You are currently browsing posts tagged with Design

Boss unter Tränen

Januar 27th, 2011 | Tagged , | 10 Kommentare | 825 mal gelesen

Werbung in Japan kann manchmal recht drollig sein – das liegt wohl teilweise daran, dass es hier viel mehr Werbung gibt, und sich auch Amateure an Werbung trauen – da hat man immer wieder was zu lachen. Natürlich gibt es da auch im Japanischen diverse Begriffe und Floskeln, die immer wieder auftauchen.
Der Flyer heute im Briefkasten – immerhin würdige ich die Fetzen manchmal für eine ganze Sekunde, fiel mir durch den Satz 社長が涙の一大決心 (shachō ga
namida de ichidai kesshin) – jener Satz ist gelb umrahmt – auf. Zu Deutsch etwa: „Firmenchef trifft unter Tränen Riesenentscheidung“. Darunter der Aufhänger – Spezieller Rabatt über 20,000 Yen für Fahrschulkurs. Der komplette Kurs kostet übrigens damit – vorausgesetzt, man besteht alles beim ersten Mal – schlappe 300’000 Yen, also gute 2’500 Euro. Man stelle sich nur vor, wie da der Chef weinend mit den Fäusten auf dem Schreibtisch trommelt…

Ach ja, handgemachte Werbung, oft aber auch professionelle Werbung, hat in Japan scheinbar drei wichtige Grundregeln:

1) Verwende so viele Schriftarten wie möglich.
2) Verwende so viele Schriftgrössen wie möglich
3) Verwende so viele Schriftfarben wie möglich.

Ja, da freut sich der Typografen – zumal angesichts der wilden Mischung aus einfachen Kana und Buchstaben und komplizierten Schriftzeichen…

Teilen:  

Bauen im Zeitraffer

Mai 17th, 2010 | Tagged | 16 Kommentare | 1083 mal gelesen

Die Vorbereitungen für diesen Artikel begannen im Oktober vergangenen Jahres – als man begonnen hatte, den Hinterhof hinter unserer Firma weiter zuzubauen.
Rückblende: Vor 5 Jahren ergab sich beim Blick vom Balkon unserer Firma folgendes Bild: Linkerhand ein zweigeschossiges Wohnhaus. In der Mitte, eine grosse, flache und ziemlich baufällige Garage und rechterhand und ein paar Meter höher gelegen eine absolute Bruchbude. Zwischen diesen drei Objekten standen viele Bäume und Büsche, die, zusammen mit dem Garagendach, dankend von der hiesigen Katzenpopulation angenommen wurde. An manchen sonnigen Tagen räkelten sich bis zu 5 Katzen auf dem heissen Garagendach. Manchmal schlich eine alte Frau um das Anwesen zur rechten durch die Büsche. Im Sommer machten sich die Zikaden über das Grün her – manchmal musste man im Sommer die Fenster schliessen, da man wegen letzterer sein Gegenüber am Telefon nicht mehr verstand.

Vor vier Jahren verschwand plötzlich das Anwesen nebst Büschen und vielen Bäumen zur rechten. Ersetzt wurden sie kurzerhand mit zwei kalten Betonquadern. Ohne Putz, ohne Isolierung. In Deutschland nennt man so etwas „Zu geizig, um Putz anzubringen“ – in Japan hingegen „Designer’s Mansion“. Die Miete kostet deshalb auch gleich mehr. Kein Witz. Drei Katzen blieben.

Im Oktober vergangenen Jahres rotierte wieder die Kreissäge – etliche Bäume verschwanden, sowie die Garage und die kleine Hütte dahinter. Und, wer hätte das gedacht – ersetzt wurde das ganze mit einem kalten, grauen, unverputzten Gebäude, welches gerade so in die Lücke hereinpasst. Das Dach befindet sich genau dort, wo unser Balkon anfängt – und vom Balkon könnte ich jetzt ganz locker aufs Dach springen, denn das sind keine zwei Meter. Bis zum Anwesen rechterhand sind es ebenfalls rund zwei Meter und bis zur Mauer linkerhand an einigen Stellen rund 50 cm. Die armen Katzen.

Interessant ist es dabei, zu sehen, wie in Japan gebaut wird: In der Regel wird hier nämlich kein Keller gebaut. Stattdessen werden – im Falle eines 2- bis 3-geschössigen Baus – 10 m lange Stahlsäulen in den Boden gerammt. Dann werden Gräben entlang des Grundrisses ausgehoben. Darauf kommt eine dicke Isolierfolie – und dann wird Beton reingegossen. Man lässt in der Mitte also Sockel aus Erde stehen (ich nehme mal an, das diese bei Erdbeben dafür sorgen sollen, dass ein Teil der Schwingungen gedämpft wurde. Der Rest ist dann freilich ähnlich wie in Deutschland: Verschalungen hochziehen, Beton reingiessen, Verschalungen entfernen und oben anbringen, wieder Beton rein usw. Im Zeitraffer sieht das ganze dann so aus (das Video hat auch Musik dazu):

Was ich immer wieder nicht begreife, ist, wieso man in Japan nicht isoliert – weder innen noch aussen. Würde man hierzulande beginnen, richtig zu isolieren (inkl. Doppelglasfenster!), könnte man mit grosser Wahrscheinlichkeit einige AKW’s abschalten….

Wem das Video zu schnell war – hier noch die Fotos in chronologischer Reihenfolge:

Get the flash player here: http://www.adobe.com/flashplayer

Weitergehende, sehr empfehlenswerte Literatur zum Thema: BigAl’s „Wie man in Japan Gebäude baut – Teil 1, 2, 3 und 4.

Das Wort des Tages: 建設 kensetsu. Das Bauen, der Bau.

Teilen:  

Design-Festa: Kunst, Kunst, Kunst

Oktober 24th, 2009 | Tagged , , | 18 Kommentare | 971 mal gelesen

Seit 1994 findet sie statt, und das zwei Mal im Jahr – dementsprechend findet in diesem Jahr die 30. Auflage des Design-Festa statt. Das Konzept ist denkbar einfach: Es kann jeder teilnehmen, der irgendetwas originelles macht, und zwar umsonst. Dieses Jahr sind es insgesamt 8,500 Künstler. Besucher bezahlen hingegen Eintritt, aber der ist recht zivil: Ein Tagesticket kostet 800 Yen im Vorverkauf, ansonsten 1,000 Yen vor Ort. Das Fest dauert zwei Tage – wer beide Tage gehen möchte, zahlt 1,800 Yen.

Das Hauptquartier der Organisatoren inkl. zweier Galerien liegt etwas versteckt in Harajuku, der Modehochburg von Tokyo. Die Gebäude kann man, so man die Ecke gefunden hat, kaum verfehlen (siehe oben). Die ganze Ecke dort ist ein Künstlerviertel, sehr ruhig, mit vielen interessanten Boutiquen und Cafés (so zum Beispiel das genial gelegene Café bzw. Restaurant zwischen den beiden Design Festa-Galerien).

Im Mai fand das Design-Festa in Odaiba statt, dieses Wochenende ist es in Big Sight, eines der grössten Ausstellungsgelände der Stadt (Rinkaisen: Bahnhof 国際展示場 Kokusai Tenjijō und Yurikamome-sen, Bahnhof 有明 Ariake). Das sind riesige Hallen, in denen sich alle möglichen Künstler einfinden – Kleidungs- und Schmuckdesigner, Kalligraphen, Kleinkünstler usw. usf. Grosser Vorteil: So die Künstler etwas herstellen, kann man es dort meistens auch kaufen. Und da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Ansonsten ist die Atmosphäre natürlich fantastisch, da wirklich jeder mitmachen kann.

Oben eine Auswahl an „Dumme-Sprüche-T-shirts“, die es auch hier vereinzelt gibt. Praktisch: Das T-Shirt in der linken Mitte, dass da sagt „私はアメリカ人ではありません“ – Ich bin kein Amerikaner. Kann in Japan mitunter praktisch sein, und wer das anzieht, kommt bestimmt schnell mit den Einheimischen ins Gespräch.

Ach ja, auch Kulinarisch gibt es ein paar kunstvolle Sachen. Und zu guter letzt dürfen bei Kunst auch die Musiker nicht fehlen – aussen wie innen gibt es jeweils eine Bühne, in der viele Bands ca. 30 Minuten Zeit haben, sich darzustellen.
Darunter war heute eine Band namens 白病 Shiroyamai (zu deutsch: Weisse Krankheit), eine interessante Metal-Band aus Japan in bester Zombie-Manier. Webseite gibt es hier. Aufgrund des Regens schauten sich nur sehr wenige das ganze von Nahem an, aber die Band gab trotzdem alles – und war allen Anschein nach gut angetrunken. Unten ein Video des Auftritts, das ich heute aufgenommen habe:

Das Design-Festa wird übrigens auch im Ausland immer bekannter – mittlerweilen reisen Künstler auch aus anderen Ländern Asiens, aus Amerika, Australien und Europa an. Die Hauptwebseite (mehrsprachig, sogar mit deutsch) findet man hier.

Wer also morgen in Tokyo weilt und eh nichts besseres vorhat (es soll ja regnen), sollte mal vorbeischauen – es lohnt sich.

Das Wort des Tages: 芸術 geijutsu. Die Kunst.

Teilen: