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Von Bambus und Schlangen

Mai 4th, 2014 | Tagged , | 1 Kommentar | 14671 mal gelesen

Bambuswald: Das schwarze sind Bambuskinder, bzw. hier schon eher Halbwüchsige

Bambuswald: Das schwarze sind Bambuskinder, bzw. hier schon eher Halbwüchsige

Es ist Goldene Woche – für Werktätige das Pendant zu Ostern quasi, nur ohne Hasen und Eier. Dieses Jahr liegen die drei Feiertage mal wieder ungünstig: Wer eine Woche frei nehmen möchte, muss 3 Tage Urlaub nehmen, in günstigeren Jahren reichen zwei Brückentage, um rund 10 Tage frei nehmen zu können. Dieses Jahr machen wir nun etwas, was wir in der Goldenen Woche schon lange nicht gemacht haben: Wir bleiben zu Hause. Da wir ja erst jüngst in die Gegend gezogen sind, gibt es ohnehin viel zu entdecken. Heute ging es in einen großen Park nur zwei Kilometer entfernt von zu Hause. Und dort gibt es, trara! Natur. Das habe ich in meiner alten Gegend wirklich vermisst. Zum Park zählt auch ein langgestrecktes Stück Bambuswald, und die haben es mir seit meinem ersten Besuch im Fernen Osten angetan: Die glatten, grünen Bambusstangen werden bis zu 10 Meter hoch und bewegen sich sanft im Wind. Der Bambus steht an manchen Stellen so dicht, dass nur wenig Tageslicht zum Waldboden durchdringt. Die Faszination an Bambuswäldern geht wahrscheinlich davon aus, dass Bambus keine Äste bildet: Die Pflanzen bestehen aus einem langen Stamm, und nur ganz oben spriessen die Blätter.

Frühling ist Bambuserntezeit, und das wird in unserer Gegend offensichtlich: Jeder bietet 竹の子 Take-no-ko (wörtlich: Bambuskinder) an. Die kegelförmigen Gebilde sind bis zu 20 cm gross und die Grundfläche bis zu 10 cm breit. Geschält und gekocht, lässt sich aus dem jungen Bambus so einiges herstellen. Rund 400 Yen zahlt man für ein größeres „Bambuskind“, dabei muss man eigentlich nur in einen Bambuswald gehen – und nicht lange suchen. Leider wissen das die Einheimischen zu schätzen, und so standen natürlich tausende „Pflücken verboten“-Schilder im Wald. Da Bambus sehr schnell spriesst, gehe ich mal davon aus, dass das Pflücken nicht aus Naturschutzgründen, sondern zum Schutz der eigenen Ernte verboten ist. Ach ja: Wer einmal in die Gelegenheit kommt, im Frühjahr einen Bambuswald zu betreten: Einfach mal ein „Bambuskind“ streicheln: Es gibt nichts angenehmeres – die äußeren Blätter mit ihren feinen, braunen Härchen fassen sich wie Samt an.

Ein paar Pfade im Park (der Vollständigkeit halber: es handelt sich um den 王禅寺公園 Ōzenji-Park) waren sogar ganz abgesperrt: Dort sind wohl vermehrt マムシ Mamushi aufgetreten. „-mushi“ ist eigentlich ein Insekt, aber bei Mamushi handelt es sich um eine Schlange aus der Familie der Vipern. Die Mamushi sind giftig und bedanken sich bei aufdringlichen Störenfrieden mit im Schnitt einer Woche Intensivstation – laut Wikipedia werden wohl 2 bis 3’000 Menschen im Jahr von dieser Schlange gebissen. Nun ja, wo Natur ist, ist auch Gefahr.

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Okamoto Tarō

April 8th, 2014 | Tagged , | 1 Kommentar | 7652 mal gelesen

Okamoto Taro: Sonnenturm in Osaka)

Okamoto Taro: Sonnenturm in Osaka)

Meine neue, alte Heimat kann mit zwei kulturell wertvollen Dingen aufwarten. Das ist mehr als vorher: Vorher gab es nur Disneyland, und nichts anderes. Und so unterhaltsam Disneyland sein mag — als kulturell wertvoll würde ich es nicht unbedingt bezeichnen. Hier, im Westen von Kawasaki, gibt es jedoch zwei interessante Museen. Da wäre zum einen das 藤子・F・不二雄ミュージアム (Fujiko F Fujio-Museum), gewidmet dem Schöpfer von Doraemon, der in Japan allseits beliebten, blauen Katze aus dem Weltall. Das Museum zieht immerhin rund eine Million Besucher pro Jahr an und steht hier aus gutem Grund: Fujio wurde in der Gegend geboren, und die ersten Folgen von Doraemon spielen quasi in meiner Nachbarschaft. Die sich seitdem allerdings grundlegend geändert hat. Wo sich früher Bambushaine und Reisfelder abwechselten, ist heute alles regelrecht zersiedelt. Verdammte Zuwanderer…

Ein weiteres Museum ist 岡本太郎 Okamoto Tarō gewidmet — seines Zeichens einer der bekanntesten, darstellenden Künstler der Gegenwart in Japan. Okamoto wurde 1911 in Kawasaki geboren und zog mit 18 Jahren nach Frankreich, wo er 11 Jahre lang blieb. Die deutsche Fotografin Gerda Taro lernte ihn damals kennen, und die Begegnung schien eindrucksvoll zu sein: Sie „lieh“ sich seinen Vornamen und machte ihn zum eigenen Nachnamen. Dabei ist „Taro“ in Japan das, was in Deutschland „Hans“ ist – wobei „Taro“ noch immer relativ beliebt ist. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Paris ging Okamoto nach Japan zurück, wo ihm der Militärdienst nicht erspart blieb. Er wurde an die Front nach China geschickt und blieb dort schliesslich nach Kriegsende ein halbes Jahr als Kriegsgefangener.

Okamoto Tarō: Mütterturm - in Ikuta, Kawasaki

Okamoto Tarō: Mütterturm – in Ikuta, Kawasaki

Danach widmete sich Okamoto ganz der Kunst. Er baute ein Atelier in Tokyo auf, verfasste ein Lehrbuch über zeitgenössische Kunst und verdiente sich als Skulpteur. Er interessierte sich vor allem für die jahrtausende alte Kunst der Jōmon-Zeit sowie für die schlichte Kunst von Okinawa. 1970 wurde er damit beauftragt, für die Expo in Ōsaka eine Skulptur zu schaffen, die an Picassos Bilder erinnert. Und so entstand seine wohl bekannteste Skulptur: Der 太陽の塔 taiyō-no-tō Sonnenturm, der auch heute nichts an seiner Ausstrahlung verloren hat.

Das Museum in Ikuta, Kawasaki, ist wunderschön in einem kleinen Tal gelegen und wartet mit einer großen Skulptur und vielen kleineren Exponaten auf. Die grosse Skulptur nennt sich 母の塔 haha-no-tō – Mütterturm. Ja, er hatte es mit Türmen.

Als mit rund 80 Jahren die Schaffenskraft nachliess, entschied Okamoto, dass die meisten seiner Kunstwerke an die Stadt Kawasaki übergehen sollen. Und so entstand die Idee, im ein Museum zu widmen. Mi 84 Jahren, im Jahr 1996, starb Okamoto.

Persönlich gefallen mir Okamoto’s Kunstwerke – sie bieten eine eigenartige Melange aus sehr alten und sehr modernen Kunstformen, sind leicht verspielt und regen die Phantasie an.

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