You are currently browsing posts tagged with Amüsantes

Batman lebt. In Chiba.

August 25th, 2014 | Tagged | Kein Kommentar bisher | 357 mal gelesen

Wie ein Lauffeuer verbreiteten sich heute Nachrichten auf Twitter in Japan über – Batman. Da hat sich doch tatsächlich jemand die Mühe gemacht, ein fahrbares Batman-Motorrad zu basteln – und damit im entsprechenden Kostüm über die Autobahn bei Makuhari (Präfektur Chiba) zu brettern. Das Ding hat wohlgemerkt ein amtliches Nummernschild.

Was will Batman hier? Ist er auf der Jagd nach Baikinman? Oder ist er sogar hier, um den bösen Abeman vom Ministerpräsidentensessel zu schubsen? Sollte letzteres der Fall sein, wäre ich gern Robin.

Wer weiss, wer sich dahinter versteckt. Ich hoffe, es ist kein PR-Stunt sondern wirklich jemand mit Humor… und offensichtlich viel technischem Verstand. Auf jeden Fall muss die Fahrt zu den befriedigensten Momenten im Leben des Fahrers gehört haben.

Mehr Fotos und Infos gibt es bei der japanischen Version der Huffingtonpost.

Teilen:  

Angriffslustiger Jaguar

August 8th, 2014 | Tagged , | 1 Kommentar | 2017 mal gelesen

Neulich fiel mir in Roppongi eine riesengrosse Werbung für Jaguar auf: Der Werbeslogan:

ドイツもこいつも、刺激が足りない。
[doitsu mo koitsu mo, shigeki ga tarinai]

Sehr frei übersetzt: “All den anderen fehlt einfach der Pfiff”.
Ein ganz gewöhnlicher Werbeslogan, erst recht für einen Autohersteller der gehobenen Klasse. Die Wörter “doitsu” und “koitsu” gehören zu den ko-so-a-do-Wörtern, mit denen man ausdrückt, wo sich was oder wer befindet:

ko- bedeutet “hier”, also beim Sprecher
so- bedeutet “da”, quasi in Sichtweite des Sprechers
a- bedeutet weiter weg, meist ausserhalb der Sichtweite
do- wird dafür benutzt, zu fragen, wo etwas ist.

Dementsprechend gibt es kochira/sochira/achira/dochira (hier, dort, da drüben, welches?) oder eben koitsu (der Typ hier), soitsu (der Typ da), aitsu (der – nichtanwesende – Typ) und doitsu (eigentlich: welcher Typ?”). Ich benutze bewusst das Wort “Typ”, da “aitsu” usw. wirklich in dieser Nuance benutzt werden.

Jaguar-Werbung in Japan

Jaguar-Werbung in Japan

Zurück zur Werbung: “doitsu mo koitsu mo” bedeutet eigentlich “all die Typen”. Das schöne am obigen Slogan ist allerdings, dass man “doitsu” mit Katakana schreibt, und das macht man eigentlich nur bei Fremdnamen. So geschrieben, bedeutet “doitsu” schliesslich “Deutschland”.

Mit diesem meines Erachtens durchaus einfallsreichen Spruch versucht sich Jaguar, an der deutschen Konkurrenz zu reiben. Da haben sie allerdings reichlich viel zu tun, da deutsche Autos – allen voran Mercedes, seit einiger Zeit sehr stark auch Audi sowie BMW und Porsche – in Japan über alle Masse hinaus beliebt sind. Von daher kann das der deutschen Konkurrenz ziemlich egal sein. Die ist sowieso nicht faul und bringt in Japan recht ansprechende Werbung heraus: Siehe unten, mit Super Mario:

Teilen:  

Ein totales Fukuppy

Oktober 22nd, 2013 | Tagged | 3 Kommentare | 8944 mal gelesen

Macht alle Happy: Das berüchtigte, strahlende Fukuppy

Macht alle Happy: Das berüchtigte, strahlende Fukuppy

Nein, mit dem Namen Fukushima assoziiert man wirklich nicht viel Gutes zur Zeit. Tsunami, Erdbeben und die Atomkatastrophe im AKW Fukushima haben vor gut zwei Jahren innerhalb weniger Stunden dafür gesorgt, dass die ganze Welt plötzlich den Präfekturnamen kennenlernte. Fukushima bedeutet eigentlich “Insel des Glücks”, aber damit ist es bekanntlich seit geraumer Zeit vorbei. Kann es noch schlimmer kommen? Aber ja doch! Indem eine japanische Firma namens Fukushima Industries Corp. beschloss, sich ein Maskottchen zuzulegen. Jenes nennt sich フクッピー, und das macht an sich noch nicht viel aus, wenn man es auf Japanisch (oder auf Deutsch) liest: Fukuppii. Zusammengesetzt aus Fuku- in “Fukushima” und “ppy” wie in Happy. Schlimm wird der Name natürlich, wenn man ihn auf Englisch ausspricht, und das tun englische Muttersprachler ja bekanntermassen oft. Man kann dementsprechend wunderbar Brücken schlagen und umgehend bestätigen, dass TEPCO und die Lage am AKW ein 1A-Fukuppii sind. Klasse! Ein albernes Ei mit roten Schuhen und Flügeln, und die von dem Ungetüm ausgehenden Strahlen machen die Interpretation natürlich noch… eindeutiger.

In englischsprachigen Blogs und anderen Medien machte das armselige Maskottchen schnell seine Runden. Dass Fukushima Industries dabei nicht aus Fukushima stammt, sondern eine Firma aus Ōsaka ist, spielt da nur noch eine untergeordnete Rolle – wer will schon kleinlich sein. Nun, der Name ist in der Tat sehr unglücklich gewählt, und die Wellen schlugen so hoch, dass selbst die Firma davon Wind bekam, und auf seiner Webseite eine Presserklärung auf Englisch veröffentlichte. Dort heißt es am Anfang:

It seems that the transliteration of the name of our corporate mascot into the English alphabet has been mistakenly associated with some unsavory words by people living in English speaking countries, or some content on the Internet may have led to misunderstandings. We apologize profusely for having caused concern and misunderstanding among a great many people.

Ganz schön kess: Das Fuckin Fashion Laboratory.

Ganz schön kess: Das Fuckin Fashion Laboratory.

Immerhin kann man da also von halbwegs professionellem Krisenmanagement sprechen. Und mal ehrlich – dass ein Japaner den Namen so missversteht wie ein Engländer oder Amerikaner, kann man nicht unbedingt erwarten, denn “Fu” liesst man hierzulande nun mal “fu” und nicht “fa”, und “ku” ist “ku” und nicht “ka”. Ergo: Einfach mal Pech gehabt.

Da gibt es durchaus schlimmere Fälle. Nur 100 m von meinem Büro entfernt gibt es eine kleine Boutique, die bei näherer Betrachtung einen interessanten Namen trägt: Fuckin Fashion Laboratory. Das der Namensgeber das F-Wort nicht kennt, halte ich für relativ unwahrscheinlich, und ein japanisches Wort ist das erste Wort auch nicht. Hier wurde, wie es scheint, bewusst ein angeblich ganz schön frecher, provozierender Name gewählt. Ein grobes Fehlurteil – zumindest aus der Sicht eines Zugereisten – denn der Name ist einfach nur eins: Bescheuert.

Teilen:  

Roboter, halbnackte Frauen und Business

Oktober 3rd, 2013 | Tagged , , | 3 Kommentare | 9222 mal gelesen

Roboter + α: Robot Restaurant in Shinjuku/Tokyo

Roboter + α: Robot Restaurant in Shinjuku/Tokyo

Gestern war ein Treffen mit zwei Geschäftspartnern vereinbart – beide gestandene Japankenner aus dem englischen Sprachraum. Einer der beiden hatte auch lange vorher bereits einen angemessenen Ort für das Treffen arrangiert: Das Robot Restaurant in Shinjuku, genauer gesagt im berühmt-berüchtigten Viertel Kabukichō. Aus eigener Erfahrung schlug der Gastgeber vor, sich vorher zum Abendessen zu treffen, da das Robot Restaurant zwar ein Restaurant ist, die Betonung jedoch hauptsächlich auf dem ersten Wort liegt.
Gesagt, getan. Ah, Shinjuku! Vor 15 Jahren war ich quasi jeden Abend in Shinjuku – entweder zum Arbeiten (wochentags) oder zum Vergnügen (Rest). Shinjuku war mein Spielplatz, und dieser Spielplatz war mir von Anfang an lieber als Roppongi. In den letzten Jahren mangelte es allerdings an Gelegenheiten, und so erkannte ich Shinjuku kaum wieder. Wie sehr sich doch alles in ein paar Jahren ändert. Als erstes viel mir eine chinesische Reisegruppe auf, die einem fähnchenschwingenden Reiseleiter hinterherliefen. Na wenigstens sehen sie so das echte. Japan. Räusper.

Das Robot Restaurant liegt mitten in Kabukichō inmitten all der mehr oder weniger zwiespältigen Etablissements, die da Gruppentarife im Massagesalon anbieten und… nein, das wird zu lang. Selbst im gleißenden Kabukichō fällt das noch gleißendere Robot Restaurant sofort auf. Die Preisstruktur ist einfach: 5,000 Yen pro Person (also rund 40 Euro), ohne wenn und aber. Einfach so hingehen ist nicht – man muss vorher reservieren. Dann wartet man im Eingangsbereich, in dem sofort dank des Dekors Tränen in die Augen schiesen. Es glitzert und funkelt, die Sinne überschlagen sich. Und – nach Japanern muss man beinahe suchen. Fast alle Besucher kommen aus dem Ausland. Irgendwann wird man unter die
Erde geführt – drei Stockwerke tief. Dort: Eine kleine Arena, mit drei gestaffelten Sitzreihen auf beiden Seiten und einem breiten Gang in der Mitte. Dort stehen zwei Angestellte und verkaufen Bier aus Plastebechern. Am Eingang bekommt man zudem eine Pappbox mit Essen drin. Ich musste sie nicht erst öffnen, um zu ahnen, warum wir vorher essen sollten. Nein, hier kommt man ganz sicher nicht des Essens wegen hin.

Farbige Panzer und nackte Frauen. Nun ja.

Farbige Panzer und nackte Frauen. Nun ja.

Irgendwann ging es los. Viele aufgetüterte, halbnackte junge Frauen mit Körbchengrössen, die sich nicht mit den ersten drei Buchstaben des Alphabets beschreiben lassen, sprangen grölend, kreischend, schwerter- und fahnenschwingend durch den Raum. Naja, die ganz normale Durchschnittsfrau eben. Dazu gab es Videoinstallationen, einen Kung-Fu-Panda-Abklatsch, der gegen Bösewichter kämpft (die dann quer durch den Raum fliegen) usw. Besonders bemerkenswert: Die Schlagzeugerin mit einem sehr sportlichen, bunten Drachentattoo, welches den halben Körper bedeckte. Alle Achtung. Irgendwann wurden schliesslich noch. Leuchtknüppel verteilt, mit denen man im Rhythmus winken sollte, Und die meisten haben auch ordentlich mitgemacht.

Was vergessen? Ach so, ja, Roboter! Die gab es natürlich auch, in rauhen Mengen und den verschiedensten Formen, bemannt und unbemannt. Dazu seltsame Fahrzeuge und einiges mehr. Nach anderthalb Stunden war die Show zu Ende, und alle verliessen entweder glücklich oder irritiert das Lokal.

Nun, da habe ich mich zum ersten Mal seit langem in eine andere Welt begeben. Und bei allem Kitsch: Wenn man einfach alles um sich vergisst und sich einfach der Sache ergibt, macht das durchaus Spass. Prädikat: Sehr nerdig, aber gut gemacht und, wenn auch nicht immer, so doch größtenteils, sehr unterhaltsam.
Ach ja: Vom Essen würde ich die Finger lassen. Das können die Convenience Stores besser.

Hier noch der Link zur offiziellen Webseite.

Teilen:  

Einfach mal verblüfft sein

September 29th, 2013 | Tagged | 6 Kommentare | 8822 mal gelesen

Heute in der Meguro-Linie. Mit Frau und heute mal nur einem Kind zuckelten wir durch die Gegend. In Okusawa, einer relativ wohlhabenden Gegend, steigt eine sehr fein angezogene Dame in den Zug. An ihrer Seite ein kleiner, etwas dicklicher Mann. Er sah ebenfalls durchaus schnieke aus, aber er redete ohne Unterlass, und die Art und Weise, wie er redete, war irgendwie anders. Irgendwo an der Grenze zwischen Normalsein und Wahnsinn. Erst dachte ich, die Frau und er fahren zusammen, aber scheinbar hat er sich ihr nur angeheftet, denn sie wirkte leicht pikiert. Plötzlich fragte er sie: “Fährt dieser Zug eigentlich zum Tokyo Tower?”. Sie antwortete etwas irritiert “das weiss ich nicht”. Umgehend antwortete er “日本人のくせに東京タワーの場所も知らないのか” – “Was, obwohl sie Japanerin sind, wissen sie nicht mal, wo der Tokyo Tower steht!?”. Meine Frau konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Er setzte sich plötzlich woanders hin und redete dort weiter vor sich hin. Es schien immer noch um den Tokyo Tower zu gehen. Keine Minute später kam er zurück, und da sass er nun wieder — direkt vor uns. Und er erblickte mich. “Komm, lass es raus, Junge” dachte ich. Beziehungsweise begann ich zu denken, denn schon schleuderte er mir die gleiche Frage entgegen. Was tun? Ignorieren? Plötzlich kein Japanisch mehr verstehen? Ich entschied mich für ein lautes, klares “うん!” (un, also “ja!”). Und dann kam eine Reaktion, die ich nicht erwartet hätte. Der gute Mann war einfach nur baff. Völlig verblüfft. So verblüfft, dass der Mund offenblieb, und er zum ersten Mal nicht redete. Nun konnte ich mir mein Grinsen nicht verkneifen, aber das verbarg ich dann lieber, indem ich mein Telefon hervorwühlte und interessiert auf das Display starrte. An der nächsten Station mussten wir umsteigen. Keine Ahnung, ob er mit meiner Antwort glücklich war. Wir jedenfalls waren es. Der Gesichtsausdruck war jedenfalls unvergesslich.

Teilen:  

Alles Haare… Oder nicht? Oder doch?

September 9th, 2013 | Tagged , | 3 Kommentare | 9864 mal gelesen

Wo man auch hinschaut – überall, wirklich überall hängt Werbung herum, die sich auf die eine oder andere Art und Weise mit Haaren beschäftigt. Entweder geht es um den Kampf gegen die schleichende Entlaubung auf dem Scheitel (育毛 – ikumō, Haarwuchs) oder es geht um das Herausrupfen selbiger, dann natürlich jedoch nicht vom Scheitel, sondern von vielen anderen, manchmal nicht jugendfreien Stellen. 脱毛 Datsumō, Haare entfernen, heisst das dann, und es soll am liebsten für immer sein. Das ist mittlerweilen so beliebt, dass bereits Oberschülerinnen Extra-Rabatte angeboten werden. Wer weiß, vielleicht schliesst sich ja die eine Industrie mit der anderen kurz und man kann auf “gemeinsame Resourcen” zurückgreifen!? Nein, ich denke lieber nicht weiter.

Neulich im Briefkasten: Werbung für den Business-Baby-Popo

Neulich im Briefkasten: Werbung für den Business-Baby-Popo

Und so sieht das Idealbild entsprechend aus: Sie ist rund 1.68 m groß, hat kullerrunde Augen, glänzende Haare, und zwar nur auf dem Kopf und über den Augen (naja, und dann noch an einer nicht näher benannten Stelle, sonst fällt der Freund noch vor Schreck um), wiegt maximal 50 kg (Nettogewicht, mit Knochen) und von edler, weißer Hautfarbe. Er hingegen kann ruhig etwas dunkler sein, ist mindestens 1,78 m groß, wiegt maximal 70 kg, hat volles, üppiges Haar und keine anderen, irgendwie störenden Haare bzw. Stoppeln im Gesicht oder auf der Brust. Ach, ich verallgemeinere ja schon wieder. Nein, eigentlich nicht, denn dies ist wirklich das, was man als Schönheitsideal hierzulande bezeichnen kann.

Aber sehen wir es mal von der positiven Seite: Wenigstens wird in Japan noch nicht so viel am Menschen herumgeschnippelt wie in Südkorea¹. Schönheitsoperationen stellen einen Trend dar, der in Japan zwar auch nicht zu verleugnen ist – jedoch, die Hemmschwelle für plastische Chirugie ohne Not scheint hier höher zu sein. Da haben die Marketingexperten noch viel zu tun. Interessant zum Thema Schönheitschirurgie ist ein Artikel bei Gawker.com – mit einem hübschen (!) Vergleich aller Miss Korea-Aspirantinnen.

Quelle: Bowzu.com (Haareausrupffirma)

Quelle: Bowzu.com (Haareausrupffirma)

¹ Siehe hier: 74 Schönheits-OP’s pro 10’000 Einwohner in Südkorea, 32 in Japan – beide Zahlen 2009. Keine Quellenbewertung möglich, wohlbemerkt.

Teilen:  

Otaku im Glück

Juli 2nd, 2013 | Tagged , | 32 Kommentare | 7373 mal gelesen

Gut ausgestattet: Otaku im Zug

Gut ausgestattet: Otaku im Zug

Neulich ging es mal wieder zum Zoo von Chiba – Kinder verlustieren. Am einfachsten kommt man dort, so ohne eigenes Gefährt unterwegs, mit der 千葉都市モノレール Chiba Toshi Monorail – ihres Zeichens mit 15 km die längste (Guinness-Rekord) Schwebebahnlinie der Welt. Am Hafen von Chiba beginnt die Linie, und zwei Stationen später ist man schon im Zentrum von Chiba, und sechs oder so Stationen später im Zoo. Normalerweise ist in der Schwebebahn am Wochenende nicht allzu viel los – ein paar alte Leute, ein paar Oberstufenschüler, die von oder zu ihren “außerschulischen sportlichen Aktivitäten” (sprich: bukatsu auf Japanisch) fahren, und hin und wieder ein Ausländer mit zwei quirligen Kindern … Dieses Mal waren jedoch noch mehr Fahrgäste an Bord. Ein paar von ihnen dick bebrillt, alle ziemlich jung, recht verschlossen wirkend und vom Erscheinungsbild her stark nach “cherry boy” duftend. “Cherry boy” ist wahrscheinlich gebräuchlicher in Japan als in Amerika und bedeutet “Jungfrau – männliche Variante”. Was war los? Aufgeregt hopsten die Jungs durch den Wagen, photographierten die ganzen Werbeposter und Sticker und freuten sich wie die Schneekönige. Es war unheimlich. Der Passagier neben mir stand wohl über allem: Er saß da wie ein König, mit teurem Audioequipment (ich habe ein Auge dafür) und Stabmikrofon, das er direkt unter den Waggonlautsprecher platzierte. In der Tat, die Lautsprecherdurchsagen waren irgendwie anders – es war eher ein nerviges Gefiepe (sorry, liebe Anime-fans), eine typische Animestimme, die da ihre Kommentare zu den einzelnen Stationen abgab. Ich schaute mich um: Alle Werbeanzeigen, alle möglichen Aufkleber (selbst die für Notbremse, Feuerlöscher, “Vorsicht an der Tür”), waren mit Mangafiguren verziert.

Endlich am Zoo angekommen, konnte ich es dann auch in groß sehen: Der komplette Zug war einem beliebten Manga mit dem einprägsamen Namen 俺の妹がこんなに可愛いわけがない – Ore no imōto ga konna ni kawaii wake ga nai (die deutsche Wiki übersetzt das mit “Meine kleine Schwester kann gar nicht so niedlich sein”) gewidmet, und das bis ins kleinste Detail. Naja, bis auf den Fahrer, der war natürlich weder Schwester noch kawaii, aber das ist auch gut so. Sollte das eine PR-Aktion der Präfektur Chiba sein, um mehr Leute in die Gegend zu locken? Dass das funktioniert, kann ich mir nicht wirklich vorstellen, schließlich machen die Gerufenen nur ihre Bild- und Tonaufnahmen und verschwinden dann ganz sicher ganz schnell in ihr Kämmerchen… Wikipedia bringt hier natürlich Licht ins Dunkle. Und zwar viel Licht, denn der japanische Beitrag zu besagtem Manga ist mit 48’000 Zeichen schließlich beinahe genauso lang wie der über Deutschland (53’000 Zeichen): Ein großer Teil des Manga spielt in Chiba, und die Schwebebahn spielt im Manga eine große Rolle.

Manga-Schwebebahn

Manga-Schwebebahn

Wenn ich mir die hiesigen Otaku so ansehe, bin ich mir immer nicht sicher, ob ich sie beneiden oder bemitleiden soll. Ihre Hingabe und Leidenschaft ist schlichtweg phänomenal. Diese Leute freuen sich WIRKLICH, wenn sie ihren Idolen irgendwie näher kommen. Aber ich werde nie verstehen, wie man dieser Kultur so nahe kommen kann – letztendlich ist doch alles unecht, Lug und Trug und Kommerz. Aber über Kunst soll man bekanntlich nicht streiten.

Teilen:  

Shūdan Kōdō – Präzisionsmarschieren

Juni 17th, 2013 | Tagged | 2 Kommentare | 3130 mal gelesen

Japaner haben ein Faible für so etwas, wie es scheint – Algorithmisches Turnen zum Beispiel ist eine typisch japanische Erfindung – allerdings ist es nur eine Kunstform dessen, was man tagtäglich so in der Hauptberufsverkehrszeit so anstellen muss, um sich durch die Massen zu kämpfen. Aber es gibt noch mehr. Eine in Deutschland wie es scheint wenig bekannte japanische Besonderheit ist das 集団行動 – shūdan kōdō – das Präzisionsmarschieren. Das kennt man sicherlich von Militärparaden in Nordkorea zum Beispiel, aber in Japan entwickelte man eine sehr imposante, zivile Variante des Ganzen. Die Choreographie ist äußerst beeindruckend und erfordert, wie es aussieht, sehr viel – mitunter bestimmt auch schmerzhafte – Übung. Ein schönes Beispiel ist die folgende Vorstellung. Für die Leser mit wenig Geduld – 1:55 bis 2:10 sind zum Beispiel sehr eindrucksvoll.

Vor allem die Nittai (kurz für 日本体育大学 – Nippon Taiiku Daigaku) ist bekannt für ihre Präzisionsmarschaufführungen. Vor nicht allzu langer Zeit traten dabei zum ersten Mal Frauen auf, und angesichts der Tatsache, dass diese nur 45 Tage Vorbereitungszeit hatten, ist auch diese Vorstellung ziemlich eindrucksvoll.

Nun kann man vom Marschieren halten, was man will – aber die Präzision ist sehr beeindruckend: Dahinter steckt eine Menge Arbeit. Und Mathematik.

Teilen:  

Telefonmann

Juni 11th, 2013 | Tagged , | 20 Kommentare | 3023 mal gelesen

Es gibt Momente, in denen ich in der Firma das Telefon beantworte – zum Beispiel wenn die anderen Leitungen besetzt sind, und das ist in einer kleinen IT-Firma durchaus nichts ungewöhnliches. Das bringt mich jedes Mal in den Genuß des einen oder anderen komischen Anrufes. Heute hatte ich mal wieder das Vergnügen. Eine Firma, mit der wir gelegentlich zu tun haben, rief an, aber der 担当者 (tantōsha, die “zuständige Person”) hat mittlerweile die Firma verlassen, und so hatte ich die Ehre. Wie es sich gehört, fragte der Anrufer zum Schluss “もう一度お名前をお聞かせいただけませんか” – “dürfte ich nochmal nach Ihrem Namen fragen”. Sicher doch. “Matthias” sage ich dann, und das ist in der Geschäftswelt völlig unüblich, erst recht in Japan, denn man redet sich natürlich erstmal mit dem Familiennamen an. Jedoch – während “マティアス” (sprich: Matiasu, wobei das “u” am Schluß mehr oder weniger verschluckt wird) halbwegs vermittelbar ist, kann man das über meinen Nachnamen (“Reich”) leider nicht sagen. Den kriegen weder Japaner (Aussprache: “raihi”) noch Angloamerikaner (Aussprache bestenfalls ein genuscheltes “Reyk”) auf die Reihe, weshalb ich es aufgegeben habe, meinen Nachnamen zu benutzen. Macht ja nichts, da die meisten sowieso nicht wissen, was bei mir Vor- und was Nachname ist.

Also sagte ich heute wieder brav meinen Vornamen, und der Anrufer begann mit dem in Japan üblichen Spielchen: “Hmm, ist dass das ‘ta’ wie in ‘tanbo’ (Reisfeld) und ‘Yasu’ wie in ‘Yasuda’ (gängiger Familienname in Japan)?” So wurde – und das nicht zum ersten Mal – aus meinem Namen also ein “田安 – Tayasu”. Natürlich klärte ich ihn auf und sagte “Da ich Ausländer bin, hat mein Name keine Schriftzeichen. In Katakana bitte: ma-ti-a-su”. Ein paar Sekunden Schweigen, gefolgt von einer Entschuldigung, war die Folge. Wofür entschuldigt er sich eigentlich?

Dieses “Schriftzeichen am Telefon erraten” ist natürlich wichtig: Will man später per Email im Kontakt bleiben, gehört es zum guten Ton, nicht nur den Namen, sondern auch die Schriftzeichen richtig zu schreiben. Da ist es schon wichtig zu wissen, ob Herr Takahashi “高橋” oder “髙橋” geschrieben wird. Was, sieht beides gleich aus? Aber nicht doch! Einfach mal im Browser die Schriftgröße maximal vergrössern!

Teilen:  

Aggi Aggi Aggi!!!

Mai 15th, 2013 | Tagged | 19 Kommentare | 1520 mal gelesen

Und ich schulde jedem, der ohne Nachzuschlagen weiß, was der Titel bedeutet, eine Banane. Abzuholen in Tokyo.

Seit ein paar Wochen bringt mich der neue Fahrplan meiner Bahnlinie in den Hochgenuß eines allmorgendlichen Spektakels. Zwei Stationen fahre ich mit der Bahn, bevor ich umsteige. Vorher hielt die Bahn nicht zwischendurch, doch nun hält sie. Und so tauchte er in meinem Leben auf, einfach so: Apeman [ˈeɪpmæn]. Ich bin gut erzogen, also schimpfe ich einen Mitmenschen nicht “Affe”. Also Apeman, das klingt besser. Und mal ehrlich: Wie soll man sonst ein Wesen nennen mit wulstigen Augenbrauen und nach hinten gekämmter Stirn – einem Wesen, das beim Laufen die Arme leicht anwinkelt und bei dem zugleich die Handinnenflächen nach hinten zeigen? Ein Wesen, das sich nur durch unartikuliertes Grunzen äußert?

Apeman verfolgt das gleiche Interesse wie ich: Er möchte direkt an der Treppe zum Ausgang aussteigen. Das hat seine Gründe, gerade in Japan: Wenn hunderte Leute gleichzeitig aussteigen, macht es einen Riesenunterschied, ob man vorn ist (10 Sekunden bis zum Ausgang) oder in der Mitte (2 Minuten bis zum Ausgang). 110 Sekunden hin. 220 Sekunden hin und zurück. 5 Mal die Woche, 50 Wochen pro Jahr. Macht 15 Stunden pro Jahr, die man eingepfercht zwischen hunderten anderen verbringen soll. So einfach kann Mathematik sein. Wieso Züge in Deutschland zum Beispiel nicht an einem bestimmten, immer gleichen Punkt am Bahnsteig halten, wird dabei für mich immer ein Rätsel bleiben. Was denkt sich ein Lok- oder Triebwagenführer in Deutschland, wenn er in den Bahnhof einfährt? “Och, heute ist Montag, da halte ich mir hier!” ?? Ich weiß es nicht.

Apeman ist brachial. Steht jemand anderes an der Bahntür, wird der andere erstmal weggedrückt. Geht die Tür auf, grunzt Apeman, springt wie angestochen aus der Bahn, rennt dabei zwei, drei Leute um (und nicht selten ziemlich brutal), stürzt die Rolltreppe hinunter, durch die Schranke hindurch, vorbei an den Fahrkartenautomaten, durch die Schranke der nächsten Linie und dann wieder die Rolltreppe herunter.

Ich nehme die gleiche Route. Und ich stehe seit Jahren an der gleichen Tür. Das kann Apeman natürlich nicht wissen, da meine Linie ja vorher vorbeifuhr an seinem Bahnhof. Jetzt weiß er es. Jetzt weiß er auch, dass normalerweise zwei Leute an der Tür stehen können. Das gefällt ihm nicht, und das äußert sich in einem Grunzen. Wie ein Gecko klebt dabei seine linke Hand auf meiner Türhälfte direkt vor meinem Gesicht. Und die Tür geht auf…

Leider ist Apeman von Weitsicht (und Rücksichtnahme) weitestgehend unbelastet. Während die Treppe neben der Rolltreppe völlig frei ist (typisch Japan) und die Rolltreppe ganz offensichtlich verstopft von den Fahrgästen des vorangegangen Zuges, stürzt sich Apeman brutal die Rolltreppe herunter. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf. Ich lasse Apeman beim Aussteigen den Vortritt, um seinen Stil zu bewundern. Doch ich bin schneller an der Schranke. Das versteht er nicht ganz und rammt mich. Raus aus der Schranke, und wir rennen zur nächsten Schranke. Er nimmt die Aussenkurve, und rammt mich erneut an der Schranke. Wieder Rolltreppe. Gleiches Schauspiel. Neulich hatte es mir beim vierten Mal gereicht, und ich rief ihm ein いい加減にしろ” (ii kagen ni shiro – in etwa: “Reiß Dich zusammen!”) zu. Schön mit gerolltem “r”, wie es sich gehört. Apeman schaute mich eine Millisekunde ganz verdutzt an. Und lief weiter in seine Richtung. Danach sah ich Apeman eine ganze Woche lang nicht. Doch jetzt ist er wieder da, fit wie eh und je. Und ich steige in meine Bahn ein, setze mich hin, gehe in mich und denke mir ganz leise: 俺、何やってんだろう. Was zum Geier mache ich hier eigentlich.

Teilen:  

« Ältere Einträge