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Narita, das Tor nach Japan

März 29th, 2017 | Tagged | 1 Kommentar | 1144 mal gelesen

Am vergangenen Wochenende habe ich es doch tatsächlich mal geschafft, nach Narita zu fahren. Also zur Stadt Narita, nicht zum Tokyo International Airport Narita, denn den kenne ich (und viele Japanbesucher sicherlich auch) zur Genüge. Seitdem der Flughafen Haneda vermehrt internationale Flüge anbietet, vermeide ich auch nach Möglichkeit Narita, denn während Haneda nur 20 km entfernt liegt, sind es von mir bis nach Narita fast 90 km. Da hilft auch der nagelneue und schnelle Keisei Skyliner nicht viel, denn der beginnt in Ueno bzw. in Nippori, und das ist einfach mal sehr unpraktisch, wenn man im südlichen Teil der Region zu Hause ist.

Blick von der Nakamichi-Strasse Richtung Naritasan

Blick von der Nakamichi-Strasse Richtung Naritasan

Nun wusste ich schon seit langem, dass Narita nicht nur einen riesigen Flughafen beherbergt, sondern auch einen altehrwürdigen und berühmten Tempel – den Naritasan. Trotzdem war ich von der Anlage überrascht: Zum einen liegt sie wunderschön in einem recht hügeligen Bereich der Stadt, zum anderen ist die Anlage riesig und beinhaltet auch einen größeren Park, komplett mit Waldwanderwegen, Wasserfällen und dergleichen. Sprich, man kann hier wunderbar spazieren gehen. Zumindest, wenn es nicht allzu voll ist, denn der Naritasan wird des öfteren völlig von Besuchermassen überrannt – zur Kirschblüte zum Beispiel, die gerade einsetzt, aber auch über Neujahr. Was ich allerdings nicht kannte, war die Nakamichidōri – eine alte Ladenstraße (und Fußgängerzone – eine Seltenheit in Japan), die in der Nähe des Bahnhofs beginnt und sich bis zum Naritasan hinzieht. Alles sehr gepflegt, alles sehr einladend, und, aber das ist nicht weiter verwunderlich, ziemlich international. Überhaupt ist die ganze Stadt auf ausländische Besucher aus – so gibt es vor den Toren von Narita riesige, neue Einkaufszentren, für Butterfahrtbesucher aus China etwa oder für Flugzeugbesatzungen, die nicht genug Zeit haben, sich bis Tokyo durchzuschlagen. Das Stadtzentrum selbst war jedenfalls eine große Überraschung, und ich kann jedem nur empfehlen, einen Abstecher nach Narita zu wagen – vor dem Heimflug oder kurz nach der Anreise. Zum Eingewöhnen ist die Stadt auch genau richtig – man findet hier so viel Englisch und Englischsprechende, dass der Kulturschock (Oh mein Gott! Hier versteht ja niemand Englisch!) nicht allzu heftig ausfällt.

Spezialität von Narita und eine sehr leckere Angelegenheit: Aal (Unagi)

Spezialität von Narita und eine sehr leckere Angelegenheit: Aal (Unagi)

Für Plane-Spotter lohnt sich zusätzlich ein Ausflug zum Sakura-no-yama-Park (Kirschbaumberg-Park). Hier gibt es, genau, japanische Kirschbäume, die Anfang April rosa vor sich hinblühen, sowie einen eindrucksvollen Blick auf das Rollfeld. Der Park befindet sich direkt am Flughafengelände und nur 100 oder 200 Meter von der Einflugschneise versetzt (je nach Windrichtung kann sich das aber auch ändern, dann sieht man die Flüge nur startenderweise über den Park fliegen, was weniger eindrucksvoll ist).

Am Rollfeld nahe des Sakura-no-yama-Parks

Am Rollfeld nahe des Sakura-no-yama-Parks

Der Flughafen Haneda in Tokyo macht Narita zwar immer mehr Konkurrenz, wie es scheint – aber an Besuchern dürfte es trotzdem nicht mangeln – Naritasan und die Nakamichi-Straße sind auch bei Japanern hinreichend beliebt, wie es scheint. Mehr zur Stadt gibt es wie immer hier.

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Die Arroganz der Filmübersetzer

März 22nd, 2017 | Tagged | 4 Kommentare | 830 mal gelesen

Als ich neulich in meiner kargen Freizeit Netflix anschaltete, landete ich plötzlich (ja ja, immer diese Ausreden) bei Star Trek, genauer gesagt bei Captain Archer. Der Name der Folge: The Hatchery. Der Brutraum. Auf Japanisch würde man das ohne großartige Rumdeuterei mit 孵化室 übersetzen. Und darum geht es in der Folge auch. Um eine Brutstation einer insektoiden Spezies. Da ich nun aber in Japan bin, bietet mir Netflix das ganze mit japanischen Titeln und Untertiteln an. Der japanische Titel besagter Folge lautet: トゥポルの反乱, „T’pols Meuterei“. Was ist geschehen? Wollte der Übersetzer damit angeben, dass er oder sie die Folge wirklich gesehen hat, ergo weiß, worum es da geht? Bei Filmen ist das noch in einigen Fällen nachvollziehbar. Ein Filmtitel ist immer auch gleichzeitig Werbung für den Film, und es gibt Titel, die aus linguistischen oder kulturellen Gründen einfach nicht ziehen, wenn man sie direkt übersetzt. Man wird dann kreativ und wählt mitunter einen völlig anderen Titel. Hier reden wir jedoch über eine von sehr vielen Folgen einer Fernsehserie, und ausser der Arroganz des Übersetzenden gibt es keinen triftigen Grund, den Titel dieser Folge nicht so zu übersetzen, wie er von den Machern der Serie vorgesehen ist. Ob der Titel nun Brutraum oder T’pols Meuterei lautet, dürfte da null Einfluss haben darauf, ob sich jemand die Folge ansieht oder nicht (wer aus Langeweile wissen will, wie die ganzen Star Trek-Folgen übersetzt werden, ist bei der USS Kyushu genau richtig).

Des einen Freud', des anderen Leid: Untertitel

Des einen Freud‘, des anderen Leid: Untertitel

Ach, Untertitel. Ein Kapitel für sich. Einerseits kann man sich glücklich schätzen, dass die meisten ausländischen Filme in Japan nicht synchronisiert (吹替 fukikae), sondern mit Untertiteln (字幕 jimaku) versehen werden. Denn so viel steht fest: Sigourney Weaver ist einfach nicht Sigourney Weaver auf Japanisch. In Sachen Synchronisation ist man in Deutschland weit fortgeschrittener, was das Bemühen angeht, den Charakter der Rolle zu wahren. Das Problem bei den Untertiteln ist jedoch, dass man automatisch mitliest (wohlgemerkt eine wunderbare Methode, seine Japanischkenntnisse zu vertiefen!), und sich jedes Mal grün und blau darüber ärgert, wie stark das im Original Gesagte verstümmelt wird. Nicht selten aus gutem Grund, aber oftmals auch unnötig. Ich habe schon mehrfach Filme gesehen, die vor herrlichen, feinsinnigen Pointen nur so strotzten – aber die Untertitel waren dermassen lustlos übersetzt worden, dass das Kunstwerk für den japanischen Cineasten zu einem sterbenslangweiligen Streifen mutierte. Auffällig ist auch, dass die meisten Übersetzer der gleichen Schule zu entspringen scheinen. Gewisse Regeln werden da eisern eingehalten – das gilt auch für die Synchronisation. Da kann Superemanze mit Raketenwerfer rauchend durch das Bild marschieren – ihr wird sowohl bei der Synchronisation als auch bei Untertiteln der sehr weibliche Partikel „wa“ angedichtet. Da heisst es dann nicht „I kill you“, sondern „korosu wa yo“. Alles klar. Immerhin: Da Untertitel oft zu schnell vorüberziehen, verlegt man sich schnell darauf, nur die chinesischen Schriftzeichen aus den Titel „querzulesen“, den Rest ignoriert man irgendwann automatisch. Genauso, wie man bei deutschen Untertiteln schnell Artikel und dergleichen überliest.

Bei Filmtiteln geht es natürlich auch mitunter wild zu, aber das ist ja in Deutschland nicht anders:

Original Japanisch Übersetzung Deutscher Titel Kommentar
IL BUONO, IL BRUTTO, IL CATTIVO (The Good, the Bad and the Ugly) 続・夕陽のガンマン Fortsetzung: Der Pistolenheld der Abendsonne Zwei glorreiche Halunken Der Klassiker. Warum man wohl entschieden hat, dass das eine Fortsetzung ist!?
Napoleon Dynamite バス男 Der Bus-Mann Napoleon Dynamite Da dachte man wohl an den in Japan beliebten 電車男, den „Zug-Mann“…
The Return of the Living Dead バタリアン Battalion Verdammt, die Zombies kommen Immerhin besser als der deutsche Titel…
Gravity (Film) ゼロ・グラビティ Schwerelosigkeit (=Zero Gravity) Gravity „Schwerkraft“ war wohl nicht packend genug…
Gravity (Star Trek-Folge) ブラックホールと共に消えた恋 Die Liebe, die mit dem Schwarzen Loch verschwand Schwere Wie poetisch!
The Martian – Bring him home オデッセイ Odyssey Der Marsianer – Rettet Mark Watney Da wollte man wohl Science Fiction-Hasser nicht vergrausen…
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Denden? Unnun! Wenn Politiker nicht lesen können…

Januar 27th, 2017 | Tagged , , | Kommentare deaktiviert für Denden? Unnun! Wenn Politiker nicht lesen können… | 677 mal gelesen

Im japanischen Parlament geht es wirklich öfter mal zu wie im Kindergarten. Dazu zählen ungezogene Parlamentsabgeordnete, die laut herumbrüllen. Oder Plakate hochhalten im plüschbewehrten Parlamentssaal. Darüber mokierten sich neulich die regierenden Liberaldemokraten. Da ließen es sich die oppositionellen Demokraten nicht nehmen, im Archiv zu kramen – und siehe da, während der kurzen Regierungsphase der Demokraten um das Jahr 2010 herum standen da doch tatsächlich Liberaldemokraten mit Plakaten in der Hand im Parlament.

Abe wollte dies wiederum kontern, unter anderem mit der Bemerkung, dass er bei seiner Attacke auf die Plakathalter nie die Demokraten namentlich genannt hatte. Doch dann verhaspelte er sich beim Lesen: Irgendwann hieß es „teisei denden“. „Teisei“ bedeutet „Korrektur“, aber was in drei Teufels Namen bedeutet das Wort „denden“ hier?

Das Manuskript lag nicht vor, also konnte man nur rätseln. Wahrscheinlich stand dort aber

訂正云々

– schließlich liest man das sehr geläufige Schriftzeichen „伝“ (unter anderem) „den“, und das Schriftzeichen „云“ ist relativ selten. Richtig wird das Wort jedoch „unnun“ gelesen (und bedeutet „und so weiter“).

Die Häme war natürlich gross, vor allem beim in Japan besonders beliebten Twitter-Netzwerk. Beispiele:

Schöne Persiflage auf Pikotaro!

Dieser ist auch interessant: „…das eigentliche Problem ist doch, dass die Regierung Abe so eine Sache mit einem schnöden ‚und so weiter‘ vom Tisch wischen will…“.

Für alle Japanischlernenden sollte das jedoch zur Beruhigung beitragen. Selbst japanische Ministerpräsidenten sind vor Schriftzeichen und deren Lesungen nicht sicher. Es stimmt natürlich aber nachdenklich, dass ein seit 5 Jahren regierender Ministerpräsident Manuskripte im Parlament vorliest, die er noch nicht einmal selber lesen, ergo verstehen, kann…

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Beitrag #1000: Japanische Dialekte

August 30th, 2016 | Tagged | 8 Kommentare | 1032 mal gelesen

​Neulich bin ich über einen interessanten Artikel gestolpert, der anhand von Karten darstellt, wo in Japan welche Begriffe für ein und die gleiche Sache benutzt werden. Die Idee ist nicht neu – in Deutschland gibt es ja zum Beispiel auch einen schönen Atlas der deutschen Sprache, der sich ausführlich und anschaulich mit dem Thema beschäftigt. Und für einen sprachinteressierten Geographen ist so etwas natürlich faszinierend.
Zwar leben in Japan fast nur Japaner, aber natürlich haben sich auch in Japan Dialekte herausgebildet. Wenn man Japanern erklärt, das es so etwas auch in Deutschland gibt, reagieren die meisten mit grösstem Erstaunen – allerdings nur aufgrund von purer Unwissenheit. Natürlich gibt es in Deutschland auch Dialekte. Selbst in den USA, obwohl das Englische dort vielerorts erst vor gut 300 Jahren wirklich Fuss fasste, gibt es ja schliesslich Dialekte. Und je abgeschiedener die Gegend, desto höher die Varianten.

Wer sich sagen wir mal über 20 Stunden ernsthaft mit Japan beschäftigt, stösst als erstes auf den berühmt-berüchtigten Kansai-Dialekt, gesprochen im Großraum Osaka und berüchtigt deshalb, weil man ihn am ehesten mit der (Rand)berliner Schnauze vergleichen kann. Die Schnoddrigkeit ist teilweise auch die Ursache dafür, dass die meisten japanischen Komiker aus der Gegend kommen und den Kansai-Dialekt sprechen – ob sie zu Hause sind oder in Tokyo leben, ist egal. Den Dialekt kann man nur schwer ablegen, und die meisten Kansai-Dialekt-Sprecher sind auch stolz darauf und denken gar nicht daran, Hochjapanisch zu sprechen. Manchmal verraten sich die Leute auch durch scheinbar unverfängliche Floskeln in Emails zum Beispiel: Schreibt jemand zum Beispiel die in andere Sprachen nur schwer übersetzbare, obligatorische Höflichkeitsfloskel „〜お世話になっております。“ (osewa ni natte orimasu – sinngemäss in etwa „Vielen Dank für Ihre stetige Unterstützung“ und setzt dem ganzen ein „毎度“ (maido = immer) davor, kann man recht sicher sein, dass der Verfasser ursprünglich aus Kansai stammt (in Tokyo schreibt man eher „いつも“ – das bedeutet auch „immer“).

Als nächstes werden die meisten auf den Tsugaru-Dialekt treffen – jener wird hoch im Norden der Insel Honshu gesprochen, und er verdient den Namen Dialekt wahrhaftig: Während man beim Kansai-Dialekt noch das meiste mitbekommt, ist man beim echten Tsugaru-Dialekt verloren. Viele Wörter sind völlig anders oder existieren so im Japanischen gar nicht (zum Beispiel „azumashii“ – das bedeutet in etwa „gemütlich“ und kann nicht 1:1 ins Japanische übertragen werden), und die Intonation ist auch anders als im Standardjapanisch. Das gilt auch für die meisten anderen Tohoku-Dialekte (Tohoku ist der Nordosten Japans, ohne Hokkaido wohlgemerkt, das aufgrund der jungen Besiedlungsgeschichte relativ dialektfrei ist).

Auch im Süden geht es dialektmässig hoch her – auf Okinawa zum Beispiel, das ja bis ins 19. Jahrhundert hinein nicht einmal zu Japan gehörte. Auf jeder Insel entwickelte sich so ein eigener Dialekt. Und damit das ganze auch noch richtig Spass macht, wirft man auch noch das eine oder andere Schriftzeichen mit rein, damit es auch niemand lesen kann. Auf die Idee, das man 美ら海 als „Churaumi“ lesen muss, kann man auch mit noch so umfangreichen Schriftzeichenwissen einfach nicht kommen (immerhin stimmt aber die Bedeutung: schönes Meer).
Es sind jedoch nicht nur die einfachen Wörter oder die Betonung, die oftmals die Herkunft des Sprechers verraten. Auch die Endungen, meist nur eine oder zwei Silben, sind von Gegend zu Gegend verschieden. Manchmal bedeuten die Silben dann auch etwas völlig anderes, und das verwirrt natürlich.

Verbreitung der Partikel "da", "ya" und "ja" in Japan (Quelle: Wikipedia)

Verbreitung der Partikel „da“, „ya“ und „ja“ in Japan (Quelle: Wikipedia)

Am oben verlinkten Artikel ist die Wahl der Wörter interessant. Eines der 5 untersuchten Wörter ist „Pflaster“, und da ist es schon seltsam, wie sich in den verschiedenen Gegenden so unterschiedliche Wörter festgesetzt haben. Auch das Wort, dass man benutzt, um Unwohlsein auszudrücken, ist interessant. So benutzt man im Norden das Wort „こわい“ (kowai), das eigentlich „furchtbar“ bedeutet – in der Mitte hingegen „えらい“ (erai), was eigentlich „klug“ oder „fleissig“ bedeutet. Die verschiedenen Begriffe für „Gerstenkorn“ (die Entzündung im Auge) sind auch witzig: So bezeichnet man dieses eigentlich „monomorai“ genannte Gerstenkorn in Kumamoto als Ohime-san (Prinzesschen) oder in Saga als „おきゃくさん“ (Gast).

Was in Japan auffällt, ist die Tatsache, dass man sich kaum über die Dialekte anderer lustig macht – in Deutschland immerhin beinahe so etwas wie ein Volkssport. Aber der Humor ist eben ein anderer.

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Etwas Nihonium gefällig? Element 113 hat jetzt einen Namen

Juni 9th, 2016 | Tagged , | 3 Kommentare | 683 mal gelesen

Heute wurden die Namen von vier in den letzten Jahren entdeckten (sprich synthetisch hergestellte) Elementen bekanntgegeben¹: So wird in Zukunft Element 115 Moscovium (Mc), 117 Tennessine (Ts), 118 Oganesson (Og) – und Element 113 Nihonium (Nh) heissen. Der Name Japonium stand wohl auch zur Diskussion, aber man entschied sich dann doch für den Landesnamen in der Landessprache. Ganz offiziell ist das jedoch noch nicht: Das endgültige OK erfolgt erst in ein paar Monaten durch das International Union of Pure and Applied Chemistry, das erstmal feststellen muss, ob wirklich alle Kriterien erfüllt wurden (Wiederholbarkeit des Experiments usw. – man hat das Element aber bereits drei Mal erfolgreich hergestellt. Immerhin ist Nihonium auch das erste Element überhaupt, dass in Asien entdeckt wurde. Viel Freude hat man an dem Element zwar nicht – man kann nur ein paar Atome herstellen, und die zerfallen in ein paar Tausendstelsekunden wieder, aber das ist nicht verwunderlich, da alles oberhalb der 105 (wenn ich mich recht entsinne) diese Merkmale aufweist.

Nach Darmstadt, Berkeley und Ytterby kommt nun also auch Japan zu der Ehre. Und die japanischen Forscher des Riken-Instituts begründeten ihre Nameswahl damit, dass sie damit dem japanischen Volk für seine Unterstützung danken wollen. Recht so – Riken wird ja auch von Steuergeldern finanziert. Unüblich ist das nicht: In den vergangenen Jahren wurden Elemente häufig nach dem Entdeckungs/Forschungsort benannt. Und ich kann mir gut vorstellen, dass Kim Jong-un beim lesen solcher Nachrichten auf die Idee kommt, dass das nordkoreanische Volk ebenso ein Element benennen sollte. An der Herstellung vom Kim-Il-Sungium wird vielleicht sogar schon gebastelt, wer weiss.

Im Japanischen benutzt man übrigens nur für 15 Elemente Schriftzeichen – das ist etwas schade und schwer zu lernen, denn Namen wie den für Brom liessen sich um ein vielfaches einfacher merken, und man weiss auch gleich, woran man bei dem Element ist:

Schriftzeichen Lesung Bedeutung Übersetzung
水素 suiso Wasser-Element Wasserstoff
tetsu Eisen Eisen
白金 hakkin weisses Gold/Metall Platin
Kupfer Kupfer
gin Silber Silber
kin Gold Gold
水銀 suigin Wasser-Silber Quecksilber
亜鉛 aen Sub-Blei Zink
炭素 tanso Kohle-Element Kohlenstoff
酸素 sanso Säure-Element Sauerstoff
硫黄 Schwefe-Gelb Schwefel
en Blei Blei
窒素 chisso Stick-Element Stickstoff
臭素 shūso Stink-Element Brom
塩素 enso Salz-Element Chlor

Wer unbedingt möchte, kann noch eine Handvoll weiterer Elemente mit Schriftzeichen schreiben – so zum Beispiel ケイ素 (珪素) keiso Silicium) oder ヒ素 (砒素) hiso Arsen, aber da die Schriftzeichen eher selten sind, bevorzugt man die Katakana+素 (Element)-Schreibweise. Das Gros der Elemente wird jedoch gänzlich mit Katakana geschrieben. Da haben es die Chinesen leichter oder schwerer – je nachdem, wie man es nimmt: Germanium wird auf Japanisch ゲルマニウム (Gerumaniumu) geschrieben, auf Chinesisch hingegen 锗 zhě (was rein gar nichts mit Deutschland zu tun hat – man hat einfach ein Zeichen mit dem Element Metall zum Schriftzeichen bestimmt).

Japanische Periodensysteme und vieles mehr kann man übrigens kostenlos bei der Webseite des MEXT (Ministerium für Bildung, Wissenschaft usw.) herunterladen – siehe zum Beispiel unten:

Periodentafel auf Japanisch. Quelle: MEXT (Ministerium für Bildung und Wissenschaft)

Periodentafel auf Japanisch. Quelle: MEXT (Ministerium für Bildung und Wissenschaft)

¹ Siehe unter anderem hier.

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Japanisch lernen mit dem Togearitogenashitogetoge

Februar 17th, 2016 | Tagged , | 3 Kommentare | 922 mal gelesen

Stachelstachler. Quelle: Wikipedia.Es war einmal eine Unterfamilie von Käfern, die zu den Blattkäfern (auf Japanisch: hamushi – ha=Blatt, mushi=Käfer/Insekt) gehören. Und da viele Vertreter dieser Unterfamilie Stacheln („toge“) haben, nennt man diese Unterfamilie auf Japanisch Togehamushi. Stachel-Blatt-Käfer. Allerdings gibt es da auch ein paar Arten in der Familie, die dummerweise keine Stachel haben. Die nennt man dann logischerweise Togenashitogehamushi. Also „Stachel-ohne-Stachel-Blatt-Käfer“. Da man in Japan Onomatopeia, lautmalerische Worte, liebt – vor allem nach dem Schema Silbe 1 + Silbe 2 + Silbe 1 + Silbe 2 – hat man der ganzen Unterfamilie noch einen Kosenamen verpasst: Togetoge. Also „Stachel-Stachel“.

Aus den stachellosen aber eigentlich stachligen Blattkäfern wird somit ein Togenashitogetoge. Ein Stachel-ohne-Stachelstachel. Doch jetzt kommt’s. Die japanische Wikipedia¹ geht dazu noch mehr ins Detail:

トゲナシトゲトゲの仲間にもトゲのある種があり、複数の文献でトゲアリトゲナシトゲトゲ(トゲアリトゲナシトゲハムシ)という呼び方で紹介している。

Soll heissen: Unter den Verwandten der stachellosen Stachelstachler gibt es jedoch auch Arten, die sehr wohl Stachel haben. Diese werden in zahlreichen Publikationen mit dem Namen „Togearitogenashitogetoge“ vorgestellt. Quasi der „Stachel-mit-Stachel-ohne-Stachelstachler“.

So, heute haben wir also die Wörter „mit“ (ari), „ohne“ (nashi) und „Stachel“ (toge) gelernt. So einfach geht das, dank des Mitstachelohnestachelstachelstachlers. Und beim nächsten Mal stelle ich Euch den Ukeguchinohosomionaganookinahagi vor.

¹ Siehe hier.

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Yabai und andere Sprachumbrüchlichkeiten

September 24th, 2015 | Tagged | Kommentare deaktiviert für Yabai und andere Sprachumbrüchlichkeiten | 721 mal gelesen

yabaiAlljährlich, seit 1995, führt das 文化庁 bunkachō Amt für kulturelle Angelegenheiten eine Erhebung durch, mit der man feststellen möchte, wie sich die Japanische Sprache ändert. Gefragt werden meist gute 3’000 Japaner in allen Altersgruppen über 16 Jahren, und das Ergebnis wird unter anderem als handlicher Exzerpt von gut 20 Seiten, gespickt mit den obligatorischen Excel-Grafiken, zur freien Verfügung ins Netz gestellt. Der Bericht nennt sich 国語に関する世論調査の結果について Über Resultate der Haushaltsbefragung zum Thema Landessprache und kann heruntergeladen werden¹.

Der letzte Bericht ist aus dem Jahr 2014 – aber der heisst nur so, denn die Befragung wurde Anfang diesen Jahres durchgeführt, und danach brauchte man noch etliche Monate Zeit, um die tollen Excel-Grafiken herzustellen. Kaum war der Bericht erschienen, pickte sich die Presse die Rosinen aus dem Kuchen und veröffentlichte das, was die meisten Japaner eigentlich schon wussten, sich jedoch noch nie ernsthaft Gedanken darüber machten. In diesem Jahr war es zum Beispiel das Wörtchen やばい yabai. Dieses Adjektiv hatte ursprünglich die Bedeutung „gefährlich“ beziehungsweise „nicht zu retten“, doch rund 90% der Befragten gaben an, das Wort nunmehr auch als Wort der Anerkennung zu verstehen. Sicher, die ursprüngliche Bedeutung gibt es noch immer, aber in der Tat wird „yabai“ schon seit einigen Jahren mit positiver Konnotation versehen. Ganz nach dem Motto „furchtbar lecker“ zum Beispiel. Aus nostalgischen Gründen schaue ich natürlich in mein allererstes Japanisch-Deutsches Wörterbuch (Shinzinger, Sanshusha, 150. Auflage, 1996), mein treuer Begleiter auf den ersten Jahren Irrfahrt durch die japanische Sprache, und der Eintrag für yabai lautet wie folgt:

ya⎡ba⎤i やばい ⦅俗⦆Murks! 〜商売 ein verfluchtes Geschäft

und das erinnerte mich sofort an meine Kämpfe mit diesem Wörterbuch, denn oftmals bot es keine richtige Übersetzung an, sondern nur eine Ahnung dessen, was das Wort bedeuten könnte. Murks! Wer in drei Teufels Namen benutzt den „Murks“ – und dann noch, wenn das zu übersetzende Wort ein Adjektiv ist. Dabei fällt mir ein, dass die mit Abstand lustigste Übersetzung, die ich jemals in einem Wörterbuch gesehen habe – und ich habe sehr, sehr viele Wörterbücher gewälzt – ebenfalls aus dem oben genannten stammt:

ノーパンで泳ぐ ⦅俗⦆nackto-arschio schwimmen.

(zur Erklärung: ノーパン (noopan) stammt von „no pants“, also ohne Hosen). Nackto-Arschio-Schwimmen? Ich habe keine Ahnung, in welchem Teil Deutschlands man so spricht. Aber ich schweife ab.

Interessant war der Kommentar eines Lesers über oben genannte Untersuchung und das Wort „yabai“ auf Yahoo! Japan²: そのヤバイが褒め言葉って、凄い時代になりました。 „‚Yabai‘ gilt also nun als Lobeswort – was für Zeiten das doch geworden sind!“ Dabei benutzt der Kommentator das Wort „sugoi“ – doch gerade dieses Wort hat vor gut 20 Jahren den gleichen Prozess durchgemacht wie „yabai“, denn „sugoi“ bedeutete dereinst „furchtbar, schrecklich“ – heute jedoch „erstaunlich“, aber auch „sehr“. Welche Bedeutung der Kommentator wohl meinte?

Interessant sind an dem Bericht jedoch nicht nur die Ergebnisse, welche Worte neu sind oder neu definiert wurden, sondern wie sich zum Beispiel auch die Schreibweise von Kanji ändert:

Kanji mit alter Handschriftweise (links) und häufig anzutreffender, neuer Schreibweise: Blau: Nur die linke Schreibweise ist richtig. Rot: Nur die rechte Schreibweise ist richtig. Gelb: Beide sind richtig. Quelle: Ebenda

Kanji mit alter Handschriftweise (links) und häufig anzutreffender, neuer Schreibweise: Blau: Nur die linke Schreibweise ist richtig. Rot: Nur die rechte Schreibweise ist richtig. Gelb: Beide sind richtig. Quelle: Ebenda

Diese Feinheiten werden über die Jahre hinweg verfolgt. Wie man sieht, ist man sich oftmals ziemlich unsicher, wie ein Zeichen eigentlich geschrieben werden sollte. Soll der Bereich rechts unten im Schriftzeichen 保 nun 木 oder ホ geschrieben werden? Soll das Element ノ im Schriftzeichen 女 aus dem waagerechten Strich herausbrechen oder nicht? In vielen Fällen ist beides richtig, aber die Befragten hielten dabei das eine oder das andere für definitiv falsch. Leider sind sich da selbst so manche Lehrer nicht einig.

Für Japanisch-Lerner ist die Untersuchung durchaus aufschlussreich. Und: Für im Ausland lebende Japanischlehrer sollte dieser Bericht alljährlich Pflichtlektüre sein. Mein erster Japanischlehrer lebte bereits seit Jahrzehnten in Deutschland und hatte, wie ich bei meiner ersten Japanreise leider entsetzt feststellen musste, vom modernen Japanisch keinen blassen Schimmer mehr. Die paar gelernten Sätze und Vokabeln waren zu einem guten Teil völlig antiquiert.

¹Siehe hier (PDF).
² Siehe hier.

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Next stop Essäkuhssä

Mai 19th, 2015 | Tagged | 10 Kommentare | 1881 mal gelesen

Japanischer Fahrplan: Sonst noch irgendwelche Fragen?

Japanischer Fahrplan: Sonst noch irgendwelche Fragen?

Wenn man lange in Japan lebt, und dazu auch noch Japanisch lesen und verstehen kann, verliert man schnell den Touristenblick auf das Land. Dabei hatte ich den doch auch mal, doch das ist nun schon fast 20 Jahre her. Erst nicht-japanischer Besuch ruft mitein paar einfachen Fragen die Erinnerungen wieder wach. „Wann fährt der Zug?“ zum Beispiel. Der (Rand)berliner in mir würde natürlich instinktiv „Bin ick Schaffner oder wat?“ entgegnen, aber man ist ja nett – und antwortet dann „17:34“ – und möchte aufgrund der soziogenetischen Verantwortung gleich noch „steht doch dran!“ sagen. Aber halt: Sicher steht das an der Anzeige oder am Fahrplan, aber der Ortsname steht dann doch nur in Schriftzeichen da.

Fairerweise muss man dazu sagen, dass sich diesbezüglich schon einiges getan hat in den letzten 20 Jahren. Das ist zu einem guten Teil der Technik zu verdank
en, denn neuartige Displays, die es nun ja fast überall gibt, erlaubt es den Betreibern zum Beispiel nunmehr auch, in Bussen und vielen Bahnen anderssprachige Anzeige zu schalten. Erst, wenn es analog wird – sprich Fahrpläne an Bushaltestellen oder Bahnhöfen, hört der Service meistens auf. Ach, sie können kein Japanisch lesen? Na das ist ja dann aber mal ganz dumm gelaufen!

Was ich von englischsprachigen Ansagen in Bussen und Zügen halten soll, weiss ich aber bis heute nicht:

The next stop is Essäkuussä

säuselt die Ansage im breiten amerikanischen Akzent vom Band, und man muss, zumindest als jemand, der mit einer Sprache aufgewachsen ist, in der man weiss, dass das „a“ auch „a“ und nicht anders ausgesprochen wird, schon mal kurz überlegen und umrechnen, bis man weiss, dass man gleich in „Asakusa“ (sprich: „Asáksa“) hält. Ist das richtig? Muss man wirklich japanische Namen so aussprechen? Denken dann ahnungslose Besucher nicht, dass dies die richtige Aussprache sei und von allen Eingeborenen entsprechend verstanden werden muss? Das Gegenbeispiel habe ich vor vielen Jahren in China erleben dürfen. Dort sagte im Bus eine chinesische Ansagerin: „Next stop Yíhéyuán!“ Das half auch nicht richtig weiter, denn man muss schon ein trainiertes Ohr haben, um den Namen wiederholen zu können.

Mein englischer Arbeitskollege spricht ebenfalls, selbst nach gut 10 Jahren in Japan und noch immer völlig unbelastet von jeglichen Japanischkenntnissen, japanische Ortsnamen geradezu penetrant im englischen Akzent aus. Als ich ihn damit einmal aufzog, antwortete er: „Selber schuld, dann sollen sie es anders schreiben!“. So kann man es natürlich auch sehen.

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10 grossartige, aber schwer übersetzbare japanische Wörter: Teil II

Mai 21st, 2014 | Tagged | 14 Kommentare | 15394 mal gelesen

Nach Teil I der Liste grossartiger, aber schwer übersetzbarer Wörter hier also wie versprochen der zweite Teil. Bei genauerer Betrachtung der ersten 5 Wörter fiel mir auf, dass diese meist zwar wirklich „grossartige“ Wörter sind – jene jedoch kaum relevant in anderen Sprachen sein dürften. Schade eigentlich. Beim zweiten Teil liegt diese Betonung nun mehr auf Wörter, die in anderen Sprachen durchaus nützlich wären. Anders gesagt – man vermisst diese Wörter, wenn man zu lange Japanisch kennt.

お疲れ様 (otsukaresama) – Oh, sie Erschöpfter!

Dieses Wort taucht beim Japanisch lernen, so war es bei mir zumindest, erst recht spät auf – kein Wunder, es wird fast ausschliesslich in der Arbeitswelt gebraucht. Und es ist schwer übersetzbar. „tsukare“ bedeutet „erschöpft sein“, „o… sama“ ist eine höfliche Anredeform. Dieses Wort sagt man vor allem in zwei Situation:
1. Wenn ein Arbeitskollege eher den Arbeitsplatz / ein Projekt usw. verlässt
2. Wenn jemand einem, auch im entfernten Sinne, einen Dienst erwiesen hat.
Man sollte dabei mit dem Anderen entweder auf Augenhöhe oder höher gestellt sein. Zum Chef sollte man dies lieber nicht sagen, sonst erweckt man den Eindruck, höher gestellt zu sein. Das Wort wird so häufig genutzt, dass es nach etlichen Jahren in Japan schwer ist, sich eine normale Arbeitswelt ohne diese Floskel vorzustellen. Vielleicht ist das nächstbeste Wort „Danke für die Mühen“?

逆ギレ (gyakugire) – Auf zum Gegenangriff!

„Gyaku“ – verkehr rum, „gire“ – von „kireru“: Ausrasten. Das Wort gyakugire beschreibt eine Situation, bei der jemand verbal attackiert oder einfach nur kritisiert wird – und jeniger patzig reagiert. „Kontern“ trifft es nicht ganz, denn „Kontern“ bedeutet normalerweise, dass der Gegenangriff gerechtfertigt (und erfolgreich) ist. „Gyakugire“ ist eher ein Ablenkungsmanöver und nur allzu menschlich – das ist in Japan nicht anders.

ざあざあ (zaazaa) – beRAUSCHend!

In Japan regnet es oft und viel. Dementsprechend viele Wörter gibt es für Regen, je nachdem, wie stark er fällt. Das Wort zaazaa soll hier als Stellvertreter dienen für all die schönen Onomatopoetika (Lautmalerei – Stichwort: Klatschen, summen usw.), die es im Japanischen gibt – und davon gibt es tausende, meist nach dem Schema „Silbe 1-Silbe 2-Silbe 1-Silbe 2“. Beispiel Regen: Von schwach nach stark fällt der Regen in Japan erst shoboshobo, dann shitoshito, dann potsupotsu, parapara, barabara und letztendlich zaazaa. Die meisten Japanisch-Lernenden dürften mir zustimmen, dass diese Wörter das Salz in der japanischen Sprachsuppe sind.

以心伝心 (ishin denshin) – Kommunikation mal anders

„Durch das Herz das Herz vermitteln“ – eigentlich kommt der Begriff aus dem Zen-Buddhismus und bedeutet, die Weisheit Buddhas abseits von gesprochenen Wörtern und Schriften zu lehren, indem man sein „Herz vermittelt“. Das Prinzip gilt aber auch als Tugend, vor allem bei älteren Ehepaaren: Sich auch ohne Worte zu verstehen. Das Herz des Partners lesen zu können. Eine schöne Sache, wie ich finde, auch wenn ich das nicht unbedingt als ausschliesslich japanische Tugend betrachten würde. Und letztendlich ist es in Japan oftmals auch so wie anderswo: Sie redet, er schweigt.

親父 (oyaji) – Geliebter Vater (!?)

Wortwörtlich „geliebter Vater“, wird das Wort heuer mit unzähligen Bedeutungen benutzt. Es kann freundlich gemeint sein (Vorgesetzter, Laden- und Barbesitzer etc.), aber auch negativ, nach dem Motto „Alter Sack“. Und das ist das schöne an diesem Wort (und der Grund, warum es in seiner Gänze nur schwer übersetzbar ist): Es ist herrlich vielseitig, und das kleine Wörtchen hat es trotz seiner ursprünglichen Bedeutung faustdick hinter den Ohren.

So, das war meine Top 10. Und ich bin mir 100%ig sicher, dass mir nach dem Veröffentlichen dieses Artikels sofort viel geeignetere Wörter für diese Liste einfallen werden. Andererseits würde mich mal interessieren, welche Wörter die des Japanisch mächtigen/ Japanisch lernenden Leser in die Liste aufnehmen würden!

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10 grossartige, aber schwer übersetzbare japanische Wörter: Teil I

Mai 18th, 2014 | Tagged | 7 Kommentare | 29796 mal gelesen

Neulich ist mir eine Liste aufgefallen, die sich mit nur schwer ins Englische übersetzbaren, deutschen Wörtern beschäftigt. Listen dieser Art kursieren schon länger im Netz, aber ein Beispiel dafür ist diese Liste hier: 10 Fabulous German Words With No English Equivalent. Und prinzipiell ist die Liste in Ordnung – Wörter wie „Kummerspeck“, „Backpfeifengesicht“ oder „Erklärungsnot“ sind in der Tat recht interessant und nur mit Mühe übersetzbar.

Nun hat jede Sprache Wörter dieser Art – das liegt einfach mal an den kulturellen (und nicht selten auch geographischen) Unterschieden: Ein gern dafür aufgegriffenes Beispiel sind die Inuit-Sprachen: Dort kennt man dutzende Wörter für Schnee – je nachdem, was für Schnee fällt oder liegt – aber in afrikanischen Sprachen sind diese Begriffe natürlich schwer vermittelbar.

Hier aber mal ein Versuch einer persönlichen Top 10 von schwer ins Deutsche (und Englische) übersetzbaren, japanischen Wörtern.

懐かしい (natsukashii) – Ach, was war das schön…

Der Klassiker, da das Wort sehr häufig benutzt wird. Es bedeutet so viel wie „das habe ich schon lange nicht mehr gehört/gegesssen/gerochen (was auch immer), und jetzt erlebe ich das zum ersten Mal seit langem wieder (und ich mag das)“. Genau, der letzte Zusatz ist wichtig: Prinzipiell wird das Wort nur im positiven Sinne benutzt. Beispiel: Man hört plötzlich ein Lied, das man in der Kindheit oft, aber seit vielen Jahren nicht mehr gehört hat. Das Gefühl, das man dann hat, nennt sich „natsukashii“, und wie schon erwähnt, sprechen Japaner dieses Wort gern und oft aus.

普通 (futsū) – Gewöhnlich… schön!?

Japanisch Lernende mögen sich wundern… eigentlich ist die Übersetzung dieses Wortes glasklar: „Normal“ bzw. „Gewöhnlich“. Doch seit einigen Jahren arbeitet vor allem die Jugend daran, die Bedeutung des Wortes zu ändern. Da fragt dann jemand, ob das Essen geschmeckt hat, und die Antwort ist „futsū ni oishikatta“ – war „normal lecker“. In diesem Sinne wird „futsū“ allerdings oft im Sinne von „ziemlich“ benutzt, doch so ganz kann man sich nicht darauf verlassen.

本音・建前 (honne/tatemae) Ja oder Nein?

Diese beiden Wörter spielen in der japanischen Gesellschaft nach wie vor eine enorm grosse Rolle: Meint man das, was man sagt, oder sagt man das nur, weil es der Gegenüber so erwartet oder soziale Normen es so erwarten? Honne = aufrichtige Meinung, Tatemae = (vielleicht) nicht die ehrliche Meinung. Natürlich gibt es das Prinzip auch in anderen Gesellschaften. Lädt die Schwiegermutter zum selbst gekochten Essen ein, und schmeckt jenes gar abscheusslich, werden die meisten auf die Frage „Hat’s geschmeckt?“ eher mit „ja“ antworten (=tatemae). Jedoch wird Honne/Tatemae in Japan ganz intensive ausgelebt, und das Problem dabei ist, dass dies auch im Geschäftsleben äusserst wichtig ist: Wer erfolgreich mit Japanern verhandeln möchte, sollte früher oder später lernen, zu erkennen, was Honne und was Tatemae ist.

侘・寂 (Wabi/Sabi) – Jetzt wird’s ästhetisch

Oh je – diese Wörter sind keine Wörter, sondern ein ästhetisches Konzept. Wer japanische Keramik kennt, versteht den Hintergrund vielleicht ein bisschen: Der Mangel an Perfektion in einer Form, das langsame Verwittern von Gegenständen, die Einsamkeit des Menschen in der Natur – dies und mehr versteckt sich hinter diesen Begriffen. Deshalb erscheint japanische Keramik, im Gegensatz zum makellosen chinesischen Porzellan, oft unvollendet und in gewisser Art und Weise oft naturbezogen.

内祝い (Uchiiwai) – Wie Du mir, so ich Dir

Wieder ein Wort, hinter dem ein ganzes Konzept steht. „Uchi“ heisst eigentlich „drin“, „iwai“ heisst „feiern“. In Japan (aber auch in China und Korea) wird zu allen nur erdenklichen Gelegenheiten Bargeld gereicht. Hochzeiten, Einschulung, Umzug, Krankenhausaufenthalt, Erwachsenenfest, erster Job… die Liste ist lang, und nicht selten wird reichlich gegeben. Jedoch: zum „oiwai“ – der Gratulation – erfolgt normalerweise das „Uchiiwai“, und als Faustregel gilt: „半返し“ – die Hälfte zurückgeben. Bekommt man also 100,000 Yen (momentan rund 700 Euro), sollte man besser die Hälfte zurücklegen und in irgendeiner Form (nicht als Bargeld!!!) bei der nächsten Gelegenheit zurückgeben. Das gehört zum guten Ton und gilt als Tugend.

Das war Teil I. Teil II wird in Bälde folgen!

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