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Zwei Stunden Anstehen für ’ne Wurst / The Meat Guy

Oktober 25th, 2011 | Tagged , , | 17 Kommentare | 1885 mal gelesen

Würstchenbude in Tokyo: 2 von 4 Sorten ausverkauft, zwei Stunden Wartezeit

Nein, die Rede ist nicht von einer Suppenküche oder einem Flüchtlingslager, sondern vom Deutschlandfest, welches gestern in und um die deutsche Botschaft herum stattfand. 150 Jahre Deutsch-Japanische Freundschaft sollten da gefeiert werden – Höhepunkt des Jahres der Deutsch-Japanischen Freundschaft. Hoch die Tassen.

An der Außenmauer genau jener Botschaft, die sich kurz nach dem Erdbeben erstmal selbst in Sicherheit gebracht hatte, ohne die bei Ihr registrierten Bundesbürger irgendwie zu informieren, klebten riesengrosse Plakate, auf denen die Heldentaten gefeiert wurden, die Deutschland für das leidgeprüfte Japan nach der Katastrophe volbrachte – mit Photos von Cargomaschinen, Hochdruckreinigern, Räumgerät und dergleichen. Ich glaube, ein Photo vom THW, das zwar schnell vor Ort, aber noch schneller wieder verschwunden war, war glaube ich nicht dabei.

Das soll aber unser aller Freude nicht trüben. Ich war dann doch zu neugierig, und bin also mit meiner Tochter nach Hiroo gefahren. Schliesslich sollte ja sogar der Bundespräsident auftreten. Das tat er wohl auch, aber dafür waren wir zu spät, und meine Tochter wäre sicherlich auch nicht so sehr an einer Rede interessiert gewesen. Schon am Bahnhof von Hiroo ging es los: Menschenmassen, soweit das Auge reichte. Irgendwie Kind an den Cafes vorbei bis zum Park gezerrt – Menschenmassen überall. Hin zum Teich im Park, dann ein paar wenige Stufen hoch – dort begann eine Schlange, die bis zum oberen Teil des Parks reichte. Die Wurstschlange! Ein Zurechtweiser mit Schild „Hier Ende der Schlange“ beantwortet gutmütig die Frage nach der Wartezeit: 2 Stunden. Um Gottes Willen.

Es war viel Trubel. Unzählige Menschen, unzählige Kinder. Schnell was zum essen kaufen? Ausgeschlossen. Nun ja, hier etwas gespielt, da etwas gespielt, kurzer Heulkrampf, weil der gerade erkämpfte Heliumluftballon gen Himmel flog… nach anderthalb Stunden wurde es eh schon langsam dunkel, und so traten wir wieder den Rückweg an. So gesehen muss das Fest ein voller Erfolg gewesen sein.

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The Meat Guy

A propos Wurst: Heute bin ich über eine Webseite gestolpert, die ich vorher noch nie bemerkt habe: „The Meat Guy“. Der Name an sich ist schon herrlich. Und Programm. Der Laden wird von einem in Nagoya lebenden Ausländer betrieben – und das Angebot sieht fantastisch aus. Es gibt sogar (Fanfarenton!) ganze Enten – mit 6,600 yen, also guten 60 Euro, pro Tier (wenn auch klein) sogar relativ preiswert. Sogar Speck hat er. Naja, im Moment ausverkauft… Ich war so begeistert, dass ich hier doch prompt umsonst Werbung für den Laden mache.
Die Seite ist übrigens zweisprachig (Englisch & Japanisch) – und gut gemacht. Sprich, die Artikelbeschreibungen sind regelrecht amüsant. Hier geht’s zum Meat Guy.

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Kulturschock Bahn

Mai 11th, 2011 | Tagged , , | 18 Kommentare | 2499 mal gelesen

So, da bin ich wieder in Japan, nach einer guten Woche in der Heimat. Nun war ich „nur“ 2½ Jahre nicht in Europa, was sicherlich im Vergleich zu vielen anderen nicht sehr lang ist – aber es reichte dann doch mal wieder für ein paar kleine Kulturschocks (das beginnt gleich am Flughafen, wenn man sieht, wie alle Leute gleichzeitig aus verschiedenen Richtungen in den Bus drängen, anstatt sich anzustellen).
Für einen Kulturschock erster Güte qualifiziert sich jedoch die Deutsche Bahn jedes Mal, denn scheinbar ist man dort stetig bemüht, den Service und das ganze System permanent zu verschlechtern. Meinen ganz besonderen Spass hatte ich da an den Fahrscheinautomaten im Bahnhof von Halle/Saale: Dort wollte ich eine einfache Fahrkarte nach Leipzig erwerben. Also Reiseziel ausgewählt, und fröhlich ging es weiter: Da bittet mich der Kasten doch, den Regionalverbund bzw. die Strecke auszuwählen – vier Möglichkeiten hatte ich zur Auswahl: Über Schkeuditz, über Delitzsch (glaube ich) und noch zwei andere Nester, von denen ich noch nie was im Leben gehört hatte. Ich hatte Glück: Mir fiel ein, dass die kürzeste Route über den Flughafen und über Schkeuditz führt, und deshalb wählte ich die Route. Puh, das war knapp. Schnell noch ein paar weitere Fragen beantwortet, und dann ging es zum Bezahlbildschirm: 6 Euro. Die hatte ich nicht in Münzen, also schob ich meinen kleinsten Geldschein ein: Ein 10-Euro-Schein. Darauf erklärte mir der Automat hämisch, dass er momentan nur maximal 5-Euro-Geldscheine annehmen kann. Klasse. Machte nichts, ich hatte noch knapp 10 Minuten. Also am nächsten Automaten anstehen. Als ich dran bin, kannte ich ja schon die Antworten. Das schien den Automaten so sehr verblüfft zu haben, dass er gleich mal vor dem Bezahlbildschirm abstürzte: Gute zwei Minuten bestaunte ich das drehende Symbol und gab auf. An Automat 3 klappte es schliesslich. Und gottseidank fiel mir grade noch rechtzeitig ein, dass ich den Fahrschein eventuell vor Fahrtantritt entwerten muss.

Kaum ein Japan-Reiseführer kommt drumherum, zu erwähnen, wie vertrackt das Verkehrssystem in Japan ist und wie schwer es ist, als Ausländer die richtigen Fahrkarten zu kaufen (alle zeigen jedoch einen Ausweg auf: Einfach den billigsten Fahrschein kaufen und wenn man am Ziel ist am Automaten nachlösen – dies ist in Deutschland jedoch nicht möglich, da das System gänzlich anders ist). Aber die Deutsche Bahn holt mittlerweilen nicht nur preislich mit Japan auf, sondern auch in Sachen Kompliziertheit der Automaten. Mich wundert es immer wieder, dass man bei der Deutschen Bahn schlichtweg davon ausgeht, dass der Fahrgast umfassende Kenntnisse über den Start- und Zielbahnhof und die komplette Strecke dazwischen besitzt. Anders kann ich mir den Aufbau des Systems nicht erklären. Das ist freilich nicht neu. Als ich einmal in einer mir eigentlich unbekannten Stadt umsteigen musste und der an der Anzeigentafel und im Fahrplan ausgewiesene Zug einfach nicht kam, ging ich zur Information, um mich zu erkundigen was los sei. Dort wurde mir gesagt: „Na der fährt wegen Bauarbeiten jetzt immer 10 Minuten eher und von einem anderen Bahnsteig ab“ – und schob auch umgehend ein „Das ist aber schon seit drei Wochen so!“ hinterher.

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Nordkorea versenkt Korvette / Haribo

Mai 20th, 2010 | Tagged , , | 10 Kommentare | 982 mal gelesen

Na, wenn das mal nicht zwei weit auseinanderliegende Themen sind.

Zum ersten – schon aufgrund der geographischen Nähe interessiert man sich natürlich sehr in Japan dafür, was auf der koreanischen Halbinsel so passiert. Da schlugen natürlich auch hier vor rund zwei Monaten die Wellen hoch, als eine Korvette der südkoreanischen Marine an der Seegrenze zu Nordkorea ganz plötzlich explodierte, in zwei Teile zerbrach und sank. Viele Matrosen konnten gerettet werden, doch für 46 Mann kam jede Hilfe zu spät. Südkoreanische Korvette? Grenze zu Nordkorea? Ganz plötzliche Explosion? Man muss kein Da Vinci-Code-Fan zu sein, um da einen Zusammenhang zu mutmassen. Also setzte man eine „unabhängige“ Expertenkommission (bestehend aus Südkoreanern und Amerikanern) ein. Explosionsursache? Eindeutig von aussen ausgehend. Sprengstoff? RDX, mit Markern, die auf Nordkorea weisen. Hinzu kommt noch ein Torpedopropeller, mit einer Seriennummer, deren Font hauptsächlich im Norden genutzt wird.
Heute gab die südkoreanische Regierung schlussendlich den Bericht heraus: Die Korvette wurde von einem nordkoreanischen Torpedo versenkt. Nordkorea dementiert. Südkorea kündigt an, harte Massnahmen einzuleiten.
Harte Massnahmen? Da bin ich ja neugierig. Militärische Vergeltung? Das bedeutet, in ein Hornissennest zu greifen. UN-Sicherheitsrat anrufen? Sanktionen? Schon mal einem nackten Mann in die Taschen gefasst? Ehrlich – in der Haut des südkoreanischen Präsidenten möchte ich jetzt nicht stecken: Er ist schlichtweg machtlos, und was immer er jetzt auch machen wird oder besser gesagt nicht machen wird – es wird das Falsche sein.

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Mittags: Geschäftsessen beim Brasilianer mit zwei Engländern in Harajuku. Abends: Meeting mit anschliessendem kurzen Umtrunk mit einem Amerikaner, einem Südafrikaner und einem Engländer in einer japanisch-britischen Bar. Was sehen kurze Zeit darauf meine glasigen, entzündeten Augen direkt über der Tür im Zug? Für einen kurzen Augenblick wurde ich da fast schon sentimental: Eine grosse Werbung für Haribo! Nanu! „グミの国から、やってきました。“ verkündet der bekannte Bär dort – „Aus dem Land des Gummis komme ich her!“. Aha. Fairerweise sollte ich dabei gleich dazu sagen, dass das hier verwendete japanische Wort für Gummi (gumi) keinerlei Konnotationen hat. „Gumi“ steht für Fruchtgummi, basta. Haribo kann man schon seit Jahren in sehr gut sortierten Supermärkten finden, aber eine Werbekampagne habe ich zum ersten Mal gesehen.
Mal sehen, ob sie auch versuchen, Lakritzschnecken zu vermarkten. Das wäre ein Spass.

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Ganz grosse Klasse, liebe Reisepassdesigner!

April 18th, 2010 | Tagged , , | 15 Kommentare | 1523 mal gelesen

Mein alter Pass war gleichzeitig voll und abgelaufen, und so war es Zeit, einen neuen Pass zu beantragen – einen biometrischen Pass also. Das war soweit alles auch kein Problem. Nach der Ausstellung des neuen Passes durch die Botschaft in Tokyo mussten als nächstes die gültigen Visa und Befugnisse usw. übertragen werden – das muss man bei der Ausländerbehörde machen lassen und soll angeblich „ganz schnell“ gehen, aber dieses „ganz schnell“ bei der Zentralen Ausländerbehörde dauert, kann ich mir jedenfalls vorstellen, auch mal eben einen halben Tag. Zum Glück erledigt so etwas aber die Firma für mich.
Was noch bleibt ist das Umschreiben der Ausländerregistrierungskarte, und das kann man, noch zumindest, im örtlichen Rathaus machen lassen – und das sogar am Sonntag. Also ging es heute dorthin. Der nette Angestellte nimmt also meinen neuen Pass und meine Karte und läuft zu seinem Computer (Grossraumbüro – man kann alles sehen). Kurze Zeit später starren nicht nur er, sondern mit ihm zwei weitere Angestellte auf meinen Pass und den Bildschirm. Oh weh, was ist denn jetzt los? Fliegt jetzt auf, dass ich die pro Quartal zu entrichtende Gemeindesteuer neulich drei Wochen zu spät bezahlt habe? Oder dass ich neulich mit dem Fahrrad eine Ampel bei Rot überfahren hatte? Sollte ich den Müll lieber doch nicht am Vorabend des Einsammeltages, sondern wirklich erst am Müllsammeltag morgens bis 7 Uhr rausstellen? Hat jemand vom Amt etwa gesehen, wie ich neulich vor dem Bahnhof nachts eine Zigarette rauchte, obwohl momentan die „Nachtrauchverbotskampagne vor dem Bahnhof“ (bis Ende April) läuft?

Der Angestellte kam zurück. Ich sollte an dieser Stelle erwähnen, dass ich das örtliche Rathaus nebst Angestellten liebe: Sehr freundlich, sehr schnell, und sehr kompetent. Kein Scherz! Er war etwas verlegen: „Könnten Sie mir vielleicht helfen – wir sind nicht sicher, wie man ihre Reisepassnummer lesen soll“. Ich wundere mich kurz – war die Reisepassnummer nicht immer eine … Nummer? Dann sehe ich zum ersten Mal das Dilemma: Nein, heuer ist es ein alphanumerischer Wert, und mein Pass endet auf 00. Seine Verwirrung wird auch schnell deutlich, wenn man den Rest auf der Hauptdatenseite des Passes sieht: Es gibt rein gar keinen Unterschied zwischen „0“ (null) und „O“ (oh) – beides ist schlichtweg identisch.

Wir einigen uns nach ein paar Minuten gegenseitigem Schulterzucken schliesslich darauf, dass ich später noch ein Mal wiederkomme.

Nach eins, zwei Minuten Internetrecherche erfahre ich, dass gewisse Buchstaben wegen der Verwechslungsgefahr nicht im Code verwendet werden, darunter auch das „o“. Alles klar – zwei Nullen also. Das ist ja noch verständlich. Und bei der Ein- oder Ausreise in Ländern mit Geräten, die den Maschinencode und/oder den Chip des Passes einlesen können, dürfte auch kein grosses Problem entstehen. Aber ich ahne schon, was folgt: 10 Jahre voll mit Problemen an Grenzen und beim Flugticketkauf, da niemand weiss, ob das Nullen oder Oh’s sind. Ich frage mich da ganz ernsthaft, ob es zu viel verlangt ist, eine Schriftart zu benutzen, bei der man erkennen kann, ob es eine Null oder ein O ist. Viele hunderttausend deutsche Staatsangehörige könnten somit vielen Millionen Fragen aus dem Weg gehen.

Davon mal abgesehen: Über dem Code (siehe Photo) steht immer noch „Nr.“. Habe ich da nicht richtig aufgepasst? Mich dünkt, eine Nummer besteht eigentlich immer nur aus Zahlen!? Vielleicht maximal noch mit einem Bindestrich!? Aber da liege ich vielleicht auch falsch. Und wir wollen ja nicht päpstlicher als der Papst sein. Es geht ja schliesslich nur um des Deutschen wichtigstes Dokument, den Reisepass.

Das Wort des Tages: パスポート pasupooto. Der Passport. Auf japanischen Pässen steht zudem „旅行券“ ryokōken – Reiseausweis – aber im Gesprochenen Japanisch wird das kaum benutzt.

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