Denden? Unnun! Wenn Politiker nicht lesen können…

Januar 27th, 2017 | Tagged , , | Kommentare deaktiviert für Denden? Unnun! Wenn Politiker nicht lesen können… | 699 mal gelesen

Im japanischen Parlament geht es wirklich öfter mal zu wie im Kindergarten. Dazu zählen ungezogene Parlamentsabgeordnete, die laut herumbrüllen. Oder Plakate hochhalten im plüschbewehrten Parlamentssaal. Darüber mokierten sich neulich die regierenden Liberaldemokraten. Da ließen es sich die oppositionellen Demokraten nicht nehmen, im Archiv zu kramen – und siehe da, während der kurzen Regierungsphase der Demokraten um das Jahr 2010 herum standen da doch tatsächlich Liberaldemokraten mit Plakaten in der Hand im Parlament.

Abe wollte dies wiederum kontern, unter anderem mit der Bemerkung, dass er bei seiner Attacke auf die Plakathalter nie die Demokraten namentlich genannt hatte. Doch dann verhaspelte er sich beim Lesen: Irgendwann hieß es „teisei denden“. „Teisei“ bedeutet „Korrektur“, aber was in drei Teufels Namen bedeutet das Wort „denden“ hier?

Das Manuskript lag nicht vor, also konnte man nur rätseln. Wahrscheinlich stand dort aber

訂正云々

– schließlich liest man das sehr geläufige Schriftzeichen „伝“ (unter anderem) „den“, und das Schriftzeichen „云“ ist relativ selten. Richtig wird das Wort jedoch „unnun“ gelesen (und bedeutet „und so weiter“).

Die Häme war natürlich gross, vor allem beim in Japan besonders beliebten Twitter-Netzwerk. Beispiele:

Schöne Persiflage auf Pikotaro!

Dieser ist auch interessant: „…das eigentliche Problem ist doch, dass die Regierung Abe so eine Sache mit einem schnöden ‚und so weiter‘ vom Tisch wischen will…“.

Für alle Japanischlernenden sollte das jedoch zur Beruhigung beitragen. Selbst japanische Ministerpräsidenten sind vor Schriftzeichen und deren Lesungen nicht sicher. Es stimmt natürlich aber nachdenklich, dass ein seit 5 Jahren regierender Ministerpräsident Manuskripte im Parlament vorliest, die er noch nicht einmal selber lesen, ergo verstehen, kann…

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