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Tokyo Station … und eine gelangweilte Armee

März 1st, 2013 | Tagged , , | 18 Kommentare | 1563 mal gelesen

Eigentlich ist Tokyo Station kein so großer Bahnhof. Wenn man ihn mit anderen Bahnhöfen in Tokyo vergleicht. Weltweit ist Tokyo Station „nur“ auf Rang 8 der weltweit meistfrequentierten Bahnhöfe: 396 Millionen Passagiere, also über eine Million pro Tag, steigen in Tokyo Station ein, aus oder um. Es gibt jedoch 4 Bahnhöfe in Tokyo, die noch mehr Passagiere aufbringen (einsamer Spitzenreiter seit langem: Shinjuku mit 1.4 Milliarden Passagieren pro Jahr – mehr Zahlen siehe hier). Der Berliner Hauptbahnhof bringt es gerade mal auf 100 Millionen.

Tokyo Station ist trotzdem etwas besonderes, denn das Hauptgebäude stammt aus dem Jahre 1914 und hat einiges durchgemacht. Zuletzt eine Generalüberholung im Jahr 2012, um den für Tokyoter Verhältnisse wahrhaft historischen Bau erdbebensicher zu machen. Seitdem soll das Bauwerk sogar einen Direkttreffer der Stärke 7 (auf der Richterskala) wegstecken können.

Nebenher hat man in den vergangenen Jahren auch gleich noch ein paar kleinere, aber recht noble Hochhäuser am Bahnhof hochgezogen und den Untergrund mit zahlreichen Ladenpassagen „veredelt“. Ein idealer Ort, wenn es mal regnet. Wer in der Regenzeit in Tokyo weilt oder prinzipiell einfach mal Pech mit dem Wetter hat, kann das das folgende machen:

1.) Von der Marunouchi-Linie (U-Bahnlinie) zur Keiyō-Linie laufen. Es gibt zwei Routen, und beide sind ca. 600 Meter lang und komplett unterirdisch. So lange wiederholen, bis man sich nicht mehr verläuft, und schon hat man einen halben Tag rum.

2.) Sich in den Ladenpassagen unterhalb der Yaesu-Ausgänge herumtreiben. Dort gibt es viel zu sehen – und natürlich viel zu essen. Wo der Bahnhof aufhört und wo das nagelneue Daimaru-Kaufhaus anfängt, ist dabei schwer zu sagen.

Tomica-Laden

Tomica-Laden

Wer sich allerdings mit Kindern, vor allem solchen, die in Japan aufwachsen, in die Eingeweide von Tokyo Station wagt, sei gewarnt: Man kommt nur schwer wieder raus. Dazu sorgt zum Beispiel dieser Laden hier: Tomica ist die japanische Variante von „Matchbox“ (kleine Modellautos), und kleine Jungen lieben sie einfach.

Wenn man kleinen japanischen Jungs das geschickt gemachte Tomica-Lied vorspielt, passiert in etwa das hier:

Die Anziehungskraft ist enorm. Mein Sohn, gerade 2 geworden, kann zwar noch nicht „Toilette“ sagen, aber dank Tomica & Co. kann er immerhin schon „Krankenwagen“ sagen. Nun ja, fast. Eigentlich heißt der Krankenwagen auf Japanisch nicht „Kyūkyūta“ sondern „Kyūkyūsha“, aber immerhin.

Precure-Shop

Precure-Shop

Damit die Kindern auch gleich in die richtigen Rollen gepresst werden, gibt es gleich gegenüber vom Tomica-Geschäft den Precure-Shop, und man muss schon zwei Bedingungen erfüllen, um dort nicht seinen Verstand über Bord zu werfen: Man muss ein kleines Mädchen sein, und man muss in Japan aufwachsen. Das Originallied von Suite Precure will ich Euch nicht antun, deshalb hier die Variante der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte. Ich glaube, die sind alle auf Drogen. Panzer und Hubschrauber im Hintergrund, und im Vordergrund spielt die Kapelle „Suite Precure“. Was soll man dazu noch sagen.

Mehr zum Bahnhof Tokyo irgendwann man mal wieder. Ich glaube, ich bin vom Thema abgewichen…

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Der 500-Euro-Ranzen

Februar 12th, 2013 | Tagged , | 11 Kommentare | 5101 mal gelesen

Eigentlich ist das Aufziehen von Kindern in Japan gar nicht so teuer. Wenn man mal davon absieht, dass für viele das vorher oft vorhandene zweite Einkommen gänzlich wegfällt und die lieben Kleinen einem nach und nach die Haare vom Kopf fressen. Die Geburt ist quasi kostenlos (man bekommt das Geld zurückerstattet), die medizinische Grundversorgung ist kostenlos, viele kulturelle Anegbote, Bahnfahrten und Einittskarten sind kostenlos, und staatliche Bildungseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen sind kostenlos.

Was im Kleingedruckten nicht steht, sind all die versteckten Kosten: Irgendwie bezahlt man doch für den Kindergarten, in unserem Fall um die 50 Euro „Materialkosten“, und für diverse Kurse, sogenannte 習い事, damit die Kleinen Schwimmen, Tanzen, Ballett, Piano oder was auch immer so anliegt, lernen können. Dort fallen natürlich Kursgebühren an (was bei normalen Sachen schnell um die 100 Euro pro Monat kostet), plus Extraausgaben für Kostüme, Pinsel oder was auch sonst immer notwendig wird. Gelegentlich finden sich dann kleine Bekanntmachungen im Kindergarten, wo dann der Kindergarten mal eben 80 Euro „Photogebühren“ einsammelt, damit irgendein semiprofessioneller Photograph auf den Veranstaltungen den Kindern beim Staffellauf den Weg versperrt und das Ergebnis in Buchform beim Kindergartenabschluß überreicht werden kann (im Prinzip sind diese meist recht gut gemachten Bücher freilich eine prima Erinnerung). Hinzu kommen allerlei anderen ausserplanmässigen Kosten.

Hier mal ein 600-Euro-Ranzen

Hier mal ein 600-Euro-Ranzen (erhältlich hier)

Generell gilt, wie sicher anderenorts auch, je größer die Kinder desto teurer. Das kulminiert später in den horrenden Gebühren für die Universitäten, aber bis dahin habe ich noch einen weiten Weg. Vorher gilt es aber erstmal, das Kind einzuschulen. Dazu braucht Kind einen Ranzen, im Japanischen ランドセル Randoseru genannt. Man könnte fast meinen, das stammt vom Wort „Landser“ ab, es kommt vom niederländischen „Ransel“. Die „Ransel“ werden dabei nur in der Grundschule getragen – also im Alter von 6 bis 12 Jahren. Das umwerfende an den Landsern: Der Durchschnittspreis von rund 500 Euro. Wie gesagt, wir reden von einem Schulrucksack, leer! Der wahrscheinlich am zweiten Schultag durch die Gegend getreten wird. In sehr vielen Familien übernehmen die Großeltern mehr oder weniger gern (in unserem Fall glücklicherweise gern) diese veritable Anschaffung, und das scheint es auch zu sein, worauf das ranzenproduzierende Gewerbe aus ist. Nicht wenige Kinder in Japan haben sechs Taschen (シックスポケット – 6 pockets): Sie werden von den Eltern + 2 x Großeltern = & Erwachsene versorgt, und da fallen 500 Euro nicht weiter auf. Wer allerdings 3 und mehr Kinder hat oder gar alleinerziehend ist, muss sich irgendwie durchbeißen oder weit über Durchschnitt verdienen, denn bei all den Kosten machen die 150 Euro Kindergeld den Kohl nicht fett. Zumal das Gros der Eltern natürlich das Kindergeld lieber spart, um später Nachhilfestunden und die Uni bezahlen zu können.

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Andersen-Park und Ortsnamenverwirrungen

September 17th, 2012 | Tagged , | 4 Kommentare | 992 mal gelesen

Heute ging es zum Bespassen der lieben Kleinen zum アンデルセン公園 Andersen-Park in Funabashi (Chiba) – natürlich dem dänischen Schriftsteller Hans Christian Andersen gewidmet. Nun ist das mit den Freizeitparks in Japan immer so eine Sache. Oftmals sind die Parks sehr kitschig, und vor allem wird alles nur erdenkliche getan, den Eltern auf irgendeine Art und Weise das Geld aus der Tasche zu ziehen. Beispiel Zoo in Chiba: Direkt neben dem Zoo befindet sich ein älterer Vergnügungspark, in den man nur gelangt, wenn man auch Eintrittsgeld für den Zoo bezahlt hat. Natürlich kosten alle Attraktionen extra. Im Idealfall sollte der Zoo als Attraktion freilich genügen, aber dank des Vergnügungsparks lernen die lieben Kleinen natürlich schon mit drei Jahren, durch die Blume zu reden: „Mama, Papa, ich möchte in den Zoo!“ Klar. Was gemeint ist, ist natürlich: „Mama, Papa, nach zwei Minuten Schnelldurchlauf durch den ollen Zoo möchte ich in den Vergnügungspark“. Ganz grosses Kino, dem man sich natürlich auf Dauer nur schwer erziehen kann: „Das Karussell musst Du Dir schon verdienen! Und zwar mit dem Anstarren von apathischen Gorillas, Antilopen und Schuhschnäbeln“.

Andersen-Park: Manchmal möchte man selbst wieder Kind sein....

Ich schweife ab. Andersen-Park. Ich war positiv überrascht. Man bezahlt 900 Yen Eintritt, aber man hat sich wirklich Mühe gegeben. Unglaublich viele Spielgelegenheiten, oft nur aus Holz und Seilen gebaut, mitten im Wald. Früher nannte man sowas Sturmbahn. Elendig lange Rutschen. Die meisten bringen ihre eigenen Essenspakete und Zelte (!) mit, und wir verstanden, warum. Hier verbringt man ruck-zuck einen ganzen Tag. Um den Namen Andersen zu rechtfertigen, hat man sich auch etliches einfallen lassen – zum Beispiel eine dänische Windmühle, und den Nachbau einer dänischen Dorfschule, in der die Kinder basteln, Andersen-Märchen sehen und lesen können und so weiter.

Das Highlight ist jedoch das „Kinderkunstmuseum“. Jenes ist in verschiedene Komplexe untergliedert: Töpferei, Stoff, Basteln mit Holz, Essen zubereiten usw. Für einige der Materialien muss man extra bezahlen, aber die Preise sind zivil. Wir waren uns sofort einig: Wir werden hier Stammkunden. Ein schöner, riesengroßer Spielplatz im Grünen, abseits von Mickey Mouse und Konsorten. Ach ja, und eine dänische Hot-Dog-Bude! Und die war auch noch richtig gut! Wer also Kinder hat in Japan und in oder in der Nähe von Tokyo lebt – Andersen-Park! Es lohnt sich.

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Narashino in Funabashi? Oder wie jetzt?

Die Anfahrt zum Park verwirrte mich allerdings etwas. Und hier muss ich etwas ausholen: Es geht um die Gemeindestruktur in Japan. In Japan gibt es 47 Präfekturen, und die sind in sogenannte 区市町村 Ku-shi-chō-son unterteilt. -ku sind Stadtbezirke in Großstädten wie Tokyo, Osaka, aber auch Hiroshima, Chiba und so weiter. Shi sind kreisfreie Städte, chō (einzeln gelesen: machi) sind kreisangehörige Städte und son sind kreisangehörige Dörfer. Sprich, im obigen Wort wird es von links nach rechts immer ländlicher. Jedoch: 2012 gab es in Japan 787 kreisfreie und 748 kreisangehörige Städte – aber nur 184 kreisangehörige Dörfer. Das ist schon seltsam, da rund 80% Japans sehr ländlich sind. Der Grund: Seit Jahrzehnten wird in Japan eingemeindet, was das Zeug hält. Hinzu kommt, dass Städte in Japan seit jeher viel „ausgefranster“ sind als Städte in Deutschland zum Beispiel. Es gibt keine Ortseingangsschilder – irgendwie beginnt die Stadt irgendwo. Was wo anfängt und wo aufhört, ist schwer zu sagen. Die größte „kreisfreie“ Stadt (flächenmäßig) in Japan ist zum Beispiel Takayama – die Stadt hat gut 90,000 Einwohner, ist aber über 2’000 km² groß. Das sagt natürlich gar nichts über die Stadt aus – der Großteil des Gebietes ist unwegbares Gebirge mit vereinzelten Weilern hier und dort.
Die Eingemeindungen scheinen dabei recht willkürlich zu sein, und das fiel mir heute besonders auf. In der Präfektur Chiba gibt es die benachbarten Städte 船橋 Funabashi und 習志野 Narashino. Um zum obigen Park zu gelangen, fährt man, so man auf den Zug angewiesen ist, zum Bahnhof 北習志野 Kita-Narashino (Kita=Nord). Man sollte jetzt freilich meinen, dass dieser Bahnhof zur Stadt Narashino gehört. Tut er aber nicht. Er gehört zur Stadt Funabashi. Auch der Bahnhof Narashino selbst liegt nicht etwa in Narashino (was für eine kindliche Vermutung!), sondern mitten in der Stadt Funabashi. Will heißen: Es ist absolut keine Schande, sich in Japan zu verlaufen! Das machen die meisten Japaner auch gern. Und die exzessiven Eingemeindungen tun ihr übriges dazu.

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Kleinkind-TÜV / Bargehilfe gesucht

September 11th, 2012 | Tagged , , | 12 Kommentare | 1237 mal gelesen

Heute war unser Jüngster zum Kleindkind-TÜV: Der Untersuchung für 1½-jährige, die von der Stadt durchgeführt wird. So etwas gibt es sicherlich in Deutschland auch, aber ich fand den Fragebogen, den man vorher auszufüllen hat, recht interessant. Hier einmal ein Auszug aus dem Fragenkatalog – diese Fragen sind in der Regel mit Ja oder Nein zu beantworten:

Bereich Alltag:

  1. Zeigt Ihr Kind mit dem Finger auf Dinge, die es möchte?
  2. Wenn Ihrem Kind etwas auffällt, zeigt es mit dem Finger darauf und schaut Ihnen dabei ins Gesicht?
  3. Wenn Ihr Kind ein Bilderbuch oder etwas Echtes sieht und sie fragen, „welches davon ist…“ (auf Japanisch: ○○どーれ), zeigt es dann mit dem Finger darauf?
  4. Kann Ihr Kind Wörter wie „manma“ (Essen) oder „buubu“ (Trinken) sagen? Wenn ja, welche? (in unserem Fall zum Beispiel: Mama, Papa, Neenee (=Schwester), Jiiji (Opa), Baaba (Oma), hai (ja), Manma, Buubu, Wanwan (Wauwau), Baibai (Bye Bye) und noch ein paar mehr (darunter lustigerweise auch das Wort „heiß“)
  5. Reagiert Ihr Kind, wenn sie ihm sagen, „bringe dies oder das her“?
  6. Klammert sich Ihr Kind/folgt Ihnen Ihr Kind, wenn es krank ist oder sich vor etwas fürchtet?
  7. Freut sich Ihr Kind, wenn ein Erwachsener ihm widmet/mit ihm spielt?
  8. Macht Ihr Kind Sachen nach, die Erwachsene machen (z.B. Telefonat imitieren, Zahnbürste benuzten usw.)?
  9. Spielt Ihr Kind mit Spielzeug?
  10. Bringt Ihr Kind Sachen zu Ihnen, wenn es Ihnen etwas zeigen will?
  11. Treffen sich Ihre Blicke, wenn Sie mit Ihrem Kind reden?
  12. Zeigt Ihr Kind Interesse, wenn es andere Kinder spielen sieht?
  13. Gibt es etwas, was Ihnen an ihrem Kind seltsam vorkommt (z.B. übermäßige Furcht vor Fremden, ungebremste und ungezielte Rastlosigkeit, Desinteresse an der Umwelt, starke Weinkrämpfe in der Nacht, ungewöhnlich ruhig usw.

Und so weiter. Ein Zahnart kommt auch zu dieser Untersuchung (und laut bildhafter Beschreibung kam der Zahnarzt gar nicht gut an…).
Nun ja, TÜV bestanden. ASU gab es dieses Mal nicht. Und da der Wonneproppen kerngesund und sehr lebhaft ist, brauchen wir uns (vorerst!?) wohl keine Sorgen zu machen. Mich würde freilich interessieren, ob es eine ähnliche (Pflicht)untersuchung in Deutschland gibt und ob dort ähnliche Fragen gestellt werden.

Wer sich mehr für Babysprache auf Japanisch interessiert – hier gibt es eine längere Liste (ein paar Begriffe sind streitbar, aber die wichtigen Wörter wie an’yo (Fuß), encho (sitzen), poppo (Taube) usw. sind dabei.

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Ganz anderes Thema: Ein guter Bekannter betreibt eine kleine, aber feine Sportbar. Falls jemand von Euch gerade Japanisch lernt, an drei Nächten in der Woche frei hat und ein bisschen dazu verdienen möchte, meldet Euch. Der Stundenlohn ist nicht üppig, aber ich kann jedem versichern: Die schnellste Art, echtes Japanisch zu lernen, ist Arbeit in einer Bar in Japan. Das kann ich persönlich wärmstens empfehlen.

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