Haben es „weiße“ Männer in Japan wirklich leichter?

Mai 18th, 2017 | Tagged | 10 Kommentare | 1136 mal gelesen

Dieser interessanten Frage wurde einmal in der Kolumne „Spare a thought for the Western men trapped in Japan“ in der Digitalausgabe der Japan Times nachgegangen (Link) – garniert mit einem Titelfoto, das einen 32-jährigen Deutschen zeigt, der nach 12 Jahren XY-Tours in Japan seine grosse Liebe fand, von ihr aber nach einem Jahr fallengelassen wurde, weil sie der Meinung war, dass er keine Perspektive in Japan habe.

Eine interessante Frage. Vorab aber vorsichtshalber eine Anmerkung zum Begriff „weisser Mann“ im Titel (Japankenner können das überspringen). In Japan unterscheidet man im Wesentlichen in アジア人 ajia-jin (Asiate), 黒人 kokujin (Schwarzer) und 白人 hakujin (Weißer). Das ist in Japan nicht abwertend gemeint und linguistisch verständlich. Alle Umschreibungen des Begriffes im Titel würden zu lang oder zu unkorrekt werden, schliesslich leben „die weissen Menschen“ westlich, östlich und südlich von Japan.

Als Mann hört und liest man so oft darüber, wie leicht es doch weiße Männer in Japan hätten. Sie hätten einen Ausländerbonus (den Chinesen und Koreaner jedoch nicht haben), könnten jede Frau rumkriegen und allein mit halbwegs passablen Englischkenntnissen Geld scheffeln bis de Arzt kommt. Zudem leben sie in Japan in einem veritablen Patriarchat, was für Männer natürlich, so sagt man zumindest, eine Spitzensache sei. Ist dem wirklich so?

Was das Geldscheffeln mit Englischkenntnissen angeht – nein, eher nicht. Sicher, man kann sich mit Unterrichten irgendwie über Wasser halten, doch wirklich reich wird man davon nicht. Nicht mehr. Die Englischindustrie hat, trotz fortlaufenden Bildungshungers der Insulaner, auch schon bessere Zeiten gesehen. Und gnadenlose Ausbeutung von Ausländern in einigen Privatschulen gab es auch schon immer und gibt es immer noch. Wenn man Pech hat.

Roppongi - wer hier auf Brautschau geht, sollte wissen, worauf er sich einläßt

Roppongi – wer hier auf Brautschau geht, sollte wissen, worauf er sich einläßt

Doch wie sieht es mit den Frauen aus? Genau hier liegt das Problem. Sicher, wenn man in punkto „aufreißen“ die richtigen Wasserlöcher kennt (Stichwort Roppongi), muss nicht gerade blendend aussehen, ein guter Unterhalter sein oder mit Geistesblitz brillieren. Irgendein Deckel findet sich dort allemal für jeden Topf. Doch allzu viele ausländische Männer scheinen sich da blenden zu lassen. Der Fokus auf „kawaii“ (niedlich) sollte nicht davon ablenken, dass natürlich auch japanische Frauen ihre eigene Agenda haben. Die sieht in vielen Fällen nur zwei Optionen vor: Entweder soll der exotische Lover dazu dienen, Japan entfliehen zu können (um nach etlichen Jahren dann festzustellen, dass man ganz unbedingt wieder zurückziehen muss, ob das dem Mann gefällt oder nicht). Oder man hat den typischen japanischen Weg im Sinn: Der Mann soll möglichst viel Geld verdienen, denn die Frau denkt nach der möglichen Geburt von Kindern gar nicht daran, zu arbeiten (was zu einem grossen Teil leider an der Gesellschaft liegt, die einen solchen Schritt nicht gerade fördert). Ein schönes Haus, ein dickes Auto, viele Geschenke und gutes Essen sollen es dann aber natürlich dennoch sein. Nach der Geburt der Kinder ist der Mann oftmals vorerst sowieso passé, was aber nicht so schlimm ist, wenn er in einer japanischen Firm arbeitet, denn dann kommt er eh kaum nach Hause.

A propos Arbeit: Egal ob man japanisch spricht oder nicht, man ist und bleibt immer der Exot. Das kann in einigen Firmen gut sein, in vielen Firmen ist es jedoch eher schlecht: Verwehrte Aufstiegschancen haben schon so manchen verzweifeln lassen, zumal japanische Firmen nach wie vor immer noch nicht nach dem Leistungsprinzip, sondern nach dem Senioritätsprinzip funktionieren. Da kann man noch so gut sein – man steigt einfach in den nächsten 10 Jahren nicht auf. Wenn man bis dahin nicht an der Arbeitsmoral der Kollegen verzweifelt, die tagsüber sinnlos rumrödeln und dann versuchen, das ganze mit täglichen und sinnlosen, oft unbezahlten Überstunden wieder wettzumachen – vom ausländischen Mitarbeiter wird oft verlangt, dabei mitzumachen.

Doch wie in jedem Fall gibt es zum Glück auch Ausnahmen. Und das eine Frau lieber einen Partner wählt, der „Potential“ hat, ist einfach nur menschlich. Doch während es genügend Ausnahmen gibt, bei den Partnerinnen wie auch bei den Arbeitsplätzen, sollten glühende Japanfans, die mit dem Gedanken spielen, sich „mal eben“ in Japan niederzulassen, gewarnt sein. Japan ist eben kein Schlaraffenland – auch hier muss man sich gehörig ins Zeug legen. C’est la vie.

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10 Responses to “Haben es „weiße“ Männer in Japan wirklich leichter?”

  • Ali sagt:

    Haha da reicht nur ein Blick ins alte Gaijinpot Forum wo traurige Männer über die bösen, gierigen japanischen Frauen jammern und nicht verstehen warum denn in diesem vermeintlichen Patriarchenparadies die Frauen das Geld verwalten und sogar ab und zu mal aufmucken und nicht 24 Stunden am Tag nur die fürsorgliche devote Asiatin spielen. Schon gemein, sowas!

    • LennStar sagt:

      Eine Stunde täglich reicht ja auch. Wobei eine kleine dominante auch ganz interessant sein kann ;)

      Wobei das Geldverwalten auch keine japanische Erfindung ist. In meinem Umfeld war eigentlich immer so, dass die Frauen das gemacht haben. Männer waren halt zu doof dafür ;)

  • zoomingjapan sagt:

    Und wie es den „weißen“ Frauen in Japan geht, fragt schon gar niemand mehr! ;)

    Im Großen und Ganzen unterschreibe ich das so, aber wie du schon sagst, es gibt immer Ausnahmen und individuelle Geschichten, die sich nicht alle über einen Kamm scheren lassen. :)

  • Jörg sagt:

    Die Lektüre von Japaneseruleof7 ist in der Hinsicht sehr erhellend, oder eher: ernüchternd ;-)

  • Enrico Blischke sagt:

    Tara willkommen in der Wirklichkeikt. Bei meiner Frau hatte ich wohl richtig Glück! Firma spiel ich das Spiel mit bis zu einen gewissen Grenzwert an Überstunden wenn es drüber hinausgeht greift Regel zwei Senjorenprinzip. Ausländer Bonus ist bei mir so das Kolegen Respekt haben und wenn mal einer nicht gradeausläuft gibts mecker vom Gaijin was mindestens so unangenehm ist wie seinen eigen Fehler vor versammelter Belegschaft zugestehen. Also alles in allem bin ich von all dem verschont geblieben bis heute, weiß schon was die Zukunft bring.

  • Klaus D. Orth sagt:

    So manchem sind nach Jahren die Augen „geoeffnet“ worden.

    Japan, das Land der eierlegenden Wollmilchsau, das war einmal.

    Empfehlenswerte Lektuere fuer alle, die von Mangas, cosplay, geishas und so weiter traeumen!!

  • B. Westphal sagt:

    … solche Frauen gibt es auch in Japan? Erstaunlich wie sich alles wiederholt. XD

    Nur die Gruppendynamik und die Arbeitsansichten sind grundlegend (?) verschieden. Urlaub in Japan war jedes mal sehr schön, aber hinziehen, nee danke. Geht schon beim Essen los, dann das ätzende Klima im Sommer … :D

  • Julia sagt:

    Ich sage ja nicht, dass sie es leicht haben, aber zumindest haben es weiße Ausländer mit möglichst englischsprachigem Hintergrund in Japan leichter, auch ohne irgendeine Qualifikation einen Job als Englischlehrer zu bekommen, selbst wenn der nicht super zahlt. Asiaten mit Englisch als Muttersprache oder gar Schwarze gehen da oft leer aus, selbst wenn sie eventuell sogar besser qualifiziert wären.
    Ich habe auch immer das Gefühl, dass alle Männer, die sich von Frauen reingelegt fühlen, die Suche falsch anstellen. Wenn ich eine liebe Frau will, aber denke, sie mit einem dicken Auto anlocken zu müssen, ist es doch fast klar, dass da eher eine geldgierige Frau anbeißen wird.

    Was uns weiße Frauen angeht… Ich kann nur für mich sprechen, aber im japanischen Büro bekam ich ständig gesagt, ich müsste abnehmen, schleunigst heiraten und mich gefälligst japanischer (also unterwürfiger) verhalten. Super wenn man eigentlich eingestellt ist, gerade um eine Exxpertinnenmeinung abzugeben und findet, dass die Kollegen oder Chefs sich aus dem Privatleben und Gewicht raushalten sollten.
    Außerdem bekommt man irgendwie ständig von den weißen Männern in Japan gesagt, man solle blooooooß keinen Japaner heiraten. Ich hab es trotzdem getan und bereue es kein Stück, da mein Mann sicher tausendmal weltoffener ist als diese ganzen Schlipsrassisten. (Wie nennt man gleich Rassisten, die keine Flüchtlingsheime anzünden, aber halt diskriminierenden Müll erzählen?) Mein Mann tut mehr im Haushalt als einige deutsche Männer, die ich kenne, auch wenn er leider viel arbeitet. Aber nächstes Jahr ziehen wir wieder nach Europa, wo man nach Hause gehen darf, wenn man seine Arbeit beendet hat, und nicht wenn die Kollegen fertig sind mit Zeitunglesen.