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​Filmkritik: Survival Family

November 1st, 2017 | Tagged | 2 Kommentare | 710 mal gelesen

Filmposter Survival Family

Filmposter Survival Family

Nach langer Pause ist mal wieder Zeit für eine Filmkritik. Heute geht es um einen der erfolgreichsten japanischen Filme (in Japan) diesen Jahres: サバイバルファミリー Survival Family.

Der Streifen erzählt die Geschichte der Familie Suzuki – ein Ehepaar mit zwei Kindern, die um die 18 Jahre alt sind. Und die vier Familienmitglieder sind so furchtbar gewöhnlich, dass sich der Film nicht allzu lange mit dem Aufbau der Charaktere beschäftigt. Herr Suzuki arbeitet in der Buchhaltung eines grossen Unternehmens in Tokyo, gibt 150% für die Firma und will dementsprechend zu Hause einfach nur in Ruhe gelassen werden. Die Wohnung ist sehr eng, und Frau Suzuki gibt sich als Hausfrau reichlich Mühe, ist aber von allem ziemlich genervt. Unter anderen von den beiden Kindern. Die Tochter, Pennälerin, ist aufmüpfig und starrt nur auf ihr Handy. Der Sohn, Student, will genau wie sein Vater, einfach nur in Ruhe gelassen werden, zumal er gerade eine Kommilitonin anhimmelt. Natürlich ist auch er schwer handyabhängig.
Der Film kommt ziemlich schnell zur Sache. Als der Vater morgens aufwacht, hat er die böse Ahnung, verschlafen zu haben. Seltsamerweise ist der Wecker stehengeblieben. Doch nicht nur das: Auch der Strom ist weg. Und das Gas. Und Wasser. Nichts funktioniert, nicht einmal Geräte mit Batterien. Pflichtbewusst wie er ist, stürmt er trotzdem zur Arbeit, und die Kinder – mit Fahrrädern – zu den Schulen. Draussen: Kein Auto fährt, auch kein Zug. Nichts bewegt sich. Überall nur ratlose Menschen. Suzukis Kollegen kommen noch nicht einmal in ihr Bürogebäude, weshalb sie sich gewaltsam Zutritt beschaffen. Das nützt freilich nicht viel, denn weder Licht noch Computer funktionieren.

Nach und nach wird das Ausmaß der Misere klar: Es gibt in der ganzen Stadt keinen Strom, und keinerlei Informationen über das warum oder wie lange es noch dauert. Lebensmittel und vor allem Wasser werden knapp. Und so beschliesst die Familie, zu fliehen – ganz in den Süden, zu Verwandten in Kagoshima. Man macht sich auf den Weg zum Flughafen Haneda (einer der zahllosen „Bitte? Was?“-Momente im Film), aber natürlich ist auch der nicht in Betrieb. Mittlerweile kostet eine Flasche Wasser am Wegesrand schon 2,500 Yen, also 20 Euro. Und so fasst Herr Suzuki einen gewagten Plan: Es soll mit dem Fahrrad Richtung Süden gehen. Gerüchten zufolge soll es in Osaka bereits Strom geben. Natürlich wird es eine entbehrungsreiche Fahrt. Man trifft Diebe, aber auch sehr freundliche Menschen. Und es wird lebensgefährlich, versteht sich. Aber das Erlebnis schweißt die Familie – wer hätte das geahnt! – natürlich eng zusammen.

Irgendwann kommt die Familie dann doch – man darf es verraten, denn natürlich muss es bei einem populären japanischen Film immer so ablaufen – in der tiefsten Provinz in Kagoshima an und lässt sich dort nieder. Die Dorfszenen haben einen kleinen Beigeschmack. Ist das die versteckte Nachricht hinter dem Film? Die Rückkehr in die guten alten Zeiten, ohne Strom, nur unter sich? Japaner als Fischer, Jäger und Ackerbauern, die von der Welt in Ruhe gelassen werden sollen? Man kann es nur ahnen.
Was ist an diesem Film nun so besonders? Zum einen kommt er völlig ohne Computergrafiken aus, ist aber trotzdem an manchen Stellen bedrückend realitätsnah. Besonders interessant ist jedoch, dass der Film als „Überlebenskomödie“ angepriesen wird. Sicher, er hat seine komischen Momente, doch was der Film da beschreibt, ist eine blanke Horrorvorstellung (und die Ereignisse im Jahr 2011 gaben darauf einen winzig kleinen Vorgeschmack): Die Vorstellung, mitten in Tokyo zu sein, wenn plötzlich und länger das gesamte Licht ausgeht. Der Film reisst zwar ein paar der zu erwartenden Probleme an (Müll auf den Strassen, skrupellose Geschäftemacher usw.), doch, wahrscheinlich da als Komödie deklariert, bei weitem nicht in realistischem Ausmaß. Der Überlebenskampf wäre mit Sicherheit viel, viel härter.

Erwähnt werden sollte auch der Familienvater / Hauptdarsteller 小日向 文世 Fumiyo Kohinata, der bei mir vor allem als knallharter und korrupter Detektiv Kataoka in den Yakuza-Schinken „Outrage“ und „Outrage Beyond“ von Beat Takeshi (Kitano) einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Der Eindruck war so stark (sprich, er spielte seine Rolle so gut), dass ich eine Weile brauchte, mich an den neuen Charakter zu gewöhnen. Jenen mürrischen, altklugen Charakter erklärt seine Filmgattin ihren Kindern während eines Wutausbruchs selbiger ganz gut: „Euer Vater… ist nun mal so!“

Ich wage zu bezweifeln, dass dieser Film irgendwann mal in Deutschland gezeigt wird. Aber für Japanisch-Lernende oder anderweitig Japaninteressierte ist er trotzdem sehenswert – wenn man nicht allzu viel Logik erwartet. Popcorn nicht vergessen!

Der Trailer:

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Filmkritik: Kiseijū (Parasiten)

Mai 25th, 2015 | Tagged , | 1 Kommentar | 2094 mal gelesen

kisseijuSchon mal vorgestellt, wie es sein würde, wenn ein Körperteil ein eigenes Leben entwickeln würde? Richtig mit denken, sprechen und allem? Mit dem man dann schwatzen, philosophieren, und richtig heftig kämpfen kann? Nein? Dann gibt es diesbezüglich eine gute Nachricht: Der Manga-Zeichner Hitoshi Iwaaki hat sich darüber durchaus Gedanken macht, und diese in insgesamt 64 Bänden, beginnend 1988, festgehalten. Das Manga 寄生獣 kiseijū („Parasiten“) war zu jener Zeit sehr beliebt – vor allem bei Oberstufenschülern und Studenten.

Dieser Stoff wurde nun verfilmt – Teil 1 erschien im November 2014, Teil 2 erschien vor drei Wochen, im April 2015. Nun kenne ich selbst den Manga freilich nicht, aber meine Frau kennt ihn natürlich. Hätte mich auch gewundert, wenn nicht.

Der Film beginnt mit ein paar Endzeitbildern und ein paar einleitenden Fragen: „Gäbe es nur 10% der Menschen, die es heute gibt, würden diese dann nur 10% des vernichteten Waldes zerstören?“. Gute Frage. Schnitt. Ein paar Glibberkugeln treiben auf einen Hafen zu, und ein paar längliche Parasiten schleimen sich ihren Weg zu einem Container. Diese suchen sich auch schnell ihre Opfer und kriechen ihnen durch das Ohr in das Gehirn. Beim Abiturienten Shin’ichi klappt das leider nicht, denn er hat seine Ohren mit Kopfhörern verstöpselt. So flieht der Parasit in die rechte Hand, und dort bleibt er stecken. Entsprechend wird er sich später auch „migii“ – „Rechts“ nennen.

Während die fachgemäss vom Parasiten befallenen Wirte nicht lange zaudern, ihre Gattinnen und andere Mitmenschen recht flink und brutal zu verspeisen, verzweifelt Migii anfangs an seinem Schicksal – schliesslich hatte er versagt. Der Träger des Parasiten ist natürlich auch nicht ganz glücklich. Bei den Parasiten – durchaus klug, aber sehr gefrässig – gibt es zudem zwei Gruppierungen: Die einen finden es passabel, einfach die Wirte komplett zu übernehmen, die anderen überlegen, das ganze weniger blutig vonstatten gehen zu lassen. Und Migii und sein Träger beginnen einen blutigen Kampf gegen die anderen Parasiten, die es sogar schon in die Politik (ich wusste es!) geschafft haben.

Der Film ist typisch japanisch, aber was die Spezialeffekte anbelangt, besser als vieles, was man bisher so gesehen hat. Etwas Horror, etwas Gesellschaftskritik, etwas Endzeitstimmung, etwas Romanze, etwas Humor: Eine kurzweilige Mischung. Das Ende ist allerdings recht abrupt: Man hat das Gefühl, lediglich eine Vorschau zu etwas gesehen zu haben.

Interessant: Shin’ichi bezeichnet seinen Parasiten als „Leibhaftigen“. Der äusserst lernfähige Migii liest sich danach alle möglichen Erklärungen zum Thema Teufel durch und kommt zum Entschluss, dass Menschen eigentlich viel schlimmer seien als der Teufel. Komisch: Vor einem Kampf mit einem der mit übermenschlichen Kräften ausgestatteten Parasiten erklärt Migii plötzlich, dass er furchtbar müde sei und gerade mal nichts machen könne.

Wie es aussieht, werde ich mir Teil 2 also auch noch ansehen müssen. Normalerweise bin ich kein sonderlich grosser Fan solcher Filme, aber der Film hat seine guten Momente. Laut Kennerin neben mir ist der Film allerdings offenbar ein gutes Stück vom Originalmanga entfernt.

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Filmkritik: Emperor – Kampf um den Frieden

Dezember 23rd, 2013 | Tagged , , | 1 Kommentar | 5906 mal gelesen

Filmplakat 'Emperor'

Filmplakat ‚Emperor‘

Was sahen da meine entzündeten Augen heute beim Videoverleih: Ein neuer Film aus Hollywood, mit dem Titel 終戦のエンペラー shūsen no emperaa (Wörtlich: Der Kaiser zum Ende des Krieges), mit Tommy Lee Jones als General MacArthur. Uninformiert wie ich bin, war mir das Herannahen dieses Filmes völlig entgangen. Nun kenne ich zwar die gesamte Hintergrundgeschichte, aber natürlich war ich trotzdem – oder gerade deshalb – neugierig, wie das Thema verpackt wurde. MacArthur kennt in Japan jedes Kind, denn der General spielte die zentrale Rolle im Nachkriegsjapan. Im wesentlichen ging es im Film um die Kriegsschuld des japanischen Kaisers. Es gab während und nach des zweiten Weltkrieges genügend Stimmen, die den Kaiser wenn nicht am Galgen, so doch wenigstens vor dem Kriegsgericht sehen wollten. Schliesslich waren ja alle japanischen Soldaten quasi im Namen des Kaisers „unterwegs“. Um es vorwegzunehmen: Der Kaiser blieb unangetastet, verlor aber seinen Götterstatus. Sicherlich zurecht war befürchtet worden, dass das Entfernen des Kaisers Japan vollends gegen die Gewinner des Krieges aufgebracht hätte.

Nun, der Film beginnt, wie er beginnen musste: Mit historischen Aufnahmen des Atombombenabwurfs auf Hiroshima. Kurze Zeit später tritt Tommy Lee Jones in Szene – als bärbeißiger, selbstverliebter aber weitblickender General MacArthur. Und er spielt seine Rolle gut. Die Szenen mit ihm sind erfrischend und interessant. Auch Toshiyuki Nishida, ein sehr bekannter Schauspieler in Japan, brilliert als General Kajima. Früher war ich kein Fan von Nishida, aber ich habe meine Meinung schon vor einer Weile geändert, und dieser Film ist für mich ein weiterer Beweis, dass Nishida vorzüglich geeignet ist für solche Rollen. Auch Masatō Ibu als Lordsiegelbewahrer Kido spielt seine Rolle hervorragend und ist ebenfalls in Japan sehr bekannt.

Soweit, so gut. Die Bilder Tokyos in den ersten Wochen nach Kriegsende sind erwartungsgemäß apokalytpisch und erinnern an historische Fotos aus der Zeit. Es gäbe bestimmt auch ganz viele weitere interessante Dialoge und Szenen, die die damals Beteiligten und die historischen Hintergründe stärker hätten ausleuchten könnten. Doch oh weh – stattdessen entschied man sich, in die Handlung auch noch eine Liebesgeschichte einzubauen, und zwar die zwischen Brigadegeneral Bonner Fellers, gespielt von Matthew Fox, und einer japanischen Lehrerin namens Aya, die Fellers vor Ausbruch des Krieges in Amerika kennenlernte. Und so wird der vom Gesprächsstoff her auf jeden Fall interessante Film mit zahlreichen Rückblenden in die Liebesgeschichte zwischen Aya und Bonner regelrecht zerstückelt. Brennende Trümmerwüste Tokyo – Schnitt – Aya rennt, vo Sonnenlicht geblendet, durch einen Bambushain. Das ist grausam und verstörend. Diese Rückblenden, beziehungsweise AYA an sich braucht kein Mensch. Schade eigentlich, denn mit dieser Besetzung und diesem Thema hätte daraus wirklich ein guter Film werden können.

Randbemerkung: Interessanterweise wird der 宮城事件 Kyūjō Jiken – Palastzwischenfall im Film relativ ausführlich erklärt: Nachdem Gerüchte die Runde machten, dass der Tennō bereit sei, zu kapitulieren, versuchten Kreise der Armee einen Militärputsch, der sich direkt gegen den Kaiser richtete. Nachdem sich jedoch weite Teile der Armee weigerten, sich anzuschliessen, beging der Anführer, General Tanaka, Selbstmord. Viele andere begingen ebenfalls Selbstmord und der Putschversuch scheiterte. Zum Glück, muss man wohl sagen, denn hätte Japan nicht kapituliert, wären die Dinge für Japan sicher nicht besser geworden. Durch die Kapitulation entging das Land womöglich sogar dem Schicksal Deutschlands – will heissen, eine Teilung des Landes. Dieser Putschversuch fehlt (wie viele anderen Vorkommnisse auch) in japanischen Schulbüchern, und so ist es durchaus begrüßenswert, dass dieser Film diesbezüglich ein klein wenig Aufklärungsarbeit leistet.

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Filmkritik: Helter Skelter

August 25th, 2013 | Tagged | 1 Kommentar | 13104 mal gelesen

Mein Gott, die letzte Filmkritik ist nun schon vier Jahre her! Da wird es doch langsam mal wieder Zeit für eine neue Filmkritik.

helterskelterHeute geht es um den Film ヘルタースケルター (Helter Skelter), herausgekommen im Juli 2012. Dieser basiert, welch Überraschung, auf einem Manga, und zwar von der ziemlich bekannten Manga-Autorin 岡崎京子 Kyōko Okazaki. Wie üblich habe ich das Manga selbst nicht gelesen, aber man muss nicht lange suchen, um festzustellen, dass Helter Skelter ein sehr beliebtes Manga war und einige Preise eingeheimst hat.

Gedreht wurde, und das ist interessant, der Film von 蜷川実花 Mika Ninagawa, einer mit 40 Jahren noch recht jungen und sehr erfolgreichen Photographin, die sich vor allem mit sehr oppulenten, teils schon kitschigen Photos einen Namen gemacht hat. Seit ein paar Jahren versucht sie sich als Filmemacherin, und das mit Erfolg: Sie war es zum Beispiel, die das Video für AKB48’s „Heavy Rotation“ gedreht hatte.

In Helter Skelter geht es um ein dickliches, unabstreitbar hässliches Mädchen, das nach Tokyo zieht und sich dort riskanten Schönheitsoperationen unterzieht. Dadurch wird sie zu Ririko, einem Model, das schnell alle Titelblätter ziert. Einem Model, dessen Herkunft niemand kennt. Gespielt wird Ririko von 沢尻 エリカ Erika Sawajiri, einer 27-jährigen Sängerin/Schauspielerin mit japanischem Vater und algerisch-französischer Mutter. Und – so viel sei vorweggenommen – sie macht ihre Sache gut, und das muss sie auch. Das Drehbuch verlangt alle Facetten menschlicher Regung von ihr ab. Vom Orgasmus (nun gut, fast) bis zum Nervenzusammenbruch, von totaler Selbstzerstörung bis zur Psychoterror versprühenden, knallharten Domina ist alles dabei. In dem Film spielen vor allem Personen wie Ririko’s Agenturchefin Tada, eine schrille Person, die von Ririko „Mama“ genannt wird, Ririko’s Managerin Hada nebst Freund sowie Ririko’s Geliebter Takao wichtige Rollen.

Ririko hat anfangs sichtlich Erfolg an ihrer Karriere, doch bald verstärken sich die Schattenseiten des Gewerbes. Die herbeioperierte Schönheit lässt hässliche Flecken erscheinen, das Erfolgsrezept der Schönheitschirurgin ist äußerst dunkel und illegal, weshalb nicht nur die Chirurgin selbst, sondern auch Ririko ins Kreuzvisier der Ermittler (durchaus charismatisch: Nao Ōmori als Inspektor Asada) gerät. Aufgrund der Operationsmethoden muss Ririko (aber auch ihre Agenturchefin) ständig Medikamente nehmen, und die haben beachtliche Nebenwirkungen. Ririko verkaufte quasi ihre Seele an die teuflische Chirurgin. Alles läuft jedoch ganz gut – bis Kiko Mizuhara als Kozue aufkreuzt: Das neue Licht am Modefirmament, und mit einem wesentlichen Unterschied zu Ririko: Die Konkurrentin ist nämlich von Natur aus schön. Und ab da geht es abwärts. Ririko lässt ihren ganzen Frust an der eher bodenständigen Managerin (und ihrem Freund) aus – mit perfiden Machtspielen, doch dass soll sich zum Ende bitter rächen. In einer anderen Szene trifft sie ihre jüngere Schwester, anhand derer man sich als Zuschauer vorstellen soll, wie Ririko früher einmal aussah. Ihr Freund heiratet bald eine andere, auch wenn er ihr versichert, dass er trotzdem nur sie liebe. Und dann ist da der Hass auf die Konkurrentin.

Der gesamte Film ist wirklich helter skelter – ein grosses Chaos mit relativ viel Sex, etwas Gewalt (weniger hart Gesottene sollten sich überlegen, ob sie sich die Pressekonferenz zum Ende des Filmes ansehen wollen), Drogen und – Klamotten. Alles ist durchgestylt und mitunter so bunt und modisch, dass man meint, gleich Kopfschmerzen zu bekommen. Es sind viele Sprünge in der Geschichte, und wie bei japanischen Filmen oft üblich, ist es etwas schwer, sich mit dem angebotenen Ende zu versöhnen. Man erkennt ein paar Anleihen, zum Beispiel aus Fear and Loathing Las Vegas (Abteilung Drogenrausch), oder Takeshi Kitanos jüngeren Filmen mit sehr eindringlichen Bildern (rote Federn, Blitzlichtgewitter usw.). Man glaubt nur zu gern, dass eine professionelle Fotografin für die Regie verantwortlich zeichnet – es wurde sehr viel Wert auf die Fotografie gelegt. Einige Kameraeinstellungen sind dabei durchaus kreativ, wenn auch manchmal etwas übertrieben wird.

Vergänglichkeit der Schönheit. Lug und Trug in der Modebranche. Abgründe zwischenmenschlicher Beziehungen. Alles schön und gut – und eigentlich nicht so recht mein Ding. Was mich jedoch dazu bewegt hat diesem Film einen Beitrag zu widmen, ist die Filmmusik. Die ersten Minuten Film weckten mein Interesse – man wählte Nina Hagens‘ „Naturträne“ (kann man hier hören) als Begleitmusik zu einer Szene, in der man japanische Schülerinnen in Modezeitschriften blättern sowie die Hektik in Tokyo sehen kann. Ob man Nina Hagen nun mag oder nicht – die Wahl ist aussergewöhnlich und durchaus passend. Und das zieht sich durch den ganzen Film. Man hat die Musik scheinbar mit viel Bedacht gewählt, und letztendlich war es die Musik, die mich den Film hat verstehen lassen. Nicht im Sinne von „alles schöne Lieder, ich muss mir den Soundtrack kaufen“ – nein, Musik und Film gehören zusammen. Ohne die Musik hätte ich den Film vielleicht nicht bis zum Ende sehen wollen.

Ich bin kein Mode-Aficionado, und deshalb verstehe ich den Film durchaus als Anklage gegen Model-Rummel und Mode-Fimmel. Die Produzenten und Modefirmen sehen das scheinbar anders: Im Abspann erscheinen hunderte Logos und Namen von Modefirmen, die in irgendeiner Art und Weise am Film beteiligt waren. So grausam die Geschichte auch ist – ging es hier nur um das Tragen schöner und teurer Klamotten? Wer weiss. Aber was bleibt ist die Musik.

Mehr siehe Trailer:

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Filmkritik: Okuribito (Departures)

Juli 25th, 2009 | Tagged , , , | 6 Kommentare | 1233 mal gelesen

Immer, wenn ein japanischer Künstler oder Wissenschaftler im Ausland Erfolg hat – sei es mit einem Nobelpreis oder einem Oscar – gibt es ein Riesen-Trara in Japan, ganz nach dem Motto „Wussten wir es doch – wir sind die Besten!“. So geschehen auch letztes Jahr, als ein bis dato im eigenen Land reichlich unbekannter Film den Oscar für den besten fremdsprachigen Film einheimste.

Der Film heisst „おくりびと“ (gelesen: Okuribito). okuru bedeutet „jemanden verabschieden, geleiten“; -bito ist der Mensch, Person (wie auch in Tabibito). Das Wort als solches wird eigentlich nicht in Japan benutzt, aber man kann sich einen Reim über die Bedeutung machen, wenn man es hört.

In dem rund 130 Minuten langen Film von Regisseur 滝田 洋二郎 (Takita Yōjirō) geht es um den Hauptheld Daigo Kobayashi (gespielt von 本木 雅弘 Motoki Masahiro, der durch den Film „Shall we dance?“ einen gewissen internationalem Ruhm gelangte). Daigo verlor seine Mutter (verstorben) und seinen Vater (durchgebrannt) recht früh und zog vom Land nach Tokyo – um dort Cellist zu werden. Wird er auch, aber kaum dass er es ins Orchester geschafft hat, wird jenes auch schon aufgelöst. Frustriert verkauft er sein Cello und zieht nebst verständnisvoller Ehefrau Mika (広末涼子, Hirosue Ryōko – international bekannt geworden durch Luc Bessons Actionkomödie „Wasabi“) aufs Land in das verwaiste Haus seiner Eltern. Land bedeutet Yamagata-Präfektur (welche nicht am A**** der Welt liegt aber verdammt nah dran).

Da beide weder Geld noch Arbeit haben, bewirbt sich Daigo bei einer Firma, die damit wirbt, „Leuten bei der Reise zu helfen“. Beim Vorstellungsgespräch erfährt er zwei Dinge: 1. Es gibt viel Geld (interessante Vokabel hier: 最初は片手 – anfangs eine Hand. Das sind 500,000 Yen, also fast 4,000 Euro pro Monat) und 2.) geht es bei „Reise“ um die „letzte Reise“.

Zähneknirschend nimmt er des Geldes wegen an, traut sich aber nicht, seiner Frau Genaueres zu erzählen: Der Tod ist in Japan nachwievor ein Tabuthema, und gerade deshalb ist dieser Film auch bemerkenswert. Seine ersten beiden Arbeitstage kann man getrost als brutal bezeichnen: Erst muss er als Model für eine DVD für Leichenbestatter herhalten (währenddessen ihm auch sämtliche Körperöffnungen verschlossen werden). Am folgenden Tag wartet eine alte, verstorbene Frau auf ihn – allerdings wartet sie schon gute zwei Wochen.

Sein Mentor Sasaki Shōei (gespielt von 山崎 努 Yamazaki Tsutomu, der auch schon in Meisterwerken wie Kagemusha und Tampopo mitspielte) weist ihn mehr und mehr ins Geschäft ein, doch die neue Arbeit zeigt ihre Schattenseiten. Alte Freunde weisen Daigo wegen des Berufes ab. Seine Frau entdeckt die DVD und verlässt ihn, als er sich weigert, den Job aufzugeben.

Doch Daigo lernt auch die guten Seiten des Berufes kennen: Gerührte Angehörige und Anerkennung seitens der Trauergäste. Seine Frau findet schliesslich auch wieder zurück, doch Daigo wird bald mit seiner Vergangenheit konfrontiert – der Nachricht des Todes seines verhassten Vaters, der ihn ja schliesslich vor 30 Jahren verlassen hatte.

Was kann man aus diesem Film mitnehmen? Zum einen wäre da ein tiefer Einblick in den Yamagata-Dialekt (einem Süd-Tōhoku-Dialekt), der in etwa wie Sächsisch gekreuzt mit Japanisch klingt. Einen Einblick in japanische Bestattungsriten. Und einen, wenn auch kurzen, Einblick in den Umgang der japanischen Gesellschaft mit dem Tod.

In Japan liebt man grosses Gefühlskino. So wie Hollywood? Nein, oft noch schlimmer. Manchmal tut die Gefühlsduselei schon weh. Natürlich ist auch dieser Film Gefühlskino, aber das lässt sich bei diesem Thema nicht vermeiden. Motoki und Hirosue spielen ihre Rollen hervorragend, doch ist es Yamazaki, der diesen Film mit seinem trockenen, sarkastischem Humor richtig sehenswert macht. Erfrischend empfand ich auch, dass nicht alles, was man erwarten würde, gezeigt wird – man kann sich den Teil eben selber denken (Beispiel: Mika akzeptiert letztendlich die Arbeit ihres Mannes, aber das wird nicht extra mit grosser Versöhnungsszene ausgekostet, sondern wird aus einigen Szenen von ganz allein klar).

Wer nachdenkliche, etwas ungewöhnliche Filme mag, wird diesen Film mögen. Wer Japan mag, wird diesen Film mögen. Wer eine Prise Sarkasmus zu schätzen weiss, wird diesen Film mögen. Nun bleibt nur zu hoffen, dass die Synchronisatoren die Übersetzung nicht verhauen (würde mich mal interessieren, wie sie den Dialekt darstellen), ansonsten – Daumen hoch, der Film ist gut.

Das Wort des Tages: 汚らわしい (穢らわしい) – kegarawashii. Schmutzig, unrein. Das wirft Daigos Frau ihm an den Kopf, als sie von seiner Arbeit erfährt. Menschen, die diese Arbeit machen, wurden früher auch zur Kaste der 穢多 (Eta) gezählt – mehr dazu siehe hier.

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Filmkritik: Achilles und die Schildkröte

April 13th, 2009 | Tagged | 3 Kommentare | 973 mal gelesen

Gestern kam ich in den Genuss des neuesten Filmes von – man kann ihn wohl schon so nennen – Altmeister Beat Takeshi. Der Film heisst „Akiresu to Kame“, wörtlich „Achilles und die Schildkröte – eine Anspielung auf das Zenon-Paradoxon mit besagten Darstellern.
In dem Film geht es um einen Mann namens Machisu – gespielt von drei verschiedenen Schauspielern, denn der Werdegang beginnt mit Machisu als kleinem Jungen mit (noch) lebenden Eltern, geht weiter in seiner Jugend, als er seine Frau kennenlernt, und endet mit Takeshi himself als Darsteller. Und – zumindest meine Meinung – alle drei leisten gute Arbeit. Machisu entwickelt schon als Kind ein Talent, vielleicht sollte man aber auch besser Spleen sagen, zum Malen. Jedoch zieht sich der Tod von Anfang an wie ein grausamer, roter Faden durch sein verträumtes Leben.
Anfangs sieht alles noch nach einem Happy End aus, man traut dem Maler allerhand zu. Doch schon in der ersten Hälfte bekommt man eine Idee davon, warum der Film das trügerische Gleichnis zum Titel hat: Was der Maler auch versucht, er läuft dem Zeitgeist hinterher. Mit ihm seine treue, mitleidenswerte Frau.

Der Film bekam in Japan weniger gute Kritiken – gemessen zumindest an anderen Filmen von Kitano (Beat Takeshi). Ich frage mich warum. Ich fand den Film herrlich surreal, und es ist eine Weile her, dass 2 Stunden Film dermassen schnell vorübergingen.
Es sind die zahlreichen, Kitano-typischen Wendungen, die mehr oder weniger vorhersehbar hereinbrechen. Und sehr skurrile Szenen voll schwarzen Humors (NDE als Muse z.B.).
Der Film ist hier mit englischen Untertiteln erhältlich – und wer weiss, vielleicht auch mal mit deutschen Untertiteln in Europa.
Die Premiere fand übrigens im August 2008 beim Filmfest in Venedig statt; der Film gewann seither gelegentlich auch schon Preise – nur eben nicht in seiner Heimat. Achilles und die Schildkröte ist der dritte Film einer surrealen Triologie mit autobiographischen Elementen. Obwohl man eins mit Sicherheit sagen kann – Kitano braucht nach wie vor niemandem hinterherzurennen. Erst recht nicht dem Zeitgeist.

Hier noch die offizielle Webseite – die Szenenphotos geben einen guten Vorgeschmack: Akiresu to Kame.

Das Wort (bzw. der Satz) des Tages: アキレスと亀 – akiresu to kame. Akiresu = Achilles, to = und, kame = Schildkröte (man braucht nicht viel Phantasie, um in dem Zeichen eine solche zu erkennen).

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Filmkritik: Dainipponjin (=Riesenjapaner)

Januar 4th, 2008 | Tagged | 6 Kommentare | 2081 mal gelesen

Zwei Filme sorgten 2007 für grösseres Aufsehen in Japan: Babel, eigentlich schon Ende 2006 erschienen, wegen der japanischen Schauspielerin Rinko Kikuchi, die hier zwar kein Schwein kannte, die aber plötzlich für den Oskar nominiert wurde. Und 大日本人 (Dainipponjin), wörtlich übersetzt „Grosser Japaner“. Ersterer Film ist in der Tat ein Meisterwerk, allein schon wegen der Fotografie und der Filmmusik.

Zweiterer schaffte es zu den Filmfestspielen von Cannes, was ja auch schon eine grosse Ehre ist. Und: Es war das Erstlingswerk von 松本 人志 (Matsumoto Hitoshi) – ein Komiker, der durch das Duo „Downtown“ schon seit vielen Jahren sehr bekannt in Japan ist. Kostprobe hier: Downtown on YouTube (Matsumoto ist die „Krankenschwester“ mit den ganz kurzen Haaren – bei der Folge wird der, der lacht, bestraft…).

Downtown kann man lieben oder auch nicht – ich jedenfalls finde Matsumoto’s Lachen äusserst ansteckend.
Also, da hat er nun einen Film gedreht und besetzt in diesem auch die Hauptrolle. Ca. 7 Millionen Euro hat der Film gekostet.

Jetzt kam er im Dezember endlich auf DVD raus und damit auch in die Videotheken. Aus reiner Neugier ging ich also in die Videothek. Von „Dainipponjin“ gab es ca. 40 Kopien – und fast alle waren noch da. Das bedeutete nichts gutes, denn neue, gute Filme sind anfangs immer schwer zu bekommen.

Der Film begann wie ein Kommentarfilm – Matsumoto lebt am Rande des Abgrunds mit seiner Katze in einer kleinen Hütte. Eine verkrachte Existenz mit gescheiterter Ehe. Der vom Kameramann ausgiebig interviewt wird. Dann ein Anruf auf dem Handy: Ein Auftrag. Matsumoto fährt in eine geheime, abgelegene Anlage. Wird plötzlich dutzende Meter gross und kämpft gegen ein seltsames Monster nach feinster Godzilla-Manier.
Filmposter Dainipponjin Klingt seltsam? Ist es auch. Tricktechnisch schliesst der Film an die alten Godzilla-Filme an, aber das ist wohl wahrscheinlich so gewollt. Richtig komisch ist der Film auch leider nur selten – maximal wenn der senile Vater (der Hang, zu einem tätowierten Riesen zu mutieren, ist nämlich vererbbar) – versucht, sich mit einem Propellerflugzeug den Bart zu rasieren.

Normalerweise sagt man bei vielen Filmen: Die Reaktion der Kritiker war gemischt. Bei Gesprächen mit den Kritikern, die diesen Film in Cannes zu sehen bekamen, kann man das nicht sagen – die Reaktion war nicht gemischt, sondern einhellig: Schulterzucken. „So einen Film habe ich auch noch nicht gesehen“ oder „Also, so ganz verstehe ich diesen Humor nicht“ usw.
Ich muss mich dem leider erstmal anschliessen. Vielleicht muss man ihn mehrmals sehen, aber ich glaube, das hilft auch nichts. Schade eigentlich!

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Filmkritik: Japan geht unter

August 11th, 2007 | Tagged | 4 Kommentare | 713 mal gelesen

Monatelang war der Film in der Videothek verliehen, obwohl es dutzende Exemplare gab. Gelegentlich unterliege ich dabei immer noch dem Irrglauben, dass das bedeutet, das der Film nicht so schlecht sein kann. Eigentlich ist dieser Film nur eine Neuauflage einer ganz alten Serie. Der Plot ist schnell erzählt:
Wissenschaftler stellen fest, das Japan sehr bald im Meer verschwindet. Schwere Erdbeben sind die Vorzeichen. Ein Wissenschaftler stellt plötzlich fest, dass das ganze innerhalb eines Jahres geschehen wird.
Die Hauptfiguren: Kusanagi Tsuyoshi von SMAP (eine der bekanntesten Ex-Boybands und jetzt Fernsehstars). In seiner Rolle als Tiefseeforscher irgendwo mutig, aber auch irgendwie feige. Die junge Kō Shibasaki – eine traumatisierte Rettungsspezialistin mit Drang zum Heldentum.
Was man braucht, um diesen Film zu überstehen: Eine gewisse Liebe zu Japan, ein paar Bier und die Fähigkeit, jegliches logisches Denken auszuschalten. Die Story ist so holprig, dass einem manchmal schwindlig wird. Gefühlsduselei ohne Ende und ein Patriotismus, der selbst Amerikaner staunen lassen würde.
Der Film ist, wie oben erwähnt, extrem gut angekommen in Japan. Man fragt sich warum – wegen der berühmten Schauspieler? Oder aus Neugier? Keine Ahnung. Eins steht jedoch fest: Dieser Film ist ausschliesslich für Japaner gemacht. Egal, wie lange man als Ausländer in Japan gelebt hat – man passt nicht in diesen Film.

Das Wort des Tages: 沈没 chinbotsu. Der Film heisst „Nihon chinbotsu“. Chinbotsu bedeutet „Untergang“ – mehr im Sinne von „im Wasser untergehen“.

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Filmkritik: Always – sanchōme no yūhi (Abendsonne im dritten Bezirk)

August 1st, 2006 | Tagged | 1 Kommentar | 1051 mal gelesen

AlwaysMit viel Trara wurde dieser Film angekündigt, obwohl die ganz grossen Schauspieler fehlen. Letztes Jahr kam er in die Kinos und ist seit kurzem auf DVD erhältlich (wohl erstmal nur hier, aber immerhin mit englischen Untertiteln).

1958 im Zentrum von Tokyo – der Tokyo Tower wird gerade gebaut, ansonsten gibt es (noch) keine hohen Häuser. Dafür aber kleine, verwinkelte Gassen mit einem ziemlich intakten sozialem Netz nebst allen Problemen, die dazu gehören. Viele Schicksale treffen sich da mitten während des ersten japanischen Wirtschaftswunders – ein einsamer Doktor, der seine Familie im Krieg verlor, ein jähzorniger aber herzensguter Garagenbesitzer, ein Landei, das bei ihm anlernt (genial: Der Tōhoku-Dialekt. Wie sächsisch, nur auf Japanisch), ein verzweifelter Literat. Und und und. Sie alle haben besondere Beziehungen untereinander und sind zwar zumeist sehr, sehr arm aber irgendwie doch glücklich.

Gezeigt wird das Leben nach dem Krieg, auf eine Art und Weise, dass sie sogar meinem Schwiegervater die Tränen in die Augen trieb. „Genauso bin ich aufgewachsen!“ war sein Kommentar. Der 133 Minuten lange Film ist teils sehr komisch, teils ziemlich tragisch und sehr, sehr sentimental. Manchmal etwas zu sentimental, aber das sei hier mal erlaubt.

Der Regisseur, Yamazaki Takashi, hat hier etwas Erstaunliches geschafft: Mit ähnlicher Leichtfüssigkeit wie in der „Sonnenallee“ stellt er hier eine trotz der Armut und Tragödien sehr gelungene, optimistische Atmosphäre her. Und – das finde ich am bemerkenswertesten – auch Ausländer können dem Film folgen. Beschreibungen wie „das kann man nicht erklären, das verstehen nur Japaner“ passen hier nicht. Der Film und seine Darsteller sind schlichtweg liebenswert menschlich. Man merkt (und hat es bereits geahnt) – Japaner kochen auch nur mit Wasser. Naja, und Soyasauce.

Ich bin mir relativ sicher, dass der Film es nach Deutschland schaffen wird. Wenn nicht wäre das zu schade. Übrigens findet man im Film so zauberhaft dargestellte alte Gassen noch gelegentlich. Man muss nur danach suchen (zum Beispiel hier).

Hier ist die offizielle Webseite. Und hier ist meine Bewertung: ★★★★★★ (6/6). Oh mein Gott, werde ich auch sentimental!?

Wort des Tages: 三丁目の夕日 (sanchōme no yūhi) – chō nennt man die kleineren Strassenviertel (auch: Blöcke). Yūhi ist die Abendsonne.

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Filmkritik: Geisha (jap. Titel: „Sayuri“)

Juli 12th, 2006 | Tagged | 2 Kommentare | 2302 mal gelesen

Sayuri - Geisha Die Vorgeschichte zum Film sollte einen eigentlich schon ins Kino locken. Oder ebend vor den DVD-Player. Da wäre die geniale Romanvorlage von Arthur Golden (Originaltitel: Memoirs of a Geisha), die so gut geschrieben war, dass ich beim Lesen des Epilogs aus allen Wolken fiel (und mich ein bisschen veralbert fühlte, aber was soll’s – es ist ein sehr schönes Buch). Da wäre auch der Sturm der Entrüstung, den der Film in Ostasien hervorrief: Japaner beschweren sich, dass die (weiblichen) Hauptrollen zumeist von Chinesen besetzt werden. Chinesen beschweren sich, dass Chinesen Japaner spielen. Und so weiter.

Nun, lang wurden die 139 Minuten nicht, dass muss man dem Film lassen. Verstörend wirkte aber auf mich nicht nur die Tatsache, dass chinesische Schauspieler die Hauptrollen besetzten, sondern auch mit chinesischem – und definitiv nicht japanischem – Akzent gesprochen wurde (zumindest in der englischen Fassung). Und die Musik – dieser alberne transzendental-okzidentale Versuch, chinesische (!) klassische Musik auf „Popniveau“ zu bringen, machte mich gar nervös. Was bitte soll das, dachte ich mir. Hätte man doch lieber der japanischen Laute, shamisen genannt und zu beherrschendes Instrument der Geishas, mehr Zeit gewidmet!

Leider kamen auch die intelligenten Dialoge des Buches selten zum Vorschein. Stattdessen wurde in Windeseile, wenn möglich nur mit Bildern und wenigen Worten, versucht, Spannung aufzubauen. Aber es ist ja auch eine Menge Stoff für nur gute zwei Stunden. Und Hollywood hat aus dem Stoff genau das gemacht, was man von Hollywood erwartet.

Meine Wertung: ★★★☆☆☆ (3/6)

Das Wort des Tages: 芸者 (geisha). Gei bedeutet Kunst, -sha ist die Person. Eine Geisha war in der Tat eine Künstlerin – der Unterhaltung. Besonders der Konversation, des Tanzes, der Musik und der vielen kleinen anmutigen Gesten.

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