2017 – Ein Abgesang / Gesundes Neues Jahr!

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    Bevor sich traditionsgemäß am 31. Dezember Downtown 6 Stunden lang den Hintern versohlen lassen, gibt es den traditionellen, persönlichen Jahresrückblick. Das war, aus Sicht von Tabibito, das Jahr 2017:

    Politik
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    Jetzt ist es wirklich amtlich: Japan ist politisch so stabil wie schon lange nicht mehr, und Ministerpräsident Abe begann jüngst sein 5. Jahr als Ministerpräsident. Für japanische Politikerverhältnisse ist er damit ein wahrer Methusalem. Seine Politik kann man mögen, muss man aber nicht. Viele mögen seine Politik nicht, aber es mangelt schlicht an Alternativen. Der politische Witz des Jahres war das Auftreten (und sofortige Versagen) der neo-konservativen und völlig hoffnungslosen Partei der Hoffnung. Ansonsten war das Jahr geprägt von zahlreichen politischen Skandalen und Skandälchen, bis in die höchsten Führungsebenen, sowie einer wachsenden Sorge vor dem Waffenarsenal und der Unberechenbarkeit Nordkoreas.

    Wirtschaft
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    Eigentlich befürchtete man aufgrund des „Erscheinen“ Ronald Trumps als US-Präsident eine Zeit der Unsicherheit, einhergehend mit nervösen Märkten. Dem war offensichtlich nicht so. Es wäre zwar übertrieben, zu behaupten, dass die japanische Wirtschaft brummt, aber es geht ihr zumindest nicht schlechter als erwartet. Und dem Aktienmarkt geht es blendend – 2017 stieg der Nikkei-Index nahezu pausenlos an und erreichte am Jahresende ein Rekordhoch von 22’900 Punkten. 2012 lag man noch bei 8’500 Zählern. In jüngster Zeit ist die virtuelle Währung Bitcoin übrigens der ganz große Renner unter den Privatanlegern – da werden wohl bald ein paar Anleger ganz dumm aus der Wäsche gucken.

    Beruf
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    Dieses Jahr möchte ich lieber ganz schnell vergessen… prinzipiell hat sich jedoch nichts geändert (seit nunmehr 12 Jahren).

    Familie
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    Madame Tochter wird nun also 11 Jahre alt und beginnt im April ihr letztes Grundschuljahr. Monsieur Sohnemann besucht seit April die Grundschule, und weil er immer so aufmerksam und bei der Sache ist, darf er auch die ganze Zeit in der ersten Reihe sitzen. Könnte vielleicht auch daran liegen, dass er sich liebend gern mit anderen Sachen beschäftigt und deshalb vom Lehrer dort platziert wird…

    Reise
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    Dieses Jahr war nicht ganz so ergiebig. Die längste und interessanteste Reise war die in die Präfektur Kagawa (die 3. oder 4. Reise in die Präfektur) – mehr dazu siehe hier. Dort habe ich zum ersten Mal AirBnB in Japan probiert – und es auf gar keinen Fall bereut. Trotz Taifuns waren es sehr interessante Sommertage.

    Ansonsten bin ich seit November 2017 stolzer Besitzer eines japanischen Führerscheins und deshalb vermehrt mit dem Auto unterwegs – da das Bahnnetz ziemlich weitmaschig ist, erschliessen sich viele Orte erst mit einem fahrbaren Untersatz (erst gestern und heute habe ich eine 350-Kilometer lange Tour gemacht, die uns durch alle 6 Präfekturen der Kanto-Region führte).

    Normalerweise unternehme ich immer am Jahresende eine weitere Tour, aber aus urlaubstechnischen Gründen wird diese in diesem Winter erst am 4. Januar beginnen. Das Ziel: Die Kii-Halbinsel zu umrunden.

    Klassentreffen
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    Im Oktober fand ein Klassentreffen meiner ehemaligen Oberschule statt – das 25-jährige, und erst zweite insgesamt (das erste gab es nach 5 Jahren). Da ich mit vielen noch in Kontakt stehe, bin ich extra zum Klassentreffen nach Deutschland zurückgeflogen, und das war eine gute Entscheidung: Es tat gut, zu sehen, dass es allen gut geht, und das sich die meisten eigentlich nicht geändert haben. Und es ist seltsam, zu erfahren, dass man in der ehemaligen Schule (damals eine Schule mit Internat, untergebracht in einem Schloß) heute Apartments für rund eine halbe Million Euro kaufen kann — damals haben wir dort für 30 Mark pro Monat, mit Vollverpflegung und inklusive Fahrkarten für die Heimfahrt, gelebt…

    Meine alte Schule nebst Internat
    Meine alte Schule nebst Internat

    Blog +α
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    Dieses Jahr gab es 84 neue Beiträge – genau wie im Vorjahr.

    Der (wahrscheinlich) meistgelesene Artikel war Umfrage: Welche Orte sollte man in Japan gesehen haben? — und das offenbart mein Dilemma als Blogschreiber: Es sind diese eher sehr japan(stereo)typischen, touristischen Artikel, die für Traffic sorgen – die „Kernartikel“, in denen es um Politik und Gesellschaft geht, haben im Gegensatz dazu eine eher überschaubare Leserzahl. Das ist zwar frustrierend, aber ich werde vorerst trotzdem nicht den Schwerpunkt des Blogs ändern, da ich nach wie vor keine nennenswerten finanziellen Interessen bezüglich des Blogs habe.

    Ich wünsche bei der Gelegenheit allen Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr — das Jahr des Hundes. Dass mir 2018 ja keiner auf den Hund kommt!

    25 COMMENTS

    1. Alles Gute für 2018 ,
      und Danke für die schönen post in 2017.
      Ich wollte 2018 in die Heimat meiner Frau fliegen ( S-Korea) – Firma verkauft und alles hätte gepasst – shit happens. Schade – wir bereiten uns langsam darauf vor die Familie nach D zu holen, solange es noch Flüge gibt. Ist alles nicht witzig gerade.

      Wir wünschen uns Allen viel Glück und Vernunft.

      dear.
      Dentus

      • Oh je. Wir leben hier in Tokyo mit der ständigen Angst vor einem massiven Erdbeben, aber die offenbar stetig steigende Kriegsgefahr auf der koreanischen Halbinsel ist eine ganz andere Liga. Natürlich hoffe ich auf eine friedliche Lösung, aber selbst wenn das System Nordkorea von innen her zerstört wird, sprich implodiert, wird es für Südkorea sehr, sehr schwer… Hoffen wir das Beste.

        • Könnte sein,dass wir die Sache aus europ Sicht verzerrt sehen.
          Der Punkt ist einfach. Wenn es irgendwie eng wird, steig bei LH in Incheon ein und ich hole Euch in Frankfurt ab. Ich war in Seoul als Fliegeralarm war. Kannte ich nur aus meiner Kindheit als die Sirenen getestet wurden.

          • Das ist leider nicht so einfach. Im Kriegsfall werden Flugfelder, egal ob zivil oder militärisch, aus strategischen Gründen zuerst zerstört. Auf LH würde ich erst recht nicht zählen — die haben nach Fukushima als erste (vielleicht sogar einzige) Fluglinie kurzerhand und ohne Vorwarnung alle Flüge nach Tokyo eingestellt. Nicht zuletzt darfst Du nicht vergessen, dass hunderttausende Koreaner umgehend die gleiche Idee haben werden – da an ein Flugticket zu kommen dürfte sehr, sehr schwer sein.

    2. Vielen Dank für den Jahresrückblick!

      Es mag ja frustrierend sein, dass die Resonanz auf die Schwerpunktthemen des Blogs im Vergleich zu den eher mainstream angehauchten Artikeln geringer ist. Dennoch: Für mich persönlich macht genauer dieser Blick über die Stereotypen hinaus den großen Wert dieses Blogs aus.

      Ich freue mich auf nächstes Jahr!

    3. Als „stummer Leser“ einmal herzlichen Dank für die Berichte, gerade die über Politik, Gesellschaft und Leben, die ich immer mit großem Interesse lese.
      Ein gutes Neues Jahr!

    4. Auch von mir vielen Dank für die tollen Beiträge. Insbesondere die aus dem Bereich Politik und Gesellschaft lese ich immer sehr gerne.

    5. Auch ich wünsche dir und deiner Familie einen guten Start ins neue Jahr! Möge beruflich und in der Familie alles im grünen Bereich sein/bleiben!

      Ich lese sehr gerne deine Beiträge zu gesellschaftlichen und politischen Themen. Die sind meist schon so detailliert, dass ich nichts kommentiere. Denn Kommentare wie „Finde ich auch“ mag ich nicht beitragen :-)

    6. Lieber Tabibito
      Dir und Deiner Familie alles Gute für 2018 und ja: Auch ich lese lieber die aktuellen Politik/Gesellschaftstexte, weil ich Deine Kenntnisse sehr viel höher einschätze als die der deutschen Tagespresse. Und die touristischen Sachen sind hübsch (vor allem die Bilder) aber da ich in diesem Leben wohl nicht mehr nach Japan kommen werde, sind die für mich dann doch eher zweitrangig.
      Miau!

    7. Hallo tabibito,

      ich wünsche auch ein gesundes neues Jahr.
      Seit fast zwei Jahren lese ich jetzt deinen Blog und finde gerade die Beiträge über Politik und Gesellschaft interessant. Deshalb mach weiter so wie bisher!!

      Schönen Gruß aus Leipzig
      Thomas

    8. Auch von mir vielen Dank für die tollen Artikel. Ich habe mal vor über 20 jahren für eine Weile in Tokyo als Hausfrau und Mutter gelebt. Wir waren Expats. Es war eine interessante Erfahrung gewesen.
      Japan mit Land und Leuten lässt mich auch heute nicht los und ich habe mir schon viele Bücher gekauft. So kam ich auch auf Dein Buch und darüber auf den Blog. Ich freue mich schon auf weitere Beitrage über Land und Leute.

    9. Ich hoffe, ich verfälsche nicht die Statistik. Ich lese auch regelmäßig den Blog, rufe mir die Artikel aber nie auf, da sie auch in der Übersicht bereits vollständig lesbar sind…

      Auch für das Jahr 2018 freue ich mich auf die neuen Beiträge, weiter so!

    10. Lustig :D ich habe erst gerade mein Auto verkauft :D aus Gründen des Umweltschutz.

      Fand es Albern umherzureisen um die Natur zu bestaunen, sie im Zuge des Reisens aber zu zerstören.

      Aber ja, man kommt leider nicht überall hin, aber Mietwägen, Carsharing & Co. sind ja zum Glück eine sehr umweltfreundliche Alternative zum eigenen Auto.

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