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Wenn das Volk den Ministerpräsidenten jagt

Oktober 10th, 2017 | Tagged , , , | 1 Kommentar | 491 mal gelesen

Plakat des geplanten Auftritts in Shinyurigaoka

Plakat des geplanten Auftritts in Shinyurigaoka

Das Land steckt mitten im Wahlkampf, und bei diesem Wahlkampf wird natürlich auch seine Majestät MP Abe aktiv und geht auf Tournee. Das erweist sich jedoch als gar nicht so einfach, wie sich spätestens am 5. Oktober erwies. An jenem Tag wollte er eigentlich eine Rede vor dem Bahnhof von 新百合ケ丘 Shin’yurigaoka, einer relativ wohlhabenden Gegend im Westen von Kawasaki, halten. Sin’yurigaoka und Umgebung kenne ich sehr gut — es liegt schließlich keine zwei Kilometer von mir entfernt. Doch dann geschah etwas unerwartetes: Der Auftritt wurde urplötzlich verlegt. Und zwar fünf Bahnhöfe weiter, nach 向ヶ丘遊園 Mukōgaoka-Yuen (das ich auch wie meine Westentasche kenne). Was war geschehen?

Schon vor ein paar Wochen gab es bei einem Auftritt von Abe in Akihabara/Tokyo unschöne Szenen: Anhänger der Anti-Abe-Bewegung riefen immer wieder Sachen wie „帰れ kaere“ – „Geh nach Hause“ oder „やめろ!“ yamero – „Hör auf“ dazwischen. Irgendwann wurde es Abe zu bunt: Er sagte zu seinen Anhängern, auf die Störenfriede zeigend:

こんな人たちに負けるわけにはいかない – konna hitotachi ni makeru wake ni wa ikanai (Es kann nicht angehen, dass wir gegen die da den Kürzeren ziehen)

Besonders das „konna hitotachi“, in etwa „die da“, erregte Anstoß, beschrieb es doch ganz gut, was Abe über all jene, Politiker oder nicht, denkt, die nicht mit ihm übereinstimmen. Diese auch in den Parlamenten beliebten Zwischenrufe werden ヤジ yaji genannt, und Abe ist seit langem für seine patzigen Antworten bekannt. Er hat quasi eine Zwischenrufallergie, und die äußert sich nicht selten in einer dreisten Arroganz.

Natürlich wussten Abes Gegner von seinem geplanten Auftritt in Shin’yurigaoka (zu deutsch übrigens „Neu-Lilienberg“) und bliesen zur Attacke – vor allem auf Twitter. Das ging soweit, dass seine Berater ihm abrieten dort aufzutreten, und stattdessen nach Mukōgaoka-Yūen auswichen, was für einige Verwirrung in Neu-Lilienberg sorgte. Und für Freude im Anti-Abe-Lager natürlich, hatte man doch so seinen Auftritt verhindert.

Heute wurde Abes weiteres Programm bekanntgegeben – geplant sind öffentliche Auftritte im Nordosten des Landes, doch bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass einige Auftritte gestrichen wurden. Begründet wurde dies mit der Nordkorea-Krise¹, doch das kann man getrost als Ausrede bewerten, denn in Nordkorea ändert sich momentan nichts. Nichts jedenfalls, was es wert wäre, den Wahlkampf zu unterbrechen.

Auf Twitter gab es für die Shin’yurigaoka-Situation natürlich viel Häme, zum Beispiel hier:

Aber auch sonst kursieren auf Twitter sehr viele relevante Hashtags – zum Beispiel:

#安倍アラート („Abe-Alarm“
#安倍総理を追え („Jagt Ministerpräsident Abe“)
#国難 („Landesübel“ – ein Wort, das Abe gern benutzt. Seine Gegner bezeichnen ihn deshalb gern als eigentliches Landesübel)
#阿部やめろ („Abe hör auf“).

¹ Siehe unter anderem hier

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Ein Tag im Müll

September 27th, 2016 | Tagged , | 5 Kommentare | 790 mal gelesen

Was macht man an einem (mal wieder) hoffnungslos verregnetem, freien Tag? Genau, man geht mit seinen Kindern zur örtlichen Müllanlage. Auf Wunsch der Kinder wohlgemerkt, denn als die Schulklasse dort zur Exkursion war, war Töchterchen lustig befleckt krank zu Hause.

Das örtliche ゴミ処理センター Müllzentrum besteht aus einer Mülltrennungsanlage nebst Müllverbrennungsanlage… und einem angeschlossenen, grösseren Schwimmbad mit dem eher italienisch anmutenden Namen Yonetti. Dieses seltsame Wort stammt vom japanischen Wort 余熱 yonetsu Restwärme ab und erklärt damit gleich, was mit der Abwärme der Müllverbrennungsanlage geschieht. Eine vernünftige Idee.

Müllrampe

Müllrampe

An einem verregneten Feiertag rufen wir also im Müllzentrum an und fragen, ob man sich die Anlage ansehen könne. Ja, hiess es – aber nur die Wiederaufbereitungsanlage. Für die Verbrennungsanlage muss man einen Tag im voraus reservieren. Wir spazieren also hin und betreten den blitzblanken Eingangsbereich im vierten Stock – der liegt auf Strassenhöhe, denn das Müllzentrum liegt am Hang eines kleinen Tals. In der dritten Etage befindet sich eine riesige Ausstellungsfläche und eine offensichtlich gelangweilte Empfangsdame, denn wir sind die einzigen Gäste. In der Ausstellung können sich die Kinder austoben: Sie können an Kurbeln drehen und dann erkennen, wieviel Strom sie gerade produzieren und welche Haushaltsgeräte man damit betreiben kann (die Kurbel war so klein – ich kam nur bis zum Fön; bis zur Mikrowelle reichte es nicht), mit dort angeschlossenen iPhones kann man über eine grosse Karte der Stadt fahren und sieht hier und ort animierte 3D-Abbildungen dessen, was da so kreucht und fleucht usw. Schliesslich kam noch eine Angestellte und führte uns 45 Minuten lang durch den Bau, zeigte uns die Müllrampe, den Kontrollbereich, den Sortierbereich usw. und beantwortete dazu alle Fragen der Kinder mit viel Geduld. Ein richtiges Erlebnis, quasi. Besagte Anlage ist übrigens für 450 Tonnen Müll pro Tag ausgelegt und produziert 7,500 kWh Strom.

Der Kontrollraum

Der Kontrollraum

In Kawasaki wurde 1990 der Müllnotstand ausgerufen. Die gute Millionen Bewohner produzierten einfach zu viel Müll, und man musste etwas machen. Die Einwohnerzahl wuchs nämlich ständig weiter, doch Deponien und Müllverbrennungsanlagen waren bereits am Limit. Interessanterweise setzte man jedoch nicht da an, wo man es zunächst vermuten würde – bei der Müllvermeidung. Man kennt eben seine Pappenheimer und weiss, dass der Verzicht auf all die kunstvollen Verpackungen nicht leicht in Japan durchzusetzen ist. Stattdessen setzte man alles auf Mülltrennung und somit der Wiederverwertung. Doch auch dort gibt es verschiedene Ansätze: Während in Deutschland das Pfandsystem bevorzugt wird (vor allem Ostdeutsche sind ja damit gross geworden), gibt es im Japan gar kein Pfandsystem. Stattdessen wird nach Leibeskräften getrennt – nach PET- und Plaste, verschiedenfarbigem Glas, Batterien, Papier, sonstigem brennbaren und nichtbrennbarem Müll. Nein, auch Biotonnen haben sich nicht durchgesetzt, und sie wären in dicht besiedelten Gebieten wie Tokyo auch keine gute Idee.

Yonetti-Schwimmbad, betrieben mit der Abwärme der benachbarten MVA

Yonetti-Schwimmbad, betrieben mit der Abwärme der benachbarten MVA

Bei der Müllverwertung gibt es in Japan noch sehr viel Potential – siehe zum Beispiel Müllvermeidung. Aber die bisherigen Maßnahmen greifen natürlich auch. Vor allem die Aufklärung begeistert mich zumindest: Die Idee, die Müllzentren zu einer Mischung aus Museum und Erlebnispark zu machen und mit der Schule Exkursionen dorthin zu gestalten ist prima. Als wir durch die Ausstellung gingen, kamen übrigens noch drei Besucher – Klassenkameraden meiner Tochter, die beschlossen hatten, sich dasganze noch mal in Ruhe anzusehen.

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​Ein ausländischer Bierbrauer in Japan

Juni 14th, 2016 | Tagged | 6 Kommentare | 832 mal gelesen

Was erspähten da doch neulich meine entzündeten Augen im hiesigen Supermarkt, in einer abgelegenen Ecke, in der normalerweise nur Bio-Lebensmittel feilgeboten werden: Kleine Bierflaschen mit eigenwilligen Etiketten, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Meine volle Aufmerksamkeit verdankten die Flaschen jedoch einem noch kleineren Etikett, mit dem magischen Wort „半額 hangaku“ – Halber Preis. Soll heissen, der Neuling kostete nicht 480 Yen, also fast 4 Euro, sondern nur 240 Yen. Ein Schnäppchen also, beinahe. Beziehungsweise genauso teuer wie normale japanische Biersorten.

Zu Hause wurde die Beute während des Abendgelages geköpft. „Golden Ale“ nannte sich die erste Sorte (ich erbeutete auch noch Porter). Und der erste Schluck elektrisierte. Ah, genau so sollte Bier schmecken! Beinahe vergessen! Ohne zu überteiben war dies eines der besten in Japan soweit probierten Biere, und ich habe im Laufe der Jahre schon verdammt viel probiert. Kurz ein Blick aufs Etikett geworfen: „Brimmer Brewing“ sagte mir erstmal nichts, aber der Herstellungsort schon: Kawasaki. Und gerade mal 7 Kilometer von mir entfernt. Ein richtig gutes 地ビール Ji-biiru (lokales Bier) – aus meiner Stadt. Das muss ich natürlich weitererzählen, und deshalb gibt es auch diesen Artikel hier. Werbung quasi, aber unbezahlt, wohlbemerkt.

Von einem Kalifornier in Japan gebrautes Altbier

Von einem Kalifornier in Japan gebrautes Altbier

Da sich der Braumeister laut Webseite über Kundenmeinungen freut, wollte ich meine auch kundtun. Mir fehlte zwar etwas das porterhafte am Porter, aber das Golden Ale hatte mich wirklich verzückt. Prompt kam auch eine Antwort, die gleich noch erklärte, warum sein Porter das ist, was es ist, und dass ich doch mal vorbeischauen solle, wenn ich Zeit habe. Das habe ich gestern auch gemacht, da Kind 2 (nennen wir ihn lieber Sohn 1) noch bunt gescheckt mit Windpocken zu Hause festsitzt.

Die Brauerei ist klein, aber fein und liegt in Kuji, unweit des Tama-flusses. Draussen deutet nichts auf die Brauerei hin – es ist ein ganz normales, kleines Fabrikgebäude. Der Besitzer, Scott Brimmer, kommt aus Kalifornien, ist sehr sympathischund hat sein Handwerk in seiner Heimat gelernt – und dort rund 15 Jahre im Braugewerbe gearbeitet. Seine japanische Frau hatte er dort kennengelernt, und sie lebten vorerst auch dort, doch die gesundheitliche Lage der Schwiegereltern liess sie 2011 entschliessen, sich in Japan ein neues Leben aufzubauen. Und so gründeten die beiden eine kleine Brauerei. Einen grossen Teil der Apparaturen – vieles davon übrigens in Deutschland produziert – konnten sie aus der Konkursmasse einer Brauerei in Hiroshima aufkaufen.
Wer eine Braulizenz möchte, muss sich natürlich auch in Japan mit viel Bürokratie herumschlagen. So muss man zum Beispiel nachweisen, dass man das Handwerk studiert hat (egal wo, so lange alles übersetzt wird) und auch ein paar Jahre im Gewerbe gearbeitet hat. Des weiteren muss man glaubhaft nachweisen, dass man mindestens 60’000 Liter pro Jahr produzieren kann und wird – und, hier wird es interessant – man muss ebenfalls nachweisen, dass man bereits Abnehmer für mindestens 30’000 Liter pro Jahr hat. Man soll also die Katze im Sack verkaufen.

In der kleinen, aber feinen Brauerei

In der kleinen, aber feinen Brauerei

Die Brauerei hat mittlerweile bereits einen Preis als gut geführtes Startup sowie auch noch ein paar andere Preise gewonnen. 80% des Bierausstosses wird in Fässern an Bars und Restaurants in ganz Japan ausgeliefert, nur 20% werden in Flaschen abgefüllt. Auch deutsche Bars/Restaurants gehören zu den Kunden. Die hohen Preise für importierten Hopfen, Gerste, Hefe usw. sorgen dafür, dass diese kleinen Brauereien weitab von wettbewerbsfähigen Preisen liegen, aber das ist ja bei Minibrauereien in anderen Ländern auch der Fall und schwer zu ändern. Hinzu kommt noch die horrend hohe Biersteuer in Japan: Für jeden produzierten Liter müssen Brauer 225 Yen (fast 2 Euro) umgehend an den Staat entwenden. Es gab zwar Pläne, die Biersteuer zu senken (und im Gegenzug die Steuer für all die jämmerlichen Bierderivate zu erhöhen), aber dieser Plan versank still und leise im Mülleimer der Parlamente).

Vor kurzem beauftragte eine deutsche Schankwirtschaft in Tokyo (Name leider vergessen – scheint relativ neu zu sein) Brimmer Brewing damit, ein Altbier zu brauen, und das sollte ich doch mal unbedingt probieren und kundtun, ob das ans Original heranreicht. Nun komme ich nicht aus der D’dorf-Gegend und es ist wahrscheinlich über 10 Jahre her, dass ich ein Altbier genossen habe, aber die beiden Proben erinnerten mich stark an Altbier (nicht an Diebels, eher an die kleineren Sorten, die man fast nur in Düsseldorf bekommt) und waren ausgesprochen schmackhaft – mit viel Tiefgang. Und wie Scott so dastand und etwas kühles Altbier aus den 1’000-Liter-Tanks zur Verkostung abfüllte, sah er für mich wie einer der glücklichsten Menschen auf der Welt aus. Sicher, leicht wird er es auch nicht haben, aber man merkt ihm die Leidenschaft an, und das Ergebnis ist sehr gelungen. Und – die Brauerei expandiert: Scott plant gerade, das Nachbargebäude ebenfalls zu nutzen.

Auch Technik aus Deutschland ist am Start

Auch Technik aus Deutschland ist am Start

In diesem Sinne – solltet Ihr mal einen Zapfhahn in Tokyo oder anderswo entdecken, auf dem „Brimmer“ steht – immer ran an die Tränke! Es lohnt sich.

Es gibt übrigens auch mindestens zwei deutsche Braumeister in Japan (einer der Beiden, Stephan Rager, ist dabei „Hoflieferant“ der deutschen Botschaft). Auch deren Biere sind erstklassig, aber mehr nach süddeutschem Geschmack ausgerichtet.

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Neues und grandioses Gesetz gegen Volksverhetzung tritt in Kraft

Juni 1st, 2016 | Tagged , | 4 Kommentare | 848 mal gelesen

Bisher war das in Japan kein Problem und absolut legal: Mit Postern und Megaphonen durch Wohnviertel ziehen und dabei laut verkünden, dass alle ethnischen Koreaner aufgehängt oder anderweitig ermordet werden sollen. Solche Demonstrationen sind in der Regel klein – die Teilnehmerzahlen sind oft zweistellig, wenn es hochkommt dreistellig. Doch Bekundungen dieser Art reichen trotzdem aus, um in den vor allem von zahlreichen ethnischen Koreanern bewohnten Vierteln wie zum Beispiel 大久保 Ōkubo (bei Shinjuku) für Verunsicherung zu sorgen. Das ist auch klar: Wer möchte zum Beispiel seinen Kindern so etwas zumuten? Gruppierungen wie die berüchtigte 在特会 Zaitokukai suchte sich natürlich gezielt Wohngebiete mit hohem Koreaneranteil beziehungsweise im Falle von Kyoto sogar eine koreanische Schule aus, denn das Ziel ist das gleiche wie bei allen anderen extremistischen, menschenverachtenden Gruppierungen: Man will Angst und Verunsicherung schüren.

In Japan waren bisher Verleumdungen und Drohungen strafbar, doch Volksverhetzung nicht. Japan ratifizierte 1995 das Internationale Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung (UN-Rassendiskriminierungskonvention und wurde mehrfach angemahnt, etwas gegen Volksverhetzung zu unternehmen, doch das hielt man bislang nicht für nötig. Jetzt wurde jedoch wenigstens eine Maßnahme gegen die im Neujapanischen ヘイトスピーチ hate speech genannte Krankheit Volksverhetzung getan: Nach einjähriger Diskussion im Parlament beschlossen Regierung und Opposition am 24. Mai gemeinsam, ein Gesetz gegen Volksverhetzung zu verabschieden – das ヘイトスピーチ対策法 hate speech taisaku-hō (Gesetz zu Massnahmen gegen Volksverhetzung).

Auf einer Anti-Korea-Demo in Japan

Auf einer Anti-Korea-Demo in Japan

So weit, so gut. Das ganze hat jedoch einen gewaltigen Haken: Das Gesetz verbietet Volksverhetzung nämlich gar nicht, und Strafen sind dementsprechend auch nicht vorgesehen – lediglich Massnahmen zur Eindämmung. Und die sollen am 3. Juni zu greifen beginnen. Dank dieses Gesetzes war es heute jedoch zum Beispiel dem Bürgermeister von Kawasaki möglich, einer ultrarechten Gruppierung eine Demonstration im Viertel Sakuragi zu verwehren. Dieses Viertel ist Kawasaki’s eigenes Koreanerviertel, und so kann die Demo nur einen Zweck haben: Gift zu sprühen und Hass zu verbreiten. Am 5. Juni sollte es soweit sein: Eine Hassdemonstration mit dem Titel 川崎発!日本浄化デモ第3弾 Aufbruch in Kawasaki: Die Säubert-Japan-Demo – dritte Auflage sollte in zwei Parks (Fujimi-Park und Inage-Park) stattfinden, doch zum ersten Mal gab eine Kommune dem Antrag nicht statt. Immerhin etwas. Wenn man sich jedoch mal wieder die Kommentare unter den betreffenden Meldungen (zum Beispiel hier) durchliest, merkt man schnell, dass nicht das Zaitokukai das Problem ist, sondern die zahllosen Unterstützer im Dunkeln, die sich nur feige-anonym im Internet dazu äussern. Rassismus in Japan ist ein nachwievor latentes Problem, und so richtig will keiner der etablierten Politker etwas dagegen unternehmen. Anders kann ich es mir nicht erklären, wie man ein Gesetz zur Volksverhetzung verabschiedet, ohne jene zu sanktionieren.

Wer wissen will, wie es auf einer japanischen Kundgebung der Ultrarechten so zugeht — einfach mal hier auf Youtube vorbeischauen – es gibt genug Material. Achtung – es wird laut.

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Revolutionäre Entwicklungen im Spielplatzmilieu

Mai 10th, 2016 | Tagged , , | 2 Kommentare | 666 mal gelesen

Mitten in der Goldenen Woche lag der „Tag des Kindes“ – immerhin ein offizieller Feiertag. Und Schwiegermutter wartete mit dem guten Rat auf: „Heute ist Kindertag! Also unternehmt etwas mit den Kindern! Macht was, was ihnen Spass macht!“ Die Bemerkung, dass wir genau das seit über neun Jahren an jedem einzelnen freien Tag machen, habe ich mir erspart.

Da man den lieben Kleinen hin und wieder etwas Neues bieten möchte, ging es am besagten Tag der kleinen Monster in einen neuen Park, nur 8 km von uns entfernt. Und damit die Kinder auch ja Freude daran haben, durfte die 9-jährige das natürlich mit dem Fahrrad zurücklegen, denn nichts ist schöner als vor Freude und Bewegung erschöpfte Kinder, die es gegen 9 Uhr abends gerade noch so ins Bett schaffen.

Kawasaki - Kodomo yume park (子ども夢パーク)

Kawasaki – Kodomo yume park (子ども夢パーク) – das ist allerdings nur ein kleiner Teil davon

Besagter Park wurde uns von Bekannten empfohlen. Der sei ganz toll, irgendwie anders und sogar noch kostenlos. Schon im Januar hatten wir deshalb unser Glück versucht, nur um dann vor verschlossenen Türen zu stehen. Aus Schaden wird man jedoch klug, also wurde flugs recherchiert – und siehe da, er war geöffnet. Ganz sicher. Fahrrad abgestellt und flugs hereingetreten. Und sofort schoss mir eine einzige Assoziation in den Kopf: Mad Max-Kulisse! Vom feinsten! Eine riesige Schlammkuhle, in der sich scheinbar auf sich allein gestellte, nicht selten nackte Kinder lustvoll suhlten, eine Betonstruktur, bemalt von oben bis unten und architektonisch… nun ja, gewagt hergerichtet, und dazu noch offene Feuer, die hier und dort loderten. Kurzum: Hätte ganz plötzlich Tina Turner mit Löwenmähne vor mir gestanden, hätte ich das als vollends normal empfunden. Selbst unsere Kleinen, defintiv keine Kinder von Traurigkeit, blieben wie angewurzelt stehen und wussten nicht so recht, was sie von diesem Spielplatz der ausgefallenen Sorte halten sollten.

Es dauerte rund eine Viertelstunde, bis sich der Nachwuchs für das Basteln von … Dingen … entschied. Das ging mit Malen los und nahm mit Holzarbeiten seinen Lauf. Nägel, altes Holz, Sägen und dergleichen lagen ja genug rum. Und man sollte sich mindestens ein Mal im Leben mit dem Hammer auf den Finger schlagen, um die Schwere des Hammers schätzen zu lernen – oder? Die Erziehungsberechtigten waren derweilen auch nicht faul und begannen, eine Partie Federball zu spielen. In Sichtweite, versteht sich. 5 Minuten später sahen wir, wie unser 5-jähriger hochinteressiert von einem der unscheinbaren Aufpasser lernte, wie man ein offenes Feuer entfacht. Wie putzig. Weitere 10 Minuten später bemerkten wir plötzlich, wie eben jener 5-jährige mit voller Kraft versuchte, Holzscheite mit einer Axt zu spalten. 5-jähriger? Axt??? Ohne Aufsicht, mit einem schwer zu deutenden Lächeln auf seinem Gesicht. Der Stift versuchte die heranrennenden Versorgungsberechtigten zu beruhigen und versicherte, dass eine freundliche Dame ihm vorher ganz genau erklärte, wie das zu machen sei – er weiss jetzt bescheid und wir bräuchten uns keine Sorgen zu machen. Ich fragte noch vorsichtshalber nach, ob das „beinahe-mit-der-erhobenen-Axt-über-dem-Kopf-nach-hinten-kippen“ und das „mit-geschlossenen-Beinen-und-voller-Wucht-das-Holz-verfehlen-und-mit-der-Axt-kurz-vor-dem-Knie-innehalten“ auch zum Trainingsprogramm gehörte, bekam aber keine zufriedenstellende Antwort.

Im Hanegi-Park (羽根木公園) in Setagaya-ku, Istanbul

Im Hanegi-Park (羽根木公園) in Setagaya-ku, Istanbul

Immerhin verliessen wir den Abenteuerspielplatz ohne Verlust irgendwelcher Extremitäten. Doch zwei Tage später trafen wir Freunde nebst einer Horde Kinder in einem anderen Park mitten im schmucken Setagaya-Distrikt von Tokyo. Und siehe da: Etwas weniger Mad-Max, mehr Wagenburg, aber vom Prinzip her das gleiche: Offene feuer hier und da, die Kinder können über Dächer klettern, Sachen aus Holz basteln und so weiter und so fort. Ein ähnlicher Park wurde wohl zudem in unserer alten Heimat, in Urayasu, gerade eingeweiht. Zwar sind die beiden oben genannten Parks nicht gerade neu, aber das Konzept als solches scheint um sich zu greifen in einem Land, in dem die meisten Spielplätze nahezu steril sauber und sicher sind. Das sind ungewohnte Freiheiten für die Kinder und Eltern – und Eltern müssen da natürlich doppelt aufpassen. Aber so viel steht fest: Den Kindern macht so etwas natürlich mehr Spass als blitzsaubere Parks und Spielplätze mit ellenlangen Listen, was da alles verboten ist (Eis essen! Ball spielen!!). Insofern eine angenehme Entwicklung.

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Seltenheit: Integrativer Kindergarten

Oktober 20th, 2015 | Tagged , , | 3 Kommentare | 830 mal gelesen

Beim Sportfest im Kindergarten

Beim Sportfest im Kindergarten

Wo ich doch neulich erst beim Thema Sportfest war: In den Genuss komme ich selbst jedes Jahr zwei Mal – ein Mal im June an der Schule, und ein zweites Mal im Oktober im Kindergarten. Beim Sportfest des Kindergartens hier in der Gegend war ich zum ersten Mal dabei, und das ganze war regelrecht dramatisch.  Das Sportfest sollte am Sonntag stattfinden, und Montag war ein Feiertag (Tag des Sports!). Bei Regen wird die Veranstaltung auf den nächsten Tag verschoben. Und es sah seit Mittwoch schon stark nach Regen am Sonntag aus. Und doch: Der Kindergarten bestand auf Sonntag. Also ging der halbe Sonnabend für das Vorbereiten des obligatorischen Picknicks beim Sportfest drauf. Sonntag morgen, um 5:50, kam dann der Anruf vom Kindergarten: Es findet statt. Draussen: Strömender Regen. Wir rufen die nächsten Eltern in der Meldekette an, und so verbreitet sich die Nachricht. Um 6:50 dann wieder ein Anruf: Es regnet. Wir verschieben auf morgen. Natürlich sind die Reisbällchen und vieles andere bis dahin nicht haltbar, also das ganze noch mal von vorn.

 

Elternstaffel. Der Mann im Pooh-der-Bär -Kostüm ist der 62-jährige Kindergartenbesitzer

Elternstaffel. Der Mann im Pooh-der-Bär -Kostüm ist der 62-jährige Kindergartenbesitzer

Wenigstens war am Montag schönes Wetter. Da der Kindergarten zu gross ist (1’000 Kinder, das ganze dann ungefähr mal vier: Eltern und mindestens ein Großelternpaar), wird das Sportfest zweigeteilt. 500 Kinder – das reicht auch. 15 verschiedene Programmpunkte, von 9 Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags zwei Mal vorzubereiten stelle ich mir auch anstrengend vor, aber man gab sich reichlich Mühe. Nun gut, wir zahlen ja schliesslich auch 300 Euro pro Monat dafür. Was mir jedoch sehr positiv auffiel – und daher schon wieder ein Artikel über ein Sportfest – war die Tatsache, dass der Kindergarten Kinder mit Behinderungen in den Klassen integriert. In der Klasse meines Kleinen gibt es ein Mädchen mit Trisomie 21, und in anderen Klassen Kinder, die sich gar nicht bewegen können und durch den Schlauch atmen müssen. Nichtsdestotrotz werden diese Kinder beim Staffellauf mit einbezogen, halten stolz wie Oskar den Stab, während die Betreuerinnen mit ihnen durch die Kurven fegen und so weiter. Das ist – zumindest in Japan – ziemlich revolutionär, denn mit Integration (in jeglicher Hinsicht) hat man es hier nicht so.

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Magnetschwebebahn unterm Schlafzimmer?

Mai 22nd, 2015 | Tagged , | 2 Kommentare | 2092 mal gelesen

Trassenführung des Linear-Shinkansen in Ostkawasaki

Trassenführung des Linear-Shinkansen in Ostkawasaki

Seit einigen Tagen wird in unserer Nachbarschaft so einiges gemunkelt.

“Schon gehört? Der Chūō-Shinkansen soll direkt durch unser Gebiet führen!”

Der Gedanke ist erschreckend – erst recht, wenn man ein Haus in der Gegend hat und damit mal eben nicht so schnell umziehen kann. Wie bei Gerüchten so üblich weiss natürlich niemand genaues nicht, dabei ist das gar nicht so schwer. Auch in Japan sind Umweltverträglichkeitsprüfungen vorgeschrieben, und sie müssen veröffentlicht werden. So auch im Streckenabschnitt Kawasaki. Kurz also nach リニア新幹線 環境影響 und schon hat man Zugriff auf die neuesten Planungsunterlagen. Ah ja – die Trasse führt in der Tat ca. 800 Meter von uns entfernt in der Gegend vorbei. Und zwar in rund 40 Meter Tiefe. Welche Auswirkungen das wohl haben wird? Vibrationen? Magnetfelder? Den Bau der Trasse kann man auch als grossen Feldversuch betrachten, denn eine Trasse durch so dicht besiedeltes Gebiet in solcher Tiefe dürfte es bisher noch nirgendwo gegeben haben. Wir sind mit unserer Entfernung (ziemlich sicher) aus dem Schneider.

Ein zweiter Blick auf den der Umweltverträglichkeitsprüfung zugrunde liegenden Flächennutzungsplan offenbarte jedoch einen grösseren Schock: Es gab schon seit einer Weile Gerüchte, dass die grosse Trinkwasseraufbereitungsanlage auf der anderen Seite des Tals bald verschwinden soll. Und siehe da: Die gesamte Fläche ist nunmehr als 第二種中高層住居専用地域 – Wohnbezirk zweiten Grades mit mittleren bis hohen Wohnhäusern ausgewiesen.

Will heissen, noch ein paar Jahre, und auf dem Hügel wird wohl demnächst ein hässliches Neubauviertel über der Gegend thronen. Dann ist es auch hier vorbei mit der noch leicht ländlichen Idylle.

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Buschdoktoren am Werk

April 16th, 2015 | Tagged , | 7 Kommentare | 1943 mal gelesen

Ich brauche nur eine Viertelstunde von meinem Haus immer die Strasse herunterlaufen, bis ich vor einem trutzburgähnlichen Gebäudeensemble stehe: Das 聖マリアンナ医科大病院 St. Marianna University School of Medicine Hospital. Eine Universitätsklinik. Das klingt schön, wenn man es sich auf Deutsch auf der Zunge zergehen lässt. Doch kaum sind wir in diese Gegend gezogen, hörten wir schon die ersten, warnenden Stimmen: Geht um Gottes Willen niemals zum St. Marianna! Das sind alles ヤブ医者 – Yabu-Isha (Buschdoktoren). Das Krankenhaus ist wohl so schlimm, dass Bürger die örtlichen Kōmeitō-Abgeordneten drängten, etwas zu tun – und so baute schliesslich die Sōka-Gakkai-Sekte in der Nähe ein anderes, vom Ruf her wesentlich besseres Krankenhaus.

Die Gerüchte scheinen sich zu bewahrheiten. Seit gestern geistert das Krankenhaus durch alle Nachrichten¹. Bei einer Untersuchung wurde festgestellt, dass 20 Psychiater ihren Abschluss auf unrechtmässige Art und Weise erworben hatten. Allen 20 Ärzten wurde nun die Lizenz entzogen, und es tauchen Geschichten über unrechtmässige Einweisungen und mehr auf. Da fragt man sich freilich, wer denn überhaupt in dieses Krankenhaus geht, wenn der Ruf so schlecht ist.

Aber das ist nichts Neues in Japan: Die Unterschiede zwischen den Ärzten und den Krankenhäusern sind riesig, und das schlägt sich durchaus auch in den Preisen nieder. Wobei das nicht bedeutet, dass schlechte Krankenhäuser billig sind. Sie sind ebenfalls sauteuer – aber die richtig „guten“ sind nochmal um einiges teurer. Aber gut: Ich hoffe doch, so bald kein Krankenhaus von innen sehen zu müssen. Und wenn doch, dann lieber nicht das St. Marianna, auch wenn es gleich um die Ecke liegt.

¹ Siehe unter anderem hier.

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Schülermord in Kawasaki / Das grosse soziale Gefälle

Februar 27th, 2015 | Tagged , | 10 Kommentare | 2406 mal gelesen

Anteil der Hochschulabsolventen im Raum Tokyo: Rot: Sehr hoch, dunkelblau: Sehr niedrig. Quelle: http://kishibaru.cocolog-nifty.com/blog/gakureki_top.html

Anteil der Hochschulabsolventen im Raum Tokyo: Rot: Sehr hoch, dunkelblau: Sehr niedrig. Quelle: http://kishibaru.cocolog-nifty.com/blog/gakureki_top.html

Am 20. Februar 2015 machten Spaziergänger im Osten der Stadt Kawasaki einen grausigen Fund: Im hohen Gras versteckt lag die Leiche eines brutal mit einem Teppichmesser ermordeten Jungen. Schnell wurde die Identität des Jungen festgestellt: Es handelte sich um einen 13-jährigen Schüler der ersten Klasse einer Mittelstufenschule in Kawasaki. Als Täter kamen – ebenfalls ziemlich schnell – die Mitglieder einer Jugendgang in Verdacht. Insgesamt soll es sich wohl um 4 Täter handeln, alle zwischen 13 und 18 Jahren alt. Die Klarnamen dürfen aufgrund des Jugendschutzes nicht in den Nachrichten genannt werden, aber sie kursieren seit Tagen auf Twitter: Einer der Täter ist wohl Halb-Japaner / Halb-Amerikaner und ein weiterer ein in Japan lebender Koreaner.

Wie konnte es so weit kommen? Das Opfer wurde auf den Oki-Inseln in der Präfektur Tottori geboren und ging dort auch die ersten Jahre zur Schule, bis er mit den Eltern nach Kawasaki zog. Oki-Inseln? Das ist in etwa so, als ob jemand von einem winzigen Dorf nahe der polnischen Grenze in Mecklenburg-Vorpommern kommt. Der Junge war wohl sehr beliebt und hatte auch in Kawasaki schnell Anschluss gefunden. Bis er Bekanntschaft mit einer in der Gegend bekannten Gruppe von 不良 furyō (wörtlich: „nicht gut“) – Schüler, die sich, im negativen Sinne, aus dem geregelten sozialen Leben ausklinken – machte. Das ging wohl anfangs gut, bis die Gruppe ihn zum Ladendiebstahl anstiften und er nicht mitmachen wollte. Seitdem war er wohl wieder und wieder Gewalt ausgesetzt und kehrte unter anderem mit blauem Auge und anderen Verletzungen zu Hause auf. Laut Angabe wollte er die Gruppe verlassen, aber das liess die Gruppe wohl nicht zu, und die Gewalt eskalierte.

Wenige Tage vor dem Mord liess er einen Freund über „Line“ (der japanischen „WhatsApp“-Variante) wissen, dass er fürchte, von der Gruppe ermordet zu werden. Der Klassenlehrer versuchte angeblich mehrere Male, die Mutter auf den Jungen anzusprechen, was wohl nie gelang. Sprich, es handelt sich um einen Mord mit Ansage, bei dem Schule und Elternhaus grandios versagt haben. Es ist zudem einfach unbegreiflich, dass alle vier Tatverdächtige, obwohl offensichtlich namentlich bekannt, seitdem auf der Flucht sind und noch nicht gefunden wurden.

Sind die „furyō“ wirklich so gefährlich? Japan ist doch eigentlich bekannt für seine Sicherheit – oder? Nun, mit der Sicherheit ist das so eine Sache. Es gibt auch – beziehungsweise vor allem – in den Ballungsgebieten sehr starke soziale Gefälle. Zufälligerweise habe ich erst vor zwei Wochen eine kleine Radtour durch Kawasaki gemacht. Von mir im Westen der Stadt bis zur Bucht von Tokyo sind es gute 30 Kilometer, und das Stadtbild wandelt sich beträchtlich: Während der Westen relativ ruhig – und sehr wohlhabend – ist, sieht es, je weiter man nach Osten fährt – immer schlimmer aus. Sicher, der Bahnhof Kawasaki mit all den Bürohochhäusern und Einkaufszentren liegt im Osten der Stadt, aber man braucht sich nicht weit davon zu entfernen, um zu sehen, dass hier die soziale Lage etwas prekärer ist. Dort liegen die „Substandard“-Schulen (in Japan misst man den Bildungsstandard an Schulen mit 偏差値 Hensachi – „Standardabweichung“), und dort ist der Anteil der Bewohner mit Hochschulabschluss deutlich geringer als zum Beispiel im Osten der Stadt.

Über das soziale Gefälle in Japan ist im Ausland erstaunlich wenig bekannt, was aber nicht bedeutet, dass es nicht ausgeprägt ist. Und oben genannter Vorfall zeigt, dass mit den furyō nicht zu spassen ist. Dass ein Einzelner, auch in jungen Jahren, einen Menschen ermordet, ist tragisch und kommt überall vor. Dass eine Gruppe Jugendlicher einen der Ihren so hinmetzelt, ist schwer begreiflich. Hoffentlich hat der Fall Konsequenzen.

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Blade Runner oder: Landeanflug auf Haneda

Januar 4th, 2015 | Tagged , , | 5 Kommentare | 2611 mal gelesen

Wer am Flughafen Narita landet, sieht normalerweise erstmal ein Flickenteppich aus Reisfeldern, kleinen Wäldern und Golfplätzen. Wer am Flughafen von Haneda in der Bucht von Tokyo landet, fliegt meistens eine grosse Kurve über die Boso-Halbinsel, an Disneyland vorbei, um dann von Norden her in Haneda zu landen. Seltener ist da der Anflug vom Süden her – jener führt an den Neulandgebieten von Yokohama und Kawasaki vorbei. Das bedeutet, man sieht erstmal nur eins: Industrie. So weit das Auge reicht. Leider ist bei dem Video unten der Flügel im Weg. Aber das Video, aufgenommen am 28. Dezember 2014, weist eine Besonderheit auf: Absolute Windstille. Das hat entsprechend ein bisschen was von Blade Runner.

Sicher, es gibt romantischere Anflüge auf Flughäfen. Andererseits kann man sich nicht beschweren: Japan ist nun mal eine Industrienation, und das wird hier eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Vor der ganzen Industrie sieht man – in der richtigen Jahreszeit zumindest – natürlich noch mehr – so man von Süden kommt, die Insel Ohshima zum Beispiel, oder den häufig rauchenden Vulkan der Insel 三宅島 Miyake-Jima:

Miyake-jima aus 10 km Höhe

Miyake-jima aus 10 km Höhe

Und da wäre natürlich auch der gute alte Fuji-san:

Fuji-san vom Flugzeug aus

Fuji-san vom Flugzeug aus

Fuji-san aus der Luft

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