Vergessen und dennoch da: Erhöhte Radioaktivität bei Tokyo

Juni 14th, 2017 | Tagged , | 2 Kommentare | 908 mal gelesen

Man hat in den letzten zwei, drei Jahren eigentlich kaum noch etwas darüber gehört oder gelesen, aber das bedeutet natürlich nicht, dass das Problem damit alleine verschwindet: Erhöhte Strahlenwerte, und zwar nicht nur in der unmittelbaren Umgebung des Reaktors in Fukushima, sondern auch in und um Tokyo. Nach dem Nuklearunfall gab es ja auch in Tokyo sehr unterschiedlich verteilte Strahlenwerte, wobei vor allem sogenannte „Hotspots“ in der Nachbarpräfektur Chiba auffielen, allen voran in den Städten Abiko, Kashiwa, aber auch in Urayasu.

Heute wurde bekanntgegeben, dass man an insgesamt 5 staatlichen Oberschulen im Stadtbereich von Kashiwa Strahlenwerte gemessen hat, die das gesetzlich erlaubte Limit von 0,23 Mikrosievert pro Stunde übersteigen. Und zwar teilweise deutlich – der höchste Wert lag bei über 0,7 μSv/h¹. Zwar wurde betont, dass die erhöhten Werte an Stellen gemessen wurden, wo normalerweise keiner hingeht (Abflußrinnen und dergleichen), aber gerade bei Schulen gibt es bekanntermaßen nur wenige Stellen, wo wirklich keiner hingeht.

Die Nachrichten kann man von einer positiven und einer negativen Seite sehen. Die negative Seite dürfte klar sein: Das Problem erhöhter Radioaktivität bleibt, allen Beteuerungen seitens der Politiker zum Trotz, bestehen. Und das wird noch sehr lange der Fall sein. Die positive Nachricht ist jedoch, dass das Monitoring zu funktionieren scheint – und das auf staatlicher und privater Seite. Die oben genannten Erkenntnisse stammen aus Messungen von staatlicher Seite. Aber in Kashiwa zum Beispiel gibt es auch Bürgermessungen, bei denen Freiwillige mit Geigerzählern vorgeschriebene Bereiche abgehen und dort – in einem Meter Höhe – mobile Messungen vornehmen. Diese werden dann auf einer Webseite veröffentlicht².

Dabei ist es interessant, zu sehen, wie sich die Lage verändert. Auf den folgenden Karten werden die Messergebnisse bei Begehungen der Bahnhofsgegend von Kashiwa dargestellt. Grüne Punkte bedeuten Werte von 0,1μSv/h und darunter; blau bedeutet 0,1 μSv/h bis 0,23 μSv/h (Quelle: Siehe ²):

Radioaktivität rund um den Bahnhof Kashiwa im Mai 2013

Radioaktivität rund um den Bahnhof Kashiwa im Mai 2014

Radioaktivität rund um den Bahnhof Kashiwa im Mai 204

Radioaktivität rund um den Bahnhof Kashiwa im Mai 2015

Radioaktivität rund um den Bahnhof Kashiwa im Mai 2015

Radioaktivität rund um den Bahnhof Kashiwa im Mai 2016

Radioaktivität rund um den Bahnhof Kashiwa im Mai 2016

Radioaktivität rund um den Bahnhof Kashiwa im Mai 2017

Radioaktivität rund um den Bahnhof Kashiwa im Mai 2017

Der Trend ist deutlich erkennbar — aber man darf nicht vergessen, dass hier in einem Meter Höhe, entlang gut befahrener (und gereinigter) Straßen gemessen wird. In direkter Bodenhöhe oder an Orten, wo sich Abwasser sammelt, sieht die Lage wieder ganz anders aus.

¹ Siehe Nachrichten von gestern und heute hier (Japanisch) und hier (Englisch).
² Siehe zum Beispiel hier.

Teilen:  

2 Responses to “Vergessen und dennoch da: Erhöhte Radioaktivität bei Tokyo”

  • mf23 sagt:

    0,7 μSv/h?
    Das ist natürlich Faktor 2-5 mehr als in D oder JP „in den meisten Gebieten“, aber immer noch (fast) gleich mit manch Bayerischer Wald Gegend in D oder eher ziemlich wenig mit sehr viel anderen Orten auf der Welt.

    Ich persönlich sehe eher das Wieder-Anschalten von vielen AKWs in Japan als grosses Zukunfts-Problem. Das wird irgendwann (lass hoffen wir sind zu alt dafür) dann wieder mit der JP Tektonik etwas „auslösen“…die Menschheit lernt nicht aus ihren Fehlern, in JP am allerwenigstens…scheint mir zunmindest.

  • Mike sagt:

    Hallo,
    naja Radioaktivität verschwindet eben nicht einfach, auch wenn das so mancher gerne hätte, und/oder auch behauptet. Das die Werte weiter entfernt schneller absinken ist ja klar, aber die Kernzohne um den Reaktor wird wohl noch sehr, sehr lange strahlen, aber es geht wie immer um Geld und Wählergunst.

    mf23, das die Menschen aus ihren Fehlern nicht, oder nur sehr selten und langsam lernen, ist leider werder neu, noch überraschend, dabei gäbe es doch grade in JKapan, eben durch die erwähnte Tektonik, und auch das Meer usw. viele Alternative Möglichkeiten Energie zu erzeugen.