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Filmkritik: Minbō no onna (dt: Die Kunst der Erpressung)

April 20th, 2006 | Tagged | 3 Kommentare | 3531 mal gelesen

Wo ich doch neulich erst „Tampopo“ vorgestellt habe, kann ich doch gleich einen weiteren Film von Juzo Itami vorstellen.
Das Wort „Minbo“, irritierenderweise in Katakana geschrieben, steht für „Spezialgebiet Gewalt durch zivile Einmischung“. „no onna“ bedeutet „Frau für…“. Diese wird verkörpert von Nobuko Miyamoto, ihres Zeichens Ehefrau des Regisseurs (sie spielte in vielen seiner Filme die Hauptrolle. Hinter „minbo“ steckt eine alte Yakuza-Technik: Sich so lange mit allerlei Mitteln einmischen bis gezahlt wird. Die „minbo no onna“ jedoch macht als kompetente Anwältin den Yakuza-Clans das Leben schwer. Sie wurde von einem erpressungsgeplagten Hotel eigens dafür angestellt. Minbo Die erst kuschenden Angestellten, die ihr zur Seite gestellt wurden, mausern sich dabei zu furchtlosen Rächern. Ende gut alles gut – na gott sei dank, die Yakuza sind gar nicht so schlimm, könnte man nun denken. Allerdings schlägt die Yakuza zurück.

Meine zwei Yen: Ein hochinteressanter Film, wenn auch mitunter vorhersehbar. Der Film öffnet einen Spalt breit die Tür zur mysteriösen Unterwelt Japans. Vor hunderten von Jahren genauso aktuell wie heute.

Hintergrundwissen: Obwohl als Komödie gedacht, hatte der Film ein blutiges Nachspiel: Mehrere Yakuza verletzten den Regisseur nach Veröffentlichung des Filmes schwer mit Messern.

Das Wort des Tages: やくざ Yakuza. Die japanische „Mafia“. Durchaus präsent wenn man genauer hinsieht.

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Filmkritik: Tampopo

April 10th, 2006 | Tagged | 1 Kommentar | 1863 mal gelesen

Nachdem scheinbar jeder ausser mir diesen Film gesehen hat, musste ich wohl etwas nachholen. „Tampopo“ wurde 1986 gedreht, ist ein rein japanischer Film, in Szene gesetzt vom berühmten Regisseur Itami. Der Film ist 114 Minuten lang. Es gibt eine deutsche Fassung.

Tampopo Handlung: „Tampopo“ bedeutet Löwenzahn und ist der Kosename einer noch relativ jungen Witwe. Die betreibt ein Ramen- (chinesische Nudelsuppe) Restaurant. Recht erfolglos und höchstens von zwielichtigen Gestalten besucht. Zwei Fernfahrer, vernarrt in Ramen (wie fast jeder Japaner!) helfen jedoch erst ihrem Sohn und dann ihr aus der Misere. Mit allerlei Tricks und ständig wachsender Unterstützung zaubern sie erst ein anständiges Rezept und dann noch eine neue Innenausstattung her. In einer Nebenhandlung wird dem staunenden Betrachter erklärt, wie man lebende Garnelen und ein Eigelb in das Vorspiel einbauen kann. Hollywood’s Spielchen mit Eiswürfeln und was auch immer sind echte Banalitäten dagegen. Natürlich gibt es ein Happy End, welches jedoch viel Spielraum für die Fantasie lässt.

Hintergrundwissen: Vieles mag für Übertreibung gehalten werden. Ist es aber kaum. Ramen ist eine Wissenschaft für sich. Mit einem enormen Stellenwert bei den meisten Japanern. Und wer bei der Szene mit dem Staubsauger lacht: Selbst das ist keine Übertreibung! Alljährlich sterben, vor allem alte Menschen, am Genuss des shiruko – eine zähe Masse von Mochi-Reis, die einigen buchstäblich im Halse steckenbleibt. Erste-Hilfe-Massnahme: Staubsauger. Kein Scherz.

Meine zwei Yen: Das schöne an diesem wie auch an einigen anderen japanischen Filmen ist, dass man oft nicht die leiseste Ahnung hat, was als nächstes passiert. Der Film zeigt auch gleichzeitig schön das moderne, fernsehreife Japan und das alte, zum Teil etwas heruntergekommene Japan. Die Regie ist grossartig und die technischen Mittel oftmals liebenswert altmodisch.

Querverweise: Der Gourmet-Erotiker / Gangster ist Koji Yakusho, der jüngst auch im Knassenküller „Warai no daigaku“ (Wörtlich: Universität des Lachens) eine Hauptrolle belegte. Mehr zu diesem Film demnächst.

Das Wort des Tages kann nur eines sein: ラーメン (Raamen) – chinesisch inspirierte Nudelsuppe. Kalorienreich, extrem vielfältig und, so gut gemacht, eine Wonne.

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