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Glück gehabt! Japan muss doch kein Englisch mehr lernen

April 20th, 2017 | Tagged , , | 10 Kommentare | 824 mal gelesen

Vielen stand schon der Angstschweiß auf der Stirn: Rugby WM 2019? Olympische Spiele 2020? Kommen da nicht furchtbar viele Ausländer? Die womöglich nicht der japanischen Sprache, obwohl sie doch so schön und wohlklingend ist, mächtig sind? Müssen wir wegen denen etwa Englisch lernen? Wie sollen wir das machen, wo doch noch nicht einmal die Englischlehrer an den Schulen richtig Englisch sprechen können? Schließlich haben wir ja mit „o-mo-te-na-shi“ (japanische Gastfreundschaft) geworben!

Doch jetzt kommt der Retter in der Not. Panasonic. Mit einem wahrhaft genialen Produkt, das sich durchaus mit dem „hon’yaku konnyaku“¹ der beliebten blauen Katze messen kann: Dem メガホンヤク Megahon’yaku, einem Wortspiel aus „Megahon“ (Megaphon) und „hon’yaku“ (Übersetzung). Das enorm große, rot-weiße Gerät hat eine Art Übersetzer mit Display integriert. Man spricht auf japanisch hinein, und heraus schallt es in der eingestellten Sprache – Englisch, Chinesisch und Koreanisch gehören dazu. Die ersten Geräte sind wohl schon auf dem Internationalen Flughafen Narita in Einsatz.

Megahon'yaku von Panasonic. Genau richtig, um die sturen Ausländer anzubrüllen!

Megahon’yaku von Panasonic. Genau richtig, um die sturen Ausländer anzubrüllen!

Was für ein Glück! Nun muss man die ganzen Einsatzkräfte nur noch mit dem Megaphon ausstatten und kann sich somit die teuren und häufig sinnlosen Englischkurse sparen! Man kann damit auch unnötige Diskussionen – denn Ausländer sind ja bekanntlich störrisch, undiszipliniert und stellen alles in Frage – vermeiden, denn der Megaphonträger versteht ja schliesslich etwaige Antworten oder Kommentare nicht. Genial! Das sind mindestens zwei Fliegen, mit einer Klappe!

Wie das ganze jedoch mit der viel gerühmten Gastfreundschaft in Einklang gebracht werden kann, ist mir ein Rätsel. An allen Ecken und Enden mit einem Megaphon angeherrscht zu werden, dass man sich gefälligst hierhin stellen soll und dies und jenes unterlassen soll, erscheint mir wenig attraktiv. Aber vielleicht kriegt man das ja mit einem Lächeln wieder hin.

Das Produkt ist noch nicht mal eine sensationelle Neuerung. Diverse Smartphone-Apps können sowas schon länger und besser – und ein solches anstelle eines Mikrofons an ein Megaphon anzuschliessen sollte so schwer nicht sein. Trotzdem wird das Megahon’yaku auf allen Kanälen als Sensation vorgestellt. Schöne neue Welt eben – Ausländer in die Schranken weisen, ohne deren Sprache sprechen zu müssen! Wenn mich demnächst jemand mit diesem Gerät anquatscht, werde ich wahrscheinlich auf stur schalten. Ich bin ja schließlich weder Engländer, Amerikaner, noch irgend ein anderer 英語人 eigojin (Englischmensch).

Das folgende, offizielle Video ist absolut sehenswert – vor allem die ersten 30 Sekunden. Und man deklariert das ganze sogar als „omotenashi – gastfreundlich“!

¹ Die Zeichentrickfigur Doraemon kommt aus der Zukunft und hat allerlei interessante Utensilien zur Hand, dazu zählt das „hon’yaku konnyaku“. „Hon’yaku“ bedeutet „Übersetzung“, „konnyaku“ ist ein geleeartiges Nahrungsmittel. Wer „hon’yaku konnyaku“ isst, kann plötzlich alle Fremdsprachen verstehen.

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Mit Essen spielt man nicht. Es sei denn, es ist Hina-Matsuri

März 9th, 2017 | Tagged , | Kein Kommentar bisher | 478 mal gelesen

Wie die Zeit vergeht. Gerade eben Neujahr gefeiert (obwohl es dieses Jahr aufgrund einer in der Familie grassierenden Augengrippe geradezu ausfiel), und schon ist es schon wieder Zeit für das ひな祭り (hina matsuri) – das Puppenfest, zelebriert am 3. März jeden Jahres. Und da ich heute mal nicht über nordkoreanische Raketen, die gen Japan fliegen, berichten möchte, hier also ein Foto vom diesjährigen Hina-Matsuri. Dass man glanzvolle Puppen dabei ausstellt, ist ja bereits vielen bekannt, doch immer wieder amüsant finde ich, was man den Kindern an besagtem Tag zum Essen hinstellt. Beziehungsweise, was die Kinder, so sie gross genug sind, an jenem Tag aus Essen basteln. Denn das Basteln mit Essen hat nicht nur beim Bento Tradition, sondern auch hier:

Drappierter Reis mit Wachtelei

Drappierter Reis mit Wachtelei

Je nach Region und Familie scheint die Gestaltung dabei zu variieren. Und je größer die Kinder werden, desto interessanter werden die kleinen Kunstwerke. Die männliche Hälfte des obigen Paares hat zum Beispiel nicht deshalb eine Glatze, weil das Ei heruntergerutscht ist. Nein, die polierte Platte, auf japanisch von Kindern gern つるつるぴっか tsurutsuru pikka genannt, ist mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit eine Anspielung auf die Haupthaarpracht des Vaters, vom dreikäsehohen Sohn gern auch mal so vor fremdem Publikum, zum Beispiel in einer vollbesetzten Bahn, angepriesen. Doch auch wenn die Figuren dieses Jahr irgendwie auch ein bisschen an Kermit den Frosch erinnern – Spaß macht es immer wieder, dabei zuzusehen.

Über das Hina-Matsuri werde ich mich nun aber doch nicht weiter auslassen, denn das haben andere Blogger bereits wesentlich ausführlicher getan:

Weltentdeckerfrosch Hina-Matsuri (Mädchenfest)
Ginkgo Leafs 雛祭り – Hinamatsuri, das Puppenfest bzw. Mädchenfest
8900 km Hinamatsuri, das Mädchenfest.
Nippon Insider Hinamatsuri – Das Puppenfest für die Mädchen
Tabibito (2008) Hoch die Tassen: Hina-Matsuri
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Denden? Unnun! Wenn Politiker nicht lesen können…

Januar 27th, 2017 | Tagged , , | Kommentare deaktiviert für Denden? Unnun! Wenn Politiker nicht lesen können… | 647 mal gelesen

Im japanischen Parlament geht es wirklich öfter mal zu wie im Kindergarten. Dazu zählen ungezogene Parlamentsabgeordnete, die laut herumbrüllen. Oder Plakate hochhalten im plüschbewehrten Parlamentssaal. Darüber mokierten sich neulich die regierenden Liberaldemokraten. Da ließen es sich die oppositionellen Demokraten nicht nehmen, im Archiv zu kramen – und siehe da, während der kurzen Regierungsphase der Demokraten um das Jahr 2010 herum standen da doch tatsächlich Liberaldemokraten mit Plakaten in der Hand im Parlament.

Abe wollte dies wiederum kontern, unter anderem mit der Bemerkung, dass er bei seiner Attacke auf die Plakathalter nie die Demokraten namentlich genannt hatte. Doch dann verhaspelte er sich beim Lesen: Irgendwann hieß es „teisei denden“. „Teisei“ bedeutet „Korrektur“, aber was in drei Teufels Namen bedeutet das Wort „denden“ hier?

Das Manuskript lag nicht vor, also konnte man nur rätseln. Wahrscheinlich stand dort aber

訂正云々

– schließlich liest man das sehr geläufige Schriftzeichen „伝“ (unter anderem) „den“, und das Schriftzeichen „云“ ist relativ selten. Richtig wird das Wort jedoch „unnun“ gelesen (und bedeutet „und so weiter“).

Die Häme war natürlich gross, vor allem beim in Japan besonders beliebten Twitter-Netzwerk. Beispiele:

Schöne Persiflage auf Pikotaro!

Dieser ist auch interessant: „…das eigentliche Problem ist doch, dass die Regierung Abe so eine Sache mit einem schnöden ‚und so weiter‘ vom Tisch wischen will…“.

Für alle Japanischlernenden sollte das jedoch zur Beruhigung beitragen. Selbst japanische Ministerpräsidenten sind vor Schriftzeichen und deren Lesungen nicht sicher. Es stimmt natürlich aber nachdenklich, dass ein seit 5 Jahren regierender Ministerpräsident Manuskripte im Parlament vorliest, die er noch nicht einmal selber lesen, ergo verstehen, kann…

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Willkommen in der Spielhölle

Dezember 12th, 2016 | Tagged , , | 4 Kommentare | 677 mal gelesen

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich in einem Cafe im 2. Stock am Fenster auf einen Gast aus Deutschland wartete. Ich sah, wie besagte Person aus dem Bahnhof kam und die Straße entlang ging. Dabei kam sie so nahe an einer Pachinko-Halle vorbei, dass sich die automatische Tür öffnete. Aus der Tür heraus drang umgehend ein mörderischer Lärm – und mörderischer Zigarettenqualm. Sie stolperte regelrecht und wäre fast auf den Bürgersteig gepurzelt. Dabei hatte sie die Halle noch nicht einmal betreten…

Gestern hatten wir uns mit guten Freunden aus unserem alten Wohnort verabredet – in der Mitte, in einem sehr bekannten Vergnügungs- und Einkaufsviertel (Odaiba). Nach ein paar Runden Bowling, Tischtennis und dergleichen zog es die lieben Kleinen in ein ゲームセンター Game Center. Einer der Orte, die ich in Japan versuche, zu vermeiden. Der ganz normale Wahnsinn eines Japanischen Game Centers kommt übrigens in der Komödie Wasabi ganz gut rüber. Das Game Center im Diver City in Odaiba gehört zu den größeren, und braucht nur ein paar wenige Schritte vom Empfang laufen, um mitten drin zu stehen. Das ganze sieht dann so aus, und um die Atmosphäre auch möglichst authentisch zu geniessen, sollte man beim Betrachten des Videos die Laustärke auf Maximal stellen:

gamecenter

Alle Achtung: 100 Dezibel im Game Center

Alle Achtung: 100 Dezibel im Game Center

Schnell mal eine App zur Geräuschpegelmessung heruntergeladen, und siehe da: Der Pegel liegt bei konstanten 99 Dezibeln. Da darf man mal ganz kurz raten, wo die gesetzliche Obergrenze für den Geräuschpegel in Game Centers in Japan liegt, in denen auch Kinder spielen dürfen. Immerhin ist das ein bisschen leiser als in Pachinko-Hallen, denn dort geht es bis 110 Dezibel hoch.

Als Vergleich einmal die Beschreibung der Laustärke in der Süddeutschen:

80 bis 100 dB (A) erreichen vorbeifahrende LKWs, Motorsägen oder Winkelschleifer. Hier droht bei Dauerlärm bereits der Gehörschaden.

beziehungsweise von 110 Dezibel:

Bei 110 dB (A) ist die Schmerzgrenze erreicht. Kreissägen und Presslufthämmer liegen in diesem Bereich, aber auch der Lärm in Diskotheken oder die Musik aus dem Walkman.

Kein Ort also, an dem man sich freiwillig länger aufhalten möchte. Bei Kindern ist jedoch etwas ganz erstaunliches festzustellen: Sonst überaus geräuschempfindlich, scheint ihnen dank Reizüberflutung die Lautstärke im Game Center völlig egal zu sein. Wieso sich jedoch so viele japanische Paare zum Date im Game Center treffen, ist mir persönlich etwas schleierhaft, denn eine Unterhaltung ist dort fast unmöglich. Aber vielleicht bin ich da auch nur zu altmodisch. Auf jeden Fall habe ich nach einer guten Stunde im Game Center die Stille der japanischen Schnellstraßen und Einkaufsviertel sehr genossen.

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Shibuhallo – wenn Fasching auf Japan trifft

November 1st, 2016 | Tagged , , | Kommentare deaktiviert für Shibuhallo – wenn Fasching auf Japan trifft | 2117 mal gelesen

Halloween ist in Japan seit ein paar Jahren schwer im Kommen — und das nicht nur bei den Kindern. 2012 kamen ein paar Clubs im Tokyoter Trendviertel auf die Idee, sich zusammenzuschliessen und regelrechte Kostümballe zu veranstalten. Und es gibt viele Clubs in Shibuya. Nach zwei Jahren lag die geschätzte Teilnehmerzahl bei über 50’000, doch diese Zahl hat sich 2015 und auch 2016 vervielfacht — wobei es schwer ist, genaue Zahlen zu schätzen, denn bei weitem nicht alle gehen wirklich in die Clubs. Stattdessen brodelt die ganze Gegend zwischen Bahnhof und dem oberen Ende der Dogenzaka. Und dieses Jahr dauert das ganze Spektakel auch noch 4 Tage – vom 28. Oktober bis zum 31. Oktober.

Da ich sowieso in Shibuya umsteigen muss, habe ich mir heute mal das Spektakel kurz selbst angesehen. Die Stimmung rund um den Bahnhof war ausgelassen, und es war extrem voll. Schätzungen gehen davon aus, dass die berühmte „Scramble-Crossing“ genannte Kreuzung pro Tag von einer halben Millionen Menschen überquert wird – während des mittlerweile liebevoll シブハロ shibuharo, von SHIBUya HALLOween genannten Events hingegen von einer Millionen Menschen. Die sind natürlich nicht alle gleichzeitig da, daher die ungenauen Teilnehmerzahlen.

Trotz der enormen Menschenmassen verlief das ganze bisher immer recht friedlich – mit Ausnahme einer Festnahme im Jahr 2015, als ein paar Vermummte einen Polizisten angriffen. Der Vorfall fand in den Medien viel Beachtung, da vielen diese neue Grossveranstaltung ohnehin suspekt ist. Die Polizei hingegen kann nur gelobt werden: Die auf ihren typisch japanischen Polizeiwagen stehenden Beamten mit ihren Mikrofonen sind bereits unter dem Namen „DJ Police“ berühmt geworden und versuchen nach Leibeskräften, die Kreuzung freizuhalten und für ein bisschen Ordnung zu sorgen, was nicht so einfach zu sein scheint. Anbei ein kurzes Video, heute gedreht (leider hatte ich nur mein Handy dabei):

Mir fielen jedenfalls viele Ausländer auf — überall hörte man koreanisch, chinesisch, aber auch Englisch und andere Sprachen. Ganz offensichtlich hat sich die Veranstaltung über die Landesgrenzen hinweg herumgesprochen. Und warum auch nicht: Shibuhallo ist Tokyos jüngste Attraktion und ich hoffe sehr, dass es nicht zu Zwischenfällen kommt, denn dann könnte die Veranstaltung sehr schnell verboten werden. Übrigens sieht das ganze weniger wie Halloween sondern mehr wie Fasching aus: Gruselkostüme sieht man zwar oft, aber noch häufiger sind harmlosere Verkleidungen.

Bei der Recherche zu aktuellen Zahlen bin ich auf diese Seite hier gestossen, wo auch auf die negativen Begleiterscheinungen aufmerksam gemacht wird. Dazu zählen die enormen Müllberge, aber auch die potentielle Terrorgefahr. Ungefährer Wortlaut: „Da die Menschen verkleidet sind, sieht man nicht, ob sie Ausländer sind oder nicht, oder ob sie gefährliche Waffen dabei haben“. Dieser Satz macht mich wirklich sprachlos. Scheinbar ist das Gedächtnis hier sehr kurz, denn der schlimmste (und eigentlich einzig nennenswerte) Terrorangriff wurde eben nicht von Ausländern verübt, sondern von *reinrassigen* Japanern – den Verrückten der Aum-Sekte.

Anbei noch ein paar Fotos:

  • Shibuhallo 2016
  • Shibuhallo 2016 - Bahnhofsvorplatz
  • Shibuhallo 2016
  • Shibuhallo 2016
  • Shibuhallo 2016
  • Shibuhallo 2016
  • Shibuhallo 2016
  • Diese Polizisten sind echt
  • Diese auch: DJ Police bei der Arbeit
  • Shibuhallo 2016
  • Diese Polizistinnen sind jedenfalls nicht echt
  • DJ Police
  • Mitgehangen, mitgefangen
  • Shibuhallo 2016
  • Armeeeinheiten sind auch dabei
  • Mehr Fasching als Halloween
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Chouchous für die Wohlfahrt

Oktober 4th, 2016 | Tagged | 3 Kommentare | 571 mal gelesen

„Komm Schatz, lass uns doch mal wieder gemütlich einen Film schauen!“ – „Lass mal, für mich nich. Muss noch Chouchous machen“ – „…“. Ja, so oder ähnlich sieht der graue Alltag im Hause tabibito aus. Aber warum nur? Schon den ganzen Sonntag lang haben wir die Kinder durch die Stadt getrieben, von einem 100-Yen-Shop zum nächsten, um allerlei lustige Gummibändchen und ganz fluffige Wollknäuelchen in Mintgrün und Leberwurstbraun zu erstehen, nur um diese in nächtlichen Seancen zu ganz drolligen Chouchous, formerly known as „Haargummis“ zu verwandeln.

Warum? An welcher Wegkreuzung haben wir nicht aufgepasst? Wo in unserem Leben sind wir falsch abgebogen? Achso, nee – wir sind in Japan, und in zwei Wochen ist Kindergartenbasar. Ab Sonnabend morgen, 8:30. Vor dem Aufstehen. Und jeder soll etwas mitbringen, was er entweder nicht mehr braucht oder selbst gebastelt hat. Das wird dann an die anderen rund 999 Mütter unseres Kindergartens verkauft. Und, aber diese Information ist eigentlich geheim: Alles, was nicht verkauft werden konnte, wird hernach vom Kindergartenteam eingesammelt und … weggeworfen!

Neulich in der Chouchou-Manufaktur

Neulich in der Chouchou-Manufaktur

Da wir keinen unbrauchbaren Krempel verhökern wollen (nein, eigentlich sind wir nur geizig und brauchen alle unsere Sachen ganz für uns allein) basteln wir also selbst etwas und verkaufen es für 50 Yen pro Stück. Dieses Geld dient ja schliesslich einem guten Zweck: Das Geld wird „für die weitere Verschönerung des Kindergartens“ benutzt. Und zwar für den Kindergarten, für den wir 300 Euro pro Monat bezahlen. Und dann natürlich noch Extra für Uniform, Exkursionen, PTA und so weiter und so fort. Logisch, oder? Bleibt die Hoffnung, dass sich die Leute nach den Chouchous nur so reissen werden und ein namhafter alkoholkranker Modedesigner auf die superputzigen Chouchous aufmerksam wird. Ist doch klar, oder?

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Endlich da: Cup Noodles mit… rätselhaftem Fleisch!?

September 6th, 2016 | Tagged , | 4 Kommentare | 719 mal gelesen

Neu: Undefinierbares-Fleischfestival im Pappbecher!

Neu: Undefinierbares-Fleischfestival im Pappbecher!

Nissin, der Cup-Noodle-Pionier und Marktführer für allerlei Instantnudeln, hat heute seine jüngste Kreation vorgestellt. Anlass dafür ist der 45. Geburtstag der sogenannten Cup-Noodles, die sich in Japan seit Einführung selbiger ungebrochener Beliebtheit erfreuen. Die neueste Kreation hat dabei einen sehr, nun ja, gewöhnungsbedürftigen Namen: 謎肉祭 Nazo Niku-matsuri. „Nazo“ bedeutet „Rätsel“ bzw. „Undefinierbares“, „niku“ bedeutet „Fleisch“ und „Matsuri“ soviel wie „Fest(ival)“. Ein Fest undefinierbaren Fleisches quasi. Das klingt doch schon mal sehr verlockend, und es beschreibt genau das Gefühl, was ich jedes Mal habe, wenn ich Instant-Nudeln in Japan esse. Das passiert in etwa ein Mal pro Woche, im Büro, denn ich bin zugegebenermassen auch ein Fan dieser schnellen Mahlzeiten – aber nur in geringen Mengen. Die Dinger sehen schon von weitem äusserst ungesund aus, so dass die Angst vor dem, was da alles drin sein könnte, stärker ist als das Verlangen danach. Besonders verdächtig sind mir die Sorten mit Fleischbeilagen – entweder als gefriergetrocknete, braune Krümel oder einzeln verschweisst. Das sieht immer ein bisschen aus wie Chappi – also absolut undefinierbar, rätselhaft sozusagen. Von daher ist der Name der Nissin-Kreation kein grosses Wunder. Liest man sich die PR-Mitteilung jedoch genauer durch, stellt man fest, dass es sich nicht um undefinierbare Fleischsorten zweifelhaften Ursprungs handeln soll, sondern einfach nur um eine rätselhaft grosse Menge undefinierbarer Fleischbröckchen: Zehn Mal so viel als üblich. Igittigitt.

Interessant werden die ganzen Instantnudeln in Japan erst durch das ちょい足し choitashi – quasi das „Aufmotzen“ der Billiggerichte durch Zugabe von Käse oder Mayonnaise, Dashi oder Kim’chi, Nori oder Sake, Curry oder… Erdbeermarmelade. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt, und das Internet ist voll mit „Rezepten“ und Tipps für „Pimp my cup noodles“-Anfänger und Experten. Na dann – Prost Mahlzeit!

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Einmal als Mario im Go-kart durch Tokyo fahren

August 16th, 2016 | Tagged , | 2 Kommentare | 687 mal gelesen

​Heute nachmittag habe ich an einer grossen Kreuzung in Shibuya einen triftigen Grund gesehen, endlich mal die Fahrerlaubnis zu machen: An der Ampel warteten vier Go-karts, mit als Mario und Konsorten kostümierten Fahrern, die offensichtlich sehr viel Spass an der Sache hatten. Deutsch, wie ich bin, war ich natürlich erstmal perplex, dass man mit den Dingern ganz normal im Strassenverkehr mitmischen darf, denn die Vehikel liegen so tief, dass schnell mal ein Bus- oder LKW-Fahrer die Dinger übersieht, und das Ergebnis dürfte klar sein. Erstmal dachte ich auch an den Batman-Fahrer in Chiba, aber ein genauer Blick auf die Karren machte deutlich, dass sich jedermann die Dinger ausleihen kann. Vorausgesetzt natürlich, man hat einen japanischen oder einen in Japan anerkannten Führerschein.

Im Go-kart durch Tokyo

Im Go-kart durch Tokyo

Ich bin zwar kein Mariospieler, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass es ein Riesengaudi sein muss, mit den Dingern durch Tokyo zu flitzen. Das geht entweder im Pulk und mit Führung oder auch allein. Die auf der Webseite inserierten Preise klingen jedenfalls vernünftig: 8,000 yen für 2 Stunden, inkl. Benzin, klingen zivil. Wer sich einen Mariobart dazu ausleihen möchte, muss noch 250 yen pro Stunde draufzahlen, aber der Spass ist es sicherlich wert. Man konnte auch sehen, dass die meisten Menschen, die die Gefährte bemerkten, schnell ein Lächln auf den Lippen hatten. Und für 8,000 yen Tausenden Menschen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern klingt nach einer guten Idee. Das funktioniert übrigens auch mit dem Fahrradhelm vom Sohnemann:

Fahhradhelm mit Iro

Fahhradhelm mit Iro

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Senryū-Wettbewerb 2016: Die Gewinner und mehr

Mai 24th, 2016 | Tagged , , | 5 Kommentare | 843 mal gelesen

sararimanAuch in diesem Jahr fand er wieder statt – der サラリーマン川柳コンクール Sarariman-Senryū-Wettbewerb, ausgetragen von der der Daiichi Seimei Hoken (“Erste Lebensversicherung”). Und zwar zum 29. Mal. Die Gewinner wurden heute bekanntgegeben, und bis März hatte jeder die Möglichkeit, aus den 100 besten Senryūs den persönlichen Favoriten zu nominieren. Da diese Senryu immer ein herrlicher Spiegel der Zeit sind und zudem noch eine gute Sprachübung, möchte ich an dieser Stelle wieder eine kurze Auswahl vorstellen:

退職金もらった瞬間 妻ドローン
Taishokukin moratta shunkan tsuma dorōn
Kaum erhalte ich mein Altersgeld, die Gattin zur Überwachungsdrohne mutiert

Der Sieger des diesjährigen Wettbewerbs. Drohnen sind auch in Japan ein ganz grosses Thema, und dieses Haiku deutet an, dass so manche japanische Ehefrau sicherlich sehr genau darüber wacht, was der Göttergatte mit dem (zumindest bei grossen japanischen Firmen) sehr üppigen Altersgeld macht.

じいちゃん建てても孫がばあちゃんち
Jiichan tatetemo mago ga baachanchi
Obwohl der Opa das Haus gebaut, nennen es die Enkel „Omas Haus“

Der Zweitplazierte. Und auch das ein schöner Spiegel der Gesellschaft in Japan. Japanischlerner sollten das -chi am Ende bemerken: Das ist Kindersprache und eine Abkürzung von „uchi“ (Haus).

君だけは俺のもの マイナンバー
Kimi dake ha ore no mono da yo my number
Du bist das einzige, was nur mir gehört – My Number

Der drittplatzierte. Ledige, jeden Tag bis Mitternacht arbeitende junge Schlipsträger werden darüber wohl nur gequält lächeln können.

娘来て 「誰もいないの?」オレいるよ
Musume kite „dare mo inai no?“ Ore iru yo
Kommt die Tochter vorbei „Niemand da?“ – Doch, ich!

Dieser Haiku fand auch sehr viel Zuspruch und deutet daraufhin, dass der durchschnittlich rackernde japanische Schlipsträger so gut wie nie zu Hause ist — und damit zu Hause quasi Luft ist.

「できません‼︎」 言えるあなたは 勝ち組です
„Dekimasen!!“ ieru anata wa kachigumi desu
Der, der „das kann ich nicht“ sagen kann, ist der eigentliche Gewinner

Dieser hier ist herrlich: Die meisten wagen es nicht, „nein“ zu sagen, wenn sie vom Vorgesetzten gebeten werden, etwas zu machen – ob sie es können oder nicht. Die Arbeiter, die alles annehmen, bezahlen natürlich den Preis dafür: Schnell sind zahllose Überstunden die Folge (siehe alte Managerregel: Wenn Du etwas sehr schnell erledigt haben möchtest, frage den, der am beschäftigsten ist!).

本物の ビール3本 わが爆買い
Honmono no biiru sanbon wagabakugai
Drei richtige Dosen Bier – so sieht mein „Kaufrausch“ aus

Über „bakugai“ habe ich ja erst im letzten Artikel berichtet. Wie praktisch.

我が家では イエスかハイの 二択制
Wagaie de wa yes ka hai no nitakusei
„Yes“ oder „hai“: Bei uns zu Haus‘ gibt es zwei mögliche Antworten

辞書にない 難読難解 生徒の名
Jisho ni nai Nandoku nankai seito no na
Schwer zu lesen, schwer zu entziffern – steht in keinem Wörterbuch: die Vornamen meiner Schüler

Diesem Thema habe ich in meinem Buch sogar ein ganzes Kapitel gewidmet.

Ältere Artikel zu den Senryu auf diesem Blog: Die besten Senryu 2015, 2013, 2009 und 2007.

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Umgekehrter Kulturschock im Anmarsch

Mai 16th, 2016 | Tagged | 14 Kommentare | 998 mal gelesen

Im Juli geht es endlich mal wieder in die Heimat – und dieses Mal sogar richtig lange, also fast 3 Wochen. Das wird auch langsam Zeit – schliesslich war ich seit drei Jahren nicht mehr dort. Und wie immer freue (?) ich mich auf den sogenannten reverse culture shock, der umso schlimmer ausfällt, je länger man weggeblieben ist, denn der Mensch hat ja die famose Eigenschaft, gute Erinnerungen den schlechten hervorzuziehen. Vor drei Jahren kam ich zum Beispiel in meinem Heimatort in den Genuss des Kulturschocks. Eines Abends beschloss ich, allein etwas durch die dunklen Gassen zu schlurfen und wenn möglich kurz in einer Bar aufzuschlagen, um mal wieder richtig die Eingeborenen beobachten zu können. Das ich dabei jemanden Bekannten treffen würde, war ziemlich unwahrscheinlich: Ich bin mit 14 Jahren aus der Stadt weggezogen, und ich habe ein lausiges Personengedächtnis: Selbst wenn jemand von meiner alten Klasse neben mir sitzen würde, würde ich den- oder diejenige mit Sicherheit nicht wiedererkennen. Irgendwann traf ich tatsächlich auf eine pubähnliche Einrichtung mit – meine alte Biologielehrerin hätte dazu „Muschepupu-Beleuchtung“ gesagt – eines dieser famosen und aberwitzigen Wörter, die man nie im Leben zuvor gehört hat, aber sofort weiss, was gemeint ist. Im Etablissement war ich prompt enttäuscht: Zwei Daddelautomaten dudelten leise vor sich hin. Die Dinger hatte ich in der Tat völlig vergessen. Hinter dem Tresen stand eine Dame, wahrscheinlich um die 30, und am Tresen sassen drei Gäste – ganz offensichtlich Stammgäste, die sich und die Bedienung lange kannten. Das ist kein Wunder in einem 30’000-Seelenort. Das Beisammensein der vier sah recht intim aus, und es war schon elf Uhr abends und werktags – da drängte sich natürlich die berechtigte Sorge auf, dass hier gleich Zapfenstreich gemacht wird. Also fragte ich, mangels Hinweisen auf Öffnungszeiten, freundlich nach, wie lange denn heute geöffnet sei. Die Antwort kam prompt: “ Na die janze Nacht will ick hier nich mit Dir rumhängen!“ Rums. Direkt in die Fresse. Hier herrschen klare Verhältnisse, und dem Gast wird sofort klargemacht, dass er hier nur nämlicher ist.

Nun ist (Rand)berlin ohnehin nicht berühmt für seine Kundenfreundlichkeit. Und letztendlich tröstete ich mich mit dem Gedanken, mit dem ich auch meine Frau damals in der Ukraine, Weißrussland und ähnlichen Gefilden auf Reisen tröstete: „Sieh es mal so: Wenn Dich hier jemand anlächelt, dann ist es wenigstens ein echtes Lächeln!“

Natürlich geht es nicht nur mir so. Mein englischer Geschäftspartner weilt zum ersten Mal seit 20 Jahren ein paar Monate auf der heimischen Insel. Seinen Worten zufolge funktionieren dort zuverlässig 9 von 10 Dingen überhaupt nicht, was ihn zur allabendlichen, verzweifelten Frage bringt: Wie können die Leute hier nur leben?

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