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Kuzu – die Pflanze des Schreckens

Juli 13th, 2017 | Tagged | 7 Kommentare | 690 mal gelesen

Wo wir neulich erst beim Thema nach Japan eingeschleppter Feuerameisen waren (jenes Thema ist auch noch nicht beendet: Beinahe täglich findet man sie zur Zeit in diversen Ecken Japans – auch in Tokyo): Es ist ja nicht so, dass nur Japan Angst haben muss vor eingeschleppten Tier- und Pflanzenarten. Das Ausland sollte ebenso Angst haben vor aus Japan eingeschleppten Arten. Die bekanntesten Beispiele dafür sind ワカメ Wakame (eine in Japan gern gegessene Seetangart, die zum Beispiel in Neuseeland verheerende Schäden anrichtet) – und クズ Kuzu.

Kuzu im Garten lässt nicht auf sich warten...

Kuzu im Garten lässt nicht auf sich warten…

Letztere ist äußerst bemerkenswert, und ich kann aus eigener Erfahrung ein Lied von singen, da sie auch in meinem Garten „gedeiht“. kuzu bedeutet dabei übrigens im Japanischen auch „Abschaum“, aber das nur am Rande. Der lateinische Name lautet Pueraria montana, im Deutschen wird der Schmetterlingsblütler gern „Kudzu“ geschrieben. Bemerkenswert ist die Größe und Robustheit. Während der Regenzeit wachsen die Sprossachsen bis zu 25 Zentimeter an einem Tag. In unserem Garten gibt es eine 5 Meter grosse Betonschräge, und Freund Kuzu hat sich auf einem Streifen oberhalb der Mauer angesiedelt. Im April oder Mai versuche ich dabei, besagte Pflanze so gut wie möglich zu entfernen. Es dauert jedoch in der Tat meistens nur um die 3 Wochen, bis die Ranken wieder nach unten reichen. Und die Biester haben es in sich, denn sie können Stickstoff aus der Luft aufnehmen und kommen so bestens selbst auf sehr armen Böden zurecht. Nun könnte man natürlich versuchen, die Wurzeln auszugraben, aber das habe ich aufgegeben: Ein Versuch zeigte, dass die Wurzeln ziemlich gross sind. Laut diversen Beschreibungen bis zu 2 Meter lang und mitunter bis über 150 Kilogramm schwer.

Eigentlich sollte man über kuzu glücklich sein: Die Wurzeln sind sehr stärkehaltig, und man kann aus ihnen Nudeln oder Süßspeisen machen (die Wurzeln haben wohl sogar mehr Kalorien aus Kartoffeln) – vorausgesetzt, man schafft es, so ein Monster auch wirklich auszugraben. Die Blätter kann man in Öl frittieren und somit zu Tempura verarbeiten (noch nicht probiert, muss ich gestehen). Und aus den Ranken kann man wohl sogar Papier und Textilien herstellen. Für den werktätigen Gartenbesitzer ist das natürlich alles nichts. Man schaut nur gelegentlich mit mildem Horror darauf, wie das Biest unaufhaltsam auf das Haus zukriecht. Und das Kuzu-Problem – eigentlich ist die Pflanze nur im Ostpazifik heimisch – verursacht auch in anderen Erdteilen einigen Schaden und zählt deshalb zu den 100 of the World’s Worst Invasive Alien Species (siehe hier). Das folgende Bild veranschaulicht die Gefahr recht gut – aufgenommen in den USA, in die die Pflanze einst als potentielles Futtermittel eingeführt wurde:

Wo ist mein Haus!? Kudzu in den USA. Quelle: New York Invasive Species Information (www.nyis.info)

Wo ist mein Haus!? Kudzu in den USA. Quelle: New York Invasive Species Information (www.nyis.info)

Ob ich Freund Kuzu nun ausrotten soll oder nicht, weiss ich noch nicht so genau. Das Zurückschneiden der Pflanze hinter unserem Haus ist mindestens zwei Mal pro Jahr fällig und füllt jedes Mal rund 20 50-Liter-Mülltüten. Eine „Medizin“ ist schon bestellt – es ist wohl das einzige wirklich wirksame Mittel und eine Art Spritze, bei der man erst ein Loch in die Wurzel bohrt und dann die „Medizin“ reinsteckt. Das macht aber während der Regenzeit keinen Sinn.

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