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Tag der Einheit – aber bitte ohne Pöbel!

Oktober 2nd, 2014 | Tagged | 11 Kommentare | 5595 mal gelesen

In den vergangenen Jahren wurde es zu einer Tradition: Das Fest am Tag der deutschen Einheit, organisiert von der deutschen Botschaft in Tokyo – und zugänglich für jedermann! Ein echtes Fest quasi, so richtig mit Kindern (und dem einen oder anderen Angetütelten). Aber – ein neuer Botschafter ist im Land, und das haben die Deutschen in Japan nun davon. Zitat der Mitteilung der Botschaft in Tokyo:

Liebe Landsleute,

Sie warten möglicherweise an dieser Stelle auf die generelle Einladung zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober. Ich habe mich nach sorgfältiger Überlegung aber entschieden, zu der Einladungspraxis zurückzukehren, die vor meinem Vorgänger üblich war. Ich möchte nämlich gerne, dass wir noch mehr japanische Gäste erreichen als in der Vergangenheit.

Ich kann mir vorstellen und habe auch schon gehört, dass sich einige von Ihnen, die keine Einladung erhalten haben, darüber wundern oder auch ärgern. Das kann ich gut nachvollziehen. Ich bitte Sie dennoch um Verständnis für die Entscheidung, die Steuer- und Sponsorengelder, die wir für den Empfang zur Verfügung haben, im Sinne einer ausgewogenen Balance zwischen den verschiedenen Gästegruppen und vor allem auch zur Stärkung der deutsch-japanischen Begegnung noch zielgerichteter einzusetzen.

Nun gut. Leider habe ich es nie persönlich zu der Feier geschafft (dabei liegt mein Büro keine zwei Kilometer entfernt), aber vom Hörensagen her war die Veranstaltung wohl sehr beliebt und natürlich eine gute Gelegenheit, andere Leute kennenzulernen. Sowie mit den Kindern etwas deutsche Atmosphäre zu schnuppern. Ehrlich, das gibt’s! Jedes Mal, wenn ich im Goethe-Institut in Tokyo bin – so alle zwei, drei Jahre ein Mal – fühle ich mich wie in einer anderen Welt.

Die Begründung halte ich allerdings nicht für sehr gelungen: „Steuer- und Sponsorengelder …. im Sinne einer ausgewogenen Balance zwischen den verschiedenen Gästegruppen und vor allem auch zur Stärkung der deutsch-japanischen Begegnung … einzusetzen“. Ja, wer ist denn nun eingeladen?

Eigentlich ist es schade, denn gerade die öffentliche Veranstaltung hat, da bin ich mir absolut sicher, zur Stärkung der deutsch-japanischen Begegnung beigetragen. Feier in der Botschaft? Offen für alle? Weltoffener kann man sich kaum präsentieren.

Logischerweise ist bei der Mailingliste DinJ (Deutschsprachige in Japan) ein, wie sagt man so schön auf Neudeutsch: shitstorm losgetreten wurden. Die Wogen werden sich glätten, aber ein bisschen schade ist es schon.

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Weg mit Geb!

September 10th, 2014 | Tagged | 18 Kommentare | 6441 mal gelesen

Ja, guten Morgen auch, Frau Erika Mustermann Geb Gabler!

Ja, guten Morgen auch, Frau Erika Mustermann Geb Gabler!

Und hier ist er – der zweite Teil der äusserst losen Serie Spass mit dem deutschen Reisepass im Ausland. Bis auf Bloggerkollegin Anika werden dabei wohl nur sehr wenige Leser mit dem Titel dieses Beitrages etwas anfangen können.

Würde die folgende Geschichte nicht für die Betroffenen für etliche Unannehmlichkeiten sorgen, wäre sie glattweg einfach nur saukomisch: Es geht um das Kürzel „Geb.“ (kurz für Geboren/Geborene), das in deutschen Ausweisen und Reisepässen de facto zum Bestandteil des Namens wird. Das ist natürlich kein Problem in der grossen deutschen Wohlstandssphäre, doch da der Rest der Welt noch immer nicht begriffen hat, dass Deutsch natürlich eine unbedingt zu beherrschende Weltsprache ist, kann der Rest der Welt mit dem „Geb.“ natürlich nichts anfangen: Da dies im Pass als Bestandteil des Namens aufgeführt wird, wird das „Geb.“ zum Teil des Namens. Und das hat Auswirkungen.

In Japan mussten seit jeher Ausländer die sogenannte Alien Registration Card mit sich herumtragen. Der Name auf der Karte muss natürlich mit dem im Visum und damit dem Namen im Reisepass übereinstimmen. Man war soweit jedoch meistens recht kulant: Eine kurze Beschreibung der Bedeutung des Kürzels reichte aus, um das „Geb.“ nicht auf der Karte tragen zu müssen. Doch seit man in Japan vor 2 Jahren damit begonnen hat, die alte Karte durch die neue Zairyu-Karte zu ersetzen, haben sich auch die Spielregeln geändert: Japanische Behörden sind nunmehr darauf angewiesen, keine Ausnahmen mehr zuzulassen. Und damit wird das „Geb“ einfach mal so zum festen Bestandteil des Ausländerdaseins in Japan. Mit Folgen, denn bei allen möglichen Verträgen (Mietvertrag, Handy usw.) muss der Name genau mit dem auf der Zairyu-Karte übereinstimmen. Inklusive „Geb.“ Aus Hashimoto Katja Maria wird so ganz schnell also eine Hashimoto Geb Müller-Bruckdorfshausen Katja Maria – ob sie will oder nicht. Und so wird man dann auch bei Behördengängen laut aufgerufen. Dass das japanisch „gebbu“ ausgesprochene „Geb“ dann auch noch dem Wort für „Rülpser“ (geppu) ähnlich ist, fällt dann kaum noch ins Gewicht.

Weg mit Geb!

Weg mit Geb!

Das stösst den Betroffenen verständlicherweise sauer auf. Wer will schon mit einem ellenlangen und zudem noch falschen Namen durch die Landschaft laufen! Und so haben sich ein paar Betroffene zur Gründung der Gruppe Weg mit Geb! zusammengeschlossen. Und das soweit sogar mit Erfolg: Die deutsche Botschaft in Tokyo weiss davon, und heute wurde die Gruppe in einem Artikel der Japan Times vorgestellt¹. Eine Online-Petition, adressiert an Frank-Walter Steinmeier, ist auch auf dem Weg².

Sicher, gegen das Problem in Japan anzukämpfen ist eine Sache. Aber die Petition an sich erst geht den richtigen Weg: Das „Geb“ sollte von Ausweisen und Reisepässen verschwinden – oder wenn das nicht geht, zumindest anders ausgewiesen werden, denn bei Dokumenten dieser Art sollte man schon korrekt sein – und „Geb.“ ist einfach mal korrekt gesehen nicht Bestandteil des Namens!

In diesem Sinne – und als geistige Unterstützung in Form dieses Artikels – wünsche ich der Aktion den Erfolg, den sie verdient. Es sind nur drei Buchstaben, aber die Probleme, die daraus entstehen, sind beachtlich.

Mehr dazu auch bei Anikas Ginkgoleafs.

¹ Siehe Mind the ‘geb’: Little word is a big problem for Japan’s German residents
² Siehe bit.ly/mindthegeb (Change.org)

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Neu! Kommunale Durchsagen in Japan jetzt auch auf Deutsch!

November 15th, 2013 | Tagged | 7 Kommentare | 11623 mal gelesen

Manchmal fehlt es wirklich an echten Nachrichten. Da müssen dann eben eher unbedeutendere Nachrichten herhalten. So geschehen am Mittwoch: Im vergangenen Monat gab es angeblich eine Schlägerei in einem Hotel in Sendai. Bei selbiger soll ein nach eigenen Angaben als Student in Japan weilender 25-jähriger Deutscher (mit einem ex-jugoslawisch anmutendem Namen) zwei Hotelangestellte verletzt haben. Am Mittwoch dieser Woche machte sich der Mann dann während der Vernehmung auf der Polizeiwache in einem unbemerkten Augenblick aus dem Staub. Und zwar ohne Schuhe und mit sehr leichter Kleidung. Medien zufolge bat er auf seiner Flucht Passanten mit brüchigem Japanisch nach Kleidung.

Rund 24 Stunden später gab es wohl Hinweise aus der Bevölkerung in Shichi-ga-hama unweit von Sendai. Nachdem es immer wahrscheinlicher wurde, dass der Flüchtige sich dort versteckt hält, holte man eine Dolmetscherin heran und forderte den Mann über die Lautsprecher des Ortes auf Deutsch auf, sich zu stellen. Und das tat er dann auch. In den Nachrichten sah das ganze so aus (ab 0:55 hört man einen Teil des Aufrufes: „Ihre Sicherheit ist garantiert…“):

Das Gesicht des Verdächtigen flimmerte nur wenige Stunden nach seiner Flucht auf allen Fernsehkanälen – die Aktion war eines der Hauptthemen des Tages. Das wirft freilich Fragen auf, zum Beispiel wie der gute Mann gedachte, sich mit seiner Körpergrösse (wohl 1.85 gross) und nur rudimentären Japanischkenntnissen vor der Polizei zu verstecken. Und wie lange war der Mann auf der Wache bevor die Flucht gelang? Und wie kann es überhaupt möglich sein, dass ein Verdächtiger während einer Vernehmung mal eben so aus der Polizeiwache fliehen kann? Und zu guter letzt: Ist das wirklich eine so sensationelle Meldung? Was wäre, wenn ein Japaner das gleiche getan hätte?

Nun gut. Wahrscheinlich besser, dass es er so schnell gefasst wurde, denn genauso wie für viele Nichtasiaten Asiaten alle gleich aussehen, sehen für viele Japaner Europäer und Amerikaner alle gleich aus. Sprich, wenn jemand vom gleichen Stamm steckbrieflich gesucht wird, erntet man mit etwas Pech auch als Unbeteiligter mehr Aufmerksamkeitt als erwünscht.

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Mission Impossible? Konto in Deutschland, Leben in Japan

Oktober 8th, 2013 | Tagged | 44 Kommentare | 21521 mal gelesen

Gültig in über 100 Ländern. Japan gehört nicht mehr dazu.

Gültig in über 100 Ländern. Japan gehört nicht mehr dazu.

Japan war schon immer etwas anders, wenn es ums Geld geht. Die Banken arbeiten nicht selten mit absurder und/oder maroder Technik, die Sicherheitsvorkehrungen inkl. diverser Geldtransfers betreffender Gesetze kann man teils durchaus als paranoid bezeichnen, und sonst universelle Regeln, zumindest was Reisen anbelangt, sind gelegentlich ausser Kraft gesetzt. So sind Kreditkarten wie VISA oder Mastercard dazu gedacht, sie jederzeit und weltweit benutzen zu können – egal wo man herkommt – doch in Japan gibt es etliche Institutionen, die im Ausland ausgestellte Kreditkarten einfach ablehnen. Ohne Kreditkarte sieht es noch schwieriger aus. Vor 17 Jahren (um mal in der Erinnerung zu kramen) gab es nur drei Möglichkeiten: Entweder man besorgte sich Traveller Cheques, nahm alles als Bargeld mit oder besorgte sich ein Konto bei CITIBANK: Jene hatte damals Filialen in vielen Ländern weltweit, so auch ein paar wenige in Japan, und man konnte so mit seiner normalen Geldkarte auch in Japan Geld abheben. Natürlich nicht am Wochenende oder in der Nacht… Traveller Cheques und Bargeld waren und sind auch nicht das Gelbe vom Ei – nur wenige Banken ausserhalb der internationalen Flughäfen können damit etwas anfangen (so man das Bargeld nicht in Yen dabei hat), und die Wechselkurse sind nicht selten unvorteilhaft.

Vor ein paar Jahren konnte man dann plötzlich Karten mit dem von Mastercard betriebenen Maestro bzw. Cirrus-Netzwerk in Japan benutzen. Nur bei Filialen der Japanischen Post, vorerst, und nicht am Wochenende usw. Wir kennen das ja. Aber immerhin. Plötzlich konnte man eben jene Karten sogar bei der 7-Eleven-Bank benutzen – sprich an den Bankautomaten in nahezu allen der 15’000 7-Eleven-Convenience Stores in Japan. Bargeld – ganz einfach! Selbst die Gebühren waren nicht übermässig hoch.

Damit war plötzlich Schluss am 19. April diesen Jahres. Auf der Mastercard-Webseite findet sich dazu folgende Erklärung:

An: Inhaber von Karten mit Maestro-Logo und EMV-Chip, die außerhalb des asiatisch-pazifischen Raums ausgestellt wurden
Betreff: Zeitweilige Unterbrechung von Transaktionen an Geldausgabeautomaten mit Maestro-Funktion in Japan

Wir danken Ihnen für Ihr Vertrauen in MasterCard. Alle EMV-Karten mit Maestro-Funktion, die außerhalb des asiatisch-pazifischen Raums ausgestellt wurden, können vorübergehend nicht zum Abheben an Geldausgabeautomaten verwendet werden, da ein Upgrade des örtlichen Geldautomaten-Netzwerks durchgeführt wird.

EMV-Karten mit Maestro-Funktion, die in den folgenden Ländern ausgestellt wurden, sind jedoch nicht betroffen:

Niederlande
Kanada

EMV-Karten mit Maestro-Funktion, die innerhalb des asiatisch-pazifischen Raums ausgestellt wurden, sowie Karten mit Maestro-Logo aber ohne EMV-Chip, Karten mit MasterCard-Logo und Karten mit Cirrus-Logo sind ebenfalls nicht betroffen. Diese MasterCard-Karten können an Geldautomaten und in Ladengeschäften in Japan weiterhin benutzt werden.

MasterCard bemüht sich derzeit in Zusammenarbeit mit den betroffenen Finanzinstituten, die Nutzung der Karten schnellstmöglich wiederherzustellen.

Wir entschuldigen uns vielmals für jegliche Unannehmlichkeiten und danken Ihnen für Ihr Verständnis.

Nun, aus zeitweilige wurde nun ein halbes Jahr, und es ist immer noch nicht in Sicht, wann man die Karten wieder benutzen kann. Was nun? Aus Citibank wurde Targobank. Da sitze ich nun also mit meinem Targobank-Konto, kann mir online ansehen, wie sich die Euronen vermehren – oder auch nicht – und das war es auch schon. Überweisen nach Japan? Scheint nicht zu gehen, man kann wohl nur in Länder überweisen, die ans IBAN-System angeschlossen sind. Ob ich eine Kreditkarte bekommen kann, weiss ich noch nicht, aber vermutlich nicht.

Nächster Versuch: Das Einrichten eines DKB-Cash-Kontos, welches für Auslandsaufenthalte recht brauchbar zu sein scheint. Bei der Anmeldung muss man sich offiziell identifizieren – in Japan geht das evtl. nur mit einem Notar (angeblich auch bei einer Bank, aber ich habe da so meine Zweifel). Und – so man keinen Personalausweis hat (und ohne festen Wohnsitz in der BRD hat man keinen gültigen) – muss man sich mit dem Pass identifieren, doch dann heisst es:

Falls Sie sich für die Legitimation mit dem Reisepass entscheiden, benötigen wir zusätzlich einen maximal 12 Monate alten Anschriftennachweis (Gehaltsabrechnung, Gas-, Wasser- oder Stromrechnung, Meldebescheinigung).

Will heissen, wie es aussieht, braucht man einen Wohnsitz (und nicht nur eine Adresse) in Deutschland. Ich bin momentan dabei, zu bestätigen, ob dem wirklich so ist. Falls ja (und es würde mich nicht überraschen), dann kommt diese Lösung auch nicht in Frage. Was tun? Warten, bis man, irgendwann? nirgendwann? wieder Maestro benutzen kann? Warten, bis man wieder in Deutschland ist? Mal schauen. Was mich an dieser Stelle jedoch mittlerweile brennend interessiert – welche Möglichkeiten gibt es noch? Was macht der Rest?

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Deutsche Steuern im Ausland zahlen?

April 17th, 2013 | Tagged | 16 Kommentare | 1841 mal gelesen

Der Gedanke ging mir schon mehrmals durch den Kopf: Was, wenn die Politiker in Deutschland plötzlich auf die Idee kommen¹, es den USA gleichzutun und eine Art Citizenship-Based Taxation (CBT) einzuführen – also eine Besteuerung von Einkommen basierend auf Staatsbürgerschaft, nicht Wohnort. Will heißen, Deutsche, die im Ausland wohnen, müssen, so sie den deutschen Pass besitzen, alljährlich Steuererklärungen einreichen und je nach Fall nachzahlen. Es gibt bisher nur zwei Staaten auf der Erde, die so etwas von ihren Bürgern verlangen – die USA und… wir haben es gewiss erahnt, Eritrea².

Bei dem Gedanken kräuselten sich mir umgehend die Nackenhaare: Lebenshaltungskosten in Japan, gepaart mit deutschen Steuersätzen? Na dann, gute Nacht! Und googelt man so ein bisschen vor sich hin, stößt man zum Beispiel auf den – zugegebenermaßen plumpen Versuch einer Petition PRO Besteuerung aller Auslandsdeutschen. Die Begründung ist so oberflächlich und obstrus geschrieben, dass man gar nicht weiterlesen möchte. Aber es wird immer Leute geben, deren Vorstellungskraft nicht sehr weit reicht.

Verständlich ist die momentane Aufruhr bezüglich Steuersünder natürlich. Sein Vermögen außerhalb des Landes zu parken und mit allerlei Tricks und Finten versuchen, bloß keine oder möglichst wenige Steuern an sein eigenes Land zu bezahlen ist schlichtweg unmoralisch. Es ist eine – milde – Form des Verrats, begünstigt durch die allzu menschliche Gier nach Geld. Und immerhin lebt eine ganze Heerschar von Bankern und Anwälten von diesem System. Wo sollen die alle hin, wenn die Steueroasen austrocknen? Wovon sollen die Britischen Jungferninseln leben, wenn das alles nicht mehr geht? Von ihren paar Jungfern ganz bestimmt nicht!

Schaut man sich CBT-Regeln an, scheint jedoch alles nicht so heiß gegessen zu werden wie es gekocht wird: Der Freibetrag ist mit 95’000 USD pro Jahr relativ groß, und Steuern sowie zu einem gewissen Anteil auch Miete usw., die man im Gastland bezahlt, werden in die Berechnung einbezogen.

Sollte Deutschland diese Regel auch einführen, wüßte ich nicht, wovor es mich eher gruseln würde: Den Kosten? Den Papierkram, den man alljährlich zusätzlich durchgehen müsste. Eventuell noch mit Übersetzungen der Einkommensbescheide inklusive Apostille? Oder vor dem Wissen, dass ich in Japan arbeite und in Deutschland Steuern zahle, im Gegenzug aber rein gar nichts von meiner Auslandsvertretung erwarten kann, da diese im Krisenfall ihre Bürger schlichtweg im Stich läßt und sich einfach verkrümelt? Ich weiß es nicht.

Natürlich kann man Auslandsdeutschen vorhalten, dass sie ihrer Heimat etwas schulden – womöglich dadurch, dass sie zum Beispiel für lau zur Universität gingen. Das Argument hat etwas wahres, aber wenn man sich den Brain-Drain ansieht, der momentan von Südeuropa Richtung Deutschland (unter anderem) vonstatten geht, wäre diese Argumentation etwas fadenscheinig.

Ach ja: Entgegen anderslautender Gerüchte können Amerikaner ihre Staatsbürgerschaft „abgeben“ und sich somit der CBT entziehen. Interessanterweise werden diese Personen einmal im Quartal im Federal Register quasi an den Pranger gestellt – siehe hier: Quarterly Publication of Individuals, Who Have Chosen To Expatriate. Eine gelinde gesagt interessante Praxis.

¹ Siehe unter anderem hier: Steuerpflicht für alle! (Zeit Online)
² Siehe International Taxation by Citizenship (Wikipedia)

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4. Allgemeiner deutschsprachiger Bloggergipfel in Tokyo

Oktober 14th, 2012 | Tagged , | 25 Kommentare | 1994 mal gelesen

* Logo freundlicherweise gefertigt von Thuruk. Ookini!

So, die Blätter fallen allmählich von den Bäumen, es wird spürbar kälter (25 Grad statt 35 Grad) und die Brauereien werfen wieder mit Karamell braun gefärbtes, angebliches Herbstbier auf den Markt. Will heißen, das Ende des Jahres nähert sich mit grossen Schritten. Zeit für den 4. Allgemeinen Deutschsprachigen Bloggergipfel in Tokyo (kurz: ADBiT).

Hier sind die Regeln:

• Ihr müsst in Japan sein

• Ihr müsst einen Blog schreiben, geschrieben haben… oder ein paar Blogger kennen (Hallo Natasha!)

• Handzurrende Begleitungen, gern auch japanisch, können mitgebracht werden.

Bevor jedermann seine bōnenkai-Party festlegt, erfolgt an dieser deshalb die vorsichtige Anfrage: Wer will? Wer kann?

Über den Tag habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Da aber viele sicherlich irgendwann im Dezember bereits in diverse Jahresendaktivitäten eingebunden sind oder werden, schlage ich als Alternative einen Sonnabend Ende November vor. Also – meldet Euch! Und verbreitet die Nachricht an andere Blogger, die diesen Blog hier nicht lesen (schämt ihr euch denn gar nicht!).

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3. Bloggergipfel in Tokyo – wer will, wer kann?

November 6th, 2011 | Tagged | 49 Kommentare | 1756 mal gelesen

[off-topic für Leser, die nicht in Japan sind und bloggen – mea culpa!]

Aufgrund einiger Anfragen hier mal wieder der Versuch, einen „Bloggergipfel“ zu organisieren. Zwei Bloggergipfel gab es vorher – wenn ich mich recht erinnere, fand einer 2008 (?) in Shinjuku statt und der nächste 2010 in den Bergen (ein Blogger hatte freundlicherweise seinen Garten dazu zur Verfügung gestellt).

Zu beiden Treffen kamen jeweils rund 6 Deutsche, die in Japan wohnen und größtenteils über Japan bloggen. Nein, bei den Treffen ging es nicht ums Bloggen. Eigentlich ging es um alles, nur nicht über’s Bloggen. Aber die Treffen waren beide Male sehr unterhaltsam. Leider brachen nach den Bloggertreffen diverse Animositäten zwischen den Teilnehmern auf, was natürlich schade ist – vor allem, wenn man die geringe Teilnehmerzahl bedenkt. Hinzu kam, daß einer der Teilnehmer (des zweiten Treffens) ein paar Monate später in Ōsaka seinem Krebsleiden erlag.

Nun also ein weiterer Versuch meinerseits, ein paar Blogger zusammenzutrommeln. Da ich zu faul bin, alle Email-Adressen zusammenzusuchen, versuche ich es auf diesem Wege. Also, wenn Du bloggst und irgendwo in der Gegend rund um Tokyo wohnst, melde Dich!

Vorschlag bezüglich Ort und Zeit: Sonnabend abend, so ab 17 oder 18 Uhr. Entweder am 26. Nov, 3. Dez oder 10. Dez. Ort: Restaurant bzw. Izakaya irgendwo an oder innerhalb der Yamanote-Linie. Für konkrete Vorschläge bin ich offen (das erste Treffen fand bei einem Koreaner in Shin-Ōkubo (bei Shinjuku) statt. Wer Interesse hat, bitte entweder per Kommentar oder per Email (vor dem @: mr, dahinter: der Domainname dieser Webseite) Laut geben. Vorzugsweise per Kommentar (danach Kommentare zu diesem Artikel abonnieren um auf dem Laufenden zu bleiben) antworten, dann bleiben alle Interessierten auf dem Laufenden.

Wie das Bloggertreffen abläuft: Man trifft sich irgendwo in Bahnhofsnähe, läuft gemeinsam zum vorher bestimmten Ziel, dort kleines Gelage, zur Not auch mit alkoholischen Getränken, zum Ende hin 割り勘 (warikan – Rechnung wird durch Anzahl der Teilnehmer geteilt) und das war es. Es gibt keine Agenda, nur loses Unterhalten.

 

 

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Podcast Episode 1: Geschichten aus dem Maidcafé / Interview

Februar 13th, 2010 | Tagged , | 32 Kommentare | 3355 mal gelesen

Da ist sie also, die erste Episode des „Tabibito Japan Podcast“. Nein, mit dem Namen bin ich nicht ganz glücklich, aber der Name sagt zumindest, was es ist. Da dies die erste Folge ist, erstmal ein paar einführende Worte in Gestalt einer typischen Q&A:

Was ist ein Podcast?
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Kurz gesagt ein Amateur-Radioprogramm, zu empfangen über das Internet mittels einer Software namens iTunes (kostenlos). Podcasts sind prinzipiell kostenlos. Wer einen Podcast abonniert, bekommt automatisch neue Folgen zugestellt – vorausgesetzt natürlich, man benutzt gelegentlich iTunes. (Viele werden das sicherlich bereits wissen).

Warum ein Podcast?
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Ich wollte eigentlich schon lange mal Leute zu Wort kommen lassen, die ebenfalls in Japan wohnen und hier einer mehr oder weniger interessanten Tätigkeit nachgehen. Als mich neulich eine Leserin dieses Blogs anschrieb, war es an der Zeit, ernsthaft darüber nachzudenken – sprich, sich zu verabreden und ein Interview zu machen. Interviews sind schön zu lesen, aber es ist auch interessant, das ganze zu hören. Das ganze kann man schliesslich auch prima mit anderen Hörkostproben vor Ort untermalen. Kurzum – ein Blog ist ein Medium, ein Podcast ein anderes.

Geht es weiter?
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Das hängt von der Resonanz ab. Das Erstellen eines Podcasts erfordert viel Zeit und Arbeit, erst recht, wenn man kein Profi ist. Die Zeit ist für mich das Hauptproblem – eine neue Folge auf wöchentlicher Basis halte ich für unrealistisch, und ich bin nicht sicher, ob es jeden Monat etwas wird. Ausserdem muss sich der Podcast auch lohnen – nicht finanziell, versteht sich, sondern in Sachen Brauchbarkeit für potentielle Hörer.

Wie geht es weiter?
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Ich bin ganz Ohr für Themenvorschläge, aber auch für potentielle Interviewpartner, obwohl nicht jede Folge ein Interview enthalten muss.

Kritik erwünscht?
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Unbedingt. Immer her damit. Man verliert definitiv an Objektivität wenn man seine eigene Stimme hört und bearbeitet. Auch die Musikauswahl (alles aus der Public Domain, wohlgemerkt) ist auf jeden Fall kritikwürdig.

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Zum Inhalt der ersten Folge:

Live-Manga-Synchronisation im Maidcafé

In der ersten Folge dreht sich alles um die sogenannten Maidcafés – also Cafés, in denen meist sehr junge Mädchen Manga-ähnlich in Dienstmädchenuniform bedienen. Eigentlich sollten diese Cafés vor allen den sogenannten Otakus dazu dienen, dort ein bisschen ihre Manga-Traumwelt auszuleben, doch man kann wohl davon ausgehen, dass man dort weniger besagte Otakus, sondern mehr Leute findet, die gerne mal sehen wollen, wie Otakus so aussehen (bzw. auszusehen haben).
Allein in Akihabara, dem Ursprungsort der Maidcafés, gibt es dutzende solcher Cafés. Eines davon hat sich nicht gescheut, selbst Ausländerinnen einzustellen – darunter Natasha, die in Japan ein Jahr lang im Rahmen eines Working Holiday -Visums weilt und in Sachen Manga bzw. Anime „vorbelastet“ ist.

Nun bin ich persönlich seit jeher ein bekennender Nicht-Manga & Nicht-Anime-Fan. Ich empfinde keine Abneigung, aber auch keine besonders grosse Zuneigung. Eine Deutsche, die in Japan in einem Maidcafé arbeitet, fand ich aber trotz allem bemerkenswert. Und so wagte ich mich mit Audiorecorder und Kamera ins Maidcafé – ein Ort, in den ich mich normalerweise sicher nicht verirren würde.

Natasha in Dienstkleidung

Das ganze erinnerte mich ein bisschen an einen Zirkus: Die meisten Gäste waren nur da, um mal „zu gucken“ – authentisch ist das ganze mit Sicherheit nicht. Aber trotz allem ist und bleibt so ein Café ein japanisches Original und Teil einer beachtlichen Subkultur, die überall im Ausland dafür sorgt, das Japan nachwievor sehr beliebt ist.

Im Gespräch mit Natasha versuchte ich ein bisschen mehr über die Arbeitsbedingungen zu erfahren, und die sind erwartungsgemäss auch in einem Maidcafé nicht unbedingt als hervorragend zu bezeichnen: Willkür ist normal, Fehlverhalten wird streng geahndet, Arbeitsverträge gibt es nicht und das Gehalt ist freilich sehr niedrig – der Niedriglohnsektor ist in Japan berühmt-berüchtigt, und als Ausländer hat man dort ganz gewiss keinen Bonus – ganz im Gegenteil. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Natasha ein paar Tage nach dem Interview (welches Ende Januar stattfand) ihre Uniform hingeschmissen hat.

Ich wünsche all jenen, die sich den Podcast anhören, viel Spass und bitte um ehrliches Feedback.

Hier der Link zum Podcast (iTunes muss installiert sein):

http://itunes.apple.com/WebObjects/MZStore.woa/wa/viewPodcast?id=356070029

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Dauerhaft

Dezember 3rd, 2009 | Tagged , | 11 Kommentare | 1809 mal gelesen

Nun ist sie also da – meine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung für Japan. Vor gut 5 Monaten hatte ich über die Anwaltskanzlei unserer Firma den Antrag eingereicht (siehe hier). Zusammen mit einem ganzen Berg von Dokumenten – Steuernachweisen der letzten drei Jahre, Heiratsurkunden, Zeugnis meiner Gattin, dass sie mich hin und wieder noch anschauen mag, Kontoauszüge, ein Schreiben mit Begründung, warum ich das alles durchmache usw. usf.

Man liest allerhand über die permanente Aufenthaltsgenehmigung: Da sollen Anträge willkürlich abgelehnt werden. Da dauert es schon mal bis zu einem Jahr. Da wird man zu haarsträubenden Verhören Interviews in den dunklen Gewölben der stets überfüllten Ausländerbehörde eingeladen usw. usf. Ob das stimmt? Weiss ich nicht. Dank Anwaltsbüro habe ich davon rein gar nichts mitbekommen: Ich musste nur die vielen Dokumente einsammeln, und das war es auch schon. Ich war nicht ein einziges Mal auf dem Amt. Dafür kostet der Spass aber auch fast 450 Euro (das übernimmt jedoch unsere Firma.)

Was hat man nun davon? In meinem Fall – Seelenfrieden. Wenn ich hier schon so lange lebe, zum Bruttosozialprodukt beitrage, Steuern zahle und mich sonstwie am gesellschaftlichen Leben beteilige, nervt es schon ein wenig, regelmässig sein Visum erneuern zu müssen. Zumal ein Visum stets an Bedingungen geknüpft ist – Arbeitsstelle oder Ehepartner oder Universität usw. usf.
Die Bedingungen für mit Japanern Verheiratete sind übrigens noch am humansten: Zwar überprüft wohl die Polizei vor Ort, ob alles seine Richtigkeit hat (habe ich jedoch nicht mitbekommen), aber ansonsten kann man offensichtlich schon nach 3 Jahren beantragen (eigentlich dachte ich 5 – Dank an Blüschi für den Tipp) – ansonsten erst nach 10 Jahren.

Was man noch davon hat: Man kann zum Beispiel ein Haus/ eine Wohnung auf Kredit kaufen – zu den gleichen Konditionen wie Japaner. Grundstücke hingegen kann man nicht erwerben.
So wie es momentan aussieht, kann man in Bälde sogar damit an Kommunalwahlen teilnehmen, und das war für mich ein weiterer, ausschlaggebender Grund.

Fazit: Liest man diverse Berichte im Internet, erhält man den Eindruck, dass es leichter geworden ist, eine permanente Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Das hat Japan mit seiner katastrophalen demographischen Lage allerdings auch bitter nötig.

P.S. Eine Seite mit Informationen darüber, was für Visa es gibt und was dafür benötigt wird, ist seit längerem in Planung. Kann leider jedoch nicht versprechen, wann die Seite fertig wird.

Das Wort des Tages: 永住権 eijūken – „ewig – wohnen – recht“. Die permanente Aufenthaltsgenehmigung.

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Importlebensmittel in Japan: National Azabu, Eataly & Co.

Juli 19th, 2009 | Tagged , | 18 Kommentare | 1017 mal gelesen

Heute war ich mit Familie mal wieder in Tokyo unterwegs, genauer gesagt in Ebisu, Daikanyama und Hiroo. Nicht, dass ich ohnehin schon jeden Tag nach Ebisu fahren würde – zur Arbeit. In Daikanyama war ich endlich mal im relativ neuen „Eataly“ – ein Restaurant nebst kleinem Supermarkt, in dem es allerhand Lebensmittel aus, logisch, Italien gibt. Darunter eine Riesenauswahl an Olivenöl (die meisten so zwischen 2000 und 5000 Yen für 500 ml, dutzende Sorten Pasta (ab 600 Yen aufwärts), eine grosse Käsetheke sowie sehr viel Wein, Schinken, sehr anständiges Brot usw. Recht ansehnlich, aber auch durchweg teuer. Im Kühlregal lächelte mich dort schliesslich etwas an, das ich in Japan manchmal sehr vermisse: Speck. Richtiger Speck. Geräuchert. Klar kann man in einer Arrabbiata auch Panchetta verbraten, aber so richtig schmackhaft wird das, meiner Meinung nach zumindest, erst mit Speck.

Da wir schon dabei waren und sowieso in einen grossen Park wollten, waren wir schliesslich noch im National Azabu, einem verhältnismässig grossem Supermarkt, der sich auf Importwaren spezialisiert hat. Jener steht gleich unterhalb der deutschen Botschaft. In der Gegend um Hiroo und Azabu wimmelt es nur so vor Botschaften, und so kann sich National Azabu seiner Kundschaft sicher sein. Auch dort: Sehr gute Käsetheke, viel Wein und viele andere Sachen, die man so nicht in Japan findet. Die Preise sind auch halbwegs moderat (für japanische Verhältnisse wohlgemerkt).

Ansonsten bleibt noch 成城石井 (Seijō Ishii) – eine Kette kleiner, feiner Lebensmittelmärkte, in denen ich mich jedes Mal mit Pasta und ein paar anderen Zutaten eindecke. Der Gründer der Kette verkauft übrigens nur Wein, den er selbst empfehlen kann. Der Mann muss eine starke Leber haben, denn das Weinangebot ist üppig. Ausserdem gibt es sehr anständigen Whisky (dutzenden Sorten), und auch guter Wodka, Jägermeister (!), Obstler (!!) usw. fehlen nicht.

Carrefour, ein grosser französischer Supermarkt in Kaihin Makuhari bietet auch ein gutes Sortiment importierter Speisen.
Ansonsten landet man mal einen Glücksgriff hier und da: Ein örtlicher, sehr billiger Supermarkt in meiner Gegend zum Beispiel verkauft Meggle Kräuterbaguettes – die habe ich noch nirgendwo anders gesehen. Und neulich habe ich bei einem sehr alten Gewürzhändler in Ame-Yoko (bei Ueno) Mohn erstanden – und der war nicht mal teuer.

„Da ist der Typ nun in Japan, dem Land des guten Essens, und fragt sich, wo er seinen Speck und Käse beziehen kann“, mag sich manch einer denken. Nun, ich bin kein Japaner und werde nie einer werden. Meine Liebe zur europäischen Küche wird wohl nie ganz vergehen.

Das Wort des Tages: 輸入食品 yunyū shokuhin – „Import-Lebensmittel“.

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