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Edelbäcker

Juni 17th, 2014 | Tagged , , | 5 Kommentare | 9050 mal gelesen

Bäckerei Tokutarō

Bäckerei Tokutarō

Man könnte meinen, es sei ein neuer Trend – aber dem ist nicht ganz so: Bäckereien, viele davon regelrechte Edelbäckereien, gibt es schon lange in Japan, denn man weiss auch hier gutes Brot zu schätzen. Oder sagen wir mal so: Gutes Backwerk. Denn dass es zahlreiche Bäcker gibt, heisst noch lange nicht, dass es auch gutes Brot gibt. Von Brötchen mal ganz zu schweigen, denn die gibt es wirklich so gut wie gar nicht.

In meinem vorherigen Wohnort gab es in einem nahegelegenen Villenviertel ein älteres Ehepaar, dass aus Zeitvertreib eine Bäckerei betrieb. Mit winziger Terasse, auf die ein kleiner Tisch und zwei Stühle passten. Der Verkaufsraum war höchstens 5 m² gross, und da an allen Seiten Regale standen, passten maximal drei Leute gleichzeitig rein. Trotz allem schafften es die beiden, dort ca. 10 Brotsorten und rund 20 Sorten mit kuchenähnlichen Sachen herzustellen. Und wer zu spät kam, schaute ins Leere. Die Bäckerei war dabei richtig gut: Manchmal gab es Roggenbrot, und die mit Frischkäse und getrockneten Tomaten gefüllten, stets ofenfrischen Brote waren auch sehr empfehlenswert.

In meiner jetzigen Gegend habe ich soweit drei akzeptable Bäcker ausmachen können. Einer tat es mir dabei schon vom Namen her an: “Bäckerei (sic!) Tokutarō”. Leider konnte das Backwerk nicht vollständig mit dem illustren Namen mithalten – sicher, alles war geniessbar, aber nicht unbedingt umwerfend.

Dabei sollte erwähnt werden, dass die meisten Japaner bei Brot nicht an Deutschland denken, sondern eher an Frankreich, Italien oder England. Und bei Konditoreiwaren – vom Stollen mal abgesehen – ist Deutschland gleich völlig ausgeschlossen. Es gibt alle möglichen, je nach Konditorei auch sehr erlesene Sachen, aber einen schnöden Butterstreuselkuchen, Bienenstich oder Napfkuchen usw. sucht man hier vergeblich. In Deutschland wurde mir früher dabei klar, warum dem so ist: Die meisten Japaner kann man mit deutschem Kuchen und deutschen Torten nicht so recht hinter dem kotatsu hervorlocken. Will heissen: Als Deutscher kann man sich natürlich schnell darüber mokieren, dass eine als deutsche “Bäckerei” aufgemachte Bäckerei nichts so recht Deutsches anbieten will, es sei denn, es ist kurz vor Weihnachten. Aber die Lösung ist nunmal einfach. Es würde sich nicht verkaufen.

Und so bleiben Dinge wie Mohnkuchen, Rhabarber- und Stachelbeerkuchen usw. in weiter Ferne (Mohn habe ich hier schon mal gesehen, aber frischen Rhabarber oder gar Stachelbeeren bisher noch nie). Aber wie sagt man so schön: Irgendwas ist ja immer.

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Japanische Küche auf dem Weg zum UNESCO-Weltkulturerbe

Oktober 25th, 2013 | Tagged , | 8 Kommentare | 9579 mal gelesen

Sushi Sushi Sushi!

Sushi Sushi Sushi!

Nach dem Fuji-san nun also das: Heute wurde 和食 – washoku – die Japanische Küche zur Aufnahme in die UNESCO-Liste Immaterielles Kulturerbe vorgeschlagen. Sushi (mein Mittagessen gestern), Okonomiyaki (oh, mein heutiges Abendessen) und Co. wurden aufgrund der Einzigartigkeit und der Utensilien, die zur Herstellung verwendet werden, ausgewählt. Die Japanische Küche ist dabei nicht die erste landestypische Küche: Die französische, mediterrane und mexikanische Küche sind bereits aufgenommen wurden.

Nun ist diese Liste sehr speziell und schwer als solche zu begreifen, da es sich ja, wie der Name schon sagt, um ein “immaterielles Erbe” handelt. Die aktuelle Liste kann hier bei der UNESCO eingesehen werden, und sie ist ziemlich interessant: China, Südosteuropa, der Nahe und Mittlere Osten sowie Südamerika haben zahlreiche immaterielle Kulturgüter aufzuweisen, während es in Skandinavien, der USA, aber auch in Deutschland und in der Schweiz mau aussieht: Nada. Null. Nichts. Vielleicht sollte man das ja als Tatsache ansich in die Liste aufnehmen. Was könnte man in Deutschland in die Liste eigentlich aufnehmen? Das sorbische Osterreiten? Die Rottweiler Fasnet? Oder vielleicht Stuttgart 21 (ist ja immerhin lange genug immateriell) – oder der Berliner Großflughafen? Es gäbe sicher viele Kandidaten.

Der Gedanke, dass die Küche eines Landes Kulturgut wird, die eines anderen Landes hingegen nicht, mag seltsam erscheinen. Den Strich möchte ich persönlich nicht ziehen wollen. Aber verständlich ist der Gedanke schon. Zwar hat sich die japanische Küche viel von anderen Kulturen abgesehen, aber Essen und Zubereitung werden in Japan in so breitem Umfang zelebriert, dass dies in der Tat eine Würdigung wert ist. Leider schaffen es jedoch wie immer einige Politiker, solchen Meldungen einen Nachgeschmack zu verpassen. In diesem Fall war es Yoshihide Suga, der jetzige Chefkabinettssekretär. Er kommentierte die Meldung in etwa so: Er freue sich sehr über die Ehre und er will sich bemühen, diese Auszeichnung auch dazu zu nutzen, den Imageschaden von Agrar- und Fischereiprodukten aus der Präfektur Fukushima zu beheben¹. Sicher! Warum nicht – wo das AKW doch jetzt völlig unter Kontrolle ist.

Anbei noch zwei Lesetipps:

¹ Siehe Jiji Agentur

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Roboter, halbnackte Frauen und Business

Oktober 3rd, 2013 | Tagged , , | 3 Kommentare | 9200 mal gelesen

Roboter + α: Robot Restaurant in Shinjuku/Tokyo

Roboter + α: Robot Restaurant in Shinjuku/Tokyo

Gestern war ein Treffen mit zwei Geschäftspartnern vereinbart – beide gestandene Japankenner aus dem englischen Sprachraum. Einer der beiden hatte auch lange vorher bereits einen angemessenen Ort für das Treffen arrangiert: Das Robot Restaurant in Shinjuku, genauer gesagt im berühmt-berüchtigten Viertel Kabukichō. Aus eigener Erfahrung schlug der Gastgeber vor, sich vorher zum Abendessen zu treffen, da das Robot Restaurant zwar ein Restaurant ist, die Betonung jedoch hauptsächlich auf dem ersten Wort liegt.
Gesagt, getan. Ah, Shinjuku! Vor 15 Jahren war ich quasi jeden Abend in Shinjuku – entweder zum Arbeiten (wochentags) oder zum Vergnügen (Rest). Shinjuku war mein Spielplatz, und dieser Spielplatz war mir von Anfang an lieber als Roppongi. In den letzten Jahren mangelte es allerdings an Gelegenheiten, und so erkannte ich Shinjuku kaum wieder. Wie sehr sich doch alles in ein paar Jahren ändert. Als erstes viel mir eine chinesische Reisegruppe auf, die einem fähnchenschwingenden Reiseleiter hinterherliefen. Na wenigstens sehen sie so das echte. Japan. Räusper.

Das Robot Restaurant liegt mitten in Kabukichō inmitten all der mehr oder weniger zwiespältigen Etablissements, die da Gruppentarife im Massagesalon anbieten und… nein, das wird zu lang. Selbst im gleißenden Kabukichō fällt das noch gleißendere Robot Restaurant sofort auf. Die Preisstruktur ist einfach: 5,000 Yen pro Person (also rund 40 Euro), ohne wenn und aber. Einfach so hingehen ist nicht – man muss vorher reservieren. Dann wartet man im Eingangsbereich, in dem sofort dank des Dekors Tränen in die Augen schiesen. Es glitzert und funkelt, die Sinne überschlagen sich. Und – nach Japanern muss man beinahe suchen. Fast alle Besucher kommen aus dem Ausland. Irgendwann wird man unter die
Erde geführt – drei Stockwerke tief. Dort: Eine kleine Arena, mit drei gestaffelten Sitzreihen auf beiden Seiten und einem breiten Gang in der Mitte. Dort stehen zwei Angestellte und verkaufen Bier aus Plastebechern. Am Eingang bekommt man zudem eine Pappbox mit Essen drin. Ich musste sie nicht erst öffnen, um zu ahnen, warum wir vorher essen sollten. Nein, hier kommt man ganz sicher nicht des Essens wegen hin.

Farbige Panzer und nackte Frauen. Nun ja.

Farbige Panzer und nackte Frauen. Nun ja.

Irgendwann ging es los. Viele aufgetüterte, halbnackte junge Frauen mit Körbchengrössen, die sich nicht mit den ersten drei Buchstaben des Alphabets beschreiben lassen, sprangen grölend, kreischend, schwerter- und fahnenschwingend durch den Raum. Naja, die ganz normale Durchschnittsfrau eben. Dazu gab es Videoinstallationen, einen Kung-Fu-Panda-Abklatsch, der gegen Bösewichter kämpft (die dann quer durch den Raum fliegen) usw. Besonders bemerkenswert: Die Schlagzeugerin mit einem sehr sportlichen, bunten Drachentattoo, welches den halben Körper bedeckte. Alle Achtung. Irgendwann wurden schliesslich noch. Leuchtknüppel verteilt, mit denen man im Rhythmus winken sollte, Und die meisten haben auch ordentlich mitgemacht.

Was vergessen? Ach so, ja, Roboter! Die gab es natürlich auch, in rauhen Mengen und den verschiedensten Formen, bemannt und unbemannt. Dazu seltsame Fahrzeuge und einiges mehr. Nach anderthalb Stunden war die Show zu Ende, und alle verliessen entweder glücklich oder irritiert das Lokal.

Nun, da habe ich mich zum ersten Mal seit langem in eine andere Welt begeben. Und bei allem Kitsch: Wenn man einfach alles um sich vergisst und sich einfach der Sache ergibt, macht das durchaus Spass. Prädikat: Sehr nerdig, aber gut gemacht und, wenn auch nicht immer, so doch größtenteils, sehr unterhaltsam.
Ach ja: Vom Essen würde ich die Finger lassen. Das können die Convenience Stores besser.

Hier noch der Link zur offiziellen Webseite.

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Dramatisch: Letzter Häagen-Dazs-Laden verschwindet aus Japan

April 26th, 2013 | Tagged | 9 Kommentare | 1181 mal gelesen

Lange Schlangen vor Häagen-Dasz in Urayasu

Lange Schlangen vor Häagen-Dasz in Urayasu

Ist es ein Menetekel? Verlassen die Ratten das sinkende Schiff? Man weiß es nicht. Da bin ich also fast jedes Wochenende an der Eiscremebude von Häagen-Dazs bei uns im örtlichen Einkaufszentrum vorbeigelaufen – ohne zu wissen, dass dies die einzige Niederlassung in ganz Japan ist! Wie konnte ich das nur verschlafen. Und diese Niederlassung hat heute dicht gemacht, was seit Bekanntgabe vor einigen Tagen zu langen Schlangen vor dem Laden führte.

Wer es nicht kennt: Häagen-Dazs ist ein amerikanischer Eisproduzent. Und der alberne Umlaut im seltsamen Namen hat rein gar nichts zu bedeuten. Der ist nur da drin, weil man in den USA so sehr auf diakritische Zeichen steht, da man sie ja selbst im Alphabet vermisst. Soll man der Wikipedia glauben schenken, stammt “Häagen” von “Kopenhagen” ab und “Dazs” wurde nur angeheftet, damit es besser klingt. Fertig ist die Marketingmasche.

Die Masche scheint zu ziehen, denn die Marke gibt es (fast) weltweit, und sie fehlt in keinem japanischen Supermarkt. Das Eis zeichnet sich durch zwei Sachen aus: Es ist schweinesüß und sauteuer. Ein Minibecher kostet um die 200 Yen – und das ist ordentlich, denn es gibt auch zahlreiche Eissorten für 80 Yen und weniger. Aber das ist natürlich das Kalkül der Marke, und es geht gut auf: In Japan mag man es gern etwas luxuriöser, und Luxus muss natürlich seinen Preis haben.

Der 4-Euro-Becher. Quelle: Herstellerseite

Der 4-Euro-Becher. Quelle: Herstellerseite

Dazu zählen geschickte Aktionen wie ein Tie-up mit 7-Eleven, der großen Convenience-Store-Kette: Ein Eisbecher, der nur in den Filialen von 7-Eleven verkauft wird, und nirgendwo anders. Stolzer Preis der Sorten “Opera” und “Chocolat Rouge”: 420 Yen, also rund 4 Euro. Inklusive Goldstaub obendrauf. Wie’s schmeckt? Opera schmeckt nicht. Chocolat Rouge ist in Ordnung…

Aber es verschwindet ja auch nur die letzte Filiale. Natürlich bleibt das Eis erhalten, und ich bin mir ziemlich sicher, dass Japan einer der wichtigsten Märkte der Inhaber General Mills und Nestlé ist. Mich dünkt, am Bahnhof Zoo in Berlin auch mal eine Niederlassung gesehen zu haben… aber im Supermarkt hatte ich sie früher zumindest nie bemerkt. Dazu sollte ich vielleicht auch erwähnen, dass ich Deutschland in Sachen Eis vermisse. Von Matcha-Eis (Grüner Tee) einmal abgesehen halte ich Japan eiscremetechnisch für ein Entwicklungsland.

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Le Erdbeere

März 26th, 2013 | Tagged , | 9 Kommentare | 961 mal gelesen

Einzeln verpackte Erdbeeren

Einzeln verpackte Erdbeeren

Mit den Verpackungen ist das so eine Sache in Japan. Alles muß schön verpackt sein, wenn möglich mehrfach, denn nur so taugt das ganze auch als Mitbringsel. Das war so, bevor das Wort Umweltschutz auftauchte, und das ist noch immer so. Einzig bei den Plastikeinkaufstüten hat es sich mittlerweilen eingeschlichen, dass man oft nicht mehr ungefragt mit den Tüten nach den Kunden wirft, sondern erst fragt, ob wirklich eine gebraucht wird. Wenn man auf eine Tüte verzichtet, bekommt man sogar vielerorts 2 Yen Rabatt auf seinen Einkauf – ob der eine Artikel nun 20 Yen kostet oder 2’000 Yen. Das ganze ist freilich, wie kann es anders sein, durchaus skurril: Damit man nicht mit dem gemeinen Volk, das da Registrierkasse bedient, kommunizieren muss, hängen kleine Karten an der Kasse, auf denen steht: “Ich brauche keine Tüte”. Die legt man dann in seinen Korb, und schon muss man nicht mit dem Kassenknecht kommunizieren. Natürlich läuft das Ganze dabei natürlich genau nach Kundenhandhabungshandhabe ab. Wer kein “Ich-brauch-echt-keine-Tüte”-Schild im Korb liegen hat, wird vorsichtshalber nochmal verhört: “Brauchen Sie eine Tüte?” Da steht man dann also, der Korb randvoll, und rein gar nichts am Mann, was darauf hindeuten könnte, dass man die Sachen irgendwo verstauen könnte. “Wenn ich den Einkaufskorb mit nach Hause nehmen kann, nicht!”, möchte man da gerne antworten.

Aber es geht ja um Erdbeeren. Was ich da neulich im örtlichen Supermarkt (200 m von mir entfernt) sah, ließ selbst mich erstaunen. Besondere Melonen für 50 Euro und mehr oder bilderbuchmäßige Weintrauben für 20 Euro pro Rebe usw. kenne ich ja zur Genüge, aber einzeln in einer Plastikglocke verpackte Erdbeeren waren mir neu. Mit Rosatuch darunter. Und nochmal in weißem Krepp eingehüllt. Für 150 Yen pro Erdbeere – also rund 1,20 Euro. Aber schauen wir mal genauer hin: Grad Brix (salopp gesagt – der Zuckergehalt): 9°Brix. Rechts daneben ein Hinweis: 9°Brix = mäßiger Geschmack, 10°Brix = guter Geschmack, 11°Brix = sehr guter Geschmack. Klasse, da soll man also 1,20 Euro für eine dreifach verpackte Erdbeere ausgeben – die dann laut Auszeichnung nur mäßig schmeckt. Interessant ist zudem, was man zum Thema bei Wikipedia findet: Laut Beitrag sind Erdbeeren mit 12°Brix mäßig, mit 16°Brix gut und mit 18°Brix hervorragend. Ein Wert von 8 hingegen ist “Schlecht”.

Wer kauft denn bloß sowas? mag der eine oder andere fragen. Nicht wenige! Aber sicher kaum jemand für sich selbst. In Japan herrscht, mehr noch als in Europa, eine Kultur der Gefälligkeiten. Für alles revanchiert man sich auf die eine oder andere Weise. Und egal wie groß der Gefallen war: Die kleine Dankbarkeit muß auf die eine oder andere Weise etwas Besonderes sein. Und wenn es eine mäßig schmeckende, weil überdimensionierte Erdbeere ist.

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Thunfischaugen schauen dich traurig an

Februar 20th, 2013 | Tagged | 8 Kommentare | 766 mal gelesen

Schau mir ins Auge, Kleines!

Schau mir ins Auge, Kleines!

Was mich da neulich aus der Fischabteilung im hiesigen Supermarkt anschaute, hatte Format: 1 (ein) Thunfischauge, hübsch verpackt im Plastikzylinder und wesentlich größer als meine Faust und leicht getrübt. Na, ist wohl nicht mehr ganz frisch! Aber wer kauft so was? Und wie isst man sowas? Nein, selbst probieren möchte ich es nicht. Ich kann nicht mal ein Karpfenauge aus dem Kadaver pulen. Aber mal kurz recherchiert – und siehe da, Thunfischaugen sind (angeblich) sehr beliebt, da sie viel Kollagen, DHA und EPA (beides Omega-3-Fettsäuren) enthalten, was ja alles bekanntlich sehr gesund ist und zu einem geschmeidigen Pelz verhilft. Der ganze Kram befindet sich allerdings nicht im Augapfel selbst, sondern rundherum.

Ganz so beliebt scheint das Thunfischauge dann aber auch selbst in Japan nicht zu sein, denn echtes Thunfischfleisch ist mittlerweilen sehr teuer, aber dieses riesige Auge hier, und bekanntlich haben die Tiere ja nur zwei davon (Ergebnisse von der Küste vor Fukushima liegen noch nicht vor), kostet nur ni-kyū-pa (298) Yen, also keine 3 Euro. Und von einer Miso-Suppe mit diesem einen Riesenauge (wiegt wohl ein halbes Kilogramm) wird man doch bestimmt satt. Ich jedenfalls wäre nach einem Schluck schon pappesatt.

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Käse-Rāmen!?

Dezember 21st, 2012 | Tagged , | 3 Kommentare | 678 mal gelesen

99 Rāmen in Ebisu

Wenn es essenstechnisch zwei Dinge gibt, die mich hinter dem Ofen vorlocken können, dann sind das Käse (nun gut, vom Harzer Roller mal abgesehen) und Rāmen – diese würzige Nudelsuppe, die selbst mich als sonst eher suppenabweisenden Genießer zu Begeisterungsstürmen hinreißen lässt. Nun gehört Käse als solcher eher nicht zum Standardrepertoire der japanischen Küche. Der Verbrauch scheint auch hier zuzunehmen, aber meist nur in der Gestalt möglichst harmloser, sprich geruchsneutraler Vertreter. Trotzdem staunen Japaner immer wieder, wenn ich mir Käse auf meine Yakisoba brösele. Dabei passen Käse und Yakisoba eigentlich zusammen wie der Arsch auf den Eimer. Und zwar so gut, dass es sogar Instant-Yakisoba mit Käse gibt. Ich hätte ein Patent anmelden sollen… Auch zu Pasta passt Käse eigentlich fast immer, vor allem, wenn man richtigen Käse mit den richtigen Saucen vermählt. Pasta mit in Olivenöl gebratenem Chili, Basilikum und Knoblauch zum Beispiel wird in Italien zumeist ohne Käse serviert – das aber wahrscheinlich nur, weil die Leute nicht wissen, wie das ganze mit geriebenem Emmenthaler schmeckt. Und ich meine nicht den Ersatzemmenthaler (den es in Japan sowieso nicht gibt). Aber so sehr ich auch Käse liebe – wenn es nicht passt, passt es nicht. Japanische Mentaiko-Pasta (mit scharfem Rogen) zum Beispiel würde ich im Leben nicht mit Käse berieseln – das wäre einfach verkehrt. Zumindest kommt mir das so vor.
Neulich stieß ich jedoch auf einen Bericht über 九十九らあめん – 99 Rāmen – einem Laden in Ebisu, meiner Wirkungsstätte. Jener Laden rühmt sich vor allem seiner Käse-Rāmen, hat aber auch andere Sachen im Programm. Um das Angebot knapp zu halten und das eigene Image zu “mystifizieren”, macht man nur 200 Portionen Käse-Rāmen pro Tag. Wer zu spät kommt, hat halt Pech. In meiner gestrigen Mittagspause machte ich mich also auf den Weg. Offentlich war ich nicht zu spät, aber es sprach für den Laden, dass ich, obwohl es schon halb zwei Nachmittags war, kurz anstehen musste – die Mittagszeit ist für die meisten dann schließlich schon vorbei. Innen sah es heimelich aus, und der Laden ist für eine Rāmen-Bude ziemlich groß.
So sieht's aus - Käse auf Rāmen

So sieht's aus - Käse auf Rāmen

Keine 5 Minuten später saß ich vor einer dampfelnden Schüssel Nudelsuppe – und darauf ein Berg weißer, in einer eigens dafür gebauten Maschine geschredderter Käse. Der langsam aber sicher in der Suppe verschwand und sich am Boden der Schüssel in eine glitschige Masse verwandelte. Erwartungsgemäß hatte der Käse keinen starken Eigengeschmack, und überhaupt wunderte ich mich, welchen Käse sie eigentlich dazu verwenden. Geschmacklich konnte ich ihn nicht richtig zuordnen. Die Suppe war auf Miso-Basis gemacht und sehr mild. Dem mußte mit 辛味噌 Kara-Miso – scharfes Miso nachgeholfen werden.
Prädikat: Genießbar. Und der Laden ist prinzipiell richtig gut. Aber Käse und Rāmen ist dann doch nicht so das Richtige – beim Essen verspürte ich plötzlich Kohldampf auf “richtige” Rāmen. Beim nächsten Mal dann. Warum nicht bei 99 Rāmen, dann aber ohne Käse…

 

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Neulich, im Kühlschrank

Mai 17th, 2012 | Tagged , | 5 Kommentare | 811 mal gelesen

Dick wie ein Unterarm: Oktopustentakel

Dank familiärer Beziehungen kam neulich wieder eine Ladung Tiefgekühltes ins Haus. Fischiges. Und ich bin immer wieder fasziniert, wie gross die Unterschiede sind zwischen Meeresgetier im Supermarkt und Meeresgetier direkt vom Produzenten: Die meisten Sachen sind einfach mal wesentlich grösser. Nun habe ich schon etliches gesehen, aber als ich neulich den Kühlschrank aufmachte und mich eine ganze Batterie mehr als daumengrosser Saugnäpfe anschaute, war ich etwas überrascht: Dieser Oktopus hatte verdammt dicke und lange Tektakel! Alle Achtung!

Wo wir beim Thema Essen sind: Neulich bin ich mal auf eine interessante Liste gestossen: Durchschnittliche Kalorienaufnahme pro Tag und Land, erstellt von der FAO. Nicht überraschend liegen die USA auf Platz 1 mit 3’770 Kalorien, gefolgt von Österreich (schau an!) mit 3’760 Kalorien. Deutschland (3,530 Kalorien) liegt auf Platz 12 und die Schweiz mit 3,420 Kalorien auf Platz 21. So weit, so gut. Allerdings war ich von Japan etwas überrascht: So weit hinten, auf Platz 82 (2,810 Kalorien) hätte ich es nicht erwartet. Jamaika, Iran, Mauretanien – alle vor Japan.

Nun könnte man einfwerfen: Die sind doch alle so dünn, ist doch kein Wunder! Sicher, aber das gleiche gilt für Chinesen (Rang 65). Wer aber die Liebe der Japaner zum Essen kennt, ist doch – angenehm – überrascht. Gottseidank lässt sich noch immer behaupten: Japaner lieben Essen. Und die Betonung liegt auf Qualität, nicht Quantität. Natürlich gibt es auch Ausnahmen.

Die Liste kann kann man in Excel-Format von der FAO (hier klicken) herunterladen.

Das Wort des Tages: タコ tako. Mit Schriftzeichen (eher selten): 蛸. Der Oktopus. Bitte nicht mit Tintenfisch (イカ ika) verwechseln!

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Vegetarier / Katzenjammer / Startrek

März 26th, 2012 | Tagged , , | 13 Kommentare | 1026 mal gelesen

Heute gibt es mal ein buntes Potpourri zur Abwechslung: Ein Stück Video, ein Stück Audio und ein Stück Photo. Nicht, dass wir hier noch zu textlastig werden. Fangen wir mal mit dem Photo an – mit versteckter Kamera aufgenommen und zu schön, um es nicht zu zeigen.

"Veggie" auf Japanisch

Neulich war ich mal wieder bei Firma X zu einem Meeting. Im Erdgeschoss des Wolkenkratzers gibt es ein Café – ein “Tully’s” – das japanische Pendant zu Starbucks. Da ich noch etwas Zeit und bis dato keine Gelegenheit zum Mittag essen hatte, liess ich mich dort nieder und schaute, was es essbares gibt. Nun, es gab “Veggie Pizza”. Nun bedeutet ja “Veggie” eigentlich “vegetarisch” (gelegentlich auch “vegetable”). Da das Wort neu ist, steht es natürlich nirgendwo fest definiert, aber unter “Veggie” versteht man nunmal Vegetarisch. Nicht in Japan: Ich konnte bei der Veggie-Pizza wählen zwischen Tomate+Schinken oder Chicken Gratin. Nun bin ich kein Vegetarier, aber Vegetarier sollten gewarnt sein: Zwar gibt es sehr viele vegetarische Gerichte in Japan, aber für voll nimmt man hier Vegetarier ganz bestimmt nicht.

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Ein Audio: Tja, da lebt man also in einer gewaltigen Metropole mit geschätzten 30 Millionen Einwohnern. Einer gewaltigen Großstadt. Aber das ist den Katzen egal. Diese Aufnahme habe ich vorgestern nachts um 3 Uhr gemacht. Hinweis: Ab ca. der Hälfte wird es richtig laut. Und wer gut hinhört, hört in der zweiten Hälfte auch einen fluchenden, genervten Anwohner. Ach ja: Gegenüber von uns wohnt ein Fischhändler. Kein Wunder, dass die Katzen sich da wohl fühlen.

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Zu guter letzt ein Video – aufgenommen heute morgen auf dem Shinkansenbahnsteig in Tokyo, bevor ich mich auf den Weg nach Sendai machte. Über diesen neuen Typ Getränkeautomat hatte ich hier schon einmal geschrieben, aber heute konnte ich zufällig zuschauen, wie der Automat bestückt wird. Sieht ein bisschen wie Raumschiff Enterprise aus. Original-Audio habe ich entfernt, da es schlicht zu laut war. Die Hintergrundmusik war ein Vorschlag von YouTube und entspricht nicht meinem Geschmack, also einfach ignorieren.

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Kugelfisch vs. demographischer Übergang

März 3rd, 2012 | Tagged , , | 6 Kommentare | 1104 mal gelesen

Bekannterweise leidet Japan seit geraumer Zeit an Bevölkerungsschwund mit einhergehender Überalterung der Bevölkerung. Steht ja quasi in Verbindung miteinander. Die Stadtobersten der Verwaltungseinheit Tokyo haben sich jetzt dabei zumindest eine Maßnahme gegen die Überalterung der Bevölkerung ausgedacht: Die Stadtversammlung möchte eine Anordnung aus dem Jahre 1949 kippen, die da heisst ふぐ取扱業等取締条例 – zu deutsch: Anordnung zur Regulierung kugelfischverarbeitender Wirtschaftszweige. Schöner Name, oder. In Tokyo, aber auch in vielen anderen Präfekturen, benötigen Köche, die Kugelfisch zubereiten wollen, eine Sondergenehmigung. Dazu müssen sie Kurse belegen und Prüfungen ablegen. Das kostet ziemlich viel Geld, und so gibt es Fugu (Kugelfisch) nur in Spezialitätenrestaurants. Fugu ist entsprechend teuer in der Hauptstadt.

Doch dem 東京ふぐ料理連盟 (Tokyo-Verband für Fugu-Zubereitung) droht Unheil. Die Stadtversammlung ist dabei, die Prüfungspflicht ab Oktober aufzuheben. Oh je, was wird wohl geschehen? Werden tagtäglich dutzende betrunkene Salaryman Opfer ihrer Kugefischsucht, weil sie in irgendwelchen billigen Kaschemmen ihrem Gourmetwahn fröhnen? Kann man so der Überalterung vorbeugen?

Frittierter Kugelfisch – hier in Ise, Präfektur Mie

Naja, letztendlich eher nicht. Unausgebildete Köche dürfen zwar dann Kugelfisch anbieten, aber sie dürfen nur mit ausgeweidetem Kugelfisch arbeiten. Ungiftigem also. Ausgenommenen Kugelfisch kann bereits jetzt jedermann im Internet bestellen, und vor allem in Shikoku und Kyushu sind die Regeln schon lange nicht so streng – dort ist Fugu gang und gäbe und weit günstiger zu haben als in Tokyo. Von daher wirkt das Gesetz in der Tat überholt.

Das Gesetz wurde übrigens erlassen, weil es nach dem Krieg an Essen mangelte und dementsprechend gegessen wurde, was vorhanden war. War es Kugelfisch, wurde jener eben verzehrt – natürlich von Laien zerlegt. Das kann ins Auge gehen.

Ach ja: Der ursprüngliche Reiz beim Kugelfischverzehr lag früher übrigens darin, eine wohldosierte Menge des Gifts im Fisch zu lassen. Das soll ein besonderes Kribbeln im Rachen erzeugt haben. Russisch Roulette für Feinschmecker eben.

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