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Senryū-Wettbewerb 2016: Die Gewinner und mehr

Mai 24th, 2016 | Tagged , , | 5 Kommentare | 514 mal gelesen

sararimanAuch in diesem Jahr fand er wieder statt – der サラリーマン川柳コンクール Sarariman-Senryū-Wettbewerb, ausgetragen von der der Daiichi Seimei Hoken (“Erste Lebensversicherung”). Und zwar zum 29. Mal. Die Gewinner wurden heute bekanntgegeben, und bis März hatte jeder die Möglichkeit, aus den 100 besten Senryūs den persönlichen Favoriten zu nominieren. Da diese Senryu immer ein herrlicher Spiegel der Zeit sind und zudem noch eine gute Sprachübung, möchte ich an dieser Stelle wieder eine kurze Auswahl vorstellen:

退職金もらった瞬間 妻ドローン
Taishokukin moratta shunkan tsuma dorōn
Kaum erhalte ich mein Altersgeld, die Gattin zur Überwachungsdrohne mutiert

Der Sieger des diesjährigen Wettbewerbs. Drohnen sind auch in Japan ein ganz grosses Thema, und dieses Haiku deutet an, dass so manche japanische Ehefrau sicherlich sehr genau darüber wacht, was der Göttergatte mit dem (zumindest bei grossen japanischen Firmen) sehr üppigen Altersgeld macht.

じいちゃん建てても孫がばあちゃんち
Jiichan tatetemo mago ga baachanchi
Obwohl der Opa das Haus gebaut, nennen es die Enkel „Omas Haus“

Der Zweitplazierte. Und auch das ein schöner Spiegel der Gesellschaft in Japan. Japanischlerner sollten das -chi am Ende bemerken: Das ist Kindersprache und eine Abkürzung von „uchi“ (Haus).

君だけは俺のもの マイナンバー
Kimi dake ha ore no mono da yo my number
Du bist das einzige, was nur mir gehört – My Number

Der drittplatzierte. Ledige, jeden Tag bis Mitternacht arbeitende junge Schlipsträger werden darüber wohl nur gequält lächeln können.

娘来て 「誰もいないの?」オレいるよ
Musume kite „dare mo inai no?“ Ore iru yo
Kommt die Tochter vorbei „Niemand da?“ – Doch, ich!

Dieser Haiku fand auch sehr viel Zuspruch und deutet daraufhin, dass der durchschnittlich rackernde japanische Schlipsträger so gut wie nie zu Hause ist — und damit zu Hause quasi Luft ist.

「できません‼︎」 言えるあなたは 勝ち組です
„Dekimasen!!“ ieru anata wa kachigumi desu
Der, der „das kann ich nicht“ sagen kann, ist der eigentliche Gewinner

Dieser hier ist herrlich: Die meisten wagen es nicht, „nein“ zu sagen, wenn sie vom Vorgesetzten gebeten werden, etwas zu machen – ob sie es können oder nicht. Die Arbeiter, die alles annehmen, bezahlen natürlich den Preis dafür: Schnell sind zahllose Überstunden die Folge (siehe alte Managerregel: Wenn Du etwas sehr schnell erledigt haben möchtest, frage den, der am beschäftigsten ist!).

本物の ビール3本 わが爆買い
Honmono no biiru sanbon wagabakugai
Drei richtige Dosen Bier – so sieht mein „Kaufrausch“ aus

Über „bakugai“ habe ich ja erst im letzten Artikel berichtet. Wie praktisch.

我が家では イエスかハイの 二択制
Wagaie de wa yes ka hai no nitakusei
„Yes“ oder „hai“: Bei uns zu Haus‘ gibt es zwei mögliche Antworten

辞書にない 難読難解 生徒の名
Jisho ni nai Nandoku nankai seito no na
Schwer zu lesen, schwer zu entziffern – steht in keinem Wörterbuch: die Vornamen meiner Schüler

Diesem Thema habe ich in meinem Buch sogar ein ganzes Kapitel gewidmet.

Ältere Artikel zu den Senryu auf diesem Blog: Die besten Senryu 2015, 2013, 2009 und 2007.

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Umgekehrter Kulturschock im Anmarsch

Mai 16th, 2016 | Tagged | 14 Kommentare | 659 mal gelesen

Im Juli geht es endlich mal wieder in die Heimat – und dieses Mal sogar richtig lange, also fast 3 Wochen. Das wird auch langsam Zeit – schliesslich war ich seit drei Jahren nicht mehr dort. Und wie immer freue (?) ich mich auf den sogenannten reverse culture shock, der umso schlimmer ausfällt, je länger man weggeblieben ist, denn der Mensch hat ja die famose Eigenschaft, gute Erinnerungen den schlechten hervorzuziehen. Vor drei Jahren kam ich zum Beispiel in meinem Heimatort in den Genuss des Kulturschocks. Eines Abends beschloss ich, allein etwas durch die dunklen Gassen zu schlurfen und wenn möglich kurz in einer Bar aufzuschlagen, um mal wieder richtig die Eingeborenen beobachten zu können. Das ich dabei jemanden Bekannten treffen würde, war ziemlich unwahrscheinlich: Ich bin mit 14 Jahren aus der Stadt weggezogen, und ich habe ein lausiges Personengedächtnis: Selbst wenn jemand von meiner alten Klasse neben mir sitzen würde, würde ich den- oder diejenige mit Sicherheit nicht wiedererkennen. Irgendwann traf ich tatsächlich auf eine pubähnliche Einrichtung mit – meine alte Biologielehrerin hätte dazu „Muschepupu-Beleuchtung“ gesagt – eines dieser famosen und aberwitzigen Wörter, die man nie im Leben zuvor gehört hat, aber sofort weiss, was gemeint ist. Im Etablissement war ich prompt enttäuscht: Zwei Daddelautomaten dudelten leise vor sich hin. Die Dinger hatte ich in der Tat völlig vergessen. Hinter dem Tresen stand eine Dame, wahrscheinlich um die 30, und am Tresen sassen drei Gäste – ganz offensichtlich Stammgäste, die sich und die Bedienung lange kannten. Das ist kein Wunder in einem 30’000-Seelenort. Das Beisammensein der vier sah recht intim aus, und es war schon elf Uhr abends und werktags – da drängte sich natürlich die berechtigte Sorge auf, dass hier gleich Zapfenstreich gemacht wird. Also fragte ich, mangels Hinweisen auf Öffnungszeiten, freundlich nach, wie lange denn heute geöffnet sei. Die Antwort kam prompt: “ Na die janze Nacht will ick hier nich mit Dir rumhängen!“ Rums. Direkt in die Fresse. Hier herrschen klare Verhältnisse, und dem Gast wird sofort klargemacht, dass er hier nur nämlicher ist.

Nun ist (Rand)berlin ohnehin nicht berühmt für seine Kundenfreundlichkeit. Und letztendlich tröstete ich mich mit dem Gedanken, mit dem ich auch meine Frau damals in der Ukraine, Weißrussland und ähnlichen Gefilden auf Reisen tröstete: „Sieh es mal so: Wenn Dich hier jemand anlächelt, dann ist es wenigstens ein echtes Lächeln!“

Natürlich geht es nicht nur mir so. Mein englischer Geschäftspartner weilt zum ersten Mal seit 20 Jahren ein paar Monate auf der heimischen Insel. Seinen Worten zufolge funktionieren dort zuverlässig 9 von 10 Dingen überhaupt nicht, was ihn zur allabendlichen, verzweifelten Frage bringt: Wie können die Leute hier nur leben?

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Japanisch lernen mit dem Togearitogenashitogetoge

Februar 17th, 2016 | Tagged , | 3 Kommentare | 805 mal gelesen

Stachelstachler. Quelle: Wikipedia.Es war einmal eine Unterfamilie von Käfern, die zu den Blattkäfern (auf Japanisch: hamushi – ha=Blatt, mushi=Käfer/Insekt) gehören. Und da viele Vertreter dieser Unterfamilie Stacheln („toge“) haben, nennt man diese Unterfamilie auf Japanisch Togehamushi. Stachel-Blatt-Käfer. Allerdings gibt es da auch ein paar Arten in der Familie, die dummerweise keine Stachel haben. Die nennt man dann logischerweise Togenashitogehamushi. Also „Stachel-ohne-Stachel-Blatt-Käfer“. Da man in Japan Onomatopeia, lautmalerische Worte, liebt – vor allem nach dem Schema Silbe 1 + Silbe 2 + Silbe 1 + Silbe 2 – hat man der ganzen Unterfamilie noch einen Kosenamen verpasst: Togetoge. Also „Stachel-Stachel“.

Aus den stachellosen aber eigentlich stachligen Blattkäfern wird somit ein Togenashitogetoge. Ein Stachel-ohne-Stachelstachel. Doch jetzt kommt’s. Die japanische Wikipedia¹ geht dazu noch mehr ins Detail:

トゲナシトゲトゲの仲間にもトゲのある種があり、複数の文献でトゲアリトゲナシトゲトゲ(トゲアリトゲナシトゲハムシ)という呼び方で紹介している。

Soll heissen: Unter den Verwandten der stachellosen Stachelstachler gibt es jedoch auch Arten, die sehr wohl Stachel haben. Diese werden in zahlreichen Publikationen mit dem Namen „Togearitogenashitogetoge“ vorgestellt. Quasi der „Stachel-mit-Stachel-ohne-Stachelstachler“.

So, heute haben wir also die Wörter „mit“ (ari), „ohne“ (nashi) und „Stachel“ (toge) gelernt. So einfach geht das, dank des Mitstachelohnestachelstachelstachlers. Und beim nächsten Mal stelle ich Euch den Ukeguchinohosomionaganookinahagi vor.

¹ Siehe hier.

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Beispiellose Verbrechenswelle: Über 400 Halteschlaufen gestohlen!

Februar 2nd, 2016 | Tagged | 7 Kommentare | 830 mal gelesen

Ja, von wegen Japan ist sicher! Dieses zähe Vorurteil wird ganz eindeutig mit der folgenden Schlagzeile widerlegt:

Tokyo police baffled by theft of hand straps from commuter trains¹

Der Polizei zufolge wurden im Raum Tokyo seit November vergangenen Jahres rund 400 Halteschlaufen aus den Zügen verschiedener Linien gestohlen. Halteschlaufen — das sind die Schlaufen, in die sich die müden Fahrgäste am Morgen und die Betrunkenen am Abend einfädeln, um beim Wegdösen nicht ungebremst auf den Boden zu klatschen. Die Polizei ist dem Artikel zufolge ratlos, denn die Griffe sind nicht einfach zu lösen – schliesslich müssen sie ja bis weit über 100 Kilogramm aushalten. Die Schlaufen zu entfernen sollte somit etwas Zeit und Geschick verlangen und in einem gut besetzten Zug unbeobachtet nahezu unmöglich sein.

Objekt der Begierde... und des Schmerzes

Objekt der Begierde… und des Schmerzes

Wer macht so was? Und wie? Und vor allem – warum!? Schliesslich haben die Schlaufen keinen besonderen Wert. Gibt es irgendwo einen Perversen, der die Dinge nach Hause schleppt, um dort ganz authentisch den packenden Nahkampf in Tokyos vollbesetzten Zügen zu simulieren? Oder werden sie sogar als Fetisch zwischen Eisenbahnliebhabern – davon gibt es genug in Japan – hoch gehandelt? Man weiss es nicht genau. Und so geht die Suche weiter.

Ganz insgeheim wünsche ich mir, dass die Suche noch eine Weile dauert. Denn die Dinge baumeln in für japanische Großmütter greifbarer Höhe, so dass man als durchschnittlich grosser Europäer täglich mindestens ein Mal die Hartplastikgriffe an den Kopf geknallt bekommt, wenn sich der Nachbar daran festhält und beim Aussteigen plötzlich loslässt. Sprich – die Griffe nerven ungemein.

Nun mag der eine oder andere Leser denken: „Ja, und in China ist ein Sack Reis umgefallen!“ Das mag sein. Aber die obige Nachricht hat es in so ziemlich alle Hauptnachrichten geschafft und ist damit gesellschaftlich hoch relevant. Oder etwa nicht?

¹ Siehe Japan Times vom 1. Februar

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Possierliches: Der unterdrückte Toilettengruß

Januar 8th, 2016 | Tagged | Kommentare deaktiviert für Possierliches: Der unterdrückte Toilettengruß | 493 mal gelesen

Bevor wir uns wieder den harten Themen zuwenden, wie zum Beispiel nordkoreanischen Wasserstoffbomben, chinesischen Börsencrashs oder opulenten Vorwahlgeschenken in Japan, kann ich es mir nicht verkneifen, dieses Photo zu teilen. Aufgenommen im örtlichen Elektronikmarkt, aber in dieser Form auch an vielen Orten anzutreffen. Das Schild klebt dort über dem hiesigen Stehpissoir und besagt, dass die Angestellten ebenfalls die gleichen Toiletten benutzen.

Unterdrückte Höflichkeit: Auf diesem Klo wird nicht gegrüsst!

Unterdrückte Höflichkeit: Auf diesem Klo wird nicht gegrüsst!

So weit, so gut. Darunter steht dann jedoch auch noch, dass die Angestellten auf dem Lokus davon absehen, Kunden zu grüssen. Der Gedanke hat sich mir sofort ins Gehirn gebrannt: Da steht man also, am Pissoir, und der Nebenmann, ebenfalls beschäftigt, schaut zur Seite und schmettert sein fröhliches Irasshaimase (Willkommen) raus. Das wäre doch mal was. Als Kunde muss man zum Glück darauf nicht antworten, aber man kann sich gut vorstellen, warum es diese Schilder überhaupt gibt: Wahrscheinlich hat sich irgendwann mal ein Schnösel darüber beschwert, nicht vom Angestellten lauthals begrüßt worden zu sein. Wundern würde mich das jedenfalls nicht.

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Yakuza vs. System

August 27th, 2015 | Tagged | 9 Kommentare | 886 mal gelesen

Der Knopf des Anstosses: Sind Sie über 20 Jahre alt? Hai!

Der Knopf des Anstosses: Sind Sie über 20 Jahre alt? Hai!

Als ich vergangenen Freitag des nächtens in den hiesigen 7-Eleven schlich, um Nachschub zu holen, herrschte im selbigen richtig dicke Luft. Ein etwas kräftiger aussehender Japaner stand an der Ladentheke, schlug alle paar Sekunden kräftig mit der flachen Hand auf die Theke und brüllte auf den Angestellten in seiner typischen grünen Kluft ein. Der wurde immer kleiner, murmelte gelegentlich was von Entschuldigung, gab aber durchaus auch schon mal Widerrede, was den Brüllenden natürlich nur noch mehr anspornte. Das Geschrei fand im feinsten Gangsterjapanisch statt. Nanu? Was war denn da los? Neben mir war lediglich noch ein weiterer Angestellter im Laden, und der tat so, als ob er gerade ganz furchtbar mit dem Einordnen neuer Ware beschäftigt wäre.

Anfangs sah alles etwas bedrohlich aus, beziehungsweise hörte es sich so an, aber bei Yakuza-Dialekt gehört das einfach dazu. Nach ein paar weiteren Tiraden merkte ich jedoch, dass hier keine Schlägerei im Anzug war. Der gute Herr wollte einfach nur etwas Luft ablassen über etwas, was ihn störte. Stein des Anstosses war der Minibildschirm, der an jeder Kasse Richtung Kunde zeigt. Kauft man nämlich in einem konbini Alkohol oder Zigaretten, macht es ordentlich „piep“, und man muss auf dem Bildschirm einen grossen Knopf drücken: Mit dem bestätigt man, dass man über 20 Jahre alt ist. Erst dann kann man die Ware erhalten.

Es war nicht so, dass ich den Schreihals nicht verstehen würde. Was, wenn ein 19-jähriger den Knopf drückt? Dann ist doch alles in Ordnung, oder? Wieso muss ein gestandener 50-jähriger ebenfalls diesen albernen Knopf drücken? All diese Fragen warf der Schreihals den Angestellten vor den Kopf und warf ihm mangelnde Gehirnmasse vor. Und dass sich die Betreiber der Kette mit dieser lächerlichen Prozedur einfach nur aus der Affäre ziehen wollen. Das wurde wunderschön ausgeschmückt. „Du Vollidiot! Wusstest Du eigentlich, dass ich 19 Jahre alt war? Guckst Du, was! Was nun? Na?“ – „Äh… 19? Aber… “ – „Siehste! Natürlich bin ich nicht 19! Das sieht doch selbst der größte Trottel! Warum soll ich also diesen blöden Bildschirm abfummeln?“ Und so weiter. Er will doch nur spielen…

Natürlich hat der Mann recht. Dass der Angestellte für den Knopf nichts kann, wird er freilich auch gewusst haben. Jedoch steckte der Angestellte in der Klemme, denn in Japan erwartet man, dass der Angestellte voll hinter seinem Brötchengeber steht. Hätte er nun also gesagt „Dafür kann ich doch nichts! Ich mag den blöden Knopf auch nicht“, wäre er sicher noch mehr angebrüllt worden. Wegen Illoyalität und so. Eigentlich konnte der Angestellte nur verlieren.

Irgendwann hatte ich, was ich wollte, bezahlte beim anderen Angestellten und ging. Währenddessen ging die Show drinnen weiter. Irgendwo in Japan, nachts um 1.

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Wo sind nur die Höschen hin?

Juni 26th, 2015 | Tagged , | 5 Kommentare | 1821 mal gelesen

Kurz, kürzer, Bloomer: Das war Japan. Quelle: http://djminamo.blog99.fc2.com/blog-entry-106.html

Kurz, kürzer, Bloomer: Das war Japan. Quelle: http://djminamo.blog99.fc2.com/blog-entry-106.html

Neulich unterhielt sich meine Frau mit einer, nun ja, Kollegin, und man kam auf die sogenannten ブルマー burumaa zu sprechen – der Begriff leitet sich vom englischen Wort „Bloomer“ ab: Damenpumphosen. Die sind allen Japanerinnen, die vor den 1990ern die Schulbank drückten, ein Begriff. Und ja – obwohl ich keine Animes schaue – sind diese mir doch in Erinnerung geblieben, als ich beim Zappen auf irgendein Volleyballanime stiess. Bis in die 1990er waren diese Hosen Pflichtkleidung im Sportunterricht für alle Grund- und Mittelstufenschülerinnen, also bis zu 14-jährigen Mädchen. In einigen Fällen waren diese sogar in der Oberstufe Pflicht.

Damenpumphosen waren schon lange Pflicht, doch in den 1970ern kam die ultrakurze Variante, auch als ちょうちんブルマー Chōchin Bloomer bekannt, in Mode. Angeblich aufgrund der zunehmend in Mode kommenden Sportart Volleyball. Nicht gänzlich unverständlich entwickelte sich daraufhin schnell ein regelrechter Fetisch, was jedoch, auch das ist verständlich, den 13, 14-jährigen Mädchen ziemlich auf den Wecker ging, denn in der Regel (sorry, die Zote muss sein) zieht man in dem Alter, beziehungsweise eigentlich in fast jedem Alter, so etwas nicht freiwillig an.

Die Hosen verschwanden jedoch letztendlich in den 1990ern. Und die heute erwachsenen Frauen wundern sich heute, wie so etwas eigentlich möglich war: Wie konnte es sein, dass man gezwungen war, so etwas anzuziehen? Das wäre doch heute undenkbar! Das wirft die berechtigte Frage auf, ob da etwa das japanische Patriarchat ins Schwanken geraten ist. Man kann sich nur zu gut vorstellen, wie damals ein paar Lustgreise feixend beschlossen, dass alle Mädchen dieses minimalistische Kleidungsstück anziehen müssen, ob sie wollen oder nicht. Das ist heute vorbei – der Trend geht zu längeren Kleidungsstücken, zudem noch beschleunigt durch die regelrecht panische Angst japanischer Frauen vor dem geringsten Sonnenstrählchen, dann man könnte ja den hellen Taint einbüssen, so man ihn überhaupt hat. Japan ist wahrscheinlich das einzige nicht-muslimische Land, in dem Burkini der absolute Renner sind. Aber — dazu muss man kein Mädchen sein — ist es verständlich, dass Frauen heute aufatmen, dass die ultrakurzen Bloomer irgendwann verschwanden.

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Die besten Haikus zum Lachen 2015

Februar 24th, 2015 | Tagged , , | 1 Kommentar | 2242 mal gelesen

Es ist mal wieder soweit – die 100 besten Senryus stehen zur Auswahl beim diesjährigen サラリーマン川柳コンクール Sarariman-Senryū-Wettbewerb, ausgetragen von der der Daiichi Seimei Hoken („Erste Lebensversicherung“). Der Wettbewerb findet nunmehr zum 28. Mal statt. Die zehn besten Haikus werden Ende Mai bekanntgegeben, und bis zum 20. März hat jedermann die Möglichkeit, hier aus den 100 besten Senryūs den persönlichen Favoriten zu nominieren.

Das schöne an den Senryūs (Spaß-Haiku) ist, dass sie ein Spiegel der Zeit sind und in alter Versform wiedergeben, was die Leute heutzutage so denken. Moderne und Humor, verpackt in 5-7-5 Silben. Leider kann ich nicht mehr einschätzen, ob das wirklich für Japanisch-Unkundige lustig ist, aber auf japanisch sind die Senryū allemal amüsant. Diese Sarariman-Senryū sind allesamt von Sarariman – ursprünglich: Vertriebler im Außendienst, heute auch allgemein für Schlipsträger unterhalb der Führungsebene – geschrieben – also von Männern. Dieses Jahr stehen übrigens nicht überraschend 妖怪ウォッチ Yōkai-Watch (der Renner bei japanischen Kindern, auf Deutsch: „Die Gespenster-Uhr“) und アナと雪の女王Ana to Yuki no joō („Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ – wer hat sich eigentlich diesen bescheuerten deutschen Titel ausgedacht!?) ganz hoch im Kurs. Kein Wunder: Erst recht wenn man Kinder hat konnte man diesen beiden Sachen im vergangenen Jahr kaum entkommen.

Hier also ein paar meiner Favoriten:

記念日に 「今日は何の日?」 「燃えるゴミ!!」
Am Hochzeitstag: „Welcher Tag ist heute?“ „Der Tag, um den brennbaren Müll rauszustellen!“

是非欲しい 家庭内での 自衛権
Möchte ich unbedingt haben – das Recht zur Selbstverteidigung – im eigenen Haus!

妻の声 AEDより 効果あり
Die Stimme meiner Frau – mehr Wirkung hat – als ein Defibrillator!

壁ドンを 妻にやったら 平手打ち
Kabe-don bei meiner Frau versucht – fing ich mir eine Backpfeife ein

あゝ定年 これから妻が 我が上司
Oh je – ab in die Rente – ab jetzt ist meine Frau mein Vorgesetzter!

あの上司 記憶の容量 フロッピー
Jener Vorgesetzte – sein Gedächtnis so umfassend – wie eine Floppy Disk

妻なのか… 妖怪なのか… ウォッチする
Ist das meine Frau? Oder ein Gespenst? Ich beobachte sie*

*Enthält die oben erwähnten Wörter „Yōkai“ (Gespenst) und „Watch“

ひどい妻 寝ている俺に ファブリーズ
Grausame Gattin… während ich schlafe, sprüht sie Fabreeze auf mich

アナ雪を 歌う妻見て 寒くなり
Wenn meine Frau das Lied von der Eiskönigin singt fröstelt es mir

オレオレと アレアレ増える 高齢化
Ore-ore“ und „Are-are“ nehmen zu – mit dem Alter*

*are are – wenn einem der Name einer Person oder einer Sache nicht einfällt, sagt man „Are“ (das da!)

Letzterer hat es mir besonders angetan… sehr schön!

Ältere Artikel zu den Senryu auf diesem Blog: Die besten Senryu 2013, 2009 und 2007.

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Kabe-don | Rosa Heuschrecken

September 5th, 2014 | Tagged , | 1 Kommentar | 5893 mal gelesen

Zum allmählichen Ende des Sommers noch ein Beitrag der eher seichteren Natur. Zum einen wäre da die neue Werbung des berühmten Cup Noodle-Herstellers 日清 Nisshin. Der Trockenfutterproduzent ist seit jeher für ausgefallene, amüsante Werbung bekannt, und auch dieses Mal hat man sich redlich Mühe gegeben. Interessanterweise mit englischen Untertiteln, die auch im Fernsehen gezeigt werden.
Lachen musste ich bei dem Begriff Kabe-don: „Kabe“ bedeutet Wand, „-don“ ist ein lautmalerisches Wort für klatschen oder plumpsen. In der Tat: Diese Pose, bei der ein Mädchen/eine Frau an der Wand steht und der potentielle Geliebte sich mit einer Hand vor ihr an der Wand abstützt, sieht man recht häufig in Manga. So gesehen liegt die Werbung nicht falsch. Man spielt mit Klischees auf unterhaltsame Weise.

Weithin sichtbar: Rosa Heuschrecke auf grünen Blättern

Weithin sichtbar: Rosa Heuschrecke auf grünen Blättern

Themenwechsel: Auf die Gefahr hin, den einen oder anderen Leser zu langweilen – schliesslich ging es schon im letzten Artikel um Insekten – muss ich hier doch noch etwas zum Thema loswerden. Vorgestern, als meine Frau mit dem Nachwuchs im Park spielte, sprang ihr eine rosa Heuschrecke vor die Füße. So etwas hatten wir auch noch nicht gesehen. Schnell ein Foto gemacht – und dann ging das recherchieren los. Angeblich werden ganz selten mal rosa Heuschrecken (keine Wüstenheuschrecken, wohlgemerkt!) in Japan gesichtet, neulich zum Beispiel in der Präfektur Gunma. Das passiert so selten, dass das sogar im Fernsehen erscheint. Dummerweise hatte man aber kein Insektenkanister dabei.
Das konnte meine Frau nicht auf sich sitzen lassen: Sie wollte unbedingt noch mal in den Park und die Heuschrecke fangen – damit unsere Tochter sie mit in die Schule nehmen kann. Ich scherzte noch: „Schlimmer, als sie nicht mehr zu entdecken, wäre, wenn da plötzlich ganz viele rosa Heuschrecken wären“. Und siehe da: Innerhalb von 15 Minuten fing sie … 4 (vier) rosa Heuschrecken.

Das wäre doch was für Verschwörungstheoretiker: Dengue Fieber in Tokyo und Rosa Heuschreckenplage! Das Ende naht! Fukushima!!! Nun gut. Es dürfte aber interessant zu sehen sein, wie schnell und wie weit sich diese seltsamen Tiere noch ausbreiten werden…

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Batman lebt. In Chiba.

August 25th, 2014 | Tagged | Kommentare deaktiviert für Batman lebt. In Chiba. | 656 mal gelesen

Wie ein Lauffeuer verbreiteten sich heute Nachrichten auf Twitter in Japan über – Batman. Da hat sich doch tatsächlich jemand die Mühe gemacht, ein fahrbares Batman-Motorrad zu basteln – und damit im entsprechenden Kostüm über die Autobahn bei Makuhari (Präfektur Chiba) zu brettern. Das Ding hat wohlgemerkt ein amtliches Nummernschild.

Was will Batman hier? Ist er auf der Jagd nach Baikinman? Oder ist er sogar hier, um den bösen Abeman vom Ministerpräsidentensessel zu schubsen? Sollte letzteres der Fall sein, wäre ich gern Robin.

Wer weiss, wer sich dahinter versteckt. Ich hoffe, es ist kein PR-Stunt sondern wirklich jemand mit Humor… und offensichtlich viel technischem Verstand. Auf jeden Fall muss die Fahrt zu den befriedigensten Momenten im Leben des Fahrers gehört haben.

Mehr Fotos und Infos gibt es bei der japanischen Version der Huffingtonpost.

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