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Teure Olympische Spiele | Mercedes-Raamen

Dezember 1st, 2016 | Tagged , , | Kein Kommentar bisher | 323 mal gelesen

Auch heute gibt es wieder zwei Nachrichten auf ein Mal.

Die erste betrifft die Olympischen Spiele in Tokyo 2020: Vorgestern, am 29. November 2016, kamen IOC-Mitglieder, das Tokyo-Komitee für die Olympischen Spiele, Vertreter der japanischen Regierung sowie Vertreter der Stadtverwaltung von Tokyo in einem Hotel der Stadt zusammen, um den Stand der Dinge zu diskutieren. Dabei ging es unter anderem um die anhaltende Diskussion über die Auslagerung einiger Wettkampftstätten nach Tohoku sowie um die Kosten der Spiele. Und dort gab es einen Offenbarungseid. Während der Präsentation über die Spiele im Jahr 2013 hieß es, dass der ganze Spaß cirka 734 Milliarden Yen, also rund 6 Milliarden Euro kosten wird. Bei der Versammlung am Dienstag hiess es jedoch nun, dass man versuchen werde, nicht mehr als 2 Billionen Yen, also 16,5 Milliarden Euro, für die Spiele auszugeben, aber die neue Ratsherrin von Tokyo, Yuriko Koike, brachte auch schon 25 Milliarden Euro als mögliche Kosten ins Gespräch. Ein Grund für die Kostenexplosion war auch schnell gefunden (nicht von Koike, wohlgemerkt): Der alte Voranschlag habe eben noch nicht Kosten für Transport, Sicherheit usw. enthalten. Nun ja.

Der Kostenexplosion wird vermutlich der Vorschlag zum Opfer fallen, die Ruderer in die hunderte Kilometer weiter nördlich gelegene Präfektur Miyagi zu schicken – zu einer Anlage in 長沼 Naganuma. Man argumentierte, dass dies einen belebenden Effekt auf die von der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe gebeutelte Region haben könnte, und dass der Ort zwar weit entfernt liegt, dies aber dank des Shinkansens kein Problem sein sollte, was soweit auch korrekt ist. So gesehen also keine so falsche Idee. Man darf jedoch gespannt sein, wie sich die Kosten weiter entwickeln werden. Und falls jemand beim Lesen dieser Zeilen gerade ein Déjà vu hatte — richtig, auch die Olympischen Sommerspiele 2012 in London wurden mit rund 6 Milliarden Euro veranschlagt, kosteten aber letzendlich fast 14 Milliarden. Dass man das in Tokyo für wesentlich weniger Geld hinbekommt, klang von vornherein relativ unwahrscheinlich.


Zur zweiten Nachricht: Wie jetzt bekannt wurde, wird Mercedes Benz in den nächsten Tagen und Wochen in seiner Hauptniederlassung in Roppongi, Tokyo, ラーメン Raamen verkaufen. Erklärtes Ziel ist es, Japaner zu überzeugen, dass Mercedes mehr als eine Luxusmarke für Gutbetuchte ist. Und so hat man sich die berühmte chinesisch-japanische Nudelsuppe als Kundenfänger ausgesucht, denn Raamen ist „Volksessen“, also quasi das, was dem Deutschen seine Curry- oder andere Wurst ist. Zwei Varianten wird es geben: 陸 riku (Land), mit Entenfleisch und Pilzen, sowie 海 Umi (Meer) auf Fischbrühenbasis. In letzerer Variante schwimmt dann auch Mochireis mit dem obligatorischen Stern eingebrannt. Eine Schüssel kostet wohl 1’200 Yen (10 Euro), also etwas mehr als üblich für Raamen, aber keinesfalls abschreckend teuer.

Mercedes Benz-Ramen. Quelle: WithNews

Mercedes Benz-Ramen. Quelle: WithNews

Ein veritabler Marketingtrick, denn erstens gibt es unzählige Raamenfanatiker in Japan, die man so in die Ausstellungsräume locken kann, und zum anderen gibt es genug Idioten wie mich, die sich darüber die Finger wund schreiben. Aber da ich selber Ramen-fan bin, war mir das ein paar Zeilen wert.

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Endlich da: Cup Noodles mit… rätselhaftem Fleisch!?

September 6th, 2016 | Tagged , | 3 Kommentare | 670 mal gelesen

Neu: Undefinierbares-Fleischfestival im Pappbecher!

Neu: Undefinierbares-Fleischfestival im Pappbecher!

Nissin, der Cup-Noodle-Pionier und Marktführer für allerlei Instantnudeln, hat heute seine jüngste Kreation vorgestellt. Anlass dafür ist der 45. Geburtstag der sogenannten Cup-Noodles, die sich in Japan seit Einführung selbiger ungebrochener Beliebtheit erfreuen. Die neueste Kreation hat dabei einen sehr, nun ja, gewöhnungsbedürftigen Namen: 謎肉祭 Nazo Niku-matsuri. „Nazo“ bedeutet „Rätsel“ bzw. „Undefinierbares“, „niku“ bedeutet „Fleisch“ und „Matsuri“ soviel wie „Fest(ival)“. Ein Fest undefinierbaren Fleisches quasi. Das klingt doch schon mal sehr verlockend, und es beschreibt genau das Gefühl, was ich jedes Mal habe, wenn ich Instant-Nudeln in Japan esse. Das passiert in etwa ein Mal pro Woche, im Büro, denn ich bin zugegebenermassen auch ein Fan dieser schnellen Mahlzeiten – aber nur in geringen Mengen. Die Dinger sehen schon von weitem äusserst ungesund aus, so dass die Angst vor dem, was da alles drin sein könnte, stärker ist als das Verlangen danach. Besonders verdächtig sind mir die Sorten mit Fleischbeilagen – entweder als gefriergetrocknete, braune Krümel oder einzeln verschweisst. Das sieht immer ein bisschen aus wie Chappi – also absolut undefinierbar, rätselhaft sozusagen. Von daher ist der Name der Nissin-Kreation kein grosses Wunder. Liest man sich die PR-Mitteilung jedoch genauer durch, stellt man fest, dass es sich nicht um undefinierbare Fleischsorten zweifelhaften Ursprungs handeln soll, sondern einfach nur um eine rätselhaft grosse Menge undefinierbarer Fleischbröckchen: Zehn Mal so viel als üblich. Igittigitt.

Interessant werden die ganzen Instantnudeln in Japan erst durch das ちょい足し choitashi – quasi das „Aufmotzen“ der Billiggerichte durch Zugabe von Käse oder Mayonnaise, Dashi oder Kim’chi, Nori oder Sake, Curry oder… Erdbeermarmelade. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt, und das Internet ist voll mit „Rezepten“ und Tipps für „Pimp my cup noodles“-Anfänger und Experten. Na dann – Prost Mahlzeit!

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Japanisches Essen in Deutschland – Coco Genki

August 8th, 2016 | Tagged , | 3 Kommentare | 691 mal gelesen

Morgen geht es nach fast drei Wochen Europa wieder zurück nach Japanistan — und eine Erkenntnis, die ich dieses Mal aus Deutschland mitnehme, ist die, dass sich die japanische Küche in Deutschland rasend schnell auszubreiten scheint. Plötzlich sehe ich überall Sushi, aber auch Udon und Co. scheinen sich mehr und mehr auszubreiten. Das ist schön, denn es kann nicht schaden, die japanische Küche zu kennen. Heute hatte ich zudem bei einem Berlinbummel die Gelegenheit, das Restaurant einer guten Freundin zu besuchen: Das Coco Genki in Berlin Mitte. Die Co-Betreiberin Noriko kenne ich seit 1995, und ich habe sie seit wahrscheinlich 10 Jahren (oder so) nicht mehr gesehen. Nun, heute stand ich ungefragt und unangemeldet vor dem Restaurant, und siehe da — es war geschlossen. Wie es sich aber für einen gewissenhaften Restaurantbetreiber gehört, war sie trotzdem da.

Coco Genki in Berlin Mitte

Coco Genki in Berlin Mitte

Im Coco Genki (ein etwas verwortspielter Name – „coco“ (bzw. im Japanischen koko) kann „hier“ bedeuten, „genki“ bedeutet gesund. Es geht weniger um Sushi sondern um gesunde, und nur zu einem gewissen Teil japanische Küche. Auf jeden Fall ein schönes Lokal in schöner Umgebung, direkt an der U-Bahn-Station Märkisches Museum (Linie U2). Die genauen Koordinaten:

Bistro Cafe COCO GENKI
Wallstr.36 10179 Berlin
Tel: 030-548272-73
URL: facebook.com/cocogenki.berlin

Und wo wir gerade beim Thema asiatisches Essen sind: Erfreut habe ich auch zwei Mal feststellen dürfen, dass es nun auch hervorragendes vietnamesisches Essen in Deutschland gibt. Bzw. in Berlin und Umgebung. Zum Beispiel das Cowei (James-Simon-Park 152, 10178 Berlin) – das mit vietnamesischen und japanischen Spezialitäten aufwartet. Ich hatte keine Lust, dort japanisches Essen zu probieren, aber das vietnamesische Essen dort war reichlich schmackhaft – und nicht mal allzu teuer.

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​Das liebe Salz oder wie gesund ist die japanische Küche?

Dezember 15th, 2015 | Tagged , | 3 Kommentare | 1821 mal gelesen

Dem Kampf gegen zu viel Zucker und Fette folgt nun also der globale Kampf gegen das Salz, das man mehr und mehr mit Bluthochdruck und Gefäßkrankheiten in Verbindung bringt. Den Anfang macht mal wieder New York, das seit Beginn dieses Monats Restaurants dazu verpflichtet, besonders salzhaltige Gerichte mit einem Warnzeichen zu versehen¹.

Wenn man sich mit Japanern zum Beispiel über die deutsche Küche unterhält, hört man einen Kommentar besonders oft: Die deutsche Küche sei しょっぱい shoppai – salzig. Wenn man es oft genug hört, beginnt man allmählich auch selbst daran zu glauben, doch bei genauerer Betrachtung sind Mitteleuropäer, ja selbst Amerikaner, beim Salzverbrauch im Vergleich zu Japanern Waisenknaben. Sicher, das hängt stark von der Person ab – man nehme nur Salzstangen oder Kassler oder auch Fritten – doch es ist mir in Japan schon öfter passiert, dass ich ein Gericht einfach als völlig versalzen empfand. Meine beiden Negativ-Favoriten sind da 辛塩シャケ Karashio Shake – mit sehr viel Salz haltbar gemachter Lachs – und このわた Konowata – gesalzene Seegurkeninnereien. Die Zubereitung letzterer ist recht einfach: Man nehme 100 Gramm Eingeweide, 30 Gramm Salz und dann noch etwas Kōji genannter Reismalz, damit die Masse schön fermentieren kann. Auch Tintenfisch & Co werden gern so zubereitet und enthalten dann gern mal über 5% Salz.

Stockfisch in Tohoku: Mögen sie ihren Fisch leicht oder stark versalzen?

Stockfisch in Tohoku: Mögen sie ihren Fisch leicht oder stark versalzen?

Über den Pro-Kopfverbrauch von Salz gibt es verschiedene Angaben, aber Japan taucht bei allen Statistiken an der Spitze auf: Während man in Deutschland im Schnitt wohl weniger als 5 Gramm zu sich nimmt, sind es in Japan mehr als 10 Gramm. Dabei ist das Nord-Süd-Gefälle interessant: So liebt man es vor allem in Tohoku (=Nordosten) gern salzig und nimmt dort im Schnitt 27 Gramm pro Tag zu sich². Das ist… eine sehr grosse Menge. Aus verschiedenen Quellen: Eine würzige Miso-Suppe ist recht salzig, ebenso gegrillter Fisch, eingelegtes Gemüse sowie natürlich Sojasauce (7%) – alles eine Sebstverständlichkeit beim Essen in der Tohoku-Region. Von der WHO empfohlen werden übrigens 2 Gramm pro Tag.

So gesehen kann man hier getrost mit dem Vorurteil aufräumen, die deutsche Küche sei salzig. Das kann man in Japan besser. Und zwar viel besser.

¹ Siehe unter anderem hier (Englisch)
² Siehe hier: WHO – Sodium Intakes Around The World (Englisch)

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Erste Ramen-Bude mit Michelin- Star: Und nun?

Dezember 8th, 2015 | Tagged , | 6 Kommentare | 716 mal gelesen

​Nun ist es also geschehen: Der berühmte Michelin-Guide hat erstmals einen ganz ordinären Ramen-Laden in seinem neuesten Gourmetführer mit einem Stern beglückt¹. Für die meisten Japan-Reisenden wahrscheinlich keine so grosse Überraschung, denn diese ursprünglich chinesische Nudelsuppe kommt in Japan in so vielen Varianten und teilweise sehr komplexen Geschmacksvarianten daher, dass dort doch auf jeden Fall auch etwas Michelinstar-würdiges dabei sein muss.

Durch wie viele Ramen-Läden sich die Jury durchgefressen hat ist unbekannt. Und ganz sicher auch nicht immer ein Vergnügen, denn wie es nun mal mit einem ausgesprochenen Volksessen ist, gibt es sehr viel Spreu unter dem Weizen. Auserkoren hat man unter den zehntausenden, meist wirklich nur Ramen servierenden Geschäften 蔦 Tsuta, ein Minirestaurant (typisch) mit gerade mal 9 Plätzen. Die Menge der Mahlzeiten ist auf 150 pro Tag begrenzt, und das wird sich wohl auch so schnell nicht ändern, denn einige der Zutaten (Sojasauce zum Beispiel) lagert angeblich zwei Jahre bis zur Reife.

Meiner Meinung nach stark sterneverdächtig: Echte Kumamoto-Tonkotsu-Ramen

Meiner Meinung nach stark sterneverdächtig: Echte Kumamoto-Tonkotsu-Ramen

Das schöne an der Nachricht ist, das man eigentlich ein ganz normales Lokal gewählt hat – mit ganz normalen Preisen, sprich weniger als 8 Euro bzw. unter 1’000 yen für die Terrine. Das seltsame an der Wahl ist jedoch, dass man einen Laden gewählt hat, der zum Beispiel die Chashu genannte Fleischeinlage mit Rotwein behandelt und nach Wunsch die Nudelsuppe mit Trüffelöl verfeinert. Was soll das nun eigentlich bedeuten? Heisst das, ich sollte in Kawasaki wirklich langsam eine Bulettenbude – Japaner stehen doch so auf Fleischklopse – aufmachen und dann einfach ein bisschen Trüffelöl rüberkleckern, um so die Michelin-Gourmets anzuziehen? Vielleicht. Kann ich ja machen, wenn ich erwachsen geworden bin.

Auch nicht zu verachten: Ramen mit geräucherter Rinderzunge

Auch nicht zu verachten: Ramen mit geräucherter Rinderzunge

Wie es nun mal so ist, wenn man berühmt wird, hatte der Ramenbudenbesitzer natürlich sofort sehr viel unbekannte Kundschaft. So viel, dass er sich einen Essensmarkenautomaten zulegte (sehr typisch!), nunmehr morgens um 6 für 10 Minuten sein Restaurant aufmacht – denn länger braucht er nicht, um 150 Mahlzeiten an die bereits Wartenden Hobbygourmets zu verkaufen – und danach ein Schild raushängt, dass für heute alles ausverkauft sei. Wahrscheinlich wird er irgendwann das Recht, seinen Namen benutzen zu dürfen, an Nissin oder irgendeinen anderen Trockennudelfabrikanten verkaufen und damit gut Geld verdienen, oder gleich eine ganze Kette aufmachen. Gegönnt sei es ihm.

Ob mich der ganze Rummel interessiert? Eher kaum. Ob ich dort auch mal Ramen essen wollen würde? Sicher, sicher!!!

¹Siehe unter anderem hier (Englisch).

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Auch das noch: Bester Käse kommt aus Japan!

Juni 9th, 2015 | Tagged | 6 Kommentare | 2031 mal gelesen

Vor nichts machen sie halt – erst müssen sie der Welt besten Whisky herstellen, und jetzt auch noch den besten Käse! Sagte zumindest die Jury des Concours Mondial du Meilleur Fromager 2015, der gestern in Frankreich stattfand. Immerhin ist der Sieger selbst zwar Franzose, aber das stört die japanischen Medien nicht, da Fabien Degoulet (31), ohne seines Wissens ergo mein neuer bester virtueller Freund, in Japan residiert. Und ich hoffe doch, dass er in Zukunft den Käse, den er hier produziert, auch bald verkaufen wird! Und wieso sitze ich eigentlich nicht in der Jury?

Ganz wichtig: Immer eine Handbreit Käse unterm Kiel

Ganz wichtig: Immer eine Handbreit Käse unterm Kiel

Meines Erachtens nach sollte ein gut sortierter Haushalt auf jeden Fall einen ordentlichen Vorrat Käse im Hause haben. Das mutiert allerdings zunehmend zu einem recht teuren Hobby, denn der Yen ist momentan reichlich schwach auf der Brust, was Käse- und andere Importe natürlich verteuert. Von Butter mal ganz zu schweigen, denn der Butterengpass ist noch immer nicht behoben und feiert bald seinen ersten Jahrestag. Den Rekord stellte dabei neulich mein örtlicher Supermarkt auf: Der verkauft zur Zeit „Butter Mini Cubes“ – 8 Würfelchen einzeln verpackter Butter mit jeweils 8 Gramm Butter drin – für runde 269 Yen, also gute 2 Euro. Das bedeutet also über 30 Euro für ein Kilogramm Butter. Nein, keine Trüffelbutter. Auch nicht mit Goldfolie – sondern die schnöde japanische Butter. Wahnsinn.

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Geschafft: Japan ist Whiskyweltmeister

November 5th, 2014 | Tagged | 3 Kommentare | 3978 mal gelesen

Yamazaki Sherry Casket - ein anderer Jahrgang, wohlgemerkt

Yamazaki Sherry Casket – ein anderer Jahrgang, wohlgemerkt

Schon seit den 1920ern versuchten sich vereinzelte Brauereien in Japan an der Whiskybrennerei – und dies sollte sich in diesem Jahr erstmals richtig auszahlen: In der neuesten Ausgabe der Jim Murray’s Whisky Bible wurde doch tatsächlich ein japanischer Whisky als bester Whisky des Jahres gekürt. Es ist auch keine kleine, geheime Brennerei, sondern ein Gigant unter den Getränkeherstellern: Suntory schaffte die Überraschung mit seinem Yamazaki Single Malt Sherry Cask 2013. So weit, so gut – doch leider wurden „nur“ 18,000 Flaschen hergestellt, und die sind mittlerweile, zumindest in Japan, bereits restlos ausverkauft. Schade eigentlich, denn mit einem Preis von rund 17,000 yen ist der Gewinner noch nicht einmal so teuer.

Suntory stellt ja mehrere Whiskysortimente her – am bekanntesten wären da der oben genannte 山崎 Yamazaki, 響 Hibiki und 白州 Hakushū. 響 Hibiki galt dabei anfangs als das Flaggschiff, und wenn ich mich recht erinnere, kam Hakushū erst später dazu. Yamazaki habe ich, wenn ich mich recht erinnere, nur ein Mal probiert, und das ist lange her. Hakushū hat es mir persönlich angetan, da der selbige mit ziemlich viel Charakter daherkommt – einige Sorten gehen beinahe in Richtung Laphroaig, nur mit etwas weniger Knüppel auf den Kopf.

Vielleicht sollte ich mich dann doch wohl etwas mehr auf dem heimischen Whiskymarkt umschauen. Zeit wird es – mein heissgeliebter 18 Jahre alter Glendronach neigt sich dem Ende zu und ist in Japan nicht mehr erhältlich. Dem Triple Cask Balvenie 16 yrs droht ein ähnliches Schicksal. Fehlt nur noch jemand in Japan, der meine Liebe zum gelegentlichen Whisky teilt – da fällt mir doch sage und schreibe nur eine einzige Person ein.

Mehr zum Hauptgewinn des Yamazaki siehe unter anderem beim Spiegel und Time Magazine.

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Edelbäcker

Juni 17th, 2014 | Tagged , , | 5 Kommentare | 11700 mal gelesen

Bäckerei Tokutarō

Bäckerei Tokutarō

Man könnte meinen, es sei ein neuer Trend – aber dem ist nicht ganz so: Bäckereien, viele davon regelrechte Edelbäckereien, gibt es schon lange in Japan, denn man weiss auch hier gutes Brot zu schätzen. Oder sagen wir mal so: Gutes Backwerk. Denn dass es zahlreiche Bäcker gibt, heisst noch lange nicht, dass es auch gutes Brot gibt. Von Brötchen mal ganz zu schweigen, denn die gibt es wirklich so gut wie gar nicht.

In meinem vorherigen Wohnort gab es in einem nahegelegenen Villenviertel ein älteres Ehepaar, dass aus Zeitvertreib eine Bäckerei betrieb. Mit winziger Terasse, auf die ein kleiner Tisch und zwei Stühle passten. Der Verkaufsraum war höchstens 5 m² gross, und da an allen Seiten Regale standen, passten maximal drei Leute gleichzeitig rein. Trotz allem schafften es die beiden, dort ca. 10 Brotsorten und rund 20 Sorten mit kuchenähnlichen Sachen herzustellen. Und wer zu spät kam, schaute ins Leere. Die Bäckerei war dabei richtig gut: Manchmal gab es Roggenbrot, und die mit Frischkäse und getrockneten Tomaten gefüllten, stets ofenfrischen Brote waren auch sehr empfehlenswert.

In meiner jetzigen Gegend habe ich soweit drei akzeptable Bäcker ausmachen können. Einer tat es mir dabei schon vom Namen her an: „Bäckerei (sic!) Tokutarō“. Leider konnte das Backwerk nicht vollständig mit dem illustren Namen mithalten – sicher, alles war geniessbar, aber nicht unbedingt umwerfend.

Dabei sollte erwähnt werden, dass die meisten Japaner bei Brot nicht an Deutschland denken, sondern eher an Frankreich, Italien oder England. Und bei Konditoreiwaren – vom Stollen mal abgesehen – ist Deutschland gleich völlig ausgeschlossen. Es gibt alle möglichen, je nach Konditorei auch sehr erlesene Sachen, aber einen schnöden Butterstreuselkuchen, Bienenstich oder Napfkuchen usw. sucht man hier vergeblich. In Deutschland wurde mir früher dabei klar, warum dem so ist: Die meisten Japaner kann man mit deutschem Kuchen und deutschen Torten nicht so recht hinter dem kotatsu hervorlocken. Will heissen: Als Deutscher kann man sich natürlich schnell darüber mokieren, dass eine als deutsche „Bäckerei“ aufgemachte Bäckerei nichts so recht Deutsches anbieten will, es sei denn, es ist kurz vor Weihnachten. Aber die Lösung ist nunmal einfach. Es würde sich nicht verkaufen.

Und so bleiben Dinge wie Mohnkuchen, Rhabarber- und Stachelbeerkuchen usw. in weiter Ferne (Mohn habe ich hier schon mal gesehen, aber frischen Rhabarber oder gar Stachelbeeren bisher noch nie). Aber wie sagt man so schön: Irgendwas ist ja immer.

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Japanische Küche auf dem Weg zum UNESCO-Weltkulturerbe

Oktober 25th, 2013 | Tagged , | 8 Kommentare | 9962 mal gelesen

Sushi Sushi Sushi!

Sushi Sushi Sushi!

Nach dem Fuji-san nun also das: Heute wurde 和食 – washoku – die Japanische Küche zur Aufnahme in die UNESCO-Liste Immaterielles Kulturerbe vorgeschlagen. Sushi (mein Mittagessen gestern), Okonomiyaki (oh, mein heutiges Abendessen) und Co. wurden aufgrund der Einzigartigkeit und der Utensilien, die zur Herstellung verwendet werden, ausgewählt. Die Japanische Küche ist dabei nicht die erste landestypische Küche: Die französische, mediterrane und mexikanische Küche sind bereits aufgenommen wurden.

Nun ist diese Liste sehr speziell und schwer als solche zu begreifen, da es sich ja, wie der Name schon sagt, um ein „immaterielles Erbe“ handelt. Die aktuelle Liste kann hier bei der UNESCO eingesehen werden, und sie ist ziemlich interessant: China, Südosteuropa, der Nahe und Mittlere Osten sowie Südamerika haben zahlreiche immaterielle Kulturgüter aufzuweisen, während es in Skandinavien, der USA, aber auch in Deutschland und in der Schweiz mau aussieht: Nada. Null. Nichts. Vielleicht sollte man das ja als Tatsache ansich in die Liste aufnehmen. Was könnte man in Deutschland in die Liste eigentlich aufnehmen? Das sorbische Osterreiten? Die Rottweiler Fasnet? Oder vielleicht Stuttgart 21 (ist ja immerhin lange genug immateriell) – oder der Berliner Großflughafen? Es gäbe sicher viele Kandidaten.

Der Gedanke, dass die Küche eines Landes Kulturgut wird, die eines anderen Landes hingegen nicht, mag seltsam erscheinen. Den Strich möchte ich persönlich nicht ziehen wollen. Aber verständlich ist der Gedanke schon. Zwar hat sich die japanische Küche viel von anderen Kulturen abgesehen, aber Essen und Zubereitung werden in Japan in so breitem Umfang zelebriert, dass dies in der Tat eine Würdigung wert ist. Leider schaffen es jedoch wie immer einige Politiker, solchen Meldungen einen Nachgeschmack zu verpassen. In diesem Fall war es Yoshihide Suga, der jetzige Chefkabinettssekretär. Er kommentierte die Meldung in etwa so: Er freue sich sehr über die Ehre und er will sich bemühen, diese Auszeichnung auch dazu zu nutzen, den Imageschaden von Agrar- und Fischereiprodukten aus der Präfektur Fukushima zu beheben¹. Sicher! Warum nicht – wo das AKW doch jetzt völlig unter Kontrolle ist.

Anbei noch zwei Lesetipps:

¹ Siehe Jiji Agentur

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Roboter, halbnackte Frauen und Business

Oktober 3rd, 2013 | Tagged , , | 3 Kommentare | 9804 mal gelesen

Roboter + α: Robot Restaurant in Shinjuku/Tokyo

Roboter + α: Robot Restaurant in Shinjuku/Tokyo

Gestern war ein Treffen mit zwei Geschäftspartnern vereinbart – beide gestandene Japankenner aus dem englischen Sprachraum. Einer der beiden hatte auch lange vorher bereits einen angemessenen Ort für das Treffen arrangiert: Das Robot Restaurant in Shinjuku, genauer gesagt im berühmt-berüchtigten Viertel Kabukichō. Aus eigener Erfahrung schlug der Gastgeber vor, sich vorher zum Abendessen zu treffen, da das Robot Restaurant zwar ein Restaurant ist, die Betonung jedoch hauptsächlich auf dem ersten Wort liegt.
Gesagt, getan. Ah, Shinjuku! Vor 15 Jahren war ich quasi jeden Abend in Shinjuku – entweder zum Arbeiten (wochentags) oder zum Vergnügen (Rest). Shinjuku war mein Spielplatz, und dieser Spielplatz war mir von Anfang an lieber als Roppongi. In den letzten Jahren mangelte es allerdings an Gelegenheiten, und so erkannte ich Shinjuku kaum wieder. Wie sehr sich doch alles in ein paar Jahren ändert. Als erstes viel mir eine chinesische Reisegruppe auf, die einem fähnchenschwingenden Reiseleiter hinterherliefen. Na wenigstens sehen sie so das echte. Japan. Räusper.

Das Robot Restaurant liegt mitten in Kabukichō inmitten all der mehr oder weniger zwiespältigen Etablissements, die da Gruppentarife im Massagesalon anbieten und… nein, das wird zu lang. Selbst im gleißenden Kabukichō fällt das noch gleißendere Robot Restaurant sofort auf. Die Preisstruktur ist einfach: 5,000 Yen pro Person (also rund 40 Euro), ohne wenn und aber. Einfach so hingehen ist nicht – man muss vorher reservieren. Dann wartet man im Eingangsbereich, in dem sofort dank des Dekors Tränen in die Augen schiesen. Es glitzert und funkelt, die Sinne überschlagen sich. Und – nach Japanern muss man beinahe suchen. Fast alle Besucher kommen aus dem Ausland. Irgendwann wird man unter die
Erde geführt – drei Stockwerke tief. Dort: Eine kleine Arena, mit drei gestaffelten Sitzreihen auf beiden Seiten und einem breiten Gang in der Mitte. Dort stehen zwei Angestellte und verkaufen Bier aus Plastebechern. Am Eingang bekommt man zudem eine Pappbox mit Essen drin. Ich musste sie nicht erst öffnen, um zu ahnen, warum wir vorher essen sollten. Nein, hier kommt man ganz sicher nicht des Essens wegen hin.

Farbige Panzer und nackte Frauen. Nun ja.

Farbige Panzer und nackte Frauen. Nun ja.

Irgendwann ging es los. Viele aufgetüterte, halbnackte junge Frauen mit Körbchengrössen, die sich nicht mit den ersten drei Buchstaben des Alphabets beschreiben lassen, sprangen grölend, kreischend, schwerter- und fahnenschwingend durch den Raum. Naja, die ganz normale Durchschnittsfrau eben. Dazu gab es Videoinstallationen, einen Kung-Fu-Panda-Abklatsch, der gegen Bösewichter kämpft (die dann quer durch den Raum fliegen) usw. Besonders bemerkenswert: Die Schlagzeugerin mit einem sehr sportlichen, bunten Drachentattoo, welches den halben Körper bedeckte. Alle Achtung. Irgendwann wurden schliesslich noch. Leuchtknüppel verteilt, mit denen man im Rhythmus winken sollte, Und die meisten haben auch ordentlich mitgemacht.

Was vergessen? Ach so, ja, Roboter! Die gab es natürlich auch, in rauhen Mengen und den verschiedensten Formen, bemannt und unbemannt. Dazu seltsame Fahrzeuge und einiges mehr. Nach anderthalb Stunden war die Show zu Ende, und alle verliessen entweder glücklich oder irritiert das Lokal.

Nun, da habe ich mich zum ersten Mal seit langem in eine andere Welt begeben. Und bei allem Kitsch: Wenn man einfach alles um sich vergisst und sich einfach der Sache ergibt, macht das durchaus Spass. Prädikat: Sehr nerdig, aber gut gemacht und, wenn auch nicht immer, so doch größtenteils, sehr unterhaltsam.
Ach ja: Vom Essen würde ich die Finger lassen. Das können die Convenience Stores besser.

Hier noch der Link zur offiziellen Webseite.

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