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Glück gehabt! Japan muss doch kein Englisch mehr lernen

April 20th, 2017 | Tagged , , | 11 Kommentare | 922 mal gelesen

Vielen stand schon der Angstschweiß auf der Stirn: Rugby WM 2019? Olympische Spiele 2020? Kommen da nicht furchtbar viele Ausländer? Die womöglich nicht der japanischen Sprache, obwohl sie doch so schön und wohlklingend ist, mächtig sind? Müssen wir wegen denen etwa Englisch lernen? Wie sollen wir das machen, wo doch noch nicht einmal die Englischlehrer an den Schulen richtig Englisch sprechen können? Schließlich haben wir ja mit „o-mo-te-na-shi“ (japanische Gastfreundschaft) geworben!

Doch jetzt kommt der Retter in der Not. Panasonic. Mit einem wahrhaft genialen Produkt, das sich durchaus mit dem „hon’yaku konnyaku“¹ der beliebten blauen Katze messen kann: Dem メガホンヤク Megahon’yaku, einem Wortspiel aus „Megahon“ (Megaphon) und „hon’yaku“ (Übersetzung). Das enorm große, rot-weiße Gerät hat eine Art Übersetzer mit Display integriert. Man spricht auf japanisch hinein, und heraus schallt es in der eingestellten Sprache – Englisch, Chinesisch und Koreanisch gehören dazu. Die ersten Geräte sind wohl schon auf dem Internationalen Flughafen Narita in Einsatz.

Megahon'yaku von Panasonic. Genau richtig, um die sturen Ausländer anzubrüllen!

Megahon’yaku von Panasonic. Genau richtig, um die sturen Ausländer anzubrüllen!

Was für ein Glück! Nun muss man die ganzen Einsatzkräfte nur noch mit dem Megaphon ausstatten und kann sich somit die teuren und häufig sinnlosen Englischkurse sparen! Man kann damit auch unnötige Diskussionen – denn Ausländer sind ja bekanntlich störrisch, undiszipliniert und stellen alles in Frage – vermeiden, denn der Megaphonträger versteht ja schliesslich etwaige Antworten oder Kommentare nicht. Genial! Das sind mindestens zwei Fliegen, mit einer Klappe!

Wie das ganze jedoch mit der viel gerühmten Gastfreundschaft in Einklang gebracht werden kann, ist mir ein Rätsel. An allen Ecken und Enden mit einem Megaphon angeherrscht zu werden, dass man sich gefälligst hierhin stellen soll und dies und jenes unterlassen soll, erscheint mir wenig attraktiv. Aber vielleicht kriegt man das ja mit einem Lächeln wieder hin.

Das Produkt ist noch nicht mal eine sensationelle Neuerung. Diverse Smartphone-Apps können sowas schon länger und besser – und ein solches anstelle eines Mikrofons an ein Megaphon anzuschliessen sollte so schwer nicht sein. Trotzdem wird das Megahon’yaku auf allen Kanälen als Sensation vorgestellt. Schöne neue Welt eben – Ausländer in die Schranken weisen, ohne deren Sprache sprechen zu müssen! Wenn mich demnächst jemand mit diesem Gerät anquatscht, werde ich wahrscheinlich auf stur schalten. Ich bin ja schließlich weder Engländer, Amerikaner, noch irgend ein anderer 英語人 eigojin (Englischmensch).

Das folgende, offizielle Video ist absolut sehenswert – vor allem die ersten 30 Sekunden. Und man deklariert das ganze sogar als „omotenashi – gastfreundlich“!

¹ Die Zeichentrickfigur Doraemon kommt aus der Zukunft und hat allerlei interessante Utensilien zur Hand, dazu zählt das „hon’yaku konnyaku“. „Hon’yaku“ bedeutet „Übersetzung“, „konnyaku“ ist ein geleeartiges Nahrungsmittel. Wer „hon’yaku konnyaku“ isst, kann plötzlich alle Fremdsprachen verstehen.

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