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Kendama mal anders / deutsches Spielzeug in Japan und andersrum

September 24th, 2011 | Tagged , | 2 Kommentare | 1107 mal gelesen

Offizielles Kendama (basiert auf Photo von Isaak*)

Was hat man nicht alles importiert in Japan: Komplette Schriftsysteme, Religionen, Philosophien, Militärapparate, Lady Gaga… und Spielzeuge. Im 16. Jahrhundert war ein Spiel names Bilboquet in Europa sehr beliebt, und so fand es vor hunderten von Jahren auch seinen Weg nach Japan. Und blieb.
In Deutschland kennt es so gut wie keiner, aber in Japan gehört es quasi in jeden Haushalt mit Kind. Kendama ist ein Holzspielzeug und kann wörtlich mit “Schwert-Kugel” übersetzt werden. Es erinnert entfernt an ein Schwert – mit einer Spitze und drei unterschiedlich grossen Schalen, zwei am Schaft, eine am Knauf. Eine Holzkugel mit Loch ist mit dem Schwert durch eine Schnur verbunden.
Mit etwas Geschick kann man damit allerhand anstellen – zum Beispiel, die Kugel auf das Schwert oder in eine der drei Schalen befördern.
Man kann natürlich noch viel mehr Schabernack damit anstellen, wie diese Beiden hier beweisen:

Die Beiden nennen sich “ZoomaDanke” – einer ist 31 Jahre alt, der andere 21. Beide sind “Spielzeugberater” – ja, so etwas gibt es wirklich! Interessant ist übrigens der Hauptberuf des Älteren der Beiden: Jener hat jüngst das ドイツゲームスペース@Shibuya (Treff für Deutsche Spiele in Shibuya) gegründet – eine Mischung aus Geschäft und Ort, an dem man sich an deutschen Brett- und anderen Spielen austoben kann. (Link gibt es hier – Japanisch). Denn: Deutschland hat einen sehr guten Ruf, was Spiele angeht. Der Laden hatte Anfang dieses Jahres sogar einmal Besuch von Nitele – einem der grossen Privatsender Japans. Hier ein kurzer Mitschnitt, bei dem man sieht, wie es dort aussieht:

Nein, ich bekomme kein Geld für die Werbung. Aber ich finde die Idee witzig. Und: Wie ich von einer guten Freundin erfahren habe, reisen die Beiden mit Ihren Kendamas Mitte/Ende Oktober nach Deutschland, wo sie in Essen, Berlin und Frankfurt/Main ihre Kunststückchen vorführen wollen – auf der Strasse, gern aber auch in Clubs, Bars oder wo auch immer so etwas reinpasst. Wer Interesse hat, die Beiden zu treffen und Ihnen vielleicht mit ein paar Tipps unter die Arme zu greifen, kann sich gern bei mir melden. Kleiner Haken an der Sache: Die Beiden sprechen kein Deutsch und fast kein Englisch.

* Quelle Ursprungsfoto: Siehe hier

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Energiewende: 43% erneuerbare Energie bis 2020?

September 14th, 2011 | Tagged , | 8 Kommentare | 802 mal gelesen

Greenpeace-Aktion: Kernenergie in Japan bis 2012 abschaffen

Greenpeace-Aktion: Kernenergie in Japan bis 2012 abschaffen

Greenpeace stellte gestern, am 12. Sep 2011, einen Bericht vor, in dem vorgerechnet wird, daß Japan es bis 2020 auf einen Anteil von 43% an erneuerbaren Energiequellen bringen könnte. Der Bericht wurde in Zusammenarbeit mit 環境エネルギー政策研究所 (ISEP – Institute for Sustainable Energy Policies) erstellt und trägt den Titel “自然エネルギー革命シナリオ” – “Szenario zur Revolution natürlicher Energiequellen”.
Japan hinkt in Sachen erneuerbarer Energiequellen leider stark hinterher, aber Organisationen wie Greenpeace sehen in der Erdbebenkatastrophe die Chance, einiges aufzuholen. Und die Argumentation ist schlüssig: Momentan sind nur 11 der insgesamt 54 Kernreaktoren in Japan in Betrieb – und trotzdem gab es im Sommer keine Stromausfälle. Warum? Weil viel Strom gespart wurde. Großverbrauchern wurde angeordnet, mindestens 15% weniger Energie zu verbrauchen. Das ist auf Dauer nicht gut für die Wirtschaft, aber das Potential zum Stromsparen ist ganz offensichtlich da.
Nun ist bei Greenpeace erfahrungsgemäß sehr viel Optimismus dabei. So auch beim erklärten Ziel, bis 2012 alle AKW’s in Japan auszuschalten. Zu begrüssen wäre es. Es wird sicherlich etwas länger dauern, aber vielleicht, mit ganz viel Glück, findet doch noch ein Umdenken statt.
Ein Land ganz ohne Rohstoffe sollte eigentlich ein hohes Interesse daran haben, energietechnisch möglichst autark zu sein.

Der ganze Bericht im Original (in diesem Fall auf Englisch) kann hier heruntergeladen werden.

Falls sich der oder andere Leser gerade fragt, was mich zu diesem Artikel bewegt hat: Ich hatte in meinem vorherigen Leben ziemlich viel mit Themen wie nachhaltiger Entwicklung zu tun – dazu zählte auch intensive Forschung in Japan.

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Anschauen, essen, fühlen! Katastrophentourismus 2011

September 2nd, 2011 | Tagged , , | 3 Kommentare | 572 mal gelesen

Seit einigen Tagen häufen sich die “Go! Tohoku”-Werbeposter in den U-Bahnen und anderswo. 東北 (Tōhoku) bedeutet Nordosten (bzw. streng übersetzt Ostnord) und ist der Name für die 6 Präfekturen im Norden der Insel Honshū. Die Küste entlang der Osthälfte der Region wurde bekanntlich bei dem schweren Erdbeben am 11. März 2011 verwüstet.

Go! Tohoku-Kampagne

Mittlerweilen gibt es immer weniger Privatpersonen und Gesellschaften im Nordosten, die Freiwillige für körperliche Arbeit benötigen. Das bedeutet, dass vieles aufgeräumt wurde. Das bedeutet aber nicht, dass alles wieder aufgebaut wurde. Die meisten Schulen zum Beispiel wurden noch nicht wiederaufgebaut – da in zahlreichen vom Tsunami betroffenen Gemeinden erst noch geklärt werden muss, ob man eine erneute Bebauung überhaupt zulassen kann. Möglicherweise werden weite Gebiete für die Bebauung gesperrt, da zahlreiche überflutete Bereiche durch das Beben schlagartig derart abgesenkt wurden, dass sie unter dem Meeresspiegel liegen – und damit besonders anfällig für neue Tsunamis und Sturmfluten sind.

Die “Unterstützt den Nordosten einfach dadurch, dass Ihr hinfahrt und konsumiert”-Idee kam bereits im April/Mai auf – quasi zu dem Zeitpunkt, als die wichtigsten Verkehrstrassen wiederhergestellt und auch die Versorgung wieder halbwegs funktionierte. Der Grundgedanke ist auch verständlich. Viele Gemeinden lebten vom Tourismus, und wenn schlagartig auch noch alle Touristen ausbleiben, wird die Lage sicherlich nicht besser. Andererseits ist die ganze Angelegenheit jedoch auch moralisch heikel. Einfach mal Katastrophe angucken fahren hinterlässt einen faden Nachgeschmack. Ich weiss nicht, ob ich das könnte – meine Frau könnte ich damit jedenfalls nicht überzeugen.

Etwas apart ist der Slogan dieser Kampagne:  観て、食べて、感じて (Mite, Tabete, Kanjite) – wörtlich: “Ansehen, essen, (mit)fühlen”. Oha.

Immerhin wurden gestern die letzten Massennotunterkünfte (Turnhallen, Kongresszentren, Schulen usw.) in der Präfektur Iwate geschlossen: Alle Bewohner konnten – nach fast einem halben Jahr – mittlerweilen anderweitig untergebracht werden.

Anbei noch der Link zur oben genannten Kampagne. Das Portal sammelt quasi Veranstalter solcher Touren und vermittelt Reisen – wer über das Portal bucht, bekommt Rabatt: Go! Tohoku 被災地応援ツアー

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Rettet Minami-Sōma

August 3rd, 2011 | Tagged , , | 13 Kommentare | 877 mal gelesen

Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich einmal erwähnt, einen Teil meines einwöchigen Sommerurlaubs damit verbringen zu wollen, irgendwas Gutes im Nordosten von Japan zu tun. Egal was. Nun, ich habe etwas gefunden, und da ich die Aktion für sehr sinnvoll halte, möchte ich sie an dieser Stelle etwas näher vorstellen.

Lage von Minami-Sōma

Lage von Minami-Sōma

Bei dem ausschliesslich von Freiwilligen (Ausländern und Japanern) geführten Projekt geht es darum, den Bewohnern der Stadt Minami-Sōma zu helfen. Über die prekäre Lage dort hatte ich hier schon einmal kurz berichtet.
Die Stadt liegt an der Nordostküste der Präfektur Fukushima und ist eigentlich mehr ein Zusammenschluss zahlreicher Dörfer. Die Ortschaften entlang der Küste wurden vom Tsunami stark zerstört – zur Erinnerung: Der Tsunami war am etwas weiter südlich gelegenen AKW rund 14 m hoch. Womit wir beim zweiten Problem der Stadt sind: Fukushima I liegt nur rund 30 km entfernt. Der Südteil der Stadt liegt mittlerweilen in der Sperrzone und darf nicht betreten werden. Zwar scheint laut bisher bekanntgewordenen Messwerten die Verstrahlung nicht so hoch zu sein wie in der Ortschaft Iitate westlich von Minami-Sōma, aber die Werte sind freilich deutlich über normalen Verhältnissen.
Damit befindet sich die Gemeinde leider in einer Grauzone. Viele Einwohner harren aus, da kein Evakuierungsbefehl vorliegt und sie nicht wissen, wo sie hinsollen. Jedoch können bzw. sollen sich die Bewohner nicht selbst versorgen, da Obst, Gemüse und Fleisch usw. zu stark kontaminiert sind. Auf dem Markt dürfen die Leute natürlich auch nicht mehr verkaufen, doch bis auf Landwirtschaft gibt es nicht viel in der Gegend.
Die Idee dieser Hilfsorganisation ist es nun also, mit Spendengeldern unbelastete Lebensmittel, vor allem frische Esswaren, günstig aufzutreiben und anschliessend mit gemieteten und/oder privaten Fahrzeugen nach Minami-Sōma zu bringen und dort an Anwohner und Flüchtlinge (aus der Sperrzone) zu verteilen. Japanische freiwillige Helfer aus der Stadt helfen bei der Verteilung.
Die Touren finden momentan alle zwei Wochen statt (so genug Spenden gesammelt werden konnten) und sehen so aus: Ein Tross aus mehreren Fahrzeugen und ca. 10 Freiwilligen versammelt sich Freitag abends in Tokyo, lädt die Sachen auf und fährt in der Nacht nach Minami-Sōma – man muss wegen des AKW’s und der Sperrzone einen grossen Bogen machen und von Norden hereinfahren. Nach der Ankunft werden tagsüber die Güter verteilt. Am Nachmittag geht es schliesslich wieder zurück nach Tokyo.

Diese Aktion ist auf lange Zeit ausgelegt – zumindest solange, wie Minami-Sōma nicht doch gänzlich zur Sperrzone erklärt wird.
Ich habe erstmal zugesagt, bei der Tour am 12/13. August mitzuhelfen – quasi gleich nach der Arbeit.

Wer dieses Projekt in irgendeiner Art und Weise unterstützen möchte, kann das wie folgt tun
- als Freiwilliger mitfahren (bitte bei mir melden)
- Kontakte zu Bauern oder Händlern herstellen, die bereit sind, frische Lebensmittel zu gemeinnützigen Preisen abzutreten (bitte bei mir melden)
- Spenden. Das Geld wird für den Erwerb der Lebensmittel, Diesel usw. gebraucht. Wer an dieser Art der Unterstützung Interesse hat, kann Spenden an mein PayPal-Konto überweisen (als Überweisungszweck bitte “Minami-Soma” angeben – die Spenden werden dann umgehend weitergeleitet):

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Schluss mit Analog / Blogveränderungen

Juli 26th, 2011 | Tagged , , , | 7 Kommentare | 788 mal gelesen

Maskottchen “Chidejika”

 

Wie bereits vor drei Jahren (!) in diesem Artikel angekündigt, wurde in Japan am vergangenen Sonntag der analoge Rundfunk (Fernsehen) eingestellt. Endlich! Mehrere Jahre lang wurde im Fernsehen mit mehr oder weniger blickigen Werbespots und Extrasendungen daraufhingewiesen, damit auch ja Ururoma Yamada in Yoshida hinter den 7 Bergen weiss, was los ist, wenn die Glotze plötzlich nicht mehr funktioniert. Experten hatten darob grosse Sorge: Was ist mit all den armen Menschen, die die Umstellung nicht rechtzeitig machen konnten? Aus lauter Sorge liess die Regierung deswegen sogar kostenlos Digitaltuner an einkommensschwache Haushalte verteilen, damit auch ja keiner dem Fernsehen entkommt. Es war wie in 1984.
Meine Schwiegereltern, von Haus aus keine grossen Fernsehgucker (laut Eigenaussage) freuten sich schon auf den Moment, an dem ihren alten Fernseher das Signal ausgestellt wird. Letztendlich machten sie aber auch vor ein paar Wochen schlapp und kauften sich ein neues Gerät.
In den drei vom Erdbeben am stärksten betroffenenen Präfekturen (Iwate, Miyagi und Fukushima) wurde die Umstellung übrigens auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, da die Bewohner dort verständlicherweise mit anderen Problemen zu kämpfen haben – und sie zudem mehr als alle Anderen auf Informationen angewiesen sind.

Noch ein Nachtrag in eigener Sache: In absehbarer Zeit, ich denke mal innerhalb der nächsten Tage, werde ich diesen Blog komplett umkrempeln. Die Inhalte bleiben natürlich, aber dies nur als Vorwarnung; nicht dass jemand aus den Pantoffeln kippt, wenn plötzlich alles anders aussieht.

Ach ja – das komische Tier im Bild rechts nennt sich 地デジカ Chidejika. “chideji” ist die Kurzform für “地上デジタルテレビ放送” (chijō dejitaru terebi hōsō) – Terrestrischer digitaler Fernsehfunk; -ka bezeichnet einen Prozess (etwa wie -ung). -jika wiederum heisst auch “Reh”. Ja, da hat man sich ordentlich was einfallen lassen…

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Glück für arme Schuldner?

Januar 5th, 2011 | Tagged , | 1 Kommentar | 526 mal gelesen

Takefuji En-shopDem ganzen Verbraucherkreditwesen geht es ja nun seit geraumer Zeit schon ziemlich schlecht in Japan, was oberflächlich betrachtet eigentlich absurd ist: Die Talfahrt der Wirtschaft sollte doch logischerweise den Kreditunternehmen mehr Kunden in die Arme treiben. Jedoch: Seit Jahren zieht die Regierung in Japan die Daumenschrauben an – zum Beispiel mit der Option für Privatpersonen, Bankrott anzumelden (mit weitreichenden Folgen: Zwar werden den Personen die Schulden erlassen, aber sie bekommen danach auch für lange Zeit keine Kreditkarten oder Kredite mehr, und ohne Kreditkarte lebt es sich in Japan nur halb so praktisch).

Die Talfahrt wurde zudem verstärkt durch den Bankrott zahlreicher kleiner Unternehmen oder Unternehmen, die dank der Kreditaufnahme der Firmenchefs als Privatperson gerade so liefen. Ein weiterer Schlag war zuvor die 2006 in Kraft getretene Gesetzesnovelle bezüglich der Kreditanstalten, wonach der maximale Zinssatz nur noch 20% p.a. (vorher 29,2%, und ein paar Jahre davor sogar noch höher) betragen darf.

In Japan – es sei hier angemerkt, dass es hier in der Regel keine Dispokredite gibt – ist die Inanspruchnahme solcher Kreditinstitute keine Seltenheit. Laut Finanzministerium hatten im März 2008 rund 1,1 Millionen Menschen, also ca. 1% der Bevölkerung, Geld bei 5 oder mehr Instituten gleichzeitig geliehen – und 3,78 Millionen bei 3 oder 4 Instituten. Die Firmen warben schon immer und auch noch heute auf Teufel komm raus um neue Kunden, darunter mit Angeboten wie 0% Zinsen falls man innerhalb einer Woche zurückzahlt, Kreditbewilligung innerhalb weniger Stunden und ohne am Schalter stehen zu müssen (unbemannte Automaten) usw. usf. Die Firmen ermöglichen den Menschen hier quasi, was die Banken in Deutschland zum Beispiel ihren Kunden mit den Dispokrediten ermöglichen.

In Japan sprach und spricht man von den 6 grossen Verbraucherkreditinstituten, die sich einst sogar mal zu einer Union mit der Abkürzung TAPALS zusammenschlossen – diese Abkürzung steht für die Initialien der Unternehmen: Takefuji, Acom, Promise, Aiful, Lake und Sanyo. Von Sanyo einmal abgesehen, sollten diese Namen jedem ein Begriff sein, der auch nur ein paar Monate in Japan verbracht hat, denn die Namen sind allgegenwärtig.

Die neue Gesetzeslage und permanent rote Zahlen zwangen jedoch Ende September 2010 das T in TAPALS, also Takefuji (deren Automaten/Läden sind als ¥ SHOP bekannt) in die Knie: Das einst gewaltige Kreditinstitut meldete Bankrott an – zum Leidwesen der Kunden freilich keinen kompletten Bankrott, sondern vorerst nur Bankrott im Sinne von Gläubigerschutz – das Unternehmen wird restrukturiert. Scheinbar gab es jedoch massive Probleme vorher: Man fand heraus, dass zahlreiche Kunden wohl zu viele Zinsen bezahlt haben. Die Kunden haben nun bis Ende Februar Zeit, etwaige Ansprüche geltend zu machen. Und so wird versucht, die Kunden zu finden: Über TV-Spots, Werbung in Bahnen usw. Die Hälfte der Anzeigen führt jedoch letztendlich zu Anwaltskanzleien, die hier ihr Geschäft wittern.

Man darf gespannt sein, wie sich das Geschäft weiterentwickeln wird, denn diese Art des Privatpersonenkreditwesens ist eine typisch japanische Eigenart und durchaus in der Lage, die wirtschaftliche Situation in Japan zu ändern. Wahrscheinlich aber nicht unbedingt zum Guten – einige der Big Player sind sogar an der Börse dotiert und können somit durchaus bei weiteren Bankrotts einen grossen Einfluss auf den Aktienmarkt haben.

Das Wort des Tages: サラ金 sarakin. Umgangssprachlich für Privatpersonenkreditgeber. Setzt sich aus “sarariiman” (Angestellter) und kin’yū (Finanzen, Kredit) zusammen. Der offizielle Begriff lautet jedoch 消費者金融 (shōhisha kin’yū – Verbraucherkredit(anstalt)). Die englische Version der Wikipedia hat dazu einen gut zusammengefassten, kurzen Artikel – siehe Wikipedia (en): Sarakin.

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Kulturkommunismus auf dem Vormarsch?

Dezember 22nd, 2010 | Tagged , , | 15 Kommentare | 679 mal gelesen

Man sagt ja gern Japan bzw. Japanern nach, dass alles irgendwie konform ist – nicht das Individuum zählt, sondern die Gesellschaft, und wer querschlägt wird umgehend sanktioniert. Das sei mal so dahingestellt. Aber wenn ich mir da die Single-Charts dieses Jahres, veröffentlicht wie immer von Oricon Ranking – eine Art kommerzielle Stiftung Warentest und sehr populär – ansehe, bin ich geneigt, oben gesagtem zuzustimmen. Hier also die packenden, nervenaufreibenden Top 10:

1.	Beginner		AKB48
2.	ヘビーローテーション	AKB48
3.	Troublemaker		嵐 (Arashi)
4.	Monster			嵐
5.	ポニーテールとシュシュ	AKB48
6.	果てない空		嵐
7.	Lφve Rainbow		嵐
8.	チャンスの順番		AKB48
9.	Dear Snow		嵐
10.	To be free		嵐

(Quelle: Oricon Ranking)

Ganz recht: In den Top 10 gibt es ganze zwei Bands: AKB48 ist eine Girlie-Band mit beliebig austauschbaren, blutjungen…Sängerinnen? Weiss nicht, ob sie wirklich singen. 嵐 (Arashi) ist hingegen eine Boy-Band mit beliebig austauschbaren, blutjugen …Sängern? Weiss nicht, ob sie wirklich singen.
So stelle ich mir auch die Charts in Nordkorea vor! George Orwell hätte daran seine reine Freude – in seinem 1984 schrieben schliesslich Maschinen beliebig variierbare, seichte Lieder, die vom Proletariat fröhlich trällernd aufgenommen wurden.

Teilweise erklärt man sich die Dominanz der obigen Bands durch perfide Marketingstrategien: So werden Singles manchmal in zufälliger Reihenfolge Konzertkarten beigelegt, so dass nicht selten Fans eine Single gleich mehrfach kaufen: Musiklotterie sozusagen.

So, und wer jetzt brav bis hierher gelesen hat, soll auch belohnt werden: Mit einem tollen Video von AKB48:

Und ich muss mir jetzt erstmal die Ohren ausputzen. Vielleicht mit Thee Michelle Gun Elephant, um mal im Land zu bleiben:

Das Wort des Tages: 同化 dōka. Gleich/konform + Endung -ung. Assimilierung, Gleichschaltung. In Sachen Kultur schon immer etwas, was mir Unbehagen bereitet.

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Steuern rauf oder runter oder wie jetzt?

Dezember 14th, 2010 | Tagged , | Kein Kommentar bisher | 468 mal gelesen

Dass ich in jüngster Zeit nichts über politische Neuigkeiten aus Japan berichtet habe, liegt weniger daran, dass ich momentan sehr viel zu tun habe (eigentlich ein Dauerzustand), sondern mehr daran das es im Osten einfach nichts Neues gab: Das Gros der Parteien und Politiker ist nachwievor viel zu viel mit sich selbst beschäftigt, um irgendwelche wirklich brenzligen Themen anzupacken. Aber jetzt soll alles anders werden – jaha! Ministerpräsident Kan möchte jetzt endlich mitreden und ein paar Machtworte sprechen. So entschied er in dieser Woche, dass das Kindergeld wirklich erhöht werden soll – ohne vorerst angekündigte Parallelmassnahmen wie z.B. der Abschaffung des Ehegattenfreibetrages. Dies war nämlich ein ernstzunehmender Vorschlag zur Finanzierung des höheren Kindergeldes. Allerdings wäre diese Lösung für fast alle Familien mit Kindern eher eine Farce gewesen: Unterm Strich wäre für die meisten eher weniger als mehr Geld herausgekommen – und das hätte bestimmt nicht die mickrige Geburtenrate angehoben. Der Ehegattenfreibetrag soll zwar nun doch gestrichen bzw. Reduziert werden – aber nur für Haushalte mit einem Jahreseinkommen von über 15 Millionen Yen – das sind gute 100’000 € und damit ein Betrag, bei dem es wohl nur die Wenigsten stört. Ach ja, und die Erbschaftssteuer soll angehoben werden auf ca. 50%.

Wichtiger und allgemein gesehen als lobenswert zu betrachtender ist die zweite wichtige Anordnung in dieser Woche: Die Körperschaftssteuer soll um 5 Prozentpunkte gesenkt werden. Jene liegt nämlich in Japan mit ca. 40% relativ hoch im Vergleich mit anderen Staaten – mit der logischen Konsequenz, dass viele Firmen ihre Produktion und sogar Teile des tertiären Sektors (z.B. Kundenbetreuung) ins Ausland verlagern. Kan verband den Vorschlag mit der Hoffnung, der Industrie vielleicht ein paar Zugeständnisse abgewinnen zu können, vor allem in punkto Arbeitsplatzerhaltung. Der Präsident des japanischen Wirtschaftsverbandes 経団連 keidanren, Yonakura, hält allerdings nicht viel davon: Solche Zugeständnisse würden gegen die Prinzipien des Kapitalismus verstossen. Ja, irgendwo muss Patriotismus auch aufhören.

Eine Senkung der Körperschaftssteuer wäre jedoch wirklich mal ein ernstzunehmender Vorschlag – denn bisher mangelt es an konkreten Ideen, die Wirtschaft wieder auf Trab zu bringen – und die Arbeitsmarktlage für Hochschulabsolventen sieht so schlecht aus wie noch nie. Jetzt muss die Regierung nur noch das Vorhaben durch die beiden Kammern bringen – und wenn möglich auch noch erklären, wie man das zu finanzieren gedenkt.

Das Wort des Tages: 法人税 hōjinzei. “Gesetz-Mensch/Körper-Steuer”. Die Körperschaftssteuer. hōjin steht für eine rechtliche Körperschaft.

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Kolumne: Wahnsinn Arbeitswelt

Dezember 13th, 2010 | Tagged , | 9 Kommentare | 767 mal gelesen

Den folgenden Artikel habe ich für die Herbst (2010)-Ausgabe der Zeitschrift Midori geschrieben – und wie immer erscheint hier – mit Verspätung – die Online-Ausgabe. Viel Spass beim Lesen!

Neulich in einem Geschäftshotel in Japan: Ich bin zu früh dran, um einzuchecken, würde aber trotzdem ob der Hitze gern mein Gepäck abstellen. Im selbigen befindet sich ein iPad, das ich für das spätere Meeting brauchen werde. Der Batterieanzeiger deutet allerdings sachte an, dass ich das Gerät womöglich umsonst mitgebracht habe. Kein Problem, denke ich mir, denn an der Rezeption steht ein Schild mit dem Verweis, dass man auf Anfrage sein Handy oder auch Computer am Empfang aufladen lassen kann. Ich reiche also iPad und Aufladegerät herüber und bitte, es aufzuladen. Umgehend verschwindet das Berufslächeln vom Gesicht meines Gegenübers. Sein Kollege merkt das und gesellt sich dazu. Kurz darauf taucht eine weitere Angestellte auf. Getuschel. Da müsse man erstmal den Manager fragen, ob das geht, lautet das Ergebnis. “Aber wieso – dort steht doch, dass Handys und Computer aufgeladen werden können”, versuche ich zu argumentieren. “Das schon”, entgegnet man mir, “aber das hier ist ja was Anderes”.
Flink entschwand der erste Angestellte und kam umgehend mit dem Manager zurück. Der schaut sich kurz das Gerät an – und entscheidet, dass man es wohl doch irgendwo in die Kategorie Computer einordnen und entsprechend aufladen könne.

Wie oft wurde und wird mir doch von Japanern bei Offenbarung meiner Nationalität gesagt, dass sich Deutsche und Japaner ja so sehr ähneln und bestimmt deshalb schon immer gut auskamen (gelegentlich, bei älteren Semestern, garniert mit dem Dauerbrenner “Nächstes Mal aber ohne Italien, oder!?”). Laut Ansicht nicht weniger Japaner ähnelt sich dabei wohl vor allem die Einstellung zur Arbeit. Wirklich? Warum jammern dann die meisten Deutschen, die ich in Japan treffe, über ihre Arbeit und was das doch für Nerven koste, in einer japanischen Firma zu arbeiten?

Eines der ersten Dinge, die mir in Japan auffielen, war die schiere Masse von Angestellten, egal, wo man hinkommt. An Baustellen zum Beispiel sieht man sehr oft eine Person arbeiten und vier Leute drumherumstehen, die über jeden Handgriff diskutieren. Nein, da wird keiner angelernt – das sind alles gestandene Bauarbeiter. Vor und hinter der Baustelle stehen dazu oft noch angeheuerte Jedi-Ritter, die mit ihren Leutchstäben dem Verkehr oftmals mehr Schaden als Nutzen bringen.
In manche Läden und Restaurants traut man sich kaum alleine rein, weil man sich dort plötzlich mutterseelenallein einem Heer von Angestellten gegenüber sieht – alle sehen dabei irgendwie beschäftigt aus, obwohl niemand da ist. Man fragt sich beim Anblick solcher Massen oft, wie um alles in der Welt das Geschäft Gewinn einbringt. Andererseits erklärt sich so auch die in Japan permanent niedrige Arbeitslosenrate, die nur sehr selten über 5% klettert.

Wenn es also so viele Arbeiter und Angestellte gibt, müsste doch eigentlich alles innerhalb eines normalen Arbeitstages zu schaffen sein, könnte man versucht sein zu denken. Pustekuchen! Es ist schlichtweg unglaublich, wie man es in Japan schafft, Angestellte mit sich selbst zu beschäftigen. Da wird jeder kleine Schritt in unglaublich wichtigen Meetings besprochen, da wird bestätigt, verschoben, komplett umgekrempelt, verworfen was das Zeug hält. Ist kein Entscheidungsträger vor Ort, wird die Misere besonders ersichtlich – trotz mehrstündiger Besprechungen kommt es zu keinem einzigen Ergebnis, da erstmal später nach oben berichtet werden muss. Vorpreschen und spontan Verantwortung übernehmen sind dabei verpönt – es geht um den gesamtheitlichen Konsens, und der muss vom Oberen letztendlich noch abgesegnet bzw. bestätigt werden. Wehe dem, der es wagt, diese Kette zu unterbrechen! Einzelgängerische Entscheidungen und Handlungen stören den Betriebsfrieden empfindlich, und die Strafen dafür können drakonisch sein. Grosse Unternehmen wie JR West oder Toyota wurden deshalb in jüngerer Zeit schon oft an den Pranger gestellt. Wer mehr über die Art und Weise des Umgangs in japanischen Firmen lesen möchte, dem sei an dieser Stelle der autobiographische Roman “Mit Staunen und Zittern” der Belgierin Amélie Nothomb empfohlen.

Die Art und Weise, Unternehmen zu führen, kann es jedenfalls nicht sein, was Deutsche und Japaner verbindet. Es gibt sicherlich viele Ausnahmen und zwischenmenschliche Scharmützel mit diversen Kollateralschäden in deutschen Firmen, doch unsinnig erscheinende Sachen wie das zig-malige Verfassen ein- und desselben Briefes aus Übungs- oder Bestrafungsgründen oder das ungeschriebene Gesetz, dass man zum Beispiel nie zeigen sollte, dass man eine Fremdsprache besser beherrscht als sein Vorgesetzter, auch wenn es der Firma nützen würde, sollte in europäischen Gefilden doch eher die Ausnahme sein. Hoffe ich zumindest.

Man ist also sehr nach Harmonie aus, nach Konsens, und nach Perfektion. “Herausstehende Nägel müssen eingeschlagen werden”, besagt ein altes japanisches Sprichwort. Schaut man allerdings genau hin, packt einen mitunter das kalte Grausen: Zwar sehen ausnahmslos alle ab Montag morgen im Büro ganz furchtbar beschäftigt und gestresst aus, doch sobald man zum Rapport antreten lässt und fragt, was heute ansteht, kommt oft nur Gestammel und sehr schwammige Angaben wie “ich muss noch ein paar Emails verfassen” usw. Man fühlt sich regelrecht schlecht dabei, Aufgaben zu verteilen. Allerdings: So richtig viel passiert während der nächsten Tage nicht, der Alltag plätschert dahin und alle sind irgendwie so beschäftigt, dass unbedingt Überstunden geschoben werden müssen. Doch dann: Es ist Freitag (oder je nach Unternehmen Sonnabend). Plötzlich herrscht Panik, es wird telefoniert wie verrückt, und es werden Unmengen an Emails herausgeschickt. Gleichzeitig mehren sich auf wundersame Art und Weise die Anrufe von irgendwelchen mehr oder weniger dubiosen Firmen sowie die ungebetenen Besuche nicht minder dubioser Vertreter.

Das irritierte mich anfangs, und auch nach vielen Jahren kann ich mich nicht so recht daran gewöhnen. Mir fiel da die aussergewöhnliche Telefonierwut unseres Vertriebes an Freitagen auf. Welchen Sinn macht eine Kaltaquise am Freitag um 7 Uhr abends? Würde jemand am Freitag nachmittag, geschweige denn Abend, eine Firma in Deutschland anrufen und sagen “Darf ich mir vorstellen, wir sind die und der, wären Sie eventuell an unserem Service interessiert?” so kann ich mir das Ergebnis lebhaft vorstellen: Mildes bis deutliches Desinteresse (vielleicht war ich aber auch zu lange nicht mehr in Deutschland). Ich war neugierig: Steckte dahinter eine schlaue Taktik? Gab es eine Strategie? Die Antwort war desillusionierend: “Ist uns gar nicht aufgefallen. Rufen wir wirklich mehr an am Freitag?”. Und das Schlimme: Die Leute gehen am Freitag abend nach 7 Uhr ans Telefon und zeigen sich interessiert!

Fragt mich jemand nach der Arbeitsmoral in Deutschland, entgegne ich gerne, dass das Prinzip “Dienst ist Dienst, Schnaps ist Schnaps” ein wichtiger Grundgedanke ist. In Japan hingegen wird gern vermischt. Wo hört der Dienst auf, wo beginnt das Private? Die Grenzen verwischen. Im Handy stehen dutzende bis hunderte Telefonnummern. Kunde? Freund? Manchmal erhält man keine klare Antwort. Wie viele Verträge werden wohl in Japan nicht im Büro, sondern ausserhalb, in Trinkhallen oder Restaurants abgeschlossen? Möchte jemand in Japan Industriespionage betreiben, muss er einfach nur Angestellter oder Stammgast in diversen beliebten Treffs werden.

Komischerweise finden sich dann aber doch Parallelen in Deutschland und in Japan – so zum Beispiel die Reglementierwut in Firmen und Ämtern. Die aber wie am oben genannten Beispiel im Hotel mitunter recht seltsame Blüten treibt: Steht etwas nicht in den Anweisungen, kann es nicht gemacht werden oder setzt erstmal die ganze Apparatur in Gang. Hinzu kommen Anweisungen von diversen Verbänden. So fällt es zum Beispiel auf, das beinahe alle Geschäfte ein englisches Schild an der Kasse stehen haben: “Bitte verstehen Sie, dass wir kein Geld wechseln können”. Zum Teil versehen mit dem Zusatz “Aufgrund zahlreichr Probleme damit in der Vergangenheit”. Als ob die 2% Ausländer in Japan (von denen über 80% kein Englisch sprechen) nichts anderes zu tun hätten als pausenlos von Laden zu Laden zu ziehen um Geld zu wechseln.

Und doch sind sowohl Japan als auch Deutschland wirtschaftlich sehr erfolgreich – japanische und deutsche Marken sind im Ausland beliebt und machen beide Nationen zu Exportnationen. Japaner begründen das am liebsten mit Fleiss und dem Hang zum Perfektionismus. Trotz allem ist es unglaublich schwer für Deutsche (und andere Ausländer), sich problemlos in japanischen Unternehmen zu integrieren. Und für Japaner, in fast ausschliesslich von Ausländern geführten Unternehmen zu arbeiten – Japan ist eben Japan.

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Wikileaks – was kommt auf Japan zu?

Dezember 3rd, 2010 | Tagged , , | 5 Kommentare | 504 mal gelesen

Wikileaks ist mal wieder in aller Munde – zwar sind bis zum heutigen Tag nur 598 von insgesamt 251’287 Dokumenten aus dem Fundus der amerikanischen Aussenpolitik veröffentlicht wurden, aber wie schon bei den Dokumenten zum Krieg in Irak und Afghanistan wurden die Dokumente bereits vorher diversen Nachrichtenmagazinen, namentlich DER SPIEGEL, der New York Times, dem Londoner Guardian, der Pariser Le Monde und Madrids El Pais zugänglich gemacht.
Nun haben sich ganz offensichtlich nur westliche Publikationen für eine Vorabveröffentlichung interessiert bzw. qualifiziert. Verständlicherweise stehen da Analysen zu Vorgängen im Fernen Osten, von Nordkorea einmal abgesehen, eher weiter unten auf der Dringlichkeitsstufe.
Dementsprechend ist Wikileaks momentan auch nur eine Randnotiz in den japanischen Medien wert – vor allem in Hinsicht auf Nordkorea-China-bezogene Dokumente und der Tatsache, was ein solcher Diplomatiegau in Zukunft für Auswirkungen haben werde. Aber man darf gespannt sein: Welche japanbezogenen Dokumente werden da wohl ans Licht kommen? Dass man japanische Politiker für austauschbar, schwer durchschaubar und teilweise hoffnungslos hält dürfte eine Selbstverständlichkeit sein. Obwohl ich mir nur schwer vorstellen kann, dass japanische Politiker gegenüber amerikanischen Botschaftsangestellten ähnlich geschwätzig sind wie diverse deutsche Politiker und Funktionäre. Aussenpolitisch gesehen darf man jedoch davon ausgehen, dass es einigen Zündstoff geben wird: Böse Kommentare oder Absichten dürften sich dabei jedoch im Hinblick auf japanisch-koreanische sowie chinesisch-japanische Beziehungen jeweils beiderseits die Waage halten.
Eine Frage interessiert freilich jedoch bereits jetzt schon die Medien hier: Ist an den Anschuldigungen gegenüber dem WikiLeaks-Gründer Julian Assange was dran – oder ist das ganze eine infame Kampagne irgendeines Geheimdienstes? Die Wahrheit wird wohl momentan nur Herr Assange wirklich kennen…

Das Wort des Tages: 漏洩 rōei. Beide Zeichen bedeuten “durchsickern”. Das Leck – auch im Zusammenhang mit 情報 jōhō – Information – benutzt.

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