Licht an im Straßenverkehr | Neue Seiten über Kagawa

September 14th, 2017 | Tagged , , | 4 Kommentare | 718 mal gelesen

Heute gab die japanische Polizei einen Aufruf an die Presse durch, dass Autofahrer doch bitte etwas eher ihr Licht anschalten mögen¹. Grund für den Aufruf war die Erkenntnis, dass ein Sechstel aller Verkehrstoten in der Stunde vor Sonnenuntergang verunglückten – besonders im Herbst. In Zahlen: 2015 kamen in ganz Japan 4’113¹ Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, in Deutschland waren es im Vergleichszeitraum 3’459 Verkehrstote³. Das ist nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass Japan rund 50% mehr Einwohner hat als Deutschland. Aber es sind dennoch genau 4’113 Tote zu viel. Der Aufruf mit dem Licht ist durchaus berechtigt, und vielleicht löst es ja auch ein anderes Problem: In japanischen Städten sind auch reichlich viele Fahrer mitten in der Nacht gänzlich ohne Licht unterwegs, und die sind natürlich noch gefährlicher. Der Grund liegt in der fast überall reichlich vorhandenen Straßenbeleuchtung – viele Fahrer merken offensichtlich nicht, dass sie kein Licht anhaben, da es ohnehin ziemlich hell ist. Aus leidlicher, eigener Erfahrung weiss ich, dass es sich dabei fast immer um Frauen handelt, die ihre Männer vom Bahnhof abholen. So richtig schön mit Vorfahrt missachten, Bordstein überfahren und dergleichen.


Eine kurze Notiz noch in eigener Sache: Ich habe es jetzt endlich geschafft, einen Teil des Sommerurlaubs aufzuarbeiten. Das Ergebnis sind zwei nagelneue Seiten – eine über Naoshima und eine andere über die Stadt Kanonji. Aus gegebenem Anlass gibt es deshalb noch ein Foto der etwas anderen Art aus Kanonji – aufgenommen bei Ebbe am Seto-Binnenmeer.

Watt und Sonnenuntergang bei Kanonji, Shikoku

Watt und Sonnenuntergang bei Kanonji, Shikoku

¹ Siehe unter anderem hier (Japan Times, Englisch).
²Quelle: Siehe hier.
³Quelle: Siehe hier.

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Wovor man so alles Angst hat Teil 817: Zecken

September 11th, 2017 | Tagged , | 1 Kommentar | 561 mal gelesen

Man kann nicht sagen, dass es Japanern an Beschäftigung mangelt. Vor allem wenn es um Ängste geht. Prinzipiell hat man vor 1001 Dingen Angst, und man tut alles, um das Gefürchtete zu vermeiden. Ganz radikal. Zur Zeit gaukeln sich die Medien dabei gegenseitig bei einem Thema hoch: Zecken (auf Japanisch: マダニ Madani). Der Grund ist eine relativ neue, und zur Zeit noch auf Ostasien beschränkte Krankheit, die von den kleinen Blutsaugern übertragen wird: SFTS. Die Abkürzung steht für Severe fever with thrombocytopenia syndrome (starkes Fieber mit Thrombozytopenie – das heißt, die Blutplättchen werden stark dezimiert). Verursacht wird SFTS durch ein Virus der Bunyaviridae-Familie. Ursprünglich war diese Krankheit nur im ländlichen China zu Hause, aber es gab bereits auch mindestens einen Todesfall in Korea, und im Juli diesen Jahres auch den ersten in Japan: Eine von einer Katze gebissene Frau war infiziert. Die Krankheit hat es in der Tat in sich – die Sterblichkeitsrate liegt laut Wikipedia zwischen 12% und 30%.

Die Lösung ist radikal: Man soll nicht mehr in die Natur gehen. Basta. Natur ist gefährlich. So zumindest kommt es bei der Bevölkerung an, wenn man den Fernsehsendern Glauben schenken soll. Noch gefährlicher sind scheinbar nur Pressekonferenzen: Bei einer solchen zum Thema „Gefahr durch Zecken aufgrund von SFTS usw.“, veranstaltet in der vergangenen Woche von der Präfekturverwaltung der Präfektur Miyazaki brachten die Verantwortlichen zwei Zecken mit: Eine tote und eine lebende. Damit die Presse auch was zu filmen hat, wurde die lebende Zecke auf einem Tisch ausgesetzt, und tat das, was Zecken eben so tun: Sie krabbelte unter den Kameras einfach davon. Der Versuch, die Zecke mit der Pinzette (!) wieder einzufangen, misslang – sie ward nie wieder gesehen. Im Anschluss daran wurde im Raum Insektengift versprüht – und es gab eine offizielle Entschuldigung der Verantwortlichen. Auf die Idee, mit einem einfachen Blatt Papier die Zecke am Fortkrabbeln zu hindern kam scheinbar niemand. Oder man hatte schlicht und ergreifend zu viel Angst.

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Die neue Ex-Prinzessin

September 4th, 2017 | Tagged | 3 Kommentare | 778 mal gelesen

By Monadaisuki (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Am Sonntag, dem 3. September, fand eines der größten Medienereignisse dieses Jahres in Japan statt: Die öffentliche Bekanntgabe der Verlobung zwischen 眞子内親王 Mako Naishin’ō (Prinzession Mako) – und 小室圭 Kei Komuro. Beide sind 25 Jahre alt, und die Verlobung ist eine schon längst beschlossene Sache, aber aufgrund der schweren Regenfälle mit zahlreichen Todesopfern im Juli auf Kyushu wurde die Bekanntgabe bis gestern verschoben. Man hatte letztendlich jedoch etwas Pech, denn die Nachrichten über den neuen Kernwaffentest Nordkoreas wogen auch ziemlich schwer. Aber gerade in solchen Zeiten giert dem Volk nach erfreulichen Nachrichten.

Prinzessin Mako ist die Tochter von 秋篠宮文仁親王 Prinz Fumihito Akishino皇太子徳仁親王 Kronprinz Naruhito, der nächste in der Thronfolge ist. Die geplante Hochzeit von Prinzessin Mako ist nun deshalb etwas Besonderes (obwohl es das auch schon vorher gab), weil sie einen „Gewöhnlichen“ heiratet. Damit tritt sie automatisch aus der kaiserlichen Familie aus – sie verliert den Titel „Prinzessin“ – und wird wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben mehr oder weniger frei sein, denn das Leben am japanischen Hof ist streng vom 宮内庁 kunaichō, dem Kaiserlichen Hofamt, sowie der Klatschpresse reglementiert bzw. eingeschränkt. So viel setzt die Prinzessin jedoch auch nicht aufs Spiel, denn aufgrund der rigiden Erbfolgegesetze (die mangels männlicher Thronfolger durchaus kontrovers betrachtet werden) sind weibliche Thronfolger ohnehin gänzlich ausgeschlossen.

Die Pressekonferenz der Beiden gestern wurde in allen Nachrichtensendern genüsslich seziert. Prinzessin Mako verglich ihren Zukünftigen mit der Sonne, er seine Angebetete mit dem Mond. Das Ganze wirkte (und etwas anderes darf man natürlich nicht erwarten) bis auf das allerkleinste Detail abgesprochen und extrem angestrengt. Kennengelernt haben sich beide übrigens an der 国際基督教大学 ICU – der „International Christian University“ – einer Eliteuni in Tokyo.

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J-Alert in Aktion. Alles nur Panik?

September 1st, 2017 | Tagged , | 5 Kommentare | 724 mal gelesen

J-Alert auf dem Handy

J-Alert auf dem Handy

Am 29. August, früh am morgen, brummte mein Handy zwei Mal kurz. Der Grund: Zwei Warnungen, herausgegeben vom sogenannten J-Alert, einem Raketenfrühwarnsystem. „ミサイル通過。ミサイル通過。“ – „Rakete fliegt vorbei, Rakete fliegt vorbei“. Wer etwas verdächtiges finde, solle nicht näher herangehen, sondern es bei der Polizei oder Feuerwehr melden. Die andere Meldung besagte, dass sich die Bewohner von Hokkaido, Tohoku, Nord-Kanto und Nord-Chubu – von 12 Präfekturen also – in stabile Gebäude oder Keller in Sicherheit bringen sollen. Morgens, um 6:14.

Grund war eine Mittelsteckenrakete, die von Nordkorea aus Richtung Pazifik abgefeuert wurde – die erste Rakete seit 2009 aus Nordkorea, die dabei Japan überquerte. Später am Tag wurde in den Nachrichten bemängelt, dass sich kaum jemand an die Warnung gehalten und in Sicherheit gebracht hatte. Kein Wunder. Sicher, man kann die Leute natürlich kirre machen, aber J-Alert schießt hier mit riesigen Kanonen auf winzigste Spatzen: Erstens handelte es sich (sehr wahrscheinlich) um einen Testabschuß – allzu viel TNT oder gar eine Atombombe sollte man also nicht in der Rakete erwarten. Außerdem weiß man aus Erfahrung, daß Nordkorea die Raketen so abfeuert, wie es üblich ist: Sehr hoch. In diesem Fall (und anderen Fällen vorher) befand sich die Rakete 550 km über Japan. In dieser Höhe sind bereits zahlreiche Satelliten unterwegs, und bei deren Vorbeiflug kann man ja auch nicht jedes Mal eine Warnung herausschicken. Und selbst wenn die Rakete unplanmässig bereits über Japan zu Boden gehen sollte – wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, davon getroffen zu werden? Hoch genug, um zig Millionen Menschen kirre zu machen und in Bunker zu schicken? Wohl kaum.

Ich halte J-Alert deshalb für einen nicht ernstzunehmenden PR-Gag der Regierung, die damit lediglich unterstreichen will, wie gefährlich wir doch leben, und wie notwendig es deshalb ist, dass Japan eine schlagfertige Armee unterhält. Und so könnte man das ganze natürlich als platten Aktionismus und groben Unfug abtun – wären da nicht die Erinnerungen an die alte Heimat: Ein fester Bestandteil des DDR-Alltags waren Sirenentests, und überall hingen Schilder, die erklärten, welche Töne was bedeuten: Bei 3 Minuten dauernder, auf- und abschwellender Sirene weisses Papier an die Fenster kleben, denn es könnte ein Atombombenangriff sein! Sicher, die Gefahr war damals realer. Von daher sehe ich es nicht ein, dass Kinder in Japan mit so einem Wahnsinn aufwachsen müssen. Was kommt wohl als nächstes? Wehrlager? Heimatschutzbrigaden? J-Alert hin oder her – wenn das die höchste Genauigkeit ist, die man mit dem System erreicht, ist es zu nichts zu gebrauchen und lediglich ein billiges, politisches Instrument.

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Stimmen der Unvernunft – Deutschland vs. Japan

August 28th, 2017 | Tagged , | 14 Kommentare | 952 mal gelesen

Im letzten Beitrag habe ich wohl eine etwas kühne These aufgestellt: Dass es im öffentlichen Raum, online wie offline, in Japan weniger unvernünftig zugeht als zum Beispiel in Deutschland. Kühn deshalb, weil das alles in allem eine subjektive Meinung ist, die man so nur schwer in Zahlen ausdrücken kann. Kühn auch deshalb, weil es sicherlich davon abhängt, wo genau man in Deutschland (in meinem Fall: zumeist Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt) ist – und wo genau man in Japan ist (meistens im Großraum Tokyo).

Was die reale Welt anbelangt, stehe ich zu meiner Behauptung. Wohin ich in meiner alten Heimat auch schaue – der Wahnsinn springt mich überall an. Auf Tattoos. Auf T-Shirts. Von den oftmals sinnlos vollgesprayten Häuserwänden. Von Ritzungen im Fensterglas der Züge. Und nicht zuletzt von den Unterhaltungen im Zug. All das erlebt man in Japan äußerst selten: Tattoos gibt es von vornherein viel weniger, und bedruckte T-Shirts bestechen in der Regel höchstens durch ihr radeberechendes Ausländisch. Graffiti? Muss man suchen. Unterhaltungen im Zug? Sind eher selten, vor allem im Berufsverkehr. Telefon klingelt im Zug? Peinlich. Zerkratzte Scheiben? Bisher noch nicht gesehen. Der Unterschied ist so stark, dass das meinen Kindern als allererstes in Deutschland auffiel: Graffiti. Und das laute Unterhalten in öffentlichen Räumen.

Online hingegen sind sich Japan und Deutschland jedoch näher. Vor allem die Rechte macht in den Foren Dampf, aber besorgniserregender ist in Japan der unbewußte Rassismus, der überall durchdringt. Aber auch hier gibt es einen feinen Unterschied, und als Beispiel fallen mir da zunächst die Benutzerkommentare auf Yahoo! Japan, das beliebteste Nachrichtenportal in Japan, und Benutzerkommentare bei der Tagesschau ein. Die Tagesschaukommentare werden dabei etwas stärker moderiert. Was zum Beispiel rechtes Gedankengut anbelangt, nehmen sich beide Portale nicht viel. Doch ein guter Teil der Kommentare auf der Tagesschau bestehen aus Medien-Bashing und grob gesagt ausgewiesener Klugscheißerei. Medienschelte ist dabei natürlich völlig in Ordnung, erst recht bei den Öffentlich-Rechten (die Tagesschau schafft es oftmals nicht einmal, wenigstens die Überschriften korrekturzulesen – das ist unterstes Niveau und muss einfach erwähnt werden) – schließlich werden sie von allen mitfinanziert. Nein, es ist das sinnlose Herumkloppen auf Artikel, die oftmals ganz offensichtlich noch nicht mal zu Ende gelesen wurden. Eine sinnfreie Herumdeuterei, hin und wieder abgeschlossen mit einem falsch platzierten „but what about“-Totschlagargument. Dieses Pseudo-Intellektuelle Rumgehacke sieht man in Japan weniger in den Medien – und darüber bin ich froh. Kommentare schreiben, einfach um Frust abzulassen – gefühlt zumindest ist das in Japan weniger der Fall.

Rassistisches Gedankengut findet man jedoch auch in Japan im Internet sehr schnell – und da die Exekutive in Sachen rechtsextremes Gedankengut (Stichwort Volksverhetzung), vorsichtig ausgedrückt untersensibilisiert ist, sind die Gedanken oftmals krasser formuliert.

Aber wie eingangs erwähnt, ist das alles sehr subjektiv – und sicherlich streitbar.

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Ominöse Amazon-Kundenrezension oder: Wanne-Eickel am Tama-gawa

August 24th, 2017 | Tagged , | 26 Kommentare | 1074 mal gelesen

Als ich neulich spaßeshalber bei Amazon vorbeischaute, um zu sehen, wie es um das zweite Buch bestellt ist, bemerkte ich zwei neue Kundenrezensionen. Darunter eine 1-Stern-Rezension. Wem ich da wohl auf den Schlips getreten bin? Was ich dann las, konnte einfach wirrer nicht sein:

Ein Bildzeitungsbestseller – WoW – „Reich“ .. Du bist ja ein Held!
Aber jetzt mal im Ernst, „Reich“ das solltest doch selbst Du wissen, das wer so wie Du, einseitig negativ und unwissend über Japan herumkrakselt ist doch nichts als ein dummdreister Dummkopf.
Ich bin ganz verblüfft, weil „Du Reich“ schaffst es wirklich, in Deinem Pamphlet aber auch nicht ein einziger positiver Aspekt über Japan unterzubringen. Das ist sowas von dreist, dass es schon wieder verblüffend ist – wie schafft man sowas wenn man geistig einigermaßen „auf dem Damm ist“ ?!
Ach „Reich“, der Du ja angeblich sogar in Japan lebst (Hallo!!! depperter geht es ja wohl nicht mehr – wo in Nippon doch alles so unglaublich schlecht ist ! ) ich bin mir nach an-blättern Deines vielschichtig, schwachsinnigen Machwerks zu 100% sicher, dass Du das wohl eher geträumt hast, ich meine die Sache mit dem Japan bereisen, dem dort wohnen, haha und dem ganzen Gespinst von der japanischen Frau die Du angeblich besitzt!
Ach, mein Träumerle :) vertrau mir einfach mal, wenn ich dir immer wieder erkläre: Dein Keller in Wanne-Eickel hat absolut und echt nix mit Japan zu tun!

Na ja, streng genommen: Du kannst ja eigentlich auch nichts dafür
Wirklich erschreckend ist was Verlage in der heutigen Zeit alles so in den Markt schmeissen, um irgendwelche Selfies machenden Glatzköpfe dazu zu bringen, sich irgendwelche hanebüchene Klischees über Japan auszudenken.
Wenn ich mir vorstelle das so eine taube Nuss auch noch Geld mit dem Auswurf an Schwachsinn verdient wird mir ganz schlecht!
Wirklich schlimm und das in der heutigen Zeit!

Eins noch auf den Weg, „Reich“ :
Das Selfie passt – Typen wie Du müssen sich schon selbst fotografieren – da weigern sich selbst die normal sehr zuvorkommenden Japaner
auf den Auslöser zu drücken.

Nichts für ungut – aber, schäm Dich, „Reich“ !

Das Original befindet sich hier. Ganz erstaunlich, wie viel Energie der Begutachter in diese Rezension gesteckt hat. Noch erstaunlicher: Wie viel davon nicht stimmt. Bildzeitungsbestseller? Wanne-Eickel?? (zugegeben, allein des Ortsnamens wegen wollte ich schon immer mal dorthin). Glatzkopf???? Gar nicht wahr! Meine Haare sind stets und immer mindestens 2 mm lang! Also die auf dem Haupt, meine ich. Und ganz offensichtlich hat der werte Herr noch nicht mal das Vorwort „angeblättert“, sonst hätte er gewusst, worum es in dem Buch eigentlich geht.

Faszinierend, das Ganze. Auch die Redewendung „von der japanischen Frau die Du angeblich besitzt!“ finde ich beeindruckend. Soll ich diese, zudem auch noch persönlich werdende, Rezension bei Amazon melden? Oder ist das vertane Zeit?

Manchmal werde ich in Japan gefragt, was ich an Deutschland vermisse, und was ich nicht vermisse. Was ich nicht vermisse: Leute, die ihren unfundierten Schwachsinn mit viel Trara und Energie herausbrüllen, an Wände schmieren… oder im Internet hinterlassen. Aber gut, jetzt ist es raus. Ich sitze in Wahrheit in einem dunklen Keller in Wanne-Eickel. Die Matrix hat mich wohl wieder…

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Fahrschule in Japan Teil 1

August 21st, 2017 | Tagged , | 8 Kommentare | 992 mal gelesen

Den deutschen Führerschein in Japan umschreiben lassen ist nur was für Weicheier Leute, die bereits einen gültigen Führerschein besitzen. Die ganz Harten (oder die, die einfach keinen deutschen Führerschein haben – oder zum Beispiel ihren Führerschein in den USA gemacht haben) ziehen die komplette japanische Fahrschule durch. Das ganze Prozedere ist dabei in zwei große Segmente gegliedert : Block 1 Theorie und Praxis, Block 2 Theorie und Praxis. Jeweils mit Prüfungen. Insgesamt durchläuft man also 4 Prüfungen – manchmal aber auch mehr, wie zum Beispiel in meiner Fahrschule.

Die Anmeldung ist einfach: Man zeigt seinen Ausweis oder Pass vor, macht kurze Seh-, Hör- und Motoriktests, zahlt etwas über 300’000 yen (rund 2’400 Euro) und schon ist man im Geschäft. Wer nur auf Automatikgetriebe lernen möchte, zahlt rund 20’000 yen weniger, darf dann aber entsprechend später nicht mit manuellem Getriebe fahren (andersrum geht). Die meisten Japaner machen heutzutage Automatik, und das ist in meiner Gegend zumindest verständlich, da es hier kaum einen Meter ebener Straße gibt. Man kann übrigens in Japan auch ganz ohne Fahrschule zum Prüfungszentrum gehen und dort die Prüfungen ablegen – dort lässt man solche Quereinsteiger aber zu 95% durchfallen. Wenn man nun sowieso nicht Auto fahren kann, ist die Fahrschule also eine notwendige Angelegenheit.

Nach der Anmeldung hat man genau 9 Monate Zeit, alles zu beenden. Wie praktisch. Genau so lang wie eine Schwangerschaft. Block 1 besteht aus 10 Theoriestunden und mindestens 10 Praxisstunden. In meiner Fahrschule stellt man das relativ geschickt an. Da man für die theoretische Zwischenprüfung 1’700 yen extra – je Versuch – zahlen muss, hat die Schule einfach eine eigene Prüfung, am Computer, davor geschaltet. Die kann man beliebig oft wiederholen, und das machen viele wohl auch: Nur 25% bestehen beim ersten Mal. Das ist nicht verwunderlich, denn man muss immerhin 90% der 50 Fragen (alle ja/nein) richtig beantworten, und bei der Hälfte der Fragen ist die Bezeichnung „Sprachtest“ angemessener. Erst danach kommt man ins nächste Level: Man macht die praktische Vorprüfung zur praktischen Zwischenprüfung. Wenn der Prüfer befindet, dass man reif für die Zwischenprüfung ist, kann man jene dann ablegen. Wer nicht bereit ist, muss mehr Stunden nehmen. Bei der 15-minütigen Fahrt beginnt man mit 100 Punkten. Danach gibt es je nach Delikt Punktabzug – wer unter 70 rutscht, kann aussteigen. Wer mit einem Reifen in den S- und L-Kurven über einen Bordstein fährt, kann ebenfalls aussteigen. Und zwar sofort, egal, wie viele Punkte man hatte.

Wer diese Hürden genommen hat, kann schließlich die theoretische Zwischenprüfung ablegen. Danach bekommt man die sogenannte 仮免許 karimenkyo, die provisorische Fahrerlaubnis. Erst mit dieser geht es raus auf die Strasse – alles andere davor spielt sich 場内 jōnai, auf dem Schulgelände, ab. Block 2 dann besteht aus mindestens 16 Stunden, darunter auch eine Autobahnfahrt. Ausserdem gibt es im Block 2 noch mal 16 Stunden Theorie, darunter 3 Stunden Erste Hilfe (es sei denn, man hat eine Ausbildung – die habe ich zwar, dank Y-Tours, aber das Übersetzen der Dokumente ist mir zu umständlich, und eine Auffrischung der Kenntnisse sicherlich nicht verkehrt).

Fahrschulgelände in Japan

Fahrschulgelände in Japan

Aufgrund der Arbeit kann ich natürlich nur an Wochenenden zur Fahrschule gehen – deshalb hat es letztendlich rund 2,5 Monate gedauert, Block 1 durchzuackern. Die Fahrschule ist ziemlich groß und gut durchorganisiert. Das bedeutet aber auch, dass man jedes Mal einen anderen Fahrlehrer hat, und das kann einen freilich in den Wahnsinn treiben – dem einen fährt man zu schnell um die Kurven („fahren Sie in der Prüfung bloß langsamer!!“), dem anderen zu langsam (Prüfer: „Also so langsam können Sie draußen aber nicht um die Kurven fahren!“)

Einen Ausländerbonus gibt es übrigens nicht. Allerdings erfuhr ich zwei Minuten vor der theoretischen Prüfung, dass es den Prüfungsbogen auch auf Englisch gäbe. Das war mir dann allerdings zu riskant, denn erstens vertraue ich, aus gutem Grunde, den japanischen Englischkenntnissen nicht, und wahrscheinlich hätte ich im Englischen auch Probleme mit den Definitionen. Das ist auch für Muttersprachler nicht einfach: Umgangssprachlich bedeutet zum Beispiel das Wort 車 kuruma „Auto“; in der StVO hingegen per definition „Gefährt“ und schliesst hernach Fahrräder und dergleichen ein.

Ach ja: Zum Thema gibt es übrigens einen interessanten (deutschen) Dokumentarfilm: You drive me crazy. Der begleitet einen Amerikaner auf Fahrschule in Japan, eine Deutsch in Indien und eine (sehr bemerkenswerte!) Koreanerin in München. Prädikat: Sehr unterhaltsam…

Teil 2 kommt später – versprochen. Hoffentlich noch in diesem Jahr…

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​Neuer Besucherrekord: 2,68 Millionen Touristen allein im Juli

August 17th, 2017 | Tagged , | 1 Kommentar | 468 mal gelesen

Die japanische Tourismusbehörde gab gestern Zahlen bekannt¹, nach denen allein im Juli diesen Jahres fast 2,7 Millionen Touristen nach Japan kamen. Das ist nicht nur ein Anstieg von 16,8% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, sondern auch einsamer Rekord – jener lag nämlich bisher bei 2,3 Millionen (im Juli 2016). Der Juli ist auch keine Ausnahme – auch wenn man sich den Zeitraum Januar bis Juli anschaut, beträgt der Anstieg der Besucher rund 17%. Knapp 800’000 Besucher im Juli kamen aus China (ein Anstieg von 6,8%), rund 650’000 aus Südkorea (ein saftiger Anstieg von 44%). Etwas mehr als die Hälfte der Besucher kommt also aus jenen beiden Ländern, aber man vermerkte auch gleichzeitig einen starken Besucheranstieg aus Vietnam, den Philippinen, Malaysia und anderen südostasiatischen Ländern.

Der Juli ist traditionell und aus guten Gründen Saison, aber ein wichtiger Grund fûr den Anstieg sind vor allem die LCC, die Billigfluglinien, die zunehmend auch Japan ansteuern. So wurde vor kurzem erst der Terminal 3 des Flughafens von Narita fertiggestellt – dieser dient ausschliesslich den LCC (man könnte da unken, dass die Fahrt von Narita nach Tokyo bald teurer ist als der Flug nach Japan). Doch es ist bei weitem nicht nur Tokyo: So erfreut sich zum Beispiel Osaka bei chinesischen Touristen steigender Beliebtheit, denn es ist schneller zu erreichen, und da in Kansai mehr Chinesen leben als zum Beispiel in Tokyo, kommt man dort auch mit Chinesisch überall weiter.

Lange Schlange mit chinesischen Touristen vor einer Ramen-Filiale in Osaka

Lange Schlange mit chinesischen Touristen vor einer Ramen-Filiale in Osaka

Überrascht bin ich von den Zahlen nicht. Als ich Anfang August wegen einer Konferenz in Osaka weilte, traf ich einen Geschäftspartner am frühen Abend bei Ebisubashi, dem beliebten Treffpunkt bei der Dotombori. Japanisch war da kaum zu hören – eher Chinesisch. Vor den Ramen- und Okonomiyaki-Restaurants standen sich die Besucher die Beine in den Bauch, so dass ein Essen dort gar nicht in Frage kam. Vor einer Woche schließlich begab ich mich mit meinem Besuch nach Asakusa, dem beliebten Tempelviertel in Tokyo. Dort war ich pflichtgemäß auch bei meinem ersten Japanaufenthalt vor über 20 Jahren, aber mein letzter Besuch in Asakusa liegt schon über 10 Jahre zurück. Damals schon war es relativ voll, aber das war kein Vergleich zu den Menschenmassen, die sich dort heutzutage durch die Nakamise-dori drängen. In einem kleinen Geschäft für Büttenpapier kam ich da mit einer Verkäuferin auf die Massen zu sprechen – sie meinte, dass die Anzahl der Besucher vor circa 4 Jahren schlagartig zugenommen hat. „Na das sollte ja dann wenigstens gut für’s Geschäft sein“ merkte ich noch an, aber sie winkte ab: Die meisten kaufen eh nichts. Nun ja, ob das nun stimmt oder nicht, sei dahingestellt.

¹ Die offizielle Pressemitteilung befindet sich hier, eine englische Zusammenfassung gibt es hier.

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Eulencafé

August 14th, 2017 | Tagged , | 5 Kommentare | 643 mal gelesen

Und noch ein „aus gegebenem Anlass“-Artikel. Dieses Mal dreht es sich um die vor allem in Tokyo sehr beliebt gewordenen „Zoo trifft Café“-Hybriden – dazu zählen vor allem Katzencafés, Eulencafés aber auch Igelcafés (die Liste scheint immer länger zu werden: Goldfische, Papageien, Hasen usw. usf…). Der gegebene Anlass war ein Bummel mit meinem Besuch durch Asakusa (ich war ziemlich überrascht, denn das letzte Mal war ich vor rund 10 Jahren dort – die Menge der Touristen hat seitdem, wie es scheint, um ein Mehrfaches zugenommen). Am Wegesrand stand eine junge Frau mit einer massiven Eule auf dem Arm: Werbung für das アウルの森 Auru no mori (Eulenwald)-Café, mit einer weiteren Niederlassung in Akihabara. Probieren geht über studieren, also beschlossen wir kurzerhand, den nächsten Koffeinnachschub unter unseren gefiederten Freunden, vom Wesen her ja eigentlich eher nachtaktiv, folgen zu lassen.

Werbung für das Eulencafe

Werbung für das Eulencafe

Das Etablissement liegt im zweiten Stock. Eine aufgedrehte, aber so freundliche wie ausländische Bedienung erklärte uns erst mal die Regeln: Vorsicht, es laufen auch Tiere frei rum. Eulen nur mit dem Handrücken streicheln, und nur auf der Rückseite. Nicht mit Blitz fotografieren. Und so weiter. Die Liste war überschaubar. Pro Person kostet der Spaß 850 Yen, also gute 6 Euro, und ein Getränk ist im Preis einbegriffen. Im Inneren sah es eher aus wie ein Minizoo mit schwacher, sprich eulenfreundlicher Beleuchtung. Keine Stühle – stattdessen schieben sich die Leute durch das maximal 100 Quadratmeter grosse Zimmer (schwer zu sagen bei der Dunkelheit und den vielen Sachen, die da so rumsitzen und rumstehen) und bleiben hier und da stehen, um die Kreaturen zu tätscheln und zu fotografieren. In der hintersten Ecke steht ein Getränkeautomat, für den man ausserhalb 100 Yen für einen Kaffee bezahlt. Aber deswegen ist man ja nicht hier.

Sympathisch und desinteressiert: Eulen am Tag

Sympathisch und desinteressiert: Eulen am Tag

Und überall sitzen sie rum – große Eulen und kleine Eulen, dicke und dünne, weisse und dunkle. Sie wirken sediert, aber wer kann das schon so genau sagen. Nachtaktive Tiere sind eben so am Tag, und ich kann es bestimmt nicht einschätzen, ob die Eulen von dem Rummel gestresst sind oder nicht. Doch es gibt nicht nur Eulen. Am abgedunkelten Fenster unterhalten sich zwei Flamingos. Daneben steht träge hinter einer Holztür ein Capybara, der größte Nager auf Erden (hausschweingroß und in der Regel sehr gutmütig). In Japan kennt jedes Kind dieses südamerikanische Monstermeerschwein, während sie zumindest in Deutschland nicht allzu bekannt sind. Der Kollege wird mir später noch einen Schrecken einjagen, als er mir irgendwann neben dem Kaffeeautomat plötzlich um die Beine streift. Selbst Erdmännchen gibt es (die allerdings nicht frei rumlaufen dürfen) sowie einen ziemlich zerzausten Kakadu, der eine ältere Besucherin eindeutig auffordert, ihm gefälligst den Kopf weiter zu kraulen.

Faszinierend, das alles. Besonders beeindruckt bin ich jedoch, als die (amerikanische?) Angestellte, die uns am Empfang begegnete, ohne jegliche Schutzhandschuhe eine ziemlich großgewachsene Eule, die langsam nervös wurde, einfach so vom Kaffeeautomaten klaubte, weil sie kurz davor war, sich zu verheddern.

Angestellte im Cafe nach der Rettung einer Eule vom Getränkeautomaten. Man beachte die Krallen. Also die der Eule, meine ich.

Angestellte im Cafe nach der Rettung einer Eule vom Getränkeautomaten. Man beachte die Krallen. Also die der Eule, meine ich.

Offensichtlich gibt man sich große Mühe, den Laden sauber zu halten. Es riecht weniger streng, als man erwarten würde, und es ist ziemlich sauber. Für die Tiere ist das ganze ziemlich wahrscheinlich weniger unterhaltsam (und ich wüsste nur zu gern, was da nachts im Laden so abgeht), aber wer weiss – vielleicht begeistern sich ja ein paar Besucher durch den engen Kontakt mehr für Tiere, man kann es nie wissen. Wer sich für den Ort interessiert – die Webseite befindet sich hier.

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Airbnb in Japan – ein Erfahrungsbericht

August 12th, 2017 | Tagged | 13 Kommentare | 1034 mal gelesen

Endlich bin ich dazu gekommen, Airbnb in Japan auszuprobieren. Grund dafür war Besuch aus Deutschland – wir waren damit zu sechst unterwegs, darunter zwei Kinder. Das Ziel nach langer Überlegung: Okayama oder Kagawa, denn wir wollten dieses Mal unbedingt nach Naoshima, der Kunstinsel in der Seto-Binnensee. In Okayama war leider nichts brauchbares zu finden, wie ich schnell feststellen musste. Schade eigentlich. Also habe ich die Suche auf Shikoku erweitert. Ein Haus sah besonders vielversprechend aus – das einzige Problem lag darin, dass das Objekt der Begierde weit ab vom Schuß liegt. Trotzdem siegte die Neugier. Die Anmeldung bei Airbnb war schnell getan und die Reservierung ging auch relativ schnell. 100% Vorkasse, aber gut. Wer nicht wagt… Der Vermieter meldete sich am folgenden Tag und schickte auch gleich ein paar nützliche Links.

Blick von der Terrasse auf die 2. Etage

Blick von der Terrasse auf die 2. Etage

Drei Tage vor der Abreise setzte ich noch eine Nachricht ab und fragte, wann und wo ich einchecken könne. Keine Antwort. Nanu? Kurz vor dem Abflug von Haneda, Tokyo, versuchte ich anzurufen, und Gott sei Dank meldete sich jetzt jemand. Eigentlich sollte man vor der Übernachtung im Laden des Besitzers vorbeischauen und dort den Schlüssel in Empfang nehmen, aber der Besitzer meinte, dass das ohne Auto ziemlich unpraktisch sei und wir deshalb direkt zum Haus fahren sollten – er werde Instruktionen schicken, wie wir dorthin gelangen und wie wir an den Schlüssel kommen.

Im Hausinneren

Im Hausinneren

Gesagt, getan. Eine gute Stunde später landeten wir am Flughafen von Takamatsu. Dann ging es rund 45 Minuten mit dem Bus zum Hauptbahnhof von Takamatsu. Dort kurze Stärkung, mit Udon versteht sich, und schon ging es weiter mit dem Zug gen Westen, Richtung Matsuyama. Gute 90 Minuten später kamen wir in Toyohama an, einem Ortsteil von Kannonji, einer kleinen Stadt im äußersten Westen von Kagawa. Und ich beschloss, dass wir ruhig zum Haus laufen könnten, um zu sehen, was es in der Umgebung so sah. Waren ja nur 2,8 Kilometer. Mit Gepäck zog sich der Weg hin, und ich stellte fest, dass das Haus wirklich weitab von allem lag. Zwischen Strand und Staatsstrasse, mit einem einzigen Restaurant (gemeinsam betrieben von einem Inder und einem Pakistani!) im Umkreis von zwei Kilometern, aber immerhin einem Convenience Store in rund einem Kilometer Entfernung. Hier sagen sich wirklich Fuchs und Hase gute Nacht.

Sonnenuntergang über der Seto-Binnensee

Sonnenuntergang über der Seto-Binnensee

Die Instruktionen waren recht deutlich. Wir hatten den Code zur Schlüsselbox und gingen erstmal ins Erdgeschoss und waren etwas verwirrt – war das alles? Wir kommen wir ins Obergeschoss? Aha, Außentreppe. Dort sah es dann interessant aus: Ein einziger großer, rund 100 Quadratmeter großer Bereich mit Kamin, zwei Seiten komplett verglast, einer amerikanischen Küche, einer grossen Sitzecke, dazu ein Extraraum für Kühlschrank und Müll, Toilette, Bad nebst grossem Vorraum und modernster Waschmaschine – und einem grossen Zwischenraum zwischen Dach und Bad, den man ebenfalls als Schlafstätte nutzen konnte. Aussen befand sich eine mindestens 50 Quadratmeter grosse Terrasse mit Tischen, Feuerholz, vielen Stühlen, etwas Kunstrasen usw.

Für die Kinder war das ein Paradies: Es gab viel zu entdecken. Für die Erwachsenen auch. Man steckte einfach sein Telefon in eine Dockingstation an der Wand, und schon erklang überall Musik, selbst im Bad. Geschirrspülmaschine, Ofen/Mikrowelle, viele Teller und Besteck – es mangelte einfach an nichts. Auf der Webseite stand auch, dass man eine Zapfanlage bestellen kann, und ich hatte mich zuvor darüber erkundigt: Die Antwort des Besitzers war, dass er das bereitstellen könne, und er auch das erste Faß kostenlos bereitstellen würde. Und da stand sie: Eine kleine, aber professionelle Zapfanlage, und unten eine Gasflasche sowie ein 10-Liter-Fass-Bier. Eis rein in die Zapfanlage und schon ging es los.

Mit der Abgeschiedenheit hatten wir uns schliesslich schnell arrangiert. Man konnte ja schnell Taxis rufen, die fuhren einen dann für rund 1,000 Yen zum nächsten Bahnhof. Da alles vorhanden war, konnten wir auch selbst problemlos kochen, falls wir nicht auswärts assen. Ansonsten war die Lage genial: Direkt an einem Minihafen, an dem man sehr gut Ebbe und Flut sah (der Tidenhub beträgt ein paar Meter). Der Deich war nur gute 100 Meter entfernt, und bei Ebbe begann dahinter ein schmales Watt. Und man konnte von der Terrasse die Sonnenuntergänge hinter der Seto-Binnensee sehen.

Wenn Himmel und Meer miteinander verschmelzen

Wenn Himmel und Meer miteinander verschmelzen

Die abgeschiedene Lage erwies sich als Vorteil: Es gab null Touristen. Wir hatten das Wattenmeer ganz für uns allein, kamen schnell mit vielen Einheimischen ins Gespräch und sahen eine Ecke, die man sonst nie sehen würde. Mit Taxis, Zügen und Fähren kamen wir überall problemlos hin. Und im Haus gab es alles, aber auch wirklich alles, was man braucht. Ein Treffen mit dem Besitzer scheiterte aus Zeitmangel letztendlich – schade eigentlich, denn er soll wohl sehr nett sein. Und vorausschauend: Wir mussten am letzten Tag das Haus vor 10 Uhr verlassen, und wir waren 9:30 fertig. Wir bemerkten ein Auto, das ein paar Meter weit vom Haus entfernt parkte – und ich dachte mir schon fast, dass das der Besitzer sein wird, der nach unserer Abreise alles kontrolliert. 15 Minuten später erhielt ich auch eine Nachricht von ihm nebst Bewertung, in der er sich für die makellose Nutzung und das Saubermachen bedankte. Vorausschauend deshalb, weil er sich nicht unangemeldet in die Abreise einmischte, denn das ist mit zwei Kindern immer ein bisschen chaotisch.

Fazit: Gerne wieder. In einem Hotel zu übernachten wäre erstens teurer und zweitens bei weitem nicht so entspannend gewesen. Die Unterkunft ist ideal für Gruppen von 4 oder 5 bis 11 Personen. Beim nächsten Mal werde ich sicherlich wieder auf Airbnb zurückgreifen.

Wer hat ebenfalls Airbnb in Japan benutzt und war zufrieden? Für weitere Tipps wäre ich sehr dankbar!

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