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Fahrschule in Japan Teil 1

August 21st, 2017 | Tagged , | 8 Kommentare | 863 mal gelesen

Den deutschen Führerschein in Japan umschreiben lassen ist nur was für Weicheier Leute, die bereits einen gültigen Führerschein besitzen. Die ganz Harten (oder die, die einfach keinen deutschen Führerschein haben – oder zum Beispiel ihren Führerschein in den USA gemacht haben) ziehen die komplette japanische Fahrschule durch. Das ganze Prozedere ist dabei in zwei große Segmente gegliedert : Block 1 Theorie und Praxis, Block 2 Theorie und Praxis. Jeweils mit Prüfungen. Insgesamt durchläuft man also 4 Prüfungen – manchmal aber auch mehr, wie zum Beispiel in meiner Fahrschule.

Die Anmeldung ist einfach: Man zeigt seinen Ausweis oder Pass vor, macht kurze Seh-, Hör- und Motoriktests, zahlt etwas über 300’000 yen (rund 2’400 Euro) und schon ist man im Geschäft. Wer nur auf Automatikgetriebe lernen möchte, zahlt rund 20’000 yen weniger, darf dann aber entsprechend später nicht mit manuellem Getriebe fahren (andersrum geht). Die meisten Japaner machen heutzutage Automatik, und das ist in meiner Gegend zumindest verständlich, da es hier kaum einen Meter ebener Straße gibt. Man kann übrigens in Japan auch ganz ohne Fahrschule zum Prüfungszentrum gehen und dort die Prüfungen ablegen – dort lässt man solche Quereinsteiger aber zu 95% durchfallen. Wenn man nun sowieso nicht Auto fahren kann, ist die Fahrschule also eine notwendige Angelegenheit.

Nach der Anmeldung hat man genau 9 Monate Zeit, alles zu beenden. Wie praktisch. Genau so lang wie eine Schwangerschaft. Block 1 besteht aus 10 Theoriestunden und mindestens 10 Praxisstunden. In meiner Fahrschule stellt man das relativ geschickt an. Da man für die theoretische Zwischenprüfung 1’700 yen extra – je Versuch – zahlen muss, hat die Schule einfach eine eigene Prüfung, am Computer, davor geschaltet. Die kann man beliebig oft wiederholen, und das machen viele wohl auch: Nur 25% bestehen beim ersten Mal. Das ist nicht verwunderlich, denn man muss immerhin 90% der 50 Fragen (alle ja/nein) richtig beantworten, und bei der Hälfte der Fragen ist die Bezeichnung „Sprachtest“ angemessener. Erst danach kommt man ins nächste Level: Man macht die praktische Vorprüfung zur praktischen Zwischenprüfung. Wenn der Prüfer befindet, dass man reif für die Zwischenprüfung ist, kann man jene dann ablegen. Wer nicht bereit ist, muss mehr Stunden nehmen. Bei der 15-minütigen Fahrt beginnt man mit 100 Punkten. Danach gibt es je nach Delikt Punktabzug – wer unter 70 rutscht, kann aussteigen. Wer mit einem Reifen in den S- und L-Kurven über einen Bordstein fährt, kann ebenfalls aussteigen. Und zwar sofort, egal, wie viele Punkte man hatte.

Wer diese Hürden genommen hat, kann schließlich die theoretische Zwischenprüfung ablegen. Danach bekommt man die sogenannte 仮免許 karimenkyo, die provisorische Fahrerlaubnis. Erst mit dieser geht es raus auf die Strasse – alles andere davor spielt sich 場内 jōnai, auf dem Schulgelände, ab. Block 2 dann besteht aus mindestens 16 Stunden, darunter auch eine Autobahnfahrt. Ausserdem gibt es im Block 2 noch mal 16 Stunden Theorie, darunter 3 Stunden Erste Hilfe (es sei denn, man hat eine Ausbildung – die habe ich zwar, dank Y-Tours, aber das Übersetzen der Dokumente ist mir zu umständlich, und eine Auffrischung der Kenntnisse sicherlich nicht verkehrt).

Fahrschulgelände in Japan

Fahrschulgelände in Japan

Aufgrund der Arbeit kann ich natürlich nur an Wochenenden zur Fahrschule gehen – deshalb hat es letztendlich rund 2,5 Monate gedauert, Block 1 durchzuackern. Die Fahrschule ist ziemlich groß und gut durchorganisiert. Das bedeutet aber auch, dass man jedes Mal einen anderen Fahrlehrer hat, und das kann einen freilich in den Wahnsinn treiben – dem einen fährt man zu schnell um die Kurven („fahren Sie in der Prüfung bloß langsamer!!“), dem anderen zu langsam (Prüfer: „Also so langsam können Sie draußen aber nicht um die Kurven fahren!“)

Einen Ausländerbonus gibt es übrigens nicht. Allerdings erfuhr ich zwei Minuten vor der theoretischen Prüfung, dass es den Prüfungsbogen auch auf Englisch gäbe. Das war mir dann allerdings zu riskant, denn erstens vertraue ich, aus gutem Grunde, den japanischen Englischkenntnissen nicht, und wahrscheinlich hätte ich im Englischen auch Probleme mit den Definitionen. Das ist auch für Muttersprachler nicht einfach: Umgangssprachlich bedeutet zum Beispiel das Wort 車 kuruma „Auto“; in der StVO hingegen per definition „Gefährt“ und schliesst hernach Fahrräder und dergleichen ein.

Ach ja: Zum Thema gibt es übrigens einen interessanten (deutschen) Dokumentarfilm: You drive me crazy. Der begleitet einen Amerikaner auf Fahrschule in Japan, eine Deutsch in Indien und eine (sehr bemerkenswerte!) Koreanerin in München. Prädikat: Sehr unterhaltsam…

Teil 2 kommt später – versprochen. Hoffentlich noch in diesem Jahr…

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