erdbeeren. Was ich da neulich im örtlichen Supermarkt (200 m von mir entfernt) sah, ließ selbst mich erstaunen. Besondere Melonen für 50 Euro und mehr oder bilderbuchmäßige Weintrauben für 20 Euro pro Rebe usw. kenne ich ja zur Genüge, aber einzeln in einer Plastikglocke verpackte Erdbeeren waren mir neu. Mit Rosatuch darunter. Und nochmal in weißem Krepp eingehüllt. Für 150 Yen pro Erdbeere – also rund 1,20 Euro. Aber schauen wir mal genauer hin: Grad Brix (salopp gesagt – der Zuckergehalt): 9°Brix. Rechts daneben ein Hinweis: 9°Brix = mäßiger Geschmack, 10°Brix = guter Geschmack, 11°Brix = sehr guter Geschmack. Klasse, da soll man also 1,20 Euro für eine dreifach verpackte Erdbeere ausgeben – die dann laut Auszeichnung nur mäßig schmeckt. Interessant ist zudem, was man zum Thema bei Wikipedia findet: Laut Beitrag sind Erdbeeren mit 12°Brix mäßig, mit 16°Brix gut und mit 18°Brix hervorragend. Ein Wert von 8 hingegen ist „Schlecht“.

Wer kauft denn bloß sowas? mag der eine oder andere fragen. Nicht wenige! Aber sicher kaum jemand für sich selbst. In Japan herrscht, mehr noch als in Europa, eine Kultur der Gefälligkeiten. Für alles revanchiert man sich auf die eine oder andere Weise. Und egal wie groß der Gefallen war: Die kleine Dankbarkeit muß auf die eine oder andere Weise etwas Besonderes sein. Und wenn es eine mäßig schmeckende, weil überdimensionierte Erdbeere ist.

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